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ru 3 frage machen; Epirus soll in zwei Bezirke, Corritza und Argyrokastro, eingeleilt werden. Jeder Bezirk werde einen von der Bevölkerung gewählten Rat und einen von dem Fürsten ernannten Gouverneur erhalten. Der Gebrauch der griechischen Sprache im Verkehr zwischen dem Gou­verneur und den Bewohnern werde gestaltet sein. Ferner werde jede Gemeinde das Recht haben, den Unterricht in griechischer Sprache erteilen zu lassen unter der Bedingung, daß die Kinder in den Volksschulen auch die albanische Sprache lernen. Der Sicherheitsdienst soll durch eine aus Epirus rekrutierte und von holländischen Instrukteuren aus­gebildete Gendarmerie versehen werden.

Wien, 8. Mai. Der Spezialkorrespoudent derNeuen Freien Presse" meldet aus Tirana: Nach im hiesigen Hauptquartier eingetrossenen Depeschen sammeln sich Auf­ständische bei Herfek, südlich von Koritza, in einer starken Stellung siir den weiteren Vormarsch. Da Frascheri gefallen ist, droht ein neuer mit starken Kräften unternommener Angriff auf Koritza. Man hält die Einnahme der Stadt durch die Aufständischen für unmittelbar bevorstehend. Es macht den Eindruck, als wollten die Epi­roten noch vorHeginnderVerhan dl ungen Er­folge erzielen, um ihre Ansprüche durch den Hinweis aus die Eroberungen unterstützen zu können. Es ist fraglich, ob die Verstärkungen noch vor dem Falle der Stadt dort eintreff^i können.

Durazzo, 8. Mai. Nach einem bei der Regierung gestern abend eingelaufenen Telegramm hat gestern östlich von Koritza ein erbitterter Kampf zwischen Mauern und Aufständischen, die größtenteils ans griechischen Sol­daten bestanden, stattgefunden. Die Albaner rückten siegreich vor. Ter Feind hatte 150 Tote. Eine Menge erbeuteter Uniformstnckc van griechischen Soldaten und viele griechische Osfizierssäbel wurden nach Koritza gebracht.

Aeutzerungen des Grafen Berchtold.

JnrAusschuß der österreichischen Delegation für auswär­tige Angelegenheiten antwortete Graf Berchtold auf ver­schiedene Anfragen. Aus die Anfragen bezüglich Alba­niens erklärte er, daß bereits vor und tvährend der Lon­doner Reunion ein vertraulicher Gedankenaustausch zwi­schen ihm und der italienischen Regierung bezüglich der Organisation verschiedener Zweige der Landes­verwaltung Albaniens stattgefunden habe. Der K o n t r o ll a u s s chu ß habe auch bereits Entwürfe von Reglements vorgelegt, die der Genehmigung der Mächten n d der S a ii k t i o n des F ü r st e ii n o ch be - dürften. Tie Aussichten hinsichtlich der praktischen Ein­führung der staatlichen Organisation könnten nicht als un­günstig bezeichnet werden. Tie e P i r o t i s ch e n Unruhen bildeten derzeit eine ernste Sorge für das albanische Staats- wesen, doch erblicke er in den Verhandlungen zwischen dem Kontrollausschuft und Zographos einen Schritt zur Pazi sizierung des Landes. ES sei selbstverständlich, daß er die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen und sein Vor­gehen einvernehmlich mit der italienischen Regierung den weiteren Vorgängen anpassen werde. Tie Delegierten, welche den Wert Albaniens für die Monarchie gering einschätzen, so fuhr Berchtold fort, übersehen vollkommen die große Be­deutung, die die gewiß mit vielen Unannehmlichkeiten ver­bundene albanische Politik Oesterreich-Ungarns einerseits und die Freiheit seiner maritimen Stellung, andererseits sür sein Verhältnis zu Italien und dadurch für den euro­päischen Frieden habe. »

Die Lage in Mexiko.

Mexiko City, 8. Mai. Das Auswärtige Amt hat sich bei den Friedensvermittlern beschwert, daß. die Amerikaner unter Verletzung des Wasfenstillstandes Trup­pen landen und andere militärische Vorbereitungen in Veraeruz treffen. Die Vermittler antworteten, daß sie sich mit Wilson darüber in Verbindung setzen würden.

Die Belagerung von Mazatlan.

