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Der Sietzener Anzeiger
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Erster Blatt
*64. Jahrgang
Zreitag, f. Mai 19 H
General-Anzeiger für Oderhessen
Rotationsdruck und Verlag -er vrühl'schcn llnio.-vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Lrpediiion und Druckerei: Schulftrahe 7.
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monatlich 75Df., viertel- jährlich Äik. 2.20: durch 2lbhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Bf.: durch dieBosl Bik.2.— viertel» jährl. ausschl. Bestellq. Zeilenpreis: lokal 15 'Bf-# auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: 21 Goey. Verantwortlich für den polit. Teil: 2lua. Goetz; für .Feuilleton", ^Vermischtes" und „(Berichts» fnal": Karl 9teuralh; für .Stadt »lnd Land'^: Kurt Bendt; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.
Dös Halbstarre Gleichgewichtrjystem.
Der österreichisch-ungarische Minister des Äenßeren, Graf Berchtold, hat in eineni im aus- inaruqrn Ausschuß der Rcichsralsdelcgatioii erstatteten Expose. das von dem an der schönen, blauen Donau üblichen Optimisnms getränkt war, zunächst das Loblied des Dreibundes gesungen, der, ivie er mit Recht betonte, seine teste Fügung in den Wechselsällen der Ballankrisis neuerdings eriviesc» hat, und er leitete dann von der En t r e v u e in A b b a z i n eine neue Inieressengemeinschaft zwischen -Oesterreich Ungarn und Italien ab. Soweit wird man sich den Aussithrungen des «strasen Berchtold rückhattslos anschließen können, denn der Bestand des im vorigen Jahre erneuerten Dreibundes scheint in der Dai gesicherter denn sc zn sein, und die Lösung dcS albanischen Problems hat eine anscheinend restlos gelungene Belastungsprobe für die n,cht immer ungetrübten Beziehungen zwischen der Donaumonarchie und Italien dargestcllt.
Ist somit gegen die Bcrchtoldsche Treibundhymne kein ivesciillicher Einwand zu erheben, da man den Treibereien der österreichischen Tschechen und der ungarischen Unabhän- gigketispartei keine übermäßige Bedeutung beizumessen braucht, so siild dagegen die Ausführungen des Ministers des Aeußeren über die Beziehungen zwischen D.eibnnsi und Dreiverband von einem allzu „diplomatischen" -Optimismus erfüllt. In demselben Augenblick, >oo der Präsident der österreichischen Delegation mit nur allzuviel Grund von der österreichseindlichen Propaganda in den Grenzländern sprach, rühmte Graf Berchtold die ausgesprochen friedlichen Tendenzen der Politik des Zarenreiches und glaubte er eine gewisse Entspannung zwischen den bcibt'it Mächtegruppen fest stellen zu können. Nqtürlich ist Graf Berchtold nicht so weltfremd, daß er nicht >vie jeder Turchschniitszeii iin gsleser von deiii ausgedehnten Spionage- und Bestechungssystem Kenntnis haben sollte, welches das Zarenreich in erster Reihe gegen Oesterreich betreibt, und auch die russische Politik der Nadelstiche gegen Dentschland dürfte ihm iiicht unbekannt sein. Aber am Wiener Ballhausplatz hat man stets Vorliebe für eine Vogel- stranßpolitik gehabt, niid man gab dort immer gern vor, das zn glauben, was mau wünscht. Auch die Thronrede, welche Erzherzog Fr a n z F c r d i n an d in Vertrciung des erfreulicherweise auf dem Wege der Besserung befindlichen Kaisers Franz Josef beim lLmpsang der Delegationen i» der Ofener vosburg gehalten hat, rühmte ja die vertrauensvollen Beziehungen zn allen Kabinetten, aber sie kiindigte doch zugleich, angesichts der raschen Fortschritte in der Eniivickelniig der Flotten aller Mächte, einen größeren Betrag für die weitere Ausgestaltung der KricgSi- marinc an.
