frif Versammlung dem ;u Der Finanzausschuß stellt noch den generellen Antrag, den Beschluß silr Mnstig sestzulcgen, olme ihn irdeS Jahr zu erneuern. Auch hiermit erklärt sich die Versammlung einverstanden.
Tic neue Ausstellung des Verzeichnisses der den M i - litäranwärtcrn vorbchaltenen Stellen bei der Stadt Giessen nnrd angenommen.
Baugesuchc.
Zn dem BaugesuM des E £>. Müller für die Goetbcstraste, der an seinem Hau'e einen Erker von nrenigcr als 50 Zentimeter Höhe andringen will, wird der erforderliche Tispcns erteilt.
Tr. 2 p o h r will sein Saus, Neuen Baue 25, vergrößern, wodurch die erlaubte Sähe von 14 Meten! und 20 Ztm. überschritten wird. Sein Gesuch wird genedmigt.
Genehmigt wird auch ein Küchcnanbau des Karl T ex t o r sür die Licbigshöhe.
Ferdinand Krämer will an seinem Sause aus der Markt- stkaße einen Schacht zur Einbringung von Kisten anlegcn. Tie eBaudevutatiou bat Bedenken dagegen, da, der Verkehr dadurch stocken kann, da die Stadt hastpslichlig gemach! werden kann u. a. m. Die Versammlung lehnt demgemäss das Gesuch ab.
Tas Baugeiuch des W Sorn sür Kreuzplay 15 wird vertagt. Die Baudevulation hält eine Ortsbcsichtigung sür notwendig, weck eine Aenderung der Fluckülinie nötig^ist.
Ebensalls ausqcsetzt toird das Gesuch Sack u. Jughardt sür Süd-Anlage 20.
Wirkschastsgrsttchr.
Ein Gesuch des Albert T r i n t h a m m e r um Erlaubnis zum Schankwirtschaltsbctricbc im Haus Burggrabcn 9 wurde genehmigt.
Mit dem Gesuche des Otto Wenzel sür Drandgasse 4 batte sich das Kreisgesundheitsamt beschäftigt und das Lokal als ungeeignet sür Schankwirischastsbetricb bezeichnet. Tas Gesuch wurde abgelchnt.
Ebenso erging cs deni Gesuche der Ehefrau des Johann § i r - z i n g e r für Seltersweg 70.
Tie Erlaubnis zum Wirtschastsbetrieb in der Halle aus dem Bichmarltvlatze, die in jedem Jahre neu gegeben werden mutz, tourde dem Samuel Rothschild bis zum, 1. April 1915 verlängert. '
Schlub der Sitzung 6 Uhr.
Neichstagsabgeordneter Pros. Sr. lvernrr über die politische Lage.
-y. Gießen, 24. April.
Ter W a HI kr e is vo r sta n d der D e u t sch v ö l ki s ch e n Partei hatte zu gestern abend zu einer öffentliche« voll tischen Versammlung — nur Staatsbürger nichtariicher Abkunft blieben ausgeschlossen — nach Steins Garten eingeladen. Ter Redner des Abends war der Rcichstagsabgcordnetc des Wahlkreises Gießen Prof. Tr. Werner- Butzbach, und sein Bortrag galt der gegenwärtigen volitischcn Lage.
