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m. n-

viertes Blatt

Wk. Jahrgang

fe fäeint »zllch mU tbÄna^m« der Sonntag«,

®« .Meheoer KnatNenblätter" werden dem .An^ugee' viermal wöchentlich beigeleal, da« KrctsWott (Sr den Kreis Hietzen" zweimal wöchenttich. Di- ,^andV>Nschä(Ilichen Seit- iaagetr" erscheinen monatffch zwennat.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Samstag. 23. Mai 19M

Rotationsdnic? und Verlag der Brühl^chea U«ir»ersttäts - Buch- und Sternd-rrrcterei.

R. Lange, Gießen.

Redaklion. Expedition und Druckerei: Schul« ftraße 7. Expedition und Verlag: e^&SL 8lc^aft'iOti:e=^ 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGerßen.

was die geretteten Schiffbrüchigen erzählen.

Am Montag trug man, vorsichtig und langsam, im Hasen von Halisax vier (rastlose, säst zu Gerivvcn abgemagertc Menschenlörver iu das Kraukeuhaus, Es waren die letzte» vier Ueberlebenden des aui 3, Mai untergegangenen DamvsersCoiumbian"; am Tage vorher hatte sic der amerikanische Zollkreuz«Scncca" in mehr als 150 Seemeilen Entfernung von der Hüfte Ncu-Schottlands aut gestruden und an Bord genommen. Einige Stunden später hätte «au m dem treibenden Boote nur noch Leichen gesunden; 14 Tage lang trieben die Unglücklichen auf dem Meere und mutzten ihre Kameraden einen nach dem andern unter surchtbarcn Leiden dahin- sterbeu sehen. Unter den Geretteten besindet sich der junge erste Oinzl« derColumbian", Robert Tiere; ihm iverden vermutlich seine beiden «jrorcnen Füße abgenommen werden müssen. Die Schilderung, die er von den Leiden und dem Sterben der Gesäbrten gab, ist erichütternd; von den elf Männern, die sich an Bord des kleinen Bootes befanden, sind sieben im Lause der grauenvollen Tage an Erschöpfung gestorben. Im letzten Augenblick hatten sich die Leute, zum Tckll nur mit Hemd und Unterhose bekleidet, von der brennendenColumbian" in das Boot gerettet.Ein starker Südwind trieb uns sosort nordwärts," berichtete der Offizier,

