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Nr. 110

Erscheint täglich mit Anlnahme der Eonntazs.

104. Jahrgang

Tie §«»Me»blitt«k" werden dem

»Anzeiger' viermal wöchentlich beigeleg«, dar Krtiiblatt fflr den Kt»i* Sietzen" zweimal

wöchentlich. DieL-ndwirtfch-stlichen Sett-

sugen" erscheinen monatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Dienstag, IS. Mal 1914

Rotationsdruck und Vertag der Briihl'Icheir UnwersilälS - Buch- und Sleindructerei,

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Grpedition und T nickerei: Echul-

ftrnße 7. Expedition imd Verlag: £=*£ bl. !Hebaftioiue*sil2. Tcl.-Adr.:A»zeigerGießen,

Mb. Deutscher Reichstag.

254 . Sitzung. A! ontag, 11. Mai. ilm Bundcsratstisch: o. Falkenhayn.

Pr^iiidcnt Tr. Kaempf eröffnet di: Sitzung 11 Uhr 45 Min. lind bält folgende Ansprache, die dar Haus gehend anhörl:

Ter erste Beamte des Rcuhc», der Reichskanzler, tit von einem schwere» Vcrluit betroffen und in tiefes Herzeleid versetzt worden. Wir alle nehmen herz. 1 1 ch e n und aufrichtige» Anteil an diesem schweren Schick,'alsjchlagc, der ihn bclroffen hat. Ich bitte um die Er­mächtigung, dem Rcubelanzler das Beileid des Reichstages zum Ausdruck bringen zn dürfen und namens des Reichstages am Sarge der Doyingejchicdeiren einen Kranz nicdcrzulegea. Sie haben sich zum Zeichen Ihrer Teilnahme von Ihre» Plätzen erhoben. Ich stelle dir; sest, sowie daß Sie mit meinem Bor. schlage einverstanden sind.

Der MMeigl.

(sechster Tag.)

Tie Beratung wird beim Kapitel Naturalverpfle. g u n g fortgesetzt.

Abg. Hebel (Zentr.):

Die Verwaltung soll bei der Verpflegung der Truppen die deutsche Produktion begünstigen. Das bezieht sich auch auf die heimischen Käsereien. Tie Fabrikanten bei uns in Algäu stellen eine gute gleichmäüsgc Ware her, die weit-mehr als bisher An­wendung in den Mannschaftsküchen und den Kaunas linden könnte.

Abg. Dr. Thoma (Ratl.):

Die Verpflegung mit Käse ist wegen des Nährwerts, der Bekömmlichkeit und Haltbarkeit dieses Produktes hoch einzu­schätzen. Vor allem könnte den Gegenden, die aus die Verwertung milchwirtschaftlicher Erzeugnisse angewiesen sind, damit dankens­wert geholfen werden. Sie befinden sich bei schlechten Absatzvcr- hältnisscn geradezu in etnet Notlage. Die bayrische Heeresver­waltung hat auf eine Eingabe der Süddeutschen Handwerks­kammer beschlossen, die Truppen auf die hier einschlägigen Ver­hältnisse aufmerksam zu machen. Möge der Kriegsminister dem Beispiel seines bayrischen Kollegen folgen.

Abg. Dr. Ncumann-Hoscr (Vp.):

Wenn die Vorredner meinen, .ohne Käse keine Siege", so will ich ihnen nicht widersprechen. (Heiterkeit) Für die Be­rn m t e n der Proviantämter mutz besser gesorgt werden.

Generalmajor v. Schocker:

Das Prinzip, aus erster Hand zu kaufen, herrscht bei uns und wird nach Möglichkeit ausgcbaut werden. Der Verpfle­gung mit Milchprodukten stehen wir wohlwollend gegen­über. Milch und Käse sind ein gutes Ernährungsmittel und in den letzten Jahren hat der Verbrauch darin erheblich zugenommen. Auf den Truppenübungsplätzen haben wir Milchhallen ein- gerichtet, die von den Truppen eifrig besucht werden. Der Be­schaffung von Käse aus dem Allgäu stehen wir wohlwollend gegen­über. Wir werden die Truppen, deren Sache die Verpflegung in erster Linie ist, entsprechend verständigen. Heber die Beamten der Proviantämter denken wir im nächsten Jahre eine Vorlage einzu- bringcn.

Abg. Dr. Werncr-Hersfeld (Deutschvölkker) tritt für die Besserstellung technischer Angestellter der Proviant- ämter ein.