Einleitend warf Dr. Werner einen Ausblick auf die durch die geltende Flotten- und Weltvvlitik bedingte äußere Lage des Reiches, zunächst hinsichtlich Ostasiens und unseres Berhält- niffes zu Rußland und Japan. Jedenfalls habe Tcutschland seit der Erwerbung Kiaulschous das größte Interesse darau, auch dort im ternc» lüsten nickt an die Wand gedrückt zu werden. Ju Amerika seien zwar jctzt die Temokratcii ans Ruder gelangt, aber von Weltfreifinn und Weltfreihandel merke man troydenl Ivcnig: der Panzer des amerikanischen Schutzzolles bleibe dcssenunaeachtet unangetastet. Tie Vorgänge in Mexiko mit seiner Mischlings» bevölkeruiig bewiesen deutlich die Uusäbigkcit der Völker gemischten Blutes zu organisierten staakenbildcndcn Leistungen. Sosientlich Ivcrde unsere Tiplomatie b-züglich des Panamakanals besser ab- schneiden als in, Orient -der in Marokko. Bei Bciprechnug der d c u t s ch c n K o l o n i e n erwähnte der Redner die günstigen Aussichten der afrikanischen Schutzgrbiete, Südwrstasrikos als Sied- lungsland, Oftosrikas nach Erschließung durch die Tanganiika- Babn. Im westlichen Asien (Bagdadbnhnl habe die Diplomatie freilich keine glückliche Hand bewiesen Grundverderblich sei cs ledensalls, wenn ein Volk den Frieden um jeden Preis wolle. Weiter wurde der Gcgrnsatz des Dreibundes und des Dreiverbandes ins belle Licht gerückt und damit die durch die Balkankriege hervorgrrusene Weltlage, die Deutschland keineswegs günstig sei und einen Krieg aller gegen alle in greifbare Nätw gerücks habe. Das von Churchill angeregte Flottcnseierjahr sei nicht übel, aber England «löge den Ansaug machen. So viel stehe fest, daß Deutschlands Zukunst nicht aus dem Wasser liege oder gar in der Lust, sondern in seinem Bauerntum.
Damit und mit dem Moltkcschen Borte» daß — tvcnn Deutschland die Landwirtschait ausgcbe — es sallen werde, che ein einziger Schuß siele, war der Uebergang zur i n n e r e u Politik gegeben Durch die jüdische Presse in den großen Städten werde' freilich über dicicn Punkt Berivirrung in die Reihen der schassenden Stände getragen und verhindert, daß sich städtischer und ländlicher Grundbesitz die Hände reichen, Nur eine Bauern- und Land- volit,! sei auch eine nationale Politik. Das stäche Land müsse in seiner BGeutung aiw wirtschastlichen und a>is völkischen Gründen erhalten werden. Das beweis? gerade letzt Schweden Unsere zielbewußte Schutzzollvolitik versetze Tcutschland in d>? Lage, technisch an der Spitze alter Landirüchle erzeugenden Völker zu marschieren. Aus die W e h r v o r l a g c eingehend, ivarnte der Redner vor einem Weiterschreitcu am dem diirch unser aus breitester demokratischer Grundlage beruhenden Parlameni ge- schassenen Tkege des Svstems der direkten Reichsabgabr, ebenso vor der Vermögenszuwachsstcuer, vor der selbst dem tzansabund bange werde und von der er hasse, daß sic gar nicht in Krns' iretcn werde. Es tue not, bewußte F-amilienpolitit zu treiben dadurch werde die jetzt allerorten herrschende politische Verbnte' rang verschwinden. Nur das internationale Svekulanientum nstirde von einer Aushebung der Schutzzölle Vorteil haben. DieULagc im Rcichslairde E l I a b . L o t b r i n q c II sei doch eine andere als sie gelegentlich des Zaberncr Faltes der Ocsientlichkei: hin- gestellt sei. Die Wetichlingc sührten dort das große Dort und schwere tätliche Ansülle und Beleidigungen der Altdeuticheu seien nichts seltenes. Darum tue dort wie in de» übrigen Grenzgebieten eine starke Sand not, wie sic Oberst Reuter gezeigt habe, der wahrhaft deutsche Geichichte geuiacht und sich Helden wie Theodor Körner U. a. würdig angereiht habe. Ten Haupt- Hebel sür die damalige Erregung im Reichstag fand Dr. Werner übrigens in, In den tum und seinem Widraspruch gegen das Linzicrkorps, und er ging so weit zu prophezeien, der „Simpli- zisiimus" werde sein Erscheinen einstellen, sobald gesctzcstreue Juden im Ossizicrkorps zugelassen würden. Nach iocitecen Klagen über das geringe staatsbürgerliche Bewußtsein des deutschen Volkes kam der Redner aus den Preußcnbund zu sprechen, den er nicht als glückliche Gründung bezeichnen konnte: die dort gciallcnen Ausdrücke seien im Interesse der deutscheu Gemeinschaft zu bedauern.