Es war keine Zeit gewesen, Navigationsinftrumentc ins Boot zu nehmen. Wir loaren uns sosort klar, daß uns Schweres bevor stände, wenn wir nicht bald von einem Schisse ausgelcsen werden würden. Am Morgen des folgenden Tages- es war noch dunkel sahen wir die Lichter eines Schisses austauchen. Der Dampfer kam schnell näher, nach seiner Größe war es dieOlympic", Run mußten wir erüdecken, daß wir kein trockenes Feuerzeug an Bord hatten. Es gad kein Mittel, uns benicrkbar zu machen, ohnmächttg mußten wir mftanseben, wie dieOlympir" in einer Entsernung von etwa Vi Seemeilen vorüberglitt und entschwand, Wir standen zwar aui und schrien mit allen Kräften, aber es war umsonst. Am zweiten Tage begegneten wir noch einem Frachtdampser in größerer Entfernung; ich hißte meinen Oelrock an ein Ruder und hielt ihn empor, aber cs war wiederum vergeblich. Am Nachmittag sahen wir dieFranconia" in großer Entfernung anhallen: vermutlich nahm sic eines unserer Boote an Bord, Tann dampfte sic im Halb­kreis weiter, und wir blieben allein. Die solgenden zwei Tage war noch rauhes Wetter, und immer wieder mußten wir unser Boot auspumpen, aber schließlich ließ der Wind nach. Wir hatten ein Wassersaß mit 20 Galonen Trinkwasser und eine Zinnbüchse mit Bisgutt an Bord, Jchl teilte sosort die Rationen ein; jeder Mann erhielt eine halbe Flasche Wasser am Tage und zu jeder Mahlzeit ein Bisquit, ?lbcr schon nach der ersten Woche begann die Rot und der Wassermangel, Ich verringerte die Rationen, einmal oder zweimal konnten wir auch etwas Regenwasser ein­sangen, aber am Freitaß besaßen wir fünf Ueberlebenden nur noch eine halbe Flasche Master. Wir suchten die Schuhsohlen und das Leder unserer gestorbenen Kameraden zu essen. Der erste, der von ilnren erlöst wurde, starb am Montag: alle Bersuchc, ihn zu retten, waren vergeblich. Dann, am Morgen des l2, Mai, starb der Hei- ,,er Ricknnen. am nächsten Tage der Heizer Anderson, dann Schrftn- bcrger, der Koch, und Gustafson, Alle starben aus die gleiche schreck­liche Art. Sie begannen Seewasser zu trinken, und ihre Leiden waren unerhört. Je mehr sie tranken, je entsetzlicher wurde ihr Verlangen nach mrftr. An Bord hatten wir einen kleinen Schöpf­löffel ; ich verbarg ihn bei mir, aber wenn ich schlics, holten sic ihn. Wenn ich den Leuten, die Meerwasscr tranken, den SchövffössÄ entriß, lehnten sie sich über den Bootsrand und tranken wie die Kühe Bold ergrijs sie der Wahnsinn, und alle starben sic irrsinnig, unausgesetzt singend und brüllend. Das Meerwasser tötete sie. Die audcren ine widerstanden, blieben länger bei Kraft, Als Jakob, der Russe, Meerwasser zu trinken begann und irrsinnig wurde, wollte er uns alle ermorde!:, drang mit der Axt auf uns ein, und es blieb uns nichts übvigl. als ihn zu fesseln. Das war ein harter Kampf bis wir ihn überwältigt und gebunden hatten. Er lebte noch sechs Stunden, unausbörlich aus Leibeskräften brüllend und schreiend. Dann kam die Erschöpfung, Wir flößten ihm noch etwas Wasser ein, aber es war umsonst, er starb Sonnabend früh um

l Uhr, Wir hatten keine Ahnung, wo wir uns befanden, keine Instrumente, um uns zu orientteren. Es war kalt und nebelig. Ich glaube, daß uns dies nutzte; wahtt'cheiillich saugte unser Körper aus der Lust etwas Feuchtigkeit ein. Wir lagen am Boden unseres Bootes und zittetten vor Frost, Pricve starb Sonntag früh, Bor der Abreise hakte er geträumt, das Schiss würde verbrennen und er müsse in einem Boot nach lätägiger Irrfahrt sterben. Sein Traum erfüllte sich nur allzu genau. Uns hatte er versichert, daß wir gerettet werden würden. Ab« nun, da auch er gestloroen war, waren wir überzeugt, daß nur der Tod noch unser Los sein lönntc. Die Qualen des Durstes waren unerträglich. Dann, im letzten Augenblick, erschien am Horizont ineIcncea", sab uns und nahm uns an Bord, Keiner von uns vermochte mehr zu stehen, nur muß­ten aus dem Boot herausgehoben werden,"

Iubiläumstagunq öes kaufmännischen Verbandes für weibliche Angestellte.

O Berlin, 21. Mai,

Im Karseriaal desRheinqold" trat der Kaufmännische Ver­band für weibliche Angestellte zn seiner diesjährig«! Hauptver­sammlung znsainmen, die zugleich der Feier des 25jÄhvigen Be­stehens des Verbandes gatt. Die Zahl der Mitglieder ist seit der Gründung des Verbandes von 1147 auf 34 015 gestiegen, wie der Generalsekretär Dr, Silbermann in seüwm Allgemeinen Bericht hervorhob. Der Verband umfaßt dcrzeü 83 OttSgrupPeit. Im abgelausenen Jahre konnten 7238 Stellen mit einem Kvsten- answand von rund (>2000 Mark besetzt werden, Die Stellen« lojennnterskützung erstreckte sich auf .£>59 Mitglieder; die ausge- wendeten Konen bcliesen sich auf rund 20000 Mark. Für die Einrichtung der Rechtsauskunft sind jährlich 5000 Mark erforder­lich, Zum Schluß seiner Ansftchrnngrn schlug Dr, Sllbermann folgende Entschließung vor:

Die Hauptversammlung erllärt, daß der Stellennachweis für kaufmännische Angestellte in der Hand der Berufsorganisation liegen mutz, wenn der soziale und toirtschaftliche Zweck der gemein­nützigen Arbeitsvermittlung erreicht werden soll. Der öffentliche oder sogenannte paritätische Nachweis kann, auch wenn er schein­bar günstigere BesetzunqSziffcrn anfweist, nie dasjenige im Inter­esse der Angestellten leisten, ganz besonders nicht in der icher den Ortsbezrrk hinausreichend«! Vcrmittlungstätigkett was dir Bcrufs- örganisafto» tatsächlich bereits heute leistet, Mit Entschieden­heit weist die Hauptversammlung den gegen die Berufsvereinigun- gcn gerichteten Borwurs zurück, daß ihre Stellungnahme mit Rück­sicht aus den eigenen Mitglicdcrznwachs erfolge, vielmehr werden die Organisationen lediglich von Rücksicht aus das Gesamtwohl geleitet,"

Den Sozialpolitischen Bericht erstattete Fräulein Mleinek, die daraus hinwics, daß die Enttvicklnng der Sozialpolitik besonders langsam vor sich gehe. Sie beschäftigte sich dann hauptsächlich mit den Wahlen zur Angestellten Versicherung, Frl, Agnes Herrmann behandelte das Büdungswesen, sic führte ans, daß der Verband den hauswirtschastlichen Unterricht und die Verkänzerinnenkurse nur insoweit bekämpfe, als diese in den Pflichtfortbildungs- und Fachschullehrplan ausgenommen werden sollen, Ucber Jugendpflege sprach Frl, Erna Schulze, Besonderes Gewicht legte die Vor­tragende aus die Jugendpflege, die innerhalb des Geschäftes von jeder einzelnen aus die Jüngeren ausgeübt werden könne, Frl, Meta Gadesmann berichtete über die Frage derBerufsbevatung

Ueber das Thema: Franensrage sprach Frl, Gertrud Israel, Sie betonte, daß sich der Verband als Vertreter eines ganzen Stan­des betrachte, uttb erläuterte im Anschluß daran die Gründe, die zn der Bildung einer Organisatton für weibliche Angestellte geführt haben.

Nachdem noch Frl, Elisabeth Kühler einen kurzen UeberKia, über die Frage des Mersheims gegeben und eine Reihe von internen Verbandsangelcgen heilen erledigt waren, wurden die Be» raiungen ans morgen vertagt.

Börscn-Wochenberichl.

