Ausgabe 
28.5.1914
 
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Ur. m

5 t(tes Blatt I64. Zahrgcmg Donnerstag,

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Donnerstag, 28. Mai 1914

Bezugspreis:

monatlich75Vf^ vienel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- ru Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch die Post 2?lk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestell^ Zeilenpreis: lokal löPf^ auswärts 20 Pfeuniq. Chefredakteur: A. Goey. Verantivortlich für den polil. Teil: Aug. Goetz: ^ ^Feuilleton", .Ver­mischtes" und,Gerichts» saal": Karl 9tcuralh; für .Stadl und Land":

Redaktion, Lrpedilion und Druckerei: Schulstraße 7. Auze,g?n!est:' o. BeL

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Der £afl (Element Bayard.

Der französische Großindustrielle Clement Bayard und seine drei Begleiter sind gewiß keine Bcrussspionc, keine be­zahlten Ausspäher gewesen Deshalb hat sie die Kölner Polizei auch wieder freigclassen, nachdem schlüssige Beweise für Spionage bei den Verhafteten nicht vorzufindcn waren. Die Polizei hat allerdings auch ihren Fehler gemacht da­durch, daß sie 36 Stunden brauchte, um zu diesem Ergebnis u kommen. Aber die Sympathie der Oesfenilichkeit ist doch urchaus nicht für denMärtyrer" Clement Bayard, der sich jetzt in drohenden Erklärungen ergeh: und eine Entschädi­gung fordert, für die ihm kein Gericht auch nur die kleinste Summe zubilligen wird. Fest steht, daß der Pariser Jndu- striekönig und Kommandeur der Ehrenlegion in seiner Neu­gierde auf deutschen Lustschissplätzen zu weit gegangen ist und die Grenzen des Zulässigen überschritten hat. Er versichert, photographische Apparate seien nicht in seinem Besitze ge­sunden worden, tatsächlich hat er in Fuhlsbüttel und an anderen^ Lorten Ausnahmen von Lustschifshallen machen lassen. Sollten diese Aufnahmen noch in den Händen der deutschen Polizei sein (wir meinen natürlich nicht die be­schlagnahmten harmlosen Ansichtskarten), so übergebe man doch schleunigst diese Photographien einem gerichtlichen Sachverständigen! Tic Gcntlemcnspione arbeiten nämlich neuerdings genau so eifrig wie die bezahlten Ausspäher mit der Sterevphotogrammetric. Auch Amateure können mit jeder kleinen .Handkamera stereoskopisch photographieren, indem sie nämlich aus beliebiger Entfernung von dem be­treffenden Gegenstand, Festungsanlagen, Geschützen.Schissen, Lustschifshallen usw. zwei Aufnahmen machen, die zweite um ca. 65 bis 75 Millimeter (Augendistanz i zur Seite ge­rückt. Das so gewonnene Stereoskopbild stellt ein dem auf­genommenen Gegenstände vollständig gleichwertiges Modell dar, das ebenso betastet und ausgemesscn werden kann, wie das Objekt selbst: die äußersten Feinheiten können da stu­diert werden. Es ist das Ideal der Spionage, und man darf sogar annehmen, daß ein so erfahrener Techniker wie Clement Bayard mit diesen Methoden, (die Konkurrenz) aus- zuspionicren, gründlich vertraut ist.

