SKaudi und des Stabtt)crortxu'tcu Simon wird folgende Entschließung einstimmig angenontmen:
Die Bürger der am heutigen Abend im Cgfe Ebel versammelten Bürgervcrsainmlung erklären sich in allen wesentlichen Punkten Mit den von Herrn Geheimrat Soininrr in seinem Bortrag „Die Gewinnung der Lahn sür die Stadt Gießen" gemachten Vorschlägen einverstanden und beauftragen Herrn Gel-eimrat Sommer, bei der Stadtverordnetenversammlung die entsprechenden An träge zu stellen.
Mit Worten des Dankes schloß hierauf der Vorsitzende die Versammlung.
flttf Stadt Mild Land«
Gießen, 12. Juni 1914.
** Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen an Heinrich Baum b ach, Johann Georg Kraft, Otto Weiß, Karl W i e ß n e r, Louis Z e u n g e s, Friedrich S p a m e r, Heinrich Sparet I., sämtlich zu Schotten.
** Die Großh. Hessische Staatsschuldenverwaltung gibt bekannt: Die am 1. Juli 1914 fülligen Zinsen der in das Hessische S t a a t s s ch u l d b u ch eingetragenen Forderungen werden bei allen in Betracht kommenden Hessischen Kassen rmd bei den Rcichsbankanstalten vom 17 Juni ab gezahlt. Vom gleichen Tage ab wird die Staatsschuldenkasse die durch die Post oder durch Gutschrift auf Reichsbank-Girokonto zu berichtigenden Schuldbuchzinsen überweisen.
** D i e Eeplon-Ausstellung ist heute eröffnet worden. Es wird daraus auimerksam gemacht, daß Schulen unter Führung ihrer Lehrer' die Ausstellung bereits von 8 Uhr vormittags ab besuchen können. Die Besichtigung nimmt etwa eine Stunde in Anspruch. Um Uebersüllung an einzelnen Tagen zu vermeiden, wiöd gebeten, Schulklassen ein bis zwei Tage vorher bei der Verwaltung des Botanischen Gartens anzumelden.
** Engel in der Kunst. Wie man uns mittcilt, ist der Kartenverkauf für die am 20. und 21. Juni d. I. im hiesigen Stadltheater von den beiden hiesigen Frnucn-Kolo-< nial-Vereinen veranstalteten Wohltätigkeils - Aufführungen ,,Engel in der Kunst" sehr rege und cs empfiehlt sich sür Interessenten, sich bei der Porverkaufsstellc, Herrn Ernst Challier, hier rechtzeitig sür Karten zu sorgen. Die in Anbetracht des Gebotenen äußerst niedrig gestellten Eintrittspreise sollten namentlich auch die hiesigen Bürger- und weiteren Bolkskrcise veranlassen, sich diese einzig dastehende, in darstellerischer wie musikalischer Hinsicht hervorragende Ausführung anzuschen und dadurch auch ihren Teil zu den wohltätigen Werken der genannten Vereine, wie auch zu der Sammlung des Roten Kreuzes, bcizulragen.
** Ortskranken lasse Gießen-Stadt. Am Mittwoch abend fand im Saale des Postkeller die erste Ausschußsitzung der Krankenkasse statt. Rach einer Begrüßung durch den Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Bolz, wurden die Herren Cbr. Schmidt und Mann zu Beisitzern, Truckcreibesitzer Meher als Schriftführer für die Sitzung bestimmt. Als ständiger Vorsitzender des Ausschusses wurde Fabrikant Horst, als Urkundspersonen bei Laus von Grundstücken usw. Rechtsanwalt Raab und Ge- werkschastssekretär Mann gewählt. Bei der Beratung der K'rankenordnung rief besonders §1 derselben, wonach die Mitglieder vor Inanspruchnahme des Arztes einen Behandlungsschcin <nrs der Kasse holen müssen, eine außerordentliche lebhafte Aussprache hervor, die aber schließlich doch dazu führte, daß die vom Vorstand vorgclegte stran« kenordnung nahezu einstimmig genehmigt wurde. Der weitere Punkt der Tagesordnung^ dieTienstordnungdcr Beamten der Küsse wurde der vorgerückten Zeit wegen vertagt. Tie nächste Ausschußsitzung wird voraussichtlich am Freitag, den 19. l. Mts. stattfinden.
