Ausgabe 
20.5.1914
 
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Nr. M viertes Blatt Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Di«»ietzener ZimIIIenbläNer" werden dem

.Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, dar iireikblaN für de» Kreis Siegen" zweimal

wöchentlich. Dielandwirtschaftlichen Seit­sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Sberhejsen

Mittwoch. 20. Mai

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- slratze 7. Expedition und Verlag: e=^51. Redaktion:e=^ 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

Der handelspolitische Ausschuh des Sundes der industriellen

trat in Erfurt KU einer Sitzung zusammen, der als Ver­treter des Reichsamts des Innern Geheimrat Miller bei­wohnte. Ter Vorsitzende des Ausschusses, Landtagsabaeord- neter Fabrikbesitzer Claus;, berichtete über die Schritte, die der Bund der Industriellen bei der Reichsregierung für die von ihm erstrebte Umgestaltung des Wirtschaft­lichen Ausschusses getan hat. Auf Grund eines Vortrags, den der Geschäftsführer des Bundes, Dr. R. Schneider (Berlins) kiber die handelspolitische Lage erstattete, fand eine eingehende Aussprache über die allgemeinen Richt­linien sür die Vorbereitung der künftigen Handelsver­träge statt. Der Handelspolitische Ausschuß beschloß ein- stimmig folgende Leitsätze:

1. Jrgendivelche Minimal- und Maximalzvllsätze sind weder sür die landwirtschaitlichen nocfi sür industrielle Erzeugnisse neu einzuführen Säion die bisherigen Mindestvertragszölle bedeuten ein« einseitige Bevorzugung der Landwirtschaft und erschweren wesentlich die Erlangung von ausländischen Zugeständnissen zu Gunsten der Landwirte.

2. Eine Erhöhung der heute geltenden Zollsätze sür Ge­treide und Lebensmittel ist ebenso abzulehncn wie die Einführung neuer Zollsätze aut bisher zolttreie Lebens- und Genußmittel. Wenn ftir die Erlangung günstiger Handelsverträge oder sür die Abänderung von Zollmaßnahmen des Auslandes deutschcrscus Kompensationen sich erforderlich machen, so muß gleichmäßige Be­handlung für Landwirtschait und Industrie eintrctcn.

3. Die Fcrtigindustrie, insbesondere die Eisen verarbeitende Industrie, hält ilire Stellung in dicier Beziehung sür solidarisch mit derjenigen der Roh ' und Halbzeugindustric, insbesondere der Groß eiscnftioustrie Tie hält es daher sür notwendig, daß die Roh- und Halbzeugindnstrie mit der Fcrtigindnstrie geschlossen gegen die zoll- und handelspolitischen Ansprüche des Bundes der Landwirte aut- tritt. Gegensätze innerhalb der Roh- und Halbzeugindustric einer­seits und der Fertigindustric andererseits über das Maß ihres in­ländischen Zollschutzes können innerhalb der Industrie ausgeglichen werden.

Hieraus berichteten die Handelskammersyndici Dr. Dietrich (Plauen) und Dr. Cratz (Offenbach) über die Geschäftsordnung und den Arbeitsplan für die Unteraus­schüsse, welchen der Handelspolitische Ausschuß des Bundes der Industriellen für die einzelnen Geschäftszweige die Vor­arbeiten für die künftigen Handelsverträge überträgt.

Arbeiterbewegung. .

~ Mächtz a, 19. Mai. Seit 8 Tagen streiken die bei brr Bmrfirma Eurich hier zwecks Errichium; des Himnrcl- bachscben Sägewerks beschäftigten Arbeiter. Der Ausstand ist aber durch bedeutenden Zuzug auswärtiger Arbeiter gestern beendigt worden, ohne daß die Ausständigen ihre Forderungen durchsetzen konnten. Die Firma zahlt den Erd­arbeitern den schon vor dem 'AuSstand gebotenen Stunden- lohu von 37 Pfennig.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 20. Mai 1914.

** Stadttheater. Nochmals sei auf das heutige erste Gastspiel des König! Kurthraters Ems hingewiescn, das in Oskar NedbalsP o l e n b l u t" die meistgegcbcne Operette des letzten Jahres bringt. Tic gestrige Aufführung dieses Werkes in Mar- burg bedeutete einen großen Erfolg, an dem in erster Linie die Damen Pauli, Martini und Koch und die Herren Schiller, Behrensen und Abel beteiligt waren. 1. Ermäßigungskupon hat Gültigkeit.

