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Der «iehener Anzeiger
erschein! täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich «tetzenerLamilienbläNer; zweimal wöchentl.Kreir- blatt siiröen llreii Slehen (Dienstag und Freitag): zweimal nionatl. land- wirtschastliche Scitsrogen Fernjprech - Anschlüsse: sür die Redaktion 112, Verlag ». Expedition LI Adresse snr Depeschen: Anzeiger «ichrn. Am,ahme von Anzeigen sür die TageSnummer bis vormittags S Uhr.
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Jahrgang
ietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Dienstag. 12. Mai M4
Bezugspreis:
monatlich75Vi..vienel- jährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellq. ZeilenpreiS: lokal IbPf^ auswärts 20 Pseuniq. Lhefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; sür .Feuilleton", .Vermischtes" und,Gerichts- saal": Karl Neurath; für .Stadt und Land"
Notationrdrilck uni» Verlag der vrühl'schen llniv.Buch- und Steiitftruderci R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Vcndt, s»r den
Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Doumergues Pyrrhussieg.
Und tausend Stimmen rufen Sieg! Sie, nämlich die französischen Offiziösen, rufen es immer nach den Wahlen, aber wenn man sich dann den Schaden besieht, entpuppen sich die amtlichen Wahlstatistikcn und insbesondere die dazu gelieferten Kommentare zumeist als ein corriger la sortune. Rach Tische, d. h. bei den Abstimmungen der Kammer, liest man es dann häufig ganz anders. Schon die amtlichen Feststellungen über die Verteilung der Mandate an die neun Parteien sind mit einem gewissen Vorbehalt auszunehmcn, denn die Grenzlinien zlvischcn diesen Gruppen sind fliehend, und beim Zusammentritt der Kammer findet man häufig ß«mg Abgeordnete auf ganz anderen 'Bänken als den- jenigen, auf die sie nach ihrer beim Wahlkampf entfalteten Fahne hingehören.
Mit diesem Vorbehalt sind die Ergebnisse der Wahlen zur Abgeordnetenkammer, sind vor allem die Schlußfolgerungen aufzunchmen, welche die Offiziösen des Kabinetts Toumerguc daraus ziehen. Tiefes errechnet sich aus den Wahlen einen Sieg, ja, wie die Organe der Regierungsparteien triumphierend verkünden, einen völligen, einen glänzenden, einige sagen etwas aufrichtiger einen unerwarteten Sieg. Wie kommt die« Rechnung zustande? Tie sranzösische Kammer besteht ausRvl Mitgliedern (ein Wahlergebnis aus Korsika, eins vom Senegal und drei aus Martinique stehen noch aus), so daß also die absolute Mehrheit 302 Stimmen beträgt. Die Regierungsparteien, die diesen Ramen bedingungslos verdienen, bestehen nun aus ^en Radikalen Republikanern, den °Sozialistisch-Radikalen und den Geeinigten Sozialistisch-Radikalen. Diese zusammen verfügen nur über 253 Stimmen, bilden also an sich nicht die Mehrheit. Nun werden freilich zur Regierungsmehrheit — und dadurch wird sie cs eben erst — auch die geeinigten! Sozialisten gerechnet, die bei weitem am besten abgeschnitten haben, denn ihre Zahl ist von 67 auf 102 hinaufgeschnellt. Diese, die in der Tat immer mit dem Kabinett Doumcrgue gegangen sind, eingerechnet, verfügt die Regierung über eine Mehrheit von 355 Stimmen^ also 53 über die absolute Mehrheit. Diese Mehrheit ist in der Tat u m 2 5 S t i m m e n stärker, als sie es in der verflossenen Kammer tvar, und so kann das Kabinett, selbst wenn die Ergebnisse nach dem Zusannnentritt der Kammer noch die eine oder andere >Korrektur erfahren sollten, wenigstens rein formell von einem bescheidenen Siege reden.
