Ausgabe 
21.4.1914
 
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Nr.

Zweites Blatt

*64- Zahrgang

Erscheint täglid) mit Ausnahme des Sonntag;.

Ti-«ietzcner Lamillenblätte," werden dem .An,einer, viermal wöchentlich ^eigelegl. das «retrdlatt für den «reis «letzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschastlichen Zeit- srag«»" erscheinen monatlich zweimal.

SichsKer AWger

General-Anzeiger für Gberhejjen

Dienstag. 2(. April *9*4

Rotalionsdruck und Verlag der Brühl'scherr Unwerfiiüts - Buch- und Sleindruckerei.

R. Lange, (ließen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:^SH2. Tel.-Adr.:i)lnzeigerGieben.

Hauptversammlung des hessischen Gberlehrervereins.

Am 17, und 18. April hielt der H e s f. Oberlehr erver­ein seine diesjährige .Hauptversammlung unter zahlreicher Btftctlt gimg aus allen letlctt tzejscns in Oppenheim a Rh ab Ten Vorsitz bei den Verhandlungen jührtc Pros. A l t e ,i d o r s - Gießen. Tie Schiilabtcilung ivar vertrete» diirch Hcrnt Staat­rat S ü s s e r t und Herrn Geh. Oberichulrat Block. Ala Vertreter des Kreises war erschienen Herr Kreisrat Wolfs für die Stadt Oppenheim Herr Bürgermeister Schmidt. Außerdem hatten Ver­treter entsandt die Phtlologenveretne von Baden Hessen-Nassau Württemberg und der Verein akademisch gebildeter Lehrer zu Frank- furt a. Main.

Der Freitag war, wie es in den lchten Jahren Sitte geivorden ist. wisscnschastlichen Fachsitzungen gewidmet.

Tie matheniatisch-naturwijscnschastliche Abteilung beriet unter den, Vorsitz von Tircktor S ch It e l l - B u h b a ch über die von ihrem Lehrplanausichujj entworfenen Lehrpläne, ohne damit -zu Ende zu kommen. Ter Entwurf soll mit den gewünschten Aendcrungen und Zusätzen der nächsten Tagung nochmals vorgelcgt werden. Sodann führte Herr Oberlehrer Grüninger-Worms zwei -von ihm selbst konstruierte Wellcnmajchinen vor. Zuletzte brachte Professor B ö l l t n g - T a r m st a d t in längeren interessanten Ausführungen eine Reihe von Wünschen bezüglich der Ausbildung der Bio­logen vor.

Tie Sitzung der Neuphilologen leitete Pros. Tr. Hellwig- M ain z. Ter von Proi. Dietrich-Darm stadt vorgelegic Plan für den iranz. Lesestoff wurde einstimmig gutgchcitzen. Ober­lehrer Tr. K n a u ß - G t c ß c n sprach in einem sehr beifällig aus- genominenen Vortrag über bcn fremdsprachlichen Aufsatz, jedoch mutzte auch Heer die Aussprache über die ausgestellten Leitsätze wegen vorgerückter Zeit auf die nächste Tagesordnung verschoben werden.

I» der Sitzung der evang Religionslehrcr, an der als Ver­treter des Oberkonjistorimns Herr Prälat Tr. F l ö r i II g teil­nahm. erstattete zunächst der Voriitzende Prof. L a m v a S - F r t c d berg Bericht über den derzeitigen Stand der Lchrplanrcsorm. Dann sprach noch Pros. Kunkel-Tarmstadt über dieBe­deutung der Religion für Unterricht Und Erziehung auf unser» höheren Schulen" und Prof, l i c. M a 11 h es - Da r NI st a d t über denUnterricht in der Glaubens- und Sittenlehrc in den Obcr- klassen der höheren Schulen".

Gegen Abend sand eine Besprechung der Vorsitzenden der ein­zelnen Fachabteilungen mit dcu> BereinSvorstaud statt, in der Be­schlüsse über die zukünftige Gestaltung der Fachabteilungcn gefaßt wurden. Außerdem wurde beschlossen, eine germanistische Fackt- abteilung ins Leben zu r,usen.

Nach einer Besichtigung der Einrichtungen der Grotzh. Wein- und Obslbauschulc unter Führung des Herrn Tircktor F u h r, wobei die Teilnehmer auch den kostbaren Inhalt der Keller ken­nen und schätzen lernten, vereinigte der Begrützungsabend alle Amtsgenosscn zu sröblichem Tun. Den Vorsitz der überaus gut gelungenen Veranstaltung führte Pros. Obcnaucr-Oppen- h c i m.

