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Sanftes Blatt

* 64 . Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sanntag».

Tiechleßener jaintKti)M«ttcr werden dem

,iUiij«ifltt* »iermal wöchentlich beigelegt, da« ttreirdta» für den Kreis «netze»" zweimal wuchentlich, DieLandwirtschastlichen z«. jrsgen" erscheine» »lanattich «wennal.

Giekener Anzeiger

General-Anzeiger für GberheHen

§amstag. 2. Mai *9*4

Aolationsdrnck und Verlag der Brühl'schea UnwersitälS-Buch- und Siciudrulterei. R, Lange, Dießem

Redaktion, Erpedition und Druckerei: Schul» straste 7. Expedilion und Verlag: Redaklion:^EN2, Tel.-Adr.:Anze>gerDleii«i»

Mb. Deutscher Reichstag.

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246 Sitzung. Freit«,, l. M a i »m Tische de« BundeSrats: Dr. Delbrück Präsident Dr. »aempf eröffnet Uc Sitzung um 1 Uhr.

Kurze Aufra,en.

Von den Sozialdciiiolraleii fragen Titlm»»« und andere Mi,

,lieber, ob den, Reichskanzler bekannt tzi:

1 . daß das n j a n t e r, e - R lgj n, c n , a, , ,

Straj,burg i. EI,, während der chter. »i,uer»u>alc be'i strenge: Stnltc und iagclangem RegenN-stcr zu Fewchevstüdm gen in, Gelände bis zu funslägigcr Da,er b'mmandrert worden »t. datz infolge die,er Strapazen sehr d«,e Lrkrankunaen vergekvinaien s,nd. >»folge deren die Le,«reite zcitweilia über" full! waren; 2. daßitzvei Soldaten der z.eiten Kompagnie durch die unausg«,ctzte Uebcranslrenguug >m dienst gesundbeittick gesäiwäch, ivurden. dasi sie nach kurze Erlran^inV arlen ». dasi zwc, andere Soldaicn die,er »orpagu.e au» «».weit lung ihrem "eben durch Erhängen bezn- Erschicstm ein »..^ niachten i - Wo- gedenkt der Reichs,anzlr za ,Üv um sokcho, Vorkommnissen vorzubeugcn?

Generalmajor Wild «°n Hohenborn: 1 es ist nicht richtig, daß infolge von Strapaze» bei Uebnngcn dcsi41. Regiments sehr viele Erlrankunge» vorgekoinme» sind und dsi tzrc Lazarette in. folge davon übersülll waren; 2. 's ist Nicht utchjscnd, dasi Sol.

,orge oaovn ... - ^, D ^u,.

date» der zweiten Kompagnie infolge Uebcraslringung gestorben sind, vielmehr handelt es sich bei zwei TodessOci in dieser Kom­pagnie um einen Fall von Genickstarre und:iin UngliicksjaN; S. es >,i nicht richtig, dasi Soldaten derselbe,, jtmpagnic ihrem Leben ein Ende machten; vielmehr ist nur ei, LIbsimordvcrsuch vcvgekonmien, dessen Ursache in keinem Zusamn-mang mit den in der Anfrage angeführten Gründen steht. Fm iifjigen wird d i e Beantwortung der Anfrage abgcleüil, da weder der Reichskanzler, noch der Reichstag ,n A tz g: ll g e n h c i t e n der Ausbildung der Truppen zuräntg ift. (Bei- fall rechts, Unruhe bei den Soz.)

«bg. Tittnian» (soz.) fragt zur Ergänlrng leitcr an:

Ist dem Reichskanzler bekannt, dasi beiden i der Anfrage erwähnten fünftägigen Hebungen die Mantfchof», in den kal­ten Febrnarnächicn nicht aas den Rlfidc», hcraus- kamcn und das weder für Quaitiihi, och Ver­pflegung »orgcforgt war? Ist dcb ckchskanzler b«. kannt, dasi einer der ums Leben gekommtien öoldaten zwei Tage hintereinander von morgen» 4 Uhr b« acfd.z 8 Uhr im Dienst war und dasi er auch in der dazwisoenllfgcndcn Rach, anstatt der vorgeschriebenen l Stunde 4 isuncv Wachtdicnft lat, so daß er 4L Stunde» nicht schlafen kontte Generalmajor Wild vo» Hohenborn: Ich hcc meinen Er­klärungen nicht» hinzuzusügen. (Beifall rechts iruhc bei den Soz.j

Abg. DitMiann (Soz.) fragt zur Ergänzung »ter:

Ist der Reichskanzler bereit, wenn ihm Äa,al überreicht wird, aus dem sich ergibt, dasi die gegebene A»ort objektiv unzukresfcnd ist, neue Ermittlungen auzustcllen Präsident Dr. Kaemps: Das ist keine Ergänzuiher Anfrage. (Unruhe bei den Soz.)