Mer auch nur rein formell, denn die drei unbed in g- tenRegierungsparteien haben auch nach der Statistik der Regierung 10 Stimmen verloren, ein Verlust, der ausschließlich auf die Rechnung der Radikalen Republikaner kommt, die sogar 15 Mandate eingebüßt haben, denen aber ein Gewinn von 5 Mandaten der Sozialistisch«- Radikalen gegenübcrsteht. Der Geivinn, den sich das Kabinett ausrechnet, kommt also lediglich auf das Konto der Sozialisten, und darauf beruht die nicht unwesentliche Verschiebung der Lage. Freilich wäre fiir das Kabinett auch die Möglichkeit gegeben, statt mit den Sozialisten eine wenn auch ziemlich knappe Mehrheit mit den 73 Republikanern der Linken zu bilden, aber diese haben sich unter dem Kabinett Toumerguc bei sehr vielen Fragen von den Regierungsparteien getrennt und dürsten keine sonderliche Neigung haben, das Kabinett, in dcni keiner der Ihren sitzt, zu stützen. Zur entschicdepen Opposition gehören die 34 monarchistffchen Konservativen, die ihnen sehr nahestehenden 31 Mitglieder der Action Liberale und die ebenfalls sehr nach rechts neigenden 69 Mann starken Fortschrittlichen oder Progressistischen Republikaner, von denen die letzteren 14 Mandate verloren haben, während
Au,»st, Wissenschaft und Leben.
— Reue Ausgrabungen in der Wettcrau. Rach Mitteilungen des bekannten Limessorschers Prosessor Dr. Georg W o l i s - Frankfurt a. M. in der neuesten Nummer der Zeitschritt „Alt-Frankfurt" sind IN der letzten Zeit wiederum interessante Mtcrtumssundc gemacht worden. In zwei Ziegeleien weit- lich von Rödelheim sowie an der Strafe nach Sossenheim wurden Wohngrubcn aus der jüngeren Steinzeit, in einer Lehmgrube neben der Bad Hamburger Bahn solche aus der Halstatt- und Llatcne- Pcriodc angeschnitten. Ein sehr wertvoller Fund wurde in den Holzmannichen Ziegeleien gemacht: ein Tövstrosrn aus der Hai stattzcit mit reichem Inhalt an Fabrikaten und Werkzeugen. Ganz naize dabei in einer anderen Ziegelei sand sich ein Brandgrab aus derselben Periode. In einer Ringofcnzicgrlei westlich von Praunheim, die dem Franssurtcr Museum bereits zahlreiche Funde aus der jüngeren Steinzeit geliefert hat, konnte ein zur Ausgrabung bestimmtes Grundstück planmäßig untersucht werden. Zwölf Wohn gruben wurden aufgedeckt und in mehreren nicht nur Gräber und die für die Wettcrau charakteristischen Scherben gesunden, sondern tu erstenmal die sür die Rekonstruktion dieser Bauwerke »öligen Psostenlöchcr vollständig ermittelt. An der Grenze der Nicdcrursclcr und Kaibachcr Gemarkung sanken sich aus den Trümmern eines römischen Gutshofs Spuren der neben der Bonisatiusguellc einst zur Erinnerung an die Uebcrsührung des Leichnams des Apostels der Deutschen erbauten Eouzenllrch'. Bei dieser Gelegenheit rar den in der Gemarkung Kalbach Reste von Niederlassungen aus der Stein- und Halstaltzctt fcstgcstclll; aus der crstcren Periode konnten auch westlich von Bonames neue Funde gemacht werden, während an der Ostgrcnzc der Gemarkung, wo IN der Zorbachschcn Ziegelei in den letzten Jahren neben Latcnc-Gräbern Ziegel und Gesäßschcrben ein römisches Gehöft vermuten ließen, dessen Hos- mauer in den letzten Tagen aufgedeckt wurde.
— Darmstädter Frühlings-Festspiele. Aus Darmstadt, 10. Mai, wird uns geschrieben: Der dritte Tag der Frühlings-Festspiele des Hostheaters brachte heute abend wieder ein seltenes Ereignis, ein G e s am tg a st spi el der Stuttgarter Hofoper mit Mozarts „Entführung aus dem Serail". Die Over ist durch die neue Einrichtung an der Stuttgarter Hof- bühne zu neuem Leben erivacht und wurde initcr der Leitung de; Generalmusikdirektors v. Schillings und des Hofrates G e r - Häuser auch genau wie dort von dem Stuttgarter Ensemble zue
die Konservativen 5 gewannen. Alles in allem ist also die Opposition der Rechten um 9 schlvächcr geworden.
