Nr. 128 Zweites Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
m. Jahrgang
Tie „Giehener Zamillenblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „lireirdla» ffir den Kttis Sichen" zweimal wöchenttich. Die „candwirtlchaftllchen Seit- srngeu" ericheinen monatlich zweimal.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oderhefjen
Donnerstag. Juni 19^
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Universitäts - Dukh- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion. Expedition und Druckerei: Schulstraße 1 . Expedition und Verlag: 51.
Redaktion:112. Tel.-Adr.:AnzetgerGleßen.
Die neue Zpitzbergen-Ronserenz.
Tic neue Spitzbergen-Konferenz wird am 18. Juni in ^hristiania zusamincntrcten, um die sogenannte Spitzbergen frage dcsinitiv zu lösen, d. h. um eine Konvention anzuneh men. die eine geregelte Perwallung auf der herrenlosen Insel rinsührcn soll. An dieser Konferenz beteiligen sich Rußland. Echw«>den, Norwegen (die vom 4. d. M. ab eine Vorkonferenz obhaltcn), Deutschland, Dänemark, England, Frank -reich, Holland, Belgien und die nordamciikanische Union
Bisher haben zur Regelung der Spitzbergcnsrage in den Jahren 1910 und 1912 Konferenzen der drei zunächst be- leiligtcn Staaten stattgejunden, bei denen die Konvcnkions -frage vorbereitet wurde. Bekanntlich ist Spitzbergen zurzeit Herrenloses Land, nachdem Rußland die Einverleibung in Schweden verhindert hatte, insolgcdesscn hatten sich aus der jnersi unbewohnten, später angesiedeltcn Insel Zustände enl- wiekclt, die ,eder Kultur hohn sprachen. Namentlich die Tier- Ivelt Spitzbergens war dem Untergange geweiht, da alle nach Svitzbergcn gehenden Jäger einen Ausrollungskamps gegen Säugetiere und Vögel cröffnelen. Die Auffindung von Kohlenlagern, das Entstehen von Bergwerken und Aussiedlungen, die alljährlich nach Spitzbergen unternoinmenen Lnstfahrlen von Deutschland und Norwegen verlangten die Einführung einer gewissen Verwaltung zum Schutze von Ivirkschastlichcn Interessen. Diesen Schutz soll die neue Konvention schassen und den bisherigen Zuständen der Deutc- girr und der Gesetzlosigkeit ein Ende machen. Tie Konvention Hat es sich auch zur Aufgabe gestellt, den Naturschutz aujl Spitzbergen durchzusühren und für die dem Untergänge fast igcweihten Tierarten (Walfische, Wale, Renntier, Schneehuhn. Gänse und Enten) Schonzeiten einzusührcn.
Die Verwaltung Spitzbergens soU eiinmi internationalen Ausschuß unterstehen, der sich aus 2 Schwaden!. 2 %» wegen», 2 Russen zusammcnsetzt, ihm imtersteht ein kleines Pvlizeikorps mit zwei Leitern, das sich cbensalls aus den drei Nationalitäten zusammensetzt. Ter Ausschuß wählt einen Richter mit dem Amtssitz in Tromsö, der ebenso wie der Polizeiches Strafurteile erlassen darf gegen Ucberschrei- tungen der Konvention und der Ausführungsverordnungen. Berufungsinstanz ist der sechsköpsige Vernmituiigsausschuß, der endgültig entscheidet Er darf Höchststrafen bis drei Monate (tzesangnis und bis zu 600 Kronen Geldstrafen zulassen. Wegen anderer Verbrechen und Vergehen unter- ßehen Bewohner und Besucher der Insel der Zivilgcrichts- barkeit ihrer Hcimatsgerichle Lei Kapitalvrihrechen sind sie ihren Staaten zu überliefern. Aus der neuen Konferenz soll angeregt werden, Tierreservate zu schassen und die gewerbsmäßige und Luxusjagd zu verbieten. Die bisherigen Vereinbarungen gehen soweit noch nicht, schiffen aber doch bedeutende Fortschritte gegen früher. Auch Maßnahmen zur Verhinderung der Verunstaltung des Landschastsbilbcs durch Reklame, wie sie in Spitzbergen häufig vvrkommt, sollen in Erwägung gezogen werden.