Hieraus ging Dr. Werner aus die vom gegenwärtigen Reichstag geleistete Gesetzgebungsarbeit ein und bedauerte das Fehlen eines Rcichsobcrhauscs, in dein — wie cs die Deutsche Industrie-Zeitung ,. B. gewünscht hatte — Industrie und Handel, auch das Handwerk „ss. vor Schaifung von neuen Ge seren zu Wort kommen könnten. Die Hansabundswahlen von 1912 hätten dem Zentrum die ausschlaggebende Stellung verschalst: grund'alsch sei es setzt, wenn mail es zu den ReichSseindcii hiirüberstaßcu wvtlc. Vielleicht werde nach einmal die Finanzreform von 1909 als hohe politische Weisheit gepriesen. Merkwürdig sei jcoensalls die höllische 'Angst der Sozialdemokratie vor einer Reichstagsauflösung. Schade nur, daß der Reichskanzler den rechten Zeitpunkt dazu, gelegentlich der Wehrvorlage, verpaßt habe. Ein Grund hätte sich schon gesunden, und ein Bergsturz sei der Partes der äußmsten Linken gewiß gewesen. Mehr oder weniger ausführlich stresste der Redner daraus die vom Reichstag in nächster Zeit zu erledigenden Gesetze, kekr. Animierkneipen, Kincmatograpbcn, Theater, Sonntagsruhe, Konkurrcuzklausel, Petroleummonopol, Wanderlagcr und Hau
sierer, Postschecks, Wiederaufnahme des Verfahrens gegen disziplinierte Beamte usw.
Zum Schlüsse beklagte Tr. Werner die « n g ü n ft i g c n <$ e 1j b* Verhältnisse, namentlich im Baugewerbe, und bekannte sich als Anhänger der Doppelwährung. Die falsche Bodenpolitik der letzten Jahre unter dem Regime M r c u m, die den Grand und Boden nach dem System Gnauth belastet habe, um dadurm die Kasse des Staates und der Kommune zu füllen, habe bedenkliche Folgen gezeitigt. So könne cs nicht iveitergehen. Was leine, des Redners, persönliche Tätigkeit im Parlameni angehe, so habe er eine Reihe von Anträgen zu Gunsten des Mittelstandes gestellt, auch solche von anderer Seite unterstützt. Dr. Werner schloß mit der Hossnung, den Wahlkreis auch in Zukunst sur seine Partei zu halten.
In der Aussprache spricht Oberst Spohr über die Not- wmdipkcit dn Aushebunci des Impfzwanges und der GleityNnuing der Altpeniionare (namentlich der Bcteranenlnnziere, mit den Neupensionären. Bauunternehmer Via ff schildert m drastlicher Weise, wobei er oftmals von lauter .Heiterkeit unterbrochen lvurde, die Ueberlastuug des Haus- imd Grundbesitzes m der ^>tadt Gießen. Ein anwesender Sozialdemokrat, D i eh l, fragt an, wie sich Abg. Werner zu der Petition der märkischen Lbn trauern bezügl. Erhöhung des Tabakzolles stellen werde. In )emer Antwort verspricht Dr. Werner seine Verwendung iur Altpemw- näre und Kriegsteilnehmer — Mittel seien durch das Rrnnwett- gcsetz zu beschaffen — für Verstärkung des .Hvpvthekarkredits und endlich gegen neue Erhöhung der indirekten steuern, v. B ü l t - zingstoewen wünscht verschärfte Kontrolle des Handels mit gewissen Mittel!!, die der Volksvermehrung hindernd IM Wege stehe» Jlim kann Dr. Werner mitieilen, daß ein entsprechender Gesetzentwurf dem Reichstag »orliegt und daß auch er ihn unterstützen iverde, schon aus dem Grunde, da sür den Geburtenrückgang sicher nicht wirtschaftliche Gründe maßgebend seien.