Hier liegen Gefahren, denen auch das neue deutsche Spionagcgesetz nicht begegnen kann. Hier hilft tatsächlich nur ein vielleicht zunächst übertrieben erscheinendes Ueberwa- chungssystem der Polizei, und die Berichte des Kölner Polizei­präsidenten und der Hamburger Polizeiverwaltung haben einen Einblick in diese Tätigkeit gewährt, der nun der Pa­riser Großindustrielle als sicherlich nicht ganz unschuldiges Opfer anheimgesallcn ist. Mißgriffe oder Fehler der Polizei sollen keineswegs beschönigt werden, aber man höre doch die Fachleute der Militärlujtschifsahrt, aber auch der Privat- iocrsten. Dauernd iverdeu jetzt die Luftschiffwersten, die Bal­lonhallen und Flugplätze von fremden Aushorchern um­lauert. Es sind durchaus nicht immer Personen, die in Fllh- lung mit irgend einem Staate stehen, sondern sehr oft Leute, die auf eigenes Risiko arbeiten und Dinge zu erfahren suchen, die sich auf Umwegen zu Geld machen lassen oder die, loie z. B, im Falle Clement Bayard, durch Verwertung in den eigenen Fabriken von größter Bedeutung iverden. Von schlimmster Bedeutung natürlich für bas ausspionisrte Land! Das preußische Kriegsministerium, der 'Große Generalstab und das Auswärtige Amt wissen in ganzen Aktenbergen ein

Lied davon zn singen, wie wir Tag für Tag Schaden da durch erleiden, daß Geheimnisse unserer Rüstungsvorberci- tungcn in die Hände der Gegner fallen, ohne daß die Leffcnt- lichkeit durch einen Spiouagcprozeß etwas davon erfährt, ja ohne daß auch nur ein Spion ergriffen und verurteilt! werden konnte. Ein Beispiel: Aus der letzten Berliner Lusl- sahrzeugausstcllung stand in der Stunde der Eröffnung ein Flugzeug, das mit einem Maschinengewehr und mit einer besonderen Zielvorrichtung ausgerüstet Mar. In der gleiclzen Stunde noch wurde jenes Flugzeug auf Veranlassung des Prinzen Heinrich von Preußen wegen seiner hohen mili­tärischen Bedeutung von der Ausstellung entfernt. Aber cs war hereits zu spät. Bald daraus konnte man die Abbil- düngen und Konstruktionen in de» ausländischen Fachzcil schriiten finden. Tic llcberwachung hatte zu spät eingesetzt. Tic llcberwachung dieser strafrechtlich fast nie zu fassenden Spionage erstreckt sich bekanntlich aus die sog.erlaubte Ausspähung" der bei den Regierungen akkreditierten Mili tärbevollmachngten, Militärattaches und Marineattachös und gehört zu den delikatesten und.schwierigsten Aufgaben der politischen Polizei. Wiederholt hat cs da schon sehr un­angenehme Zwischenfälle gegeben. !AlS die Dreyftlsafsäre zur Abberufung des deutschen und italienischen Militäratta chös in Berlin und Rom geführt hatte, wollte Fvankreicl) die ganze Einrichtung des militärischen Gesandtschastsbci- gcordneten abschaffen. Es ist nicht dazu gekommen, und die Schwierigkeiten der polizeilichenFühlung" haben sich seit­dem nicht verringert. Die Behörden erfüllten hier eine Auf­gabe, die durch Mitlaufen kleiner Fehler und Unvollkom- mcnheiten in ihrer ernsten Bedeutung nicht geschmälert wird. Auch nicht durch die Drohung Clömcnt Bayards, daß man noch mehr von ihm hören werde.

Aus Albanien.

D u r a z z o, 27. Mai. Ter K o n t r o l l a u s s ch u ß hat sich nach Ka w aja begeben. Der italienische Gesandte Baron A l i o 11 i ist nach Schiak abgegangen, um ein Abkommen mit den Ausständischen zu schließen. Aus Schiak wird ge­meldet, daß die Aufständischen neuen Zuzug aus dem Innern des Landes erhielten. Tic Ausständischen in Schiak sollen mit denjenigen von Kruja ein Gefecht gehabt haben. Tie Fürstin besuchte morgens einige Verwundete. Fn der Stadt ist alles ruhig.

