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Erstes Blatt

J64. Jahrgang

Montag, 4. Mai M4

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oderhessen

Rotationsdruck und Verlag der Bröhl'schen Univ.-Vuch- und Lteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulftratze 7. Rm -' a

Ve-u asvretS:

montitlich75Pf.,vierlel» jährlich Alt. 2.20-. durch Abhole' u. Zweigstellen monatlich 65 'Bf.; durch die Post Mt. 2.viertel» fährt. ausjchl. Beitella. Zeileupreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Vfemiui. Chefredakteur: dl. Gociz. Verantwortlich für dcu polit. Teil: Aug. Goeg; fürFeuilleton"»Ver­mischtes* uud,.Gerichts- saal": Narl Neurath; iürStadt llud Land":

Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.

Tageskalcnder aus dem Jahre 1814.

4. Mai: Napoleon landet auf der Insel Elba.

Wehrbeitrag und Rückzahlung.

Die ungeheure und für immdx Bundesstaaten ganz neue Arbeit der Veranlagung zum einmaligen Wehrbeitrag ist trotz der inancherlci Schwierigkeiten, welche diese Steuer mit ihrer etwas verwickelten Betriebsordnung bot, glaixr, als inan dachte, bewältigt worden, und im Bereich der preußische» Monarchie soll bereits in dieser Wock>e mit der Zustellung der Deranlagungsbescheide begonncu werden. So­wohl in Preußen wie in den meisten anderen Bundesstaaten dürfte diese Zustellung im wesentlickzeu schon in diesem Monat, spätestens aber in der ersten Hälfte des Juni er­ledigt werden, so daß die Frist zur Zahlung des ersten Drittels des Wchrbcitrages, der binnen drei Monaten zu entrichten ist, im allgeincincn im August ab- laufen dürste.

Auch die Zusammenstellung der Ergebnisse des Wchrbeitrages nähert sich allenthalben dem Ab­schluß. In Preußen stehen zurzeit nur noch die Nachweise aus fünf Regierungsbezirken aus, so daß also sich hier das Gesamtergebnis bald überscheu lassen wird, wovon dann freilich noch ein Abzug von fünf Prozent für nicht eingehende oder zuriickzu,zahlende Stcuerbeträge in Ansatz gebracht wird. Zuverlässige Unterlag» über das Gesamtausioinnien zum Wehrbeitrag tonnen natürlich erst dann gewonnen werden, wenn die endgültigen Ergebnisse aus allen Bundesstaaten vorliege» und geprüft und gesichtet sind, was immerhin noch geraume Zeit dauern wird.

Indessen lassen sich schon aus den bisher vorliegenden Einzelergebnisfen einig« Schlüsse aus die Ergiebigkeit des Wehrbettrags ziehen. Wenn man auch nicht alle Mel­dungen ernst zu nehmen braucht, die durch die eine oder andere Zeitung über die plötzlich entdeckten Biillioncnver­mögen verbreitet worden sind, welche der wohltätig wirkende Generalpardon ans Licht gebracht haben soll, so steht doch fest, daß diese Absolution fiir früher begangene Steucr- sünden vielfach einen günstigen Einfluß auf die Selbst­einschätzung ausgeübt hat. Die Ergebnisse aus etlichen Be­zirken lassen ein außerordentliches Anwachsen der Steuer- crgcbnissc erkennen, und wenn dies auch nicht überall dein Generalpardo», sondern vielfach der natürlichen Entnnck- lüng der Vermögens- und Einkommenvcrhältnisse zu ver­danken sein dürfte, so hat sich diese Maßnahme der Abso­lution dock, als so wirksam erwiesen, daß es sich wohl er­wägen ließe, ob man nicht auch in Zukunft von ihr in der einen oder anderen Weise Gebrauch machen sollte zum Nutzen der Steuerzahler wie der Steuerkassc. Allein die Ver­anlagung des Wehrbeitrags für Groß-Berlin hat einen Betrag von 144 665 600 Mark ergeben, eine kolossale Summe, wenn man bedenkt, daß der Ertrag des gesamten Wehrbei- träges in Deutschland aus eine Milliarde geschätzt wurde. Dabei ivird das Hinausschnellcn des Bermögeiisdcstandes in Groß-Berlin, soviel aus den einzelnen Meldungen zu er­sehen ist, verhältnismäßig noch von deni in manchen anderen Bezirken, sogar auch in Landbezirken übcrtroffen. Im übri­gen wären die Ergebnisse fast durchweg zweifellos noch günstiger gewesen, wenn nicht am 31. Dezember 1913, welcher Tag für den Bcrinögensstand maßgebend war, die Wert­papiere insolge der ungünstigen Konjunktur fast durchweg einen sehr niedrigen Stand ausgewiesen hätten.

