Nr. U9
Der <f)tntr Snzeiger
tt|dxmt töflltd), nuBet Somrtng«. — Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerHimilienblälter;
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Erster Blatt
164- Jahrgang
Samrtag, 23. Mai *9$
General-Anzeiger für Oberhessen
Rofcfionsirtid und Verlag der Brühl'schen Univ.-B»ch- und Stcinöruderci H. Lange. Redaktion, Lrpcdition und Druckerei: Schulstrahe 7.
Bezugspreis:
monatlich7ZM., viertel- jährlich Mk. 2.20: durch Alihole' u. Zweigstellen monatlich 6ö Pf.; durch die Post Pik. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellst, Zeilenpreis: lokal 15Pj^ auswärts 20 Piemnq. Lhefredakteur: A. Goeq. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goeq; für .Feuilleton", ,Ver« mischtes" und^lAcrlchts- saal": Karl Dtcuvatb; iüc ^Stadl ulld Land-: Krirt Bendt; für sei, Ailzeigentell: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaht 18 Seiten.
TagcSkalcndcr aus dem Jahre 1814.
f!4. Mai: Dir Franzosen räumen Magdeburg, das von den Preußen besetzt loird.
Apolitische Wochenschau.
Gictzen, 23. Mai.
Äm Mittwoch hat die erste Session des „roten" Reichstags ihr friedliches Ende genommen, und die Wetter- schwüle, die nach dem Scheitern der Besoldungsvorlage infolge der bekannten sozialdemokratischen Anträge zum Voranschlag die politischen Gemüter bedrückte, ist schnell vorübergezogen. Trotz des Mißvergnügens, das sich gegen die etwas l)alsstarrige Regierung geltend machte, blieben die „Genossen" bei ihren verfassungswidrigen Vorschlägen allein, und mit einer Auflösung des Reichstags Mlrde cs nichts. Wem wäre auch damit gedient gewesen? Wäre das Volk, einerlei welcher politischen Richtung, ersreut gewesen, wenn es zu den Wahlen mobil gemacht worden wäre, nur um zu entscheiden, ob die Gehälter der Untcrbeamten ab- änderungsbedürstig seien oder nicht? Glücklicherweise war die große Mehrzahl der Abgeordneten verständig genug, um die Dinge nicht auf die Spitze zu treiben. Wir haben im Reichstag eine ähnliche Lage erlebt, wie sic, ebcnsalls bei Besoldungsrcformgcsctzen, im hesslsckwn Landtag entstanden war. Auch das Ministerium Hombergk war, bei der Regelung der Lehrergchälter, eigenwillig einen Schritt hinter der Zweiten Kammer stehen geblieben, die sich vor eine Entscheidung gedrängt sah, ob sic es auf einen Konflikt anlommcn lassen wofle oder nicht. Auch die hessischen Parlamentarier in ihrer überwiegenden Mehrheit stellten die großen Gesichtspunkte voran und gaben als die klügeren nach, von der Regierung hoffend, daß sie in der Zukunft durch eine klarere, großzügigere Polisik sich wieder in ein besseres Ansehen setzen werde.
Im Reichsparlament aber, das jetzt in die Ferien gegangen ist, macht sich eine gedrückte und düstere Stimmung geltend. Zuerst war es der Abgeordnete Erzbcrger, der vor einigen Tagen im „Da>g^ lebhaft darüber klagte, daß die Regierung den Reichstag hochmütig behandle, daß die beiderseitigen Beziehungen mangelhaft und oft ganz unterbrochen gewesen seien. In der Tat haben wir in der letzten Zeit häufig vom Regierungstische das Wort „unannehmbar" gehört, so z. B., abgesehen von der Besoldungsvorlage, bei der Beratung über die Koukurrenzllausel und die Novelle zum Militärstrasgcsctzbuch. Vielleicht war es die Nachwirkung der Machtprobe von Zabern, und die Regierung hat der mißvergnügten Rechten zeigen wollen, daß sie im deino- kratiscksen Streun der Zeit doch noch ihr Ruder führe. Allein es ist charakteristisch, daß gerade die Zentrumspolitiker besonders offenkundig ihre Abneigung gegen das starre Verhalten der Regierung aussprechen. Auch die „Köln. Voiksztg." beschuldigt nämlich die Regierung, daß sic ohne Grund das Parlament hcrausfordcre. Der Reichstag habe doch gar nicht so übel gearbeitet, und eigentlich könne nur die Sozialdemokratie von dem Verlauf der Session unbefriedigt sein. Das Blatt wirst der Regierung Planlosigkeit und Systemlosigkeit vor. „Noch in den letzten Wochen und Monaten kam eine Vorlage nach der anderen an den Reichs-
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Hestflufführungen der Sühnen in verlin.