Frankfurt a M,, 22, Mai,

Die Börse hat auch in dieser Woche allen ungünstigen Einflüssen gegenüber große Widerstandskraft an den Tag gelegt, Bon einer Belebung der Geschäftstätigkeit war allerdings noch nichts wlahrzunehmcn, die Umsätze lneltcn sich vielmehr in den engsten Grenzen imd nur für einige wenige Papiere regle sich schüchtern «was Unternehmungslust. Es ist ia auch nur verständlich, ivenn dos Privaipubliknm nach der scleveren Ent­täuschung, die ihm in letzt« Zeit bereitet worden ist, der sich jetzt anbahmnden Besserung der Börsenvcrhälniiffe zunächst noch mißtrauisch grgcnüberstehl. Einen gewissen Dämpser bat die Unter­nehmungslust in dieser Woche übrigens auch wieder durrb die politischen Nachrichten erhallen. So ließen vor allem die Ereignisse in Albanien die Börse nicht unberührt, sie bildeten vielmehr den Gegenstand ausgiebiger Erötterungen, Glaubte man dock, durch die überraschend gekommene Gcsangennalmie Essad- Paschas neue Komplikationen befürchten zu müssen. Der Euisluß aus die Gestaltung der Tendenz war jedoch nur vorübergehcnd-ei» drückender, da man sich bald von der ErwäglMg leften ließ, daß die Beseitigung Essad Paschas, der für die Herbeijührung geordneter Zustand,' in Albanien das schwerste Hindernis dar- stellle, eher als ein Momrnt der Beruhigung aufznsasscn sei. Eine ReckNsertigimg fand diese Annahme auch rn der Tatsache, daß die Wiener Börse ihre ruhige Haltung bewahrte. Mehr,als Albanien verstimmten die Börse die verivorrenen Verhältnisse in Mexiko, worunter auch andauernd der Newvorkcr Markt sehr zu leiden hat. Die Käinpse in Meriko wüten sort, Huerta denkt angeblich auch nicht daran, sein bisheriges Verhalten zn ändern oder sogar abzndanken, und ivenn man auch den amerikanischen Berichten nur mit erheblichen Einschränkungen öfltutben schenken kann, so scheint es doch, daß die Autständisiben an Boden gewinnen^ Dabei ist die Haltung der Vereinigten Staaten nach wie vor tvidcr- spruchsvoll. Stark widersprechend sind auch noch immer die Nachrichten aus dem Wirtschaftsleben der Union, nament­lich die Meldtmgen vom amerikanischen Eiscnmarkt, Wenn trotz- dctn die Märkte sich etwas widcrstandBähiger als noch vor kurzem: erweisen, so ist das in der Haumsache daraus znrückznsühren, daß man in weiteren Kreisen doch jetzt der Ansicht ist, daß der Ticipunft in der Konjunktur wohl bald erreicht, wenn nicht schon überschritten sei. Neben der Zuversicht, Mit der man die Erledigung der Werbandsfragcn beurteilt, geben die bis jetzt günstigen E r n te - aussichtcn der Börse eine loescntlichc Stütze, ebenso die Ber- liältnisse am Geldmarkt, tue namentlich b« uns noch große Flüssigkeit erkennen lassen, Bon den einzelnen Verkehrsgebieicii ist wenig bemerkcnswettcs zn berichten. Am Montanmarltc fanden noch einige Deckungskäuse in Deutsch-Luxemburger, Phoe­nix und Harvenern statt, die deren Kurse weiter befestigten, während sich die Kurse 'ans all«! anderen Spekulationsmärkten gut bc- bauvteten. Von Jndustriepapieren verloren Daimler 4»z>, Dür- kovv 41/2 0 / 0 , während Kleyer 5°» anzogen Höher stellten sich auch 'Äitilin 3%, wogegen Hoechst« 4»», Schcidcanstalt 10°/», und Chemische Alben sogar 19°;» einbüßten, Anlagwerte sind wenig verändert, nur österreichisch-ungarische Werte lagen schwächer. Privatdiskvnt 2 °/,«»,

NnkvcrfitätsNaclivrcbtei».

Der ordentliche Professor der Kunstgeschichte an der Uni­versität Freiburg Dr, Wilhelm Vögc hat einen Ruf an die Franks nrier Universität «halten, Dr, Vögc ist am 16, Februar 1868 zu Bremen geboren,

Der Kgl, sächs. Geheime Rat und Kgl, vreuß. Geh, Medi- zinnlrat Dr, med, Frendenberg, emeritiert« ord, Professor der Chirurgie an d« llniv«sität Leipzig, begeht am 24, Mai seinen 70, Geburtstag,

Darmstadt. Dem Vorstand des Großhmzoglichen Kabi­netts, Dttektor des Grobherzogi, Hessischen Landesmuseums in Darmstadt, Geheim««! Gustav Römheld wurde der Cha- rakt« alsWirllicher Geheim« Rat" mit dem PrädikatExzel­lenz" verliehen.

£r<utcii>Htttt6fcbcm.

Wer bringt das Opfer?