Unterbeamien im mittleren Dienst.
Ueber die Uebersührung von Unterbeamten i n d e n m i t t l e r e n D i e n st hat die preußische Eisenbahn- Verwaltung folgenden Erlaß herausgegcben:
„W»r weisen daraus hin, datz es zu den wichtigsten Ausgaben der Dienstvorsteher des mittleren Dienstes gehört, befähigte und zuverlässige Unterbeamte für die Ausbildung zum mtitlcren Dienst in Vorschlag zu bringen und fortgesetzt daraus hinzuwirken, datz eine ausreichende Zahl gut beiähigter Unterbeamien lierangcbildet Nnrd. Ebenso ist cs Pflicht der Dicnstvorstcbcr, befähigte lunge Leute für die Ausbildung int unteren Dienste, insbesondere im Weichenstcllcrdicnste, und sür die demnächstige Verwendung als jAushelker in Vorschlag zu bringen. Die Dicnstvorstehcr werdeit im dienstlichen Interesse und zum Wohl der Bediensteten handeln, wenn sie durch zweckmäßige Zuteilung von Arbeiten, insbesondere von schriftlichen Arbeiten, geeigneten Bediensteten Gelegenheit geben, sich weiter auszubildcn und ihre Befähigung darzutnn. Wir erwarten, datz die Ttensworstchcr den erwähnten Ausgaben in vollem Umfange genügen, damit nur tüchtige Bedienstete des unteren Dienstes mir der Erledigung einer entsprechenden Arbeitsratc betraut oder in den mittleren nicht- technischen Dienst überführt werden." Im übrigen ist jestgestcllt worden, datz die Ausbildung und Beurteilung der
Dicnstonsängcr nicht immer mit der erkor der I i che n Sorgfalt erfolgt. In einigen Fällen haben die als Dicnstaniänger eingestellten Bediensteten die iarmlose Prüfung zum Unicrossislenlcn wiederholt nicht bestanden. Eine sorgfältige lieber ivachung der Dlenstansängcr in ledoch ertordcrjich, damit schon währen» der Ausbildungszeit möglichst bald ein zuverläsitgcs Ur- teü darüber gewonnen werden kann, ob die Dienstansängcr un- zweisclhost die nötige Befähigung besitzen und auch schlmerigcn Auigaben der begehrten Stellung gewachsen sein werden. Auch der Prüfungsordnung ist die iosorilge Bcrichterüattung zur Pilicht gemach,, sobald während der Ausbildung erhebliche Mängel her- vortreien. Den Aennern und den mit der Ausbildung betrauten Dienststcllcnlettern wird die sorgfältige Ueberwachung der Dtenst- aniängrr zur besondere» Psüchl gemacht. Es wird noch besonders daraui hingewiesen, das; der Umstand, daß der Vater des D i e n sla n i än g e rs Ei s e n b a hn b c a m t c r ist, das Urteil über die Beiähigung des DiensMnkängers nicht beeinllusseu darf. Die Dienststellenleitcr werden daher angewiesen, be> mangelnder Bekälggung oder ungenügendem Flcitz 'eines Tienstanjängers ohne Rücksicht aus die Person alsbald bei dem vorgrwtzlen Amte die Zurückziehung des Dienstanfängers von der Ausbildung und >e lioch der Lage des Falles seine Entlassung oder anderweüigc Unterbringung als Arbeücr zu beantragen."
vie Hauptversammlung de; Vereins für das Deutschtum im Ausland.
