Nr. M
Der Kleßeuer Anzeiger
erscheint täglich, sicher Sonntags. - Beilagen: viermal wöcbenliich. Sletzenerjamiliendlätter; zwennal wöchentl.Aeeis- dlallsürbenUreir Kietzen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. kand- «fttschostlich« Seitftagen Fernlprech - Anichliiffe: iür die Redaktion 112 , Verlag ». Expedition öl Adresse iür Depeschen: Anzeiger Gießen. Annahme non Anzeigen iür die Tagcenuminer bis vorniitlags S llhr.
Erster Blatt
104- Jahrgang
Montag. 11. Mai 1914
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rototionsftnuf und Verlag der vrühl'schen Univ.-Such- und Steindruckerei R. Lange. Redattion. Lrpcdition und Druckerei: Schulftratze 7. r ' lir ' ""
Nezuq-prci-:
monntItrf)75 < B1.,uierteI- jährlich Mk. 2.20; drrrch Abhole-- 1 u Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mt. 2.— viertel» jährl. ausschl. Bestellq. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pseiunq. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Auq. Goetz; für „Feuilleton", ^Ver- nrischtes" und^Derichts» saal": Karl Oteuralh; für ^Stadt und Land"
Anzeiqcntell: H. Bcct.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Der Stand der 5eldbereinigungrarbeiten in Hessen.
Von sachkundiger Stelle erhalten wir folgende interessanten Mitteilungen:
Tie grosse Bedeutung der Ferdbereinigung — oder wie sic in anderen Bundesstaaten genannt wird, der Zusammenlegung, Verkoppelung. Konsolidierung und dgl. nt. — in land-, Volks- und staatswirtschaftlicher Hinsicht haben die Staatsregierungen der meisten deutschen Bundesstaaten frühzeitig erkannt und durch Gesetze und Verordnungen zu fördern gesucht.
In Hessen ist die erste Zusammenlegung, über die nähere Angaben vorhanden sind, im Jahre 1847 in Pohl- Göns ausgeführt worden, und zwar auf Grund der Instruktion des Ministeriums des Innern und der Justiz vom 5 Dezember 1834, wonach die Zusammenlegung und neue Verteilung der Grundstücke durch freie Ucbcreinkunft geregelt werden konnte.
Besondere Gesetze über die Zusanrnrcnlegnng der Grundstücke, die Teilbarkeit der Parzellen und die Jeldweganlagen, Wiarden in Hessen am 24. Dezember 1857 und 18. August 1871 erlassen, ohne daß aber das FelÄbercinigungsver- sahren dadurch einen besonderen Fortgang genommen oder eine crheblick>erc Ausdehnung erreicht hätte.
Erst durch das Gesetz vom 28. September 1887 wurde mehr erreicht. Das Verfahren wurde wesentlich umgestaltet, besonders das Zustandekommen erleichtert, die Durchführung vereinfacht und die Leitung einer Landeskommission übertragen. Von da an Hatzen sich dann auch die Unternehmungen fortgesetzt vermehrt.
Vor 1887 wurden 24 Feldbereinigungen mit einem Flächengehalt von zusammeri 8893 Hektar ausgeführt. In dem zehnjährigen Zeitraum von 1887 bis 1897 tvurdcn 73 Gemarkungen mit zusammen 31 509 Hektar Flächengchalt bereinigt. Hiervon cntsiclen auf Starkenburg 7, Rhein- hessen 3 und Oberhessen 63 Gemarkungen. In dem glesckfen Zeitraum von 1898 bis 1908 wurde in 100 Gemarkungen mit zusammen 45529,88 Hektar Flächengchalt die Feldbereinigung beschlossen ilNd in Angriff genommen. Hiervon wurden in dieser Zeit fertiqgestellt — 60 ttzemar- Dtiigen mit 24 806 Hektar Flächengchalt. Auf Starkenburg entfielen wiederum 7, auf Rhcinhessen 3 und auf Ober- hessen 90 Gemarkungen, wovon allein der Kreis Gießen mit 36 und der Kreis Büdingen mit 26 Gemarkungen beteiligt waren.
