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Nr. 96

Der Siebener Anzeiger

erlcheint täglich, außer Sonntags, Beilagen: viermal wöchentlich OirbenerLamilienblätter; zivetinal wöchentl.Kreir- viitlsürdenAreirSieben (Dienstag »nd Freitag): zweimal inonaii. kant- wirtschastliche Aeitsragen Ferniprech»Anschliisse: iiir die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse iiir Depeschen: Auzeiger Gießen. Annahme »an Anzeigen

Erstes Blatt

M. Jahrgang

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesjen

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b's oorinittoflä 9 nt,r. noiaiionronia UN» Verlag der vruhl'schcn Unio.'vllch« und Steindru-kerei n. Lange. Nedaklion. Srpedition und Druckerei: Schulftrahe 7.

25 . April

De,nq4vret»:

monntlicb75Vs., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen »nonatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Lestellq. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pseitniq. (5hesredakteur: A, Goetz. Perantivortlich für den polit. Teil: Äug. Goet;; für .Feuilleton", .Ver­mischtes" undGerichts- snal": Karl 9lenrcitt); iiic .Stadt und Land": Kurt Bendt; für den Anzeiqentcü: H. Beck.

Die heutige Nummer umfatzt 18 Seiten.

politische Wochenschau.

Gieste». 25. April.

Die innerpolitischc Maschine arbeitet so geräuschlos, daß die auswärtigen Vorgänge und Umwälzungen desto ge- massiger widerhallcn. Wir lniben am Dienstag wieder ein mal eine Reichstagsersatzwahl in Schwcp gehabt; seit IMS sind, wie dieDeutsche Tagesxtg." nachgezählt hat, die Wähler dieses Kreises in der Ostmark nicht iveniger als siebenmal an die Wahlurne berufen worden Während 1903 und 1907. der Pole gewählt worden war, hat die dies­malige Wahl wieder bestätigt, dag das Tcutschtuui dem polnischen Ansturm siegreich begegnen konnte: der Laudrat v. Halem (Reichspartei) erhielt mit 8490 über 1000 Stimmen mehr als der Pole v. Saß-Faworski, und der sozialdemo kratischc Kandidat brarl)te es nur auf 107 Stimmen. Am 12. Januar 1912, dem Dag der allgemeinen Reichstags- tvahlcn, war dem Polen das Glück hold getvese»; er zählte 8189, während v. Halem nur 8307 Stimmen aus sich ver­einigte. Das Ergebnis der Sticknvahl wurde kassiert. und bei einer Neuwahl am 30. Dezember 1912 erhielt v. Halem etwa 150 Stimmen mehr als der Pole. Wiederum wurde die Wahl aufgehoben, und heute werden sich die Polen wohl endlich zufrieden geben; die lebhafte Agitation hat ihnen nur eine lveiterc erhebliche Einbuße an Stimmen gebracht.