** Der Akademische Dürerbund, der nunmehr 10 Jahre an mrserer Universität besteht, bietet als studentische Ver­einigung mancherlei Probleme, die bisweilen in der Lcffcnt- lichkeit erhebliche Unklarheiten hervorrutcn Es wird deswegen der Vortrag, der Mittwoch, den 20. Mai, im großen Hörsaal von Herrn Ferdinand Eckhardt über die Ausgabe des Akade­

mischen Türerbundes gehalten wird, einige hier einschlägige Fra­gen behandeln.

**Techniker-TagunglnGießen. Die Gießener Technikcrschasl veranstaltet am 4. und 5. Juli aus Anlaß der Gewerbcausstellung eine Tagung von Angehörigen aller technischen Berufe. Am Samstag, dem 4. Juli, wird eine Besichtigung der Gailschcu Dampsziegelei stattsinden. Einen Vortrag über Wert und Wertung technischer Arbeit wird B u r m e st e r - Gießen halten, lieber einheitliches Ange- stclltenrccht spricht Stimmer-Gießen.

** T i e Landwirischastskammer für das Großherzogtu m Hessen veranstaltet am conutag, dem 24 Mai, nachmittags 3 Uhr, in R o h r b a ch (Kreis Bü­dingen) int Gasthausc Jäger einen Vortrag über:Grün­dung und Ausgaben eines Ziegenzuchtvereins". Vortragen­der ist der Großh, Landwirtschastslehrer Wagner-Bü­dingen.

** Gottesdien st in der Friedhofskapelle. Am Himmelsahrtstage findet wieder wie alljährlich nach­mittags um 2 Uhr in der alten Friedhofskapelle ein Gottes­dienst statt.

** Jügendwehr. Am letzten Sonntage veranstaltete zum ersten Male der Verein Jngcndwehr einen Ausflug mit der der Schule entlassenen Jugeich. Insgesamt beteiligten sich außer den Führern 53 junge Leute, von denen sich allein 32 von der Gcwerbeichulc gemeldet hatten. Mit der Biebertalbahn iuhr die Jugend 1.50 Uhr ab Bieber. Hier teilte sie sich in zwei Par­teien. deren eine den oberen Wall am Gipsel des Tünsberges be­setzte. um das Durchbrechen der Räuber nach dem Turm zu hindern. Mit großer Lust und Liebe bezogen die Jungen ihre Posten und waren tief betrübt, als die bösen Räuber aut Schleich­wegen doch ein Tritiel ihrer Leute auf den Gipfel des Berges brachten und dadurch die ihnen gestellte Aufgabe erfüllt hatten. Nach kurzer Ruhepause begann der Abstieg.über FeUingshausen, das mit lautem Tang durchguert wurde, nach Vetzberg, und von hier durch Rodheim nach der Schmitten, wo am alten Turm Lager bezogen, Feuer gemacht und abgekocht wurde. Herr Baron van der H o o v hatte die erforderlichen Hillsmittel zur Verfü­gung gestellt. Und wie sckmieckten die Linseniuvpe und die in Hessen hcrgestellten Frankfurter Würstchen! Nachdem die Lager- und Feuerstätte wieder in Ordnung gebracht war, hielt der 2. Vor­sitzende der Jugendwehr. Rechtsanwalt Kaufmann, eine .An­sprache, in der er Zweck und Ziele des Vereins darlegte und die Hingen Leute aufforderte, sich auch an den weiteren -rwnntagsaus- slügen der Wandergruppe der Jugendwehr zu beteiligen. Tann wurde der Heimmarsch angetreten. In Gießen zog die Jung­mannschaft unter srohem Gesang um 0 Uhr ein, uni auf Oswalds­garten entlassen zu iverdeii mit dem Hinweise, daß am 2 . und 3. Pfrngstseiertage ein zweitägiger Ausflug nach der Edertal- sperre stattfinden werde.