Seit 1908 sind noch 30 Gemarkungen mit zusammen 19 383 Hektar Flächengchalt hinzugekommen, in denen die Feldbereiniguna beschlossen und in Angriff genommen worden ist. Außerdem wurde noch in den letzten Jahren in weiteren 17 Gemeinden mit über 8000 Hektar Flächen- gehalt die Durchführung der Feldbercinigung beschlossen, die aber dort zum Teil bis jetzt noch nicht in Angriff genommen werden konnte.
Im ganzen sind also in Hessen bis jetzt bereinigt oder doch im Verfahren begriffen 230 Gemarkungen mit etwa 106 000 Hektar Flächengchalt. Davon entfallen auf Starkenburg 19, aus Rhcinhessen 8 und auf Oberhessen 203 Gemarkungen.
Von diesen 230 Gcmarkrmgen sind 189 Gemarkungen als vollständig erledigt zu betrachten, da in ihnen die Zuteilung und Ucberweisung der neuen Grundstücke bereits erfolgt ist (Starkcnburg 16, Rhcinhessen 6, O b c r h e s s e n 167). 32 Gemarkungen besinden sich in Arbeit und sind noch nicht überwiesen (Starkenburg 2, Rheinhessen 2, Ober-
Hessen 28), während 9 Gemarkungen überhaupt noch nicht in Angriff genomnren sind (Starkenburg 1, Rhcinhessen 1 und O b c r h e s s e n 7).
Hessen hat einen Gesamtflächengchalt von 768100 Hektar, hat 1133 Gemarkungen! und 993 Gemeinden. Tie gesamte landwirffchaftlich benutzte Flüche beträgt 485 000 Hektar, d. i. 63 Proz. der Gesamtfläche.
Bereinigt ist also bis jetzt in Hessen von der gesamten landwirtschaftlich benutzten Fläche erst V« bis Vs. oder genau gerechnet - 22 Proz.!
Das Gesetz von 1887 wurde durch die Novelle von 1906 ergänzt, verbessert und mit dem derzeitigen Grundbuchrecht in Einklang gebracht.
vie Tausseicr in vraunschweig.
, Die Feier in Braunschwcig, die am Samstag zahlreiche deutsche Fürsten zusammengerufen hat, um teilzunehmen an der Freude des Hohenzollern- und des Welfcnhauses, hat einen ungetrübten Verlauf gehabt. Der junge Herzog hat in einer Begrüßungsrede betont, daß er seinen Sohn auf christlicher Grundlage zu einem guten und tüchtigen Menschen erziehen wolle, damit er einst unter den Gliedern des Reiches sich als echter deutscher Fürst bewähre. Es war auffallend, daß der Kaiser in seiner Erwiderung nochmals hervorhob, er wünsche, daß der junge Prinz später „als eine feste Stütze unseres Protest an tisch eit Glaubens" wirken werde. Ob ihm dieser unverfängliche Ausspruch von einigen Zcntrumskreiscn wieder übel genommen Ivcrden wird?
Wir erhielten folgende Meldungen:
Die Ankunft des Kaiserpaares.
Braunschweig, 9. Mai. Der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge sind im Sonderzug um 9.55 Uhr hier eingetrosfcn. Am Bahnhofe war großer Empfang. Die Begrüßung zwischen den Majestäten und dem Herzogsvaar war überaus herzlich. Ein vieltausendköpfiges Publikum jubelte den Majestäten und dem Hcrzogspaare zu. Die Majestäten nahmen im Residenzschloß Wohnung, wo sie von den bereits versammelten hohen Gästen begrüßt wurden.
Die Fahrt der Fürstlichkeiten vom Schloß zur Burg Dankwarderode bot ein prächtiges Schauspiel. Voraus fuhren die Hofstaaten. In zahlreichen zweispännigen Prunksvagen folgten die allerhöchsten und höchsten Herrschaften, von der Menge freudig begrüßt. Der Erbprinz wurde in einer Prunkkarossc, gezogen von einem LechSgespanu, zur Taufe gefahren. Gegen 6 Uhr begaben sich die Fürstlichkeiten unter großem Vortritt durch den Verbindungsgang von der Burg in den Dom am Grabmal Heinrichs des Löwen vorüber aus den hohen Chor.