Weit größere Bedeutung als diese Entscheidung in einer lauge verschleppten Wahlsache hat aber die endlich voll zogene Ernennung des neuen Statthalters von Elsaß-Loth ringen. In der liberalen Presse war behauptet worden, Herr v. Bethmann-vollweg habe in dem Neuernannten sich einen «unbequemen Widersacher in der preußischen inneren Politik vom Halse schassen wollen, und dasBerliner Tageblatt" z. B. begrüßte die Ernennung des Herrn v. Dallwitz nicht .etwa, weil es ihn für den richtigen Mann in den Grenz­landen hielt, sondern lveil Preußen den Reaktionär auf den, Ministerposten des Innern loswerde. Ein bißchen davon ivird ja wohl wahr sein. Freiherr v. Zedlitz und Neukirch, «der Führer der Freilonservativett, bezeichnet zwar in der ,neuesten Nummer desTags" diese Beurteilung als eine ,reine Phantasie", um dann aber ein wirklich merk-- .würdiger Widerspruch zuzugeben, daß bei der Ernen­nungimmerhin der Wunsch tnitgesprochen haben mag. Das politisch wichtigste Ministerium Preußens mit einem Manne besetzt zu sehe», der auch innerlich ganz ans dem Baden der politischen Ziele des Ministerpräsidenten steht", Eso die Liebe für Herrn v. Loebell. nicht die Eifersucht auf zHerrn v. Dallwitz, lpibc die Entschlüsse des Kanzlers ge­leitet, lins dünkt aber, das kommt auf dieselbe Sache «hinaus, Freiherr v. Zedlitz führt selbst noch weiter aus, daß iin der Sammlungspolitik gegen die Demokratie und Sozial­demokratie die einstmaligerechte Hand" des Fürsten Bülow, nämlich Herr v, Locbcll, dem Reichskanzler wirksamer sekun­dieren könne, als Herr v, Dallwitz, der ein einseilägev Parteianhänger des Herrn v, .Hevdebrandt gewesen ist und darum auch in der preußischen Wahlrechtssrage keine Eile entwickelt hat.

Uns, die wir der rein preußischen Frage kühler gegen- überstehen können, interessiert an dem Beamtenwechsel in lveil überwiegendem Maße die Wirkung, die dabei für die Rcichslande herausiömmt. Man lobt auch Herr v. Zedlitz tut dies den neuen Statthalter als einen vorzüglichen Leitoaltnngsbeamtcn, und man stellt sest, daß «in strafferer,

zielbewusster Kurs in Elsaß-Lothringen die Folg' sein werde. Die Umstände, unter denen die Ernennung vollzogen wor ben ist, waren zum Glück günstig »ud friedlich. Mit gutem Bedacht hat der Reichskanzler zu gleicher Zeit das !«9cr Regi­ment wieder in sein altes Garnisonstädtchen Zaber» ent­rücken lassen, und so erklärt es sich vielleichl, daß die reichsländische Presse den neuen Herrn abwartcnd und nicht gerade feindselig begrüßt. Man will zusehcn, wie er sich den ihm neuen Verhältnissen unpassen wird. Die Bekannt ten des Herrn v. Dallwitz haben ihm gerade nachgerühnit, daß er srüher als Leiter der anhaltischen Regierung An­passungsfähigkeit bewiesen habe, und daher nicht zu be» fürchten sei, er werde die elsaß-lothringische Eigenart zurück stoßen. Talt und fester Wille werde« den leitende» Persön lichkeiten in Straßburg vor allem vonnöten sein. Daß ihm die Bevölkerung mit Fackeln und slieg'nden Fahnen Huldi­gungen bereitet wie dem neuen Fürsten v. Wedel, dahin braucht .Herr v. Ta^witz nicht in erster Linie zu streben. Er kann aber von diesem Verhalten des rcichsländischeu Volkes lernen, daß es in seiner Mehrheit nicht aus grundsätz­liche Deutschseindlichkeit eingeschworen ist. Soweit durch allzu bereitwilliges Entgegenkommen und Mangel sicher erkannter Ziele bisher in Elsaß-Lothringen dem Deutsch tum hänsig Schwierigkeiten bereitet worden sind, mutz durch eine sichere und männliche Staatsaulorität dem Vorwitz aller Französlinge ein festes Halt geboten werden. Die Ausgaben der Straßburger Regierung sind so schwierig und vielgestaltig, daß man am besten daran tut, sich aller Vor urteile gegenüber den neuen Männern zu enthalten und ein­fach abzuwarten, wie sie sich mit den gegebenen Verhält­nissen und den neuen Notwendigkeiten absurden werden.