Der nationale wert des Sports.

Bon Dr, Martin Berner,

Lauge hat mau gezivcifelt, ob deni Sport überhaupt eine nationale Bedeutung innewohnc. Tapfer hat sich der deutsche Sport lahrelang gegen die immer nieder austauchcnden Bor würfe wehren müfsen, er sei undentichc Ausländerei, Koketterie mit welschem Tand. Ter Leipziger Gelehrte L a NI p r e ch t setzte den Sport kurzerhand unter diegallischen" Untugenden NM der Anftochlung des Ehrhcizcs willen, die sich dann aber aller Theorie zum Trotz auch und gerade bei den Böllern gcrmaiiiicher Rasse alsTugend" erwies. Andere wurden abgestoßen von der Beschwerung an sremdiändiichen Sprachresten, die der Sport in seinen Kindcrjahven noch nicht abgcstreist hatte und in einigen wcltscrnen Sportzwcigen vielleicht Ijcute noch nicht ganz los­geworden ist.

Atlc diese Bedenken sind angesichts, der Arbeit, die der deutsche Sport Schulter an Schulter mit dem deutsckwn Turnen tag­täglich in der vorbereitenden Arbeit für die nächsten Olympischnit Spiele leistet, mit einem Windstoß fortgescgt, Tie praktische Arbeit hat besser als alle Streitschrüten die gcwalhge völkische Krait des Sports vsfcnbart. Schon in der Bewegung, die sich seiner Zeit an die Ablehnung des Reichszuschusics in der Budget- kommiision des Reichstags ichloß und sich schließlich an den Toren desselben Parlaments unabweisbar Gehör verichafitc, wurde das klar. Mit einer bei uns seltenen Einmütigkeit gelang es dann, alle Parteien des Reichstags bis auf eine einzige zu einem wahrhaft nationalen Werk zu einigen.

Wie die Parieren, so hat der Sport auch andere Gegensätze in unserem Bolke glücklich überbrückt. Vor allem gilt das von der übertriebenen sozialen Absonderung, deren unleugbare schaden für unier Volkstum kürzlich den Württcmbergiiäen Gocthcbund sogar zu einen! eigenen Preisausschreiben bestimmt haben. Ein kleines Beispiel baiür liefern die Olympia-Vorbereitungen in dem märkischen Städtchen Brandenburg, wo demnächst von mi­litärischer Seite ein Svortiest veranüaltet wird, das ebenso Wett- känrpie für Lsiiziere wie für Mannschaften wie für die bürgerlichen Turn- .und Sportvereine enthält. Ein solches Zusammengehen ganz verschiedener Stände wäre »och vor kurzem undenkbar gewesen. Wo es gelungen ist, Begeisterung für die olumpnchc Idee zu entfachen, da wirken Angehörige aller Berufe und Anichouimqrn einträchtig Miteinander. Wäre man ein noch io großer Skep­tiker in der Beurteilung der Olympischen Spiele als Grad- nressers körperlicher Rüstigkeit ganzer Völker und bis 1916