Die Kunstinsiüutc Berlins rüsten sich, um den ans allen Teilen des Reiches herbeistrümenden Besuchern der Reichshanptitadt in der ersten Halste des Juni das Ergebnis der zu Ende gehenden Saison vorzusührcn. Während die Berliner Bühnen in den Vorjahren um diese Zeit ein einzelnes, sür den Sommer ausgewähltcs, Stück cn suüc zu spielen pslcgtcn, bringen sie dieses Jahr das Beste, was in dieser Saison hcrauskam und Ersolg hatte, noch Aals unter Mitwirkung ihrer ersten Kräfte. Eines der intcressan- testcn Programme versprechen entschieden die Reinlzardt-Bühnrn. Das Deutsche Theater bringt den weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt gewordenen Shakespeare«Zyklus. der zurzeit zehn verichieocne Stücke des großen Engländers umsaßt. Diese Stücke erscheinen in der Zeit vom 31. Äai bis 14. Juni in den Neueinstudierungen Max Reinhardts nnd in der Premicrcnbcsctznng. Der Spiclolan ist folgendermaßen festgesetzt: 31. Mei: Ein Sommernachtstraum, 1. Juni: Ter Kaiiiinann von Venedig. 2. Juni: Hamlet, 3. Juni: Biel Lärm NM Nichts, 4. Juni: Romeo und Julia. 5. Juni: König Lear, 6. Juni: Ein Soiirmcrnachtstraum, 7. Juni: Othello, 8. Juni: Was Ihr wollt, 9. Juni: Hamlet, 10. Juni: König Heinrich IV., I. Teil, 11. Juni: König Heinrich IV., 2. Teil, 12. Juni: Ter Kaufmann von Venedig, 13. Juni: Was Ihr wollt, 14. Juni: Ein Sonrmcrnachtstranm.
In den Haiivtrollen werden u. a. folgende Künstler Nnd Künstlerinnen, die auch hier zum Teil durch ihre Gastspiele bekannt sind, nriiwirken: Victor Arnold, Albert Baisermann, Rosa Berxens, Paul Biensseldt, Wilhelm Dicgclmann, Mari, Dietrich, Camilla Eibcnschntz, Gertrud Ensoldt, Este Heims, Lcopoldine Constantin, Mcrander Moissi, Johanna Terwür, HanS Waßnrann, Eduard von Winterstein.
Die Kanimcrspielc des Deutschen Theaters, die vornehmlich der Pflege des modernen Repcrwircs gewidmet sind, bleiben auch in diesen Tagen ibreni Programm treu. Sie bringen zur Feier von Frank Wedckinds 50. Geburtstag das Wesentlichste seines Lebensn>erkes zu einem Cyelus vereinigt. Dieser Cyclus beginnt gleichsalls am 31. Mai, endet am 14. Juni und umsaßt sieben Werke des Dichters. Alle diese Werke werden von Frank Wede ki'nd selbst insccniert, nnd er nnd seine Gattin Tilly Wcdekind svicicn die Hauvtrollen. Neben diesen Vorstellungen aber in ihren ständigen Theatern hat die Direktion des Deutschen Theaters den Zirkus Busch gepachtet, um in ihm — der zu dem Jnnen- raum einer Kirche nmgewandelt ist — auch während der Festwochen dos Carl VollnweNcr'sche „Mirakel", mit der Musil von Prosesior Engelbert Hunrperdinck nnd in der Neuinszenierung Mar Reinhardts darzustellcn. Dieses Mysterienspiel erlebte bekanntlich seine Uranfsührung in der „Olhmvia" in London und wurde dann vom Ensemble des Deutschen Theaters in vielen Städten des Jn- Unt> Auslandes gcsvielt. Tic Berliner Premiere fand erst Ende vergangenen Monats statt. Das Werk ist seit der Premiere in dem
I lag, an deren sachgemäße Erledigung kein vernünstigev > Mensch mehr glauben konnte. Es schien oft, als ob jedes Amt aus seinen Kopf Gesetzcsvorlagen mache und mit dem Reichstag weiter wurstele."