Mit einem Dank an den Redner und an die beifallsfreudige Versammlung für ihre Ausdauer schließt Gg. Kling als Bor- sitzender die Versammlung unter einem Hoch aus das deutichc Vaterland!
ly. ttirchlich-soziciler Nongreh.
~ Wiesbaden, 23. April.
Die heutige zweite Hauptversammlung des 19. Kirchlich- soziaten Kongresses »ahm zunächst von den Aiigrisscn^Kcnntnis, die gegen den Präsidenten Grhcimrat Professor v. Tr. Scebcrg (Berlin) gerichtet worden sind und votierte dem Präsidenten das atlscitigc Vertrauen der Versammlung.
Ter erste Vortrag lautete über das Thema: „Tic Notwendigkeit her Erhaltung und Vermehrung des Baucrn-und Arbeite r- st a n d c s sür die Volks- und Wehrkraft". Professor Dr. D a d e (Berlin!, der Generalsekretär des Deutschen Landwirtschastsrates, träte eine Reihe von Leitsätzen vor, die u. a. besagen: Dem Volke seine körperliche und seelische Stärke zu erhalten, ist die erste Aufgabe der Landwirtschaft. Erst in zweiter Linie steht die Ausgabe, der Bevölkerung die wichtigsten Lebensmittel zu liefern. Beide Ausgaben, die soziale und die vroduklive, siird scdoch sür Tcutschland insolgc seiner wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung und nach seiner militärisch-strategischen Lage gegenwärtig und in absehbarer Zeit von gleicher elementarer Bedeutung. Die soziale Ausgabe kann nur durch die innere Kolonisation gelöst werden, während die produktive 'Ausgabe in erster Linie. Sache der landwirtsckiostlickien Technik und BctriebSlebre ist. Das Problem der inneren Kolonisation besteht vor allein darin, die durch die großstädtische und grvßindustrielle Entwicklung stattsindendc Abbröckelung der Landbevölkerung auszuglcichen, um letztere aus der früheren Höhe zu erhalten. Wird nur dieses Ziel erreicht, so ist bereits ein großes Werk der inneren Kolonisation geschossen. Die Zerschlagung der Mittel- und Großbetriebe darf iudeß nur soweit gehen, als durch sic die Brotversorgung des deutschen Volkes, die noch wichtiger als die Flcischversorgung ist, durch die einheimische Landivirtschast und der technische Fortschrftt nicht in Frage gestellt werden. Tic Unversehrtheit des Bauernstandes ist nicht nur nach unten durch gesetzliche Bestimmungen über Landtciluiigcn, sondern auch nach oben durch solide von Landzusammenlegungen sicher zu stellen. Es muß gelingen, in den nächsten 25 Jahren mindestens 200 000 Bauern- steltcn und mindestens 500000 Wohnstätten sür Arbeiter und Gc- werbetreibcnde aus dem Lande neu zu schassen, um das soziale Rückgrat Deutschlands zu erhalten und zu stärken. Hierzu sind etwa 2i.■ bis 3 Millionen Hektar Land erforderlich, die durch Kultivierung der Moore und durch Ankauf der in freiem Verkehr stehenden (Hüter, besonders im Norden und Osten zu gewinnen sind. Deutschlands größte kolonisaiorischc Ausgabe liegt im Muttcrlandc. Für eine glückliche Lösnng dieses wichtigsten Problems deutscher Sozialpolitik wird cs uoiweudig sein, auch die sittlichen.und religiösen Grundlagen der Landbevölkerung zu erhalten und zu bc- scstigen. (Bciiall.)
An den Vortrag schloß sich eine lebbostc Aussprache.