Tie politische Lage ist, wie schon betont, dadurch gekennzeichnet, daß das Kabinett ganz auf die Sozialist eii angewiesen ist, und der Führer der geeinigten Sozialisten, Jauräs, erklärt bereits in der „Hninanile" triumphierend, daß jede Regierung und jedes Parlament mit dem Sozialismus zu rechnen haben dürste. Das ist in der Tat zutreffend, und deshalb kann der Sieg des Kabinetts nur als ein Pyrrhussieg bezeichnet werden, da die Sozialisten nicht säumen werden, in „Keilschrift auf sechs Ziegelstein" die Rechnung zu präsentieren. Wie wenig homogen die Regierungsmehrheit ist, geht schon daraus hervor, daß nicht nur in Bezug aus die Wahlresorm und die Einkommensteuer mancherlei tiefgehende Meinungsverschiedenheiten zwischen den verschiedenen radikalen Gruppen und den Sozialisten bestehen, sondern daß vor allem diese entschiedene Gegner der dreijährigen Dienstzeit sind, während innerhalb der anderen Regierungsparteien die Meinungen hierüber sehr geteilt sind. Freilich ist cs kaum anzunehmen, daß in absehbarer Zeit ernsthafte Vorstöße zur Rückgängigmachung des Dreijahrsgesetzes ersolgen werden. Ueberhaupt soll mai, sich nicht auf Grund einzelner Mißerfolge der Chanvinisten zu der Schlußfolgerung verleiten lassen, daß man es nun mit einer sogenannten friedlicheren Kammer zu tun haben ivcrdc, und auch der Umstand, daß das Kabinett bei der Wahlkundgebung vor der Straßbnrg-Statnc ans der Place de la Eoncorde das Absingen der Marseillaise verbot, will wenig besagen. Denn in letzter Linie unterscheiden sich die Politiker und Parteien in Frankreich weniger in dem Maß des Chauvinismus, als vielmehr in der mehr oder minder diplomatischen Stellungnahme zu den chanvinistischen Kundgebungen inachpem Motto Gambettas : Man soll immer an die Revanche denken, aber nicht davon reden!
Preffestimmen.
Paris, 11. Mai. In der ,p umanit6" erörtert! der Führer der geeinigten Sozialisten I a n r ö s mit keb- haster Befriedigung den von seiner Partei errungenen Wahlsieg, indem er u. a. schreibt:
Ter gestrige Tag hat gezeigt, welche großarttgcn Fortschritte die Sozialisten sowohl in den städtischen wie in den ländlichen Wahlbezirken erzielt haben. Tiefer Erfolg ist um so bemerkenswerter, als die Partei gegen die zügellosen Verleumdungen des Rationalismus und des Rückschritts zu kämvscn hatte. Man dart nunmehr mit Sicherheit anuehmen, daß jede Regierung' und ledcs Parlament mit dem Sozialismus zu rechnen haben wird. Tie Partei weiß, daß sic ihren Sieg der Klarheit und Kraft ihres Programms zu verdanken hat. Mögen es die Rückschrittler petzt wagen, das unheilvolle Dreijahrgcsetz noch lange aus- rcchtzuerhalten!
Ter konservative „Gaulois" schreibt:
Wenn man nur die Zistern ansicht, dann mutz man sagen, daß noch niemals eine Deputterlenkammer sür unsere Interessen, sür unseren Glauben Mid sür unsere Vaterlandsliebe bedrohlicher erschien. Glücklicherweise gibt cs neben diesem bc- luuruhigenden und ausgcwühlten Frankreich der Politiker ein anderes Frankreich, das durch den glänzenden Einmarsch der Truppen in Ta za einen neuen Beweis seiner Tapferkeit und Tatkraft gegeben hat. <
Der „Figaro" sagt:
Die Siegcshymne der Revoluttonärc wird uns nicht aus der Fassung bringen können, auch der Block der äußersten Lrnkcn nicht, dann ivird sich gciviß ein anderer Block bilden, Ivclcher dis künftige Mehrheit darstellt und die für das Leben einer Nation luncrläßlichcn Grundsätze verteidigen wird. Morgen kann cs nur zwei Parteien geben, die konservative und di« revolutionäre.
