Einzelbild herunterladen

Württembergischer General \l Graevenitz bittet f4t Stuttgart eine volle Kommandantenstelle zu bewilligen.

Abg. Dr. Spahn (Zentr.):

Diese Kommandantcnstellen hat der Reichstag im vorigen Jahre gestrichen. Die Regierung hat sie wieder eingestellt. Unser Antrag stellt also nur den Zustand de- vorigen Jahres sicher. Wir müssen doch an unseren Beschlüsien festhalten.

Der Antrag Dr. Spahn (Zentr.) wird gegen die Stimmen der Konservativen und eines Teiles der Nationalliberalen ange­nommen.

Artillerie- und Waffenwesen.

Zunächst wird die Rüstungsfrage besprochen.

Abg. Dr. Liebknecht (Soz.):

Zahlreiche ehemalige hohe Offiziere sind jetzt bei der RüftungSilrduftrie beschäftigt. In das Gebiet der inter­nationalen Krieg stru st s gehört auch die enge Verbin­dung zwischen Krupp-Essen und den österreichischen Skoda-Werken. Auf diesem Umweg ist Krupp auch mit der französischen "Firma Schneider, sowie mit den englischen und russischen Rüstungs­firmen in Beziehungen gekommen. DieKölnische Zeitung" meldet, daß Krupp mit Putilow in Verbindung stehe, sei kein Geheimnis.

Im Aufsichtsrat der Firma Ehrhardt sitzt neben unserem allv^ehrten Vizepräsident Paasche auch der jetzige preußische Minister des Innern v. Loebell. Ehrhardt hat also gute Verbin­dungen, er brauchte sie aber auch, um die jetzt durchgeführte Aussöhnung mit der Firma Krupp zu erreichen. Also Ehrhardt hat sich »löblich unterworfen". Der Loewekonzern hat Verbindung mit dem Ausland derart, daß die Hälfte seiner Unter­nehmungen außerhalb Deutschlands sich befinden. Er ist auch an der russischenSarabellum"-Gesellschaft beteiligt, die Kriegs­material für Rußland herstellt. Der internationale Rüstungs­ring ist also geschlossen und sozusagen der Völkermord in Entreprise gegeben. Die Bankgruppc, die hinter dem Loewe- lonzern steht, ist die neue 500-Millionenbank, die Disconto-Ge- sellschaft. Daher die große Zuversichtlichkeit des Loewekonzerns. Es wäre interessant, festzustellen, welche personelle Verbindungen dieses Großkapital zu unseren Staatsmännern. Beamten und Parlamentariern hat. Ich will nicht verdächtigen, aber es besteht die Gefahr des Hinüberwachsens von Staatsbeamten in die Privatindustrie und damit die Gefahr der Korruption schon während der Verwaltung des Staatsamtes. Selbst in unsere Luftschiffs- und Motoren-Jndustrie greift aus­ländisches Kapital ein.

Ueber die internationale Munitions-Konven­tion. die in dem Börsenhandbuch Saling nebenbei erwähnt wird, werden vielleicht einzelne Herren des Hauses besser Bescheid wissen als ich. Deutschland versorgt die ganze Welt mit Kriegs­munition. Die deutschen Flugzeuge liefern viel ins Ausland. Freilich sind ausländische Unternehmungen nicht besser. Ist es richtig, daß auf dem Umwege über Italien von Krupp das neue französische Geschütz angekauft worden ist? Es besteht ein gut funktionierendes internationales Clearingshstem. Der Krupp- Prozeß hat viel Interessantes gebracht. Das Brandtbureau ist nach den Feststellungen des Gerichts eine echte Bestechungsfabrik gewesen. Die Firma Krupp war so eingehend unterrichtet, wie sie es nur irgend wünschen tonnte. Auch bei der Marine hat Brandt eine emsige Tätigkeit entfaltet. Alle Schuldigen hat man nicht erwischt. Man sagt, die Beamten haben ja nicht viel erhalten. Ja. haben die Gendarmen in Karlshorst, die Beamten «in Köln, mehr bekommen? In Deutschland ist das Be­stechen noch billig. (Heiterkeit.) Aber hier handelt es sich um Kernfäule, um Beamte, die unmittelbar an der Zentrale gesesien haben. Auch in der Zentralleitung von Krupp hat das fressende Uebel gesesien. Schon 1909 war das Brandtsche Bureau verdächtig, darum durfte Herr Landrat a. D. Röttger nicht vereidigt werden. -