Generalmajor v. Schocker:

Wir stehen der Anregung wohlwollend gegenüber. Die Mili­tärverwaltung kann aber mit derartigen Ausbesserungen nicht einseitig Vorgehen.

- Abg. Hcckmann (Natl.):

Die Löhne der Arbeiter der Proviantämter sind mini­mal, sie bedürfen dringend der Aufbesserung. Den Arbeiter- auS schü ssen und ihrer Organisation sollte die Verwaltung in ihrem eigenen Interesse keine Hindernisse bereiten.

Generalmajor Wild v. Hohenborn:

Die Löhne der Provianlamlsorbeitcr werden nach den orts­üblichen Löhnen gleichartiger.Betriebe feilgesetzt und sollen nach unserem Willen hinter ihnen nicht zurückstehen. Infolgedessen sind sie fortgesetzt und erheblich gestiegen. Den Ausbau der Arbeiterausschüssc auf lokaler Grundlage behal­ten wir selbstverständlich im Auge. Wir erkennen ihr Wirken als gut und segensreich an, solange sie sich im Nahmen der Satzungen halten, was eigentlich immer geschieht. Auch bei uns ist der Wille da, Gutes zu schassen und die Arbeiter znfriedcnzustellen. (Bei­fall.) Unsere technisches Jnstirutc sind aber keine Spielzeugfabri- ken, sondern von ihren Erzeugnissen hängt unter Umständen die Existenz des Vaterlandes ab. Ans Ordnung und Disziplin müssen wir deshalb halten.

Die Bekkcidttnqsamter.

Abg. Thöne (Soz):

Trotz ihrer Zusagen sorgt die Heeresverwaltung nicht dafür, dass die Lieferanten für die Bekleidungsämter, angemessene Löhne zahlen.

Abg. Daffner (Zentr.) führt Klage über den schweren Dienst in den Bekleidungsämtern. An Unternehmer, diedieNollagederHeimarbeiter aus- «nützen, sollte die Militärverwaltung keine Arbeiten vergeben. Darin stimme ich mit den Sozialdemokraten überein.

Abg. Albrccht (Soz.):

Die stellt sich der neue Kricgsministcr zu der Frage der Ab- schaffung der Ockonomichandwerker, wofür der Reichstag schon seit langem eintritt? Das beste System ist die Herstellung der Bekleidung in großen Bekleidungs- irntern mit Maschinenbetrieb und Zivilhandwerkern. Aas hat auch der frühere Kriegsministcr v. Hecringen in einer Denkschrift zugegeben. Freilich sind die Löhne in mehreren Be- kleidungSämtcrn sehr niedrig. Hier ist Erhöhung und Gleichstellung ^»er Löhne in allen Bekleidangsämtern erforderlich. In fast allen Bekleidungsämtern ist die Organisation der Arbeiter entgegen dem Gesetz verboten L>e zweierlei Uniformen sind un­nötig. Die feldgraue KriegSuniform kann allein genügen.

Generalmajor Wild v. Hohenborn:

Bei allen Verdinaungrn ist leitender Grundsatz, daß nur solche Gewerbetreibende berücksiMigt werden, die für die bedingungs-

mässige Ausführung der Arbeiten sowie für die Erfüllung ihrer Verpflichtungen den Arbeitern die erforderliche Sicherheit bieten. Infolgedessen schließen die Behörden mit tüchtigen und zuver­lässigen Unternehmern ab, die die den Arbeitern durch Gesetz ge­währleisteten Rechte achten. Es konimt also auf die sorqfäl» tige Auswahl der Unternehmer an. Eine ins Einzelite gehende Kontrolle der Höhe der gezahlten Löhne lässt sich aber nicht durchführen. Einen Zwang asszuüben, ist nicht möglich, schon weil sich die Gewerbe nicht gleichmätzig entwickelt haben. Den Militärarbeitern ist oie Beteiligung an O r g a n i s a t i o n e n, d i e auf nationalem Boden stehen, nicht verwehrt. DaS wird durch die Zahl und den Umfang der jetzt schon bestehenden nationalen Vereine und Verbände erwiesen.

9lbg. Chrysant (Zentr.):

Der früher verlangte Nachweis, in welchem Masse Liefe­rungen an Handwerker und Innungen vergeben sind, ist noch immer nich» geliefert worden.

