«r. I» Dritte? Blatt
Erscheint löslich tritt Ausnahme des Sonntags,
Die „rietzener §amilienblätt«r" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kctisblatt für den Breis Kietzen" zweiinal
wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen s-ft. kragen" ericheinen monatlich zweimal.
M. Zahrgang
General-Anzeiger für Gderhesjen
§reitag, 22. Mai M 4
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universiläls - Buch- und Steindruckerel.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- strätze 7. Expedition und Verlag: Redaktion:112. Tel.-Adr.:AnzeigerGleßen.
Mb. Deutscher Reichstag.
263. Sitzung. Mittwoch, 20. Mai 1914.
Arn Bundesratstisch: Delbrück, v. Falken Hahn,
L i s c o.
Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung 10 Uhr 15 Min.
Die drille Lesung des Lists.
Der Antrag Dr. Spahn (Zentr.), den in der zweiten Lesung neu bewilligten Reichsanwalt zu streichen, wird in der wiederholten Abstimmung angenommen.
Der Etat wird in der Gesamtabstimmung gegen die Sozialdemokraten angenommen.
Die Resolution B e h r e ns (Wirtsch. Vgg.), die die Einsetzung einer besonderen Kommission für Arbeiterangelegenheiten verlangt, wird abgelehnt. — A n^ enommen werden zum Militäretat eine Resolution Zimmermann (Natl.) betr. die Lohnverhältmsse der Kupferstecher der Landesaufnahme, zum Pvstetat eine Resolution der Kommission, den aus dem Arbeiter» und Handwerkcrverhältnisse hervorgchenden Unterbeamten AuSgleichszulagcn zu gewähren, und endlich eine Resolution v. Meding (Welfe) betr. Erhöhung der zur Bienen- füttcrung abgelassenen Zuckcrmengen von 5 auf 10 Kg. Eine Reihe Petitionen werden erledigt.
Die Aouelle zum MttikfkMeseeihsch.
Außer den bereits bekannten Anträgen des Abg. Dr. van Calker (?tatl.) auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage und der Sozialdemokraten auf völlige Aufhebung des strengen Arrestes liegt nunmehr auch ein Ausglenl)santrag Dr. Müller- MeinrngLn (Bp.) — Fehrenbach (Zentr.) vor, wonach bei den minder schweren Fällen der Fahnenflucht im Komplott die Er- böhung der Strafe mindestens 6 Monate beträgt. Dieser Antrag bedeutet im wesentlichen eine Wiederherstellung der Regier«n«s- vorlage.
Abg. Dr. Müller (Bp.):
Angesichts der gesamten politischen Sachlage beschranke ich nnckz auf folgende Erkläcu»dgen: wir bedauern, daß wir, wie im allgemeinen, so auch in diesem Fall durch die mangelhcchten Dis- pojitwnen der Regierung in eine Art Notlage gebracht worden sind. (Sehr richtig! links.) Wenn -wir nunmehr in der Hauptsache für die Wiederherstellung der Regierungsvorlage eintreten. so tun wir dies lediglich zur Verhütung des Scheiterns der gesamten Vortage, das die verbiindeten Regierungen in sichere Aussicht gestellt haben und für das tvir nicht die Verantwortung übernehmen wollen. (Sehr richtig! links und im Zentr.) Wir bedauern diese Haltung der verbündeten Negierungen und lehnen unsererseits jede Verautivortung für die politischen und rechtlichen Folgen aus der Ablehnung unserer gerechten Wunsche ab. (Zustimmung links.) Wir halten daran fest, daß auch ohne die Annahme der Kommijsiousfufsung die jetzige Ausdehnu-ng des § 38 des Reichsmilitärgesehes auf die zur Konbrollversammlung einbe- rufenen D-annschaften des Beurlaubtenstandes völlig unhaltbar ist. (Lebh. Zustünmuug links.) Wir werden die authentische Interpretation des Gesetzes, die wir mit unserem Boschtuffe an- ftrebten, im Herbste in Verbindung mit den anderen Parteien auf dem Wege gesetzgeberischen: Initiative zu erreichen suchen. (Lebh. Zustimmung.) Wir bitten, unseren modifizierten Antrag zu § 72, betreffend die Fahrerflucht als das allem noch Erreichbarere anzuuebmen. (Lebh. Befall lircks.)