Die Taufe.
Die drei gewaltigen Schiffe des alten Domes waren mit der Gesellschaft aus dem Lande gefüllt. Vor dem Altar nahmen der Kaiser und die Kaiserin und der Herzog und die Herzogin Platz. Die Herren des großen Vortritts gruppierten sich links hinter den Genannten, die Geistlichen der Stadt Braunschwcig standen am Altar, die übrigen Fürstlichkeiten nahmen auf der einige Stufen tiefer liegenden Estrade Platz, mit ihnen die Vertreter der abwesenden Taufpaten, der österreichisch-ungarische Botschafter Graf v. Szögycnyi- Marich für Kaiser Franz Joseph, der englische Botschafter Sir Edward Goschen für den König von England, der russische Ministerresident Baron v. Wolfs für den Kaiser von Rußland, Offiziere, Unteroffiziere und Gefreite des bayer. ersten schweren Reiterregiments Prinz Karl von Bayern, das ebenfalls Taufpate ist. Nachdem alle Platz genommen, wurde der Täufling durch Oberhosmeisterin von dem Buschc-Streit- horst in Schlepprobe und Courschleier unter Vorantritt des
Hofmarschalls v. Klcnckc in den Dom getragen, während die Hofdamen Baronin v. Lichtcnstcrn und Gräfin Bcrnstorsf die Schleppe des Täuflings hielten und Kammerherr von I Schulcnburg den Zug schloß. Am Ende des Hauptschifses übernahm Prinzessin Olga den Täufling, trug ihn durch die Kirche und übergab ihn der Kaiserin. Dann hielt der Hos- und Domprcdiger l>. v. Schwartzdic Tausrede über die Worte aus dem ersten Buche Moses: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein". Ter Domchor trug das Lieblingslied der Herzogin vor: „Der Herr ist mein getreuer Hirt". Es folgte der Tausakt und die Taufpaten traten heran. Rach dem Gebet des Geistlichen und dem Ja der Paten lauste der Geistliche den Erbprinzen auf die Namen Ernst August Georg Wilhelm Christian Ludwig Franz Josef Nikolaus. Während des Taufaktes hielt die Herzogin Mutter den Erbprinzen. Der Täufling wurde vom Obcrhoimeister aus dem Tom nach der Burg getragen. Die Fürstlichkeiten folgten unter Orgelklang.
Nach der Taufe nahmen der Herzog und die Herzogin in der Burg Dankwarderode die Glückwünsche der Fürstlichkeiten und diejenigen des diplomatischen Korps entgegen. Daran schloß sich eine Gratulalionsconr.
Um 8 Uhr war G a l a t a f e l für die Fürstlichkeiten im großen Saal, für die Gäste in der Halle des Rcsidcnz- schlosses. Der Kaiser führte hierbei die Herzogin, der Herzog die Kaiserin, der deutsche Kronprinz die Herzogin-Mutter, der Herzog von Mecklenburg die Kronprinzessin. In der Milte der hufeisensörmigen Tafel saß der Kaiser rechts neben dem Herzog, neben jenem die Herzogin, neben dieser die Kaiserin, die anwesenden Fürstlichkeiten schlossen sich nach links und rechts an, gegenüber Hosmarschall v. Klcnckc zivischen dem Botschafter v. Szygyenr-Martch und dem Botschafter Sir Goschen. Im Perlause des Mahles brachlcu der Herzog und der Kaiser T r i n k s p r ü ch c aus.