Kreis Schotten.
z. Sichenhausen, 11. Juni. Bürgermeister Fischer hat, wie tvir kürzlich berichteten, sein Amt aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt. Wie nun verlautet, hat er sich entschlossen, da er von der Behörde gebeten wurde, es wieder zu behalten.
A ßnubadi, 10. Juni. Fräulein Johanna Otto stislete der Stadt 110 000 Mt. mit der Bestimmung, daß die Zinse» zur Ausbildung von Kinder» Lanbacher Ortsbnrgcr verwendet werden müssen. Vorläufig erhalten zwei Verwandte der Slisteri» je 000 Mk. jl> ihrer Ausbildung. 3»m Obmann de? Sliftiings- vorstandcs wurde Büraernieister Ritter bestimmt. — Der Tentsch- Amerikaner Christian Dahier, ein Sohn unserer Stadt, schenkte 4900 Alk. Es soll oavo» eine Badeanstalt angelegt werden. Dahier ist 1830 hier geboren, im Alter von 23 Jahren ging er »ach Amerika, wo er ans Seite» der Nordstaaten den Bürgerkrieg mitniachte.
Kreis Friedbcrg.
lr) Klein-Karbew, 11. Juni. Heute wurde der .19 jährige Taglöhner H. H. von Erlangen hier verhaftet, weil er seinem hiesigen Dienstherr» 200 Mk. gestohlen hat. Der Verdacht halte sich erst auf einen anderen jungen Mann von Klein-Karben gerichtet, aber durch eine Aeußerung des H. in einer Wirtschaft wurde man ans ihn aufmerksam, und als mau ihm den Diebstahl auf den Kopf zusagle, gab er die Tat auch zu. Von dem Geld waren noch 8 Mark vorhanden. Für ca. 100 Mk. hat er sich Kleider, Uhr und goldene Kekte gekauft, während er den übrigen Teil mit lüderlichen Frauenzimmern in Frankfurt verjubelte. H. wurde, da cs sich um Dicbstabl im wiederholten Rückfall handelt, in Untersuchungshaft ge- nonlmen.
h. Dorn-Assenbeim, 11. Juni. Am Montag frühwurde, wie gemeldet, der hiesige Scksiiser Herrmann von einem Automobil übcriahrcn und schwer verletzt aus der Landstraße liegen gelassen. Ter gewissenlose Wagcnsührer wurde heute in der Person des Georg H o l z a v s e l vom Hanauer Automobildroschken-Ber- lcihgcschäst ermittelt.
Starkenburg und Rheinhessen.
rb. Tarm sta dt, 12. Jum. Die Zweite Kammer letzte heute die Anssvrackic über die nationale Einheitsschule sort. Als erster Redner sprach Abg. Bath, der in längeren Ausführungen seine Stellung zu den einzelnen Punkten kennMichnctc. Sic Sitzung iSucrt sort.
d. Mainz, 10. Juni. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten kam eine Beschwerde der Installateur-Innung gegen das städtische Gaswerk zur Besprechung. Die Installateurs erhoben Protest gegen die Konkurrenz des Gaswerks. Die Be- sckwerde wurde von dem Dezernenten des Gaswerks eingehend widerlegt und für unbegründet erklärt. Die Versammlung ging über die Beschwerde zur Tagesordnung über. — Für die Straßenbahn linie vom Hauptbahnhos nach dem neuen .Krankenhanse wurden 160000 Mk. bewilligt und sür die Erneuerung der Gleisanlage aui dem Bisniarckplatz und Einbau eines zweiten Glejscs 20 370 Mk. genehmigt. — Dem Lustsahrerverein wurden zu den Kosten der kriegsmäßigen Ballonvcrsolgung am 13. Juni 2000 Mk. bewillig! gegen die Sozialdemokraten „ich einen Teil der Freisinnigen.