Abc,. Stadth»yen (Soz.):'
Nach den kühnen Erklärungen der Freisinnigen jetzt diese! Umfall und immer wieder Rmfalll (Lcbh. Zustimmung b. d. Soz. — Lachen.) Die Vorlage und selbst öer Kompromißan^ag beoentet eine Verschlechterung der Lex Erfurt. Das machen wir nicht mit Der Militarismus muß zur Kapitulation gebracht werden.
Abg. Fehrenbach (Ztr.):
Der jetzige Zustand birgt so viele Nachteile und Unzuträglich- leiten in sich, daß er nicht aufrechterhalten werden kann. Eine Aktion im .Herbst mitzumachen, sind wir bereit. Den Ausgangspunkt der ganzen Bewegung bildet die Bestimmung, daß während des ganzen Tages der Kontrollversgmmlung das Milllittrecht für die Reservisten gilt. Wir erwarten, daß die Heeresverwaltung bestrebt sein wird, hier Milderungen zu schaffen. Auch der strenge Arrest bedarf der Beseitigung. Die Strafminima des Militärstrafrechts sind immer noch zu hoch. Trotzdem enthält die Vorlage Erleichterungen. die ganz gewiß keine Bagatelle find. (Sehr richtig!) Ein verständiger Mann wird annehmen, was einen gewissen Vorteil bedeutet. Die Gelegenheit ist nicht geeignet, cs auf eine Kraftprobe zwischen Parlament und Heeresverwaltung ankommen zu
lassen.
Arieasniimster v. Falkenhastn Meine sachlichen Einwändc will ich wiederbolen. Ich habe aver während der ganzen Debatte nicht ein einziges Wort gehört, das meine formalen Bedenken gegen d i e Ko m - missionsbcschlüsse widerlegt hätte. Man hat mir harte Worte entgegengehalten, Starrsinn, Kommandogewalt — und Presttgepolitik. aber widerlegt bat mich niemand, nicht einmal den Versuch gemacht. Schon aus formalen Gründen sind die meisten Anträge unannehmbar. Ich werde den Regierungen empfehlen. dem Antrag van Calker zuzustimmen. Bei den Bestimomr-gen über die Fahnenflucht werden wir von dem Gnaderecht in weitem Maße Gebrauch ma.ren. Die sozialdemokratischen Anträge sind vnannebmbar. Sie sind trotz meiner Geoengründe nicht gemildert worden, vielleicht aus gksckaft'ordnungsmäßigen Schtmerrgkmien. Es ist wirklich interessant, wenn ich merncn Standpunkt pfnchlge- mäß vertrete und meine Meinung festhalte, dann ist man hier schnell bereit zu sagen: Sie sind — starrsinnig. Ich habe vor 3 Tagen wirklich überzeugend dargetan. daß die Anträge ein- fach unmöglich sind. Aus formalen Gründen: man kann Nicht Anträge stellen, die die allgemeinen Bestimmungen aufdenKopfstellen. Aber die Anträge werden genau so vorgetrogen wie damals. Demgegenüber fehlt unr ein Komparativ für Starrsinn.
Der Antrag Müller-Fehrenback. der als neues Moment mildernde Umstände ziigesteht, erscheint mir n i ch t u n - annehmbar Auch bei diesem Vergehen können wir uns auf die Seite der Derfsihrten stellen, und diese hat der Antrag doch wohl im Auge gehabt. Daß hier unter Umständen auf mildernde Umstände erkannt werden b.nn. vielleicht sogar m u ß. gebe ich zu und ick werde mich bemühen, die Zustimmung der Regierungen zu dem Antrag zu gewinneil. Unser Staat beruht, wie 'ck geg^iuber deni Abg. Stadtbagen feststellen möchte, auf der Arbert aller Stande und cs ist ein Verbrechen, wenn man Mn,cheu dr-sen Stcm- den eine Scheidewand ovfzurichten versucht und ihre gemein>an>e Arbeit hindert. Es ist übrigens eine Legende, daß die Regierungen aezwunoen werden, mit diesem Gesetz kommen. — a« Gesetz ist ««Seinem eigenen Entschluß der Regierungen hervorge^augen ohne jeden Zwang, und eS zeigt, wie ernst es ihnen ist im Einklang mit dem Reichstage rmd durck seine Vermittlung mit dem Borke zusammen zu arbeiten. Das Gesetz bietet wescnt'.rcke uud greifbare Vorteile.
