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Erster Blatt
m. Jahrgang
Oienstög, 26. Mai 19$
Generai-Anzetger für Oberhessen
Rotafionsönid und Verlag der Brühl'schen Univ.-8uch, und Steindruckerei R. Lange.
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monatlich75M.,vienel» jährlich B!k. 2.20', durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 'Bi.; durch diePost Alt.2.— viertel» jährl. ausichl. Bestellg. Zeilenvreis: lokallöBf^ ausivärts 20 Bienniq. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goeg; iüc .Feuilleton". .Ber- mnchtes" und^Gerichts» jaal": llarl 9leurath: iür .Stadl unb Land":
« w ^ t - Kurt Bendt; für sen
Redaktion, Lrpcdition und Druckerei: Schulstrahe 7. Anzeigenteil: H. B-ck.
Die heutige Nummer umfatzl 12 Seiten.
was geschieht nun in Albanien?
Ein Mitarbeiter, der sich in diplomatischen Kreisen und ml maßgebender dcutschamtlicher Stelle gründlich rnsor- nriert hat, schreibt uns:
Ueber die dramatischen Vorgänge in Durazzo erhielt die deutsche Presse ein Ucbcrmaß von telegraphtsckzcn Berichten aus italienischer Quelle, in denen Fürst Wilhelm von Albanien keine beneidenswerte Rolle spielte. Er wurde dargestcllt als ein allzuvorsichtiger Mann, der in erster Linie auf sein persönliches Wohl bedacht war, fluchtartig seine Residenz verließ und nur auf gütliches Zureden in den Konak zurückkehrte. Die .offizielle römische Berichterstattung hat sich von diesen Fälschungen serngehalten; sie stammen von privater Seite. Aber sie müssen bekämpft und widerlegt werden, weil von jeder Verleumdung bckannt- sich leicht etwas hängen bleibt. Fürst Wilhelm hat auf dem italienischen Kriegsschiff „M isurata" nicht persönlich Schutz gesucht, sondern nur seine Gemahlin und seine Kinder dorthin begleitet, um ihre Unterbringung zu überwachen. Nachdem diese Sorge erledigt war, kehrte der Fürst, wie er es nicht anders beabsichtigt hatte, nach Du- rciAv zurück. Zugegeben mag werden, daß durch den Gang auf das italienische Schiff ein falscher Verdacht erweckt werden konnte. Daß es dem Neuwieder Prinzen nicht an persönlichem Mut gebricht, hat er ja gleich darauf bewiesen, als er in geringer Begleitung ohne Waffen zu den Vorposten hinausging, die Verschanzungen besichtigte und sich jedem aus diesem heißen Boden möglichen Attentat ausfetzte. Aus diesem Vorfall hat die Uebertreibung unzuverlässiger Korrespondenten allerdings wieder etwas anderes gemacht: Fürst Wilhelm sei in das Lager der Aufständischen geritten, um persönlich zu verhandeln. Dies wäre eine Tollkühnheit ohne jeden vernünftigen Hintergrund gewesen. Ter Fürst weiß nachgerade, was man in Albanien wagen darf und wie ihm geholfen werden muß, wenn er sich durchsetzen soll. Es ist durchaus keine Schande, sich helfen zu lassen, wenn man kein „angestammter" Monarch ist, sondern in ein fremdes Land cingeführt wird, das selbst eine Schöpfung „höherer Mächte" ist. Der Fürst hat den Wunsch geäußert, daß vom internationalen Detachement in Skutari 500 Mann nach Durazzo kommen sollen. Man kann ruhig auf die ausstehende Zustimmung Englands warten, denn auf diese 500 Mann koimnt es doch nicht an, sic sind nicht mehr als eine diplomatische Formalität. Fürst Wilhelm braucht ganz bedeutend mehr Soldaten, um seine Herrschast sicher zu stellen. Auch das italienische Alpenjäger-Bataillon, das den Befehl erhalten haben soll, aus Udine nach Mbanien zu marschieren, würde bei weitem nicht ausreichen. Der albanische Gesandte in Wien Surepa- Bei Vlora hat vollständig recht, wenn er auf Anfragen erklärt, nach seiner Ansicht könne in Albanien keine Ruhe cintreten, wenn nicht mindestens 5000 Mann fremde Truppen nach Albanien kämen. Derselbe Albanier, der die politischen Nöte und Aussichten seiner Heimat wie kaum ein anderer kennt, macht auch den aufsehenerregenden Vorschlag, daß wieder ein internationaler Kontroll- aus schuß die Verwaltung des Landes übernehme, und es ist keine Ucberhebung, wenn Sureya-Bci, der Sproß einer der angesehensten albanischen Familien, glaubt, daß ihn der Fürst mit der Bildung des neuen Kabinetts betrauen werde.