Kreis Wetzlar.
— Gleiberg, 11. Juni. Aus Einladung der sreiwillige» Feuerwehr von Krosdorf tagte am Sonntag aus der hiesigen Burg die diesjährig« Versammlung der freiw. Feuerwehren
des Kreises Wetzlar. Der Versaininlung ging eine Hebung der Wehr von Kroldors voraus. Kreisbrandmeisler A l t h e >i erstattete den GeschästS- und Kastenbericht. Der nächste Bezirkstag wird in Naiiborn abgehalten.
Hessen-Nassau.
// Marburg, 11. Juni. Etwa 300 Angehörige des evangelischen Bundes in Wiesbaden besuchten hciitc unsere Stadt. Ihnen zu Ehren fand in der Elisahetbkirchc ein Gottes dienst und anschließend rm Rittersaal des Landgrasenschlosses eine Versammlung statt. Im Turncrgarten schloß sich geselliges Zusammensein an.
m. Bad Wildun gen, 10. Juni. Die Einweihung der Waldecker Talsperre soll, wie bestimmt verlautet, Mitte August ds. Js. im Beisein des Kaisers, der um diese Zeit auf Schloß Wilhelmshöhc tvellen wird, erfolgen. Tie Arbeiten an der Sperrmauer sind soweit gediehen, daß der vorgenannte Zeitpunkt der Einweihung jedenfalls eingchaltcn werden kann. — In einem hiesigen größeren Hotel wurde durch Einsteigen in ein offenes Fenster einem Kurgast die Brieftasche mit 1000 Mark Inhalt aus dem Schlaszinnner gestohlen.
Schwurgericht.
th. Gießen, 11. Juni.
Von der Brandstiftung fre i ge spr o ch e n.
Heute verhandelte das Schwurgericht tagüber gegen den Bergmann Magel von Flensungen, der unter der Anklage stand, am 5. April d. Js., am Palmsonntag, an dem seiner Ehefrau gehörigen Anwesen einen Biandstiftungsvcrsuch unternommen zu haben. Die Anllagc vertrat Gcrichtsassessvr K n a u ß, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Tr. Ro sende rg Es waren ln der Verhandlung etwa 20 Zeugen und als medizinischer Sachverständiger Geh. Mcdizinalrat Dr. Habcrkorn zu hören.
Der Angellagtc, der wiederlwtt vorbestraft ist, darunter verschiedene Mal wegen Körpcrvcrletzimg, ist .39 Jahre alt und zu Tolms-JIsdors als der Sohn eines Landwirts geboren. Er bestreitet drc ihm zur Last gelegte Tat. Die Verhandlung förderte ein überaus trübes Familicnbild zutage. Magcl sagt aus, daß er im Jahre 1905 feine Frau geheiratet habe, die damals 3 uneheliche Kinder hatte. Sie hat als Wirtschafterin mit einem alten Landwirt gelebt, der ihr eine Hofteite in Flensungen hinterließ. M. will von der Ehetrau nicht gut behandelt worden sein, sic sei ihm auch nicht treu gewesen und er habe sich infolgedessen dem Trünke ergeben.
