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Erster Blatt
M. Jahrgang
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rofotioitsftrnrf «ntz Verlag -er vrühl'schen Unio.-Vuch- untz Steintzruckere! R. Lange.
Samstag, l6. Mai
BeznqSvretS:
monatlich 75Pf.,vlerlel- jährlich Nik. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatliät 65 Pf.: durch die Post Pik. 2.—viertel* jährl. ausschl. Beslellq. Zeilenpreis: lokal 15Ps^ auswärts 20 Pienniq« Chefredakteur: A Goey. Verautivoctlich für den polit. Teil: Aug. Goerz; für .Feliitlelou-, ,Ber» mischtes* und^Gerichls* saal": Karl 9teuralh; für ^Stadl und Land":
Retzaltion, Lrpcdilion untz Druckerei: Schulftrahe 7. Anjeig-nleü:' p? Be-r.
Die heutige Nummer umfaht 24 Seiten.
Sur Eröffnung der Gewerbe-Ausstellung in Gießen.
Gießen. 16. Mai.
Heil dem in holder Mnienfchönheit erwachten Tag, der dem heimatlichen Gau politisches Gedeihen verheißen soll und an dem die wolkenvollen Ausblicke in die „höhere" Politik uns für einige Stunden verhängt werden dürfen! Wir wenden uns der seit Monaten in Aussicht stehenden Erösfnung der oberhes fischen Gew erbraus, stellu n g zu, und da stört uns weder die giftige Kritik des Genossen Liebknecht an deutscher industrieller Arbeit, noch der vom Staatssekretär v. Jagow im Reichstag so freimütig ausgedeckte Neid unserer Nachbarn über der oft- und westdeutschen Grenze. Die Ausstellung, die heute in der viel- genannten Gießener „Alten Klinik" eröffnet wird, bedeutet für unsere hessischen Lande ein auch politisch nicht zu unterschätzendes Ereignis. Sie schlägt in jenes Kapitel vom „Heimatschutz" ein, über das wir gestern den beherzigenswerten Aufruf veröffentlicht haben, in dem es heißt, daß wir unsere hessische Heimat in ihrer natürlichen und geschichtlich gewordenen Eigenart schützen und erhalten wollten. Ueber die wirtschaftlichen Borteile hinaus, die sich die Teilnehmer an der Ausstellung versprechen dürfen, gewährt diese dem Gemcinsinn, dem Staate und unserer Stadt Gießen noch Mannigfachen Nutzen: das Gute und Gediegene unseres gewerblichen Lebens wird unterstützt und gehoben, indem wir darauf hingelenkt werden, der Geschmack und die Vorliebe für Qualitätsarbeit und -Ware werden gefördert, wir erkennen, daß wir so häufig gar nicht darauf angewiesen sind, „in die Ferne zu schweifen", da für die verschiedenartigsten Bedürfnisse in unserer nächsten Nähe die allerbesten Einkaufsgelegenheiten sich bieten. Ein Blick in die überaus mannigfaltige Ausstellung, die von heute an dem Besuch offen steht, wird manchem überraschende Entdeckungen bringen! Wir dürfen es hervorheben, daß unsere heimischen Schreiner, Töpfer und so manche andere Handwerke ganz hervorragendes zu leisten imstande sind, und wir finden gerade in diesen Zweigen das Streben nach Schönheit und Stilb ollen düng in staunenswertem Maße verwirklicht. Wie ost wird die nur scheinbar billigere Fabrikware bevorzugt, und wie bald wird mancher Besucher der Ausstellung inne werden,-daß er seinen Hausrat doch gar zu wahllos zusammengesteltt habe. Wir gewahren daneben mit freudiger Anerkennung, daß in manchen wenig genannten kleineren Orten besondere Gewerbczweigc, wie z. B. Sattlerei und Jilzmanufakturen, zu hoher Blüte gelangt sind. Und die Tatsache, daß in unserer engsten Heimat Erzeugnisse des Maschinenbaues ünd der Installation weithin ins Ausland aus» geführt werden, kommt uns Mit Stolz zum Bewußtsein.
Die Ausstellung der varmftädter Aünstlerkolonie.