Was daS Gesamtergebnis des Wehrbeitrags be­trifft, so lassen sich zur Zeit selbstverständlich nur Vermutun gen ausstellen: aber darüber kann kein Zweifel sein, daß die ursprünglich angenommene Milliarde nicht nur erreicht, sondern nicht unerheblich überschritten werden wird^ Man hört denn auch schon vielfach in den Kreisen der Steuerzahler von der vermnllich erfolgenden Kürzung des letzten Drittels des Wehrbeitrags hoffnungsvoll reden, aber cs dürfte vielleicht angebracht sein, diesen Optimismus zu dämpfen, »in späteren Enltänschungcn vorzubcngen. Ganz abgesehen davon, daß noch nichl seststeht, um wieviel der geschätzte Betrag überschritten werden wird, ist dieser im Gesetz übcrhauvt nicht fixiert. 869 des Gesetzes über den Wehrbeitrag bestimm! in dieser Beziehung nur, daß die Ein­nahmen ausschließlich zur Deckung der Kosten für die aus Grund des Gesetzes vom 28. März 1913 beschlossene Ver­stärkung der Wehrmacht verwendet werden sollen. Als solche Kosten sollen die einmaligen und die sorldauerndcn Ausgaben der Jahre 1913 bis 1916 gelten, soweit diese nichl aus dem Ertrage der erlassenen oder noch zu erlassende» Decknngs- gesetze oder aus lausenden Einnahme» bestritten werden lön- ncn. Im zweiten Absatz des Paragraphen wird dann hoff­nungsvoll verkündet:Wenn nach dem Voranschlag für das Jahr 1915 die Einnahme aus dem Wchrbeitrag die Aus­gaben, zu deren Deckung sic bestimmt ist, überschreitet, ist der Wehrbeitrag zur Kürzung des letzten Drittels des W ehrb ei trag s nach Maßgabe deS Rcichshciushalts- gesetzcS bereitzustellen."

^ Es handelt sich also hierbei nicht nur um einespätere Sorge", sondern sür alle Fälle auch um sehr schwache Hoff­nungen, denn einmal liegt wenig Anlaß vor, aus Ueber- schüssc für die nächsten Etalsjahrc zu rechnen, und des wei­teren ist bisher in der Stcuergeschichtc der Fall noch nicht verzeichnet gewesen, daß sich ein Steuerertrag als zu hoch für denBedarfsfall" erwiesen hat. Man wird also, wie er­giebig sich auch der Wchrbeitrag erweisen sollte, gut tun, keine allzu ausschweifenden Hoffnungen aus die theoretisch zulässige Ermäßigung des letzten Drittels zu setzen.

ventsche» Neich.

EinBesuchdcsKaiscrpaars in Karlsruhe. Nach Mitteilung des badischen Geheimen Kabinetts wird das Kaiser- Paar aus der Rückreise von korsu Tonnerstag, den 7. Mar, nach­mittags 4,30 Uhr, zum Besuch der großhcrzoglichei! Hercsckzasten in Karlsruhe eintreßen und Freitag, den 8. Mai, spät abends nach Braunschiveig abreisen.

Im preußischen Ab g eo rdnet en ha u s c wurde am Samstag über die Universitäten und die höheren Lehranstalten verhandelt. Fair die Univeriität Berlin verlangte ein Antrag Aronsvhn iVvsi eine» Lehrstuhl sür Tropenvatkologie und ein Antrag Dr. Runze lBp.) ein Ordinariat sür prähistorische For­schung. Die Anträge werden befürwortet von den Abgeordneten Mugdan (Vp. >, Dr. Arning (Natl.) und Dr. Runze siFp.) und werden dem Budgetausschuß überwiesen. Bei der Universität Greifswald benutzt derGenosse" Hönisch den Fall der abstinenten Studenten zu Ausiäilcn gegen das Tiszipliuarrecht der Universilätc». Ein Antrag Viereck (Freikons.l, bete, die Er­richtung eines Lehrstuhls sür olieuropäische Geschichte und Landes­kunde in Breslau gibt dem Abg. Künzer (Natl. > Anlaß, eineu gleichen Antrag sür die Akademie Posen zu stellen. Auch diese beiden Anträge gehen an den Budgetausschuß. Bel der Universität Göttingen" ersucht ein Antrag des Budgetausschnsscs vom nächsten Jahre ab zur Förderung der Sammlung der Quellen der Resigionsgeschichte durch die Göttinger Gesellschaft der Wissen» fchastcn bis zum (tzcsamtbetragc von 100 000 Mk. einen Jahres- betrag von 10 000 Mk. in den Voranschlag cinzustcllen. Ter Antrag sindet Für'brache, besonders seileus des nasionil'iberalcn Abg. Dr. Otto-Göttingen und wird gleichsalls dem Budgtaus- schuß überwiesen. Nach weiterer Aussprache, die den Universitäten

wird man mit solchen Skeptikern rechnen müssen so reichten doch die segensreichen Borivirkungen der Olympischen Spiele in ilwer aufrüttelnden, einenden Arbeit allein schon hin, die Spiele zu cinenr erfreulichen und großen Werk zu stempeln.

