Nr. 90
Der «ieftewt Anzeiger
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Erster Blatt
Jahrgang
Samstag. April Ot4
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei N. Lange. Redaktion. Lrpt-ition und Druckerei: Schulftrahe 7. A^e,gEü:' H? Be-r!
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monatlich75Pt.,vienel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6L Pf.; durch diePost Mk. 2.—viertel- jährl. ausjchl. Bestellg. Zeileirpreis: lokal 15'Bf^ auswärts 20 Pseimiq. Chefredakteur: A Goey. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goey; für .Feuilleton', .Vermischtes' und.Gerichts- faal": Karl Neurath; für .Stadt und Land":
Die heutige Nummer umfahl 18 Seiten.
politische Wochenschau.
Gießen. 18. April.
Aus Washington ivucdc versichert, der dortige Senats- niisjckuß habe die Wendung in der Politik des Präsidenten Wilson Mexiko gegenüber einstimmig gebilligt. lind nun ist wieder eine Wendung eingetreten, die jene ganze Auflegung der letzten Tage allmählich ins Lächerliche zieht Es wurde hier schon darauf hingewiesen, wie eigenartig cs berührte, daß der Friedcnspolitiker Wilson plötzlich das Schwert drohend aus der Scheide riß, als auf mexikanischem Gebiete ein paar Soldaten der Union verhaftet und dann loicder sreigclasscn worden waren. Herr Wilson lenkte damit >n die Praxis ein, die sein „System" immer hatte verwerfen wollen: der Friede ist, so erklärte er damit, nicht das höchste, daS eine Nation sich zu erhalten hal. Die atlantische Flotte, über 20 Schisse, wurde in die mexikanischen Gewässer entsandt, und die Losung, die der Präsident ausgab, lautete: entweder ein paar friedliche Salutschüsse als Genugtuung für die mexikanischen Ucbergrisfe, oder scharfe Schüsse, die den Krieg bedeuten! Nun hat sich aber hcraus- gcstcllt. daß die Regierung in Washington sich kein ernstes, festes Ziel gesetzt hat, um mit Mexiko fertig zu werden. Alle die Gräuel, die in diesem Nachbarstaat begangen lvordcn sind, und die Gefahren, die den Fremden drohen, hatten den Präsidenten Wilson zu keinem festen Entschluß bringen können. Auch die Ermordung des Engländers Henton jilhrie ihn nicht aus seiner Untätigkeit heraus. Alle Bernnnft wurde der fixen Idee geopfert, Huerta nicht anznerkennen. Inzwischen ließ man die mexikanischen Revolutionäre durch (tzeld- und Waffcnsendungen unterstützen und kehrte sich nicht daran, daß man dadurch zum Bundesgenossen von Dieben und Mördern wurde. Jener „General" Billa nämlich, der die mexikanischen Revolutionäre führt und dessen Sieges,nclduncjcn von Washington eifrig in die Welt posaunt wurden, ist von Hause aus ein Meuchelmörder, der zum Tode verurteilt worden war, sich der Vollstreckung des Urteils aber durch die Flucht entzogen hatte. Späterhin hat er sich durch Biehdiebstäftle im Staate Chihuahua berüchtigt gemacht. Von Madero, dessen revolutionäre Sache er unterstützt halte, wurde er zum „General" gemacht, und als später Madero in seinen eigenen Reihen auf Widerstand stieß, und als der jetzige Präsident Huerta diese zweite Revolution bekämpfen sollte, gesellte sich ihm Villa als Helfer zu. Wegen gemeinen Raubes ließ Huerta aber den Genossen zum Tode verurteilen: Villa wurde, wie einer ausführlichen Schilderung der „Franks. Ztg." zu entnehmen war, nach Mexiko verbracht, wo es ihm gelang, zu entkommen. Als nach dem Tode Maderos die dritte Revolution ausbrach, stellte sich Billa wiederum aus dem Schauplätze ein, um Huerta das Leben sauer zu machen.
Das ist der Geist, mit dein Wilson bisher stillschweigend sympathisiert hat! Es wird von allen Seiten bestätigt, daß Villa den Norden Mexikos gebrandschatzt und große Verwüstungen und Gransainkeitcn begangen hat: er konfiszierte die Güter der Besitzenden und ließ Millionen geraubten Geldes auf sein Konto nach Kanada schassen. In der letzten Zeit war ihm das K-riegsglück je
doch nicht mehr hold: die Truppen Huertas rückten im Norden siegreich vor, und der alte Verbrecher sckieint seine politische und militärische Rolle ausgcspielt zu haben. Und in diesem Augenblick ziehen für Huerta die Wolken ans Washington heran! Man kann beim besten Willen die Poli tik Wilsons nicht als klar und verständig bezeichnen. Ist cs nun nicht ein lächerlicher Mißerfolg für ihn, daß Huerta die verlangten Salutschüsse für die Unionsslagge gewäh reu will utid die Washingtoner Regierung damit wieder in große Verlegenheiten stürzt? Huertas Gegenverlangen, daß auch die mexikanische Flagge salutiert werden müsse, soll erfüllt werden. Heute verlautet toieder gerüchtweise, Huerta wünsche die Salutschüsse auf beiden Seiten zu gleicher Zeit abgefcuert zu haben: der Mexikaner scheint sich also über Wilson lustig zu machen.
