Ausgabe 
30.5.1914
 
Einzelbild herunterladen

Die heutige Nummer umsaht 18 Seiten.

Tagcskalender aus -cm Jahre 1814 .

30. Mai: Erster Pariser Friede. Frankreich erhält seine Grenzen von 1792. Deutsche Patrioten hatten vergebens die Rückgabe von Elsaß-Lothringen an Deutschland erholst.

Zum Pfingstfest.

Die Bezeichnung als dasliebliche Fest" ist für das Pfingstfest zu einer sprichwörtlichen geworden, und wir wün- sözen gewiß alle, daß der Ucbergang vom Wonnemonat zum Brachmonat auch diesmal halten möge, was wir uns von ihm versprechen, Tenn an diesem Hochfest des Frühlings treibt es uns und gerade vor allem den Städter, der nicht in so inniger Verbindung mit der Natur lebt wie die Landbewohner hinaus ins Freie, Wie ein einziger, mäch­tiger Himmelsdom erscheint uns die Erde, worin Millionen und Abcrmillionen von Menschen in feierlicher Andacht sich zu einem Dun versammeln, das bei aller Pfingstfröhlichkeit doch auch eine Art Gottesdienst darstellt. Und eben deshalb hat die Kirche leinen Anlaß, diese psingstlichen Wallfahrten zu beanstanden, Tie natürliche, sich gleichsam von selbst er­gebende Bedeutung des Psingstscstes als der Frühlingsseier steht ja nicht etwa im Widerspruch zu der kirchliche» Be­deutung des Festes, sondern vielmehr in vollem Einklang mit ihr. Das Pfingstfest ist das Fest der Erinnerung an die Ausgießung des heiligen Geistes, Dieser aber ergießt sich auch jetzt noch wie zu den Zeiten der Apostel über die Mensch­heit, Wir müssen ihn nur verstehen lernen, uns bemühen, ihn in uns aufzunehmen, diesen heiligen Geist des wahren Ehristentnms, den heiligen Geist der Liebe und Güte, der Gerechtigkeit und der echten Menschlichkeit,

Das ist.ja der Kern, ist der wahre Sinn jener Lehre, die der Stifter der christlichen Religion vor mehr als neun­stehn Jahrhunderten verkündete, deren Sinn aber freilich im Lause dieser langen, wandlungsreichen Zeit oft genug verdunkelt oder entstellt worden und die auch heute noch von ihrer vollen Anerkennung weit, allzu iveit entfernt ist. An jenem ersten Pfingstfest, an dem das Christentum aus dem engen Kreise seiner bisherigen Anhänger heraustrat und zur Weltreligion wurde, ist mit der christliche» Lehre zu­gleich die Erkenntnis gepredigt worden, daß das menschliche Geschlecht, wieviel trennende Schranken auch im einzelnen blechen mögen, doch eine große Gemeinsamkeit bildet. Eine Gemeinsamkeit, die, wie sehr die Art und die Form des Strebens im einzelnen voneinander abweichen, in letzter Linie dem gleichen hohen Ziele zustrcbt, dem sittlichen, dem geistigen und dem materiellen Fortschritt des Menschenge­schlechtes,

Freilich, wer wollte verkennen, daß wir von den Zielen, welche die christliche Religion den Menschen gesteckt hat, noch weit entfernt sind, daß über die Liebe, die sie uns zum Gebot gemacht hat, noch oft genug die Mißgunst und der Haß triumphieren. Brauchen wir doch nur an die jüngsten unfreundlichen Auseinandersetzungen auf dem Gebiete der internationalen Politik zu erinnern, um zu zeigen, daß das Gebotliebet euch untereinander" jedenfalls für die Natio neu, die nicht in Ententen oder Bündnisse zusammenge­schlossen sind, nicht gilt und oft genug auch wie ebenfalls Vorkommnisse der allernencsten Zeit erweisen selbst für die Bundesgenossen nur nnvollloinmen. Noch immer ent­

scheidet über Recht oder Unrecht im Völkcrleben die Um Wälzungen auf dem Balkan haben uns dafür blutige Be weife geliefert in höchster Instanz der blutige Zweikamps der Nationen, und wir wissen, daß ebenso wie die beiden ersten Friedenskonferenzen auch die in Vorbereitung befind­liche dritte nicht den Grundsatz aus der Welt schaffen wird, über den unsere Entwicklung eben noch nicht hinausgckvm- men ist: das letzte Heil, das höchste liegt im Schwerte!

