Nr. 92
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Erstes Blatt
m. Zahrgang
Dienstag. 2\. April t9H
«iehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Rotationrdnxk tinö Verlag der vrühl'schrn Unio.-Such- u»d Steindruckerei R. Lauge. Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Schutstratze 7. R " rt ' r u1, - UC ~ ÖC!I
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monatlich 75Pf^ viertel« jährlich Akk. 2.20; durch Abhole« u. Zweigslellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel« jährl. ausschl. Bestell^. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfenruq. kHefredakteur: A. (Hoch. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; für „Feuilleton", „Ber- nuschtcS" und„Gerichts« sank": Karl Neuratb; iür „Stadt und Land":
'Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umsaht 10 Seiten.
Der Zaluttrieg.
Tie Würfel sind gefallen, aber nion weiß noch nicht, vb es wirklich eiserne oder nicht am Ende — Falschspirl- wirrscl sind. Es geht den Pankees wie jenern Hirten, der so oft gerufen hatte, „der Wolf kommt"; als er endlich wirklich'kam, glaubte man es ihm■ nid*. Die Ameri- kaner lraben im Perlaufe der Mexikowirren einen solchen Aufwand mit Ultimaten betrieben, daß man sich nicht recht entschließen kann, an ein ernsthaftes Bargehen zu glauben Wenn wirNich der erste Schuß fallen sollte, werden Skeptiker fragen, ob es nicht doch eine Platz« Patrone war.
Wie kam es denn? Am 10. April waren in dem jetzt zu Weltruf gelangten Tampico einige Seesoldalen des nmerika- nischen Kanonenbootes „Delphin" an Land gegangen, um Petroleum einzuholen, wobei sie von einem mexikanischen Beamten iwgni angeblicher Verletzung der Hasenpolizci- orduung verhaftet und ins Gefängnis gesteckt wurden. Auf die Fnlervenlion des amerikanischen Admirals Mayo wurden sie jedoch nach kurzer Frist in Freiheit gesetzt: auf Beranlasfung des von den Amerikanern mcht anerkainiten Präsidenten Huerta wurde dem amerikanischen Geschäfts^ träger in Mexiko die Bitte um Entschuldigung übermittelt, und das gleiche geschah durch den mexikanischen (Geschäftsträger in Washington gegenüber dem Staatssekretär Brhan. Präsident Wilson aber, der im Berlaus des Meriko-dion sliktes erheblich an Volkstümlichkeit eingebllßt hat, benutzte die Gelegenheit, um sich zu rehabilitieren lind so verlangte er, das; Truppen Huertas der amerikanischen Flagg.' ihren Tribut in Gestalt eines Salutes darbringen. Huerta verlegte sich aus seine alte Taktik: ich sage nicht ja, ich sage nicht nein! Er lehnte zuerst den Salut ab, willigte dann ein, inachte aber die Bedingung, daß die Amerikaner den Salut erwiderten. Dattti zog er wieder seine Bedingungen zurück und verlangte gleichzeitiges Salutschießen, eine Forderung, oie um so unberechtigter tvar, als Huerta doch so an den „Vorschuß" gewöhnt ist. Zum Schluß erklärte er sich dann auch znm Vorschuß bereit, er wollte aber nur sechs Schüsse bewilligen, während Wilson 21 verlangte, und während oes Handelns stellte er wiederum die Forderung gleichzeitigen Salutes Schuß um Schuß auf. Das Ultimatum der Washingtoner Regierung wurde ablehnend beantwortet, und so war der Konflikt da.
Kleine Ursachen, große Wirkungen, und Präsident Wilson, der ossenbar bis zum letzten Augenblick auf die Aach gicbigkeit Huertas gerechnet hatte, mag jetzt tvvhl denken: Da haben wir den Salat — oder vielmehr Salut! Der' Not, nämlich den Rockcscllcr und Genossen folgend, nicht dem ciut'nen Triebe, ist er in das mexikanische Abenteuer hineingeraten. Die Standard Sil Compagnie hatte seit Jahren danach gestrebt, die zahlreiche» Petrolcumqucllen Mexikos in ihr Wcltmonopol cinzusügen, und seit der Absetzung des Präsidenten Porsirio Diaz, bei der auch schon der rollende Dollar ini Spiel war, haben die Amerikaner die Revolution in Mexiko mit Geld und Waffen unterstützt, während sie gleichzeitig die Anerkennung des Präsidenten verweigerten, solange die Revolution nicht unterdrückt sei. Wilson und sein getreuer Knappe Bryan waren dabei nur die Geschobenen,
und ihre wiederholten Friedensbeteuerungen waren zweifellos ernsthaft gemeint. Aber im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten regiert der allmächtige Dollar der Trusts.