Aus Leipzig wird »ns berichtet:
foinr findet augenblicklich die 33 Hauptversammlung des Vereins für das Deutschtum im 'Ausland statt. Das wachsende Interesse an der überaus bedeutungsvollen Arbeit dieser deutsch-völkisltien Bereinigung hat, verbunden mit der Anzichungskrast, die Leipzig durch seine glänzende Internationale Ausstellung des Buchgewerbes als Kongrctzstodl ansübt, eine sehr starke TÄnehmcrschast zur Tagung des B. D. A. zusammengesührt. Diese wurde am Abend des 2 . Juni durch einen zwanglosen Bcgrüßungsabend im Palmen- gartcn eingcleitet, nachdem schon am Nachmittage die Vertreterinnen der zahlreichen Frauengrupven des Vereins zu Sonder- bcratungen über ihre Arbeitsausgaben zusammengetreten waren.
Am Morgen des 3. Juni erössncte der Vorsitzende StaatS- minister z. D. Dr. von heutig im kleinen Kongreßsaale der „Bugra" den Vertretertag des Vereins, der durch Bevoilmächtigte seiner Landesverbände und Ortsgruppen zahlreich beschickt war. Als erster Punkt der Tagesordnung stand der Jahresbericht zur Erörterung, den Generalsekretär Geiser namens des hauptvor- standcs der Versammlung in Gestalt eines 68 Seiten starken handlichen Heftes gedruckt vorlegtc. Ter Bericht gibt zunächst eine scs- sclndc Uebersicht über die Lage des gesamten Auslanddeutschtums i. I. 1913 unter deutschvölkischem Gesichtspunkt. Von besonderem Interesse sind darin die Aussührungen über die Rückwirkung des südslawischen Entwicklungen als Folge der jüngsten Balkankricge aus die'Lage des Deutschtums in Oesterreich, und besonders in Ungarn. Ein zwesier Teil behandelt die Unterstützungsarbeit des Vereins i. I. 1913 nach den Unterstützungsgebieten geordnet. Wir entnehmen daraus, daß die Summe der vom Verein ausgeteiltent Unterstützungen zur Erhaltung und Ausbreitung deutscher Sprache und Volkstums im Auslande auf 255 511,69 gegen 227 253 Mk. im Vorjahre gestiegen ist; davon gingen allein nach Oesterreich! 54 025 Mk. in die Sudetenländcr, 21 173 Mk. noch Südtirol, wo der Verein säst allein die Verteidigung der Sprachgrenze erfolgreich leitet, 20 529 Mk. nach Steiermark, Keain und den Küstcnlanden. Nach Uebcrsce wurden ingesamt 55 392 Mk. verausgabt, sür Sti- pendienzweckc 24 648 Mk. verwendet.
Diesem Steigen seiner Mittel entspricht ein hocherfreuliches Anwachsen der Mitgliederzahl und Ortsgruppen des Vereins. Tie tatkräftigere Werbearbeit des Vereins zeigt von Jahr zu Jahr mehr günstige Erfolge. 