Ter „Radical" sagt:
Man kennt jetzt in unzweideutiger Weise den Willen des Landes. Es hat sich sür die Politik der Reformen, der Verweltlichung, der gerechten Besteuerung und des Volkes! in Wastcn ausgesprochen. Es wird die Ausgabe der neuen Kammer sein.
Ausführung gebracht. Unter v. Schillings Dirigcntcnstab wurde das Tarmstädtcr Hosthcaterorchcstcr mit hinreißendem Schwung durch Mozarts sprudelnde Partitur geführt. Das szenische Bild stammt von dem Münchener Prosessor P a II ko k und bot durchweg bis ins einzelne ausgeglichene und fein abgestimmte Bilder. Im Verein mit dem Svielleiter, Hofrat Gerhäuser, dessen Regie in der engen Verschmelzung mit dem die Bühncnvorgänge mit scinsühligsler Genauigkeit charakterisierenden Orchester eine glänzende Leistung darstellt, war ein würdiger Rahmen gcschasfe» sür die wertvolle Wiederbelebung. Und so gaben auch die Sänger in dem kantilenc- und arienrcichcn Wcrkchcn ihr Bestes, um ihm bei uns eine freundliche Ausnahme zu sichern, besonders in dieser neuen, mit Rezitativen durchsetzten Gestalt. So ließ mich die Einheitlichkeit nichts zu wünschen übrig. Stimmlich im Vordergrund stand der mächtige Osmin von Otto Delgers, der einen in allen Lagen gleich großen, wohltöncndcn Baß besitzt. Weniger nmsangrcich, aber ebenfalls melodisch fließend zeigte sich der von Rudolf Rüter als Belmoutc. Einen äußerst sympaihischen „Pcdrillo" stellte George Men der auf die Bühne, während der „Sclim Bassa" von Alwin S w o b o d a weniger Rclies hatte. Die Damen traten gegen ihre Kollegen stimmlich ziemlich zurück. Jda Hanger- Schnutenhaus als „.Constanze" überraschte durch eine ausgcmägt dramatische Note, konnte aber ihrer Koloraturvartic nicht durchaus gerecht werden: auch störten anr Anfang öfters Jnwnationsschwankungen. Die Stimme Ningt in manchen Lagen etwas scharf: nur im Forte vermag sic sich zu kräftiger Breite und Fülle auszudebnen. Helena Pola als „Blondchen" hatte schöne Stellen, die ihre wohlgcbildetc Gesanqstechnik in ein gutes Licht stellten. Das entzückend freudvolle Lied „Welche Wonvc, welche Lust" blieb etwas blaß. Dennoch konnten sich die Mitglieder der Ttuttgatter Hofbühnc vor dem angeregten Tarmstädtcr Publikum häuiig verneigen, sic wurden auch mit Blumenspenden geehrt. Das Großherzocstiche Paar wohnte der glanzvollen Ausführung bei.
— Humperdincks neue Oper. Aus Köln wird uns geschrieben: Als eine deutschcSpicloper bezeichnen Robert Misch, der Textdichter, und Engelbert Öumperdinck ihre Bühncnschövfung „Die M a r kc t e n der in", die soeben im Kölner Opcrnhausc ihre erfolgreiche Urausführung erlebte. Tas gesprochene und gesungene Wort löse» einander ab wie bei Lortzing, und die Musik beiocgt sich durchweg in geschlossener Form, den „Nummern" der alten Opern gemäß, sic ist melodiös, entbehrt
durch eine krästige Politik der Verwirklichung die Hoffnungen der Demokratie zu ersüllen, welche sich so tapfer und diszipliniert gezeigt hat.