Nach übereinstimmenden Berichten der in Schiak ge­fangen gewesenen Fremden rekrutieren sich die Aufstän­dischen aus Kroja, Tirana, Schiak, Pektin und Kawaja. Tie eigentlichen Leiter der Bewegung, die sich in Tirana auf- haltcn, blieben unsichtbar. Die Gefangenen konnten fest- stcllcn, daß sich unter den Aufständischen 15 besser gekleidete Türken befinden. Ebenso sahen sie gut eingerichtete Offiziers­menagen, jedoch keine Offiziere. Auch katholische Dörfer nehmen an der Bewegung teil. Nach Kawaja sind 700 regie­rungstreue Albanesen im Anmarsch. Der Kontrollaus» schuß begibt sich morgen dorthin. Unter den Aufständischen befinden sich solche, die zum Fürsten halten, eine andere kleine Partei erklärt sich für den Sultan. Die Mehrzahl ist unentschlossen. Es wird immer klarer, daß es sich um eine von langer Hand vorbereitete und mit Ausnützung verschie­dener lokaler Unzufriedenheiten groß gezogene Bewegung handelt, deren Anstifter bald Farbe bekennen dürsten.

Bei dem internationalen. Kontrollausschuß sind Tele­gramme von der Bevölkerung in Elbassan, Berat, Koritza und Balona eingelausen, welche dringend vor Zugeständ­nis s e n an die Aufständischen warnen. Es tritt immer mehr

zutage, daß die Rebellen hinsichtlich der Forderungen nicht eines Sinnes sind, sondern in verschiedene Gruppen zer­fallen, deren jede andere Beschwerden hat, und daß die ganze Bewegung zwar eine muselmanische ist. daß jedoch die Person des Fürsten erst nachträglich hineingezogen wor­den ist,

Tie Forderungen der Alifständischen,

Tie Aussländischen haben an den Kontrollausschuß eine Zuschrift gerichtet, in der sie als Zweck der Volksbewegung folgcndeWünschc anführen: 1. Ter Souverän Albaniens möge den Religionsunterricht, welcher die Grundlage unseres Glaubens ist, heben. 2, Tie Persönlichkeiten, denen der Sou­verän Rcgicrungsgewalt übertragen hat, sind Leute, welche seit langem die Bevölkerung verfolgten und noch verfolgen. Während wir dieses unser einziges Ziel auseinandcrsetzcn wollten, verwandte die Regierung gegen uns Kanonen und erschütterte dadurch unsere Sicherheit und unser Vertrauen. Infolgedessen wünschen wir die Herrschast und die Verwal­tung des Ottomanischen Reiches, zu dem wir seit jeher ge­hören. 3. Tollte die Erreichung dieses Zieles unmöglich setn, legen wir unsere Sache in die Hände der Großmächte, um vor der gegenwärtigen Regierung gerettet zu werden. Wir bitten danach zu handeln und cinitwcilcn, bis unsere Forde­rungen zu einem Ergebnis sühren, gns vor jeder Art von Bedrückung seitens der Regierung und ihrer Häupter zu schützen.

Die Malissoren.

D u r a z z o, 27. Mai. Der F ü r st berief die Malissoren­häuptlinge zu sich und dankte für ihre Bereitwilligkeit, mit der sie den Schutz seiner Person übernommen hätten und bat sie, da keine Gefahr für sein Leben drohe, wieder in die Heimat zurückzukchrcn. Tie Malissore» marschierte» gestern nach Skutari ab.

Dir Bewachung drs fürstlichen Palais.

Dur azzo, 27. Mai. Das Palais des Fürsten wird von je 60 österreichisch-ungarischen und italienischen Ma­trosen bewacht.

Der Fürst sucht Verbindung mit Berlin.

Durazzo, 27. Mai. Der.Hosmarschall des Fürsten, o. Trotha, ist, wie verlautet, in besonderer Mission nach Berlin abgereist. Tie Verluste der Aufständischen in den letzten Kämpfen mit den Rygierungstruppen sollen ziemlich bedeutend sein. Obwohl die Aufständischen strenges Still­schweigen bewahren, dürften sie über l00 Tote und Ver­wundete gehabt haben. Tie Regierungstruppen und Frei­willigen zählen 20 Tote und Verwundete. Unter den Toten ist «in gewisser Berger, angeblich aus Schlesien.