Der Abg. Birkenmatzer (Zentr.) fragt:

Ist dem Rcichslanzler bekannt, dasi durch denZrchherzog, lich Badischen Geheimen Rcaierungsrat Dr. Lsietrein zu Karlsruhe in Baden ein Präparat Malleb r _ als

Heilmittel gegen J .f.ktionskrankhc^n her-

gestellt Warden ij», welches!n medizinlschen Kreisen olge sei- ncr Wirkung als sehr bcdculsam erkannt worden > 2. daß diese» Präparat sich at» Heilmittel gegen die Maut- uKlauen- feuche. sowie gegen die Tuberkulose und in tetzterHinsjcht auch bei Erlrankunge,, von Menschen ersolgreincwährl bat? 3. dasi eine Reihe von Fachmännern, gestützt,f ihre Erfahrungen, sich zugunsten diese» Heilmittels au»,rochen haben? Gedenkt der ReichStanzler feinen amtlicheiinftusi zur möglichst unsiangreichen Verwendung dieses Hnitielr geltend zu machen?

Ministerialdirektor von JonouiereSi Bei Bcankworz die­ser Frage ist eine eingehende Würdigung des Sachverh, w>S- geschlossen. Sic würde entweder eine besondere Rcgivc für das Mittel oder dessen vollkommene Dtsfdi- t i e r u n g zur Folge haben. Da keine dieser beiden Wngen als erwünscht anzufchen ist, mutz die Bcaniwortung böiger Anfragen fetz! und auch in Zukunft gr und fl ich abgelcdnt werden, wenn nicht ganz besondere Intcre des ötscntlichen Wohles Ausnahmen angezcigt -rfcheinestfen. (Beifall.)

Der Schuh des menschlichen kebens aus S

Die Aussprache über den internationalen Vertrag w ort- gesetzt.

Ministerioldireftor v. JonquiöreS:

Ich muß dem Abg. Schumann, der gestern die Aiachc etrißclcitct hat. von üornberetn scharf cntjcn» treten Er hat gesagt, nach derTitanic"-Katastrophc nur etwac> gcichelren. weil cs sich dabei um amerikanisch i l - I \ a r u n r ? gehandelt habe; wären es Ztvischcndecker «esen, dann wäre »uckts geschehen. Diese Worte sind schon dem Hause mtt Unruhe ausgenommen worden. Ich muß mseits auch unserer 6 n t r ü st u n g über diese Bemerkung >ruck geben. Ber dem ticstranrigenTltmnc'-Unglück spie die amerikanischen Milliardäre nicht die erste Rolle. In Ersten ttlafje waren nur 325 Passagiere, m der zweiten 225, ab der dritten 706 i»genantc Zw,schendcckcr. Dazu kamen 885 Mannschaften, Es handelte sich im wesentlichen also g um Zwischendeckes. Und gerade dieses Unglück gab Anlaß veit« gehenden Vorbeugungsmatzregeln. Im übrigen ist für das i^eben eines Zwischendeckes genau so viel wert, wie deben eines amerikanischen Milliardärs (Beifall). Natürlicknnen jo außergewöhnliche Maßregeln ohne derartige Kotastrnicht

ohne weiteres in Frage.