Tic gemäßigte „R c p u b l i q u e f r a n p a i s e" schreibt:
Der zweite Wahlgang war nicht gut sür uns. Das furchtbare Bündnis zwischen den geeinigten Radikalen und den geeinigten Sozialisten hat seine Früchte getragen. Wir dürfen uns nicht verhehle», daß die neue Kammer schlimmer sein wird als ihre Vorgängerin. Aber die große Zahl der geeinigten Sozialisten wird sür die Radikalen den Beginn ihrer Strafe bilden, sic werden die Untergebenen der Sozialisten sei». Es wäre dies ein köstliches Schauspiel, Ivenn es nicht mit dem Golde und viclleiäst mit dem Blute Frankreichs bezahlt werden müßte.
Die Sattin des Neichrkanzlers f.
Berlin, 11. Mai. Nach längerer Kranllieit ist in Berlin die Gemahlin des Reichskanzlers, Frau v. Bcth- mann Hollweg, gestorben.
Nur noch wenige Wochen, und der Kanzler hätte mit seiner Gemahlin das Fest der Silbernen Hochzeit feiern können. Den» am 17. Juni 1889 wurde der damalige Landrat des Kreises Lbcr- barnim, Theobald v. Bclbmann Hollweg, in der alten Kirche des Tories Wilkendorf, nördlich von Strausberg, mit dem Fräulein Martha v. Psucl getraut.
Frau Martha Elise v. Bcthmann Hollweg wurde am 21. Avril 1865 III Wilkcudors in der Mark, im sogenannten „Piuelenland", das Theodor Fontane so anschaulich geschildctt hat, geboren, ist also im vorigen Monat 49 Jahre alt geworden. Ihre Eltern waren der bauvtrittcrschastsdirektor Gustav v. Psucl, Fideikommißhcrr auf Wilkcudors mit Gielsdors und Eichenbrand, und dessen erste, vier Wochcn nach der Geburt der Tochter verstorbene Gemahlin, die Gräfin Jsa v.. Reventlow aus dem Hause Jersbek an der heutigen Provinz Schleswig-Holstein. So stammte die Gemahlin des deutschen Reichskanzlers einerseits, alsEnkelin, von deinGcncrallentnaitt Fritz v. Psucl ab, der 1846 als Kommandant von Stettin starb und ein jüngerer Bruder des Generals der Jnsanterie und Ministerpräsidenten Ernst v. Psucl war, und andererseits, als Urenkelin, von dem Grasen Eugen Reventlow, der am Ansang des vorigen Jabrhunderts dänischer Siaatsminister war. Ihr Vater schloß dann 1879 eine zweite Ehe mit der Gräfin Agnes zu Dohna aus dem Hause Mallmitz, die bis dahin Hofdame der Kaiserin Augusta gewesen war und vor -drei Jahren in Berlin gestorben ist. Ter Vater der Frau v. Bcthmann Hollweg starb 1897: das Fidci- kommiß Wilkendorf wurde nun ausgelüst, von dem Geheimen Kom- merzienrat Dr. Georg Caro erworben. Das Rcichskanzlervaar hot drei Kinder: Friedrich, geboren am 4. Juni 1890, der an einer süddeutschen Universität studiett: Jsa, geboren am 7. Dezember 1894: und Felix, geboren am 20. Januar 1898, der das Gymnasium zu Dahlem besucht. Frau v. Bcthmann Hollweg war eine ausfällig große, stattliche und echt germanische Erscheinung mit schönen, regelmäßigen Zügen und dichtem, blondem Haar. Obwohl sic es vortrefflich verstand, gesellschaftlich zu repräscMiercn und bei festlichen Gelegenheiten eine sehr gute Figur machte, mußte sie für die eigentliche Führung der Geschäfte des Haushaltes, namentlich in letzter Zeit, als ihre Kranllieit zunahm, die Hilfe ihrer unverheirateten älteren Schwester, des Fräuleins Klare v. Psucl, in Anspruch nehmen, die auch im Reichskanzlcrvalais wohnte.