Aber dürfen wir uns darüber ivundern, daß die poli­tische», wirtschaftlichen und zum Teil konfessionellen Gegen­sätze zwischen den verschiedenen Nationen stärker sind als das Band der menschlichen Gemeinsamkeit, wenn wir sehen, wie wenig noch unter den Genossen ckines Volkes der heilige Geist der Liebe und Versöhnlichkeit, sondern vielmehr der unheilige Geist der Unduldsamkeit und Gehässigkeit herrscht? Da mag vielleicht am Psingstsest die Mahnung stärker auf uns wirken, uns von dem unheiligen zu befreien und uns mit dem heiligen Geist zu erfüllen, mit dem Geist der Liebe und Güte, des Verstehens und der Duldsamkeit, Ter Früh­ling draußen, dessen wir uns erfreuen, vergeht und muß sich alljährlich erst erneuern. Die Jugend-Frühlingszeit im Leben des Menschen vergeht und kehrt nicht wieder, Ter Frühling im Gemüt aber braucht niemals zu vergehen, wenn er darin einmal Wurzeln geschlagen hat, wenn wir uns so recht mit jenem heiligen Geiste erfüllt haben, von dem das Pfingstfest zu uns spricht. Auf diesen Geist aber setzen wir unsere Hoffnung, und er verleiht uns, auch wenn manches um uns herum unskränket und bange macht", Siegesgewiß­heit, Tenn der Glaube an den Geist ist nach einem beher­zigenswerten Worteein fröhlicher Glaube", weil er der Glaube ist an die siegreiche Macht des Guten in der Welt­geschichte,

Li» neuer Sturm in Albanien?

Durazzo, 29, Mai, Starke Gruppen von Aufstü n - di scheu sammeln sich bei Tirana, In Schiak herrscht große Erregung, doch ist die Lage in Durazzo unverändert, Tie Verteidigungsmaßnahmen wurden verfchärst. Infolge von Nachrichten aus Epirus sind zwei Geschütze nach Valona geschickt worden,

Durazzo, 29, Mai, Die dem Fürsten treue Stadt Kuza fragte telegraphisch an, wie sie sich gegen­über der Ansstandsbewegung verhalten solle. Der Fürst erwiderte, die Stadt möge ruhig bleiben und nur im Falle eines Angriffes Widerstand leisten.

Nach einer weiteren Meldung ans Durazzo besteht die Hoffnung, daß die Anfang der nächsten Woche statt­findende VerfammlungderHäupterderauf stän­dischen Bezirke zufriedenstellende Ergebnisse zeitigm wird. In der Bewegung, die in erster Linie einen stark mo­hammedanisch-religiösen Charakter hat, macht sich eine gegen die Beys gerichtete Nebenströmung bemerk!,ar, Ter internationale Köntrollausschuß beschloß im Hinblick darauf, daß die Bewegung von jungtürkischerSeite äuge zettelt und geleitet wird, die Mächte um ernste Vorstellungen in Konstantinopel zu ersuchen.