Die Hoffnungen, welche Graf Berchtold und mit ihm auch inatiche deutschen Diplomaten aus eine Entspannung der Lage richten, gründen sich ans die Ballung Englands, das, wie der Leiter der österreichisch-ungarischen Politik betonte, in auSgleichendcin Sinne lvirke „und dadurch die Mangel, die der praktischen Betätigung eines starren Gleichgewichtssystems anlzasten, einigermaßen ausgleiche". Danach scheint also Gras Berchtold der Meinung zu sein, daß wir uns in Europa zurzeit, um im Bilde zu bleiben, in einer Art halbstarrcn GleichgcwichtSsystems besinden. ES^ liegt jedenfalls nicht an dem Zweibund, wenn das starre System wirtlich durchbrackren worden ist. Haben sich doch bei Gelegenheit des Besuches, welchen König Georg in Paris ab
stattete, die französischen lvie die russischen Politiker Mühe genug gegeben, mit Hilfe einer in London zu schaffende» Zentrale den Dreiverband in einen Bund der drei Staaten zu verivaitdeln. dessen Spitze sich ausgeprägt gegen den Drei blind richten sollte. Und erst als man in England, wo man keine Neigung hat, auf die schon durch die insulare Lage gestützte Unabhängigkeit zu verzichten, unzweideutig abwinkte, besolgrc man an der Seine und an der Newa die Saurciranbeniaktik des Fuchses. Der rnf)ifd>c Minister des Acußcrn Snsonow erklärte cs für tiefbedauerlich, daß so iinbegründete Behauptungen über die Umgestaltung der Tripelentente in einen Dreibund verbreitet werden, und die Pariser Presse schießt den Vogel ab. indem sie den Engländern'gar einzurcden versucht, daß ein solcher Vorschlag von ihrer Seite ansgegangen sei.
Nein, die Engländer sind zwar gern bereit, von den Vorteilen, die ihnen die Entente mit dein Zweibund bietet, Gebrauch zn machen, aber sic halten doch darauf, daß das Meer, welches sie vom Festlande trennt, auch die Festlands- Händel nach Möglichkeit von ihnen fernhalten soll. Und König Georg denkt nicht daran, wie cs einst sein Borgänger Herrn Delcasse versprochen haben soll, 100 000 Mann nach Schleswig-Holstein zu schicken. 'Aber wenn auch andererseits Sir Frank LaScelles soeben erst einen Krieg zwischen Deutschland und England für unmöglich erklärt hat. so macht doch die deutsch-englische Entspannung, von der so viel geredet wird, nur kaum merkbare Fortschritte, und von den AnSglcichSverhandlungen zwecks Abgrenzung der deutsch-englischen Interessensphären, um die sich der Botschafter Fürst LichnowSky so eifrig bemüht, hört man seit geraumer Zeit auch nichts mehr. Unter diesen Umstünden sind nur schwache Aussichten vorhanden, daß wir einmal von dem halbstarrcn, wenn wir dies wirtlich schon erreicht haben, zu dem locslarren Gleichgcwrchtssystcm zwischen Dreibund und Dreiverband übergehen, das eine schicd- lich-friedliche Verständigung zwischen den beiden Mächte gruppen ermöglichen könnte.
Neue Landungen der Amerikaner in Meriko.
Die Herren Wilson und Brhan scheinen aus die Vermittlung keine großen Stücke zn halten, denn sie haben in Mexiko neue Truppen landen lassen. Alles will nun vermitteln, aber wenn man darüber nachdenkt, wie cs dann künftig in Mexiko auSschen wird, bleibt alles dunkel. Wir erhalten heute solgcndc Meldungen:
New Jork, 30. April. Eine Depesche aus Caxaca (Mexiko) meldet: Gestern wurde amerikanische Marine- Infanterie in Salinacrnz gelandet, nachdem der amerikanische Befehlshaber gedroht hatte, cr werde den.Hafen beschießen lassen, falls die Mexikaner der Landung Widerstand entgegensetzen sollten.