Es litch ein vaar Jahre h«, da klang ein Mahnruf durch die Seit: den Frauen galt «, den denkenden, sühlenden Frauen. Ein Feldzug wurde begonnen, den die Frauen zum Siege führen sollten. Ab« kämpfen ist noch nicht siegen und der Sieg ist schwer, wenn er nicht durch Mut und Tapt«keit «rungcn werden kann. Und diese frrtb hi« machtlos, Verstand und Lpsertvilligkeit rief man aus den Wan; den Verstand, um die Notwendigkeit des Kamvies zu er­kennen und die Ovserfreudigkeit, um einer gewonnenen Einsicht eine IIeb«lies«ung zu opfern: lange Jahre ist es unfern Damen zur Gewohnheit geworden, den vornehmsten Schmuck ihr« Hüte ftn Reih« zu sehen!

Woh« « kam, wie man ihn nahm, Iv« frug danach? Dann ab« kam das Wissen und den loissenden Augen versank die Pracht des Reiherschmuckes, ein Hauch von Mord und Verwesung wehte um ihn her,

Entsetzen vacktc uns, daß in gedankenlosem Freveln wir den Anlaß gaben zu Grausamkeiten ohnegleichen, Professor Schillings' Aufsatz griff uns an das Herz,*)

Manche Arten von Schmuckvögeln, so alle die wundervollen schneeweißen Edel- und Schmuckreiher der verschiedenen Erdteile, tragen ihre Schmucksedern nur und ausschließlich zur Brutzeit, Sic nist«i ausnahmslos in Kolonien, Mit klug« Berechnung läßt d« gewerbsmäßigeFederjäger" die Jungen eine ^gewifte beträcht­liche Gröffe «reichen. Die Elternliebe siegt zu di«er Zeit bei dem sonst scheuen Vogel völlig über die Furcht, BÄttels der g«ämch- loscn lleinen Waffen der Neuzeit knallt nun der Fcderjäger die alten Reih« Stück für Stück von den Nestern, wenn sie die hung­rigen Jungen füttern. Ein Schnitt mit dem M«fer ttennt ein Sttick d« Haut des Vogels müt den anhaftenden Schmuckfedern vom Leibe des Vogels, Wenige Tage darauf verwtten ringsumher Tausende von Kadavern d« um ihre Brut so rührend besorgt ge­wesenen Schmuckreiher, Schwächer und schwächer wird das Geschrei der hungrigen Jungen, Sic alle sterben eines langsamen anal- vollen Todes, Nicht ein einzig«Reiherhut" uns«« Frauen und Mädchen ll«dankt seine weißen (oder schwarzgesärbtcn) Rciher- sedern ein« and«n Gewinnungsmethode! stets war qual­vollstes, langsames Verhungern der inngen Reiherdamit verknüpft. Ich möchte das jed« Frau, jedem Mädchen auss eindringlichste in die Seele prägen und mit mnner Person verbürgen!"

Als wir das lasen, da schien uns, nun müsse die Herrschaft des Reih«butes zu Ende gehen, llnausbleiblich glaubten wir den Ver­zicht unser« Fronen, Reih«federn zu tragen! Tieicnigen ireillch, denen es obliegt, imm« neue biza«c Modetormen zu «srnncn, sie lachten unseres Glaubens, denn sie wußten bess«: die Frau ttägt, was Mode ist und sollten die besten Vorsätze des Herzens darüber zugrunde geben!

Unsere Frauen lieben es, von ihrer Gute zu reden; ab« sre verstehen es m«st«haft, diese Güte zu vergessen, wenn fte ihnen störcrch fti den Weg tritt.

*) Dogclausrottung und Damenhüte, Bon Prof, C, G, Schll- lings, Wey«hof Gürzenich b, Düren,