Das neue albanesische Kabinett dürfte sich solgcndcrmaßen zusamniensetzen: Turkhau Pascha: Vor­sitz, Musid: Justiz, Nogga: Finanzen, Arbeiten, Posten und Telegraphen, Turtuli: Unterricht, Fürst Bib Dida: Aeußcres, Achiu: Inneres, Abdib: Ackerbau, Die letzten drei hüben noch nicht zugesagt, Der Fürst hatdie chteumÄuf- stellung einer kleinen Abteilung von inter­

nationalen Truppen an der Grenze und an der Küste ersucht,

D u r a z z o, 29, Mai, Terwisch Bet, E l b a s s a n i, einer der H a u p t s ü h r e r de r Au f st ä n d i s ch e n, ist nach fünf­tägiger (Änschließung gefangen genommen und von der Gendarmerie gefesselt in das iöefängnis von Valona gebracht worden, Der hiesige Polizcidirektor ist verhaftet worden, tveil er das Gerücht verbreitete, Essad Pascha werde in einigen Tagen zurückkehren, Die Für- st i n besucht die in den letzten Kämpfen Verwundeten täglich.

Mexikanische Gräuel.

E a g l c p a ß (Texas), 29, Mai. Eine Meldung des Re- bcllengenerals Obregon bestätigt die Nachricht, daß 35 B u n d e s o f si z i e r e, die am 24, Mai in Tcpic ge­fangen genommen, auf dem dortigen Kirchhof erschossen wurden, Admiral Howard und der deutsche Konsul ver­wandten sich für die Offiziere im Namen der Menschlichkeit. Obregon antwortete, daß damals, als der Räuber Huerta Madero ermordete, die Mächte sich beeilten, seine Regierung anzucrkennen, die Menschlichkeit aber wäre vergessen worden. Es verlautet, daß in den letzten Kämpfen bei Paredon 35Frauen,dic den Truppen folgten, n e b st 3 0 0 M a n n Bundestruppen gelötet wurden. Nach der Schlacht wurden 57 Bundcsossizicre, darunter General N u» n o z, ein Neffe von Pocfirio Diaz, hingerichtet.

Untergang einer großen Dampfers.

Ein schreckliches Schifisunglück auf hoher Ser, das leb­haft an das derTitanic" erinnert, meldete gestern mittag der Draht, Noch hat irant keine ausführlichen Nachrichten darüber; nur hört man, daß ein großer Ozeandampfer mit voller Besatzung und mit vielen Passagieren »ntcrgcgangen sein soll, und zwar unter denselben Umständen, urir «inst der SchnelldampferTitanic" der White Star Line, das Schwesterschisf der .Lsthmpic", Auch der Ozeandampfer, dessen Katastrophe jetzt gemeldet wird, ist an einem Eisberg zerschellt. Die Eisgesahr ist ja für den Seeverkehr ersah- rungsgernäß die schlimmste, tveil der herancilcnde Eisriese leider nur zu oft viel zu spät erkannt wird uiw das Schiff iricht rechtzeitig wenden kann, um einem Zusammenstoß mit ihm rasch noch zu entrinnen.

DieTitanic" sank im April 1912, Tie Schrecken dev Katastrophe sind ja noch in aller Gedächtnis. Bei sternen­klarer und windstiller Nacht fuhr der Ozeanriese mit 21 See­meilen Geschwindigkeit, um einen Rekord zu schlagen. Ob­wohl der Kapitän durch Funkenspruch eines anderen Schiffes und durch Treibeis genügend gewarnt war, steuerte er mit Volldampf drauf los. Es -ertranken 1635 Menschen, Tie Schil­derungen der furchtbaren Szenen, die sich auf dem Deck des sinkenden Schiffes, in den Rettungsbooten und in den Fluten abspielten, riefen in der ganzen Welt Entsetzen und Trauer hervor.

Man ineldet uns über die neueste, entsetzliche Dampser- katastrophc, von der wir gestern nur noch in einein Teil der Auflage Notiz nehmen konnten:

Quebec, 29, Mai. Nach einem hier eingetroffencn drahtlosen Telegramm ist der DampferE m P r c ß o f I r e - land" der Canadian Pacific-Cisenbahngesellschast infolge Zusammenstoßes mit einem Eisberge gesunken. Der Dampfer hat 14 000 Registertonnen und entwickelte bei 18500 Pferde-

nt. 125

Der Siehener Anzeiger

erscheint täglich, außer Sonntags. Bettagen: viermal wöchentlich GiehenerHamiliendläUer: zweunal wöchentl.Areir- dlatt fvr den Ureis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land­wirtschaftliche Seitfragen Fernsprech - Anschlüffe: für die Redaktion 112, Verlag n. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießer». Annahme von Anzeigen sür die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.