Ter SamStag brachte zunächst eine Besichtigung der Katha- ncnkirche, wobei Herr Pfarrer Kietz führte. Um 11 Uhr begann dann die nichtöffentliche Versammlung in der Wirtschastshallc aus der LandSkronc.

Nach Erledigung geschäitlicher Dinge schritt man zur Neu­wahl des Vorstandes. Der frühere verdiente Vorsitzende Pros. Tr. B e ck M a i n z hatte eine Wiederwahl aus Gesundheitsrücksichten dankend abgelehnt. In Anerkennung seiner grasten Verdienste um den Verein schlug der Vorsitzende vor, ihn zum Ehrenmitglied zu er­nennen. Der Antrag wurde unter starkem Beifall einstimmig an­genommen. Für ihn tritt neu in den Vorstand ein Pros. Tr. H e l l w i g - M a i n z. Tie übrigen Vorstandsmitglieder werden wiedergewählt Von den übrigen gefastten Beschlüssen sind zu er­wähnen : Ter Beitrag für nicht dauernd verwendete Anwärter wird aus 2.50 Mark herabgesetzt : der Verein soll in das Vercinsregistcr eingetragen werden; die dazu nötigen Aenderungen der Satzungen weiden gutgehcitzen: die Versammlung ist damit einverstanden, dast einLchrerkalender für die höheren Schulen Hessens" unter Mitwirkung des Vereins erscheint. Ten Abschluß dieses Teiles der Tagung bildete ein Bericht des Schriftführers Ass. P o ep per­lt n g - T a r m st a d t über die Lage der hessischen Lehramtsasses sorcn und -Resereiidarc, in dem er gleichzeitig versuchte, einige Mittel anzugcben, wie der schlimmsten Not gesteuert werden könnte.

An diese Sitzung schloß sich die eigentliche Hauptver­sammlung, in der zunächst der Vorsitzende die Erschienenen be­grüßte und herzlichst willkommen hieß. Aus die Begrüßung ant­wortete Herr Staatsrat Süsser t mit folgender Ansprache:

Meine geehrten Herrn! Ich danke Ihnen persönlich und im Namen der Schulabteiluug, insbesondere im Namen meines hier mitcrschienencn Kollegen, des Herrn Geh. Oberschulrat Block, herzlich für die liebenswürdige Einladung, die Sie uns zur Teil­nahme an Ihrer Versammlung haben zugehen lassen. Ich danke Ihnen nicht minder herzlich für die freundlichen Worte der Be­grüßung, die Ihr Herr Vorsitzender der Ministcrial-Abteilung und insbesondere mir gewidmet hat. Meine Herren, mir sind gerne Ihrer Einladung gefolgt. Ich duzstc Sie im Vorjahre schon ver­sichern, daß wir Wert darauf legen, mit Ihnen persönliche Fühlung zu nehmen, vertraut zu werden durch persönlichen Verkehr^ mit Ihren Sorgen und Wünschen, Ihre Anschauungen in Fragen Ihres Berufs und Standes kennen zu lernen und Ihnen auch menschlich näher zu kommen. Ich habe int vorigen Jahre die Hvfsnung aus­gesprochen, und ich wiederhole sie, dast die guten Beziehungen zwischen Ihrer Vorgesetzten Behörde und Ihrem Verein immer >ort- daucrn mögen. Sie baden den Wunsch, sie aufrecht zu erhalten und auch an unserem guten Willen soll cs nicht fehlen. Meine Herren! Es ist bisweilen in der letzten Zeit die Behauptung zu hören und zu leien gewesen, dast eS mir persönlich bei der Leitung der Geschäfte nur daraus ankäme, eine äußere Autorität zu lvahren. Meine Herren! Ich glaube, ich habe es nicht mehr nötig, vibnen gegenüber gegen diese Behauptung mich zu verteidigen, coie haben mich >a jetzt kennen gelernt Immerhin darf ich ein paar Worte dazu sagen. Es ist selbstverständlich und bedarf keiner Begründung, insbesondere Ihnen gegenüber, die Sie berufen sind zu erziehen, daß in den Beziehungen zwischen Ihnen und uns die Autorität stehen muß, dast nötigensalls die Autorität der Behörde auch durch» gesetzt werden must. Aber es wäre schlimm,um unser Verhältnis bestellt, wenn es gestellt wäre nur aut äußere Autorität., Nein, meine Herren, die Beziehungen zwischen uns müiien Iteler, Ue müssen aus ethischen Grundlagen begründet fern, und da glaube ms es sagen zu dürfen, denn es gebt dieses auch aus den Worten der Begrüßung Ihres Vorsitzenden hervor, es waltet zwilchen der Vor­gesetzten Behörde und Ihnen das Verhältnis des Z^rtrauens, des Vertrauens, das gegründet ist auf gegenseitiger .Innung und die Uebcrzeugung, daß beide Teile ihr Bestes geben zur Förderrtng unserer gemeinsame» Interessen des Vertrauens, das Treu« erzeugt.