W a s h i n g to n, 7. Mai. Kontreadmiral Howard be­stätigt die Nachricht von dem Bombenwurf aus Ma­zatlan und fügt hinzu, daß er mir dem Kommandan­ten des deutschen KreuzersNürnberg" gemein­sam eine Note an die Konstitutionalisten richtete, um aus die Abgrenzung der neutralen Zone für Nichtkom- battanten zu dringen. Eine Antwort habe er nicht empfangen, da der K a m p s s o r t d a u e r e. Der Admiral berichtet noch, daß in Manzanillo alles ruhig und für die Flüchtlinge ge­sorgt sei, denn der deutsche Konsul habe ihnen wacker Bei st and geleistet. Ein britischer Dampfer brachte die Flüchtlinge von San Blos nach Manzanillo. Er sei dort kaum angekommen, als er beschossen wurde. Jetzt sei er mit den Flüchtlingen auf dem Wege nach San Fran­cisco zunächst nach Mazatlan abgegangen.

Die Flüchtlinge aus Mexiko.

Washington, 7. Mai. Das Staatsdepartement hat eine Meldung von dem brasilianischen Gesandten in Mexiko erhalten, daß drei Züge mit 500 bis 600 Flüchtlingen unter der brasilianischen Flagge nach Vcra - cruz abgegangen sind. Unter den Flüchtlingen befindet sich auch der amerikanische Dr. R y a n. Ter brasilianische Ge­sandte meldet ferner, daß die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs der Konstitutionalisten auf S a l t i l l o es unmöglich mache, die Anordnungen der mexi­kanischen Regierung zur Befreiung der dortigen Amerikaner auszusühren. Diese Meldung stimmt mit einem Bericht aus Durango überein, wonach sich die Vorhut der Konstitutio- nalisten aus dem Marsche zur Einnahme von Saltillo und Zacatecas befindet.

Die Oclaucllcn bei Tampico.

Washington, 7. Mai. Das Staatsdepartement er­fährt, daß Huerta die Beamten des Bezirks von Tampico angewiesen habe, die Angestellten bei den Oelguellen zurück« kehren und die Arbeiten wieder ausnehmen zu lassen. Nach Meldung, welche dem Staatsdepartement zur Uebermittlung an die Interessenten zugegangen ist, werden die Oelguellen sorgfältig geschützt. _

Deutschs» Reich.

D ie Vorlage über den Kleinwohnungs­bau im Ausschuß. Ter Wohnungsausschuß des Reichs­tages trat am Freitag in die zweite Beratung des Gesetz- entwurses über Bürgschaften des Reiches zur Forderung des Baues von Kleinwohnungen für Reichs- und Militär­bedienstete ein. Der Ausschuß hat den Geltungsbereich des Ge/etzeS und auch den Umfang der dafür vorgesehenen Mit­tel bekanntlich in der ersten Lesung wesentlich erweitert. Jnsolgedessen erklärte ein Regierungsvertreter, daß der Lindesrat deni Entwurse in der von der Kommission be­schlossenen Form zurzeit nicht zustimmen könne. Der Aus­schuß nahm darauf den Entwurf unverändert nach der Re- //»cnngsvorlage an, gleichzeitig aber auch eine Entschlie­

ßung, die verlangt, daß später ein den Anträgen hur ersten Lesung entsprechender, über den Kreis der Reichs- und Militärbediensteten hinausgehender Fürsorge-Gesetzentwurf vorgelegt werde. Eine Eingabe des Großberliner Kleinwoh- nnngsvereins um .Herabsetzung des Decknngssonds der Lan- desversichcrungsanstalteii bei Bürgschaften wurde dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen; eine wei­tere Eingabe, betreffend die sparpflicht der Jugendlichen zur Förderung des Kleinwohnungsbaues, wurde zurück­gestellt.