Erstes Blatt

m. Jahrgang

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schrn Univ.-Vuch- und §teindruckcrei R. Lange.

Samstag, 30. Mai OH

Be; n gsor tS:

monatlich75Ps.,viertel­jährlich '10k. 2.20: durch Ablwle- u. Ziveigslellen moklarlich 65 Pf.: durch dieVosl Mk.2. viertel« jdbrl. ansscpl. Bestellst. Zeilenpreis: lokal 15Ps^ auswärts 20 Psemüq. Chefredakteur: A. Goey. Perautworrlich sür den polü. Teil: Auq. Goet;; sür .ftemlletou-,Ver­mischtes* uudGerichts» saal": Karl Neurath; sür ^Stadt und Land-;

Redaktion, Lrpedilion und Druckerei: Lchulstraße 7. Anj-ignucü:'

Spaziergänge durch die Gewerbeausstellung.

iu,

Gießen, 30. Mai.

Bevor wir UnS dem zweiten Stockwerk des Hauptgebäudes zluwendcn, das in manchen Einzelheiten noch nicht völlig voll­endet ist, wollen wir uns erst einmal auf dem übrigen Gelände lumschen und beginnen dabei zweckmäßig mit dem Platz vor dem Haus 1. Hier haben die Erzeugnisse der Stein Industrie Platz gefunden. Die Großh. Bürgermeisterei Gießen führt in gefälliger Ausführung Splitt, Pflastersteine und eine mächtige Basaltplatte vor. Die Ätzs fischen Stern brache G, mb. H. Londorf bei Gießen bringen Basaltlava (Lung- stein' ans "den BrHchen bei Londorf und Basaltlavatuff aus dem Bruche Michelnau bei Nidda. Die M a r b u r g e r r c t: ä ft c i n-

brüchc Dreihausen haben in Form eines Kammes ihre Basalt- und Pflastersteine ausgebaut, Hch, R e u ß. Tiesbauunter- lnehmer in Friedberg i. Hess., der sich in der Hauptiaa>c mit der Ausführung geräuschloser Straßen sowie Kanal- und Eisen- bahnbautcn beschäftigt, ist mit seinen Erzeugnissen gut vertreten. Bon der bei unserem letzten Spaziergang bereits entgehend be- richt"'n Ausstellung* von Jean Dern u. Co. Gießen sind hier die Beton- und Zementwaren ausgestellt sowie Sternzeug. Ans der Rückseite des Gebäudes haben die Zementwarenfabriken W. Rinn VIII. in Heuchelheim und Heinrich Bol km an n in Montabaur sehr interessante Betonbauten ausgestellt, darunter Brücken und Durchlässe von großer Spannweite und bedeutender Dragkutv In einem besonderen Pavillon haben >saa und I u g har d t, Gießen, Zementröhren,, Kunüfteine, Platten, Ka­mine sowie Baumaterial aller Art ausgestellt. Heinrich Schmidt IX. in Großen-Buseck hat einen schönen Bienenstand ausgestellt.

Tie nach Plänen des Architekten Ernst Schntidt hergcrichtetc Ausstellung für Friedhofskunst durchschreitend, deren eimreyende Betrachtung ivir uns ftir später aufsparen, gelangen wir zu dem Haus VII, in dem die verschiedensten Gewerbe untergebracht sind. W. Dürbeck N a ch f. (Inh. Albert Höß) Giesten stellt eine große Anzahl von Herden und Oefen aller Art und vieler L>pstem-e aus, darunter sehr schöne Stücke. Jnr nächsten Raum sind wieder Werkstätten nn Betrieb zu sehen. Die ZmnglcNrel Johannes Zufall, Gießen, hat eine große Anzahl von Zmnwaren aus­gestellt: Kruzifixe, Svielwaren und manches andere, desten Her­stellung man gleichzeitig 'beobachten kann. ,^n seiner Zneleur- Werkstätte zeigt Alois Schnritt, Gleßen, getriebene Metall- arbeiten verschiedenster Art, und mit Internst werden die Aus­stellungsbesucher selten, wie rasch und sicher der sreundllchc Mann seine Arbeite» ausiüdrt. In dem 'Saal nebenan ist der gropc TllmastnMs'iibl ausgestellt, auf dem die Firma Conrad Löst,