Meine Herren! Haben wir nun uns die Treue gehalten? Diese Frage ist berechtigt nach dem Abschluß des zwctiahrigen Beiol- dungsftreites. Ich möchte für Sie diese Frage betahen. Sie haben mit Nachdritck Ihre Interessen vertreten fahrend der Bc- soldnngSkämpse, aber in einer Form, die ^threr Stellung, und mit her Würde, die Ihrem Stande entspricht. Wir haben das nicht an­

ders erwartet, aber es hat uns das angenehm berührt, und ick danke Ihnen dafür. Meine Herren! Sic haben uns die Treue ge halten, aber haben auch wir Ihnen die Treue gehalten? Es ist da- eine Frage, schwer zu beantworten für den Außenstehenden, de, nicht zu durchschauen vermag die mancherlei.Fäden des Gelriebe-, gerade bei der Erledigung einer derartigen roackw, wie eine Be foldungsreform. M. H. Der aufmerksame Beobachter wird währenk der Besoldungskämpfc ans manchem seine Schlüsse gezogen haben vielleicht zuivetlen dabei weniger aus dem Reden als mehr au-, dem Schweigen. Ich selbst, meine Herren, kann nicht Richter in eige »er Sache sein. Aber das glaube ick) sagen zu dürfen: Ich trete vor Sie hin mit einem guten Gewissen. Ich darf aber weiter, IVI dies auch aus den Begrüßungsivorten Ihres Vorsitzenden hervor lwht, sagen, daß in diesen Besoldungsstreit Ihre Interessen ein gut Stück vorwärts gekommen lind. Meine Herren. Ter Beivlduuge- kampf ist jetzt vorüber, und Sie können sich nunmehr wieder mehr den idealen Aufgaben Ihres Vereins widmen, Sic werden uns dabet gern aus Ihrer Seile linden. Sie haben >a gesehen, daß Ihre Anregungen bet uns aus guten Boden fallen. Ich brauche das nicht näher auszuführen. In nächster Zeit wird eine Neuauflage der Lehrpläne erscheinen, d. h. die alten Pläne in ettvaS veränderter Form. Wir haben Wert darauf gelegt, die vielen Anregungen, die an. einzelnen Schulen erprobt werden, den neuen Lehrplänen an- zusügen, damit sic.in der Ocsfentlichkeit bekannt werden und jeder sehen und prüft» kann, welche Aendcrungen erfolgt stud. ES wird das eine nützliche Vorarbeit für eine künstigc Repision der Lehrpläne sein. Eine solche augctwlickluh vorzunchmen, wo so vieles noch gärt und brodelt in Lehrplanfragen, möchte nicht zweck mäßig sein.