Der Ent Wurf überdieGewähru ngvonBei- h i l f e ii an Altpensionäre u n d A l t h i n t e r b l i e - bene, der dem Reichstage zugegangen ist, bestimmt, daß den Altpensionäreu auf Antrag im Falle des Bedürf­nisses eine Pensionsbeihilfe zu gewähren ist, die bei Pen­sionen bis zu 1500 Mk. 20 Prozent, von mehr als 1500 bis 8000 Mk. IS Prozent, bei mehr als 8000 Mt. 10 Prozent beträgt. Pension und Beihilfe dürfen zusammen nicht mehr als 6000 Mt. betragen. Den Althinterbliebenen ist ans An- trag eine Hinterbliebenciibeihilfe von 20 oder lo ober 10 Prozent des Witwen- und Waisengeloes zu gewähren, je nachdem dieses beträgt bei Witwen bis 600, bis 1200, über 1200, bei Vollwaisen 200, 400, über 400, bei Halbwaisen 120, 240, über 240 Mark. Witwengeld und Beihilfe dürfen nicht mehr als 2400 Mk., Waisengeld und Beihilfe nicht mehr als 800 Mk. (Volllvaisen) und 4M Mk. (Halbwaisen) betragen. Das Vorhandensein eines Bedürfnisses ist anzu- nehmen, wenn der Pensionär verheiratet oder Angehörige timst Gesetzes zu unterhalten Ijai und wenn sein jähr­liches Gesamteinkommen 3000 Mt. bei Unterbeamten 1500 Mk. nicht übersteigt. Durch die Beihilfen dürfen Altpensiouäre aber nicht besser gestellt werden wie die nach dem 1. April 1908 pensionierten Beamten. Das Inkraft­treten des Gesetzes ist offen gelassen worden, es dürfte sich nach dem Inkrafttreten der Bcjoldnngsnovelle richten.

Ausdieaus Anlaß derVerhastungdes Abg. Abresch von d e in R e i ch s t a g s a b g. Tr. Müller- Meiningen gestellte Anfrage ist folgende schrift­liche Antwort erteilt worden: Eine Klarstellung der Frage, ob die Jmunität der Mitglieder der einzelnen Lan- desvertretungen (abgesehen vom Falle des § 11 des R - Str.-G.) in sämtlichen Bundesstaaten anzuerkennen ist, würde nur im Wege der Reichsgesetzgebung unter ent­sprechender Aenderung des § 6 Abs. 2 Satz 1 des Einfüh­rungsgesetzes zur Str.-P.-O. vom 1. Februar 1877 (Reichs­gesetzblatt Seite 346) herbeigesUhrt werden tönnen. Eine Aenderung der Vorschrift während der Verhandlungen über die Reform des Strasprozeßrechts ist von keiner Seite an­geregt worden. Die Frage wird auch nur im Rahmen der tünstigen Reform des Strafprozesses gelost werden können, gez. Delbrück.

Die Zweite Kammer des Badischen Land­tages hat in ihrer Vormittagssitzung am Freitag den An­trag des Zentrums auf Aushebung der Forstabteilung an der T e ch n i s ch e n H o ch s ch u l e mit 37 gegen 25 Stimmen abgelehnt.

Rnskanv.

In der spanischen Kammer brachte der Marine-

Tie Jahresversammlung der britischen Ab­teilung der Allgemeinen Vereinigung britischer und deutscher Kirchen zur Förderung freund- schastlicher Beziehungen der beiden Völker fand am Freitag nachmittag in London statt. Der Erzbischof von Eanlcrbur» führte de» Vorsitz. Unter den zahlreichen Anwesenden befanden sich Kardinal Bourne, der deutsche Botschafter Fürst Lichnowskn, der Bischof von Hercford, Lord Kannaird, Lord Reay, Gencralsuperintendent v. Lahusen-Berlin, Direktor Spiecker-Ber- liu u. a. Der Erzbischof von Cantcrbury nahm in einer Ansprache au> die Erfolge Bezug, die der Bewegung zuteil.geworden seien und erwähnte, daß die Allgemeine Kirchcnvereinigung in immer I'öbercm Maße Unterstützung fand und daß König Georg und Kaiser Wilhelm der Bewegung ihr Interesse entgcgeubrüchten. I). Lahnscn sagte, er empfinde ircudigst, daß die Mißverständnisse zwischen England und Deutschland aus dem Wege geräumt seien und daß beide Länder sich jetzt besser verstünden als je zuvor.