Jetzt, nach all den großen Worten, konnte die Washingtoner Regierung nicht mehr zurück, und sie muß Ernst machen, freilich, was man io Ernst nennt. Präsident Wilson hat von dem Kongreß die Ermächtigung per langt, „die bewaffneten Streitkrästc des Landes zur Aufrecht- crhaltung der Ehre und Würde der Nation zu verwenden". Eine sormcllc Kriegserklärung ist überhaupt nicht vorgesehen, schon weil man die Regierung Huertas nicht anerkennt, und man will sich zunächst auf eine friedliche Blockade der mexikanischen Häfen beschränken, während erst als weitere Eventualität eine Besetzung der Regierungsgebäude in den' Seestädten in Frage käme. Was diese Blockade betrifft, so wird sie jedenfalls am meisten zunächst dem «nucrikauischei« Handel schaden, der dadurch unterbunden wird. Im übrigen ist ein Widerstand seitens Huertas kaum zu erwarten, schon weil er gerade genug mit den Ausständischcii zu tun hat.
Heikel könnte diese Spazierfahrt der amerikanischen Flotte sich höchstens gestalten, wenn die Revolutionäre, die im Falle des Engländers Benton jedes Pal liereu mit den Amerikanern abgelehnt hatten, etwa gemeinsame Sache mit Huerta machen würden, aber das dürste schwerlich so bald der Fall sein. In Washington hofft man durch die jetzigen Maßnahmen Huertas Position so ju schwächen, daß seine Anhänger sich von ihm abwenden und die Revolution ganz von selbst siegen iverde. Teiin an eine Eroberung Mexikos, von dessen lt Millionen Eintoohnern mehr als <”» Drittel Farbige und fast die Hälfte Mischlinge sind, venkt bisher ivenigstens kein vernünstiger Poli tiker in der Union.
Was die auswärtigen Regierungen betrisst, so sehen sie sich jetzt in die sehr ernste Notwendigkeit versetzt, den Schutz ihrer Staatsangehörigen selbst i» die Hand zu iichmcn, und das ist ciue Sache, die neben England auch Deutschland angeht, das ja bereits diesbezügliche Maßnahmen in die Wege geleitet hat. So bedeutet die neueste Wendung in Mexiko zugleich eine Schlappe für die erweiterte Auslegung der Monroedoktriii, der,zufolge die Pankees sich anmaßen wollten, den etwaigen Schutz der Jüteresscn anderer Rationen höchstselbst zu übernehmen. Nunmehr irird man den allzu übermütig gewordenen Amerikanern mit dem bekannten Worte zurufen können: Fetzt, Retter, hilf dir selbst, du rettest alle!
Die Eutseuduug weiterer amerikanischen Schisse nach Tampico.
Washington. 10. April. Das Kriegsschiff „Mississippi' erhielt heute am späten Nachmittag Befehl, sich mit dem Aerokorps und (>00 Seesoldaten so wie begleitet von der „Prärie", der „Dixi" und einer Torpedobootsflotille von Pensacvla nach Tampico zu begeben. Das Schlachtschiff „North Dakota" ist am späten Nachmittag nach Tampico abgegangen.
Washington, 20. April. Amtlich wird gemeldet: Deutschland charterte zwei Dampf er, die zur Aufnahme der Flüchtigen aus Veracruz dienen sollen. Strategen der Marine und der Armee sind mit der Ausarbeitung von Kriegs Plänen beschäftigt. Konteradmiral F l e t ch n c r ist angewiesen worden, Marine soldaten nach Mexiko Citß zu senden, wenn dort Unruhen
entstehe» sollten. 'Allen auf der Fahrt nach Mexiko iw sindlichen Schissen ging der drabtlose Befehl zu, ihre Geschwindigkeit zu erhöhen.
Wilsons weitere Schritte.
Washington, 20.April. Fm RevräscntaiilenlKUifc wurde ein Antrag eingcbracht, der die Be rwendnng der b e w a s s ne t c n M ach t der Bereinigten Staaken zur Erzwingung der Huerta gestellten Forderungen gutheißt.