Kirche «inv 5dtule.

Eine Rede des Papstes an die Kardinale.

Rom, 27. Mai. Im Konsistoriumsaale fand die feier­liche llcbcrrcichung des Kardinalhutes an die ucucrnannten Äardinäle statt. Ter Papst saß auf dem Thron, neben ihm Kardinal M e r r y d c l Vak. Der Papst setzte den neuen Kardinalen, die vor ihm niederknietcn, den Kardinalshut selbst auf das Haupt. In seinem und seiner Kollegen Namen hielt Kardinal B e g i n , Erzbischof von Quebec, eine An­sprache, auf welche der Papst mit einer kurzen Rede erwiderte.^. Daraus begab sich der Papst in seine Gemächer, wo er die neuen Kardinälc empfing. Später besuchten diese den Kardi­nal Merry del Val.

In seiner Antwort auf die Ansprache des Kardinals Begin zollte der Papst den neuernannten Kardinalen Lob und sagte, aus

Spaziergänge durch d e Gcwerbcausslellung.

Gießen, 28. Mai.

II.

Nachdem wir uns kürzlich über den Umfang und die Reich- baltigkeit unserer Gewerbcausstellung im allgemeinen unterrichtet haben, können wir uns nun der Betrachtung im einzelnen zu- wcnden An Hand des Austcllungsiührers betreten wir d n mit hübschen Rohrmöbcln von Valentin E l s c s s e r im rheinhessische» Hamm eingerichteten Porraum und wenden uns zunächst &cm ehe­maligen Pförtncrzimmer zu, in dem JeanTernL Co. l Inh. 2. Gutmann ihre ilicscnteclm,scheu Wand- und Bodenb: klcidungen ausgestellt baden. In verschiedenen geschmackvollen Mustern in dtc Verwendungsmöglichkeit der Chamotteplattcn genügt von der ein sachen Nützlichkeit ausgebend, bis zum künstlerischen schmuckbau, sowohl in ihrer Dienlichkeit zu Wannenbädern und «vülstetnen als auch zu Zicrbrunnen, Kaminen und Kachelösen, wie wir ne nicht nur in dem eigenen Ausstellungsraum, sondern^auch in den Räumen des Reg-Baumeisters Schön, der Firma S ch a f i st a c d t und der Möbelfabrik von Tb. Brück sehen. Weiterhin stellt die Firma noch maschinell gestampiie Basaltröhren aus. Betonsinkkastcn ver­schiedener Svftcmc, Bauwcrkllücke in Kunststein und Zcmentwarcn, sowie allerlei Gegenstände auS glasiertem Ttcinzcug.

Die drei nächsten Räume sind den Druckereien qewidmct, die nicht nur ein vollendetes Zeugnis von dem hohen Tkand der Buchdruckcrkunst in Gießen geben, sondern auch sehr lehrreich und planmäßig aiidgestatiet sind. Zn dem ersten, sehr gcschmackooll ein- gerichteten Raume hat die B r ü h l ','chc Universitäts-Buch- und Steindruckcrei. R. Lange eine reichhaltige Ausstel­lung von Driickarbeiten für alle Zivccke veranstaltet. Tic Sammlung zeigt in gedrängter Form, daß jede Drucksache ansprechend und zweckmäßig hergestclli werden kann, indem sic vom einfachen Ge- ichäst-brics bis zum vollendeten Kunstdruck ansteigt, wie er iich vor altem'in den künstlerischen Wandkalendern zeigt. Daneben ist m be­sonderen Kästen die Herstellung von Druckplatten iür »lach- und Runddruck veranschaulicht, sowie die von Galvanos. Besonders lehr­reich dürste die Entwickelung desGieftcner Anzeigers" iem, die in einem besonderen Schaukasten vorqeiührt wird, und dabe, zugleich einen Uebe-blick über die Kulturgeschichte der Presse gibt, weil itc zeigt, welchen Ausschwun, das Zcitungswesen in den letzten hundert Jahren genommen hat. .... .....