Ja, wenn wir nur das mitlaufende He« gedankenarm« Mode­damen zum Feinde hätten, da wüßten wir srellich, daß unsere warmherzige B«nunst ««sagen muß, andere Waffen müßten wir suchen, Asber es sind ja auch uns«cgebildeten" Frauen, an die wir uns wenden! Reihersedern trägt nur, wer das Geld hat, um sie zu bezahlen, und sagt man nicht, wo Geld ist, da ist Blldung, ist Erleuchtung? Denn seit die Frau sich auf sich selbst besonnen bat, arbeit« auch die wohlhabende Fratl an der Entwicklung ihres Geistes, Und trotzdem sollte es unmöglich sein, dies« nachdenk­lichen Naräugigen Frau bcizukommen? wie kann das nur sein? Wie läßt es sich »«einen, zärtliche Mtitt« und Tocht« zu sein, und aus dem Kopse eine Fed« zu tragen, die mit dem Ovfertode bingemordct« Elternliebe erkauft ist? Jauchzend greisen eure Kleinen nach dem webenden Reihcrbusch eurer Hüte, sagt, chr Frauen, klingt euch nicht das Wimm«n »«schmachtend« Jungen im Ohr?

Da ab« kommt den Frauen «ne sehr weibliche Fähigkeit zu Hilfe: die Leichttgkeit, einer unbegucmen Erkenntnis die Augen zu verschließen. Im Schutzgeftihl des Nichtwissenwollens läßt sich ruhig weit« freveln. Als ob im Zeitält« der Tagesblätler eine öffentliche Meinung Geheimnis bleiben könnte!

Meine Putzmach«in sagt mir, daß Prof, Schillings furcht­bar übertreibt," höre ich von ein« Bekannten, der ich den neuen Reiherhut-zum Borwurs mache. Me g«n vergißt sich eine lästtge Wahrheit und leicht ist umzustimmen, der ungesttmmt sein will.

Spöttisch lächeln die meisten zu^uns«n Bitten und unsere Vor­stellungen gleiten an ihnen ab,So viel Lärmen um ein Tier" denkt wohl die eine und eine andere meint rnhigwarum sott ich nicht tragen, was doch alle tragen, was Hilst d« V«zicht einer einzelnen?" Und doch ist es jede einzige von uns. die Kelsen mutz, viele einzelne geben viele, geben schließlich eine Macht, der die gewaltige Königin Mode weichen muß, Frauen, frei wollt ihr sein und beugt euch alltäglich dem Joche eurer Modistin!

Aus eure Würde besinnt euch, Frauen! Berufene Trägerinnen edler Kulttir wollet ihr sein, was soll euch d« Aufputz! Welten trennen euch von dem Indian« des Westens, was sucht ihr ihm zu gleichen? Tenn wahrlich, der kriegerische Kopfputz manches reichen Häuptlings müßte verblassen vor d« ragenden Pracht eurer Hüte von heute,

Mißgestaltete Begierde

Raubt des Reihers edle Zi«de," (Faust II.)

Ä, Schön,

kf, WarumdieenglischenMädchen kein eM äititti bekommen. Die Zahl d« Eheschließungen in England geht von Jahr zu Jahr immer mehr zurück, und die Engländ« sragen sich besorgt, welchen Umständen sie diese b«nibliche Erscheinung ziWischreiben haben, Ethel Colguhoun, die B«sasscrin eines Buches ,Mie Ausgaben d« Frau" behandelt diese Frage in einem Arttkel d« ZeftschriftNin«h«nth Century and Aster" und unter Zu­grundelegung der Statistik von 19! t. Nach dies« Statistik wurde die Bevölkerung d« V«einiqten Königrmche im Jahre 1911 von 21946 000 Männern und 23 275 000 Frauen gebild«, d, h, der Ueb«tchutz d« Frauen über die Mann« betrug 1329 000. Somit kamen aut 1000 Männ« 1061 Frauen, Das Mt«, in dem die Frau Aussicht hat, «ne Ehe einzugchen, bewegt sich zimtchen 15 und 35 Jahre», und da läßt sich nach d« statiftkk feMellen,