Wir waren seit langen Jahren mit solchen Unfällen verschont. Das letzte war der Untergang derElbe"^ahre

18L5 " Seitdem sind d.e Unfallvorschristen fortwäh auS. cebant worden,. Es ist d-nn 'Befchwovd- geführt w- dasi

gebaut worv^n. v-» ___________

z u der Konferenz lein Vertreter der > ä n Nischen Arbeiter zugezogett wurde, tatsächlich aber diese Arbeiter bei den VorbercituNlie» zu der Konsc,schärt worden. Besondere Vertreter der Reeder wurden auüt zu, siczoge». nur ztuei fachverstänbize Herren, keine rmNtschc Vertreter. Die seemännischen Arbeiter bvauchtcn kesiondc- rcn Vertreter. Die Regicrnngsvcrlrcter smd doch b.. olle Bctciliptcn pleichzeststz zu uritrc'.cn. Wir batten inzensatz zu dem srzialdcniolratischen Redner die Secberu nas. s e n s ch a s t stir ditrckmus geeignet, die ihr zufallendcpnben zu erfülle». Aus vereinzelte» Vorfällen kann man dcst den Schlusi ziehen, dasi die e-eebcriifegetwifcnfchost unsähi

Abg. Dr. Pflrger (Zentr.):

Wir sind überzeugt, daß der vorliegende Vertrag »et ist, die Sicherheit der Schiffe aus hoher See zu erhöhciu Sec. deruf^geuosienichasten gebären zzi d«r bssrgelcitL<rusS- taevojlenschastcu, uuL> wir bringen iljs: vollcp VcrtrauLcgen.

Abg. Basscrmann (Natl.):

Namen? meiner politischen Freunde kann ich dem unS vor. liegenden Vertrag zusttmmen. Wir hoffen, das cs auch aus anderen Gebicterc gelingen möge, zu internationalen Verträgen zu gelangen, so z. B. auf dem Gebiete der Frachtscbifs. fahrt. Dio Borlvürfe des sozialdcnurlratischcn Redners halten wir für unbegründet. Unsere Rcedercicu werden von vortreff. llchen Männern geleitet und die Sichcrhcitsvorsckriften, die jetzt vorgcschlagen werden, waren zum größten Teil durch unsere Reede- rcicn bereits einycsührt. Die ausgezeichnet geleiteten Seeberufs- genossenscbaften sind stets bemüht, ihren schwierigen Ausgaben ge. recht zu werden, und deshalb halten wir die sozmldcmokrotsichen An­griffe gegen sie hier für unberechtigt.

Abg. Graf Westarp (Kons.):

Der Vertrag ist ein großer Fortschritt. Die Sichcrbeitsvor« schriften sind wesentlich verbessert. Wir lassen un-> die Freude au dem. Vertrag durch die sozialdcmokratischc»r Angriffe nicht trüben. Diese Benmngclmrgen waren zu erwarten. Das gehört zur Agitation S Methode der Sozialdemokraten.

Die Secbcrufsgenosienschaft verdient bei der Durchführung des Gesetzes volles Vertrauen.

Abg. Dr. Hcckschcr (Vp.):

Dieser Vertrag ist ein erfreulicher Fortschritt, den wir dank, bar begrüßen. Ls ist beachtenswert, daß die Initiative zu diesem vortrefflichen Uf bcrciulommen von Deutschland auSgegangen ist. Die Rede Schumanns lvar stellen« weise von leidenschaftlichem Haß getragen. Es ist schwer, sie mit parlamentarischen Ausdrücken zu kennzeichnen. Die deutsche Handelsmarine steht unter der Aufsicht der Sceberufs- genossenschoft und des Reichsamts des Innern an erster Stelle in der Welt. Die Unfallziffer ist für Deutschland günstiger als für England. Wenn Arbeitervertreter eine solche Gesinnung wie Schumann zeigen, dann ist es für die Arbeitgeber, wenn sie Selbst« achlung haben, schwer, mit ihnen zu verhandeln. Die Behaup« tung, daß die Reeder nur etwas getan lzaben, weil es sich bei der Titanic.Katastrophc um Milliardäre handelte, ist von unerhörtem Klassenhaß getragen. (Sehr richtig! rechts.) Das muß auch der Abg. Stollen zugeben. wenn er vom hanseatischen Geist getragen ist. (Lachen der Soz.) Sie machen es den Reedern sehr schwer, sich in Verhandlungen einzulassen, wenn Sie ihnen mit dieser Gesinnung entgegcntrctcnl Diese Angriffe muß man in der schärfsten Weise brandmarken. Dle deutsche Schisfahrt hat Großes in der Welt geleistet. .