M a r i n c b a u t c n Spaniens. In der spanischen Kammer brachte der Marinemimster einen Gesetzentwurf ein, der einen jährlichen Kredit von 36 Milt. Pesetas neun Jahre hindurch vorsieht. Diese Summe soll ausschließlich sür Marinebauten verwandt werden, um den spanischen Arsenalen dauernd Arbeit zu geben und die Entwickelung der Mariiieinbustrie zu gewährleisten, so daß ein Schtachtschiss, dessen Bau im Jahre 1917 begonnen werden soll, vollständig von der heimischen Industrie gebaut werden wird. Die Regierung wird zu gelegener Zeit die not­wendigen Gesetzentwürse zur ununterbrochenen Entwickelung der Seeausrüstung einbringen. In dem Gesetzentwurf wird angekündigt, daß in den Jahren 1915, 1916 und 1917 folgende Arbeiten in den einheimischen Arsenalen ausgesührt werden sollen: l. Ein Schlacht- schiss, mit allen Kamvsmitteln ausgestattet, zum Preise von 70 Mil­lionen^ wird auf Stapel gelegt, sobald das SchlachtschiffIaime I." vom Stapel gelaufen sein wird, und wird im Jahre 1917 vom Stapel laufen. 2. Im Jahre 1917 wird ein Schlachtschiff aus Stapel gelegt werden. 3. Ein Schnellkreuzer von 1000 Tonnen zum Preise von 4>/, Millionen wird im Jahre 1917 in Dienst gestellt werden müssen, 4. Ein ähnlicher Kreuzer ist bis 1917 vorgesehen. 5. Drei Unterseeboote zum Preise von je drei Millionen werden 1918 in Dienst gestellt werden müssen. Ein Kredit von einer Million wird offen gelassen, um den Bau von drei weiteren Unterseebooten zu beginnen. Ein Kredit von 14 Millionen wird dazu benutzt werden, die Arbeiten des Flottengesetzes von 1908 zu beenden. Verschiedene andere Kredite werden zu Anschaffungen von Ausrüstungsgegen- ständen benutzt werden, hauptsächlich zum Bau von zwei Docks sür das Arsenal in Ferrol. Der Arbeitsminister wird mit Be» schleunigung an^die Verlängerung des Schienenstranges von drei Häsen, die als Stützpunkte der Flotte dienen werden, Herangehen.

Die Baltische- und W eiß e-M c c r - K o n f e re n z, die gegenwärtig in L o n d o n tagt, hat am Donnerstag die Entschlie ßnnq gefaßt, daß kriegführende Parteien von dem Rechte Gebrauch machen können, neutrale Schisse auszubringen oder aufzuhalten, welchenichtneutraler" Dienste oder des Führens von Kontrebande verdächtig seien, ohne überhaupt eine entsprechende Entschädigung zu zahlen, wenn die Ausbringung oder Aufhaltung grundlos oder ungerechttcrligt gewesen ist. Die Entschließung betont ferner, daß die Enticheidungen der Prisengerichte einer Revision durch einen inter­nationalen Gerichtsbof unlerworsen werden sollen, in welchem die kriegsührenden Mächte und die neutralen Mächte vcrtteten sein sollen.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 9. Mai 1914.

Der Frühling

^ckt an schönen warmen Tagen alt und jung hinaus in Flur unb Wal d, wo viele fröhliche Menschen sicht an den allen und dock rnrmer wieder neuen Reizen des Li-nzes ergötzen. Aber auch in der Tierwelt regt sich neues Licken. Die Finken und Slmseln lassen wieder ihren schönen Schlag erschallen, und die anderen ganger kehren nach und noch zurück, beziehen ihr altes Heim oder bauen ein neues. Dervargelockt durch die ersten tvarmen Sonnenstrahlen schwingt sich ein Schmetterling durch die Luft, int_ Grase zeigen sich Schnecken, und Käfer machen die ersten schüchternen Versuche, zu laufen und zu fliegen. In Gräben und Wasserlachen wird cs lebendig, cs wimmelt von jungen Fischen, Fröschen und Larven in allen Stadien und Großen. Besonders die liebe Jugend ist «8, die ein scharfts Axrgp für all

diese Vorgänge hat. Da gilt cs denn, diesen Trieb zur Beobach­tung und Verfolgung aller neuen Erscheinungen in die richttgenl

Bahnen zu lenken. >

Ist ein Junge sich selbst überlassen, so wird er in den allerscltcnsten Füllen die ihm' zu Gesichte kommenden Tiere vor- iiclrtig und mit Teilnahme beobachten, sondern die Tiere zu fassen oder nicdcrzuschlagcn versuchen, ohne jede llebcrlegnng, ohne Sinn und Perstand. Wie viele Roheiten und Quälereien koinmen dabei vor! Kein Schmetterling in den Lüften, kein Käser im Grase, kein Frosch am Ufer, keine Eidechse IM Graben, kein Wurm an der Erde, kein Ameisenhaufen ist sicher vor der Pcrfolgungs- und Zcrstörimgssucht der Kiiaben. Nun würde es in den meisten Fällen vollständig verkehrt sein, solche Unarten und Grausamkeiten ohne weiteres zu strafen. Man wird meist finden, daß die Kinder aus Unkenntnis und Gedankenlosigkeit handeln. Moralvrcdigtcn würden da auch wenig helfen. Man muß das Interesse der Kinder wecken, indem man sie, das Leben und Treiben der sogenannten niederen Tierwelt still zu beobach­ten, anleitct und ihnen die nötigen Erklärungen zu den gemachten Beobachtungen gibt.