Es ist etwas wahres an dieser Kritik. Die Regierung! hätte immerhin, >vic früher schon an dieser Stelle aus- geführt wurde, ihre Absichten nicht bis zuletzt so geheim zu halten brauchen; auch die geduldigsten Parlamentarier sind schließlich daran interessiert, zu wissen, ob sic nicht „sür die Katz" die angenehme Frühlingslust entbehren. Der Anblick der vielen unerledigten Gesetzesvorlagen löst keine rechte Befriedigung aus. Wenn im Herbst der Reichstag seine Beratungen wieder ausnimmt, gibt cs zunächst eine interessante politisch)« Entscheidung: die Präsidentenwahl! Tann wird sich zeigen, ob, wie die „Köln. Volksztg." hosst,/Regierung nnd bürgerliche Parteien in besserer Stimmung sich wieder zusammcnsindcn.
Essad Paschas Verrat und Verbannung hat uns nicht sonderlich überrascht. Wenn wir uns Vorhalten, daß der Pascha im lebten Kriege den Montenegrinern die Stadt Skutari überlieferte, obgleich sic sich noch hätte halten können, so daß man also anzunehmen versucht war, Essad habe sich bestechen lassen, wenn wir uns erinnern, daß Essad Pascha zweifellos anfänglich dazu neigte, selbst der Herrscher von Albanien zu werden, so ist sein Abfall vom Fürsten Wilhelm nicht verwunderlich. Nur das hätte man nicht erwarten sollen, daß derselbe Pascha, der vor wenigen Wochen an der Spitze jener albanischen Abordnung in offiziefler Rede dem deutschen Fürsten die Krone Albaniens anbot, so bald einen Mordanschlag gegen den Erkorenen anstiftcn würde. Essad Pascha hat dies vollbracht, und wenn die Untersuchung vollgültige Beweise zutage fördert, wird Fürst Wilhelm vielleicht doch noch zu einem wirksameren Strafmittel übergehen, als es die Verbannung nach Tripolis ist. Es ist erfreulich, daß man in Durazzo auf der Hut gewesen ist und den drohenden Anschlag rechtzeitig vereitelt hat. Die Großmächte werden gut daran tun, dem harmlosen Kontrollausschuß nicht afl ihre Pläne und Zwecke anzuvcrtrauen. Es wird sich vielmehr als nötig erweisen, daß österreichische und italienische Hilfe immer nahe ist, wenri dem albanischen Thron Gefahren drohen. Noch sind sie nicht beseitigt. Wir haben heute die Meldung zu verzeichnen, daß die Aufständischen Tirana besetzt hätten, und die 150 Mallissorcn, die in Durazzo angeblich zum Schutz des Fürstenhauses angekommen sind, verbürgen durchaus keine friedlichen Zustände. Wer kann es wissen, ob sie, wie Essad Pasck>a, nicht anderer Meinung werden? Die Leute griechischer Abkunft in Epirus werden auch nicht für alle Zukunst beschwichtigt sein. Für den Augenblick hat vielleicht der Kontrollausschuß dcni Kriege Einhalt getan. Ob aber trotz Erfüllung mancher Wünsche der Epirotcn frübcr oder später ein ehrgeiziger Agitator nicht die Glut wieder schüren wird — wer tänn's wissen? Bei dieser Sachlage war es richtig und geboten, daß Fürst Wilhelm den unzuverlässigen Doppelspieler zunächst von seiner Seite entfernt hat. Essad Pascha dgrf in Albanien, wie die Untersuchung auch ausfalieu mag, keinerlei Rolle mehr spielen. Alles muß drangesctzt werden, daß die beiden in erster Linie mitinteressierten Großmächte, Oesterreich und Italien, einig bleiben und dem jungen Staatswcsen helfend zur Seite stehen. Daß man in Frankreich die österreichisch-
italienischen Truppenlandungen nicht gerne gesehen hat, ist ja erflärlich, aber es ist kaum anzunchmen, daß einige aufgeregte Pariser Presseorgane aus die Eniwicklung der Tinge in Albanien irgendwie einzuwirken vermögen.