Wohin die Tinge jetzt treiben, zeigt deutlich die Wiederkehr des früheren albanischen Ministerpräsidenten Ismail K e m a l. Er kchn in, man darf wohil sagen, sei:, Valona zurück u;b hat bereits angekündigt, !>iß er zum Fürsten gehen werde, „bereit, mit ihm sür.das Wohl des Landes und Ieines Herrschers zusammenzu arbeiten". Auch Ismail Kenia! weiß ganz genau, daß dem Fürsten nur durch freinde Truppen zu Helsen ist: „Eine europäische Intervention würde ich beklagen, doch fischte ich, daß sie unvermeidlich ist," erklärte der kluge Albaner schon in Triest. Ismail Kemal ist bekanntlich der Tod- und Erbfeind Essad Paschas und das beste, ja eigentlich einzige „Gegengift" gegen den nicht un- sckhidlich gemachten aib-anischen Epn.i.Wmiiiister. Wenn man deni Fürsten wirklich einen Vorwurf machen will, so kann er nur darin bestehen, daß Mau es als einen großen Fehler anspricht, Essad Pascha freigelassen und nicht als Geisel und Gefangenen fcs:g:halten zu ch.rbcn. Die Abfordcrung des Versprechens, sich künftig nicht in die Politik des Landes zu mischen, mag zwischen westeuropäisch» Kavalieren von Wert sein, in Albanien ist so etwas -einfach lächerlich. Dort' gibt nicht jene Ehre, die Fürst Wilhelm als preußischer Offizier kennen und üben lernte, sondern nur die roheste Gewalt und die brutalste Sprache der harten Tatsachen. Ais die Albanier zum ersten Male hörten, daß sie einen Fürsten bekommen, war ihre erste Frage: Wie viele Kanonen hat er mitgebracht? Macht muß er verkörpern, und Macht bedeutet in Albanien nicht Recht- und Ehrgefühl, sondern vorerst nur männliche Kraft und eherne Faust. Wenn der wohl noch vielgeprüfte Fürst, unterstützt von den Mächten, die ihn nach Albanien brachten, diese Mittel anwendet, wird- er das .albanische Volk, in dem noch soviel unentwickelte Tüchtigkeit und ein guter Kern schlummert, einer neuen, gefunden und stetigen Entwickelung zuführen.
Durazzö, 25. Mat. Gestern Morgen wurde bekannt, daß in dein K a m p s am vorhergehenden Tage 2 0 M a n N g e s a l l en und zehn verwundet worden sind. Die Au f st ä nd i s ch e n hatetn auch mehrere Gcsangene gemacht, darunter einen holländischen Offizier und den rumänischen Militärattachec Prinzen Sturdza. In der Nacht langte ein österreichisch-ungarr- f cf) e ä Geschwader von fünf Torpedobooten an. Eins brachte einen Teil der hier zum Schutze des Palastes cingctroifcnen Malissoren nach San Giovanni di Medua. In der italienischer. Schule wurde eine Schutzivache, die unter dem Beseht von Marine- ossizicren steht, eingerichtet. Gestern vormittag begab sich der Für st in Begleitung des Hosmarschalls v. Trotha und des Offiziers Ekrem Bey sowie zweier Diener zu den Vorposten und besichtigte die Verschanzungen. Daraus kehrte er zurück. Aus dem ganzen Wege war der Fürst Gegenstand freundlicher Kundgebungen. Nach einigen Vcrl>andlungen lieferten die Anfftändischcn die Gefangenen imd Verwundeten aus, die nnt Autonwbilcn nach Durazzo gebracht wurden. Gestern kehrte Turk- h a n P a s ch a an Bord eines österreichischen Torpedobootes hierher zurück. Die Stadt war gestern abend ruhig.