Präsident Dr. Kaempf:
Der Krregsminister hat gegenüber dem Abg. Stadthagen gesagt. daß unsere Kultur auf dem Zusammenarbeiten aller Stände beruht; es ist ein Verbrechen, eine Scheidewand zwischen den ver- phiLdeue- Stellen zu errichten. Wenn ein Mitglied dieses Hauser
einem anderen Mitglied das gesagt hätte, so würde ich es zur Ordnung gerufen haben. (Bewegung — Beifall bei den Soz»
Abg. Ztadthagcn (Soz.):
.5$ .habe gesagt Ku'tur beruhe auf der Tätigkeit der Mofscnden, aber nick! l.r raffenden Stände. Wenn der Kricgs- mmister die Tätigkeit der letzteren für Kultur hält, dann bedaurc ich, daß ihln diese Kultur nicht gestohlen werden kann. (Heiterkeit.)
Unter Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge wird die Novelle unter wesentlicher Wiederherstellung der Regierungsvorlage nach dem Ausgleichsantrage Dr. Müller-Febrenbach angenommen. Damit bleibt der strenge Arrest und die Gültigkeit der Militärgerichtsbarkeit für den ganzen Tag der Kontrollversamm- lung aufrecht erhalten.
Abq. Hanse (Ssz.):
Meine Partei wird trotz inneren Widerstrebe ns wegen der Ablehnung ihrer Anträge angesichts der geringen Verbesserungen, die die Vorlage inunorhin bietet, in der Gesamtabstimmung für das Gesetz ft i m m e n. (Große Heiterkeit und Bewegung bei den bürgerlichen Parteien.)
. Da niemand widerspricht, tritt das Haus sofort in die dritte Lesung der Vorlage ein, in der sie ohne weitere Aussprache Annahme findet. In der Gesamtabstimmung wird der Entwurf ei n - stimmig angenommen.
Die Denkschrift über die Rücklagen bei d<n Berufs- genossenschaften wird ohne Aussprache erledigt.
Es folgt die Beratung der Resolution W ei ln bock (.Kons.), der ReiriMnnAer möge dahin wirken, daß das Gesetz betr. d i e z-o lt w idrrg-e Verwendung von Gerste den Bestimmungen entsprechend durchgeführt wird, so daß eine Umgehung des Gesäßes verhindert und eine Schädigung der Gerstebauer und der Rcichskasse ausgeschloffen ist.
Abg. Wtilnüöck (Kons.):
Die zu billigen Zollsätzen eingeführte Futtergerste wird in großem Umfange zu Brauzwecken verwendet. Das ist eine Um- gehung des Gesetzes. Die Landwirtschaft wird dadurch schwer geschädigt. Bei den heutigen Verkehrs- und technischen Mitteln ist eS gar nicht mehr möglich, de" Ursprung der Gerste festzustellen. Ein Fachmann berechnet den jährlichen Ausfall der Neichökaffe auf 10 Millionen. Dabei suckln wir wie mit der Laterne nach neuen Steuerguellen. Der Zvllschutz des deutschen Gerstenbaues muß durchgeführt werden .
Abg. Frhr. v. Aretin (Zentr.)*.
Wir stimmen d:r Entschließung zu. Das wird uns um so leichter, als wir bereits früher eine ähnliche eingebracht hatten. Bayern hat ein ganz besonderes Interesse an der Lage des Gersten- marktcs.
Präsident Dr. Kaempf:
Nachdem das stenographische Protokoll Zweifel ergeben hat, ob die Aenßerung des Kricgsm misters sich auf den Abg. Stadthagen bezogen hat, und nachdem der Kriegsminister mir mitgeteilt hat. daß er die Aeußerung allgemein gemeint und nicht auf ein Mitglied des .Hauses bezogen hat. so entfällt damit der Anlaß zu der von nnr gemachten Bemerkung. Die Sache ist damit erledigt.
Ein Reqierimqsvertreker
rechtfertigt üie Ausführung des Gesetzes, wobei er mehrfach Widev. spruch bei den Konservativen hervorrust. Er bleibt im einzelnen auf der Tribüne unverstärzdlich.
Abg. Stolle (Soz.):
Der Nachweis, daß das Gesetz umgangen wird, ist nicht geführt worden. Der Landwirtschaft dürfen die Futtermittel nicht verteuert werden.
Abg. Koch (Dp.):
Für die Umgehung des Gesetzes ist Herr Weilnböck den Beweis schuldig geblieben. (Unruhe rechts.) Die Verwendung von Futtergerste für Malzzwecke ist unmöglich. Die Futtermittel muffen verbilligt werden. Damit wird die Rentabilität der Landwirtschaft gehoben und der Fleischkalamität abgeholfen.