Washington, 30. April. Tie I u st i m m nun Carran- 5 a s zu den Vermittclungsplänen erweitert da; Feld der Vermittler, io daß es nicht nur eine Frage ztvischen Huerta Utld den Staaten der Union, sondern atich die Revolution innerhalb Mexikos ein- ichließl. Präsident Witson und Staatssekretär Bryan sind über die Zustimmung Carranzas hochersrent und ihre Holinnngcn aus ein befriedigende; und umfassendes Abkommen sind bis zu einem bisher noch nicht vorhandenem Grade gestiegen.
Nach einer Depesche aus Tampico vom 2ti. April haben die Rebelten die Stadt vier Tage lang angcgrissen und sind im Besitze aller Punkte des unteren Flußlauses bis nach Labarra. Tie BiindeStruvven, von Kanonenbooten unierstützi, haben bisher sämtliche Angrissc zurückgcwrcsen und einen Offizier unter Parlamentärslagge mit der Aufforderung zu den Rebellen geschickt, sich ihnen i» dem Widerstande gegen die Amerikaner au- zuschließen. Die Rebellen haben dies jedoch abgclchnt und erklärt, sie
würden den Amerikanern Widerstand leisten, wenn diese in das Gebiet der Rebellen cinialle» würden.
Berlin, 30. April. Nach telegraphische» Meldungen vom Kreuzer „D r c s d c n" sind am 23. und 24. 'April in Tampico 2000 Staatsangehörige der Bereinig- len Staaten mit Hilfe der „Dresden" tind des englischen Kreuzers .Herinione" ans den amerikanischen Kriegsschiffen eingeschifft worden. Am 24. April seien die dcnlschcn Schutz befohlenen an Bord des Dampfers „Dänin" der Hamburg- Amerika Linie eingeschisft worden.
Mexiko, 30 April. (Amtliche Melditng.) De Nische sind weder in Tai» pico tioch in Beracruz verletzt worden. Da Texas und Louisiana eine sechstägige Quarantäne gegen Mexiko verhängt bähen, geht der Taittpicr „Joiranga" mit den Flüchtlingen Anfang nächster- Woche nicht »ach Galveston, sondern nach Mobile (Alabamas ab.
Deutsches Reich.
Der Kaiser toird vorläufigen Dispositionen zufolge, am kommenden Freitag, beit 8, Mai, aus der Fahrt von Karlsruhe nach Kolmar gegen 8 Uhr Straßburg ohne Auf enthalt passixren und »ach !> Uhr in Kolmar cintreffcu und turj darauf auf der Station Dürkheim. Tort incldet sich beim Kaiser der Kommandierende General v. Deimling. Tic Gesechtsübnitg an diesem Morgen sitidet zwischen Unterzell und Evaux und bcn Höhen südlich Hcnzell statt. Der Kaiser fährt dazu im Automobil über Dreiährc» nach Evaux. Das Frühstück nimmt der Kaiser hernach auf der Hohkünigsburg, wohin cr sich vom Gesechtsfcld im 'Auto begibt Die Äbjahrr von Schlciistadt erfolgt nachmittags gegen 4 Uhr.
Das Kronprinzenpaar von M o n i c u c g r o ist mit Gefolge in Jena eingeirofsen. Geheimrat Binswangcr, der zur Konsultation nach Cettinje berufen war, Hai die sßronprinzessin in Behandlung genommen.
Tic Rückkehr des PrinzenpaarcS Heinrich von Preußen. Aus Hamburg vom 30. 'April wird gemeldet: Ter Dampfer „Cav Trasalgar" passierte heute früh 4 3 1 Uhr Cuxhaven und trat um 0’ i Uhr im Hamburger Hasen ein. Das Prinzenpaa r H e i n r i ch stand ani Teck und erwiderte freundlich die von Begeisterung getragene Begrüßung des Publi kums, das zahlreich erschienen war. Zum Empfange hatten sich Prinz Waldemar und der preußische Gesandte, sowie das Direktorium und der Aussichisrat der Tüdamerikanischen Tampsschisi- sahrtsgcscllschast cingesundcn. Ter Gesandte überreichte der Prinzessin einen Btnniensirauß. Nachdeni das Prinzenvaar sich von den Ossiziercn des Dampfers verabschiedet hatte, siihroi die hohen .Herrschaften in Begleitung des Fürsten 'Adolf zu Tchaninburg- Livve, der sich i» Lissabon an Bord des „Cap Trafalgar" begeben hatte, i» Automobilen nach dem Hotel „Bier Jahreszeiten". Nachmittags fuhr das Prinzenvaar im Automobil nach Kiel werter.