Der englische Besuch in Paris hat uns keinerlei bei sondere Aufregung, sondern eher eine gewisse Beruhigung gebracht. Da England den französischen Chauvinisten cin- spürbare Abkühlung hat zuteil werden lassen, erscheint uns der Weltsriede vorläufig nicht bedroht. Mit einem desto behaglicheren Jnleresse können lvir daher den Seelen-) konflikt des amerikanischen 'Präsidenten und das Hinein-j patschen der Pankees aus theovelischer Enge ins Sturm-! gebraus der Praxis verfolgen. Wir haben neulich einmal ausgesprochen, auch der Politiker dürfe manche Begcgnissc in bewußter Weise idealisieren, wenn er dabei das Ziel nicht aus dem Auge verlöre, Herr Wilson macht aber von dieser Erlaubnis ganz entschieden einen zu weitgehenden Gebrauch Er läßt seine Soldaten in Veracruz landen, läßt sie schießen und von den Mexikanern beschossen sein, und nachdem nun noch die vor einigen Tagen eingehend vorn geführten edlen Gcntlemen Carranza und Villa chm erklärt haben, er müsse sein Anliegen wegen der Salutschüsse ihnen, den Konstitutionalisten, Vorbringen, wenn er nicht ganz Mexiko gegen sich aufbringen wolle, erklärt Herr Wilson doch noch gelassen, er wolle keinen Krieg mit Mexiko führen, müsse aber doch seine Salntforderung da anbringen, ivo das amerikanische Staalsansehen verletzt worden sei. Nun heißt es schon, bei Tampico hätten die feindlichen Par­teien in Mexiko sich vereinigt, um denr Eindringen der Amerikaner die Stirn zu bieten. Wilson scheint sich in lichten Stunden doch klar darüber zu sein, daß der Krieg, wenn er einmal da ist, nicht wie ein Rauchwölkchen in die Lüste zcrblascn werden kann. Er wird mit der Jungfrau von Orleans, wenn auch beileibe nicht niit deren begeister­tem Pathos, sagen müssen;Das Schlachtroß steigt und die Tromveten klingen." Schließlich ist der ehemalige Professor ein ini Grunde friedlich gestimmter Mann, der nur ungern

den Kongreß um seine Zustimmung zur Kriegsührung gegen das gesegnete Land der Petrolcumquellen ersucht hat. Das System des rollenden Dollars hätte er gerne bevorzugt; cs hätte ani Ende auch die mcxitanischen Reichlümer in die Hände der Bankers gebracht. Vielleicht werden Huerta und Carranza späterhin noch weitere Bundesgenossen gewinnen! Japan lönnte einen günstigen Augenblick erwarten, um in Kalifornien oder Mexiko Truppen zu landen, und daß die Vereinigten Staaten ' bei den südamerikanischen Ländern keine Sympathien besitzen, ist zur Genüge bekannt. Wie England und andere Staaten, so hat auch Deutschland keinerlei Jnleresse daran, daß Amerika das mexikanische Staatsgebiet in sein Schutzzollgebiet einbezieht und den Löwenanteil der wirlschastliuien Unter,rehmungen in seine Taschen leitet. Dreizehn Prozent der mexikanischen Einsuhr entfallen aus deutsche Waren. Warum sollte es undenkbar sein, daß England und Deutschland Herrn Wilson einmal an seine Schiedgerichtsidee erinnerten?

Die Nöte des Präsidenten Wilson,

Washington, 23. April. Spät eintrcfsendc Mel­dungen Earothcrs besagen, daß sich namentlich in der Um­gebung von Chihuahua, wo viele Amerikaner wegen ihrer bedeutenden Geschäftsinteressen sich entschlossen haben, zu bleiben, eine loachsende Gärung und eine an t i am er ira­nische Stimmung bemerkbar macht,

I u a r e z, 23, April, 400 Rebellen aus Chi­huahua sind hier eingetrofsen, wodurch die Garnison aus 900 Manu verstärk! wird. Später ist General Billa mit einer Eskorte von 200 Manu hier eingetrofsen.