27 neue Ortsgruppen (insgesamt 390i, darunter die drr) ersten Schülcrgruvpen, der körperschaftliche Beitritt zahlreicher großer Körperschaften im In- und Auslande, dabei auch wichtige Verbände kaufmännischer Angestellter, das Anwachsen des Vereins auf 56 892 Mitglieder (plus 4805 gegen das Vorjahr) zeigt die wachsende Anteilnahme unseres Volkes an seinen Stammesbrüdern im Ausland und beweist, daß es :m V. D. A. den gegebenen und bewährten Anwalt dieser Ausländsdeutschen erkennt. Die Aistage der Vereinszeitschrist „Das Deutschtum im Ausland" ist in sechs Jahren von 40 000 aus 52 000 gestiegen. Neben ihr stehen noch die Zeitschriften ,Leimat und Welt" (Al. Tunkcrs Verlag, Weimar) und „Haus und .heim" verbunden mit Ervort- anzeigcr lhcrausg. Tr. Nowack-Dessau« dem Verein kür seine Aui- klärungsarbeit zur Verkügung. Die Zahl der Bezieher seiner Prcß- korrcspondenz „Mittcüungen des V. D. A." ist von 300 am 400 gestiegen, 266 Städte und Gemeinden Unterstützen ihn durch regelmäßige Beiträge. In acht verschiedcmen Spenden Holten dem hauvtvorstande 28 285 Mk. zu. Eine besondere Sammlung sür notleidende Deutsche in Rußland und Galizien brachte 14 OCX, Mk
ßn zahlreichen. Eingaben an die Reichs- iml> Staatsbehörden war der Haupt Vorstand für die Jnteresien der Ausländsdeutschen, einzelner nne der (tzesamtbcit, erfolgreich bemüht. Insbesondere ekit- faltete er siir die Wiedergennnnmig her oersorenen 'Reichs iink> 'Tlaalsangcf.örigkeit zugunsten jästlresthcr» Aüslandsdimtickscr aus Grund des neue» Gesetzes eine ausgedehnte Tätigkeit. Die IM Bc- richtsiahre von ihin begonnenen Gesellschaftsreisen in wickmge und schone Gebiete des Auslandsdcutichiums lsatten besten Effoig und wurden draußen aus das dankbarste begrüßt, il» wcüerer Ausbau wird ivstemalisch songcsührt.
rcirclic unS Schule.
Tic l 4^ Be r s a in m I »n g des deutschen Vereins für Schulgesundheitspflege, mit der zugleich auch die 6. Tagung der Vereinigung der Schulärzte Deutschlands verbunden ist, nahni crm Mittivocki vorniittag unter dem Vorsitz des Geh. Oberinedizinalrals Dr. Abel-Berlin in Stuttgart ihren Anfang Von der württcinbcrgischen Regierung waren zeultusniinister Dr. 'v. Habermaas und der Minister des Innern v Fleischlwmer, ferner Vertreter der preußischen, badischen, hessischen, brauiischwerciischen und der ungarisck)cu Regierung erschienen. Kiiltusministcr Dr. v. habcrmaas übermittelte die Grüße des Königs und der ivürttenibergisckten Stacrtsrrgic- cung. Obermedtzinalrat Dr. v. Sch e u rl c n - Stuttgart sprach über die neue am l. 'April v. I. in Kraft gelretene Schularztorgauisation in Würtieinberg, lpähreud Prof. Dr. Selter-Leipzig und Stadlbauinspckior ll hl ig-Dortmund sich in die Bcantivortung der Frage teilten! Welche Anforderungen sind von hygienischer Seite an die Grnndritz- gestalluiig der Schulen in Stadt und Land zu stellen im!» ttilvieweit bedürfen dic gesetzlichen Bestimmungen einer Aenderung. Der Nachmittag ist der Besichtigung der Gesund- heitsausstellung gewidmet.
Internationaler ttongretz für Rechts- untz Wirtschaftsphilosophie.