Auf einen Punkt soll aber noch ganz besonders hingewiescn werden. Tie meisten Verfolgungen haben die Tiere zu erdulden, die nach der landläufigen Meinung schädlich oder giftig sind, ohne es in Wirklickstoft zu sein. Wir haben ja nur ein aiftijesä' Tier, vor dem Ulan sich hüten und das man töten muß: ibic Kreuzotter. Von den weitaus meisten Menschen wird alles Ge­tier, das auf dem Bauche kriecht, lsür schädlich und giftig ge­halten und unbarmherzig verfolgt und erschlagen. Was beson­ders die Großstädter in ihrer anmaßenden Unfehlbarkeit an Un­kenntnis in diesen Dingen leisten, ist geradezu haarsträubend: Blindschleichen werden zu Kreuzottern gemacht, und die nützliche. Kröte oder der schöne Izarmlosc Salamander für giftig und ge­fährlich erklärt. Der Unterricht in der Schule allein kann hier nicht zuni Ziele führen, wenn er nicht durch Anlcitting zur Be­obachtung im Freien, ganz gleich ob von Lehrern oder Eltern oder ^sonst wem, unterstützt und fortgesetzt wird.

Ist in den Kindern die Neigung zur Tierwelt geweckt, dann liegt eine andere Gefahr nahe: sie wollen sammeln, lebendig sür ein Aanarimn oder Terrarium, tot für Schmetterlings- und Käfersammlungen. Das darf unter keinen Umständen geduldet werden: es müßte denn unter sachkundiger s lussicht geschehen, so daß Grausamkeiten ausgeschlossen sind. Das unbeaufsichtigte Sam­meln ist der Jugend unbedingt zu verbieten. Man sehe nur, wie die Jungen gedankenlos und grausam- Käfer, Raupen, Sala­mander u. a. m. in Flaschen, Dosen und Büchsen einsperrcn, diese fest schließen, so daß die Tiere selten lebend nach Hause gebracht werden. Und kommen sic wirUich lebend an, so fehlt oft jede Einrichtung für eine passende Unterkunft; das Jntereffe nimmt auch bald ab, und die Tierchen kommen langsam um.

Schule, Familie und Tierschutzvereinc müssen zusammcnwir- kcn, um den Kindern begreiflich zu machen, wie unrecht es ist, Tiere zu peinigen, oder ihnen die Freiheit und das Leben zu nehmen. Daß durch eine rücksichtsvollere Betrachtung der Natur und iiienschlichcrc Behandlung der Tiere der Verrohung der Ju­gend wirksam entgegengcarbeitct werden kann, beweist die Tat- lacke, daß in England, wo der Tierschutz viel verbreiteter ist, seit Jahren die Sali der, jugendlichen Verbrecher stetig abnimmt.

"Tageskalender sür Samstag, den 9., und Sonnkag,

den 19. Mai: Rote Kreuz-Feier: Sonntag abend 8 Uhr in

der Turnhalle.

C a i 6 Ebel: Militärkonzert am Samstag abend.

Liebigshöhe: Militärkonzert am Sonntag nachniittag 4'/, Uhr.

Kreis-Obst- und Garten bau- Verein Gießen: Hauptversammlung Sonntag nachmittag 3'/, Uhr IN der Turnhalle in G r o ß e ii - L i ii d e n.

Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung.

O b c r h e I s i i ch e r K u n st o e r e i u. Tie Gemälde-Ausstellung ist täglich von 111 Uhr, Mittwochs von 3 bis 5 Uhr, und an Sonntagen von 113 Uhr geöffnet,

OberbeilischeS Museum n n d G a i l' s ch e E a m m - ln »gen. Geöffnet Sonntag vormittags III Uhr nnentgeltlich,

M n j e ii m für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen vormittags von tt1 Uhr unentgeltlich.