Eine Abteilung mexikanischer Regierungs­truppen zerstörte in Piedras Negras gegenüber der ame­rikanischen Grenze die Maschinen in der Eiscnbahnwerkftätte, Sie sprengten die Weichen in die Luft und nahmen die In­strumente aus dem Telegraphenamte weg. Eine amerika­nische Grenzpatronille verhinderte sie, das mexi­kanische Ende der internationalen Brücke Zu sprengen.

Der Senat hat die Freiwiltigcnvorlage, welche die Negierung ermächtigt, die Miliz e i n z nb e r u s e n , an­genommen.

Larcdo (Texas), 24. April. Mexikanische Bundestrup pen haben Nuevo Larcdo in Mexiko teilweise zerstört.

New Pork 24., April. Tie mexikanischen Bundcstrup- pen feuerten auf den Ort Larcdo (Texas).

Washington, 24. April. Staatssekretär B r y a n gibt bekannt, da ßdcr französische und der brasilia­nische Konsul in Mexiko die amerikanischen In­teressen vertreten,

El Paso (Texas), 23, April, Eine Schwadron Ka» vallcrie und ein Bataillon Infanterie mit einer Batterie sind zur Bewachung der internationalen Brücke hier ein- getroffen.

Was machen die mexikanische»Rebellen"?

Washington, 24, April, Nach einer Konferenz mit dem Staatssekretär Bryan rieten die Vertreter und An­hänger Carranzas diesem telegraphisch, sich gegenüber Ame­rika neutral zu verhalten,

El Paso, 24. ?lpril. General Billa hat den Ver­treter des amerikanischen Staatsdepartements Ca ro- thers in Kenntnis gesetzt, daß er es zurückweisc. in den Krieg mit den Vereinigten «ztaate > hinein gezogen zu werden. Er wünsche den Ameri, tanern zu zeigen, daß seine Haltung freundlich sei. Ter

Die erste Durchquerung Mltte'grönlanrr.

Tie crüc Durchquerung Mittelgrönlands ist durch die dä­nische Forschungsexpedilion unter Fülwung des H a u v t m a n n s I. P. K v cb vollbracht morden. In dem demnächst erscheinenden neuesten Heit von lieber Land und Meer lDeutsche Verlags Anstalt in Stuttgart erzählt nun Koch in ungemein interessanter Weiie, wie er mit seinen Begleitern diese für die Eriorschnng >des Innern Grönlands so nngemcin wichtige Tat aussührte. Die Expedition, die ausschließlich wiisenschastliche Zwecke, be- ,sonders meteorologische Messungen und glaeiologische Unter­suchungen verfolgte, bestand nur aus vier Mann, unter denen der Gssäbeie Kochs von derTanmark-Expedition" (190608', der Marburger Dozent Dr. W e g e n e r , hervorgehoben werden muß. Nach langwierigen Vorbereitungen traten sie früh­morgens am 20. Avril von ihrem LaufeBorg" aus, das sie ani oenk Rande des Inlandeises errichtet hatten, die Hauplrelie an, .die 1200 Kilometer lange Wanderung durch Grönlands «Schneewüsten.

Tie Schlitten hielten beladen und bespannt in einer Reihe, mit den Schnauzen gegen Westen gewendet ... Ich gab den Beseht zur Abiohrt, Tie Schlitten glitten lautlos vorwärts über den weichen, sriichgesallenen Schnee, (rin leichter Windhauch strich von Norden her über den Storströmmen. Tie Flagge aus der