Abg Weilnböck (Kons.):
Man sucht mir meine Worte im Munde herumzudrehen. (Urr- ruhe links.) Ich habe ausdrücklich gesagt, daß die Beamten, die mit der Qualifizierung der Gerste zu tun haben, kein Vorwurf trifft, daß sie einwandfrei ihre Schuldigkeit hm. Bisher wird ausländische Gerste, nachdem sie mit einheimischer vermischt ist, zu Brauzwecken verwendet. Ich behaupte aber nicht, daß das wissentlich übersehen wird. In der nächsten Session werden wir uns über diese Fragen gemütlicher auseinandersetzen. (Heiterkeit.) In erster Linie steht das Interesse der deutschen Gerstebauer.
Abg. Fegirr (Vp.):
Nack den Erklärungen der Regierung ist kein Zweifel, daß die Gesetze sinngemäß angewendet werden. Der Zweck der Aktion ist, gegen die Eiirfuhr der Gerste Front zu machen. Das liegt nicht im Jntereffe des Votics, nichl einmal im Interesse der Land- Wirtschaft.
Die Abstinrvmng bleibt zweifelhaft, es wird Auszählung notwendig. Die Auszählung ergibt 100 Ja und 92 Nein. Das Haus ist also beschlußunfähig.
Präsident Dr. Kaempf:
Ich beraume sofort eine neue Sitzung an. Wir sind am Ende unserer Arbeiten angelangt. Gleichzeitig am Ende des dritten Sessionsabschnitts der laufenden Legislaturperiode. Wenn wir auf diese hrei Sessionsabschnitte zurückblicken, so sehen wir auf das große Werk der Heeres- und Deckungsvorlage, die im vorigen Jahre zu einem guten Ende geführt und durch die die Macht des Deutschen Reiches im Jntereffe des Weltfriedens in würdiger Weise verstärkt worden ist. (Beifall.) Es kann sich ja der jetzt zu Ende gehende Sessiousabschnitt mit der Größe oieser Aufgaben nicht messen. Wir sind aber mit einer Fülle gesetzgeberischer Arbeit beschäftigt worden, wie kaum je zuvor. Die dringendsten Gesetze sind vom Hause erledigt worden.
Ein großer Teil hat in der Kommission nicht so weit gefördert werden können, um im Hause in ztociter und dritter Lesung zur Beratung zu gelangen. Es tvaren jedoch nicht weniger als dreißig Kommissionen in dieser Legislaturperiode tätig, und davon sind heute noch sieben in Tätigkeit. Die gleichzeitige Beratung des Etats ist in ausgiebiger Weise durchgeführt worden. (Sehr richtig.) Sie hat eine Menge Anregungen gegeben, die, wie wir hoffen, nicht ohne Folgen bleiben werden. Von den 90 Plenarsitzungen dieses Abschnitts sind 59 auf den Etat entfallen, und die Budgetkommission hat dazu noch 50 Sitzungen abgehakten. Wenn ich mich angesichts der Fülle dieses Materials beniüht habe, die Arbeiten des Reichstags nach meinen besten Kräften zu fördern, so hat das nicht geschehen können, ohne an die Arbeitskraft und Arbeitsfreudigkeit des Hauses und seiner treuen Beamten starke, ja außerordentlich starke Ansprüche zu stellen. Möge die anstrengende Arbeit auch dieses Sessionsabschnitts zum Heile unseres Vaterlandes gerelchen. (Lebhafter Beifall.)
Staotsselretär Dr. Delbrück:
Ick fi-sTie dem Hause eine Allerhöchste Botschaft mitzuteiken (die Mitglieder erheben sich mit Ausnahme der Sozialdemokraten). Die Botsihaft lautet:
„Wir Wilhelm, vorr Gotte? Gnaden Deutscher Kaiser und König von Preußen, tun kund und fügen hiermit zu wissen, daß wir unseren Staatsminister Staatssekretär Dr. Delbrück ermächtigt haben, gemäß Artikel 12 der Verfassung die gegen- wärtigen Sitzungen in Unserem und der Verbündeten Regie- rungen Namen am 20. Mai 1914 zu schließen. Urkundlich unter Unserer höchsteigenen Unterschrift und beigvdrucktem ka:serl«tze« Jusiegel gegeben
Neues PalaiS, 19 Mai 1914. (gez.) 2Mhelm.