daß d« Uebersckntß der heiratsfähigen Frauen in diesem fficr üb« die heiratsfähigen Männ« nur 7000 betrug gegen 39 000 im, Jahre 1901. D« Totalüberschnß der unverheiratttcn Frauen üb« dw unv«heirat«en Männ« betrug dagegen mehr als eine Dlettel- million aus eine Bevölkerung von ungefähr 40 Millionen, Bo» allen untwrheirawten Frauen überhaupt waren ab« 610000 älter als 40 Jahre, Das bedeutet also, daß die Aussichten für die Frauen, ftn Mt« von 15 bis 35 Jahren, dem eigentlichen Heirats­alter, eine Ehe einzugehen, gar nicht so schlecht sind. Denn die vielen Frauen, die über das heiratsfähige Alt« hinaus sind, werden nur in Ausnahmesällen mit itmen in Wettbewerb irrten. Woher kommt es nun, das; die Aussichten für die jungen eng- üichen Mädchen, einen Mann zu bekommen, dennoch so schlecküe sind? Eine große Anzahl Frauen d« nnt«en und d« mittlere» Klassen d« englischen Beoölterung werden dadurch von d« Ehe fern gehalten, daß sie einen Beritt ergreifen. Wenn sie heiraten wollten, müßten sie in vielen Fällen den B«us, d« ihnen ein hübsches Stück Geld cinbringt, aufgeben, und das wollen sie nicht, denn die M.änn«, die vielleicht für sie in Betracht kämen, würden nicht imstande sein, sic so zu Neiden und zu «nähren, wie sie eS jetzt durch ihre eigene Arbeit erreichen können. Die jungen Männer tristen das und hüten sich wohl, einem jungen Mädchen eine» Antrag zu machen, das schon bald nach den Flitt«wochen eine unzufriedene, unverstandene junge Frau jein nnrd. Roch schlimm« siebt es in dies« Beziehung in den ob«en Schichten der Be­völkerung. Die jungen Mädch«, im heiratsfähigen Alter sind dort in den all«meisten Fällen nicht fähig, einem Hauswesen vorzu- stchen. Die Haussrauenideale sind ihnen vielfach v«loren ge­gangen ; sic sind von allzu fürsorglichen Elt«n in ein« Atmosphäre von Luxus und Wohlleben aus«zogcn worden, und haben nicht gelernt, sich etwas zu »«sagen. Man kann cs deshalb d«i jungen Männern nicht »«denken, wenn sie darauf »«zichten, ihr be­scheidenes Einkommen mit einer jungen Dame zn teilen, die an ganz andere B«hältnisse gewöhnt ist und schon nach kurz« Zeit sich nach dem svrgenfteicn Wohlleben ihres Elt«nhauses zurück­sehnen wftd, »

Der Liebesstrcit der Suffragetten, Neu ist die Idee gerade nicht; schon Aristophanes läßt ja die Athenennnen den Liebesstteit proklami«en, weil sie die Männer zum Frieden Minzen wollen. Aber diese Waise im Kampfe gegen die Männer zu benutzen, um ihnen das Stinimrecht abzutrotzen, das ist zwei­fellos doch eine Uebe«aschung in dem an Wechselsällen reichen ürieg der Suffragetten, Ein« Amerikanenn, Mrs, Havelock Ellis, blieb dieser glomcichc Einsall Vorbehalten, Sic hielt dieser Tage im Hauptmiartter d« Vereine für Frauenstimmrecht in New Porr einen Vortrag, m dem sie «klärte:Gebrochene ,H«zen sind besser als gebrochene Fenster, Wenn die Frauen sich weigern wollten zu kochen und zu waschen für ihre Männ«, und wenn sie sich weigern wollten, sie zu küssen oder auch nur nach ihneft zu sehen, so bin ich fest überzeugt, daß sie in ganz kurzer Frist das Skrmmrechi erhalten würden," Mil dies« tavs«cn Erllä- rung hat die Dame aber, wie es scheint, durchaus nicht den Bei- iall aller Suffragetten gefunden. Vor allem «hob sich New DorksSchönste Suffragette", Mrs, Boissevain Bridge, die «st seit kurzem »«heiratet ist, mit Entrüstung gegen diesen Vorschlag, Ich würde alles, was nur möglich ist, unterstützen," so erklätte sie,um das Stimmrecht für d>c Frauen durchzuscycn: ab« dies« Vorschlag ist denn doch nicht durchführbar."