Abg. Dr. Arendt (Rv.):

Der Abg. Schumann hat seine Pflicht als Sozialdemokrat voll erfüllt. Wir sind cs ja gewöhnt, daß d t c S o zraldemokra- tic i lt dieser giftigen Weise bekämpft tvird. Herr Schumann wird daher bei der heutigen Maifeier sicherlich volle Anerkennung finden. Der Vertrag bringt uns ein gutes Stück vorwärts. Er ist das Muster eines internationalen VerkchrSver- tragS. Die SeeberufSgenofsenschaft verdient tatsächlich volle An-> crkennung. Alle bürgerlichen Parteien sind darin einig. Wir sollten den Vertrag heute gleich in erster, zweiter und dritter Le­sung annehmen.

Abg. Behrens (Wirtsch. Dgg.)k Auch wir sind befriedigt. Die sozialdemokratischen Uebcr- ireibungen schädigen die Arbeiter nur Mt fliegenden Fabnen brauchen wir nicht ohne weiteres ins Lager der Berufsgenossen. schäften übergehen. Wir sollten prüfen, ob wir die Kontrolle nicht dem Staate überlassen sollen.

Abg. Stolten (Soz.):

Ich mutz mich entschieden gegen den Versuch Dr. HeckscherS wehren, mich mit meinen Freunden in Gegensatz zu bringen. Wir sind sachlich ganz einig. Die Ausdrucksweise freilich ist Sache des Temperaments. Ein Grund, sich über Schumanns Worte zu ent­rüsten. liegt gar nicht vor. Haben wir nicht alljährlich viele Bcrg- werksunglückc. ohne daß etwas Durchgreifendes geschieht? Bei Dr. Heckscher schlug die Entrüstung große Flammen. Er sprach davon, man wolle nicht mehr mit den Arbeitern verhandeln. Die Arbeitgeber tun cS doch nicht wegen der schönen Augen der Arbeiter, sondern aus eigenem Interesse. Wir sprechen grade her« auS. während andere ihre Gedanken hinter schönen Worten verbergen. Zur Kontrolle genügt die Sccberufs- genossenschaft nicht, wir verlangen dafür besondere staatliche Or­gane. Sonst wird der Antrag nicht voll durchgefühct.

Abg. Dove (Dp.):

Der ?lbg. Stolten hat über die Secberufsgenossenschaft grade die gegenteilige Ansicht geäußert wie sein FraktionSfrcund Schu­mann. Dr. Arendt hat geglaubt, fick selb st cinpu Lorbeer winden zu müssen, indem er sich gleichsam als Vater des Gesetzes aufspiclte. (Sehr richtig! links.) Es ist verletzend, daß er uns bei unserer Stellungnahme Motive eines unlauteren Wettbewerbs unterschob. Das weise ich namens meiner sämtlichen Parteigenossen zurück. (Beifall links.)

Abg. Schumann-Forst (Soz.):

Ich halte aufrecht, daß, wenn es sich ura Zwischendecker ge­handelt hätte, das Tempo der Reformaktion nicht so beschleunigt worden wäre. Leider spielen auch bei der Negierung die Inter­essen des Profits einen ' i^ßen, wenn nicht ausschlag­gebenden Einfluß. Was nützt die schönste Rettungseinrichang, wenn nicht genug geschultc Mannschaften vorhanden sind? Das ist der Kernpunkt meiner Bescherden. Tie Seeberufsgenosicnschast hat nicht dre Macht, ihre An .dnungen durchzuführen. Mir ist cs gar nicht eingefallen, deii 'lorsihenden der Seeberufsgenossen- fchaft verletzen zu wollen. Ich habe nur deii einen Fall angeführt, um zu beweisen, daß in der PrariS c'e RettungSeinrichtungen in traurigem Zustand sich befinden selbst ein Kapitän hat in einem Artikel erklärt, daß viele Reeder, um Geld unb Zeit zu ersparen, die Sicherheitsvorrichtungen nicht in vorschriftsmäßiger Form imstande halteii. Ich halte cs für meine Pflicht, bestehende Miß- stände rücksicbtölos aufzudcckcn. Davon wird mich auch Herr Dr. Heckschcr nicht abhalten, selb st lischt durch die Drohun­gen. die er gegen mich als Vorsitzender des Transportarbeitervcrbandes ausgesprochen hat. Wenn ich bielleicht unpasiende Ausdrücke gebraucht habe, so ist daran meine ungenügende Schulbildung schuld, für die ich ja nichts kann. Direkt verhandeln ja die Reeder nicht mit uns und wenn sic es in Hafenangelegciiheiten tun, so ge­schieht das nicht um meiner schönen Augen willen, falls ich solcbe baden sollte. Herr Dr. Hccksmer lvcih übrigens, wie ich glaube, daß sich mit mir verhandeln läßt.