Es gibt im Hader der Partei- und Jntercssenkämpse, wie sie keinem Lande erspart bleiben, der über den Gegensätzen des Alltags stehenden Fragen wahrlich so wenig, daß wir uns über jede Bereicherung ihrer Zahl von Herzen freuen sollte». Ei» gut Teil dieser Freude an deutscher Arbeit ist bei uns seit dem denk­würdigen Tage erwacht, an dem in Stockholm 1912 die Veran­staltung der nächsten Olympischen Spiele an Deutschland über­tragen wurde. Keinen Tag zu früh denn vorher hatten wir das Stadion noch nicht hosientlich auch keinen Tag zu spät, um eiuzuholcn, was solange bei uns in körperlicher Ausbildung vernachläiiigt worden ist. Das sind ja beileibe nicht nur sportliche Siege und die vielfach zu Unrecht verkanntenRekorde", sondern sind so allgemeine Und in ihrcin Wert unbestrittene Dinge wie die Schafiuiig zeitgemäßer Spiel- und Sportplätze, die Gewinnung dcr schulentlassenen Jugend zu fröhlichem Zeitvertreib mit taug­lichen Mitteln, die Belebung der schulmäßigcn Erziehung durch die Freude am Wettkampf, die Einwirkung aus unhaltbare aka­demische Sitten und ähnliche Fragen, über die unter allen Ein­sichtigen kaum Streit besteht. Angesichts einer so hervorragend nationalen Bedeutung des Sports müssen auch die Bedenken ver­stummen, ob seine gelegentliche Herkunft aus anderen Zonen auch Fremdkörper einschmuggeln könnte, wie man etwa im Hin­blick aus die von dcr deutschen Olympia-Studienkommission aus Amerika heimgcbrachten Vorschläge vor einem mrhedachtenAme- rikanisicren" »gewarnt hat. Daß ein solches von jcdcrmvirn verurteilt wird, steht ohne weiteres fest, aber auch das andere, daß deutscher Geist stark genug ist, um sich überall durchzusetzen auch bei Einrich­tungen, die er von andersher übernonrmen hat. , Dcr Sport zählt ja gerade zu scincn vielen erfreulichen Eigenschaften auch die, das; er '»wie gemeinsames Kulturgut aller Völker ist, dabcl aber doch die nationalen Gegensätze nicht im geringsten verwischt hat. Wenn die Nationen sich 1916 im Deutschen Stadion bet mannigfachen Wcttkinnpsen gcgcnüberstehrn, so sind sie nichts anderes als Geg­ner, wenngleich sie nicht verhindern können und auch gar nicht hindern wollen, daß die eine von der^ anderen lernt. Wenn wir das cbenio geschwind besorgen wie Schweden 1912, das aus den letzten Olvmpiichcn Spielen so würdig für den Namen seines Volkes gekämpft hat, so haben wir vieles erreicht auf dem Wege zu nationalem Selbstbewußtscin und nationalem Krastgesühl, Ei-

Marburg, Bonn und M ü n st e r galt, kamen die höheren Lehranstalten an die Reihe Es wurde hier angesichts der gäh­nenden Leere, die im Sitzungsraumc lzerrschtc, der Wunsch »ach Vertagung laut, dem indes Vizepräsident Dr. v. Krause durch­aus keinen Geschmack abgewinnen konnte. Und da ein ausdrück­licher Antrag nicht gestellt wurde, so ging die Verhandlung weiter. Man sprach über Leh p äne, Acrehligungswc ca. Behandlung der Schüler, Tchülcrsclbsnnoid-, den Enenipvralc-Erlaß, Anerkennung dcr Oberlehrer als unmittelbarer Staatsbeamten und noch man­ches andere.