Im dritte» Ausschuß behandelte der Geschästssülrrer des Deutsch - national u Hrndiung g-hilsen -Verbundes Tch ell i u iFrankfurt a. Main! das Thema Sonntagsruhe. Die Wirklichkeit zeige gerade in den süddeutschen Staaicu keinerlei Ge- schästsschädigung bei der vollen Sonntagsruhe, und cs liege lein Anlaß vor, daran zu zweifeln, daß die Bvlksgcsamtheit die Bestrebungen nach Einsührung der völligen Tvuntagsruhe nicht gern und sreudig unterstützen Iverde. Tie volle Sonntagsruhe in nötig aus Gründen der VolkSgcsundheu lind der Sonntagsheiligung. Tas schnell hastende Zeitalter bedinge sür den Wieder» usbau der Ncrvenkrast nach dem Urteil der- gesamten ärztlichen Wissenschaft einen Ruhetag, frei von jeder Benisstätiglcit, nach sechs Arbeitstagen. Eine solche Ausspannung von der Berusstätigkeir erhöhe die Arbeitsfreude und LcistitUgssähigkeit, käme also dem Geschäftslcben wieder reich zugute.
Im siebenten Ausschuß sprach Frau S t r o b m c i c c (Elberfeld, über die weibliche Vormundschaft. Nach der Rednerin ist das Recht der Vormundschasl. Ivelckies das Bürgerliche Gesetzbuch der Frau csngeräumt hat, vom weiblichen Geschlecht nicht Mit der Begeisterung ausgenommeii worden, die mau hätte erwarten können,, obwohl die Vormundschaft ein Wirkunoskreis ist, der in ganz besonderem »Maße der weiblichen Eigenart entspricht. Tie Vertreter der Kirche, die innere Mission, die Kommunen, die Frauenbewegung mögen nicht in dem Maße sür dieses Amt geworben haben, als nötig gewesen wäre, unk zu weiten Frauen- kreiscn zu gelangen, deren Interesse gewonnen werden muß, soll der Einfluß aus breite Valksscknchtei, sühlbar werden. Die Not un ehelicher Kinder und dtren Mütter ist so groß, daß der bloße Hinblick von der Notwendigkeit dieser sozialen Arbeit überzeugt. Eine Organisattou weiblicher Vormundschaft würde die Mitglieder dergestalt unteniützcu, daß die technischen Scküvierigkciteii mit Leichtigkeit überwunden werden lönnten. Dieser Vorteil wäre nicht zu nnlerschätzcn. Das Recht der Vormundschaft ist den Frauen gegeben, nun Muß das unbedingte Pftichtgcsühl sede, die dazu in der Lage ist, den armen Kindern eiitgegentreibeu,' die aus diese Hisse schon lange warten.
^ Ter sechste Ausschuß beschäftigte sich mit dem Thema „,r a ch s ch u l c n und christlich-deutsches Volkslebe u". Professor Perthes (Biclcscid, besürworlctc folgende Entschließung, die angenommen wurde:
„Nicht nur sür höhere Schulen und Volksschulen, sondern auch sür Fach- Und Fortbildungsschulen ist eine Arbcitskvinmission der Freien kirchlich-sozialen Kvnserenz eiilzurichtcn. Ausgabe derselben würde u. a. sein: ai sich über die Vorgänge aus dem Gc- bretc des Fachs chli, Wesens zu unterrichten: bl bei allen sich bietenden Gelegenheiten daraus zu dringen, daß jeder Fachbildung dieicnigen staatlichen Berechtigungen gewährt werden, ivelchc iür lörrm imimtni Wert nach zukomme», ol daiür zu arbeiten, daß die Zöglinge dazu erzogen werden, die Arbeit der irdischen Bc- rases als Ausdruck der dienenden Liebe und den Besitz als ein von Gott anvertraules Gut anzuschen, das »un« Besten der Mitmenschen zu verwalten ist.
Im Rahinen der Kvnserenz sandeu auch Iiielsrerc große Vvlks- vcnammluugcii statt, um die Ideen der Tagung nach außen zu propagieren.
Ans Staöt nt»s La«»V.
Gießen. 24. April 1914.
Tonkfrst in Gießen vor hundert Juhren.