Vie Vermittlung in de» mexikanischen wirren.
N i a g a r a falls, 21. Mai. Die südamcrikanischcn Vermittler hatten gestern abend unformeflc Besprechungen mit den amerikanischen und heute abend mit den mexikanischen Delegierten sür sich. Sic haben bisher noch keiner Partei bestimmte Vorschläge gemacht.
Washington, 21. Mai. Ein Telegramm des Generals Carranza an den hiesigen Agenten der Konstitutio- nalisten besagt, daß die Häsen von Tampico und Ma- tamoros, die sich in der Gewalt der Konstitntionalisten besindcn, dem internationalen Verkehr offen stehen.
Essad Pascha Aiististir zu einem Mordanschlag gegen den Fürsten?
Durazzo, 22. Mai. Auf Grund einer Anzeige der Angestellten E s s a d. P a s ch a s , daß dieser vier Leute gedungen, mit Bomben ausgerüstet und nach Durazzo entsandt habe, um auf den Fürsten am 19. Mai ein Attentat zu verüben, ist die Untersuchung ein ge leitet worden. Eine Patrouille wurde auf das Gut Essad Paschas in der Nähe von Sink abkommandiert, welche mehrere verdächtige Personen verhaftete und Gewehre und Munition beschlagnahmte. Die Untersuchung gegen des Hochverrats verdächtige Vcrtrauens- ieutc Essad Paschas dauert fort und hat täglich weitere Verhaftungen zur Folge. In der Stadt herrschte abends Ruhe. Die Nationalisten haben überall starke Wacht- abtcilnngen ausgestellt. Tie gelandeten Marineabtcilungen werden weiterhin ans ihren Posten belassen. — Der österreichische Kreuzer „Admiral Spann" ist hier eingetroffen.
Durazzo, 22. Mai. Gestern nacht trafen aus Skutari unter Führung dreier Geistlichen 130 katholische Malissoren ein, um sich dem Fürsten als Wache zur Verfügung zu st eilen. Sie verbrachten die Nacht im fürstlichen Palais und wurden heute in den von der Regierung soeben angekanften und für die Ministerien bestimmten Gebäuden untergebracht.
Die „Neue Freie Presse" meldet: Der albanische Ministerpräsident Turkhan Pas <fya erhielt auf seine an den Fürsten gerichtete Anfrage, ob er seine Reise sortsetzerr solle, die Antwort, er möge unverzüglich nach Durazzo zu- rückkchrcn. Turkhan Pascha begibt sich heute abend nach Triest, um sich nach Durazzo einzuschisfen.
Eine Shmpathim .Kundgebung vor dem Fürstcnpaar.
Durazzo, 22. Mai. Aus Anlaß des Geb»risse st cs der Fürstin fand in der katholischen Kirche ein F e skg o t t c s d i e n st statt, dem die diplomatischen nnd die Konsularvertreter, die Honoratioren und ein zahlreiches Publikum beiwohnten. Hierauf veranstalteten die ein getroffenen Malissoren und Hilssmannschäften aus Kruja vor dem fürstlichen Palais unter Vorantragung einer albanischen Fahne eine Sympathiekundgebung. Das Fürstenpaar erschien mit seinen Kindern auf dem Balkon und wurde mit begeisterten Hoch-
über 4000 Personen fassenden Gebäude täglich vor ansverkauf- tcm Hause in Szene gegangen.