L a u t c r b a ch, die Damaststosst sür den großherzoglichcn Haus­halt herstcllt. Dieser größte Äcbild-Webstuhl, dessen Arbeitsweise von dem sehr entgegenkommenden Webmeistcr aufs genaueste erklärt wird, ist äußerlich betrackttct ein sehr einfaches Instrument ttnd der Laie schüttelt verwundert den Kops, wenn er das flinke Weberschifsä)cn sieht, das surrend zwischen den Fäden dahinschießt und dabei die zierlichsten Muster bildet. In Wirklichkeit hat das Schisscheii mit dem Muster wenig zu tun: dieses wird vielmehr durch einen besonderen Mechanismus hervorgcrufcn, der am Kopfe des Webstuhls angebracht ist. Zur Bespannung des Stuhles, aus dem gegenwärtig 15 680 Fäden lausen, sind II Tage nötig. Auch ein kleiner Webstuhl ist hier in Tätigkeit, Im nächsten Raum führt Albert G o d o s a r aus Georgeuhammer bei Grünberg seine mecha- niichc Wollweberei vor, die sich hauptsächlich mit der Herstellung moderner Anzugstosse beschäftigt. Autogene Schweißapvarate ver­schiedener Größe in Tätigkeit zeigen die Wcberwcrke aus Weidenau a, d, Sieg, und man sicht staunend, wie starke Metall- stückc sich unter dem' Einfluß der Stichflamme biegen und formen lassen.

Der nächste Raum gehört den Sattlern, Aug, K i l b i n g e r, Gießen, bringt neben einem eleganten Jagdwagcn, der allgemeine Aufmerksamkeit erregt, fertige und haltstertigc Kaiser, Sport­geräte und eine große Anzahl Sattler- und Lederarbciten zu den verschiedensten Zwecken, Ebenso zeigt Friedrich Groß, Gießen, eine reichhaltige Sammlung von Sattler- und Ledcrwaren, Eine lesonderc Sehenswürdigkeit bietet die Grotzstldacr Gcschirriabrik Louis Völsing in einem sehr sauber und geschmackvoll ge­arbeiteten Prunkgeschirr für eine Brauerei, das von jedermann bewundert wird. Weiterhin bringt dieselbe Firma vcfichicdenc Geschirre in Messing, Neusilbcr und echt silbervlatticrt. Besonders beachtenswert ist dabei, daß die sämtlichen, sehr sauberen Gegen­stände Handarbeiten sind,

In Haus VI, das anscheinend noch nicht ganz beschickt ist, finden wir sehr schöne Wagen aller Art von Johannes Stumps in Lauteibach, Auch I, u, D, Eifert in Lauterbach haben Wagen ausgestellt. Einen massiven Lastwagen zeigt Wag- nermeister G e r l a ch aus R o d h e i m a, d, Ä, Die Käserei Ehr, Langbein in Butzbach bringt eine große Anzahl verschie­dener Buttermaschinen, Holzbadewannen und Waschtyaschrnen, Badewannen, Waschmaschinen und Pslanzcnkübel sind auch von Julius Fritz, Bad-Nauheim, ausgestellt. Ebenfalls Küserwarcn haben Fricdr, Köhler, Zell, Wllh. Wagner, Großen-Buseck, Transmissionsstile aus Draht, Baumwolle Und Hans, sowie Nhrenseile, einen kleinen Freiballon und landwirtschaftliche Seiler­waren bringt Wilh, Nebhuth, Gießen, in übersichtlicher Zu- sanimenst-llung, I, u, H, Grieb, Gambach, sind mit einer An­zahl sehr schön ausgeführter Mühlen- und landwirtschaftlichen Maschinell vertreten, dafiinicr Sichtcmaschincn, Maschinen zur