h. Frankfurt a. M., 3. Juni. Unter dem Vorsitz des Geh. Justizrats Köhler (Berlin) begonnen heute dic au> drei Tage berechneten Beratungen des dritten Internationalen Kongresses- sür Rechts- und Wirtschastsphilosaphie. An den Verhandlungen nehmen teil Kammerherr v. bessert (Darinstadt) als Vertreter des Groß- dcrzogs von Öessen, Gchcimrat Exz. Spahn für das preußische Justtzministerium, Freih. v. Jmhoss sür das Reichsamt des ßnnern, Gehetmrat Prosessor Dr. Leist sür dic Iuristische Fakultät Gießen, Professor Dr. Leo »Hardt für die Universität Marburg usw. tzkocli den üblichen 'Begrüßungen gab der Gcschästssührer Dr. Berolzheimer (Berlin) allgemeine Richtlinien sür den Verlauf der Verhandlungen, die diesmal unter dem Wahrzeichen der tzegelschcn Philosophie stehen sollten. Sodann wurden folgende Vorträge geboten! Prosessor Dr. Leonbard (Würz- burgi über „Der Wert des engjlsch-amerlkanischen Privatrechts": Gcheimrm Köhler (Berlin) über „Die Grcn.zen der Rechtsphilosophie": Professor Theobald Ziegler (Frankfurt) über „Der Charakter der .siegetscheu Rechtsphilosophie", Professor Dr. T oc n- nies (Ki-l) über „Rechtsstaat und Woblsahrtsstaat" und Rechtsanwalt Dt. Brands (Berlin) über „Die Bedeutung der Scholastik" T-n Vorträgen folgte eine bis in die späten Nachmrttag- stundcn sich ausdehncnde Aussprache, an der sich zahlreiche Kongreßteilnehmer beteiligten. Den ersten Verhandlungstag schloß ein von der Handelskammer veranstalteter Gescllschaftsabend im Polmengarten.
f8. tfauptversammlung des Rllgemeinen Deutschen Sprachverein;.
O Hamburg, 3. Juni Der Allgemeine Deutsche Sprachverein hielt seine diessährige Hauptversammlung in Hamburg ab. Ein Niederdeutscher UntcrhaltungSabend leüete die Versammlung ein. Umfangreiche geschäftliche Berichte füllten den ersten Tag aus. Als Ort für die Hauptversammlung Pfingsten 1916 hatten sich Leipzig, glochen, Straßburg i. E. und Potsdam angeboren, und es bleibt dem Ge- samtvorstand überlassen, den Ort sür die nächste Tagung auszu- tvähjcn. Dem Verein traten im Jahre 1913 1600 neue Mitglieder bei und dic Gesamtzister der Mitglieder stieg dadurch auf über 34 000, die in 318 Zweigvereincn, teils im Auslände und in überseeischen Ländern untergcbracht sind. Die Sprachhilfe des Vereins ist 1913 wie auch später wiederholt von Reichs- und Staatsbehörden und den Kommunen, sowie von vielen Privatleuten in Anspruch genommen worden. Von den Berdeutschungs-
ver „Futurismus" in Stuttgart.
Stuttgart, l. J!un,.
Am Piingstsonntag ist in Stuttgart im Änschlus^an die Iah resversammlung des „Verbands der Kunstjrcundc In den Ländern am Rhein" eine große Ausstellung dieses Verbands eröffnet worden, die zweite große Ausstellung, die das im vorigen Jahre eingeweihte kgl. Kunstqebäudc beherbergt. Der König und die Kö lnigin von Württemberg wie der Großherzog von Hessen, der (Protektor des Verbands, waren der der Eröl'tnungsteier zugegen. Der „Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein" verfolgt die ausgesprochene Absicht, „starken Begattungen gegen den londläusigen Geschmack beizustehen." Diesem „landläusigen" Geschmack wird allerdings viel zugemutet Stuttgart ist nicht umsonst der engere Wirkungsbereich Adolt Holzels, besten Schüler ichon ec ui der Aerkbund-Aussteltung in Köln mit ihren Arbeiten Allgemeines Kooischütteln erregt haben. Aus der gegenwärttgen Stult gartrr Ausstellung hat er einen großen „Erpressionistrn"-Saal eingerichtet, lür den die Leitung des Bcrbando im Vorwort des Katalogs die Beraittlvortung ausdrücklich ablehnt, wenn auch mit einer Verbeugung vor der Auwrität Adolt Holzels, der >a bekanntlich an der kgl. Kunstakadenuc in Stuttgart als Proicsior wirkt. Das ist eben das Merkwürdigste an der sache, daß tn Stuttgart diese suturisNschen Kapriolen gewissermaßen unter staatlicher Abstempelung vor sich gehen. Dic stuttgattcr Ansstellungsbeiuchcr Aachen dann auch schnell den hölzel'schen ..Ervresiion,sten"»SaaI die „Schrcckenskammer" oder das „Lachkabinett" getauft. Aehnlühen Auswüchsen begegnet man in dieser Aussvellung nur noch in dem von K. E. Ost Haus tu haacn zusammengestellten Kabinett.