— Die dritte der DarmstädtcrAusstellungcn, die Veranstaltung der „Freien Vereinigung Darmstädter Künstler" INI Knnstverein wir» anx 7. Juni eröffnet werden. Hier werden in sorgfältiger Auswahl Winke der in Hessen lebenden und aus Hessen stannucuden Künstler gezeigt. Es werden mit ganz neuen Arbeiten unsere Tarmltädter Maler Allheim, Bader, Adolt Beyer, A. Beyer, Jllner, Kayser, Kempin, Suttcr, Zcrnin u. a. vertreten sein: van den äuswärtigen Hessen werden Eugen Bracht, Bcrtrand, Otto Heinrich Engel, Halm, Ludwig von Hosmann, Horlscher, Gier bei, Kätelhön, Ären, Küstner, H Otto, Emil und Willy Prcctorius, Karl und Fritz Schmoll von Eisenwerth, Thielmann, Ubbelahde, Wacntig Und Wcinhcimer u. a. ihre vorzüglichsten Arbeiten zeigen.
— Thomas KoschatundRichardWagner. Thomas Koschat, der soeben dahingegangene allbekannte und beliebte Kärnth- ncr Volkzsänger, vslegte gern von jenen Juli- und Augusttagen des Jahres 1876 zu erzählen, als er mit sieben anderen Wiener „Mannen" zu der ersten 'Aufführung des Nibclungenrings nach Bayreuth abkommandiert war. Er war damals bereits Chorsührer der Wiener .Hosoper, und er ist nicht wenig stolz daraus gewesen, daß die Wiener damals in Wahnsricd zwei Kärnthner Lieder singen mußten. Und das kam so. Nach einer der Soireen erging man sich im Parke. In guter Laune begannen plötzlich die Oestcrrcicher ein alpines Liedcl zu summen. Wutschnaubend eilten ein paar Hypcrwagnerianer hinzu und verwiesen den Herren das Unstatt- hastc ihres Gesanges auf Wagncrichcm Grund und Boden. Aber Wagner war in der Nähe und eilte entzückt aus die Sänger mit. den Worten los: „Ei. was sind denn das sür artige Dingerchen? Dari ich vielleicht auch mit einem Juchhe mit?" Und Hans Richter lieb nicht mehr locker und verlangte, daß die Herren mit voller Stimme ein paar Volkslieder sängen. Und die ließen sich nicht lange bitten nnd aus srohen Kehlen erschallte „Zwei Sternderin au: Himmel" und „Dirndl sei nur g'scheit". Man sprach nachher noch soviel von den Volkssängerii, daß man die Wiener in die bedeutendsten Häuser Bayreuths bat, um dort ihre mundartlichen Weisen zu hören. Und ein Jahr später entstand das „Kärnthner Hosopcrnauintett", das bald daraus den Namen Thomas Koschats tragen sollte.
iios. Heilung durch Bienenstiche. Es ist zwar sei' alten Zeiten bekannt, aber verhältnismäßig wenige Menschen wissen cs, daß der Bienenstich heilkrästig ist. Die Erfahrung hat bewiesen, daß in erster Linie rheumatische Leiden durch Bienenstich ersolgreich geheilt werden. Gicht läßt sich durch Bienengist nicht beseitigen: deshalb kann auf diese Weise scstgcstellt werden, ob es sich in gewissen Fallen um gichtartige oder rheumatische Leiden handelt. Einen interessanten Fall erzählt Prof. Sajö im Maihcst des Kos- mos-Dandweisers (Stuttgart): Im Jahre 1911 hatte ich mehrere Wochen Schmerzen in meiner rechten .Hand, die sich nicht bessern wollten. Das Uebel steigerte sich dermaßen, daß ich nicht mehr jähig war, ein größeres Buch in meiner rechten Hand zu hallen.