Der Wille zur Korruption war bei Krupp vor­handen. Brandt, das Krupp-Subjckt. suchte seine Leute in ver­antwortungsvolle militärische Stellen zu bringen. Und Krupp setzte ihm nicht den Stuhl vor die Tür obwohl er davon wußte. Das spricht Bände. Interessant sind die engen Be­ziehungen Krupps zum Wolffschen Bureau. (Hört! Hört!) Krupp hat auch fernen eigenen Berichterstatter im Reic^tag, der ebenfalls mit dem W. T. B. eng verbunden ist. Auch am Berliner Lokal-Anzeiger hat Krupp seine Finger. Für Krupp beißt es nicht: right or wrorg, my country; sondern: right or wrorg, my inoncy. Die Kruppsche Be­stechungsmoral ist bewiesen. (Der Präsident rügt den Ausdruck.) Die beiden Brüder Wittkowsky befaßten sich auch mit dem Prozeß. Der eine Bruder heißt Witting. der andere Maximilian Harden. Der erste sagte: Der Prozeß dürfte über­haupt nicht geführt werden. Und Harden sagte in Köln: Man muh lügen, viel mehr lügen, im Interesse des Vater­landes! das ist das elfte Gebot des Herrn Harden. Die Be­deutung der Krupp-Affäre liegt auch vor allem in der Verunrei­nigung der öffentlichen Meinung.

In der Affäre des bekanntenF i g a r o" - B r i e f es der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken ist die Rüstungskom­mission hereingefallen auf die foule Ausrede der Firma. Wir sind nicht so leichtgläubig. In den Akten der Staatsanwaltschaft beim Landgericht II Berlin befindet sich ein geradezu nieder­schmetterndes Material über dos Geschäftsgebaren der Firma Görz, die in erster Linie Fernrohre für das Militär liefert. Es ist einwandfrei festgestellt, daß in der Militärabteilung dieser Firma shstemat'sch geschmiert und bestochen wor­den ist. Geschenke an die Mitglieder der Abnahmerommission sind dort allgemein üblich. (Hört! bört! b. d. Soz.) Die Firma S i e m e n s - S ch u ck e r t ist für die internationale Rüstungs­industrie von größter Bedeutung und ihr ist eine skandalöse Be­stechungspraxis gegenüber der japanischen Marineverwaltung nach­gewiesen worden. (Präsident Dr. Ka e m p f ersucht den Redner, nicht zu ausführlich auf innere Angelegenheiten Japans einzu- gehen.) Diese Äeftechungsmanöver sind durch die Lässigkeit der deutschen Behörden gefördert worden. (Präsident Dr. Kaempf ruft den Redner wegen die.es Angriffes auf das Auswärtige Amt zur Ordnung.) Die Staatsanwaltschaft hat das sehr be­lastende Material in ihrem Gehcimschrank vergraben.