Die Ausstellung ist »ach den einzelnen Ländcrverbändcn geo- qrapdisch gegliedert. Baden, Hessen, Hcssen-Nasiau, Rheinprovinz, Elsdß-Lothringcn und die Schwei, haben je ihren eigenen saal. Es läßt sich nicht leugnen, daß die iungcn Schwaben sich in dicker Ausstellung am ungcberdigstcn gaben. Wie verirrt hängen ein Paar ältere Meister wie z. B. der alte Prot. Julius,Kornbeck dazwischen. Von den Neueren, dic aber neben den Neuesten z T. wie alte Meister anmuten, bewähren sich Robert v. haug. Landen- bcrgcr. Fr. v. Keller, Karl Schickhardt, Bruno Map und Valerie (Map-Hülsmann. Starker. Hermann Drück, Zchnioll und Erscn- wenh in allen Ebren Rober, Breycr, der neuerdings wieder in Stuttgart seinen Wirkungsbereich hat, ist mit zwei sehr Mitten Porträts oertreten: daqegen hat Bernhard Pankuk, der ionlt aui dem Gebiet der Porträts schon manches Gute gescharten hat, einen
unglaublich karikierte» Grasen Zeppelin geliefert, der selbst den besten Freunden des Künstlers Beklemmungen verursacht.
Recht eindrucksvoll hat Karlsruhe ausgestellt, das u. a. mit zwei überaus seingesttmmten Landschaften seines Altmeisters Pros. Gustav Schönjcbcr auswarten kann. Friedrich Fehr hat cm paar seiner samoscn Soldatcnbilder eingcschickt. Wilhelm und Alice Trübncr, Ludwig Dill, Walter Conz sind mit guten Arbeiten! verttcten. Seht crsrculich wirkt auch der Saal der Schweizer. Ihr stärkster Mann ist natürlich Hobler, der aber immer mehr in der eigenen Schablone zu erstarren scheint. Starken Emdruck macht Max Buri, der mir einer älteren Landschait und einem seiner neueren charaltcristtschen Bauernbilder verttelcn ist. E. Wür- tenberger hat ein gutes Porträt geschickt.
Einen sehr konservativen Eindruck macht im allgemeinen der Saal der Tüsieldorfer: Eugen Kampi und Klaus Meyer geben hier dic charakteristische Note. Dic Elsaß-Lothringer zeigen einen erheblich iortschrittlichcren Geist. Unter den Darmstädtern beideuten Georg Altheim, das Ehepaar Beyer und Jllner dic stärksten Eindrücke. Tie Frankiurter bringen gleichfalls vornehme, wenn auch z. T. etwas „reakttonärc" Kunst. Ferdinand BrM, Tteinhousen, Jakob Nußbaum und nicht zuletzt Otttlie Rödcr- stcin, dic ausgezeichnete Porträtisnn, sind hier die iühren- dcn Namen.
Recht gut hat im allgemeinen die Plastik abgeschnitten. Einigen suturisNschen Purzelbäumen begegnet man auch hier, aber ihrer ganzen Natur nach erweist sich plaittiche Kunst dem Geist der Vcrgewalttgung der Form doch weniger zugänglich als die Malerei. Proi. Ludwig Habich, der diesen Teft der Ausstellung zu besorgen Iwtie, ist selbst mit ein paar edlen großzügigen Bildwerken vertreten. — In der König-Wilhclms-Halle, dem grotzen Kuvpcliaal des Ausstcllungsgebäudes hat Pros. Altherr-Stuttqart noch eine Art Elitesaal angeordnet, der aber auch manches sehr befremdliche Stück enthält.