Ter tlntcrrichtsanS schuß dcS preußischen Abgeordnetenhauses ist über eine Bittschrift um Einführung d e S obligatorischen h a II s w i r t s ch a s t l l ch c n Unterrichts i ü r alle M ü d ch e n s ch n l c n zur Tagesord- nung übergegange», weil erst im vorigen Jahre der Ausschuß sich mit den: Gegenstand befaßt habe und in lvohlwottcndcr Weise für die Unterstützung der Frage ausgesprochen habe.
Dem Reichstage ist der Entlvurs des R c n n w c t t g c - s c tz e s zugegangen nebst seiner Begründung.
TieRcchtederaußerordcntlichcn Professoren a» den neu ft ii dien Universitäten. Ter »meri-ichts- ailsicknisj des preußischen Abgeordnetenhauses, hat Bittschriften um Erweiterung der Rechte der außerordentlichen Präses s o r e II o ii_ b c n preußischen Universitäten (Teilnahme an de» Staatszuschüssen, Fakultätsslimmrecht der Jnstitnls leiter, Titz und Stimme in der Fakultät der Regierung zur Erwägung überwiesen. Von der Regierung wurde eine teilweise Berücksichtigung der Wünsche zugesagi. ES schweben zurzeit Erwägungen über diese Fragen.
Münchener Ttzealernöte.
Aus München wird unS geschrieben: Kaum smd die Schwierigkeiten, die die Zukunit des Münchener Künstlerthcalers bereitete, glücklich überwunden, io taucht eine neue, noch schwierigere Theaicriraqe ans der Verienrüng: Was lvird aus dem Prinz rcgentcnthcatc r? Die wirtschastiich-'n und Pachtverhällnisi-' dieser iveltbckanntcn Festspielbühnc sind io verwickelt, daß sie einer Klarstellung bedürscn: Eigentümerin des Wagncrtempels an der Isar ist die PrinzregenientheateraUiengesellichast. Die Summe der Aktiven der Gescllschast -Bodcnioert, Bühnenhaus, Einrichtung) repräsentiert einen Gesamtwert von 2> , Million, dem sie gleiche Summe an Passiven (Bareinlage, Hvvoihcken usw. gegeilüberstcht.
Die königliche Zirillistc hatte seinerzeit bei der virülidung das Theater von der Gesellschast sür den Betrag von öl 000 Mark ährlich anl zehn Jahre pachtweise übernommen. Dieser Vertrag (äuit Ende 1915 ab. Tie Gesellschast erklärt, daß sic nicht mehr in der Lage sei, das Theater unter den gleichen Bedingungen zu ocrvachicn, da iic seit ihrem Bestehen bereits einen Zinsverluft in Höhe von 1 Million Mari zu beklagen habe. Tic Verwaltung irr Zivilliste lviedernm erklärt, daß sie von dem ihr vertraglich zusichcnden Recht, das Theater von der ttzeiellschast zum Selbst» lostcuvrcisc käuflich zu crioerbcn, keinen Gebrauch machen loerde. In der Tat ist die finanzielle Lage der Königlichen Theater alles andere als glänzend. Im vorigen Jahre betrug ihr Defizit ü her l M i l l i o n M a r k, d. h. ein Fünftel der gesamten königlichen Zivilliste. Aber gerade das Prinzrcgentcnlheatcr hat tu bcn letzten Jahren cruäc cnermaße» Ncbcrschüsse erzielt, und die ablehnende Haltung der Zivilliste wird doppelt befremdlich, wenn man erfährt, daß ihr die Pacht von öl 000 Mark seit Jahren von der Stadt zl, rückvergütet wilrdc. Ein ungleich größeres Inler- csse noch als der König bat allerdings die Stadl München an der Erhaltung und gleichwertigen Fortführung des Prinzregcnten- -healer;. Be, Gelegenheit dieser Frage trat zllm erstenmal deutlich die interessante Tatsache in Ersck>cii»i»g, daß