Bürgermeister Bräuning von Flensungen schildert, wie der Angeklagte zu der Frau gekommen. Es war im Dorfe ein ossenes Geheimnis, daß die Frau Magcl mit dem 69jährigen Landwirt R. im Konkubinat gelebt hat, daß dieser ihr die Hofteite, die sie mit in die Ehe gebracht bat. zwar ordnungsgemäß verkauft hat und den Emvsang des Kaufgeldes quittierte, daß aber der Kaufpreis nie bezahlt wurde. Der Angellagtc ist besonders IN landwirtschaftlichen Arbeiten sehr bewandert, hat zuletzt im Bergwerk gearbeitet, ist aber der steten Arbeit aus dem Wege gegangen. Es ist dem Bürgermeister zu Ohren gekommen, daß M. Frau und Kinder häusig mißhandelt har. Wer die Schuld daran trägt, daß in der Familie keine Ruhe und kein Frieden hcrrschie, kann der Bürgermeister nicht angebcn. Aus Betreiben der Ehefrau Magcl war über deren Mann die Winshaussperre verhängt. Er als Torsobcrhauvt hatte gegenüber den Eheleuten einen schweren Stand. Mitte Februar kam tue Frau zu ihm und bat, daß die Sperre über ihren Mann wieder zurückgenommen werde, sie wolle es noch einmal so mit ihm probieren. Aber kaum war ein dahingehender Antrag an das Kreisomt gerichtet, so wandte sich die Frau wieder an ihn mit der Bitte, die Sperre bestellen zu lassen. Aus Befragen erklärt der Zeuge, daß im Dorfe unter der Bevölkerung allgemein darüber gesprochen wird, daß Frau Magel auch während der Ehe sich mit anderen Männern abgegeben habe. Am l. April d. I. hatte sich der Anqe- llagte nach Lehnhckm abgemeldet, wo er angeblich eine Stelle bei einem Landwirt angenommen habe. Am Palmsonntag nachmittag wurde dem Bürgermeister gemeldet, in der Magelschcn Hofteite brenne es. Er hat sich sofort an Ort und Steile begeben. Die Nachbarn und ein Feuerwehrmann hatten den im Entstehen begriisenen Brand bereits mit einigen Eimern Wassern abgclöscht. In einem Ställchen war eine Matratze verkohlt, ln der Küche, deren Fußboden mit Steinen gedeckt ist, waren Kleidungsstücke der Frau Magel in Brand gesetzt. Es wurde im Torf vermutet, der Brand sei von Frau Magcl selbst angelegt worden. Er bat aber dagegen gesprochen, weil er nicht glauben konnte, daß eine Frau ihre eigenen Kleider in Flammen setze. Ter Bürgermeister ist der Ansicht, daß der Brand nicht nur den Gebäuden der Magelichcn Hofteite, sondern auch den Häusern der Nachbarn hätte Schaden bringen können, wenn er nicht rechtzeitig entdeckt worden wäre. In dem Stall lagen brennbare Stoffe genug. Der Raum, in däm die in Brand geletzte Matratze sich befand, war mit Holzknüppcln nach oben abgedcckt, darüber lagen Futter- Vorräte usw. Auch der Brand in der Küche konnte die Tür ergreifen und stand dann die Treppe in Gefahr, zu verbrennen. Das Wohnhaus ist aus Holzsachwerk hcrgestellt und nach einer Seite mit Brettern verschalt. Der Bürgermeister erllärtc, er traue dem Angrllagten zu, die Tat begangen zu haben, dieser hat ihm gegenüber einmal geäußert: „Wenn er aus dem Hause müsse, passiere etwas!" Vor Jahren brannte die Scheune van Magels Vater nieder. Der Angcllagte war damals unter dem Verdacht der Brandstiftung in Untersuchung gcnonnncn, doch wurde das Verfahren eingestellt. Trotzdem besteht im Torte die Ansicht, daß er damals dcni eigenen Vater die Scheune angezündet hat.
Aus Befragen des Vorsitzenden erklärt der Bürgermeister, daß der Angeklagte schon als lediger Mann Alkoholiker gewesen sei. Man fürchtet ihn im Dorf. Richtig mag ja sein, daß esr in der Ehe keine Häuslichkeit gesunden: die Frau ist viel außerhalb des Hauses und hat für ihn schlecht gesorgt.