Aus D a r in st a d t, 16. Mai, wird uns geschrieben:
Es ist die dritte Slnsstcllung der Künstterkolonie, die heute in Gegenwatt des Grohhrrzoglichen Paares ihre Pforten öiinet. Tic neue Ausstellung ist geeignet, die volle Auinierksamkeit aller Kunst- krcundc im Reiche aus sich zu lenken. Sie ist wieder in dem 1908 von Pros. Olbrich errichteten städtischn Ausftcllungsgebäude mit deni Hochzeitsturmc zur Seite eingerichtet worden und bildet ein Dokument moderner hessischer Kunst. Tie neue Ausstellung zeigt in jeder Richtung ein frisches, großzügiges Gepräge. Es wurde bei der GcsamMnlagc mit Erfolg darnach gestrebt, sie zu einem geschlossenen harmonischen Kunstwerk zu gestalten, was freilich unter Mancherlei schwierigen Verhältnissen nicht durchweg erreicht werden konnte. Tie Ausstcllungslcitung mit dem Vorstand des Großh. lÄabinetts, Gchcimrat Römheld an der Spitze, hatte die sehr bemerkenswerte Anordnung getrosten, daß jedem Künstler und Architekten bestimmte Räume zugcteilt wurden, in denen sie ganz nach eigenem Ermessen und unter ihrer Verantwortung die Kunst in ihren verschiedenen Formen zur GelMng bringen konnten. Ta- ncben haben sich auch zahlreiche KUuststttindc in dankenswerter Weise an der Ausstellung beteiligt, indem sic Mitgliedern der Kolonie den Entwurf oder die .Herstellung von Kunstwerken übertrugen, die leihweise zur Ausstellung überlasten wurden.
Betteten wir die Ausstellung von der großen Freitreppe aus, so gelangen wir nach Durchschreiten des Vorraums zuerst in den Ghrensaol, der von Pros. Körner entworsen wurde und eine ganz wunderbar stimmungsvolle Deckenbeleuchtung erhalten hat. Prof. Hötger und Maler Pcllar haben für die künstlerische Ausschmückung gesorgt. Taran anschließend ist eine Musterbiblio- Ibek nach dem Eutwurs des Architekten M a r g o l d in cdclsteni Stil aiisgestellt. Weiter ein von Pros. Körner cntioorscncr Gar- lensaal in blau gehaltener Ausstattung mit prächtigen Mosaik bruunen und Gemälden von Fritz Oßwald, ein Tamensalon von Pros. F. 23. Klcukens, eine Pscilcrgalcric von Pros. Alpin Müller.
Einen Glanzpunkt der Ausstellung bildet der herrliche Musiksaal des Grobherzogs, der von Pros, Albin Müller entworfen wurde: er soll nach Schluß der 'Ausstellung im Neuen Palast, untergebracht werden. Ein anschließender größerer „Raum her freien Kunst" bringt endlich eine Reihe von Plastiken nach dein Enttvurf von Pros. Heinrich I o b st und eine große Anzahl Bild- nisstlldien und Gemälde von Hanns Pellar. In einem von Prof 'Albin Müller entworfenen Herrenzimmer sind reiche Schätze der Holz- und Elfenbeinschnitzereien, sowie Handzeichnungen sür Buchausstattungen usw. von Pros. Klcukens zu bttrachten. Für die Erzeugnisse der Goldschmiedckunst ist ein besonderer Raum ein- »crichtct worden, der eine Fülle hcrrlich-'r Gold- und Silberarbei- 'cn von Pros. Ernst Ringel u. a. enthält. Ein Roscnhvs von
Wir sind davon überzeugt, daß dieses Nebeneinanderwirken der Aussteller ihnen zu hohem Segen gereichen wird. Es ist ein friedlicher Wetteifer, der zu neuen Anstrengungen und Verbesserungen anspornt, und es ist ein dankbaresRingcn um die Gunst und Freundschast der heimischen Käufer. Wir dürfen uns sagen, daß unser Handwerk keineswegs darnietzer liegt, obgleich die Zeiten ungünstiger geworden sind. Und nun der erfreuliche Gewinn, den unser ganzes Volksleben aus einer solchen Gewerbeausstellung zieht! Die Bewohner des Hessenlandes lernen einander kennen und knüpfen Beziehungen an, die sich recht wohl als dauernd erweisen können. Ta kommen zu uns aus Marburg die kunstgeübten Schreiner, Töpser und Schneider, aus Weilburg die Verfertiger orthopädischen Schuhwerks, aus Hanau Vertreter des Edel- schmicdehandwcrks, aus Fulda die Fabrikanten der Maschinen für die Holzbearbeitung, aus Treisa die Unfertiger von Ackergeräte und viele andere mehr, und in Gießen finden die Gäste die offenste und herzlichste Aufnahme. Alles ist wohl vorbereitet, keine Kosten und Mühen sind gescheut worden, um das Bild der Ausstellung mit allen Gelegenheiten zur 'Erholung und Vergnügung anheimelnd und behaglich zu machen.