Die mit der -Ausstellung verbundene Preisverteilmig entwickelte sich auch sehr nach der radikalen Richtung lyn. Den 1. Preis (Ernst Ludwigs-Preis! von 2500 Mark erhielt der Bildhauer AIrrcd Lörcher - Ltuttgort. den 2. Preis Preis der Stadt Stuttgatt) non 2000 Mk gleichialls ein Stuttgarter, der sehr erzessw veranlagte hölzel-schüler Heinrich Eberhard. — Auch eine sehr umiangreiche ipaphischc Abteilung ist mit der Ausstellung verbunden.
I
— DaS Schicksal der Stefans s an schen Expedi. t iö n. Ein Telegramm aus St. Michael beseitigt nun die letztm Zweifel über das Schicksal des Stesanssonschen Erpeditionsschiffes: die „Karluk" ist nicht mehr, unter dem gewaltigen Drucke der Eis- masscn ist das Schiss zertrümmert und untergegangen. Das geschah am ll. Januar inmitten eines mächtigen Eisfeldes, in etwa 100 Kilometer Entfernung von der Heraid-Jnsel. Die Besatzung konnte sich retten: und eS blieb auch Zeit, alie nötigen Prvviant- vorräie sowie die wiisenschaftlichen Instrumente auis Eis zu schassen, ehe das Schtts verschwand. An Bord besanden sich der Führer des Tchifscs Kapitän Bartlett, 6 Forscher, 13 Seejeute und 5 Eskimos. Sie alle können nun als gerettet gelten. Der Trupp kampierte aus dem Eise und sandte einen BoNrupp mit Hunden und Schlitten nach der cm« 160 Kilometer entfernten Wrangel- Jnscl: dann folgte Kapitän Bartlett mit dem haupttrupp, und nach einer harten und entbehrungsreichen Reise wurde die Insel glücklich erreicht. Von hier aus drang Bartlett Mit einem Schlitten» geipann über das Eis nach Sibirien vor und kam, immer der Küste folgend, über die Behring-See glücklich nach St. Michael in Alaska. Als er die Wrangel-Jnsel verließ, hatte man zwar den Vortrupv, der aus 5 'Mann bestand, noch nicht wieder getroffen, aber die Insel ist groß, und alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß die 5 Leute bald daraus zum haupttrupp stießen. Als die „Karluk" vom Eisdruck vernichtet wurde, war sic von Point Bar- row 700—800 Kilometer im Eise getrieben. Ende Juni wild ein Schiit mit Vorräten von Viktoria ausgchen, um die Mitglieder der Erpcdition auszunchmen. Auch Stesansson soll dann geborgen werden. Man wird sich erinnern, daß von ihm im September eine Nachricht eintraf. Die „Karluk" war damals eingeirorrn, Ste- fansson unternahm eine Schlittenexpedrtion, während der plötzlich ein scharser Nordosttvind auskam, der das Eisfckd zerriß. Die „Karluk" verschwand, ehe Stesansson sie wieder erreichen konnte. Nun steht fest, daß sie »riebet vom Eise gelangen genommen und nach dreimonatigem Kampfe schließlich erdrückt wurde. Stesansson wird erst im Laufe der kommenden Monate die Möglichkeit haben, diese Nachricht zu erhalten. Das letzte, was man von dem Forscher erfuhr, war eine Nachricht, die im März eintras und vom 25. Jan. voni Mackenzie-River datiert war. hierin berichtete Stesansson, daß er nach Erreichung des Mackenzie-Deltas Vorbereitungen treffe, um seine geplante.Schlittenreise in nördlicher Richtung anzutteten. Nach dem Exveditionsplane soll Stesansson im Sommer aut der Herschell-Jnsel von einem Lerguuasühiii ausgenommen werde».