Abg. Behrens (Dirtsch. Dgg.):

Es ist auch nicht gelungen, die Löhne der Beklcidungsämter entsprechend den Lohnvcrhältnissen im Gewerbe überhaupt zn gestalten. Tatsächlich werden immer noch Ar- beiten nach der Billigkeit der Lieserungspreise vergeben, ohne dass die Höhe oer gczahlrcn Löhne berücksichtigt wird.

Abg. Trimborn (Zentr.):

Die Maschinisten der Hcercsvcrina.'tung sollten in den Be­zügen den Wcrftmaschinisten gleichgestellt werden.

Abg. Albrccht (Soz.):

Die Heeresverwaltung sollte den Unternehmern mit gutem Beispiel vorangehen und die Rechte der Arbeiter achten. Das tut sie nicht, denn sie verkümmert ihnen das Organisationsrecht. Leider hat die Verwaltung wieder viele Fragen unbeantwortet gelassen.

Generalmajor v. Schocker:

Bei der Erweiterung der Bekleidungsämter wird keine Vermehrung der Oekonomie Handwerker statt­finden. Die Strafanstalten werden für Lieferungen nur wenig tu. Anspruch genommen. Die ortsüblichen Löhne werden von uns jährlich nachgeprüft, und danach stellen wir unsere Löhne fest. Die HeereS- und Merftmaschinisten können nicht ohne weiteres gleich behandelt werden, da sie eine verschiedenartige Vorbildung haben.

Abg. Rupp-Baden (Kons.):

Die Servisgelder reichen namentlich bei Uebungen und Manövern nicht aus. Die Lebensverhältnisse sind teurer geworden und die Menschen, sogar die Mannschaften, anspruchsvoller.

Abg. Liesching (Vp.):

Die Heeresverwaltung sollte alles tun, um der Zivilbevölkerung die Man überlasten zu erleichtern. Auch wäre zu ver­meiden, dass die Bevölkerung nicht unnötig gereizt wird. Der Redner schildert einen Manövervorfall in einem ..rein deutschen" Dorf des Reichslandes, wo ein Eigentümer von einquartiecten Soldaten schwer mißhandelt worden war. nachdem er sie wegen un­rechtmässiger Wegnahme von Holz zur Rede gestellt hatte.

Generalmajor von Schocker:

Wir erkennen an, dass die Manöver eine grosse Last für die Bevölkerung sind und werden gern alles tun, um die Schäden zu mildern. Eine Besserstellung des Servis werden wir im Auge behalten. In dem vom Abg. Liesching erwähnten Fall sind leider tatsächlich Ausschreitungen vorgekom- m e n. Aber die Vorgesetzten Behörden sind bereits mit allem Ernst dagegen eingeschritten. Es war aber sehr schwer, den Schuldigen zu ermitteln. Gegen die Vorgesetzten, die nicht sofort cingeschritten waren, hat daS Generalkommando Anklage erhoben.

Abg. Grzbcrger (Zentr.):

Ist dafür gesorgt, daß im Kriegsfälle die nötigen Schuhsera gegen Typhus, Ruhr und ähnliche ansteckende Krankheiten bereit gehalten werden? Es müßte möglich sein, solche Mittel vorrätig zu halten, da wir leistungsfähige Firmen haben. Wie ich höre, hat sich eine Firma bereit erklärt, das gegen eine Subvention voil 25 000 Mk. zu tun.

Oberstabsarzt Professor Dr. Hossmann:

Die Frage von FricdenSvorräten an derartigen Schutzmitteln ist schon vor Jahresfrist eingehend geprüft worden. Dabei haben wir auch die Beobachtungen der auf dem Balkankriegssck)auplatz entsandten Sanitätsoffiziere uns zunutze gemacht und sind mit mehreren größeren Firmen in Verbindung getreten. Dazu haben uns die wissenschaflich hervorragendsten Institute, das Institut für Jnsekionskrankheiten in Berlin und die Ehrlichsche Anstalt ihre Kräfte zur Verfügung gestellt. Auch die bakteriologische Ab­teilung der militärischen Kaiser-Wilhelm-Akademie stellt Impf­stoffe gegen Typhus, Cholera und dergleichen her. Vorräte im , Frieoen zu schassen, haben wir keine Veranlassung. Anders ist es natürlich im Kriege. Im Südwestafrikanischen Feldzuge hat sich aber herausgestevt, dass Offiziere und Mannschaften sich nur sehr ungern zwei oder dreimal impfen ließen. Ausserdem ist der Schlitz gegen Erkrankungen nicht unbedingt und vor allem nicht von langer Dauer. Trotzdem besteht die Absicht, die Impfung i m Kriege durchzuführen, sobald sich die Notwendioleit dazu ergibt.

