Ausgabe 
22.4.1914
 
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Nr. 93

Zweiter Btett

164. Jahrgang

Trschsint tätzllch mit Ausnahme des Sonntag«.

TieSietzeuer Zawilienblitter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, dar KrtitMatt fflt der Xteis Sietzen" zweimal

wöchentlich. Diek«l»«Isisch«sIIIch«n 3«jt- frazer" erlcheinen Nlanattich zweimal.

Gietzener Anzeiger

Seneral-Anzeigrr für Gberheffen

Mittwoch. 22. April IM

RoiaiionSdnick und Verlag der Brühl'schcp UniversitätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktien, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e-«öl- Redaktion: «a^ItL, TeI.-Adr,:7InzeigerlSi«ben.

Der Miiiderertrag der Reichreinnahmen.

TerReichs,nzeiger" veröffentlicht soeben die Uebcrsicht über die Reichseinnohmen aus Zöllen, Steuern und Ge­bühren im Etatsiahr 1013 14. Wie man schon bisher wußte, weist die Fsteiniiahme gegenüber dem Voranschlag ern Minus auf, und )>var von 6,4 l Millionen Mark: der Vor­anschlag sab aus den genannten Einnahmequellen 1669,18 Millionen Mark vor, in Wirklichkeit sind 1664,97 Millionen Mark cingckommen. Mindereinnahmen l>abcn in erster Linie die Zölle gebracht: cs ergaben sich nur 68l,79 MiNionen gegenüber 721,47 VKllionen Mark Voranschlogc-ansab, also

99.68 Millionen weniger. Niedriger als der Voranjclstags- ansatz nniren ferner die Einnahmen aus der BrannNvriu- verbrauchsabgabe, >43,24 Millionen Mack gegen 196,45 Millionen Mark, der EsiigsäuresVerbrauchsabgabc, 794 292 Mark gegen 82,6000 Mark, der Trl)aumwcinsteuer, 9,8l gegen 19,68 Millionen Mark, der Leuchtniitlelsteuer, 16,20 gegen 16,84 Millionen Mark, dem Kaufstempel, 18,29 gegen

20.68 Millionen Mark, de», Zcheckstempel, 3,09 gegen 3,13 Millionen Mark, dem Versicherungsstcmpel 6,83 gegen 7,6 Millionen Mark und der Erbschaftssteuer 46,42 gegen 47,00 Millionen B?urk. Andererseits überstieg die Einnahme den Voranschlag«,isap bei der Zulkersteuer, die bei 173,76 Millionen Mark eine Mehreinuahme über den Voranschlag von 16 Millionen Mark brachte. Es folgen die Zuivachssteurr mit 14,43 iUebcrschuß 9,43) Millionen Mark, die Zigarettcu- ücucr mit 42,63 lieberschuß 6,16) Millionen Mark, die Broustcuer mit 128,61 (-1 3,73) MiNionen Mark, die Salz­steuer mit 62,37 (-4- 3,71) MiNionen Mark und die Börsen­steuer mit 71,27 (- - 2,45) Millionen Mark Bei den übrigen Steuern und (Kebühren war der lieberschuß geringer.

Für die Feststellung der Einnahmen im ganzen konmit wesentlich noch der Abschluß der Reicks post- und R e i ch s c i s e v a h u v c r w a l t u n g in Betracht. Nach dem für die elf Monate April bis Februar bekannt gclvor- denen Ergebnis ist bei diesen Verwaltungen ebenfalls mit einem Minus zu rechne», so daß im ganzen mit einem Dejizit von ungefähr 20 bis 25 Millionen Mark zu rechnen sein wird. lieberraschend lomurt dieses Ergebnis nicht, da der Rückgang der Konjunktur schon seit vorigem Herbst besonders a» den Einnahmen aus den Zöllen zu spüren war. Der Umschwung das Jahr 1912/13 ergab bekanntlich noch einen llcbcrschuß von annähernd 250 Millionen, Mark mahnt die Reichssinanzverwattunq zu größter Vorsicht und Sparsamkeit. Man kann in dieser Beziehung zum gegenwärtigen Reichsschaßfekretär alles Vertrauen habe». Mer die Lage wird dadurch schwierig, daß für die nächste» Jahre das Gleichgewicht der Reichsfinanzei, sehr wesentlich aus den Wchrbeitrag gestellt ist. Bringt dieser das auf Grund der Schätzungen ertvartcic Ergebnis, dann wird sich das Gleichgewicht auch, beim Anhalten der ilaucn Konjunktur herstelle» lassen. Bleibt er zurück, nun, dann wird nach neuen Einnahmen gesucht werden müssen. Man wird daher toiinschcn, daß so frühzeitig wie nur irgend möglich eine Uebcrsicht über die aus dem Wchrbeitrag zu erwartende Summe gegeben wird.