Präsident Dr. Kacmps:

Dieser Vorwurf gegen die Staatsanwaltschaft ist unerhört. Ich rufe Sic deswegen zur Ordnung. (Beifall rechts.) j

Abg. Dr. Liebknecht (Soz.):

Der verstorbene General v. Lindenäu hat einen einträglichen Handel . . . (Präsident Dr. Kaempf: Es wider­spricht dem Gebrauch des Hauses, hier Vorwürfe gegen Tote zu richten! Beifall.) Dieser General hat einen einträglichen Handel mit der Gunst Sr. Majestät getrieben, indem er T i t e I u n b Orden gegen klingende Münze verkauft hat. (Lärm rechts und Rufe: «Unerhörte Flegelei!"Runter von der Tribüne! Schluß!" Präsiden: Dr. Kaempf betont nochmals mit erhobener Stimme, daß es dem Gebrauch des Hauses wider­spreche, solche Angriffe gegen Tote zu richten, die sich nicht der- Leidigen können.) Unsere auswärtige Politik wird in der Haupt­sache in den Kontoren der Waffenfabriken getrieben, und es werden dort weniger diplomatische als andere Noten gewechselt. Die Kor­ruption stinkt nach wie vor gen Himmel, das Land riecht nach Blut seit 44 Jahren, nu^ Ihr- Nasen sind unempfindlicher geworden (Beifall bei den Sozroldemokrajen.?

Präsident Dr. Kaempf:

Sie haben auf das Lachen der Rechten und deS Zentrums diesen Parteien zugerufen:Durch Ihr Lachen bestätigen Sie diese Demagogie!" Wegen dieser Beleidigung von Mitgliedern des Hauses rufe ich Sie zur Ordnung.

Kriegsminister v. Falkenhayn:

Ich habe den Mut, die Firma Krupp zu ver­teidigen und zwar in dem Lande, das nach den Ausführungen des Vorredners seit 44 Jahren nach Blut riechen soll, hervorge­rufen durch die Rüstuiigstreiber, die der Abg. Liebknecht ja eben an den Pranger gestellt hat. De. Liebknecht hat die Vorwürfe, die er im vorigen Jahre erhoben hat, wieder erhoben. Nach meiner Ansicht war er dazu weder berechtigt, noch war es zweckmäßig, bas zu tun. Durch die Prozesse, die ganz offen geführt worden sind, ist längst offenbar geworden, um was es sich handelte. Ich spreche jetzt von der Kruppangelegenheit. Von den anderen wird einer der Departementsdirektoren sprechen. Es ist längst klar ge­worden, worum es sich handelte. Auf der einen Seite um die An­wendung unlauterer Mittel und kaufmännische Manöver und auf der anderen Seite um schwere Verstöße gegen die Beamtendisziplin. Auch nicht der gering st e Schimmer von Landes­verrat hat sich während der Prozesie aufrecht erhalten lassen. (Tr. Liebknecht: Habe ich nie behauptet!) Ich glaube, daß durch den Hinweis auf diesen Landesverrat, die Andeutung, daß ein solcher Verrat vorliegt, es Ihnen gelungen ist, hauptsächlich die Aufmerksamkeit dieses Hauses im vorigen Jahre zu erregen. (Dr. Liebknecht: Es ist nicht wahr!)

Jedenfalls ist nicht ein Schimmer von Landesverrat bewiesen worden, trotzdem man bis in die tiefsten Tiefen hincingegangen ist. (Zuruf der Soz.: Na, na!) Ich habe mich in die Sache wirklich hineingemengt und kann versichern, daß ich fest überzeugt bin, daß die Angehörigen der Heeresverwaltung vom Kriegs- ministcrium hanoelt cs sich übrigens nur um einen Beamten mit der Kernfäule kann es also wohl nicht so weit her sein in ihrer Mehrzahl sich tatsächlich nicht bewußt gewesen sind, welche schweren Verstöße sie sich zuschulden kommen ließen in diesem Verkehr mit der Firma Krupp. Alle Beteiligten sind zur Verantwortung gezogen worden (Dr. Lieb­knecht: Nein!) und sie werden ihr Leben lang an dem zu tragen haben, was sie sich da eingerührt hatten. Daher kann ich behaupten, daß seitens der Heeresverwaltung alles ge­schehen ist, was überhaupt möglich war, um der Wieder­holung solcher bedauerlichen Einzelfälle für die Zukunft vorzubeugen.