Tic Ehefrau Minna Magel, belehrt, daß sie gegen den eigenen Mann jede Aussage verweigern kann, will Zeugnis ablegcn und wird unvereidet vernommen. Sie bekundet, daß ihr Mann nicht viel geschafft habe, dabei wollte er immer' gut essen und trinken und hat sic und die Kinder roh und gewalttätig behandelt. Ost mußten sie bei den Nachbarn Schutz suchen. Die Zeuglin erklärt, daß der Mann sic mü Sense und Apt bedroht hat, wegen einer an ihr verübten schweren Körperverletznng wurde der Ehemann vom Grünbcrgcr Schöffengericht mit Gefängnis bejtrast. Die Frau wollte von ihrem Manne los und versuchte es mit einer Scheidung. Der Vermittlung des tzleistlichcn aber gelang es stets, die beiden Leute beieinander zu halten. Die Zeugin gibt zu, daß sic die WirtshauSsperre über ihren Ehemann beim Kreisamt betrieben hat, daß es ihm aber doch gelang, Schnaps zu bekommen und daß er sie und die Kinder nun erst recht dpangsaliert habe. Mitte Februar ds. Js. sagte der Angcllagte seine Frau mit den Kindern znm Hanse hinaus, so daß diese in der Nachbarschast mehrere Wochen ein ltnterkommen suchen mußten. Während dieser Zeit veräußerte der Mann einen Teil des Hausrats und vertrank den Erlös. Er schlachtete die Hühner und jagte die Kuh nachts aus die Straße, so daß die Frau sie verkaufen mußte, Erst als Ende März der Mann das Haus verlassen hat, um in Lehnheim als Arbeiter cinzntreten, /ehrte sic mü den Kindern in ihr Haus zurück. Die Zeugin schildert wie am Palmsonntag ihr Mann mittags unvermutet ins Haus gekommen ist, sich an den Tisch geletzt bat. Ivo das Mittagessen sür die Familie bereit stand und daraus los aß. Er zog dann die Tischsckmbladc aus, nahm daraus ein Bündel Papiere und warf diese in den Ösen, lvoraus er sich entfernt hat. Nachmittags uni ‘M Uhr kam Magel in angetrunkenem Zustand in das Haus zurück. Die Frau die sich mit dem jüngsten Kinde aufs Bett gelegt hatte, sprang sosort aus und eilte davon. Daraus hat der Angetrunkene einen Arthetm ergriffen und ihr drohend nachgerusen: Du brauchst nicht sorlzulausen, du Iriegst dvin Teil doch, ich mack»: dich kalt, ich stecke dir das Haus anwic in Ilsdorf auch, ich habe keine Hütte, du brauchst auch keine usw.
Die Zeugin bekundet weiter, daß darauf vor dem Hause ein lauter Wortwechsel zwischen ihr und dem Manne stattgcsunden.
Die Zeugin schildert nun, wie sic die Brandstiftung bemerkt habe.
Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Roicnberg, richtet an die ZeMn die Frage, wer der Vater ihrer Kinder sei. Me erklärt,
daß sie doch unkst hier sei, um darüber Auskunft zu geben, sondern über den Brand. Als sich die Zeugin aus Vorhalt weigert, die Frage zu beantworten, bemerkt Dr. Roicnberg den Geschworenen gegenüber, cs liege ihm daran,, zu zeigen, auf welcher sittlichen Stuft die Zeugin stehe. Der Vorsitzende, LandgerichtSrat Schmidt, beinerkt, daß die Zeugst» auf die Frage des Verteidigers unbedingl wahrheitsgetreue Antwort geben müsse, wenn dieser daraus beharre, daß aber schon die Auskunftsnerweiqerung der Frau genüge für' den Beweis, den der Verteidiger führen will.
Die Eheleute Deubel, die in der Nachbarichasi wohmn, belasten in ihrer Aussage deir Angcllagte».
Auch die weiter vernouenienen Zeugen ans der Nachbarscktast belasten teilweise den Angcllagte», doch hat niemand gesehen, daß er den Brand angelegt hat. — Landwirt Ed. Weib von Lchnheim ist der letzte Arbeitgeber des Angellagten gewesen, und stellt ihm ein gutes Zeugnis aus. Magcl habe ihm gegenüber geäußert, seine Frau verkehre mit anderen Männern. Der Zeuge behauvlet, vor einigen Jahren gelegentlich eines Pirschgangs durch den Wald dies selbst gesehen zu haben, und schildert aus Drängen des Vorsitzenden die Situation.