__ Meine Herren! Eine neue Frage beschäftigt Sie uttd uns, Sie hoben sie auch aut Ihre Tagesordnung gesetzt, es ist die Lage Ihres Nachwuchses, die Lage der Asse s s o c e II und Refe­rendare. Es ist eine schwierige Frage. Ich habe dazu schon ein paar Worte in der letzten Kammerdebatte getagt, cs ist Jlmcn das wohl auch zu Ohreti gekommen. Sie iverden daraus ersehen haben, dast wir uns mit dieser Frage beschäftigt haben zu einer Zeit, wo noch keine Anregung von außen an uns gekommen ist. Wir haben schon vor zwei Jahren durch einen Aussatz in der Tarmstädicr Zeitung und durch entsprechende Anweisung der Direktionen die Aufmerksamkeit aus dir schlechten Aussichten der Anwärter des höheren Lehramtes zu lenken gesucht. Sie ersehen daraus, dast uns diese Angelegenheit schon länger beschästigl, und daß wir nicht gezögert haben, hervorzutreten in dem Augenblick, wo wir einen klaren Ucberblick über die Verhältnisse gewonnen zu haben glaubten. Meine Herren! Wir werden dankbar sein für die Anregungen, die Sic an uns gelangen lassen. Seien Sie versichert, daß wir sie orüsen und tun werden, was in unserer Macht steht, die Verhältnisse zu bessern. Ich halte diese Frage nicht für eine äußere Standessrage, für eine Geldfrage, ich halte fte in hohem Maste auch für eine ideale Frage. Ich bin in der Tat der Meinung, daß es aus sozialen und ethischen Gründen notwendig ist, dast unser Nachwuchs frühzeitiger zur Anstellung kommt und in die Lage versetzt ist, ein Heim zu gründen. Es gilt das für alle Beamte, insbesondere aber für den Erzieher. Also meine Herren, ivas in unserer Kraft steht, das Iverden wir tun. Ich würde mich freuen, wenn mir in der Lage sein sollten, III dein näcktsten Budget- den Beweis unseres gitlen Willens zu erbringen. iBravoh Indessen, spannen Sie Ihre Erlvartangen nicht za lwch, denn wir sind immer nur ein Teil des Ganzen, und aus anderen Gebieten der Staatsverwaltung liegen die Tenge viel schlimmer. Immerhin, an unserem guten Willen soll es nicht fehlen, und ich wünsche Ihnen, meine Herren, daß Sie aach in dieser Frage, die Sie heute beschäftigt hat, das erreichen, was Sie wünschen. Mit diesem Wunsche, meine Herren, möchte ich meine Betrachtungen schließen. (Lebhafter Beifall.)

Nachdem noch Herr Kreisrat Wolsf und Herr Bürgermeister Schmidt geantwortet hatten, berichtete der Vorsitzende über das abgclausenc Vercinssohr. Sein Bericht war ein Ueberbltck über die in diesem Jahre zu Ende gesührten Kämpfe uni die Besoldnngs- resorm. In tresscnden Worten wurde gezeigt, was dabet erreicht wurde, und was noch zu erstreben ist, und der teste Wille ausge­sprochen, rastlos und zielbcwustt weiter zu arbeiten an der Förde­rung des Oberlehrerstandes. Reicher Beifall lohnte den Redner.

Ten Festvortrog, der sich kiesen Ausführungen anschloß, hielt Prot. Tr. Henkel-Worms. Sein Thema lautete: Kulturge­schichtliche Beobachtungen an römiichen Fingerringen. Seine lau­gen, eingeltendcn Studien setzten den Redner, der vor nicht langer Zeit die Ehre batte, vor Sr. Mai. dem deutschen Kaiser über denselben Gegenstand zu sprechen, leicht in Stand, den Versammel­ten in überaus sesielnder Weise einen Einblick zu verschalten in dieses Gebiet des klassischen Altertums und erstaunliche kultur­geschichtliche Zusammenhänge nachzuweisen.

Ten Schluß der Tagung bildete ein gemeinsames Mittagsmahl aut der Landskrone, das noch durch manche Rede aewürzt wurde. Dann oina es ans Abschiednehm"" Tie ireundliche Anmabmc durch di? Bürgerschaft und die Behörden, die minnigtahen An­regungen. welche die Tagung bot, ..nidi die entzückende Lage des alten Städtchens, das sich im Glanz der Frühlingssonne und dem Schmuck der Baumblüte zeigte, werden die Teilnehmer an der Tagung das rebnmkränzle . Oppenheim nickt io bald oergessen lassen. Tie nächstjährige Tagung soll in Bad-Nauheim stalt- sinden.

Einsührung der neuen Direktoren ö-s Realgymnasiums und der Oberrealschuie.