Die Forderungen der Ausständige».
Ueber die V e r h a n d l u n g e n der Mitglieder der internationalen Kontrollkommission mit den Insurgenten, die am Samstag nachmittag stattgefundcn haben, wird noch mitgctcitt: Die von den Aufständischen ausgestellten Forderungen bctrascn den Schutz der muselmanischen Religion, des Muselmancntums, die W i e - derhcrstellung der ottomanischeu Herrschaft, insbesondere deswegen, weil die gegenwärtige Regierung die Muselmanen mit Kanonenschüssen angegrisscn habe. Falls eine Rückkehr zur Türkei unmöglich sein sollte, möchte das Land sein Schicksal wieder in die Hände Europas zurücklcgen. Unter den Insurgenten, die keinein bestimmten Führer zu gehorchen schienen, herrschte vor
den Vorgängen oom t8. unb 19 .Mai die Meinung, daß Essad von ihnen als Betrüger anzusehen sei. Die Beschießung des Hauses Essads führte jedoch einen vollkommenen u m s ch w n n g herbe i. Jetzt betrachten viele dieser fanatischen Bauern, die wie Essad Pascha von den Nationalisten und holländischen Kanonen angegrisjen worden waren, Essad als u n s ch u l - digesOpser und wünschten, ihn zurückzuruien. Tic Forderungen der Bauern, vorgebracht in verworrener und tumultarischer Wciseu waren in ein Schriftstück zusammengcsaßt, übcr das eine lange Erörterung stattsand.
Wien, 25. Mai. Ein verspätet eingetrosscncs, am 23. Mai, nachmittags, in Durazzo ausgegcbenes Telegramm meldet, daß etwa 5 00 Insurgenten in Ka- waja die Regierungsbehörden vertrieben und und die türkische Fahne gehißt hätten, nachdem die albanische Fahne zerrissen und zu Boden getreten worden sei. Die Aufständischen ernannten einen Mufti und einen Gouverneur und proklamierten die Autonomie ihres Bezirkes mit dem Rus: „Es lebe Essad, der König Albaniens!
Eine neue nationalistische Partei in Albanien.
Dur azzo, 25. Mai. Seit längerer Zeit machte sich im ganzen Lande eine politische Richtung unter der Devise: Albanien den Mauern! zum Zwecke der unbedingten Unterstützung des Fürsten geltend. In einer großen Versammlung wurde ein Parteiprogramm erörtert und die Ueberreichupg eines Memorandums durch eine Deputation an den Fürsten beschlossen. Die neue nationalistische Partei, deren Pro- grannn sich energisch gegen das frühere türkische Korrup tionsspstem richtet, wurde von den Anhängern Essad Paschas lebhaft bekämpft,
Essad Pascha.
Rom, 25. Mai. Die „Tribnna" meldet: Essad Pascha, der hier cingetroffen ist, hatte l)cute eine längere Unterredung mit dem Minister des Acnßern, Marchese di San
Giuliano.