Warum man das jetzt hier wieder vorgebracht hat, nachdem die Heeresverwaltung den Willen gezeigt hat, einzuschreiten, wo sich nur irgend etwas zum Einschreiten findet, das verstehe ich nicht. (Sehr richtig! rechts.) Ich habe das schon im vorigen Jahre nicht verstanden, denn Vorteile sind daraus nicht erwachsen und konnten nicht erwachsen (Sehr richtig!), nachdem mein Amtsvorgänger persönlich dem Abg. Dr. Liebknecht ver­sichert hatte, daß alles geschehen würde und nachdem der Ab­geordnete selber, wie er versicherte, zu der Ueberzeugung ge­kommen war, daß in der Tat alles geschah, was nach menschlichem Ermessen möglich war. Nachteile sind aber in Masse erwachsen. Ich spreche nicht von den Nachteilen für das Heer und die Verwaltung die müssen wir ja tragen sondern von den sehr großen Nachteilen, die erwachsen sind für die deutsche Industrie und den Handel im Auslande. (Lebh. Zurufe rechts: Und für die Arbeiter! Sehr richtig! rechts.)

In Deutschland selbst ist der Ruf der Firma Krupp viel zu gut begründet und viel zu gut bekannt, als daß irgend welche derartigen Vergehen und Versehen ihn schädigen könnten; draußen aber kennt man die Verhältnisse nicht so; da sind genug Konkur­renten, denen es ein Vergnügen macht, in die Kerbe zu hauen und aus diesen Dintzcn Vorteil zu ziehen. (Sehr richtig I) Es bleibt mir nur übrig, der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß das Haus, um das es sich handelt, und das schon manchen Schlag überwunden hat, durch seine Solidität und Tüchtigkeit auch diesen Schlag über­stehen wird. Das wünsche ich, nicht nur im Interesse der Firma allein und dessen, was sie bedeutet für den Ruf deutscher Tüchtigkeit im Auslande, sondern dos wünsche ich auch im Interesse der 80 000 Menschen, deren sie Brot verschafft. (Ironisches Lachen der Sozialdemokraten.)

Auf die Angriffe des Abg. Liebknecht gegen das Auswärtige Amt will ich nicht eingehen, aber ich darf wohl darauf Hinweisen, daß ich es geschmackvoller gefunden hätte, wenn der Redner das beim Etat des Auswärtigen Amtes hervorgebracht Hütte. (Bei­fall.) Er hat dann iwch Angelegenheiten eines Toten gestreift, die mir in dieser Form nicht bekannt sind. Der Präsident hat die Sache schon gerügt. Mir bleibt nur noch übrig, meinem tiefen Bedauern darüber Ausdruck zu geben, daß ich das habe mit an­hören müssen. (Lebhafter Beifall.)

Generalmajor Wild von Hohenborn./

Durch Mitteilung der Firma Eberhardt sind wir, soweit es für unsere Zwecke notwendig ist, genügend über ihre Angelegen­heit orientiert. Wir haben alles nötige gewußt. Was der Abg. Liebknecht sagt, ist gleichgültig. (Großer Tumult und Lärm bei den Soz.. Beifall rechts.) Ich spreche hier als Stellvertre­ter des Kricgsministers (Zuruf bei den Soz.: Und er als Reichstagsabgeordneter). Der Abg. Liebknecht hat über eine internationale Vereinigung gesprochen und daran an­schließend über einen internationalen Kriegstrust.