K. B. Gießen, 20 April.

Tie feierliche Amtseinführung der neuen Schuldirek­toren des Realgymnasiums und der Oberrealschule fand a,n Montag morgen um 10 Uhr in der festlich geschmückten Turnhalle des Realgymnasiums statt. Bekanntlich lag die Leitung beider Anstalten bisher in den Händen des Geh. Schulrates Dr. Rau s ch, für den mit Beginn des neuen Schuljahres als Direktor des Realgymnasiums Professor Dr. Saut, als Tircktor der Lberrcalschule Professor Tr. Schnell cintrecken. Ter Feier wohnte neben den beiden Lehrerkollegien und den Schülern und Schülerinnen der oberen Klassen auch eine große Anzahl Ehrengäste bei: unter diesen saß man den Provinzialdirektor, den Oberbürger­meister, die Stadtverordneten, Vertreter des Attlitärs, der Geistlichkeit, die Direktoren der übrigen Lehranstattcn u. a.

Die Einführung der neuen Direktoren in ihr Amt nahm als Vertteter der Regierung Geh. Ober-Schulrat Not - naget vor. Zunäch.st rief er einen dankbaren Abschr-ds- gruß dein bereits geschiedenen Direktor Rausch zu, der seit 22 Jahren an der Spitze beider Anstalten stand, nachdem sich während seiner Amtszett und durch seine eifrige Förderung aus der Realschule, späteren -Oberrealschule, das Realgym­nasium abgezweigt hatte. Gr hob hervor, daß der heutige Tag auch ein Tag der Weihe für das im letzten Schuljahre fertiggestellte neue Schulgebäude sei. Dann gedachte der Redner der Trennung der beiden Schulen, die bisher in enger Gemeinschaft zusammen gearbettet haben. Zur Zeit ihrer Grünibungck-üfte die Realschule eine Witteljchu-le zwö­

ichen einem GNntnasium und einer Volksschule sein, und wie sie Ziele, so war auch der Bau anfangs bescheiden. Nach üufzig Jahren, 1887, hatte die Schule eine ganz andere, edeutendere Gestalt angenommen, als tnau zuerst gewollt mtte, und wurde von mein als 0000 Schülern besucht. Später erivies sich dann ein Realgymnasium als notwendig, tud l>eule sind Heide Schulen so gewachsen, daß sic beide incr eigenen Leitung bedürfen und daß ihre Wege nun lieht mehr zusantmengelp'ii können. Sie treten ausetnauder zu friedlichem Wettbewerb. Zum Schluß wandte sich der Redner au die neuen Direktoren und schilderte ihre Aus; sahen und Pflichten im einzelnen. Er schloß mit dem Rat. daß jeder den ihnen anvertrautcn Schülern ein väterlicher Freund sein möge.'

Ter Direktor des Realgytnuasium-S, Prot. Dr. Baur, tzaiitte der Regierung für die Ernennung zum Tirettor und dem Vertreter der Regierung für die herzlichen Worte. Mit Freude trete er seinen neuen Posten in Gießen an. denn er sei selbst ein Kind -Oberhessens, habe einen großen Teil seiner Studien in Gießen absolviert und sei auch ichvu in Gießen tätig gewesen, also mit Land und Leuten vertraut. Tie ttohe Stimmung, die il>n bei seinem Amtsantritt beseele, werde noch verstärkt durch das gute Verhältliis zwischen den städtischen Behörden und der Anstatt Sodann legte er die einzelnen Grundsätze dar, nach denen er sein neues Amt er war bisher nur au humanisttschen Gymnasien lättg -- aussassc, erinnerte dann an die Verdienste seines Vorgängers und wandte sich an seine neuen Kollegen und au die Schüler, die seiner Ueberzeugung nach nicht nur für die Wissend ichasteii, sondern auch zur Bildung des Eharatters erzogen werden müssen, nach den drei Gesichtspunkten: Religion, Zilie und vaterländische Gesinnung.

Professor Tr. Schnell, der neuernannte Tirettor der Lberrcalschule, schloß sich den Dankesworten des Professors Baur au und hob besonders hervor, wie sehr die Schule der Stadt für das schöne, praktische Gebäude zu danken habe. Auch er lobte die erfolgreiche- Wirtjamkeit des scheidenden ffiel,. Schulrates Tr. Rausch und dankte ihm dafür. Tann wandte er sich an das Lehrerkollegium der Oberrealschuie und begrüßte die ihm anvertranten Schüler. Endlich tvarf er nach einen Blick aus die neue llnterrichtsresorm, die einen eifrigen Förderer in Herrn Pros. Schnell gesunden hat. Wen» er für die iResorm eintrete, so führte er ans, so bedeute! vgs nicht, daß er das ganze bisherige Untcrrichtswesen ver­damme und ändern wolle: das sei auch nicht das Ziel der Reform, denn unser deutsches Erziehungswesen sei in der allgemeinen Weise gut und richtig und sei der melgerühmten euglischen Erziehungsmethode iwit voraus. Er wünsche nur eine Förderung der körperlichen kAuShilduug der Schuliugeivd (Erweiterung der Jngendspiete! und eine größere cklirsd-eh- nung des matheinatilch-naturwissenschastlickten Unterrichts. Er hoffe, die Oberrcalschule werde unter seiner Führung dazu beitragen, daß man zu diesen Zielen ein Sttick weiter gelange.