"DieGießencrEisenbahner in HomvAr g. Ein Sonderzug führte gestern Hunderte von Eisen bahn- beamten mit ihren Angehörigen cms dem Bereich

des Gießener Eisenbalmgebrctcs nach Bad Homburg. Hier besichtigten die Eisenbahner unter sachkundiger Führung die Saalburg, die Jupitersäulc und andere Sehenswürdig­keiten der Taumishähen. Später zogen die Gäste nach Hom­burg hinab, wo sie sich im Kurparkr ergingen, die Erlöser­kirche besuchten und auch dem Schloßpark einen Besuch ab­statteten. Nach einem fröhlichen Beisanrmensein in ver­schiedenen Lokalen fuhren die Gäste, denen es in Homburg außerordentlich gefiel, gegen 0 Uhr wieder nach hier zurück.

** Versendung von Paketen während der Psingstzert. Ter Staatssekretär des Reichspostamts gibt be­kannt: Tic Versendung mehrerer Pakete mit einer Postpaket- adrcsse ist für die Zeit vom 25. bis einschl. 30. Mai weder im inneren deutschcir Verkehr noch im Verkehr mit dem Ausland ausgenommen Argentinien gestattet. Nach Argentinien können auch in dieser Zeit nrehrerc, jedoch höchstens 3 Pakete, mit einer Postpaketadresse versandt werden.

** Ein seltsames Testament. In dem Dorse Op­pertshausen in Kurhessen hat ein Gastwirt den Dors- musikanten letztwillig ein Legat von 1000 Mark ausgesetzt mit der Berpilichtung. daß die Musiker alljährlich am Geburts­tag vor dem Gcburtshause des Stifters eine halbe Stunde urusl-

zjcrcu müssen. Unterbleibt das nur einmal, dann ist das Legat verfallen. Tie Zinsen des Kapitals soUen an dem Geburts­tage bis aus den letzten Heller verkneipt werden.

** Gütcrrcchtsregister. Koch Georg Wilhelm Hvs- ma nn Und dessen Ehefrau Marie Johanna gcb. Lemke zu Bad- Nauheim haben durch notariellen Ehcvcrtrag vollständige Güter - tremiung unter 'Ausschließung der Verwaltung und Nutznießung des Mannes am Vermögen der Frau vereinbart.

'* Konkurse in Hessen. I» dem KonkurSversahren über das

Vermögen des Heinrich Türner, früher Hotelbesitzer in Wies baden, dann in Mainz, und dessen Ebeirau, Sofia, geb. Hahn, ist Termin zur Gläubigsrverlannnlung aut Montag, den 8. Jitni 1911, vormittag» II Uhr, zu Mainz bestimint. - Das Konkursverfahren über den Nachlan des Kausmanns Karl Gustav Hermann Heinrich D i e h m in D a r m st a d t ist nach ersolater Abhaltung des Schluß­termins ausgehobe» worden. An Stelle deS btslierigen Konkurs oerwallerS im Konkurs über den Nachlaß des Schuhmacher» Hein­rich Ludwig oo» Orte» birg, Nectmers I. Kämmerer, jetzt in Remheim, ist der Kaufmann Heinrich Weckesser von Orten­berg bestellt und wird als solcher beibchalten. Da» Konkurs» versa re» über de» lllachloß der Johann Wetzel I. Eheleute in Nacken heim ist mangels Masse eingestellt. I» dom Kon- kuiSverlahren über da» Vermögen des Adam Waisen st ädter in R ü s s e l S h c i m ist zur Beichlußkasluua über GrundstückS- verkaul in den Gemarkungen Dieburg und Flörsheim eine Wtäubigcr- versammlung a»l Mittwoch, 27. Mai 1914, vormittags 9 Uhr, ein- berusc». I» dem Konkursverfahren über dar Vermögen des Kot lenhändlers Ernst Ludwig Eichentler in Mainz, In­habers der Firma .Ludwig Eichentler' daselbst, ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Ein- ivettdunge» gegen dar Schlußverzcichnis der bei der Verteilung z» berücksichtigenden Fordernnge» »nd zur Beschlußfassung der Gläu­biger über die nicht verwertbaren Lermöqensslücke der Schluß­termin auf Samstag, 13. Juni 1914, vormittags 9',', Uhr. vor dem Großh. Amtsgericht Maiuz bestimmt. In dem Konkursverfahren über daS Vermöge» des Henry Bülch, Kaukmann und Inhaber der Firma .Alexander Honig' in Worms, ist zur Prükung der nachträglich anaemeldeten Forderungen, zur Abnahme der Lchluß- rechiumg des Verwalters der Schlußtermin auf Mittwoch, den 10. Juni 1914, vormittags Uhr, vor dem Großh, Amtsgericht WorniS bestimmt.