die Kunststadt Münckren zu den wenigen deiitsckxn Städten gehört, die — fein Theater habe». Das Residenz- »nd das Rational-Theater sind königlich, des Schauspielhaus, das Gärtncrplatz Theater und die Kammeriviclc befinden iich im Privatbeiitz und das Münchener Kiix.stlertheatcr gehört dem Verein Ausstellungspark. Nu» böte sich jetzt die günstige Gelegenheit, eine Mufterbühnc zum Selbst- kostenpreisc von dor Besitzern zu übernehmen, und das jetzt während dre, Vierteln des Jahres leerstehende Haus in eigener Regie gewinnbringend zu gestalten. D-a^ lliiieriiehmcn wäre finanziell durchaus aussichtsreich, und die Stadt München würde außerdem damit der Bühncnkunst gegenüber einer Ehrenpflicht Nachkommen,
die Hunderte von kleine» Städten durch vielstclligc Jahrcssub- rentionen bereits seit lanpe criüllen. Denn abgesclicit von den öl 000 Mark, die cs der Zivilliste xurückoergütet, tut München nichts für das .ci»c Theater, 'llber die zurzeit außerordentlich ungünstige Finanzlage der Stadt steht der Verwirklichung dieses Planes hindernd im Wcgc, und der Anlehns- und Finanzausschuß der Stadt hat in seiner letzten Sitzung sehr wenig Neigung gezeigt diesen Weg cinzuichlagcn. Es sind daher neuerdings Verhandlungen zwischen der Verwaltung der Zivilliste und der Prinz- regcnteniheaier-Gcsellschaft im ölanqe, von denen man hofst, daß sie mit städtischer Untersttitzung zum günstigen 'Abschluß gelangen werden. Sollte sich diese Hosinung nicht verwirklichen, so ist eine Heranziehung der Frenldcnindustric, die ja am Fortbcsiclieir der Festspiele am stärksten beteiligt ist, geplant.
— Fehlbetrag des Frankfurter Tchauspiel- hauscs. Aus Frankfurt a. M., 28. Avril, wird uns gemeldet : Während das Opernhaus unter der Leitung des Intendanten V o l k n e r einen unverkennbaren künstlerischen lind infolgedessen auch sinanziellen 2lusschwung nimmt, geht das Schauspielhaus in jeder Beziehung zurück. Teiidcn, der Intendant E l a a r vor drei Jahre» zurückirat, ist das Schauspielhaus geradezu von alle» guten Geistern verlassen. Die Bciricbsverlustc steigen hier ins Unglaubliche, trotz des neuen Intendanten. Im neuen Geschäftsjahr, seit November 1913, sind ickwn wieder annähernd 200000 Mark Mindereinnahmen zu verzeichne», im Monat März allein 45 000 Mark. Jetzt kommen die schlechtesten Monate, der Hochsommer, die Ferien, so daß nicht die geringsten Aussichten aut Besserung zu erwarten sind. Außerordentlich werden auch die künstlerische» Leistungen, die sich immer meine der — Postc zu wenden, beklagt. Heute abend beschistigtc sich der ThcaieraizSichuß mit zwei Anträgen, die tief in die Zuknnst des Opern und Schauspielhauses eznschneidcn: Verlängerung^ des Vertrages zwischen Stadt und Theaicrgcscllschati bis zum Jahre 1920 und Erhöhung der Subvention um l 20 000 Mark lieber das Ergebnis verlautete noch nichts. Jedenfalls wird sich ein großer Tcil^des Ansschusics vockläusig aut bcn Standpunkt stellen, den dieser Tage ein hiesiger Kritiker in folgende Worte kleidete: „Tic Stadt bat keine Vcr anlassung, ein Posicntdeater zu unterstützen!" Ob cs dem »cucn Intendanten gelingt, das einst so stolze .Haus wieder aus bessere Höhen zu bringen?