Präsident W iljonsBotschast an den Kongreß gibt einen lieberbtirf über die Zwiickicnfällc, welche zu der jetzigen Lage führte», hebt hervor, daß die Vereinigten Staaten besonders für Beleidigungen herausgegriffen wvr de» seien und erklärt, daß eine augenfällige (Keuugliiuua nolweiidig sei. Die Botschaft fährt dann fort:
Fch hoffe, daß wir nicht z» einem Krieg mit dein merilani schen Pol! gezwungen iverdcii. Wir lickämpscii nur Huerta und seine Anhänger. »iffer Ziel würde nur sei», e» dem m e x i f a n i sch e n Polte zu ermöglichen, iv i e d c r eine gesetzmäßige Regierung c i n z u s ü h r e n Ich h o s i c ernstlich , d a ß gegenwärtig kein K r i c g i » F r a g c k »NI IN t. Ich glaube, int Namen des amerikanischen Volkes zu sprechen, nwnn ich sage, daß ivir in keiner Weise die 'Angelegenliciten des mexikanischen Volkes- leiten wollen, das ein Recht hat, seine innere» Angelegen - Heiken nach eigenem Ermessen zu erledigen. Die gegenwärtige Luge wird nicht die ernste Perivicklnng einer Einmischung mit sich drin, grn, wenn wir sie schnell, weise und iesl behandeln. Fch möchle in einer Angclegenhcii. die so ernste Folgen nach sich ziehen kann, nicht handeln, ohne den Kongreß betragt zu haben. Deshalb ersuche ich Sie »m Fhrc Zustiminunq, daß ich die bewaiinetc Mackst der Per einigten Staaten nach Bedart verwenden kann, um von Huerta die vollste Anerkennung der Rechte und der Würde der Bereinigten Staaten zu verlangen.
Pc r a c r u z, 20 . April. Kapitäu H u g h e s , Ehes des Stabes der atlantischen Flotte, trat sich zum Gene - ral Maas, dem Befehlshaber der mexitaiiischeu Bundes truppeu i» Bcracruz und zum Hafeukoiiimaudoiite» begeben, und sie ersucht, alle H a n d e l S s ck>i s s e zuni Verlassen des Hafens aufzusordern Der ameri kanische Konsul ersuchte alle Frauen fremder 'Nationalität, aus den im Hafen liegenden Schisse» Zuflucht zu suchen, vorzugsweise auf den Dampfern „Mexiko" und „Lsperanz>r", die von der amerikanischen Marine für diesen Zweck gc- schartcrt worden sind.
M e j i c o , 20. April Aach einem Telegramm aus I narcz haben die R e b e tlen besohlen, soiort den A n g r i i t a u i'T a »i - pico jt: erneuern. Ter Befehl wird mil de,» Wunsch kiklarl, daß'die Amerikaner, loeim sic WilionS Anordnungen durch- Iulirrn, die ihnen srcundlich gesimiien Rebellen an Stelle der BundcStruppcn in Tampico vvriinden sollen.
Au» Ocfjcn.
D i c Freie Bereinigung hessischer Rational- liberaler hat aui Sonntag, den '26. d. M., eine Sitzung in Frankfurt anberaumt, an der außer de» Mitglieder» des Gc- samtvoistandks die Vertreter der sämilicktc». ihr angcjchlolsencn nalionalliheralen Vereine und Ortsgruppen ieiliichmen ivcrden.
Die La n d l a g s' er s a tzwa h l im zweiten rhcinhe >- fisch eil Wählt! eise Alzen, denen früherer Berlreter Abg. Tiehl I All.) kin Mandat nicdcrgclegt hak. Ivurde. der „Tarmst Zeitung" zufolge, vom Großherzoglichcn Staatsminifterimn a»s Donnerstag, den 18. Juni, anbcrauml.
Im vlü'enschnce.
»Iller den zabllojen Wundern der Natur zählt ein blühender Obstbaum zu den größten und schönsten. Er ist gleichsam ein Märchen, ein FrühlingStraum der ewigichasienden Mutter, lieber leuchlcnd grünem Rasen hebt sich schimmernd die anS lausend Faiseticn gebildete Alabasicrkupvcl dcS blühenden .(tzirsch- oder Pslaumen-, Apscl- oder Birnbaumes vom Saphir des Früh lingähimmelS ab, und das ipiclendc Licht malt tausend seine Farben und Schattierungen hinein. Unausgesetzt umschwärme» ihn die nimmer rastenden Bienen, ein tiefes gleichmäßiges Sum men wogt um den in schneeiger Reine strablendrn Wipfel, einem tieien langen Orgeltone gleich — man glaubt die Musik der schaffenden Natur selbst zu vcrnehnien. Wie erzeugt sic dieses Wunder?
Und loar doch gestern all' die Pracht Versteckt noch und verborgen:
Wie kam sic nur in einer Nacht Und grad iür diesen Morgen?"