Zur 2. Lesung des Konkurrenzklausclgcsetzes ilt im Rcickistagc von den konservativen, nationalliberalen, Irei- siunigc» und Zentrumsabgcorducwn der 12. Rcichstagskommission iür daü Plenum ein Einigungsantrag gestellt worden, der dahin geht: Tas Koukurrenzklauseloerbot soll nichtig sein, tvcnn das Gehalt des Gehilscn den Betrag von 1500 Mark nicht übcr- steiat. Ter Ausschuß hatte 1800 Mark beschlossen. Tie Regierung erklärte damals über die Summe von 1500 Mark nicht hinaus- gchcn zu können. § 75 c soll lauten: Hat dcr Handclsgchilie sür de» Fall, daß er die in der Vereinbarung übernommene Ver- pilichlnng nicbt erfüllt, eine Ttraie versprochen, so kann der Prin­zipal Ansprüche nur »ach Maßgabe dcr Vorschriften des 8 340 des BGB. geltend machen. Tie Vorschriften des BGB., über die Herabsetzung einer unverhältnismäßig hohen Vertragsstrafe bleiben unberührt Ist die Verbindlichkeit dcr Vereinbarung nicht davon abhängig, daß sich dcr Prinzipal zur Zahlung einer Entschädigung a» den Olchilfen rerpilichtet, so kann der Prinzipal, wenn sich der (vehilie einer Vcrtragsstraic unlerworie» hat, nur die venvirkte Strafe verlange», der Anspruch aus Ersüllung oder aus Ersatz eines weiteren Schadens ist ausgeschlossen. (Auch hier hat man die Vorlage wiederhcrgestclltsi Es ist fraglich, ob dieses Eutgegcnkom- men der Regierung genügen lvird, denn cs bestehen noch andere Disserenzpunsic. Nach dem Einigungsantrage soll das Gesetz am l. Oktober d. I. in Kraft treten.

Zur zw eiten Lesung des Militär Voranschlags im Plenum des Reichstags wird dickonscrvativcFraktion den Antrag stellen, die Nachrichtenstelle sür die Presse i nt Kricgsministeriuin, die der Budgetausschuß gestrickten hat, wiederherzustellen. Tas Z e n t r u m dürfte im Plenum wahr­scheinlich iür den Antrag stimmen, so daß seine Annahme gesichert ist, da er auch von den Nationalliberalen unterstützt wird.

Ter Ertrag des Wehrbeitrags in Baden. Einer halbamtlichen Mitteilung zufolge ist die Veranlagung zum Wehr- bcitrag im Großherzogtum Baden in dcr Hauptsache vollzogen. Tas Gcsamiwelwbritragsauikomineu beläuft sich auf 31,2 Millio­nen und wird sich unter Berücksichtigung einer kleinen Zahl noch nickt erledigter Fälle aus etwa 32 Millionen erhöhen. In dcr Vorlage der Rcichsregier-ing an de» Reichstag lvare» als auf Baden entfallend nach der Bevölkerungszahl 32 bis 33 Mi lioneit errechnet worden, so daß das tatiächlichc Ergebnis dieser Schätzung ziemlich nahekommt. Tos Wchrbcitragsergebnis dcr»' größten Städte Badens ist folgendes: Mannheim 8,9, Karlsrulze 4,1, Freiburg 3,5, Heidelberg 2,8, Pforzheim 1,8 Millionen, so daß diese Städte über zwei Drittel des aus Baden entsallenden Wehr- beitrages ausbringcn. ,,