Kreis Büdingen.

§ Büdingen, 18. Mai. Heute fand fand imFürsten-

doiiaalc" unter dem Vorsitze des Schulrates B a l d a ll > eine Zusammenkunii der Lehrerbezirke Nidda und Büdingen statt. Lehrer Heidt-Leusel führte seine neue Rechenmaschine vor.

Kreis Alsfeld.

Or Alsfeld, 18. Mai. Hier wurde die heliische Wander­ausstellungDas Kind" durch Bürgermeister V öl sing und ine Vertreterin der Zentrale für Mutter- und Säuqlingssürjorge Fräulein S ch n b e r t - Darmstadt eröffnet. Als Vertreter der Behörde nahm Kreisrat Dr. Heinrichs teil. In den Reden wurde aus das hohe Ziel der Ausstellung hingewiesen: Verringe­rung der Säuiftingssterblichkcit und Heranziehung eines gesunden, kräftigen Geschlechtes. Die reichhaltige Ausstellung zeigt die Be­handlung, Ernährung und Pflege der Säuglinge, ihre Beüei- duag, die Enlkeinrung der Milch bei künstlicher Ernährung, ferner die Körperpflege, die Beschaffenheit des Spielzeuges usw. Verglei­chende Tabellen und graphische Darstellungen wirken ebenfalls belehrend. Die Ausstellung erfreut sich eines guten Besuchs.

Kreis Lauterbach,

* Schlitz, 18. Mai. Bei großer Beteiligung beging gestern der Ortsgewerbeverein unter dem Vorsitz des Vuck- druckereibcsitzerS Guntrum die Schlußfeier der diesjährigen Gesellenprüfung. Sämtliche 17 Prüflinge konnten aut Grund ihrer ausgestellten Arbeiten für bestanden erklärt werden. Tie Festansprache hielt Stadtviarrer Boeckner, während die Gcsellenbriese von Svenglermeistcr Adolph überreicht wurden. Jnl benachbarten Hemmen begingen der Landwirt Johannes Hilpert und seine Eheftan Elisabeth geb. Rockel in geistiger und körperlicher Frische das Fest der goldnon Hochzeit. Der Kriegerverein brachte dem Jubelpaar ein Ständchen, und Psarrer Fuchs überreichte trat einer Ausbruche das Bild des Grcktz' Herzogs, das mit seinem Namenszug versehen, von der Großh. Kabincttsdirektion übermittelt worden war.

Die Zahrhundcrt-Ausstellung in Darmstadt.

Aus D-armstadt, 19. Mai, wird uns gemeldet: Heute vormittag ll 1 ', Uhr wurde im großherzoglichen Schlosse die Jahrhundertausstcllung Deutscher Kunst 1650 bis 1800 in Gegenwart des Großherzogs, des Prinzen August Wilhelm von Preußen, der Spitzen sämtlicher Behörden und sonstiger hiesiger Gäste und auswärtiger Vertreter der Kunst erö-ffnet. Veranstalter der Ausstellung ist der Großherzog, Patrone sind Kronprinz Rupprecht von Bayern, Prinz August Wil­helm von Preußen und Prinz Johann Georg von Sachsen. Der Leiter der Ausstellung, Prosessor Dr. Biermann, sprach in einer längeren Aussprache über den Zweck und die Auf­gabe und die geschichtliche Bedeutung der Ausstellung und legte dar, nach welchen Gejrchtspunltcn das Bild der Aus­stellung zusammengestellt worden sei. Er dankte darauf dem Großherzog, dessen Initiative die Ausstellung zu ver­danken sei, dem deutschen Kaiser und allen anderen deut­schen Fürsten, den Behörden und Mitgliedern des Aus­schusses und allen Mitarbeitern, welche das Werk geför­dert haben. An die Eröffnung her Ausstellung schloß sich ein Rundgang an. Die Ausstellung ist im Residenzschloß in den Räumen des früheren Landesmuseltms unterge­bracht, enthält gegen 2000 Nummern und hat es sich zur Aufgabe gestellt, von den deutschen Kunstschaffen vom Aus­gang des dreißigjährigen Krieges bis zum Beginn des 19. Jahrhundert einen möglichst ausgedehnten Ueberblick zu gewähren. Der deutsche Kaiser hat aus seinem Privaibesitz eine Anzahl öffentlich bisher noch nicht gezeigter, wertvoller Werke zur Verfügung gestellt, ebenso fast alle deutschen Für­sten und deutschen Museen, Bibliotheken, Akademien, die Nationalgalerie in Berlin, die königlich baherisehe Staats- galerie und zahlreiche Privatpersonen. Aus Oesterreich ha­ben Kaiser Franz Josef und andere fürstliche Persönlichkei- ten bedeutende und wertvolle Werke der Ausstellung zur Verfügung gestellt. Auch die Schweizerisch Kunst ist in einer eigenen Abteilung vertreten. Die Ausstellung währt bis Mitte Oktober ds. Js.