Längst che die warme Frühlingssonnc die Blutenknospen «tuslüßt, sind iie fertig entwickelt: schon im Sommer beginnen die Obftbänme, die neuen Blüten aufzubauen. und bereits im Oktober Hai die Kirschblüte all ihre Hauvtteile. Kelch, Krone, Staubgcsäße und Stempel anqelegt. Der Ruhezustand des Winters ist in Wirklichkeit ei» Zustand des Weiterschaffens, und im ersten Monat des Jahres ist die Obstblüte schon so weil gediehen, dost die Kaust des Gärtners sic zur Entsaltung bringen kann. Nickt alle blültz-nden Bäume öffnen ihre Blüten zugleich: Ausländer sind cS, die den Reihen eröffne»: als erste erscheinen die bläulich roten Psirsichblütcn, cs folgen die weißen Avri- koscn und daraus die Pslannren mit ihren schwachgelblich über- hauchten weißen Blumen, die zu zweien gemeinsam mit den jungen Lanbblättern hervorlommen. Dann erst blühen die einheimischen Obstbäume aus, die Sauerkirsche »nd die Süßkiriche niil ihren weißen Blüten, dann die leuchtend weißen Birnblüten und den Beschluß bilden die Apfelbäume mit dein bluirotcn .Hauch über dem reinen Weiß der Blütcnblättchcn Bon ihnen behauptet die Sage freilich, sie blühten viel srüher: sie weiß von dem gottbegnadeten Wuiiperbanme zu Tribur am Rhein, dem Wnnderbaum zu Weida und dem bei Altenstadt in der Rahe von Banreuth, die ihre Blüte» bereits zu Weihnachten erschlossen haben und gleichzeitig Blüten und Früchte getragen haben sollen.
Pfirsich, Avriloie, Pffaumcn- und Kirschenbäume haben alle Blüten, die umeinander die .größte Aehnlichlcit baden. „Der Blüiensticl", so bcichreibt sie Worgitzkh, „erweitert sich bei allen zu einem kleinen Becher, dem Blütenboden, der an keiner Jniici,. Ivand in großen Tropfen den dnitenden Nektar ausschwitzt. Aus seinem Rande trägt er fünf schmale, grünliche, oft zurückge- schlagcne Blütcnblätter, die fünf großen Kronenblättcr und zahlreiche Staubgcsäße mit gelben Beuteln. In der Tiefe des Dlütkn- bodcns aber sitzt frei ein fast kugelrunder Fruchtknoten und hebt
auf langem, aufrechtem Griffel die knopfförmige Narb?' aus 'der Blülcmintte empor. Beim Turchlchncrden des Fcuchttnotens gewahren wir in seiner Höhlung traulich nebeneinander zwei grün- lichwciße Körnchen, die Samenanlagen." Die Bienen sind cs, denen die Aufgabe zufällt, den Blütenftaub von der einen aus die Narbe» der anderen Blüten zu bringen, eine Tätigkeit, bic der Dichter mit folgenden Versen malt:
„Gesumm, Gebrumm Von feinsten Stimmen:
.Heran nun, Immen Zum Fest?:
„Ter Alte cnvartct die Gälte!"
Leg dich darunter, nach oben schä», ^
Wie's funkelt im Weiß, dazwischen das eilau,
»nd lausche: von fern und nah,
Richtig sind schon die Bienen da.
Ganz aus ist nun die Winternacht,
Ter alte Herr ganz aufgeivacht.
Behaglich rauscht er: Laßl's Euch schmecken!
Wie sie von allen Tcllcrchen schlecken.
Bon einem andern, summ, summ, summ.
Zu Tausenden tummeln sic sich herum.
Nippen, naschen, trinken, brummen:
Tic Blüten selbst, schcint's dir, brummen Immer int gleichen Geschwirr in Ruh,
Ter Alte strahlt über und über dazu!"