Der ZaN Berliner und das Auswärtige Amt.

Man schreibt uns aus Berlin:

Wie wir hören, besteht die Absicht in, Reichstage, beim Etat für das Auswärtige Amt den Fall Berliner zur Sprache zu bringen. Bekanntlich sind in Perm drei deutsche Luftschiffcr in Haft, gegen die die russische Regie­rung in den nächsten Tagen einen Spionageprozeß erössncn wird. Es ist der deutschen Diplomatie der Vorwurf gemacht worden, daß sie im Malle Berliner den deutschen Lustschifscrn nicht genügend diplomatische Unterstützung ge­währt habe. TieS trifft jedoch keinesfalls zu. Das Berliner Auswärtige Amt Hai alles getan, was cs tun tonnte. So­wohl das Auswärtige Amt. wie die deutschen amtlichen Stellen in Petersburg und in Moskau haben die Interessen der Lustschifser sehr energisch gewahrt. In ein schwebendes russisches Gerichtsverfahren konnten auch sic nicht rin­greisen, sie haben aber erreicht, daß dieses Verfahren be­schleunigt wurde und in den nächsten Tagen es zum Spruche kommen wird. Den» dieses Verfahren verschleppt worden ist, so liegt die Schuld allein an Herrn Berliner, der sich keinen russischen Anwalt bestellen loollte, sondern diese Stellung vom Reiche verlangte. ES muß hervorgehobcn werden, daß Berliner russische Fesnmgen tatsächlich über­flogen hat und daß er nicht gelandet ist. als er dies merkte, sondern noä> ivcitcre Festungen überflog und sogar von diesen beschossen worden ist. Unter diesen Umständen ist die russische Negierung ini Rechte, wenn sic .Herrn Ber­liner als Spion behandelt. Berliner kennt genau die strengen russische» Borschristei, und wußte, in welche Gefahr er uch begab. Als er bei Perm landete, war ihm die Militär« bchörde bereits auf der Fährte. Allein aus diesem Grunde hat der Kaiser es abgetehnt, zugupsten der Luftschiffer Schritte zu untcruehmcu. Hierzu, kommt, daß die russischen Behörden Herrn Berliner schon früher einmal verhafteten, ihn aber freigaben, nachdem er sich chrenwortlich verpflichtet hatte, keine 'Ballonfahrten nach Rußland mehr zu unter­nehmen. _

Vas preuftische Abgeordnetenhaus

nahm am TicnStag seine Tätigkeit wieder aus und zwar nsit der ersten Beratung vcS Eisenbahnanleiheh q e s c tz c s , die recht ruhig und friedlich vonstattcn ging und keinerlei Mission brachte in die Ferienstimmung, die noch über dem Hause lagerte. Minister v. Breitcnbach legte dar, daß, was man auch vorher schon wußte, auch diesmal wieder erhebliche Summen für Eisenbahnzweckc notwendig seien Dar angesordertc Betrag bleibt indessen um 36 Millio- nen hinter der vorjährigen Nebenbahnvorlage zurück. Die Redner all«: Parteien, nicht zum wenigsten der national­liberale, spendeten dem Minister Beifall sür sein Bemühen, das Eisenbahnnetz ständig weiter ausz-ugcstaltcn und jeden Ssillstand zu vernieiden. Tie Aussprache wandte sich dann mehr den Einzelheiten der Vorlage zu. die im ganzen acht Hauptbahnen und zehn Nebenbahnen und auch den Staats- Vertrag zwischen Preußen und Oldenburg umfaßt, und zeisigte «ne Anzahl Einzelwünschc. Dir der Abg. Maccr, io

berührten auch die Aüg. Müustcrbcrg (Vp.l und Gras Moltkc (Freikons.) unsere Bcrbinbungcn mit Dänemark, zu denen dann auch Herr v. Breitcnbach Stellung nahm, wobei er u. a. sesfltellte, daß auch ohne Rücksicht aus den Verkehr mit Dänemark der Bau der direkten Linie AltonaElms­horn dringend erwünscht erscheint Abg. Fürbringcr (Natl.) brachte alsdann Bedenken vor zu Gunsten von Wilhelms­haven gegen den Verkauf der Bahn WilhelmshavenOlden­burg an Oldenburg. Nachdem sich daun noch der Abg. Wald» ften (Dp.' gleich seinem Fraksionskvllegen Münstrrbcrg gegen die Fehmarn-Linie ausgesprochen und Minister v.. Breitcnbach betont hatte, daß der größte Teil der Pro­vinz die neue direkte Linie AltonaNcuiniinster gewünscht haue und die Städte, die an der alten Linie liegen, durch die neue nicht geschädigt iverdcn würden. crsvlgtcVcrtagung.