Abg. Yrzberger (Zentr.):

Es fragt sich doch, ob in wenigen Tagen der Mobilmachung es sich ermöglichen lassen wird, die nötige Menge von Serum herzustellen. Im Balkankriege suchten die Kriegführenden es sich zu den höchsten Preisen zu verschaffen, ohne es erhalten zu können. Die deutsche Industrie hat sich bereit erklärt, für die verhältnismäßig geringe Summe von 25 000 Mark die erforder­lichen Mengen bereitzuhaltcn. Ihre LcistungSsähigkeit ist an­erkannt. Ebenso wie wrr Pulver bereithalten, muss cs auch bei diesen Heilmitteln möglich sein.

Oberstabsarzt Prof. Dr. Hoffmann:

Es ist dafür gesorgt worden, daß die Firmen, soweit sie als leistungsfähig anzusehen sind, und im Falle der Mobilmachung so schnell wir möglich die erforderlichen Mengen liefern. Das Serum im Frieden lagern zu lassen, empfiehlt sich nicht, Werl es schnell seine Wirksamkeit verliert und unbrauchbar wird. Wir werden aber der Anregung nach Möglichkeit Folge geben.

Abg. Thoens (Soz.):

Die Wünsche der zu Reserveübungen einberufenen Mann­schaften bezüglich der Zeit der Uebungen sollten besonders be­rücksichtigt werden.

Generalmajor Wild v. Hohenborn;

Wir werden den berechtigten Wünschen der Bevölkerung nach Möglichkeit cntgegenkommen.

Pserdebc schaffung.

Hierzu liegt eine Entschließung Rogalla von Bieber­stein (Kons.). Erzbergcr (Ztr.), Dr. Hope (Natl.> und 8 e g t e r (Vpt.) vor, der Rcickiskanzler möge sich mit den amt­lichen Vertretungen der Landwirtschaft in den Euiztlslaalen iv Verbindung seyen. um m,t ihnen die durchschnittlichen Ge­stehungskosten für eine Militärremonte festzusetzen.

Abg. Bassermann (Natl.)

wendet sich gegen das toupieren der Pferde. Diese Tier, quälercien sollten auch im Interesse des Militärdienstes aufhören, da die toupierten Pferde minder tauglich sind.

Abg. AlperS (Welfe):

Die hannoversche Pferdezucht sollte von der Heeresverwal­tung stärker gefördert werden. Beim Ankauf der Pferde für dir Militärverwaltung sollte man die Händler ganz ansschlicssen

Krieasministcr v. Falkenhahn:

Die Heeresverwaltung ist entschieden gegen das Kupieren der Pferde, und tatsächlich stellen wir als Rcmontcn nur Pferde mit langen Schwänzen ein. Im Vorjahr mussten wir allerdings, da wir Pferde in grossen Massen brauchten, «ruck kupierte Pferde einstellen, so ungern wir cs auch taten. Ich kan» auch nicht ein Verbot gegen das Kupieren in Aussicht stellen, aber cs ist eine Frage der Mode, und ich glaube zu spüren, daß diese Mode bald aufhüren wird. Damit wäre dann den Wünschen des Abg. Bassermann Rechnung getragen. Die Händler beim Ankauf von Pferden völlig auszuschaltcn, erscheint unmöglich. Wir muss­ten im Vorjahr mit dem Ankauf neuer Pferde noch bis zur Bewilligung der Heeresvorlage warten. Diese erfolgte erst an. sangs Juli, und bis Ende Oktober mussten wir die grosse Zahl volljähriger Pferde haben. Als Verkäufer solcher Pferde kamen aber eigentlich die Züchter nicht in Betracht, weil diese den Uebcr- schuß an volljährigen Pferden bereits an die Händler abgegeben hatten. *