Dann war von Löwe die Rede. Ich gehe auf diese wundervoll vorgetragenen Dinge, diesem wahren Rattenkönig von Firmen, nicht ein und weiß auch nicht, lvas Herr Liebknecht als Kriegs- trust des Löwekonzerns bezcichnete. Vielleicht war alles recht interessant, vielleicht aber auch nur wertvolles Material für die Rüstungskommission (Heiterkeit und Beifall rechts. Unruhe bei den Soz.). Vielleicht führt der Abg. Liebknecht der Rüstungskom­mission auch seine dokumentarischen Beweise vor. von denen er wiederholt so geheimnisvoll gesprochen hat (Unruhe bei den Soz.). Er hat auch mit Bedauern gesagt, daß die deutschen Verhältnisse es leider verbieten, zu erfahren, in wessen Händen die Aktien der Rüstungsgesellschaften sind. Er weiß es nicht. Wir wissen es auch nicht. (Große Heiterkeit rechts, Unruhe bei den Soz.) Der Abg. Liebknecht hat ziemlich zusammenhanglos eine Anzahl Offiziere, die bei den Rüstungsfirrnen beschäftigt sind, auf­gezählt. Es war eine ganz leidliche Zusammenstellung; das meiste davon war uns auch bekannt (Heiterkeit rechts).

Der Abg. Liebknecht hat von der Schiffbauindustrie gesprochen und dabei auch von den Pontons. Er scheint nicht zu wissen, von welcher internationalen Bedeutung diese Kähne sind. (Große andauernde Heiterkeit rechts, wiederholte Unruhe bei den Soz.) Durch das Verhalten des Abg. Liebknecht ist nach meiner Auf­fassung das deutsche Nationalgefühl geschädigt worden. Und wie viele Arbeiter dadurch brotlos geworden sind davon hat er kein Wort gesprochen. (Lebhafter anhaltender Beifall rechts und in der Mitte.) Trotz dieser flüchtigen Bemerkung über den ersten Teil der Rede des Abg. Liebknecht habe ich den Eindruck, als ob ich schon zu breit geworden wäre. (Große Unruhe bei den Soz., Zuruf: Warum reden Sie denn?) Ich habe die Erklärung abzu­geben, daß wenigstens wir in Deutschland die Einführung irgend­einer neuen Waffe cder Munition nicht auf die Privattreibereien irgendeiner Rüstungsfirma des In- oder Auslandes ausführen. Das einzig Maßgebende ist die Rücksicht auf die Schlag- fertiykeit der Armee. (Beifall rechts).

Ich halte es beinahe für nötig hinzuzufügen, baß unsere staaklichen technischen Institute dem internationalen Trust nicht angehören. Unsenlr kömglichen Jntzftuta gehöre ganz bestimmt

nw« oazu, das weiß icy genau. (Große' Unruhe beTtoen <5otZ

Heiterkeit rechts.) Die Ausführungen deS Abg. Liebknecht über, Krupp sind jedem Zeitungsleser bekannt, ich habeI wenigstens nichts Neues gehört. (Sehr richtig!) Das Hcms wird damit einverftanLen fein, daß ich nicht nochmals alle Details des Falles Krupp erörtere. Die begangenen Fehler sind gesühnt unö' ihr weiteres Breittreten dürfte nicht im Interesse des Staates mti>| der Armee liegen. Zustimmung.) Rur eins noch, ich möchte für meinen alten Kameraden Langermann eintrcten. Er ist absolut intakt. Er steht m einem AngcstelltenverhältniS ou Krupp und wird dort als Schriftsteller bezahlt. Das ist für einen intaktiven Offizier durchaus erlaubt. (Unruhe und Lärm' ber den Soz.) Er ist absolut einwandfrei und schreibt frei bon Tendenzen, nicht im Interesse der Firma. (Lachen bei den Soz.)i Ein ehrengerichtliches Verfahren hat festgestellt, daß dieser Offi­zier absolut intakt ist. Der Abg. Liebknecht hat gegen einen Rech­nungsrat, einen bewährten Beamten des KricgSministLriumS. ohne Beweise, schwere Beschuldigungen erhoben. Das Urteil darüber überlasse ich dem Hause: Das Reich ist auch in diesem Falle absolut nicht geschädigt worden.