Ein Vorschlag des Vizepräsidenten Tr. Porsch, die Rede­zeit bei der Spczialberatung hierzu sind nicht weniger als 90 Redner gemeldet aus 10 Minuten zu bcschräntcn, erfuhr bei der Volkspartci, den Sozialdemokraten und ocn Natronalliberalen an? prinzipiellen Gründen Widerspruch. Ec soll am Mittwoch, um den Fraktionen Zeit zur Berstäu- diguug zu lassen, wiederholt werden.

Au» CKfftn.

Aus dem Fina«zau»schuß.

rb. D a r m st a b t , 21. April. Der Finaiizausschugdcr Zweiten Kammer ist von seinem Vorsitzenden, Abg. Tr. Osann, vom Mittwoch, den 29. Apsil, vormittags 10 Uhr, ab rur Abhaltung siner Anzahl von Sitzungen einberuien worden, um noch über 30 BeratungSgegenstände für die in der zweiten Halste des Monats Mai vorgesehene Plenartagung der Kammer iertig zu stellen. Unter den zur Beratung gestellte» Vorlagen bkiindcn sich der schon bekannte Gesetzentwurf, betr. die Förderung von Er a i t w a g e n l i n i c n im Großhcrzogtum Hessen, ferner eine Vorlage, betr. die Verleihung der Rechte von Zivilstaatsdienern an die Rcallehrcr. eine Vorlage, betr. Staatsbsihilse «» die Auto- mobiliahrtgcsellschast Wcinhsim-Trösel. eine Vorlage, betr. die An- stcllinigsverhältniisc der hessischen mittleren Beamten der preutzisch-hes fischen Eisenbahn ge m eins chast, so­wie eine Reihe von Anträgen und Vorstellungen nnanzicllcr Art gus oesichiedencn Interessenlenlreisen.

Ans dem Vittschrifikuiusschuß.

rb. D a r Ni st g d t, 21. April. Der vierte Ausschuß der Zweiten Kammer trat heute vormittag unter Vorsitz des Abg. Raab zu einer sehr ausgedehnten Sitzung zusammen. Zuerst er­folgte die Wohl eines Schriftführers und dessen Stellvertreters, wie sie zur regelmäßigen Führung eines TitzungsproiokollS in Art. 18 der neuen lonichändischen Geschästsorbnung vorgeschriebe» ist. Zum Schsistsübrer wurde Ab,. Houck sBsid.), zu dessen Stell- oertrercr Abg. Hebel (Zentr.) gewählt. Alsdann iand m Gegen­wart des Staatsminifters Dr. v. Givald und des Geh. Obcr- baurats K lingelhöicr sine singchende Beratung über die Vor­stellung des Gemeindevorstandes zu Butzbach, betr. Aushebung des Art.-6 in dem ziviichen dem Fiskus und der Ge meinde Butzbach abziischließenden Vertrag in Detrcsi der Zellen- strafanftalt hei Butzbach statt. Es wurde eine Eini­gung dahtngehend erzielt, daß eine Abänderung des Art. 3 in der Weite erfolgt, daß die Wünsche der Stadl Butzbach berücksichsigt und die südliche Front des GebäudekomplexeS für bic Bebauung sreigegeben wird. Die Vorstellung wird damit sür erledigt erklärt. Eine Vorstellung des Vorstandes des Kommunalsorftwarte Vereins wünsch' sine anderwsite Re­gelung der BesoldungSverhältnissc. Die Vorstellung erledigt sich dadurch, daß dem Landtag in diesen Tagen ein Geietzenttvurs zu» gegangcn ist, in welchem die Besoldungsverhältnille der Kommunal- sorstwartc sine anderwsite gesetzliche Regelung crsahren. Tie Vor­stellung wird dem sich mit der Beratung dieser Vorlage/beschäM- gcnden Ausschuß übcrwisien.