Apfel- und Birnblüten — die Birnblüten stehen übrigens in kurzen Rilpen — haben große Aebnlichkeit mit den vorgenannten, doch sind bei den Birnblüten die Staubbeutel nicht gelb, iondcr» ileischrot, und sie atmen keinen süßen Blütcnduit aus. sondern riechen für menschliche Nasen ganz eklig »ach faulem Fleisch. Auch sind cs nicht Bienen oder Hunrmcln.^die sich an ihnen laben, sondern Aassliegen, die auf das faule Fleisch, das die Blüten ihnen durch Geruch „nd Aussehen Vortäuschen, zusliegen und dann die Bestäubung vermitteln »eberdics beträgt die Anzahl der Griffel bei Amei- und Birnblüie 5, und bei der Avielblütc sind die 5 Griffel am Grunde zusannnengcwachsen. Be, der Apsclblütc sind die Staubbcutclck)en rein-gelb und die Blüte duftet süß nach Nektar: Bienen und Hummeln sind die (tzästc, die hier die Bestäubung aussührcn. ^
Kurz ist die Brach! des vergänglichen Frühlinqswunders: die zarien Blütenblättchen sollen bald ab, der Blütenschnce rieselt zu Boden, der Wind verweht ihn. unh cs bleiben die verwelkten Staubgeiäße, Stempel und Kclchcnrcstc auf dem schwellenden Fruchtknoten om Blütensticl sitzen, die Blätter brechen hervor, und in ihnen verschwindet, was van den Blüten übrig ist, bis später schöne reife Früchte wieder aus dem Grün heroorleuchten.
— Neue Briefe von Jane W a l s h an Carlttlc unter dem Hammer. Aus dem Nachlaß F. Martins, des
ehemaligen Privatsckrclärs Thomas EarlyleS, werden out 30. April bei Sothebn in London eine Anzahl Antogravhe» und Do- tumcntc nnier den Hammer kommen, unter denen sich auch zivei Briefe der Jane Welsh an Carlyle bcsindcil. Die beiden Briese stanrnien aus der'Zeit vor und noch der Hochzeit Mit Earlhlc: der crfle trägt das Datum des 4. April 1825> uud stammt aus Hadbington. „Schön, junger Ritter, Tie sagen, daß Sic endlich konimen," schreibt Jane. „Soll lcki mich »ach io vielen Enttäuschungen aus Sie verlassen? Wirklich, Sic ivanneu »leiiic wunderbare (stabe der Geduld aut eine harte Falter — besäße ich nur die gewöhnliche Summe von (stcdiilo, so hätte irii Ihnen gewiß längst Lebewohl gesagt, weil Tie Mich io lange in dieiem peinlichen Zustand der Erwartung lasien. Aber Sic kommen endlich! Gäbe drr Himmel, daß Sic schon gckomme» wären." Ter zlvcite Brie» ist nach der Verheiratung geschrieben und trägt das Datum „Craiqovntta, August 23. I83i". Er beginnt mit den Worte»: „Mein Fuß steht aut meinem Hcimalsbodcn und mein Name ist Macgrcgor! »nd nun, Geliebter, kann ich wieder attnen und deuten und fühlen und schreibe». Nu», es ist ein unschätzbares Privilegium, ein eigenes Heim zu haben — Anspruch zu besitzen „einen Rang in der Geiellichaff" einzunchmcn, und sei das selbst auch unter der leichtfertigsten Person. Robert Parker sagte eines Tages, »aio genug, als ich alle seine Benrer kungen lustig dahiiiriescln ließ, und mir die Mühe der Antwort ersparte: „Was bekümmert Tic? In Eraigenvnttock ist sie diS heiterste und prächtigste Wesen der Well »nd bier ist sie immer trübselig und schaut traurig drein." „Es wäre ein Jammer, »-enn cs io wäre", sagte meine Mutter mit viel Emphase und hüstele. „Glücklich wäre es", erwid-wie ich ruhig, „cS ist wirNich ein Gluck, daß ich den angenehmsten Eindruck dort mache, wo ich am meisten bi» und wo zu sein meine Pflicht ist."
— Wörterbuch über den plattdeutschen Wort» s ch a l! der Lüneburg e r Heid c. Dem Oberlehrer am 0>v>n» nalium zu Friedenau Prot. Eduard K li ck, den vor einiger Zeit der hannoversche Provinziallaudtag zur Förderung deS .Lüneburger Wörterbuches" durch eine größere Summe unterstützte, ist vom Kultusministerium zn dem gleichen Zweck ein »omlioitcr Betrag lind ein einjähriger Urlaub bewilligt worden.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wisse n »
schail Der LandschailSmalcr Frederic Göltet ist im Alter von 73 Jahre» in Lillchainmcr gestorben. — Ter Erste Internationale Kongreß für experimentelle Phonetik, der vom 19. bis 22. Avril in Hamburg lagt, wurde im Porlcsunqs- gebändc durch den Präsidenten Professor M e i n h o s eröffnet. Es nehmen zahlrelche Vertreter von inländischen »nd ausländischen Jnsntutcn. Universitäten und Phonetischen Vereinen an dein Kongreß teil.