_ Erstes deutsch e s Dolkstrachrensest. Aus

Mainz wird uns geschrieben: Ter Verein zur Erhaltung der Volkstrachten im Herzogtum Gotha, der seit seinem Bestehen mancherlei Erfolge zu verzeichnen hat und stch eines großen Jn-- tcresseü namentlich von noch Trachten tragenden Dörfern er-

fteut, wird sich an dem ersten deutschen Trachtenfest in Mainz beteiligen. Tnrch den Verein sind viele alte Volks- und Spinn- stubcnlieder und die Trachten wieder zu Ehren gekommen. Tie Schutzherrin des Vereins, die Herzogin Viktoria Adelheid und ihr Gemahl haben die bisherigen Veranstaltungen zu wirklichen Hermat­sesten erhoben. Vom Gothaer Trachtenvercin hat sich bereits eine Tetlnehmerzahl von über 400 Perionen gemeldet. In letzter Stunde hat sich noch eine Trachten-Bereinigung aus dem Rcnchtal (Schwarzwaldi gemeldet, die mit eigener Kapelle und ihrer pri­vilegierten Bürgergarde unter Gewehr am Donnerstag früh hier am Hauptbohnhvi eintrilft. Ferner hat ein zweiter Hochzeitszug aus dem Badischen Oberland sein Erscheinen in Aussicht ge­stellt. Eine weitere schöne Festnnmmer ist durch ein Kinder­ballett gesichert, das Mittwochs und Sonntags zweimal in Ori­ginal Schwälmer- und holländischer Tracht Kinderrcigcn und Baucrntänzc zur Aufführung bringt . Nach einem Schreiben aus dem Großh. Zivilkabinett wird der Großherzog aller Voraus­sicht nach in Begleitung des Prinzen Johann Georg von Sachsen den Zug an sich vorüberziehen lassen.

Eine neue H and!chrift des Theokrit ent­deckt. Aus London wird berichtet: Tem bekannten englischen Archäologen Monins Johnson, der im Auitrag der griechisch- römischen Abteilung des Egypt Exploration-Fund in A n t l n o e im oberen Aegypten Ausgrabungen leitet, ist ein ivertvollcr Fund geglückt. Unter den zahlreichen Papyri und anderen Dokumenten, die bei den Grabungen zutage gefördert werden konnten, entdeckte er eine Anzahl Papyriblätter sowie zahlreiche weitere kleinere Papyri-Fragmente, in denen die Idyllen des Theokrit auigezcich- net waren. Der Paonrns entstammte dem Ende des 5. oder dem Anfang des 6. Jahrhunderts. Tie wvhlerhaltenen Blätter sind ziemlich groß, einzelne von ihnen enthalten mehr als 500 Zeilen. Man sieht, daß an dem Originaltexte von anderer Hand nach­träglich Aenderungen und Randbemerkungen cingeiügl worden sind. Bisher war Theokrit unter den ägyptischen Papyri kaum vertreten: die einzigen Ausnahmen bilden ein kleines Frag­ment der 13. Ode aus Oxyrhynchus, ein Bruchstück in Berlin und einige größere Pergamentblätter in Paris und Wien. Da die mittelalterlichen Handschristen Theokritsichtr Dichtungen nicht weiter als bis zum 13. Jahrhundert zurückreichcn, wird der neuentdeckten Handschrift ganz ungewöhnlich hoher Wert beizumessen sein, wiewohl die Arbeft der Zusammensetzung und Entzifferung der Fragmente erst jetzt beginnen wftd. Der Fund wftd ge­meinsam mit einer Anzahl anderer Papyri ans Antinoö vor­aussichtlich noch im Lause des kommeriden Jahres veröffentlicht werden.