Weiter beschloß der Ausschuß, die V o r st c l l u n g d c sE v a n g e l i s ch c n P i a r r v c r c i n s, betr Vorschläge zur größeren S«lb- »ändigkeit in der Verwaltung des Kirchenvermögens, der Regierstng als Material zur Berücksichtigung zu überweisen. ES schweben zurzeit noch zwischen der Regierung pnd dem Oberkonsisiosium Verhandlungen über die Regelung dieser Materie. Den Antrag der Abg. Urstadt und Gen., der die Regierung ersucht wissen will, die Zcnirglstcllc für die Landcsstaiistik zu begusiragcn, Ermitt­lungen über die ländliche Befitzvericilung namentlich int Hinblick aus den Umfang und das Wachstum der iideikommissa- riich gebildeten Güter anzusteUcn, wurde vom Ausschuß zur An­nahme empfohlen. Der Anttag der Abg. Hauck und Gen., betr. die Verwendung des Urkundenstempels, soll zunächst noch mit der Regierung näher besprochen werden. Die VorstelliiNg de« Bürger­meisters Crumstadt, betr. die Verlegung der GemeiNdcapothekc von Crumstadt nach Goddelau, wurde beraten, die Beschlußfassung darüber jedoch noch. auSgesetzt. Die Mehrheit dcS Ausschusses steht aus dem Standpunkt, daß der Vorstellung der Gemeinde Crumstaot zu willfahren sei. lieber die Vorstellung des Otto Stupperi in Eich bei Worms, betr. den Verkauf von Geigsindegeländc zu Eich, soll zunächst mit der Regierung verhandelt werden. Weiter wurde vem Ausschuß noch über die Vorstellung des Verbandes deutscher Granit­werke r V in Karlsruhe, betr. Vernichtung der deutschen Granit- schlciscr-Industrie durch die neuen FriedhosSordnungen. beraten, die Fortsetzung der Beratuna jedoch bis zur nächsten Sitzung ver­tagt. Der Antrag der Abg. M o l t b a n, Tr. Schmitt und Gen., betr. die Revision des vreußisch-hesfischen Eisen­bahnvertrags. wurde an den Fiiwnzausschuß abgegeben, da diesem bereits rin ähnlicher Antrag der Abg. Ulrich und Gen. z»r Beratung vorliegt. Tie nächste Sitzung des Ausschusses findet am Dienstag, den 28. April, statt.

Zur Darmstiidter EinigungSentschlietzung.

Aus Darmstadt wird uns geschrieben:

Die BcrtrauenSmänneroersammluug der nattanallibcraleit Partei des Wahlkreises Darmstadl-Groß-Gcrau saßtc am letzten Sonntag einen Beschluß, der sich snbezuq auf die Stclluugnalnnc des Zentralvorstandes zu d'n Son-erorganisattsneit zustimmend äußerte, des weiteren aber nichts mehr und nichts weniger als die Auflösung derFreien Vcrsinigung helsischer Nationalliberaler" sorden Es war zu erwarten, daß man gerade von Darmstadt aus die sür ein derartiges Vorgehen günstig ichsinendc Gelegen­heit nicht vorüber gehen lasten würde, um der Heer wenig ge­liebtenFreien Vereinigung" einen kleinen Stoß zu versetzen. Wir sagen einen kleinen Stoß nicht etwa deshalb, weil wir des Glaubens sind, daß ein solcher beabsichtigt gewesen wäre, sondern weil wir annehmbn, daß dieFrsie Vereinigung" durch ihn ksincn ernstlichen Schaden daooniragcn wird. Dazu schsini sie unS sinmal trotz ihres verhältnismäßig noch kurzen TassinS schon allzusest gejüqi zu sein und zum andern stehen ihr zum Nachweis ihrer Existenzberechtigung solch gute Gründe zur Seite, daß eS ein geradezu rösichtes Unterlängen wäre, wenn wir etwas anderes annehmrn wollten. Schon die ssitens des Darmstädter nalionakkiberalen Vereins anläßlich ihrer Begründung gsiaßte Resolution vermochte der Dcrsinigung sicitich keinen Nutzen, aber