Abg. Dr. Arendt (Np.):

Ich habe mich nicht als den Urheber des Vertrages bezeichnet, sondern nur gefreut, daß meine seinerzeit geäußerten Wünsche in Erfüllung gegangen sind. Ich habe auch den Fortschrittlern nicht unlauteren Wettbeiverb vorgeworfen. Selbst wenn ich das denken würde, würde ich es nicht aussprecheri. (Heiterkeit.)

Abg. Dr. Heckscher (Dp.):

Wir haben es beim Untergaiig derTitanic" mit vollem Recht abgelehnt. bei Gelegenheit eines englischen Unglücks unsere eigenen Eiiirichtungeri zu verteidigen. Ob Unternehmer mit oen Arbeitern verhandeln wolleii, ist nicht eine Frage wirtschaftlichen Iuterejscs, sondern, fo^rolen Empfüidens. Art bei Zumctcu*

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des Abg. Schumann ist grundsätzlich vom ganten Hause, auch vom Abg. Stolten mißbilligt worden. Ich babc nicht gedrobi, daß Ver- l>andlungcn zwischen Untornchmerii und Arbeitern ,licht mehr geführt werden. Das ist iiicht meiii Amt.

Der Vertrag wird in erster und zweiter und aui Antrag Arendt (Rp.) auch gleich in dritter Lesung cn dloc an« genommen.

Tic Vorlage betr. statistische Aufnahmen der Vorräte von Ge« treibe und Erzeugnissen der Getreidemiillerri wird in erster und zweiter Lesung und aus Antrag Erzbcrger (Zcutr.^ auch gleich rn dritter Lesung o h n e Erörterung a n g c n o m m c n.

ES folgt die erste Beratung de? Gesetzentwurfs betr. die ge« meinsamcn Rechte der Besitze: von S w u I d v e r s ch r c i b u n g c n.

Geheimrat Delbrück cnipsicblt die Vorlage.

Abg. Tode (Dp.):

Ich erkenne an. daß hier ein wichtiger Notstand vorliegt. näm­lich, daß wir die Möglichkeit schaffen müssen, bei Fortfall eine? Treuhänders einen neu-.n zu beftellcu ohuc Mitwirkung der Gläubigerverfammlung. Da dies wohl die Ucbcrzcugung de? ganzen Hauses ist, beantrage ich. auch hier mit der erstell die zweite Lesung zu verbinden und die Vorlage sofort auch in dritter Lesung zu erledigen.

Die Vorlage wird auch ohne Aussprache in allen drei Lesungen ä n g e n o m m e n.

Sonnabend 10 Uhr: RcchnungSsachen, Wahlprüsungcn, Pc« titionen. R e n n w e t t g c s c tz.

Schluß 4 Uhr.

Lrrftscviffcihrt.

Der Plan des OzeanfluljeS.