Wöchncrinnengcld und Krankenkassen. Im Reichstage haben die Abg. v. Meding und Behrens folgende Anfrage cingcbracht: tvemäß S20G dcr Rcichsverlsicherungsord- ung entsteht sür die Versichcrungsvilichtigen der Anspruch aus die Regelleistungen der Krankenkasse mit ihrer Mitgliedschait. Tie Mit­gliedschaft Versicherungspfiichtiger beginnt mit dem Tage des Ein­tritts in die versicherungspslichtige Beschäftigung. Zu den Regel- leistungen dcr Krankenkasse gehört auch das Wochengeld. Allerdings soll dieses nur solchen Wöchncrinncii gewährt werden, die int letzten Jahre vor dcr Niederkunit mindestens 6 Monate hindurch aus Grund der Reichsversichcrung oder bei einer kuavpsckiastlichen Kranken­kasse gegen Krankheit versichert gewesen sind. Diese Vorschrift kann aber doch nicht sür solche Wöchnerinnen angewandt werden, die erst am l. Januar 1914 versicherungspilichtig geworden lind. Es gibt aber Krankenkassen und Bcrsicherungsbchördcn, die solchen Wöchne­rinnen, die am l. Januar d. I. versicherungspilichtig wurden, das Wochengeld mit der Begründung verweigern, daß sie noch nicht sechs Monate der Krankenkasse angehöre». Da eine derartige HaitdKabung der Reichsversicherungsordnung »uscrcr Ausfassung nach diesem Ge-

gcnjchajten, die uns schau manchmal i» höherem Maße gewünscht worden sind und von Nutzen gewesen wären.

Kölner Blumenspiclc. Aus Köln, 3. Mai, wird gemeldet: Heute fanden zum 16. Male die von dem verstorbenen bosrat Fastenratl, ins Leben gerufenen Kölner Blumenspiclc in Antvescnheit dcr Spitzen der Behörden statt. Blumenkönigin war in Vertretung der Königin oon Sveniien die Olcmahlin d.'S Kon­suls de 7lsis Caballero-Franksurt a. M. Oberbürgermeister Wallraf, icr Vorsitzende des Verwaltunisrats dcr Fastcnrath-Stistung, gab bekannt, daß von den 8500 Mk. dcr diesjährigen Zinsen der Fastcn- rathsstiitung 1000 Mk. satzungsgcmäß Kölner Schriststelleru, dcr Rest andern Schriftstellern, u. a. Karl Roettger-Groß-Lichicrsclde, Georg Bussc-Palma-Berlinich Rudolf v. Tclius-Wilmcrsdors zu- gewcndet werden.

Entdeckung alter Erfurter Renaissance- Malereien. Aus Erfurt wird uns geschrieben: Bei dcr Re­staurierung eines zwischen 1560 und 1570 erbauten Hauses sind an der Fassade zwei alte Wandgemälde ausgedcckt worden, die osicn- bar den Rest einer umfangreichen Fassadcnmalerci darsicllcn und nur durch eine früher darüber anacbrachte Holzverschalung der Zer­störung entgangen sind. Tic verhältnismäßig gut erhaltenen Gemälde zeigen zwei allegorische Frauensiguren,Die Gerechtigkeit" und Tie Eitelkeit" darstellend. Die Vorbilder zu diesen Figuren hat man ohne Zweisel in Kupferstichen oder Holzschnitten der deutschen Frührenaistance zu suchen. Tie Technik ist insofern interessant, als die Zeichnung aus grauem Grund mit schwarzen Linien eingeritzt ist. Tie Entstehung ist mit ziemlicher Sicherheit in das Jahrzehnt 1560 bis 1570 zu verlegen.

Versteinerte Blumen Versteigerte Blumen finden sich nur ziemlich selten, in erster Linie in den Bcrnstcinablage- rungen dcr Ostsee. Um so größeres Interesse findet daher die Tatsache, daß kürzlich L. C. Elenuc von der Vanderbilt-Univcr- sltät eine ganze versteinerte Flora von über 250 Pilanzenartcn ent­deckt hat, die in dcr Mehrzahl subtropischen Charakter haben und von denen viele der Wissenichast neu sind. Diese reiche Flora fand sich im Süden von Tennessee in dcr Eöcen-Formation. Besonderes Interesse erregte darunter eine vollkommen erhaltene Blume, die zu den Mimosen gehört und der man den Namen Combretanthites eocenica" gegeben hat.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Hosrat Stury in Asienburg hat sich infolge seiner angegrisicncn Gesundheit entschloiieu, Ende Scvienchcr von der Intendanz des Herzoglichen Hostheaters zurückzutreten.