doch auch keinen nennenswerten Nachteil zuzuiügen. Tos läßt heule erst recht erwarten, daß auch dieser zweite Vorstoß seinen Zweck nicht erreichen wird. Es ist dies um so eher zu crhoisen, als der Beschluß der Vertrauensmänner Versamm­lung der Sachlage ja gar nicht gerecht wird. Die Freie Bereinigung" ist. wie Rechtsanwalt Dr. Pagenstechcr- Mainz schon gelegeniltch der im November vorigen ZghrcS statl- gciundenen Jahresversammlung derFreien Dersinigung" durch­aus richtig auSführtc, keine Sonderorganjation, son­dern eine rechts- wie linksstehende Parkeisrennde umsaiiende Ar« bcitSgcmeinschast, die ihre Ziele innerhalb des Rahmens der Gc- samivarrei z» erreichen suchte So Int sie. um nur eines zu er­wähnen, ans ihrer letzten iu Frankurt siattgehabtcn erweiterten Vorstandssitzung in völliger UcbcreinstimMung mit der Landes- varlcileuung sinhellig beschlossen, aus die sür die kommende Land­togswahl nötige Kandidatenaufstcllung tsinen Einiluß auSzuüben, sondern die Wahlvorbereitungen den einzelnen LandtagSivahI- kreiken zu überlassen. DerFrsien Vereinigung" gegenüber ist aber auch das Verhallen der Darmstädter Vertrauensmänner iuio- iern völlig deplaziert, als gerade ssit ihrer Existenz tlnd durch ihre Arbeit das in Hessen vielerorts gänzlich darniedcrliegeud« Partcilebe» wieder neu erwachte. Orte, sogar recht große, in denen seit Jahrzetmten nicht sine einzige seiten:, der nationallibe­ralen Partei einberuienc Versammlung abgehalten wurde, weiiwe jetzt ein frisches politisches Leben aut. - Noch aitt siwoS andere» sei in diesem Zusammenchnge nicht pergsisen hilkzuweiscn. Wie lange schon wartet man mnerhalb brr hessischen nationalliberalen Partei aus den LandrSpartsisekrsiär! Bis heute konnte ein solcher noch nicht angcstellt werden, trotzdem die .,Frsie Vereinigung" gerade in dieser Beziehung mit gutem Bsispielc aneiiernd voran- gegangcn war. Ihre Leute konnten angesichts der Ersolge, die die Gegner der Nationolliberalen insbesondere aus Grund ihrer guten Organisation errangen, nicht mehr länger »litantehen. nnc die eigne Partei insolqe sines gerade nach dieser Richtung hin sich schwer fühlbar machenden Mangels ständig a» Stoßkrait iiiid Schlagsertigkei, cinbüßic. So ttaten sie, eine erkleckliche Anzahl treu nationallibrraler. zum Tsil im härtesten Kampf gegen die Feind- des NationaltiberalismuS erprobter Männer zusammen und stellten einen Parteisekretär an. der hinfort die Interessen der nationalliberalen Partei aufs beste zu wahren verstand. Da­für mußte mo» vielfach T»nk Eegrautc Freunde der uational- libcralen Sache, die aus Verdruß schon lahr-lang der Parte« de» Rücken gekehrt, fanden wieder de» Weg z» ihr zurück. Jung« Männer traten mit Feuereiier herzu, um ihr ihre Dienste zu weihen. Die Dertrauemsbmte des Wahlkreises Tarmstadt Groß- Gerau hatten deshalb keine glückliche Stunde, als fie derFreie« Vereinigung" niit ihrer Relolution auf Heu Lsib rückten. Fh« Rui nach Einigksi! ist zwar sehr lobenswert und gerade in tzciien ganz besonders angebracht. Er wirb auch zweifellos in den Kreisen derFreien Dersinigung" nicht uiigelwrt oerhgllen. So wie ssither ksine Friedensstörung von ihr ausging, so wird sie es auch sicherlich fernerhin strengstens vcrmsiden, störende Mo­mente ins signe Parteileben zu tragen. Wir wollen aber auch hmien, daß gerade in unserer LgndeSbauptstadt, in der ia der Ruf nach Einigksit erschallte, ihm ein ganz besonderer Ersolg nicht ausbleiben wird. Die hier erichsinende. sich nationalliberal nennendeHessische Landeszeitung" wird hoiientlich e,u Ein­sehen haben und ihre io oft in der ungerechiiertigsten Weise gegen die nanonalliberale Pasisi iind ihre Führer erhobene Sircilaxt zur Ruhe legen. Ihre Freundin und Gesinnungsgenolsiu aus derWormser Ecke" wird dann wohl nicht unterialscn, diesem guten Beispiele rasch zu folgen. Das wäre ivirklich sin brillan- ,ter, wenn auch nicht dirrkl beabsichtigter Esiolg des uns durckz» au» svmpaiüchen Rufes nach Einheit und Geschlossenheit in Hessen» Rationalliberalismas. Sollte sich nun gar im ganzen hessischen NdtionalliberalismuS die Unserer Ansicht nach einzig richtige und von der nationolliberalen Partei im Reiche ver­tretenen Anschauung durchsetzen, daß der Bund der Landwirte sine Schutztruvpe des ostklbischen Junkertums geworden und sollten ferner gar die beiden hessischen, nicht ,n die RcichStagSsraktion ausgenommenen Abgeordneten ihre politische 'Ansicht derart revi­dieren, daß sich ihnen die ssither verschlossene Türe öffnete, so bliebe an Einigung schier nicht-? mehr zu wünschen übrig, trenn noch ein -Stein de§ Anstöße-? beseitigt wäre Leider unter» ließen es nämlich die Deitrguensleutc bon Darmstadt Groß-Gerau, der im Landtage bestehendenWirischasilichen Bereinigung" zu gedenken, lind gerade sie hatte e« doch verdient, besonders ge­würdigt zu werden. Gehört ihr doch neben einigen ZenteumS- und affen landwirisbündlcrifchen Abgeordneten leider auch die große Mehrheit dw nationaliiberalen Landiagsabgcordncien an. Hatte man angesichts dieser Tatsache doch der in Tarmstadt be­schlossenen Resolution den Passus angehängt, daß cs im Interesse der Einheit und Geschlossenhsit der Partei und nicht zuletzt auch im Interesse ihre? ßlnsehenS bsi der Bevölkerung firr einen nativnalliberasen Landtaqsabgeordneten durchaus ve-wertlich sei, dieser die Selbständiakeit der nationalliberalen Parker in nicht zu unterschäreiibcr Weise becinträchtigenden Sonderorganiiaiion anzugehören. Damit hätte man wenigstens zu erkennen gegeben, daß man sich Mühe gab, der Farderung nach gleicher Behand­lung der Parteigenas'en nachzukommen. Nach unserer Kenntnis der Dinge vergaß man es etwa nicht, diesen doch so selbstverständlichen Schritt zii tun, sondern man wollte nickt. Gerade das gibt uns aber die Kewißhsil. daß die ganze von Darmstadt auS betriebene EinigungSaktion nicht viel mehr als ein Schlag ins Wasser sein wird. Man merkt gar zu sehr die Absicht und wird aut feitert derFreien Vcrsinigung" sicherlich nicht verstimmt, denn man hatte wohl nichts anderes erwartet.