Borg" entfaltete sich, sie winkte und fächelte mit ihrem zer- iüserten, fransigen Tuch gegen uns. Das war der letzte Gruß unseres Heims an uns," Eine harte Fahrt brach an durch peil schenden Treibschnee, der die Lust eriüllte. Aus die Dauer wirkte dieser ewige Schnee ungeheuer ermüdend.Anfangs glaubten wir daß wir mit dem Wetter Pech hätten. Wir waren geneigt, still' »u liegen, wenn das Schneetreiben park ivar, lveil wir meinte» es sei ökonomischer, aui gutes Wetter zu ivarten. Es ermüdete die Pierde, die hohen Lafteu in dem starken Schuecge- ktöber z» schleppen; sie wurden schneeblind, ihre Augen entzün­deten sich uird eiterten. Aber allmählich wurde es uns klar, daß «dind und Treibi'chnee der norinale Zmtand in der Randzone des Fnlandeises war. Wollten wir über Grönland vorwärts, müßten wir uns mit den Verhältnissen abnndm. wie sie nun einmal waren " Am 6. Mai gelangte man endlich in das ge­waltige Schneemeer des Innern Grönlands, und nun Verliesen die Taoe in gleichmäßiger Einsörmigkeit: mit einer Durchichintls- oeschwi'ndcqkcäi von 15 Kilometer pro o.ag ging es vorwärts.

Trosdem war die Reise wegen ilxrer Ermörmigkeit anderst er- müdend Immer derirlbe blangraue Himmel, inmirr htie w- veränderliche weiße Schneeiläche. keine Wolke, keine nackte «rels- niife die das Einerlei unterbrechen und die Phantane IN Be- wegu'ng setzen konnte. In dem Maße, w,e wir ivetter vorwärts

kamen, ließ der Wind nach. In der Mitte von Grönland wurde es ganz still. Das Schneetreiben wurde von Nebel abgelöst, der namentlich am Morgen so dicht sein konnte, daß er die Sonne ganz verbarg, Tie Lust war nur Feuchtigkeit übersättigt. Die Kleider, namentlich Pelzzeug und Strümvie, wurden daher be­ständig naß, nur bei einigen Gelegenheiten gelang es, sie einiger­maßen zu trocknen . . . Tie Sonne belästigte uns etwas mehr. Am Tage gewann sie Gewalt über den Diebel, und nach zwölf Uhr sikl sie gearde in unsere Gesichter. Wir waren hoch oben. Ter Barometerstand zeigte weniger als 500 Millimeter. Die war so dünn, daß sie nicht verniachte, die ultravioletten Strahlen der Tonne zu vbsorbieren, die so schädlich -ui die Haut einwirken. Die Haut brannte uns deshalb vom Gesicht, und namentlich Nase, Wangen und Lippen wurden mit ziemlich schmerzlzasten Blasen, die stark näßte», bedeckt. Daß sich die Kälte in die Wunden legte, machte die Sache natürlich nicht besser,^

Aber die Reisenden ertrugen all das mit gutem Mut, Schweig­sam und bedächtig zogen sie über das Inlandeis; das große Ereignis des Taget- war die Berechnung der Längen­beobachtungen, aus denen sie dann ersnhren, wieviel Kilometer sie noch vor sich hatten, bevor sie Land erreichten. Der völligo Mangel an Erlebnissen verlieh jedem unbedeutenden Boriall sein besonderes Interesse; von einer Fnchsspur, einem misslattern den Tchneeixerling konnten sie tagelang reden Am 4. Juli er­richteten sie ihr Zelt sechs Kilonieter vom Land entsernt. Hier mußten sie noch ihr letztes Picrd, das sie besonders gern ge­habt und Mit großen Mühen bis hierher gebracht halten, er­schießen, da das ermattete Tier den Weg über das Eis nicht mrbr aushielt. Am 7. Juli konnten sie dem Inlandeis Lebewohl sagen; die schwierige Ausgabe, bei der Koch eine ganz neue Reiie- methode angewandt hatte, war gelöst.