Ueberhaupt können wir die Händler nicht völlig ausschliessen, da wir ja jährlich eine sehr bohe Zahl volljähriger Armeepferde brauchen. Die Forderung eines Abstammungsnach. weises würde zur Schädigung einer grossen Anzahl kleiner Pferdebesitzer führen, die nicht derartige Abstammungsnachweise haben. Der vorgeschlagenen Resolution stehen wir sehr symphatisch gegenüber. Doch mutz man dabei bedenken, dass der Durch- schnittspreis nicht zum Mindestpreis werben darf. Die Züchter dürfen nicht glauben, dass sie diesen Durchschnittspreis immer erhalten und auf der anderen Seite müssen wir auch in der Lage fein, die Leute, die uns sehr gute Remonten liefern, ent. sprechend höher zu honorieren. Mit der Vermehrung der Ankäufe- kommissionen haben wir bereits begonnen. Es ist aber sehr schwer, geeignete Remontenankaufskommissarc zu finden, weil der Umgang mit den Landleuten nicht immer sehr leicht ist (Sehr wahr und Heiterkeit). Jedenfalls aber ist die Heeresverwaltung dank- bar, daß die vorgeschlagcne Resolution so zahlreiche Unterschriften gefunden hat.

Abg. Krcth (Kons.)k

Auch in Ostpreußen haben wir nicht immer die besten Er­fahrungen beim Ankauf der Pferde gemacht. Der Kriegsministcr scheint zu unserem Bedauern recht einseitig in­formiert zu sein. Die Landwirtschaft hätte mehr berücksichtigt werden müssen. Die Bauernbevölkerung Ostpreußens ist sehr lot)al und ruhig. Jetzt allerdings zeigt sie die Zähne, weil die Händler ungerechterweise bevorzugt worden sind. Änen Einheits­preis für Remonten wünschen auch wir nicht, aber man kann nicht verlangen, daß der Landwirt sein Produkt unter dem Preise losschlägt. Die Verwaltung muss sich um den Einzelzüchtcr kümmern. Vielleicht könnte man an Züchter, die ein jahrelang brauchbares Pferd geliefert haben, noch nachträglich eine Prämie zahlen.

Abg. Fcgter (Vp.):

Es ist richtig, die Züchter sind bei'dem Pfcrdeankauf schlecht w e g g e k o m m e n. Die Verwaltung hätte vielleicht mehr die grossen Märkte berücksichtigen können. Das wäre im Interesse der kleinen Züchter gewesen. Die'Verwaltung wird sich darin fügen müssen, höhere Preise für Remonten zu zahlen. Denn bei der herrschenden Wirtschaftspolitik haben sich auch die Futterkasten gesteigert. Die Landwirtschaft hat sich in letzter Zeit auf die einträglichere Rinderzucht verlegt. Die Heeresverwal­tung möge ihr durch lohnende Preise den Anreiz geben, brauch, bare Remonten heranzuziehen.

Die Resolution, die die Festsetzung eines Durchschnittspreises für Remonten fordert, wird angenommen.

Abg. Schnlz'Erfurt (Soz.):

Der Kriegsminister sollte der Schundliteratur auch in der Kaserne entgegentreten und den Soldaten ein gutes Buch in die Hand geben. Der sozialdemokratische Bildungsausschuß hat nach der Richtung vorzügliche Bibliothekseinrichtungen getroffen, von denen die Heeresverwaltung Kenntnis nehmen sollte. Endlich könnte die Heeresverwaltung für anständige Liederbücher sorgen.

Abg. Wrinhausen (Vp.) führt Beschwerde über zu lange Dienstzeit der Unterbeamten an den Kadettenanstalten.

Generalmajor Wild v. Hohenborn:

Eine Ueberanstrengung dieser Untcrbeamtcn kann wohl nicht in Frage kommen. Ihre Tätigkeit kann nicht an ein Mindestmaß gebunden werden. Im Winter haben sie wohl tatsächlich viet zu tun. Im Sommer aber und nach Entlassung von Kadetter haben sie viel freie Zeit.

<«o»verncurt, Kommandanten, Plastmajor«.

Ein Antrag Dr. Spahn (Zentr.) will die Kommandanten in Karlsruhe, Darmstadt und König st ein wieder streichen.

Generalmajor Wild v. Hohenborn'.

Die geforderten Stellen entsprechen Abmachungen, di« zwischen den beteiligten Staaten getroffen waren. Außerdem kommen auch militärische Rücksichten in Bewacht.

Badischer Gesandter Graf Bcrckbcim und Hessischer Gesandter v. Bicgelcben treten für die Bewilligung der Kommandanturen in Karlsruhe und Darmstadt ein.

Sachs. Militärbevollmächtigt. General Lcuckart b. Wcistdors:

Die Stell« eines Kommandanten vom Königstein ist Miliz tärisch absolut notwendig, ,j