ohne daß die linke Hand dabei mithali. Ich glaubte nicht, daß es sich um eine rheumatische Jnscktioii handelte, weil ich feit meiner Kindheit gegen Bienenstiche immun bin: es stechen mich mitunter auch 30 Bienen zu gleicher Zeit, ohne daß eine Geschwulst entsteht. Ter geringe Schmerz dauert in der Regel nicht länger als cinigs Minuten. Und wer gegen Bienenstich immun ist, pflegt auch gegen rheumatische Ansteckung geseit zu sein. Als ich damals eines Tages meine Bienenstämme besichtigte und bereits am Ende der Arbeit war, ohne von einer Biene angegrisfen worden zu sein, geschah cs beim letzten Stocke, der aus mir unbekannter Ursache sehr erregt sein mußte, daß gleich beim Oeisncn der Beute eine Anzahl der gereizten Inwohner über mich hersicl und im Nu meine beiden Hända mit ihren Stacheln bearbeitete. An meiner linken Hand hatten die Stiche gar keine Wirkung, aber meine schmerzhaste rechte Hand begann zu schwellen und war abends beinahe dopvelt so groß wie meine linke. Das war mir etwas ganz Neues, und ich gewann die Ucbcrzeugung, daß in meiner rechten Hand sich die Quälgeister des Rhenmatismus angesicdelt haben mußten. Die Geschwulst dauerte mehrere Tage, und als sie geschwunden war, war auch meine Hand vollkommen geheilt. Der Schmerz stellte sich in der Folge nicht mehr ein.
kos. Fälschungenim Unterricht. Ausgehend von dem Grundsatz, daß sür unsere Jugend gerade das Beste gut genug ist, sucht man in den Lehrmittelsammlungen unserer Schulen immer häufiger die Bildcrtascln für den biologischen Unterricht durch sogenannte Jnsektenbiologien, die die einzelnen Entwicklungsstadien der betreffenden Insekten in natura zeigen, zu ergänzen. Leider lassen jedoch viele dieser Biologien bei näherer Prüfung viel, manch- nial sogar alles zu wünschen übrig. Das neueste Hcst des „Schul- museum" (Stuttgart) beschreibt einen besonders krassen Fall, der als bewußte Täuschung beurteilt werden muß. Wir sehen dort eine Biologie, die in einer ersten Lehrmittelhandlung gekauft wurde und den Hirschkäfer darstcllen soll. An der ganzen Biologie ist aber eigentlich gar nichts echt. Statt eines schöne» Hirschkäscr-Exemplars enthält die Biologie das Männchen und Weibchen der sogenannten Kümmcrsorm des Hirschkäscrs. Der Käser ist kleiner und hat ein anderes Geweih. Derartige Kümmersormeii, die auf mangeihaste Ernährung der Larven zurückzusühren sind, können doch nicht als mustergültiges Präparat des Hirschkäscrs bezeichnet werden! Auch die in der Biologie gezeigten Larven sind sämtlich salsch: ob sie vom Eremit oder vom Goldkäfer oder von sonst einem Biatthorn- käfer stammen, bleibt sich gleich. Das angebliche Pnvpengehäuse des Hirschkäfers ist eine ziemlich ungeschickt angcsertigte Nachbildung aus Tors und wahrscheinlich mit echten Exkrementen des Hirschkäscrs überklebt. Wahrscheinlich! Denn auch die Exkremente brauchen nicht echt zu sein und können ebensogut auch vom Eremit sein. Endlich ist auch das kompakte Puvvcngchäuse (in Wirklichkeit ist es ein hohles Gebilde) sehr schlecht zurcchtgcschnittcn nnd ziemlich unnatürlich nwnticrt, so daß die Fälschung ohne weiteres auifällk Es bleibt unverständlich, wie manche Schulverwaliungen sür solch minderwertiges Material große Summen ausgchcn können.