Deutfebe» Heid).

Statthalter Fürst Wedel hak sich am Dienstaix vormiltag von Straßburg nach Karlsruhe begeben und wird dort vom Großher^og in Abschicdsaudicnz empfangen.

Der Reichskanzler blsibt, wie dieKreiizzeitung" er- iährt, noch sinige Tage in Klorsu, und gedenkt dann direkt nach Berlin zurückzukchrcn, wo er voraussichtlich am 27. April ein» trisst.

Eine Kundgebung des Wcbrvcrcins in Ttraßx bürg. 2luS Straßburg, vom 21. b. M., wird berichtet: Aus Einladung des Deutschen Wchrvercins, Landesverband Elsaß- Lothringen, 'dem heute eine neue Ortsgruppe Metz hinzugctreien ist, sprach heute abend im großen Sängerhaussaal General a. D. Keim überWeltlage und Wchrsragen". Ter Redner beklagte, daß das deutsche Volk nach 40 Fsiedensjahrcn denkfaul geworden sei und nicht mehr wisse, daß man unseren wirtschaft­lichen Aufschwung dem Kriege von I870'71 zu verdanken habe. 'Angesichts der unsicheren Weltlage könne im .Hinblick aus einen Krieg, der auch uns nicht erspart bleibe, im Frieden gar nicht genug geschehen, um »nS den Sieg zu sichern.Darum wollen wir das Heer so stark machen, daß cs keiner mehr wagen wird, uns anzu- grciien. Der Krieg aber, wenn er kommt, muß in Feindesland getragen werden, damit dem Volk der Ksicg im eigenen Land er­spart blsibt." Wir boben leider, lührrc der Redner weiter aus, die allgemeine Wehrpslicht verkümmern lallen. Sie ist nicht allgemein genug durchgesührt und Frankreich ist uns in Bezug aut seine Grewz- beseyung zurzeit noch überlegen. Die sogenannte Frledensbeiae guag trage dazu bei, das Volk zur Fsigheit zu erziehen. General Krim