Tie Uebersicht über den Kunstdruck wrrd durch die im nächsten Raume untcrgebrachtc Ausstellung der Hof - und llniocrsi- tätsdruckereiOito Kindt ergänzt, die neben gediegenen Ar­beiten in Werk- und Akzidenzdruck vor allem ein anschauliches Bild über das Verfahren beim Drei- und Vierfarbendruck gibt. Für den Laien dürste die Vorführung einer Tvvograph-Letzmai'chine, wie sie auch für die Herstellung unseres Blattes verwendet werden, von

ganz besonderem Interesse sein. Tie Maschine, die etwa dreimal so viel leistet Ivic ein Handsetzer, setzt und gießt die ganze Zeile selbsttätig, hat aber allerdings den Nachteil, daß wegen eines Druck­fehlers die ganze Zeile neu gesetzt werden muß. Dabei geschieht es dann mitunter, daß ein Fehler auSgcmcrzi wird und ein neuer ent­steht. Weiterhin sehen wir wie bei der Ausstellung der Brübl'schen Druckerei noch eine Anzahl von Jllustvationsdrucken und künstlerisch auSgcsührte Bucheinbände, vor allem von dev jetzt leider mit den Rheinlanden verschmolzenenKunst der Heimat". Besonders reiz­voll sind die nach Entwürfen von Pros. F. W. Klcukens Helge» stellten Arbeiten, wie die zumBuch Esther", zumHohen Lied" und zuTaphnis und Chloe".

Auch der nächste Raum ist noch den Druckern gewidmet. E h r I st und Herr bringen neben den bereits bet den anderen Druckereien besprochenen Arbeiten für den privaten und ge­schäftlichen Bedarf den höchst interessanten Entwicklungsgang der Steindruckerei vom ersten Entwurf bis zum fertigen Bilde. Auch die Herstellung mehrfarbiger Schriftsätze wird sehr instruktiv vor- gcsührt. Im selben Raum hat Willi Woclkc eine Anzahl van Entwürfen für Kunstgewcrbe und Graphik ausgestellt, so daß diese Abteilung dev Ausstellung in nahezu vollkommener Weise ausgcbaut ist, indem sie ein cinheitlickstS Bild von dem heutigen Stand der Druckerkunst und der verwandten Gewerbe gibt.

In dem letzten Zimmer aus dieser Seite haben die F r i s e u r e und Perückenmacher ihre Arbeiten ausgestellt, so Arno Feigen span und Heinrich T i ch v aus Gießen, sowie Joh. Friedr. Wuvsttus aus Alsseld. Wenn man all die hiev zur «chau gestellten Haararbeiten sieht, dann begreiit man erst rich­tig, wie gut es unsere Damen haben, die ihre wunderbaren Haar- bauten wie einen Hut aus- und absetzen können. Im selben Raum zeigt Jos. Rotschtld II. aus Alsfeld Bürsten und Pinsel aller Art, teils fertig, teils in der Bearbeitung.

Im gegenüberliegenden Zimmer hat die srete Glaser- rnnung Gießen ihre Erzeugnisse untcrgebracht. W. Schmitt bringt gerahmte Bilder, B. Wals Buntglas und Blcivergla- sungen. Fenster mit Stellhebeln, Dopveltenster und Schiebe­fenster stellen M. Wadcnpsuhl, W. Rotermcl, G. Luh, H. Fijlmann, B. Bierau und H. Arnold aus.

Tie vereinigten Maler und Weißbtndcr zeigen ciniache Tünchcrarbeitcn und Schnruckanstrichc.^Hvlz- und Wand- bemalung, Marmorimitation und Verputze Jn.-ressant ist eine Gegenüberstellung der alten und neuen Malwetse iür Zimmer- wände, die L. Petry II. zur Schau stellt. Ein Versuch, Oel- sarbe gegen die Ausscheidungen des Zementvcrputzes nstderstands- sähig zu machen, ist ebenfalls zu sehen, jedoch sind die Versuche, wie man uns sagt, noch nicht abgeschlossen. An dieser Aus­stellung sind noch beteiligt: G, U. Belttz, I. Ftnk, Ehr.