Durazzo, 25. Mai. Während der Verhaichlungen der Mitglieder des internationalen Kontrollaus- s ch u s s e s mit den Insurgenten bemühte sich der italienische Gesandte mit dem italienischen Dragoman, die angesehensten Führer der Aufständischen dazu zu bewegen, die Gefangenen, vuo denen eine große Anzahl verwundet war, freizulassen. Tie Gefangenen glaubten bereits, ihre letzte Stunde sei gekommen. Die holländischen Ossiziere übergaben schon dem italieni scheu Gesandten ihr Geld und übermittelten ihre letzten Wünsche. Die Unterhandlungen wurden besonders dadurch erkeichtcrt, daß der italienische Tragoman ein guter Kennender alba- nesischen Sprache und der Sitten der Mauer ist. Sie endigten niit der Freilassung der Gefangenen. Der italienische Gesandte brachte in einem Automobil vier Verwundete nach der Stadt, darunter den rumänischen Prinzen Chika. Tie Ausstandsbewegung ist jedoch noch nicht erloschen. Tie Unzufriedenheit dehnt sich auf ganz Mittcl- albanien aus.
Erklärungen des Grafen Berchtold.
Ösen Pest, 25. Mai. In der heutigen Plenarsitzung der österreichischen Delegation hob der Minister des Acußcrn, Gras Berchtold zunächst mit Befriedigung hervor, daß die vereinzelten Anfeindungen gegen das Dreibundverhältnis, die in verschwindender Anzahl verbreitet worden seien, gegenüber der sonstigen allgemeinen Zustimmung zu diesem Verhältnis wohl nicht in die Wagschale fallen könnten. Bezüglich Albaniens erklärte der Minister, daß Oesterreich-Ungarn und Italien
deutscher vschnenverein.
Altenburg, 23. Mai. Aus Einladung des Herzogs von Menburg wurde'heute hier die 25. Hauvt-Gencralversammlung des Deutschen Bühnenvcrcins eröffnet. Die Versammlung war stärker als irgend eine der früheren Versammlungen besucht. Drei Viertel der Mitglieder des Bühnenvcrcins waren anwesend. Tic großen Hostheatcr waren durch ihre Generalintendanten und Intendanten vertreten.
Aus dem Geschästsbcricht geht hervor, daß 7 Ehrenmitglieder, 135 aktive und 19 inaktive Mitglieder dem Deutschen Bühnenvercin angeboren Außerdem gehören 170 Bühnen dem Verein an: die Zahl der Bühnen, die dem Verein neu angeschlossen sind, beträgt 21. Die Unterstütznngskassc lwt einen Bestand von 23 000 Mark. Sodann gab Grat Lülsen unier großem Beifall die Ernennung von drei Ebrenmitgliedern bekannt: Kommissionsrat Lang, wegen seiner verdienstvollen Tätigkeit im Interesse des Bühncnvereins; Direktor Heinrich (Heidelberg!, vom Präsidenten als Vorbild eines Tbeaterdireklors an Schlichtheit und Biederkeit bezeichnet: Gustav K a d c I b u r g, der Präsident der Wohliabrtskasse, als der große Kenner des deutschen Thcaterwcsens. Nachdem Gehcimrat Bachur den Kassenbericht erstattet hatte, wurde dem Voritand Entlastung erteilt. Tic Finanzlage wurde als sehr günstig bezeichnet. Gehcimrat Lautenburg berichtete sodann über die Wohliahrtskassc, die die Sninmc von 2t 000 Mark für Unterstützungen an 300 bc« dürstige Bühnennntglieder ausbezahlt hat und am 1. April d. I. nur einen Bestand von 200 Mark auswies.
Wirkt. Geh. Admiralitätsrat Tr. Felisch sprach alsdann übcr die Schofiung einer Lebcnsvrrsickierungsonstalt für die Mitglieder des Teutichen Bühnenvereins. Diese Frage wurde einer Kommission überwiesen, ebenso nach einem Referat von Baron v. Pntlitz die Bcschliißiassung über die Einrichtung einer Waren- eiiikausszentrale für Vercinsmitgliedcr. Zwischendurch wurde ein dringlicher Antrag beraten, der einen Protest geaen die geplanten Thcatcrsteucrn enthält. Es folgt dann der Bericht von Direktor Gregor (Wien) übcr den Aufführungsvertrag.