Die Antographen - und Bilder sammlnng Erich Schmidts unter dem Hammer. Unter lebhafter Betelliguita wuioc am Montag bei Martin Breslauer der

erste Teil der bedeutenden Sammlung Erich Schmidts versteigert. Es waren vertreten die kgl. Bibliothek in Berlin durch Ober- bibliotlickar Pros. Mann, das Märkische Museum, Berlin, das Germanische lLationalmuseunt in 'Nürnberg durch Dr. Neuhaus: ferner waren zahlreiche Privatsammlcr von außerhalb anwcsend. Ein eigenhändiges Manuskript von Anzengruber, der Anfang seines RomansTer Sternlteinhos" mit Widmung an Erich Schmidt erzielte 75 Mark . Tie kgl. Bibliothek erwarb Briete von Ludwig, ?lchim v. Arnim sür 36, 51 und 71 Mark. Ein musikalisches .Albumblatt von Johannes Brahms brachte 140 Mark, ein Band von Stephan George mit eigenhändiger Widmung er reichte den hoben Preis von 200 Mark . Der Homer des Tizian, der zweimal des Malers Namensinschrift zeigt, ging ans 325 Mark. Ern Brief Bürgers, drastisch wie gewöhnlich, siel dem Germanische» Nationalmnseum stir 4l Mark z» .Tie Sammlung des Profes­sors Tarmstädter, die mit der kgl. Bibliothek vereint ist, kaust­eine Handschrift des berühmten Buchdruckers und Hellenisten Eom- melinus zu Heidelberg für 105 Mark. Ein Briet Darwins brachte 45 Mark Tic hüchuen Preise erzielten die Goethe-Handschriften. Ein Stammbuchblatt mit der InschriftArs longa memoriae Goethe", darunter linksBila brcviS" M. Radziwill und rechts davon:Ich wünsche dir jene kurz und dieses lang" W. Tisch­bein in Rom, brachte 650 Mark. Ein eigenhändiger Briet Goethes wurde sür 36h Mark an Frau Hoesch-Ernst verkauft. Ein eigen­händiger Vierzeiler Olvetl^s Weimar, (15. Tezcmber 1825):Liegt dir Gestern Nar und offen Wirst du Heute ftäftig fretj: Kannst auch ans ein Morgen hoffen Das nicht minder glücklich ftv" brachte 2510 ÄNork, jerner die Goethcjchen Bffftenkarten 80 Mark. Ein eigenhändiges Manuiftipt Lavaters brachte 135 Mark. Ansichten von Goethes Haus in Weimar und tyoetheN Gartenhaus 110 Mark.Weither und Lotte", zeitgenössisches Bild in Tempera-Farben, 180 Mark, ein Brief von Wieland, vier volle Seiten, 160 Mark. Tie Fortsetzung der Versteigerung sinket Dienstag vornftttag statt.

Schutz der nute. Zum Schutz der Baumpftanznngc» an öffentlichen Plätzen und «traßcn hat der Lberpräsident der Provinz Brandenburg, wic die Hol,weit berichtet, eine Polizei- Verordnung erlassen. Danach ist die Fortnahme von Bäumen an diesen Stellen verboten, ehe die Genehmigung der zuständigenl Ottspvtizeibehörde eingeholt und erteilt ist. Ausgenommen von dieser Borschrfft bleiben die Provinzial- und Kreis-Chansscen. Bor allem sollen die Bäume in ländlichen Ortichalten nicht an- getastct werden dürien, die zum Auffangen des Flngfeuers be­stimmt sind. Die Genehmigung zur Wegnahine von Bäumen an oder aut öffentlichen Wegen außerhalb der Ortschaiten darl mir dann erteüt werden, wenn ausreichende löcivähr für die Wieder­herstellung einer neuen Dstanzung geleistet wird. Aus die Ueber- tretungen dieser Vorschriften find Strafen gesetzt.