Und dürfen wir uns einmal fragen, welchen Gewinn die Bewohner der alten Muscnstadt selber aus dem Ereignis zu ziehen gedenken? Als Provinzialhauptstadt darf Gießen sich wohl vermessen, auch immer mehr ein Mittelpunkt des geistigen und gewerblichen Lebens der Oberhessen zu werden. Wenn wir Kongresse und Zusammenkünfte veranstalten — müssen wir da nicht in erster Linie die Eingesessenen in unserem heimischen Umkreis an uns heranziehen, vorzugsweise die Gewerbetreibenden, die mit ihrer Scholle verwachsen sind und die besten Anknüpfungsmittcl, Austausch im Handel und Verkehr, versprechen? Landwirtschaftliche Ausstellungen, die ja zum Teil ebenfalls diese Vorteile »ns bieten, haben wir öfters gehabt, während solche gewerbliche Ausstellungen in dem Umfang der hente zu eröfinen- den in unserer Provinz immerhin eine Seltenheit gewesen sind. Es sind nahezu 20 Jahre her, daß die Gießener Gewerbetreibenden in großer Zahl an der Gewerbeausstellung in Alsfeld teilgenommen haben, die unter der Leitung der Großherzoglichen Zentralstelle am 25. August 1895 dort eröffnet worden war. Die damalige Veranstaltung sollte den „Stand der Gewerbetätigkeit in Oberhessen" dartun und blieb also ganz aus die Provinz beschränkt, während heute mit gutem Grunde auch Aussteller aus den Nachbargebictcn hcrangezogen worden sind. Die Vergleichsmöglichkeit ist dadurch erhöht, und schließlich sind die da kommen und wir doch alleBrüder eines Stammes. JmJahre 1895 stand die Stadt Gießen neidlos hinter dem kleineren Alsfeld zurück, denn es war die Absicht verkündet worden, alle fünf Jahre sollten solche Ausstellungen stattsinden, und die Stadt Gießen hatte sich damit getröstet, daß sie in absehbarer Zeit eine ganz Hessen umfassende Gewcrbcausstellung zu veranstalten haben
einrich I o b st vervollständigt diese 2lbteilung der Ausstellung.
m rechten Teil des Erdgeschosses des Hauptansstellnngsgcbäudes hat Pros. Sllbin Müller eine Mustcr-Äadcanlage im großen Stil ausführcn lassen, mit Brunnenraum und Luftbad, Marmorbad und Ruhcraum.
Nicht ohne Interesse wird dem Ausstcllungsbesucher auch eine Besichtigung der Mietshäusergruppe von Pro:. Albin Müller sein, die aus acht mit feiner künstlerischen Empfindung und zugleich mit praktischem Sinn ausgcbauten Häusern besteht: von denen ist eins in Privatbesitz des Grobherzogs, der darin zur Erweiterung Iber Ateliers der Künstlerkolonie 6—8 Künstlcrateliers errichten ließ.
Mim Betrtten der M athildcnhöhe wird der Besucher schon von weitem überrascht durch das monumentale Hauptportal, das von 6 auf hohen Säulen thronenden stplisierten Löwen gebildet wird, deren ganze Zeichnung und Ausführung inan von allen Seiten lebhaft erörtert. Gleich dahinter, im Anschluß an die prächtige russische Kapelle mit ihren weithin leuchtenden goldenen Kuppeln ist von Prof. Sllbin Müller eine mit großem Geschmack ausgeführte Baumanlage geschasscn worden und in den, daneben liegenden alten Platanenhain ist der große Restaurationsgartcn mit verschiedenen baulichen Anlagen, Ausstellungswirtschasten, Musikzelt und einer Anzahl kleiner Pavillons ausgestatict worden: auch ein Modepavillon mit Kostümentwürfen von Hans Pellar und ein zerlegbares Fcrienhaus, nach dem Eutwurs Pros. Albin Müllers sind vorhanden und noch viele andere Dinge mehr, aus die wir ebenso, wie aus die künstlerische Umrahmung des Platanenhains mit höchst ottginellen Skulpturen wir später noch näher zurückkommen werden.