S ch m t d t, G. Wagner, Th. Nauhetmcr und tz. L a u n s- b a ch.

Eine sehr gute Ausstellung haben die Gicßcner Tchlosscr- mcister zuwege gebracht. Einen großen Raum nehmen dabei, dem erzieherischen Zweck der Ausstellung entsprechend, die Ar­beiten im Geschmack vergangener Zeiten ein. To sehen wir eine ganze Anzahl, von hoher bandscriigkeit zeugender, Tchmuckgcrätc, wie geschmiedete Blumensträuße von verblüssender Natürlichkeit, getriebene und gebogene Gegenstände aller Art. Martin Dörre zeigt gute Schlösser und ganz reizende, matcrialgcrechte Kcrzen- haller und lßeucrzeugstäuder, Kars K r a i l i n g stellt neben ge­diegenen Türüeschlägen u. a. eine prächtige Laterne und eine schöne Truhe aus. Das aus einem Stink getriebene Bildnis feiner Frau verrät eine vcrblüsiende Kunstsertigkcit, und man ist baß tu, staunt, daß das spröde Eisen solchen Feinheiten anzupasscn ist. Be­sonderes Aussehen erregt auch ein getriebener Bilderrahmcn, dessen Vcrsertigcr aber nicht sicher zu erkennen ist, da die Bezeichnungen der wünschenswerten Klarheit ermangeln. Hcrm. P r ü s ch o l i> bringt ein hübsches Geländer, G. Euler seine mustcrgeschütz- ten Tische und Bänke. Karl H o h m e i e r zeigt Anlagen für Blitz­ableiter. Hch. Schön hat einen hübschen Bjumentisch in getrie­bener Arbeit ausgestellt. Einen spätgotischen, bemalten Türbeschlag nachchem Entwurf des Architekten A. Tauber in Marburg hat A. Stumps aus Homberg geliefert, von dem auch das Aushänge­schild auf dem Weg nach dem Friedhoi, ein Grabkreuz und eine Vase mit Strauß hcrrührcn.

Tie Schrcinervercinigung hat den nächsten Raum innc. G. Haubach bringt eine schöne Balustrade aus Eichenholz mit Sitzplatz, die in ihrer Form und ihrer Farbe sehr anziehend wirkt: außerdem eine Haustüre und das Modell zu einem Fcn- ster, denen Flügel nach außen und innen zu öffnen sind. Louis Beil hat ein Büfett aus massivem Eichenholz ausgestellt, einen holländischen Ausziehtisch, Bilderrahmen u. a Besondere Beachtung iindet das Modell zu seiner bewährten Schutzvorrichtung für Tacharbciten, das am Liebigmuieum auch in natürlicher Größe zu sehen ist. Karl Hahn ist mit einer Treppe samt Wandvertäse- lnng, einem Bücherschrank, einer Truhe und einer schönen Flügel­tür vertreten. Joh. Lenz bat neben anderem ein Büfett aus cnchenholz und ein Küchenbüsett beigesteuert. Auf dem Flur sind einige große, sehr gefällig wirkende Türen von E. D. Müller ausgestellt und ein Erkeieinbau von Fr. Zciß in Griedel. Lauter schöne, hervorragende Arbeiten, die unseren Schrcincrmcistern ein ehrendes Zeugnis ihrer Tüchtigkeit ausstellen.

Aus dem Flur hat die Firma A. Reinig eine wohl geord­nete, reichhaltige Sammlung ihrer vielartigen Stahlwaren aus­gestellt: neben Messern für alle Zwecke ein riesiges Besteck von sauberster Arbeit. Auch der Werdegang eines mehrtecligen Taschen­messers ist in allen seinen Tellen übersichtlich veranschaulicht.