Tie Anlogemusik findet bei gutem Wetter am Sonntag uormttlog II Ubr statt. Svielplan: I. Be-thooen-Onvertüre von E. Lassen; 2. Finale des 3. Aktes, Kriegsmarsch und Schlacht- Iltzinn« au? der Oper ,Cola-Rienzi' von R. Wagner; 3. Er­innerungen ans dem Militäi leben! Potpourri von H. Reckling; 4. Fehrbellincr Rciterniarsch stur Heroldsttompeteni von C. Henri»», *

"Die Kreiskasse des Kreises Gießen schloß in der Rechnung des Jahres 1911, die jetzt geprüft wor­den ist, mit einer Gesamteinnahine von 671690 Mk. und einer Ausgabe von 655 686 Mk. ab, so daß ein Ueberschirß von 16 004 Mk. verbleibt. Die Gemeinden leisteten erneu Beitrag von 840 510 Mk. Ausgegeben wurden: sür Ban und Unterhaltung der Kreisstraßen 289 552 Mk., für Un­terstützungen 106 662 Mk., als Beihilfen au Kriegsveteraneu 21130 Ml., als Beitrag an die Provinzialkasse 136 223 Mk.

" Gewerbeausstellung Gießen 1914. Airs dem Gebiete der Gewerbeausstellung Gießen 1914, das durch das Entgegenkommen der Liebig-Gesellschaft ivesentlich er­weitert werden konnte, werden zwei Wirtschaftsbetriebe ein­gerichtet werden, die dem Festwirt I. Kemper in Hagen übertragen worden sind. Der eine Betrieb wird in der vor der alten Ohrenklinik errichteten Wirtschaftshafte in Ver­bindung mit einem Cafe untcrgebracht, wo auch fteinere Ge­sellschaftszimmer eingerichtet werden. Der andere Betrieb wird auf dem hinter dem Kliniksgebäude gelegenen Garten­gelände ausgesührt und in der Hauptsache als Bierwirtschaft eingerichtet. Neben den von der Aussteftnngsleitung ver­anstalteten regelmäßigen Konzerten usw. sind noch besondere Veranstaltungen vorgesehen, die jedenfalls eine große An­ziehungskraft ausüben werden.

" $ ie Wandergruppe der Jugendwehr un­ternimmt am Sonntag, den 17. Mai, Abfahrt 1.50 Uhr mit­tags mit der Biebertalbahn, einen Ausflug nach dem Tünsberg. Anmeldungen nimmt bis zum 13. Mai Rechts- anwalt Kaufmann, Landgrasenstraße 8, entgegen. Die Teilnehmer haben sich auf Lswaldsgarten um 1.30 Uhr zu versammeln.

" Oberhessischer Kunst verein. Wegen ver­späteten Eintrcssens der Gemälde lonnte die neue Ausstel­lung noch nicht eröffnet werden. Der größte Teil der zur Ausstellung gelangenden Kunstwerke ist erst am Freitag cingetroffen, so daß am Sonntag bestimmt die Eröffnung der Ausstellung erfolgt, welche wieder ganz hervorragende Werke bekannter Künstler auszuweisen hat.

"Rote Kreuz-Feier. Das Programm der am 10. Mai, abends 8 Uhr, in der Turnhalle an Oswaldsgarten stattftndendcn Rotc-Kreuz-Fricr ist im heutigen Anzeigenteil abgedruckt: wir ver­weisen nochmals darauf. Vormittags von 1112 Uhr ist ein Konzert der Regimcntskapelle in der Süd-Anlage vorgesehen.

" Gottesdienst iiji Walde. Gottesdienste, die im Freien abgehalten werden, sind in unserer Gegend eine Seltenheit. Wo sie sich aber einmal erhalten haben, da hängt die Bevölkerung noch ganz an der alten Ucberllefrrung und schönen Sitte.aus früberen Zeiten. So ist cs wenigstens noch mit der Feier, die alljährlich am Himmelsahrttage in dem großen Walde zwischen Lich und Hattenrod, in demMerlbach" genannten Distrikt, ver­anstaltet wird. Mehrere Geistliche halten Ansprachen, und ge­meinsame Gesänge schallen feierlich und weit durch den erhabenen Walddorn. Die Leute strömen aus der weiten Umgebung herber, besonders smd Bcffingcn, Münster, Ettingshausen, Hattenrod, Burkhardsfelden, Albach, weniaer sckw» Lich. vertreten. Der ganze Wald ist belebt: wer dein Gottesdienst unter freiem Himmel nicht beiwohnt, sucht Machlumen oder Waldmeister für den Pffngfttrairk.