(gegengcz.) von Bethmann-Hollweg. Ich habe die Ehre, die Urschrift der Allerhisthsten Botschaft dem Präsidenten zu übergeben. Auf Grund der mir von Seiner Ma« jcstät erteilten Ermächtigung erkläre ick im Namen der VeLtzünde-. ten Regierungen den Reichstag für gcschloffern
Präsident Dr. Kacmpf:
W,r trennen nns mit dem alten Rufe: Seme Majestät der Deutsche Kaiser lebe hoch. (Das Haus stimmt in den Ruf ein, während die Sozialdemokraten sitzen bleiben.) Ich gebe dem Bedauern Ausdruck, daß eiu Teil der Mitglieder dieses Halftes . . „ (die übrigen Worte gehen in dem lärmenden Widerspruch der Sozialdemokraten und dem dröhnenden Beifall arrf der Rechten und der Mitte des Hauses verloren). Wir bringen drrrch Erheben von den Sitzen die Achttmg zum Ausdruck, die jeder Deutsche dem Kaiser schuldig ist. (Wiederholter großer Beistrll rechts und in der M-tte.)
Schluß 2 Uhr.
Aus Hesse«.
AuS dem ^inanzausichiitz.
r6. DarIN stadt, 20. Mai. Dcr i>i»anzanSschnh d«r Zweiten K a m in c r , dein auch vorüdergehend als ReqicrunffS- verlreter die Herren Staatsrat Wilbrand und Ministerialrat Tr. Kratz bciwvlinten, beschüitiglc sich in seiner t>entinai Sitzung zunächst mit der Verlesung und Genehmigung einer- Anzahl -)lud- schustberichte über verschiedene Anträge und Vvrsteklungen, d«c von den Abg. Brauer. Henrich, M o l t ha n , Dr. Osann und Tr. SB ebcr erstattet Ivurdcn. lieber dre Slusschiischeichhnsse, betr. den Antrag Schönberger über Slaatsveiträge an Kirchen- und Rcligionsgemeinschasten nnirde die Aeststellnng oes Berichtes noch) ausgesctzt. Weiter erfolgte die Sicratung des Antrags Joutz, betr. die Errichtung einer S o m m c r r e s i d e n z für die .Groß- lierzoglichc Familie im nördlichen Teil des Kurgartcns in Bad- N a uheiNI. Die Regierung hat jich dieseni Slntrag gegenüber aus einen abtehn enden Standpunkt gestellt und dcr Slusschuü schlos, sich dicseru cinstimuiig an. Der Antra.g Finger aus Errichtung eines GcstiiiS in PiedderSheim wurde ini Einverständnis mit der Regierung gleichfalls abgclchnt. lieber bie_ Regierungsvorlage, betr. die Tienstbezüqe der Konunnmit- forüwarte und die dazu überreichten Borslcllnngcn der Interessenten, erfolgte heute nocti über mehrere Punkte die Ubstiniulimg. 0>e- nehniigt wurde die Zubilligung von 75, Proz, inicitt 70 Pro»., Ivic es die Regicriingsvvrtagc vorschlug) derjenigen Gelwkv-, welche den staatlichen Forstivaetn, zustehen. Ferner beschloß der Ausslhich, die Porlagc schon mit Wirkung vom 1. Avril 1014 ab und »ittit, wie eine kleine Minderheit es beantragt batte, erst vom l. April 1010 ab in Kraft treten zu lassen. Zur Durcbrübrung dieser Ber- besfeimngeu wurde beschlossen, den Staatszuschus; uni wettere 20000 Mark zu erhöhen. Daniit ist im Ausschuß auch dieser Gesetz- entwuri erlchrgti der Slusschutzbcrichi des -Abg. Dr. Osann wird iväter erstattet werden. Ter SluSschutz beabsirhtigt. die Zellen st rasa n st altzu Butzbach und das Landeszuchthaiis Marienichlof; an, Rdittwvch, den 27. Mar, einer Bes i ch>rrgu.n<j an Ort und Stelle zu unterziehen.