Die Ehefrau Magcl bezeichnet diese Angaben als unwahr, und lvcist daraus Hill, daß sic mit dem Vater des Zeugen einen Prozeß wegen des Besitzes ihrer Hofteite geführt habe.
Der Zeuge Wcitz bleibt bei seinen Aussagen. Auch die meisten der übrigen Zeugen äußern sich ungünstig über den Angellagten.
Aus Antrag des Vertreters der Anlloge wird aus den Vor- strasokten sestgeftellt, daß der Angcllagte durch seine Ehefrau vor mehreren Jahren angezeigt worden ist, sich gegen die damals sechsjährige Tochter in strasbarcr Weise vergangen zu haben. Tie Frau hat ihre Beschlftigung in einem Protokoll abgeschwächt, teilweise sogar zurückgenommen, so daß einer Anklage der Boden entzogen war. Ferner wird sestgestellt, daß Magel viermal wegen Körperverletzung, darunter auch elnmftl gegen den eigenen Vater vorbestraft ist.
Als Sachverständiger erllärt Geh. Medizinalrat Dr. Habcrkorn den Angellagten weder sür geistesgestört noch sür schwachsinnig. Magel sei etwas beschränll und nichlt so veranlagt »sie ein vollkommen normaler Mensch, was bei der Sirafzumeffung berücksichtigt werden muß.
Die an die Geschworenen gerichtete einzige Schuldfrage lautet i aus versuchte Inbrandsetzung eines von Menschen bewohnten Hauses.
Gerichtsasseftör K n a u ß weist zunächst auf das traurige Familienbild hin, welches die Verhandlung vor den Geschworenen entrollt habe geht dann aus die rechtliche Seite der Schuld ein. Er bemerkt, daß das Gesetz für Brandstiftung keine mildernden Umstände kennt, daß aber nur ein Versuch des Verbrechens vorlicgt, wofür die geringste Strafe 3 Monate Zuchthaus also 6 Monate Gk- sängnis /.ft. Wenn die Geschworenen die Schuldftage bejahen, was geschehen muß. so hat es der Gerichtshof in der Hand, auf eine angemessene Strafe zu erkennen.
Ter Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Rosenberg weist darauf hin, daß der Staatsanwalt eingehend das Vorleben des Angeklagten geschildert hat, während er über die Hauptbelastungs- zcugen nur wenig gesagt habe. Der Verteidiger geht dann aus diese Dinge näher ein und kommt zu dem Schluß, daß sich manches, was die Zeugen hier gesagt haben, ganz anders crlläre, als es der Staatsanwalt ausfaßt. Es bleiben bei dem 'Brande verschiedene Möglichkeiten bestehen, welche die Geschworenen zu berücksichtigen haben. Vor allem lei nicht nachgewiescn, daß M. wirklich der Täter sei. Zudem sei nicht dargclan, daß der Täter erkannt habe, daß er damit das Gebäude und die Nachbarschaft gefährde. Es könne vielleicht nur darauf abgesehen sein, eine einfache Sachbeschädigung zu begehen, wegen der aber eine Frage an die Geschworenen nicht gestellt werden kann, weil hierzu ein Strafantrag des Sacheigentümers vorliegen muß. Der Verteidiger beantragt Freisprechung des Angellagten.
Nach längerer Beratung verkündet der Obmann, Professor Freiherr Dl. v. Liebig. den Spruch der Geschworenen, der aus nichtschuldig lautet, worauf der Gerichtshof auf Freisprechung erkennt. \
Unwetter.
In zahlreichen Gegenden Oberhessens gingen gestern nachmittag schwere Gewitter nieder, die teilweise von Hagel begleitet waren und vielsach großen Schoden anrieh- teten. -soweit uns bis jetzt bekannt geworden ist, sind Menschenleben glücklicherweise nicht zu beklagen, dangen hak der Blitz mehrfach, gezündet und starke Feuersbrünste entsacht Auch durch die Wassermassen wurden an manchen Orten erheblicher Schoden angerichtet, da die Felder vielfach überschwemmt und die neuen Anpflanzungen von Dicklvurz u. a. teilweise weygespült wurden. Bisher haben lvir folgende Nachrichten erhalten:
— Weitcrshain, 11. Jum. Heute Nachmittag wurde unser Ort von einem furchtbaren Unwetter heimgesucht. Nach starkem Hagel setzte ein wolkenbruchartiger Rogen ein. Ans vielen Ställen konmc man nur mit Mühe das Vieh retten.