Marzell Salzer i m Philipps Hospital. Ein höchst anerkennenswertes Beispiel vornehmer, menschen- ireundlicher Denkart, das auch anderen Künstlern zur Nach­ahmung rmpiohlen Iverden kann, gab am 22. April Prosesior Marzell Salzer aus Berlin, indenr er, von Mannheim konnnend, in uneigennützigster Weise zwei Mittagstunden ovierie und den Pfleglingen und dem Personal des Philipvshos« pltals zu Goddelau Dichtungen von Busch, Lilieu- eron, Bierbaum, Ginzkey, Thoma und anderen vor­trug, deren meisterhafte, von packendem Humor getragene Wieder­gabe die Zuhörer in die denkbar fröhlichste Stimmung versetzte. In die Monotome des Alltags, die insbesondere^ in den abseits der Straße gelegenen Anstalten so leicht chronische Verdrossen­heit heraussührt, bringen Darbietungen wie die des Herrn Pro­fessor Salzer einen ungemein erfrischenden Zug. Leider stehen

die Mittel zur Honorierung erster Kräfte den Anstaltsdirektionen nicht zur Beriügung, und die Aussicht selbst aui den allerwärmsteu Tank ihrer Zuhörerichast ist iür die Mehrzahl der Künstler, wohl kaum ein genügend kräftiger Ansporn zur Övienoilligteit. Immer­hin wird vielleicht der eine oder andere ausübende Künstler, dem diese Zeilen zu Gesicht lommen, sich veranlaßt sehen, Proseisor Salzers schönem Vorbilde zu folgen und der Bitte einer an die Generoiität appellierenden Anstaltsdireltioi! so bereitwilligst nach- zulommen, wie er es in diesem Falle getan,

Shakes)»eare-Gesellschast, Aus Weimar, 24. 'April, wird gemeldet: Heute vormittag veranstaltete die Slalespeare-Geseflschast am Shakeipeare-Deukmal cm Großherzog­lichen Park eine Feier, Oberbürgermeister Donndors als Vertreter der Stadt Weimar legte einen Kranz am Denkmal nieder, als Ver­treter der englischen Goethe-Gesellschast Pros. Strauß-Callin und Erzellen, Wildenbruch namens der Wilwe Ernst Wildenbruchs, Pros. Bandl hielt eine kurze Ansprache. Heute nachniitta-t reisen die Teilnehmer und die Shakespeare-Gesellichait nach Dessau, um am Grabe O e ch e l h ä u s e r s, des Begründers der Gesellichast, einen Kranz niederzulegeii,

Preisausschreiben fiir eine Stabttjalle zu Erfurt, Der Magist>-at der Stadt Ersurt schreibt einen öfsent» lichen Wettbewerb zur Erzänzung von Entwürsen für eine neu zu erbauende Stadthalle aus. Für Preise sind 11000 Mk, anz- gesetzt Und zwar ein 1, Preis von 5000 Mk., ein 2. von 3000 Mark, ein 3. von 2000 Mk. und ein 4. Preis von 1000 Mk. Die Summe von 11000 Mk. kann aber auch in einer anderen denr Preisgericht gutscheinenden Weise verteilt iverden. Außer­dem können auf Vorschlag des Preisgerichts, dem unter andere» Oberbanrat Prof. Dr. B i l l i n g - Karlsruhe und Pros. Emil H ö g g - Dresden angehören, nicht preisgekrönte Entivürie zum Preise von je 750 Mk, angekanst werden. Tie Entwürse sind bis zum 15. September d. I. beim Städtischen Hochbauamt in Eriurt einzureichen; die Unterlagen können gegen Einsendung von 3 Mk. von der Städtischen Kanzlei bezogen werden.

Die deutsche 8 e i t, e n t r n 1 e. Aus Fulda, 24. Avril, wird Uns geschrieben: Mit dem Bau der großen deut­schen Zeitzentrale nach dem System Schneider bat man jetzt begonnen. Der eiserne Haupttnrm erhält eine Höhe von 150 Metern. Ihn umgeben in großem Abstande 50 weitere Holztürme, die den Radius der gigantischen Schirmantenne darstellen und je 40 Meler hoch sind. Man hasst binnen Jahresfrist die großartige Anlage dem Betrieb übergeben zu können.