Im Reichskanzlerpalais liefen mit Montag seit den frühen Morgenstunden unzählige Beileidstelegramme ein. Der Kaiser und die Kaiserin, der Kronprinz und die Kronprinzessin, sowie die übrigen Prinzen kondolierten, außerdem die Herren, welche mit dem Reichskanzler in persönlicher Verbindung stehen. Außerdem trug sich eine große Anzahl Kondolenzbesücher in die ausgelegten Listen ein.
Tie deutsch-konservative Fraktion sandte an den Reichskanzler ein Telegramm folgenden Inhalts: Ew. Exzellenz gestattet sich die deutsch-konservative Fraktion des Reichstags bei dem erschütternden Verluste, den Ew. Exzellenz betroffen hat, das tiefempfundene Mitgefühl aller ihrer Mitglieder auszusprcchcn.
Ter sranzösische Ministerpräsident Toumerguc hat dem Reichskanzler zum Tode der Iran v. Bcthmann telegraphisch sein Beileid ausgcdrückt.
Auch der italienische Minister des Aeußern richtete an
auch des Humors und des scntimentalischen Einschlags nicht, schlägt dem Texte gemäß auch patriotische, militärische Töne an, durch Benutzung von Soldatenliedern »sw. Aber bedeutend wird man das Merkchen nirgendwo nennen können, und das könnte cs doch immerhin sein, auch Lortzing war ja groß im Kleien: dafür fehlt der Musik die Ursvrünglichkeit und die vcrsönlich zwingende Note. Ter Text ist recht unterhaltend, behaglich stimmt schon das Erscheinen Blüchers auf der Bühne, der natürlich kein Eouvlct singt, sondern als Sprachrollc behandelt ist. In sein Hanptauartier in Höchst und dann nach Kaub Silvester 1813 versetzt uns die Handlung, in deren Mittelpunkt eine Marketenderin der sranzö- sischcn Armee steht, ein liebes, mutiges Geschöpf, das plötzlich im deutschen Lager verkleidet austaucht und für eine Spioniu gehalten wird. Rose sucht aber nur ihren gefangenen Schatz, den sie sür sterbenskrank hält. Sie gewinnt bald die Sympathien Blüchers und seiner Truppen, spioniert, als Elsässerin deutsch gesinnt, sür ihn jenseits des Rheins und erwirbt sich große Verdienste. Ihr Schatz ffeilich erweist sich ihrer Liebe nicht wert, daiür aber ein anderer, der Koch Blüchers, umsomehr, und dem Rhcinübergang geht die Verlobung unmittelbar voraus. Tie sehr gute Kölner Ausführung unter Losrat Römonds szenischer und Brechers musikalischer Leitung trug den anwesenden Autoren viele Ehren ein.
— Ei» Bild Guido Renis verschwunden. Aus Ferrara wird gemeldet: Aus der K i r ch e S a n C r i st o f o r o wurde nachts von unbekannten Dieben G u i d o R c n i S Gemälde von der Enthauptung Johannes des Täufers entwendet, indem das Bild aus dem Rahmen geschnitten wurde.
— Professor Walter Brecht — Nachfolger von Erich Schmidt? Wie dem Berl. I. mitgeteilt wird, ist Pros. Walter Brecht, bekanntlich ein Schroagcr von Pros. Roethc, dazu auscrschc» worden, den Lehrstuhl des verstorbenen Erich Schmidt neu zu besetzen. Prof. Brecht ist unlängst efft als Nachsolger von Bros. Minor nach Wien berufen worden. Wir geben die Nachricht zunächst unter allem Vorbehalt wieder.
— Kurze Nachrichten auÄ "Kunst und Wissenschaft. Anläßlich der vierzigjährigen Tätigkeit Arthur Vollmers am Königlichen Schauspielhauic in Berlin fand nach der Probe eine kleine Feier statt, zu der viele Bekannte Vollmers mit Blumen und Geschenken erschienen. Obcrregisseur Petry vom »öniglichen Schauspiettxluie hielt eine kurze Ansprache und überreichte einen silbernen Lorbcerkranz.