Aus dem Geietzhebliiil,saus schütz.
rb. Tarmstadt, 20. Mai. Ter G e s e tz g cb „ ngsa u s- schuh der Zweiten Kammer tagte heute gen,einsam mit dcr Regie- gicrung, für welche die Herren StaatSininister Dr. v. Ewald. Minister des Innern v. H o m b e r g k und Staatsrat Lorbacher erschienen waren. Es fand zunächst eine eingehende Anssprache über die Regierungsvorlage, betr. die religiösen Orden und ordcnsähn- lichen Kongregationen statt. Es kam dabei auch die bekannte Ein- iprucherhebnng des Evangelischen Bundes zur Erörterung, bei welcher Minister v. Homberg k „. a. erklärte, das; die Regierung die Schrift des Herrn Pfarrer Müller eingehend geprüst habe; die darin enthaltenen Behauptungen seien aber nur in unwesentlichen Punkten zutresiend, sie beruhten zumeist ans nicht richiigen Informationen. Tie Regierungsvorlage wurde fchlietzlich unter Abänderung von zrvei unwesentlichen Punkten, betr. die Vorsteher von Slsnlen nsitt., die aus Slnregung des M>g. Tch. Schmtlt erfolgte, einstimmig angenommen. Es lolgie noch die Verlesung und Genehmigung des Slusichntzberichtes des ?lbg Tr. Stevhan über den Antrag Grünewald, betr, die ltebertragung der Wahlvrüsungen zu den Wahlen der Z weite n Kamin e r an das A r o h h. O b e r l a n d c ü g e r i ch t. Ter Slusschni, hatte beschlossen, den Antrag abzulebnen. -Weiter wiirden die Berichte des Shhgi. Lin tz über die Vorstellung des -Anglerb,indes zu Mainz, betr. das Fischereigcsetz u,ch desselben Abgeordneten über den Antrag liebet, betr. -Abänocrung des Art. 139 II der Landgc- ineindevrdnung, genehmigt. Tic Beratung über die Regierungsvorlage», beir. die Slbänderung des Feldstrasgcsctzes vom >3. Juli 1904 lBcrschterstatter Slbg. v. B r e n t a n o> und über die llosgesellschaften soll cbcnio, wie der Bericht des 4lbg. Reh über die Ordensvorlagc in der nättstten Sitzung erledigt werden.
rer Volksheilrtättenverein vom Noten Nreuz.
Don Prosessor Tr. Sllsreh Bruck.
Als in den neunziger Jalwen des vorigen Jahrhuirdcrts der machtvoll einsctzende Kamps gegen die verheerende Tuberkulose die rührenden Geister unserer Nation allenthatbeii aus den Plan riet, da hatten die großen vatcrläiidiicheu Wohlfohrtsorgowiattoneir des Roten Kreuzes das natürliche Bedürfnis, ,ich dieser sozial- hngienisch „nd nattonälokonomiich bedentsanien Bewegung anzu- schliktzrn, Zunächst wurde IN den ureiien 'öes Roten Kreuzes in i'ruchtbarcni Zusammenwirken mit dem kaiserlichen (STc» sunkheitsantt. der Medizinalabteklung des üZiegSminlstcriumF und den, Reichsvcrsicherungsamt die Frage erörtert, >oie man für die Maßnahrnc» der Tuberkuloschetänipsiing nachhaltiges Filteressc wecken köime. Es galt vorerst, dc.i unbeinittelten Bcvölkcriings- schichten die de» begüterten Kreisen bisher allein zugänglichen Vorteile der hygirnisch-diätetitchrn Behandlung in Heilstätten kommen zu lassen. Tie Ernleitung solcher Küren war von ersten deutschen Kliniken, als ein dringeirdes Bedürft,is anerkannt worden, und die Slrbeitcrversicheiüngsqesetzgcbung bot h-iersür die sinanzicllc Grmidlagc. In der Folge gelang cs dem mit de» Dar- arbeitcn betrauten Prosessor Pannwitz, den Reichskanzler Fürsten zu Hohcnlohe-Schillrngssürst, dessen Gemahlin schon seit längerer Zeit den Arbeiten des Roten Kreuzes unrksamc IInterstüHung widmete, iür diese soziale Frage zu imeressrcren Am 21. November 1895 wurde im Reichskanzler-Palais das Deutsche Een- tral-Konritee zur Bekämpfung der- Tuberkulose begründet, >urd zuwr als eine Zentralstelle, die ihrerseits neue .S^ereinig,ingen nickst schassen, aber den Kristallisationsvunkt bildni sollte für alle vorhandenen, aus die Tuberlniosebekämpsiiiig hin zu orienlrerenden Wohlsahrtsbcsttcbunge». Zu diesen gehörten naturgcnräs; ui enter Linie die Deutschen Vereine vmn Roten Kreuz, von denen bcjon-
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