Die Pläne und Boröercitungen für den Versuch, der im Laute dieses Sommers unicrnommcii werden soll, den Rtlonirschen Dzean zu übcrilierien und damit den Preis non 200000 Mk der Londoner Tulln Marl zu erlanncn, ivcrden in einem interessanten Artikel des McClurc's Magazine beschrieben. Ter Mann, der den Versuch iinanziclt niügtich macht, ist Rodman Wananiakel, der Lolin eures reichen Kausnianns und srühcrcn Gencralpostmeisters der Ver­einigten Staaten. Gevaut wird die Maschine vo» Glenn H. Eur- tip- der das Gordon-Benelt-Rcnncn in Rheims im Jahre ISX)9 gewann und der durch seine Flugboote sich einen betannlen sllamcn gemacht hat. Flugzeugführer werden ein englischer und ein ameri kanischcr Marincosirzicr sein: von den Engländern ist bereits der Leutnant Portc^geiväblt. Tas Boot der Flugmaschine Ivird Rani» genug für Führer unb die Vorräte und l >/. Tonnen Petroleum und Del bieten. Tic Grundidee des Planes ist, die >90(1 Meile» Zwilchen Neuiundland und Irland ohne Äusenibalt zu durchstiegen. Wenn die Maschine im Atlanlrschen Ozean niedergchen must, so werden die Insassen, lvie man hofft, im Boot in Sicherheit sein: sie wer­den jedoch keinen Versuch machen, sich lckicder vom Wasser zu er­beben und wcrtcrzuilicgc», sondern warlcn. bis sic gerettet iverden. Sieben Motoren von 200 Pserdekräflen sind jestt i» den Curlrst- Wcrkstättcn nobozu vollendet: jeder bat l Zylinder aus landen Seiten und wiegt etwa 600 Pfund. Einer von diesen soll nach eingehender Prüfung ausgewählt werden. Ter Körper der Maschine, der aus Mahagonislrcsicn gebaut ist, hat etwa die Olestalt eines Riesen- iischcs, mit einer Länge von 35 Fust und einer grössten Breite von 6 Fuß. An dem Rücken dieses Flugfisches befinden sich die beiden Decken, die eine grösttc Länge von 80 Fuß und eine Tiefe von 8 Fuß haben. Tle 12 Fuß messende Schraube mit Mahagoni Flügeln ist vorn an der Maschine angebracht. Tas Flugzeug wird Petroleum nur sür MStuichen Flugzeit mit sich führen. Leutnant Porte bat berechnet, daß sic Frland in 20 bis 24 Stunden erreichen müßten. Tabei ist die Vorausiepnng, daß die Maschine etwa 65 eng lischc Meilen, also gegen l00 Kilometer in der Stunde, fliegt, und daß der Wind N'citcre vierzig

Meilen in der Stunde dieser Oiei'chwindigleit liinjuiügt. Tie

Turchiübrbarkeit des Planes ist also völlig obliängig vom Winde. Nach einer langen Reibe von Beobachlnnge» mit Flugdrachcn und Sondicrbollons sind die Beamten des Wetterbureaus der Ver­einigten Staaten zu folgenden Schlülscn gelangt: daß erstens die vorherrschenden Winde über den Atlantische» Lzcan von Westen nach Osten gehen, daß zweitens diese Winde in einer Höhe von zlvei englischen Meilen oder mehr mit zunehmender Geichwindig. teil und Stetigkeit wehen, und daß drittens die Winde uni so stärker werden, je näher man dem Norden kommt. Aus diesen Er- gcbnislcn daben die kühne» Flieger ihren Plan gebaut, und sie hassen mit .Hilfe der Winde ihr Ziel, den Atlantischen Ozean in der Fliig- maschinc zu kreuzen, glücklich erreichen zu können.

vermischte».

* Ter Schun des Walfisches. Aus den Vorichloa des Ministers der sranzösischcn Kolonien hat soeben Präsident Poin rare ein Dekret unterzeichnet, -durch das die Waliiickiiagd in den Gewässern des indischen Ozeans und des westlichen Afrikas, die dem französischen Machtbereich unterstehen, geregeli wird. Diese SchnN- maßnabmc war dringend notwendig, iven» »ichl die Wölfische völlig ausgeroltet werden sollte», die, von allen Seiten vo» den Jägern, bedrängt, sich in die llnigegend voi, Madagaskar, her Komorcii und Gabons geflüchtet haben. Schon seit mehreren Fahren hat die sranzösischc Akademie der Wilsenschastcil dafür gewirkt, daß eine iniernationole Regelung her Frage zustande komme. Tie iran zösische Regierung bat nunmehr den Aniang damii gemacht. Ed- viond Perrier, der Direktor des natnrgeichichtlichen Museums, hot als einer der ersten aus die Gefahre» hmaensteien, die den Wal - siich bedroden, niid die allgemeine Auimerksamkeit daraus gelenkt, daß der große Walfisch Grönlands bereits so selten geworden ist, dost sich die Fagd aus ihn kam» noch verlohne. Tic großen Fiichercigesclli'chaitcn haben in allen Meeren Raubbau getrieben, io daß die Norweger, die irüher in den ihnen bciiachbartcii Meere» die Walfische in größter Zahl vorhanden, heute aezivmisier sind, bis zu den Küsten Afrikas zu fahren, um ihre Industrie wcilci zu betreiben.

K^»t»mrck-V«rtretev: .tdnm Klreher.