Baron v. Pntlitz berichtet daraus namens der Kommission über das Don-Juan-Prclsausschreiben. Wie bekannt, hat Kammersänger Scheidemantel (Dresden) den Preis erbalten. Pntlitz wies daraus hin, daß der Hauvtvvrzng des Lcheideinantelsch-n Textes darin bestehe, daß er gesanglich leicht sei. In der zweiten .Hälfte des Juni wird Grat Sceboch im neuen Hofiheater in Dresden eine Aufsührnng des „Don Juan" veranstalt:»: der Hauptzweck dieser Veranstaltung sei, zu beweisen, daß endlich eine Einheitlichkeit für die deutschen Bühnen erzielt sei, was aber auch durchaus eine ^Notwendigkeit gewesen fei. Alle Bühncnvcreins-
initglieder müßten sich verpslichtcn, diesen autorisierten „Ton- Juan"-Tetr innerhalb der nächsten zwei Jahre zu übernehmen.
Direktor Lautenberg schloß sich, dem an. Direktor Wollt (Elbing) wies auf die Schwierigkeiten hin. Er habe in Elbing erst vor drei Jahren eine Oper cingeführt uich zwar mit dem städtischen Orchester, das mit großer Mühe aus eine gute Höhe gebracht worden sei, aber er habe Mozart so gern, daß er ihn bisher nicht zur Aufführung gebracht habe. (Heiterkeit.) Auch Wagner habe.er bisher nicht bringen können, weil er nicht schlechte Aufführungen von Meisterwerken geben wolle.
Nach der Mittagspause wurde die Llussvrache über die „Ton- Juan"-Fragc fortgesetzt: sie schloß mit der Annahme eines Antrages. ivvnach diejenigen Bühnen, die in der nächsten Zeit nach Ablaut der etwa bereits geschlossenen Verträge übcr die Aufführung des „Don Juan" in der alten Form verpflichtet sein sollten, nach dem 1. April 1915 den „Ton Juan" im neuen Text auszusühren.
Zum Okt der nächsten Generalversammlung wurde D a r m - stadt gewählt, wohin der Großherzog von Hessen den Bühncn- verein einaeladen hat. Aus Anregung mehrerer Mitglieder wurde wcter beschlossen, im Januar 1915 ebenfalls eine Generalversammlung IN Berlin abzuhackten, während die Generalversammlung in Tarmstadt wieder im Mai stattsinden soll. Ein Antrag, der den im vorigen Jahre in Eisenach gefaßten Beschluß übcr das Verbot der Mitloirkung der bei den Bühnenvercinsmitgliedern beschäftigten Kräfte an kinematographffchen Darstellungen betrifft, wurde aus das Kcknetophon ausgedehnt.
Tie weiteren Anträge betrafen interne Angelegenheiten des Teutichen Bühncnvereins. Die Neuwahlen ergaben, daß an Stelle von Kvinmisiionsrat Lang <Llldcsheim>, der nicht mehr aktiv ist, in den Tirektorialausschuß Direktor Witt vom Residenztheater in Dresden gewählt wurde und zu stellvertretenden Mitgliedern des Ehrenratcs Intendant Volkner (Frankfurt) und Ernst v. Possart (München) bestimmt wurden. Damit war die Tagesordnung erschöpft.