Erzeugung von Futtcrschrot, Spritz- und Schälmaschinen, Laud- wirtschastliche Holzwaren aller Art hat Wilhelm Baum an II I,, Getteuau i. d, Wettcrau, ausgestellt, Louis Bender, Krofdorf, zeigt mustcrgcschnitzte Waschmaschinen sowie Waschpressen und Fruchtpressen, Von Heinrich Bläser in Kestrich (Vogclsbergs sind eine Anzahl schöner Ttcinarbciten in Terrazzo und Mosaik zu sehen, darunter ein Trcppcnauigang, An der Bierstube Alt- Heisen und dem Bergwerk vorbei, dessen Sehenswürdigkeiten wir in einem besonderen Artikel behandeln werden, gelangen wir zu den etwas sehr versteckt gelegenen Ausstellungsräumen im Liebig- laboratoriuni. Hier hat die Seifenfabrik R, Stcriibcrg einen großen Aufbau aus Haushalt,igsseiseu, Scistuvulvcr und Wachs errichtet. Die Lacksabrik Wilhelm Z r b u ch zeigt Roh- stossc sür die Lacksabrikation sowie fertige Lacksabrikate nnb Lack­anstriche, Tic Gießencr Stempel - und F a r b c n s a b r > k Joseph Kreuter bringt Gummi- und Metallftempcl in den vcrschicecnsten Aussühipingci, sowie eine sehr reichhal ,ge Ausstellung von Gravstrarbeiten und Bereinsabzcichen, Von 01g, Ta hm er, Gießen, sind Blechslaschen mit und ohne Packkorb, zur Och und Lackbesördcrung vorhanden, P a u l M a » n s e l d bringt mechanische und optische Instrumente, Tie Wcrkstätte sür Präziswnsmechanii Gott bold He mpcl, Gießen, hat phvsikal.-analhtischc Wagen und Probierwagen, Rathelometcr und Forsttcchmschc In­strumente ausgestellt, Besmiders interessant, weil im Betrieb vor- gcsührt, ist die Glasbläserei von Otto E. Kobe, Gießen, Mar­burg und Münster i. W. Neben den kompliziertesten Gegenständen sür Laboratoriumsbedarf sind Lehrmittel und wissenschaftliche Apparate in reichhaltiger liebersicht ausgestellt: gesponnenes und anderes Glas ist ebenfalls vertreten Den Hauptanziehungspunkt sür oielc Besucher wird aber doch die Glasbläserei au sich bilden, denn.es ist außerordentlich interessant, diese Tinge entstehen zu sehen, deren hervorragende Beschasscnhcit in wissenschaftliche,, Kreis scn bekannt und sehr geschätzt ist.

Nun zu den Töpfern,

Schon äußerlich fällt die Marburgcr Firma John Schneider durch ihre reichhaltige Ausstellung auf. In die ganze Fassade des Liebiglaboratoriums hinein sind eine Menge Schüsseln, Basen, Krüge und zusammengesetzte Platten mit figürlichem und land- uhostlichem Schmuck ausgcbaut. Das Ganze gibt ein Begriss von der Vielseitigkeit und Leistungsfähigkeit der Firma. Zum Teil wird in diesem Betrieb genau nock> so gearbeitet wie es im 16, und 17, Jahrhundert in unserer Gegend üblich war. Man fertigt sogar immer noch genau dieselben Muster, wie Kannen. Krüge und Wappenteller mit dick aufgelegtem ornamentalen Schmuck, Von besonders dekorativer Wirkung sind eine Anzahl Teller uni> Schüsseln mit naiv primitiv gezeichneten Tieriiguren, deren Kon­turen eingckratzt sind und die uns m ihrer ganzen Austastung an die köstlichen alliialirnischen Sgrassiati des 15. Jahrhunderts er-