Im ganzen sagte ich mir bei diesem Teil der Rede: Schade" um die viele Mühe und die schöne Zeit, auch um die schöne Zeit der Zuhörer. (Sehr gut!) Aus der ganzen Kruppaffäre rst zwar vielen Menschen ein Schaden erwachsen, ein materieller Schaden für das Reich ist aber nicht entstanden. Es handelte sich nur um eine strafbare Verfehlung einzelner Menschen. Rückschlüsse ausi die Integrität des Offizicrkorps und Beamtentums sind -daraus' nicht zu ziehen. (Beifall b. d. bürgerl. Part.) In diesen Rück- schlüssen, die hier und da gezogen worden sind, lagen für uns die ideeqen und nicht die geringsten Folgen der Sache. Unsere Integrität war unser Stolz, wir waren darum be­neidet in der Welt. Wir haben einzelne straucheln und unter­liegen sehen, aber cs waren einzelne, ein paar Personen, die der Versuchung nicht standhieltcn. Das Ganze ist intcckt, und es war! doch kein Panama. (Lebh. Beisall b. d. bürgerl. Part., Unruhe b. d. Soz.). Wir wollen und haben keinen korrumpierten Be­amtenstand. Er ist dem deutschen Wesen fremd uud soll es bleiben. (Lebh. Beifall b. d. Soz. Erneuter Beifall b. d. bürgerl. Part.) Zum Schluß kann ich nur die Frage an das .Haus richten, ob außer den Herren von der sozialdemokratischen Partei hier ein Mensch ist, der glaubt, daß die heutige Rede des Abg. Liebknecht dem Vaterlande genutzt hat. (Stürmischer Bei­fall b. d. bürgerl. Partei., Unruhe b. d. Soz.

Abg. Erzbergcr (Zentr.):

Nach der Fanfare die Chamadc! Das war t-aS Motto der Rede des Abg. Liebknecht. (Sehr gut! bei den bürger­lichen Parteien.) Wer im vorigen Jahre seine Fanfare angehört hat und in diesem Jahre seine Ehamade, der weiß, was er von seinen Ausführungen zu halten hat. Zunächst gab uns Abg^' Liebknecht Auszüge aus Salingers Börsenkalen- d e r. (Heiterkeit.) Als ihm dann in Deutschland die Puste aus­gegangen war, ging er nach Japan, Ehile und Argentinien, und als er auch da nichts mehr fand, hat er das in diesem Hause einzig Dastehende und hoffentlich einzig Bleibende erreicht, daß er einen Toten in die Debatte zog. (Lebh. Zuft.) Ich appelliere an jeden Einzelnen, ob er ivünschen kann, daß Angriffe' gegen ihn erhoben werden, lvcnn er im Grabe zum ewigen Schwei­gen verurteilt ist und nicht mehr widerlegen kann (Sehr' gut!) und hier handelte es sich um Angriffe, die mit der Rüstungs-! industric in gar keinem Zusammenhang stehen. (Zurufe bei den! Soz.) Sie (zu den Soz.) haben sich mit Recht gewehrt, als An-^ griffe gegen Zhren verstorbenen Führer Bebel erhoben ivurden.- Jhre Presse hat freilich ähnliche Angriffe gegen den verstorbenen^ Kardinal Kopp erhoben. Ich hoffe, daß innerhalb des Paria-, ments solche Angriffe gegen einen Toten sich nicht wiederholen, werden. (Lebhafte Zustimmung bei den bürgerlichen Parteien.) J