Nach einer für geladene Gäste und die Vertreter der Presse veranstalteten Vorbesichtigung der Ausstellung sand Freitag abend in dem prachtvollen Ausstellungsrestaurant eine von der Aus- stellnngslcitung veranstaltete gesellige Vereinigung der Mitglieder der .Künstlerkolonie, des Arbeitsausschusses und der ans allen Teilen des Reiches hcrbeigckommencn Prcssevertteler statt.
— Die Oberammergauer unter Zensur. London,
13. Mai. Ter Lordkammerlherr Lord Sandhurst hat von sewcm Recht des Spielverbots gegen das Oberammergauer Passionsspiel Gebrauch gemacht. Die Oberanrinergauer Truppe wollte dicien Sommer in einem großen englischen Seebadeort das Pasiionsspiel in einem Freilusttheater zur Aufführung bringen, infolge des Einspruchs des Lordkammerherrn muß jedoch von dieser Absicht Abstand genommen werden. s
— Der Arzt in China. Bis jetzt kommt in China ungefähr auf eine Mülion Einwohner ein modern gebildetcr Arzt, doch wird sich dieses Mißverhältnis im nächsten Mcnschen- alter sicherlich Vesser», da zurzeit schon 1.6 Moder« medizinische
werde. Diese Aussichten sielen allmählich der Vergessenheit anheim. Oberhessen hat seitdem keine gewerbliche Ausstellung mehr gehabt.
Blicken wir noch weiter zurück, so sehen wir in schwachen Umrissen eine Gewerbeausstelkung, die vor mehr als einem halben Jahrhundert in Gießen ins Leben gerufen worden war. Es war noch die Zeit der Zünfte, als mit dem „Landwirtschaftlichen F e st und V o l k s s e st", das am 26. und 27. Juli 1858 hier stattsand. auch an sämtliche Gewerbetreibende Gießens die Aufforderung erging, „alles auszubieten, um dem besuchenden Publikum zeigen zu können, auf welcher Stufe die Industrie bei uns angelangt ift". Daß aber der gewerbliche Teil der Ausstellung damals hinter dem landwirtschaftlichen zurückstand, geht schon daraus hervor, daß das Eintrittsgeld sür die landwirtschaftliche Ausstellung 12 kr. betrug, für die Gewcrbeschau dagegen nur 6 kr. Immerhin gewann das Jahr 1858 sür die Gewerbetreibenden eine Bedeutung insofern, als einige Monate später die Gießener Gewerbebank gegründet wurde, die den Mitgliedern Geld zu billigen Zinsen beschassen sollte.
Im Vergleich zu der Veranstaltung vor 56 Jahren ist man heute bei der Ausstellung doch mit mehr Ernst und Sachlichkeit zu Werk gegangen. Damals stand das „Volksfest" im Vordergrund, auf das gleichzeifigc „Vogelschießen" wurde großer Wert gelegt, und ein nachdrücklicher Ausruf erging an „Gießens Fvauen und Jungfrauen", am Festzug und am Festball im Buschschen Garten sich zahlreich zu beteiligen. Leider haben wir über die Beschickung der alte» Ausstellung in den vergilbten Blättern jener Zeit keinerlei Aufzeichnung gesunden. Wieviel hat sich auf gewerblichem Gebiete seitdem verändert! Im Januar des Jahres 1865 wurden auch in der Provinz Oberhessen die Zünfte ausgehoben, die dort zum Teil noch bestanden. So gehöttcii z. B. die Orte der ehemaligen Acmter Gießen und Königsberg zu der Zunst in Gießen, während die Gemeinden deck Busecker Tals und des ehemaligen Amtes Hllttenbcrg zunst- frei waren. Ein Gewerbesteuergesetz und die Zollvereins- Verträge, die die Freiheit des Handels schufen, hatten dem Erlaß der hessischen Regierung vom Jahre 1865 vorgc- arbvitet.