Hundert Jahre sind ins Land gezogen seit den, Abschluß jener weltgeschichtlichen Ereignisse aus dem dentschen Be- srciungskrieg vom Joche des französischen Unterdrückers. Der heutige Tag erinnert an die große Zeit und an die damalige Stimmung unter der Gicßener Bevölkerung. Angeregt von patriotischen Männern der Stadt, feierte mair in Gießen schon am 2 4. April 1814 ein F r i e d e ns f e st aus Tank gegen den „Herrn der Heerscharen" für die Errettung aus schwerer Not und Gefahr, obschon der endgültige Abschluß des Friedens, der am 30. Mai in Paris erfolgte, noch bevorstand. Die Entthronung Napoleons und seine Verbannung nach Elba waren bereits ausgesprochen; hieraus -durste man hossen, daß nun wieder ruhigere und geordnetere Verhältnisse auch ink wirtschaftlichen Leben ln Deutschland eintreteir^würden. Samstag, den 23. April, tourde eine Stunde mit allen Glocken geläutet, und damit der Festtag eingcleitct.
Am Sonntag morgen versammelte sich die Fxst- gemeinde in ernster Stimmung zu einer kirchlichen Gedcnk- seicr aus dem „Brand", da der Neubau der Stadtkirche noch nicht vollendet und die alte Bergkircki« für die Feier zu klein war. Das „Tedeum" „Herr Gott, dich loben wir!") wurde mit Musikbegleitung gesungen, wobei während des Absingens desselben mit allen Glocken geläutet wurde. Am ?lbeud bewegte sich eine Volksmenge in freudig gehobener Stimmung durch die Straßen der Stadt nach dem Marktplatz, um die Illumination am alten Rathaus zu bewuw- dern, das noch kürzlich in den bewegten Zeilen als Lazarett hatte dienen müssen. Möge das gegenwärtige und kommende Geschlecht sich gern der Großtaten seiner Väter erinnern, aber von ihnen auch lernen, daß man sich ihrer Errungen» schasten nur würdig zeigt, wenn inan wie sie auch des Dankes nicht vergißt.
** Für d ie Sitzung des ProvinzialauS- schusses am Mittwoch, den 29. April, vorin. 8 3 /» ühr, ist folgende Tagesordnung aufgestclli worden : l. Klage des Ludwig Kolb zu Wieseck gegen Großh..Kreisamt Gießen wegen Veriveigsrnng eines Wandergewerbe s ch c i ns sür 1914. 2. Klage.der Gemeinde G r o ß c n « B u s c ck gegen Großh. Kreisamt Gießen wegen der angesonnenen Aenderung der Zuchtrichtnng der Fase liiere. 3. Ylcsuch des Julius Kretschmer zu Bad-Nanheim um Erlaubnis zum Betriebe einer Gast- wirlschast. 4. Klage des vereinigten Armensonds der Stadt Friedberg gegen den Landarmenvcrband Friedberg Ivagen Untcrstritzung des L. SB. W a h l aus Bicr- stadt.
** Schonung für die Wrgebczeichnung. Man schreibt uns: An verschiedenen Orten in Wald und Feld in unserer Umgebung werden die Farbenzcichen, die der BogelS- berger Höhenklub mit Mühe und Kosten sür den Touristen« verkehr herstellt, auf unerhörte Art und Weise beschädigt und wieder beseitigt. Es ist eine Pflicht der Eltern, aber auch der Lehrer, die Jugend und die reiferen Burschen darauf aufmerksam zu machen, daß die Wegemarlierun.gj nickt mutwillig vernichtet wird. Uns sind Gemeinden im Kreise Gießen bekannt, in denen sogar innerhalb des Orts diese Farbenzeichen wieder abgckratzt sind. Wir meinen, daß dies doch die erwachsenen Bewohner der betreffcrrden Dörfer verhindern können. Es gibt doch Mittel und Wege genug, den Buben ihren Mutwillen abzugewöhnen.
** Vlchmarkt in Gießen. Bei dem am 21. »,,o 22. April abgehaltencn Markte waren aufgetriebcn 1312 Stück Rindvieh und 395 Schweine. — Der nächste Viehmarkt findet am 5. und 6. Mai- 1914 statt.
** H » » d c - A u s st e l l » n g. Tie Elirenprei'c der Hnndc- Ausstelllmg, die nu> Soniitlig aus der LiebigShöhc abgcyallen ivird, sind im BtiimenhaiiS Dietz ausgestellt ivorden.