Der Trinkspruch des Kaisers
hatte folgenden Wortlaut:
„Durchlauchtigster Herzog, vielgeliebter Schwicgcffolm!, Mit inniger herzlicher Freude bin ich mit Ihrer Mai. der Kaiserin und Königin der ireundlichen Einladung Eurer Kgl. Hoh zur heutigen weihevollen Feier dieses Herzogshauses gefolgt, nicht nur um Zeugen des ehelichen Glückes unserer vielgeliebten Tochter zu sein, sondern zugleich an geweihter Stätte die ernsten Pflichten eines Taufpaten deH neugeborenen Kindes zu übernehnrcn., Ich bars wohl rm Namen der sämilickfen durchlauchtigsten Taufpaten des Täuflings Eurer Kgl. Hoh. unseren iiesgcstihltestcn Dank aussprechen. Gott der Herr hat Eure Kgl. Hoh. reich gesegnet, indem er dem Hause Braunschweig-Lüneburg und dem schönen braunschweigischen Lande einen Thronerben bescherte. Die treuen Wünsche und Gebete der Eltern und Großeltern, wie des braunschweigischen Volkes sind glücklich in Erfüllung gegangen. Gottes Güte wird in treuer Elternliebe und Fürsorge der Erziehung des erstgeborenen Sohnes seinen Beistand leihen und ihn heranwachsen lassen zu einem tüchtigen, charaktervollen Mann, zur Freude seiner Eltern und Großeltern und des ganzen Landes. Möge der junge Erbvrinz, wenn ihm dereinst die Bürde der herzoglichen Krone aulcrlcgl wird, sein größtes Glück und seine höchste Befriedigung darin finden, iür das Wohl seines angestammten braunschwciger Landes olle Kräfte einzufctzen, rm Rate der Fürsten zu wirken für die Größe und Macht des deutschen Vaterlandes, als eine feste StützeunseresprotestantischenGlaubens! Ich sor- dere Sie auf, mit mir Die Gläser zu erhüben und auf das Wohl des jungen Erbvrinzen von Braunschweig Ernst August und seiner Erlauchten Eltern zu trinken. Hurra, hurra, hurra!"
Fcstvorstcllung im Hofthcatcr.
Braun schweig, 10. Mai. Heute abend fand im herzoglichen Hosthe ater Galavorstellung statt. Unter Fansarenklängen betraten die Fürstlichkeiten die große Hoflogc und verneigten sich getzen das »Ptzikum. Ter Oberbürgermeister Retcmcner hielt eine Ansprache, in der er sagte, an seines Fürstenhauses sonnigem Gliick nehme
Tk«»st, Wissenschaft nnd Leben.
— Hofrat d e Haan tritt zurück. Aus Darmstadt, 10. Mai, wird uns geschrieben. Ter langjährige leitende Dirigent der Kapelle des Tarmstädtcr Hosttheaters, Herr Geh. Hofrat Willem de Haan, wird mit der inr Juni zu Ende gehenden Spielzeit von seinem Amt zurücktretcn, das er seit 38 Jahren mit unermüdlichem Fleiß und großem künstlerischen Erfolg bekleidete. Willem de Haan ist am 24. September 1849 in Rotterdam geboren; er zeigte schon frühzeitig eine außerordentliche musikalische Begabung und wurde nach Vollendung seiner musikolischen Studien bei Nikolai, de Lange und Waldemar Bardiel zuefft als Leiter des Cäcilienvereins in Bingen und 1875 als Dftigcnt des Mozart- vcrcins in Darnistadi angestcllt. Bald wurde hier die ßlusmerkiam- feit einflußreicher Musikfreunde aus den begabten Künstler hin- gclcnkt und schon am 1. Septcniber 1878 wurde ihm die Stelle des zweiten KapeUmcifters am Hostheater übertragen, wo er 1881 nach dem Rücktritt Gustav Schmidts IN das Amt des ersten Hof- kavellmccstcrs cinlrat und seitdem 33 Jahre hindurch die musikalischen Geschicke des Hosthcatcrs leitete. Er hat in dieser Zeit bc- fondcrS die Musik Richard Wagners mit größtem Eifer gepflegt und fünf der bedeutendsten Wagneropern hier zur Erstaufführung gebracht, de Haan hat sich aber auch als organisatorischer Musik- dirigent und als Komponist, sowce als ausübender Künstler einen weithin hock»gcachteten Namen erworben.