— Gastspiel Anna Pawlowa > m F r a n k s II r l e r Opernhaus. Bei den Gastsviclabendcu am 11. und 12. Mai in der Freien Literarischen Gesellichari wirken außer der Künstlerin und ihrem Partner Novikosi die erste Eharakicriänzcrin
Gasheivska, die klassische Tänzerin Plaskowieczka, sowie die Solo- tänzerinnen Butsova und Erombova vom kaiserlich russischen Ballett in Petersburg mit. Die Ballettleijuiig liegt in den Händen der kaiserlichen Balleilmeister Cechiciti und Zajlich.
— Gcrhart Hauvimanu am Deutschen Theater. Zwischen Gcrlzort Hailvtmann »nd Max Reinhardt i“- soebc» ein Vertrag abgeschlossen ioorden, durch den das ausschließliche Austührnngsrccht an allen bereits vorliegenden und zukünitigen dramotischcn Werken des Dichters vom Deutschen Theater erworben wird. Das Deutsche Theater wird
das gesamte dramatische Werl Hauptmanns nach und nach seinem Rcpertoir einmgcn und eine zyklische Ausführung seiner Dramen anstrcben . Als erstes Werk wird auf der Bühne dcS Teursckien Theaters in der ersten.Hälfte der nächsten Sviel- zeit voraussichtlich „Und Pippa tanzt" in der Regie Max Reinhardts erscheinen. Ferner wird in der tommendc» Spielzeit die Urausiühriing eines neuen Haupt,nannickzen Dramas staitsinden. Damit ist die Lösung Gerhari Hauptmanns aus dem Verbände des Theaters der Sozietärc volliommcn. Und mit der weiteren Tatiachc, der Uebcrlasiung seiner Werte an Reinhardt, scheint Hauvtmann der Meinung zu sein, daß die eigene Regie ihm im Künstlcrtheatcr Nicht weientlick! genutzt habe. Osienbar erhofft auck, Hauvtmann durch diesen Weg von der Brahms- zur Rein- hardtbühnc eine Nenbclebung seiner Werke.
— Die n c u c n Luxemburger B r i c s m a r k c u. Tie Briefmarkensammler, die voll Spannung das Erscheinen der schon seit einiger Zeit ailgcküiidiglcn neuen Bricsnmrkcii von Lincin- burg erwarten, werden nunmehr ihre stillen Wünsche verwirklicht sehen. Tic Marken sind bereits seit einiger Zeit in der lithographischen Anstalt von Enschedä IN Haarlem in Druck. Sic zeigen das Bildnis der pcuen jungen Großhcrzogin Marie, von einem Rahmenschmuck iiNigcbcn, der eine Krone trägt. Die 10 Centimes-Marken werden bereits am kommende» Montag, den 21 ., zur Ausgabe kommen. Tie übrigen Wcrizcichcn iollen »ach Maßgabe der Ausbrauchuiig der noch vorhandene» Vorräte an älteren Marken ausgcgcbcn werden.
Das ä [ t c ft c chinesische S t ei n de „ km a l. In der Variier Acadömie des Jnicrivlions wurde ein Bericht des sranzösischcit Forschers Tr. Segalen verlesen, der im Aufträge der Akademie einc^ Reise durch China »ntcrnomnien lmt. Dabei hat er zwcl sehr inicreisantc Bildwerke entdeck,, ein Flügelroß und ferner die Darstellung eines Pferdes, das einen Barbaren irrrr seinen Husen niedertratt. Di.- dabei gefundenen Texte und eine Stelle ermöglichen es, das Bildwerl aut das Fahr 117 v. Chr. »u datieren, sodaß es sich „m die älteste Steinstatuc handelt, die gegenwärtig in der chiuesischcu Kunst bekannt ist.