** lieber das Abladen von Kohlen aus der Straße enthält das lieutige Kreisblatt eine Bekanntmachung, wonach das Abladen der Kohle» nur ans der Fahrbahn ersolgeu dars und das Wegbiingen der Kohlen unmittelbar nach dem Ab- ladcn zu erfolgen hat. Tie verunreinigten Straßciitcile sind sofort gründtich zu reinigen.
Kreis Alsfeld.
id. Alsfeld, 23. Llpril. Man schreibt uns: Einen Verlust erleidet die ttzemcindc durch den Waggang des> Pfarrers Dr. Becker, der eine Oberlehrcrstelle an der Lberrcalschule in Ofscnbach übernimmt. War er einerseits tüchtig in seinem 2lmt als Pfarrer, das er 11 Jahre lang hier bekleidet hat, so hat er andererseits sich weithin im Lande einen Namen als hessischer Geschichtsforscher gemacht.
i. Homberg, 22. Avril. 'Jli, der Hölieren Bürger- schille ist mit Beginn des neuen Sckiulsabres ein Wechsel eni- gelrcte». Der bisheriae Rektor der Anstalt, Rektor Lau», wurde nach Osscubach versetzt; on seine Stelle ist Rektor HilSdorj gekamme».
Kreis Lauterbach.
X L a n t e r b a ch , 24. ülpril. In der Zeit vom 7. bis 14. Juni d. I. findet in Lauterbach ein sorstlicherLehr- q a n g des Vereins sür Privatsvrstbcamtc Deutschlands statt. Als Lehrer dazu sind die Freiherrlich Riedeselschen Beamten, Forslrat E u l e f c l d zu Lautcrbach und Oberförster Tie hl in Stockhausen, Kreis Lauterbach, genannt.
id. Frisch b o rn, 23. April. Ter älteste Mann unseres Dorfes, der 82jährige Auszügler David Weiß I. wurde heute aus der Torsstraße vor seinen, Hause von einer Kuh getreten, so daß er sch locre Verletzungen erlitt.
id. Schlitz, 23. April. Tic vom „Gieß. Anz." kürzlich gebrachte Meldung aus den, Bogelsberg, wonach dort die Frühlingsstürnie in den Wäldern ungeheuren Schaden angerichtet haben, trifft auch sür die Wälder deS Schlitzerlandes zu. 'Auch hier sind die Waldwege durch die Menge der uuigestürzten Baume stellenweise ungangbar.
Kreis Friedbcrg.
t. Vilbel, 24. Avril. The Zalst der Schiller hat in der letzten Zeit so stark zugenommen, daß mit dem neuen Schuljahr eine neue L c b r e r st e l l e geschassen werden niußtc. Tie Zahl der diesjährigen Ä-B-C-Schützen betrug 158. Tic Lchrerzahl au der Volksschule beträgt jctzt 17.
^ Bad-Nauheim, 24. April. Seit Eröffnung der Saison bietet sich wieder, namemlich im Pprk und aus der Terrasse, das belebte BUd buntbkwegten Kurlebcns. Der Ivarnic Sonnenschein des Frühlings ttit do-Z Sein.igc, um aus allen Himmelsrichtungen Kurgäste hcrbeszusühren. Auch i» der neuen Trinkkur- Anlage ist in den Morgenstunden starker Verkehr. Bis zum l- Mai finden die Konzerte nachmittags und abends, von da an dreimal täglich statt. Am 28. Avril findet unter Vorsitz Ihrer Durchlaucht der Fürstin von Erbach-Schönberg Landeskonferenz des Verein? der Freundinnen junger Mädchen lDro- tektonn die Großberzogin von Hessen! im Kurbause statt. Außer den zahlreichen technische» Verbesserungen im Bade bringt die Saison auch eine höchst wünschenswerte sportliche Bereicherung. Ter bekannte SporlSmann Herr I. v. P o n g r a e z wird ein Rcit- Uistlttlt errichten, in dem Unterriän für Damen, Herren und Kinder erteilt wird. Außerdem werden Pferde zum Gcländc-Rcilcn vcr»