Aus dem oberen Ohmtal, 1l. Juni. Heute nachmittag gegen 5 Uhr ging hier ein schweres Gewitter nieder. In ganz kurzer Zeit standen die Wege und Straßen unter Wasser.
V Alsfc [b, 11 . Juni. Heute wurde unsere Stadt und Umgegend von einem wolkcnbrucharttgen Regen begleitenden Gewitter heim gesucht. Das Unwetter begann zwischen 3 und 4 Uhr und erreichte gegen >/-6 Uhr seinen Höhcvunkt. Tie Wassermcngen suchten sich ihren Lauf in Hausgängen, Kellern usw. und richteten großen Schaden an. Im fteien Felde gleichen leilwcisc Gärten, Accker und Wiesen vollständigen Seen.
R. Bobcnbauscn, 11. Juni. Während eines Gewitters, das heute nachmittag gegen 5 Uhr über unsere Gegend zog, ging ein schwerer Wolkcnbruch nieder. Tic Ortsstraße bildete vollständig einen See. Aecker und Wiesen sind überschwemmt. Teilweise ist die Aussaat aus den Acckern vollständig vernichtet. Im benachbarten Höckersdvrs wurde ein Milchnmgcn auf der Straße vom Wasser sortgerissen.
sl Marbuig.il. Juni. Heute nachmittag gegen 4 Uhr entlud sich übr Marburg und Umgebung ein Unwetter, dos großen Schaden anrichtctc. Uebcr eine halbe Stunde lang folgte ein Blitz dem anderen und gewaltige Wassermassen durchfluteten die Straßen. Unterbrochen wurde der Regen auch strickpveift durck, Hagelschlag. Wie sich später herausstellte, hat es in der Stadt etwa zehnmal, allerdings ohne zu zünden, eingeschlagen. Viele Telephon- und Tclegraphcnlcitungen sind zerstört. Auch in per Umgegend soll das Unwetter sehr gehaust haben. In einigen Orten, z. B. im Ebsdorfer Grund, mußte das Vieh aus den Ställen gebracht werden, cs soll auch Vieh ertrunken sein,
4t Kirchhain, 11. Juni. Heute nachmittag zwischen >/>5 und V 26 Uhr ging über die Gcgcird her Kirchhain ein schweres Gewitter mit wolkenbrucharttgrm Regen nieder. Die Feldwege und die Aecker und Wiesen standen unter Wasser.
■(3) Franken b erg, l l. Juni. Vergangene Nacht wütete im Nachbarorte RennertchauscnGroßfeuer, daS das Anwesen des Großhändlers Lindheim, sowie eine dem Ockonom Battenfeld gehörige Scheune vollständig cin- äschcr te. _
Bekanntmachung.
Bctr.: Feldbereiwlgnng in der Gemarkung Untcr-Widdcrheim.
In der Zeit vom 16. bis einschl. 29. Juni 1914 liegt auf dem ^kmtszimmer Grvßh. Bürgenneistcrci Unter-Widdcrsherm
das Verzeichnis der neuen Unterpfänder nach Fortführung auf den neuesten Stand zur Einficklt der Beteiligten offen.
Einwendungen hiergegen sind bei Meidling des Ausschlusses innerhalb der obengenannten Offenlegungsftist schriftlich bei Gevßb. Bürgermeisterei Untcr-Widdcrshcim vorzichttngcn und zu begründen.
Büdingen, den 9. Juni 1914.
Der Großh. Feldbcreinigungskomuiissär.
Dr. Goe r tz, Krersaimmaiui.