Wir wollen die alten Zustände hente wahrlich nicht mehr zurückivünschen. Der Zwang der Zünfte ist einer vernünftigen Freiheit gewichen, und im freien Wettbewerb kommt der Tüchtige voran. Die Schaffung der Gewerbeordnung bedeutete einen großen wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt; das Handwerk, das eine zweckmäßige Organisation und ein solides Fachbildungswcsen sich gestaltet hat, wird im hcuttgen Zeitalter der Maschine, das es sich ebenfalls nutzbar gemacht hat, den Konkurrenzkampf mit Fabrik und Großbcti^eb wohl überstehen. Das ist eine Hauptlchrc der heutigen Gießener Gewcrbcausstellung. daß wir mehr
Hochschulen in China errichtet sind. Vorerst freilich macht sich der Umschwung, der sich auch in dieser Hinsicht vorbereitet, »och wenig ernsthaft geltend. Dr. Vortisch »an Bloten schreibt irr seinem neu erschienenen Buche „Chinesische Patienten und ihre Aerztc" aus eigener Anschauung: „Seit etlichen Jahren trifft man in größeren Städten auch si nok fang -- westliche Arznei- znnnier, das heißt Avothcken mit westlicher -europäischer) Arznei, an und ihr Geschäft blüht von Jahr zu Jahr mehr. Uebcrhanvt besonders seit der Errichtung der Republik werden ininiler mehr sremdländische Waren cingcsührt, und immer mehr Leute treten ans, die sich „westlicher Wissenschaft" rühmen. Skier gar .ost sind es nur minderwertige Elemente, die sich den Zug nach modernen Dingen zunutze machen, und gewisse Herren, die >sich „westliche Aerztc" nennen, !Ulrcn oft nur wenige Monate in einem europäischen Spital in Hongkong oder Shanghai als .Student" oder gar nur als „Diener"; einen Titel gebe» sie sich selbst und setzen ihn ungestraft aut ihre Visitenkarten, die ebenfalls europäischen Mustern nachgeahmt sind. Solche Herren gleichen jenem Mandarin, der mich kürzlich besuchte, so schreibt Dr. van Vloten. Nachdem er mir auf Englisch erzählt hatte, daß er mehrere Jahre in Amerika studiert und man ihn seiner juttsttschen und volkswirtschaitlickcn Examina wegen zum Mandarin gewählt habe, fragte er mich spöttisch: „Nicht wahr, Sic haben doch nur den Titel Dr. mcd. ?" > „Gewiß," erwiderte ich, „er genügt vorderhand." „Nun ja," fuhr er.lächelnd sott, „Sie sind nur Tr. Nied., ich aber bin Tr. mehrerer Arten Dir. of several kinds)." Ob er, als ich ihn erklärte, daß mir ein Tvktortitcl von Tübingen mehr wert sei als alle Doktoren - Tiplonre einer obskuren Universität in Amettka, meinen Spott Merkte, weiß ich nicht: ich hoffe nur, er ist trotz seines Tr. of scvcrat kinds ein tüchtiger Beamter." — Wie eingangs erwähnt, dürfen wir annchmen, daß sich der Arzt im kommenden Mcn- schenaltcr eine angesehenere Stellung in China erringt. - t
— Muskain ußvcrgiftung. Daß eine Muskatnuß- Vergiftung möglich ist, beweist ein Aufsatz von Dr. iBcck, Stuttgart, in der Münchener medizinischen Wochenschrift. Zwei Mädchen hatten als Abortivmittel ein Gettänk z» sich genommen, das vor allem Muskatnuß enthielt. Tie folgten dabei, ivie sie sagten, einer im Volke verbreilttcn Ansicht >iber die Wirkung der Muskatnuß. Tiefer gewünschte Erfolg blieb nun zwar aus, doch bewies dieser Fall, daß eine Muskatnußoergiitung möglich ist. Die Mädchen erkrankten an schweren Vergistungserscheinungen, die erst nach einigen Tagen wieder zurückgingen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Unter der Leitung des schivedischen Meercsiorschers Pros. Walle ngren werden diesen Sommer eingehende Untersuchungen des Ocrcsunps und zum T«l auch des Kattegat stattfinden,