Dr. Liebknecht hat heute einen Rückzug auf der ganzen Linie angetreten. Und zwar mit rauchlosem Pulver. (Heiterkeit.) <5§ war ein glatter Rückzug. Liebknecht sagte, die Unter--. suchung habe alles bestätigt, was er gesagt habe. (Zurufe: Un­erhört!) Wo ist festgestellt worden, daß höhere preußische Beamte militärische Geheimnisse verraten haben? Das hatte Liebknecht behauptet. Er sprach von einem Panama, schlimmer als Panama. Und um was handelte es sich? Um 1225 Mark Bestechungsgelder/ Wenn das in Deutschland schon als Panama gilt, dann ist das ein glänzendes Zeugnis für 'unsere Beamten und unsere Industrie. (Beifall.) Bedauerlich war nur die Entgleisung einiger Beamten und die auffallende Dummheit Krupps. Die maßlosen Ueber treibungen Liebknechts müssen entschieden zurückgewiesen lverden. (Lebh. Beifall.) Den Sozialdemokraten ist es aber nicht um die Sache zu tun.

Das beweisen die niederträchtigen und gemeinen Angriffes desVorwärts" gegen die Rüstungskommission. Er hat die Kommissionsmitglieder gewissermaßen als Hehler und Verteidiger der kapitalistischen Korruption hingestellt. Das ist die gröößte Unverschämtheit (Lebhafter Beifall.) Und wenn ein Mitglied

dieses Hauses da sbehaupten sollte, dann würde ich ihm daS drei­mal ins Gesicht schleudern. (Beifall.)

Vizepräsident Dover

Wenn Sie ein Mitglied dieses Hauses meinen, dann müßte' ich Sie zur Ordnung rufen.

Abg. Erzbcrger (Zentr.):

Ich sprach nur konditionell. Dic vorjährige Rede Dr. Liebe knechts hat der deutschen Volkswirtschaft schtvcren Schaden zu- gefügt, wie ihn Dr. Liebknecht nie verantworten kann. fBeisall.). Den ganzen Vorteil hat die französische Rüstungsindustrie, deni ganzen Schaden haben die deutschen Arbeiter. (Lebhafter Beifall, Große Unruhe bei den Soz. und Zuruse :Temagogic!)'

Vizepräsident Dove:

Dieser Vorwurf der Demagogie ist unzulässig.

Abg. Erzberger (Zentr.):

Das bringt mich nicht i» Wallung. (Vizepräsident Dave: Da» ist mir gleichgültig. Heiterkeit.) Die Legende mit dem siigaro- brief muß ich endlich zerstören. Herr von Brandenstein hat vor einem Notar dic eidesstattliche Versicherung abgegeben, daß ein' solcher Brief zwar geschrieben worden ist und auch abgcgangen ist,! daß aber nicht der leiseste Versuch gemacht wurde, den Brief in eine französische oder andere Zeitung zu lancieren, ES sicht auch fest, daß die Waffen- und Munitionsfabriken den Brief nicht zur) Gewinnung von Aufträgen geschrieben haben. Dr. Liebknecht hat also nicht das Recht, von einer faulen Ausrede zu sprechen. Unser«: deutsche Industrie steht nicht auf dem tiefen moralischen Niveau i wie Dr, Liebknecht behauptet. Gewiß sind bei Gocrz für Fern- rohre hohe Preise bezahlt worden, aber eS handelte sich nur um sechs Stück zur Probe, für die aber natürlich alle Einrichtungen getroffen werden mußten, kGroße Heiterkeit.) Die nächste Wirkung der Liebknechtschen Rede wird wieder eine Schädigung unserer Volkswirtschaft sein. Wir bedauern das außerordentlich., Denn wir sind stolz auf unsere Beamten und auf unsere Industrie, s Das Ergebnis unserer Arbeit in der Rüstungskommrssion wird sein, daß man in der ganzen Welt vor der Leistungsfähigkeit irnd Ehrlichkeit der deutschen Industrie den Hut abziehen wird. (Lebh.: Beifall.)

Nach weiteren Beratungen wird-die Debatte auf morgen per­tagt.

Schluß nach 8 Uhr