— Rooscvelts geographische „Entbeckunge n". Roosevelt, der nach einem an gctährlichen Zwischenfällen und Abenteuer reichen Zuge durch die Urwälder Mittelbrasiliens nun wieder zivilisierte Gegenden erreicht hat und in Para cingctroffen ist darf fagcn, daß das Foffcherglück ihm unerwartet günstig gewesen ist. Das Ergebnis seiner Reise beschränkt sich ncchl aus die Entdeckung einer ganzen Reihe der Forschung bisher unbekannter Tierarten :die bedeutsamste Frucht seiner Fahrt bleibt die Entdeckung eines säst 1000 englische Meilen langen großen Flusses der in dem Hock,land des westlichen Matiogrost'o, unmittelbar nördlich des 13. Breitegradcs, zwischen dem 59. und 60. Längs- grab entspringt, in seinem Laufe eine ganze Reihe von Nebenflüssen ausnimmt und sich schließlich als mächtiger Strom in den Madeira- Fluß ergießt. 60 Tage lang sind Roosevelt und seine Ervedittons- gesährtcn in kleinen Kailoes dem Laufe des Flusses gefolgt, den Roosevelt Rio D i u v a t a , den Fluß des Zweitels, tauste und den die geographische Foffchung jetzt als den Rio Tuvida in die Karten Westbrasiliens cinzeichnen wird. Der Laus des Flusses ist reich an Kurven und Windungen, vor allem aber an Strom-
schnellen, die den oberen' Flußlauf einer geregelten Schiffahrt dauernd verschließen. Roosevelt berichtet: „An Größe, Breste und Wassermengc entspricht der Rio Duvida wohl der Elbe, dem Hudson oder der Rhone. Bon 11 Grad 48 Minuten bis zu 10 Grad 48 Minuten ist sein Lauf eine säst ununterbrochene Kette von Stromschnellen. Es gab keinen Tag ohne Stromschnellcn. Sechs Wochen lang arbeiteten wir uns den Flußlauf hinab und vermochten am Tage kaum mehr als einige Meilen hinter »ns zu bringen." Mit der Zeit wurde die Lage der Expedition säst kritisch, die Proviant- vorräte nahmen bedenklich ab, und man mußte sich mit halben Tagesrationen begnügen: von den sieben Kanoes gingen fünf in den Stromschnellcn verloren, ein Mann ertrank und zwei andere, darunter Kcrmit Roosevelt, entgingen einmal nur mit knapper Not dem gleichen Tode. Roosevelt selbst erlitt einen heftigen Fieber- ansall und bei der Arbeit an einem Kanoe eine Verletzung am Schenkel, die sich zu einem bösartigen Geschwür entwickelte. „Jetzt aber bin ich foicder wohlauf," erklärte er in Para bei feiner Ankunft. Tic Anstrengungen, die die Teilnehmer der Expedition durch- zumachcn hatten, waren zeitweise gewaltig und nervenaufreibend: tagelang vermochte die Expedition nur einen halben Kilometer weiterzukommen, im dichten Urwald neben Stromschncllen. Die Anstrengungen machten sich bei einem Mann des kleinen Trupps auf tragische Weise geltend: er wurde wahnsinnig, erschoß seinen Kameraden und sfoh in die Wildnis, wo nur der Tod sein Schicksal geworden sein kann. Aut Indianer ist die Exvedition nicht gestoßen, obgleich sie zweimaf durch Geräusche fcststcllcn konnte, daß Indianer in der Nähe waren: der Hund des Oberst Rondo» wurde durch einen vergifteten Pfeil getötet, aber cs gelang nie, die Eingeborenen zu Gesicht zu bekommen.