Oberbürgermeister Keller bedauerte, daß die treuen >-chulräninc nicht zur bestimmten Zeit hätten scrtiggestcllt werden können. Tann gedachte er des früheren Tircttors. und erinnerte an dessen hervorragende Tätigkeit und an die liebenswürdige Art, mit der er mit der Stadt (äteßen zusammcngearbettet hat. Darauf begrüßte er die dctdcit 'Nachfolger und versprach das toohlwollendc Inter­esse der Stadt. Darnach schilderte er die Entwicklung des Neubaues: Nachdem die Sladtverordnetenversamm lnng ihre Bewilligung erteilt habe, sei der Bau tut Mat 1912 begoiineti, im Januar 1010 der Rohbau und int Dezember 1910 der innere Ausbau fertiggestellt ivorden. Tie Turnhalle des Realgymnasiums sei in, März 1912 in Angriss genommen und im März 1919 vollendet. Einen hohen K'ostenanswand habe das naturwissenschastlichc In­stitut des Realgymnasiums erfordert. Insgesamt seien für die Oberrealschuie au Baukosten und Kosten für die innere Einrichtung 29001X1 Mk., für das Rcalgymna.sium 1.70000 Wf. erforderlich gewesen. Allen, die zur Vollendung beigetragen hätten, sei die Stadt Tank schuldig, so besonders dein Stadtbaumeister Gerbe! und dem Bauführer Nold. Er sprach die Hoffnung aus, daß den Direktoren, Lehrern ttnd Schülern die ihnen anvertrauten Räume tvohlgcfallen und zu Stätten nutzbringender Tätigkeit werden möchten. Zum Schluß wies er darauf hin, daß die Schnleii ihre Ausgaben darin suchen müssen, für die Erziehung zur Arbeit und zur Pflicht und fiir die Festigung des Willens zu dienen.

Im Namen des Lehrerkollegiums vom Realgymnastuin begrüßte Professor v. Holtzmann den neuen Direktor. Ein Wechsel in der Leitung sei immer ein gefährlicher Ein­griff in eine lebendige Organisation. Um so mehr hoff: er, daß die Anstalt unter der neuen Leitung nicht wachsen, denn die Schule sei schon groß genug, aber blühen und gedeihen möge. Das sei zu erreichen bei einer innigen Zusammen­arbeit, wenn sich Lehrerschaft und Direktor nicht gegen­einander verschlössen. Er begrüßte den neuen Tirettor als einen Mann, d»r mit Gießen bereits verttant fei.

Professor Ko ob überbrachtc dem Tirettor Schnell den Gruß der Lehrerschaft der Oberrealschule und gab der Frettde Ausdruck, daß der neue Tirettor, den man mit Tchnsncht erwartet habe, tein Fremder sei, und daß sein ckiame ans dein Gebiete der Methodik und der Retorm-bewe- gnng einen guten Klang habe. Daher sei ein neuer 2lusi schwung der Oberrealschuie zu erhosseu. Um diesen zu er­reichen. dürfe der Tircktor der gewissenhaften Mitarbeit seines Lehrerkollegiums versichert sein.

Die Feier wurde von sttminungsvollcn Vorträgen das Schulchors umrahmt.

An» StnSt nn- Land.

Gießen, 21. April 1914.

^ Vom Kaifermanöver 1914.

Das vornehmste Mittel, die Führer unseres Heeres schlüssig und befähigt zu machen, daß sie ihren Ausgaben für den Ernstfall geivachsen sind, bildet in seiner hetttigen kriegsmäßigen Form das Manöver, das alljährlich vor dem Kaiser abgehaltcn wird. In diesem Jayre findet das Kaisermanöver, wie schon wiederholt mitgetcttt, unter Be-