— Das Alter und die Krankheiten. Es steht fest, daß in den Kackturstaaten die durchschnittliche Lebensdauer des Me»: sck'en z,mim,nt: in Frankreich entfällt bereits ans 9 Einwohner einer von über 60 Jahren Lebensalter, in Deutschland aus je 13 Brenschen ein mehr als Mjähriger. Damit gewinnt das Grcisen» alter eilie gewaltig gesteigerte und stetig zunehmende soziale und wirtschaftliche Bedeutung, die sich auch in der Heilkunde wiegeln muß. In einem fesselnden Aussatz der Umschau beschäftigt sich Professor Hermann Schlesinger mit diesem bedeutungsvollen Problem, ans dein der medizinischen Wisscnschast neue und große Ausgaben erwachsen. „Sollte es möglich sein, eine Reihe von Krankheiten wirksamer als bisher zu bekämpfan, so könnte die Arbeitsfähigkeit
vieler Menschen west über das jetzige Mraß erhalten bleiben. Die Altersgrenze iür den Eintritt in den Ruhestand ioürde eine Verschiebung nach oben zu erfahren." Die Statistik hat uns inzwischen belehrt, daß der Uebergang zum Ruhestand im Alter eine erschrck- kende hohe Sterblichkeit mit sich bringt. Zugleich lehren uns die reicheren Eriahrungen der Heilkunde, daß eine große Anzahl Krankheiten im Greiicnaltcr anders verlausen oder anders wirken als in jüngeren Jahren und daß unter Umständen auch die Art der ärztlichen Behandlung sich diesen Vertindcrungcn anzuvassen hat. In dieser Richtung bleibt noch manches zu tun und manche irrige, Anschaming zu zerstören. Prof. Schlesinger vermag beispielsweise aus Grund seiner Untersuchungen die allgemein verbreitete Anschauung anzuzweifeln, nach der die Beziehungen zwischen Krebs- leiden und Alter entscheidend sind. „Die Krebscrkrankung", schreibt der Gelehrte, „nimmt in dem höheren und höchsten Greisenalter (jenseits des 71. bczw. 76. Lebensjahres) ab. Auch ihre Bösartigkeit vermindert sich für alle Formen, das Uebergreisen aus andere Körperteile findet nicht mebr in dem gleichen Ausmaße statt wie in früheren Lebensabschnitten." Auch die früher häufig geäußerte Amicht, daß die Lungentuberkulose im Alter selten austrete, bat sich als unzutreffend erwiesen. „Die Lungentuberkulose ist im Alter so häutig und sogar noch häusigcr als in jüngeren Jahren, allein die Krankl,cit vstcgt der Mehrzahl der Alten nicht mehr zu schaden Bamit aber ist die Ansteckungsgefahr sür die Umwelt, insbesondere iür Kinder, keineswegs verringert, ja eher gcsteigett, denn o,ck zeigll Nch ^»ngentuberkulote bei Alten in Form eines chronischen Ka- !? rr m ’? eint harmlos, wird nicht beachtet und erst fpät erkannt , teinc Reihe von Krankheiten, die bei jüngeren Menschen eine große Rolle spielen, sind im Greisenalter fast belanglos. Eine der schlimm- iten Geißeln des Alters dagegen bleibt die Influenza; sie ist sür die Greue von viel größerer Bedeutung als sür jüngere Menschen „^ede -znsluenzaepidemie rafft massenhaft Greise hinweg " Eine genauere Beobachtung und eingehendere Kenntnis der Grciscnkrank- heiten konnte gar vieles Unheil verhüten und dazu beitragen, in ? 1C ~hi X ? n a<u* a ^ dem Menschen ein von körperlichem Leid ungetrübtes Alter zu bereiten,
\ ur ! e . Kunst und Wissen-
smast. In Stuttgart findet am Pfinqilsonntng die Croffnuna der von der Stadtverwaltung und dem Verein der Kunstirennde £ » ei ö-', a 1 bct ' 1 °! n Rh°m veranstalteten Kunstausstellung statt, „as Konigspaar, sowie das Kronberzogsvanr von Lessen haben bre Teilnahme zug-,ngt - Ter Tirettor der Kgl, Kunstaeiverbe- x r 11 ' Hokrat Professor L osi o w, ist in einer Leidelberger Kluitk im Alter von 82 Jahre» gestorben. Er is,
■ bnuec bcs '!*" cn Sönlfll. Schau pielhauscr in Dresden und des Leipziger Pauptbabiiholes.