— Eine Villen- und Gartenbau-Ausstellung in Italien. Im Jahre 1915 soll in Florenz eine große Ausstellung des italienischen Villen- und Gartenbaues (Mostra della Villa e del Giardino Jtalianoi statisinden. Nach einer Mitteilung des „Cicerone" bat ein Ausschuß erfahrener Fachleute, darunter Giovanni Poggi, Nello Tarchiani und Ugo Ljctti vom Komitee der so glänzend verlaufenen italienischen Bildnisausstellung, die Verwirklichung des,schönen Planes in Angriff genommen, dessen Zustandekommen nur noch von der in sicherer Aussicht stehenden Staatsbeihilic abhängt. Im Palazzo Vecchio soll die Entwickelung der italicnifchen Pillen und Gärten im Bilde vorgcführt werden, während im Amphitheater des Boboli-Gartcns, dem großen, von Sitzreihen und Eichenheckcn eingefaßten Fcstvlatz an der Rückseite des Palastes Pitti, Ausführungen des Orpheus von Montevcrde und von jenen Triumphen und Schlachten geplant sind, die Callot >
und Stefano della Bella so meisterhast geschildert haben. Außerdem sollen die schönsten Villen und Gärten von Florenz an bestimmten Tagen der Besichtigung zugänglich gemacht werden.
— D i e Schlaflosigkeit. Auf dem Deutschen Kongreß für innere Medizin in Wiesbaden hielt Tr. Goldscheider-Berlin einen Vortrag über die Schlaflosigkeit. Dem Sckilasc entspricht, so heißt cs in einem Berichte hierüber in der „Medizinischen Klinik", ein Zustand tiefster Ebbe der nervösen Erregbarkeit. Tie Erregbarkeit wird durch die beständig zuflicßenden Reize erhalten, durch Mangel der Reize herabgesetzt, anderseits aber auch infolge der ermüdenden Wirkung der Reize dcvrimieri. So wirkt sowohl di« Tätigkeit wie die Ruhe crregbarkcitsherabsctzend und schlafsördcrnd. Der Schlaf hat nicht bloß die Bedeutung der Rusruhe, sondern dient der Reparation des Organismus. Ein gesunder und ausreichender Schlas ist nicht allein für die Nerven, sondern sür das ganze organische Getriebe von grckßicr Bedeutung. Tic svontane Mmalzmc der Reizbarkeit der Nervenzellen, welche zum Schlafe führt, ist als eine Selbstregulicrung anzusehcn. Die Schlaflosigkeit kann daraus beruhen, daß Rcizbarkcitsabnahmc durch zusließcnde Reize gestört und ausgcl-alten wird, oder daß die Fähigkeit der regulatorifchen Erregbarkeitsabnahmc selbst gestört ist durch Ueberreizung, Neurasthenie, Stosswcchsclstörungen usw. Auch ungenügende Ermüdung kann Ursache von Schlasstürungen sein. Ter Wille ist imstande, bis zu seinem gewissen Maße die Erregungen zu lfemmen, wie er auch im vollen Wachsein afsckthcmmcnüe Kraft besitzt. Tie Tis- zivlinierung des Willens zum Einschlasen ist ein wichtiger Bcstand- teit der Behandlung der Schlofloiigkeil. Zu den schlasstörenden Dingen gehört auch eine falsche Diät. Ter Beseitigung der Schlaflosigkeit dienen z. B. Beseitigung der Ursachen der Schlafstörungen, wo dies möglich ist, »shchologifche Behandlung: der Patient soll lernen, die Tcpreflion der Reizbarkeit, welche den Schlas cin- lcitct, durch sein äußeres und geistiges Verhalten zu unterstützen aktive Sinncsabsvcrrung, Hemmung von Erregungen durch Wil- lcnsübung usw.); ferner diätetische Behandlung.
— Kurze Nachrichten aus« Kunst und Wissenschaft. Die diesjährige 8. Jahresversammlung der Gesellschaft deutscher Nervenärzte wird in Gemeinschaft mit der Versammlung der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft am 5. September in Bern abgehalten werden. — Der Generalmusikdirektor der königlichen Theater in Dresden, Geh. Hosrat Ernst Edler von Schuch, ist heute abend im Aller von 67 Jahren an Lungenentzündung g e st o r b c n. ,
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