Die ganze Angelegenheit wirkt nicht mehr recht
ernst. Um nicht ganz dem Fluche der Lächer
lichkeit zu verfallen, erklärt man jetzt aus Washington, die entsandten Schisse würden auch nach, der Erledigung der Zwischenfälle in den mexikanischen (bewässern blei- ben, um weiteren Verwicklungen und Behelligungen von Amerikanern cntgegcnzutrclcn. Wäre cs nun aber nicht das vernünftigste, Präsident Wilson erkennte die Präsidentschaft Huertas, dessen Flagge er doch salutieren lassen will, endgültig an? Wie cs heißt, sollen Deutschland und Frankreich den mexikanischen Präsidenten jum Nachgeben beredet haben. Da wäre es nur folgerichtig, wenn beide Staaten — England hat cs durch seine Presse, vielleicht auch durch diplomatische Schritte, bereits getan — nunmehr an die Washingtoner Einsicht appellieren würden. Man hat durch den Aust der amerikanischen Meldungen noch nicht erkennen können, ob die Herren Wilson und Bryan vielleicht doch die Gelegenheit für gekommen erachten, Nieder-Kalifornien für die Union zu erwerben und neue Stützpunkte für den Panamakanal sich zu sichern. Es bliebe aber auch dann dabei, daß das Vorspiel zu diesen Uniernehniungen nicht gerade imponierend sein würde. . . .
Die Begegnung von Abbazia hat recht interessanto Erörterungen herbergesühri. Die Tatsache, daß der Drei- bund fester aul den Füßen steht denn je und daß Italiew und Oesterreich-Ungar» die Annäherungspoliiik TittoniS und Goluchowstis wirksam forisührcn, hat auch den Drei- verband (Frankreich, Rußland und England) veranlaßt, üb?r seine. Bestimmung und Einmütigkeit nachzudenken. Mas Graf Berchtold und Marchese di San Ginliano in Abbazia gegenwärtig verhandeln,^kann man sich znm Teil ausdenken: sie iverden an der Selbständigkeit Albaniens scsthalien und über die Frage der Adriäbabn beraten. Das gemeinsame Programm wird erweitert und sestgekegi, und die Sache des Dreibundes gewinnt eine neue Stärkung. Das hat natürlich zuvörderst wieder unsere westlichen Nachbarn, die Franzose», in Beunruhigung versetzt. Sie waren schon nicht sehr erbaut davon, daß in England die allgemeine Stimmung s ü r eine Unterstützung des neuen Fürsten von Albanien ist. Der bereits kurz erwähnte Aufsatz des Akademikers und Geschichtsschreibers Lavisse, auf de» mehrere englische Zeitungen abwehrend geantwortet haben, scheint, wie einer auszugsweise» Zusammenstel- lung der „Köln. Ztg." zu entnehmen ist, sehr phantastisch zu sein. Lavisse erklärt, England und Frankreich müßten daraus bedacht sein, „Gerechtigkeit und Freiheit in der
Gesellschaft der Nationen herrschen zu sehen". Gegen Deutschlands Ausbrcitungsvcrsuche müßten sowohl Frankreich wie England gerüstet und vorbereitet sein. „Nehmen lvir Frankreich nochmals als besiegt und zu der Stellung einer untergeordneten Nation hcrabgedrückt an, wie man sic ihni androht, — mit demselben Schlage läge die schwere Faust Teutsckilands, wie es sicher kommen würde, aus Handel und Wandel, und lvären Amsterdam. Antwerpen, Dünkirchen, Le Havre, Bordeaux, Marseiile, Oran, Algier und Tunis in einen deutschen Zollverein einvcrleibt. Es hätte sich etwas geändert an der Gegen- wart tvic der Zukunft Englands, nicht lvahr!"
Diese gegen Deutschland aufreizenden Worte des Franzosen sind gleichzeitig im „Temps" und in der „Times" als ei» Fesvarlikel veröffentlicht worden zum 10jährigen Bestehen des französisch-englischen Einvernehmens und jür den bevorstehenden Besuch des englischen Königspaares in Paris. Lavisse unterstellt Deutschland, daß es den Gedanken erwäge, zu einem Präventivkriege zu schreiten, und er erklärt: „Wir sind kein Dreiverband, solange wir uns nicht über die Möglichkeit gemeinsamen defensiven Vorgehens verständigt haben." In diese Gemeinsamkeit will er ausdrücklich auch Rußland zugezogen wissen. Lavisse spricht dann auch von der wünschenswerten Einschränkung der Rüstungen und mengt in seine haitdgreiflichen Ülnsein- dungen Deutschlands noch folgende phantastische, aber bezeichnende Rcdcblüte: „Wer weiß? Vielleicht wird man sogar eines Tages, ohne den internationalen Frieden zu erschüttern, die empfindlichste Frage erörtern können, worauf in ihren Unlerredungen anzuspielen die beiden am unmittelbarsten daran beteiligten Regierungen sich enthalten, die Frage, die die Hauptursache des Unbehagens in Europa ist, die deutsch-französische, aber ebenso europäische und weltpolitische Frage: die elsäs fische
Frage!"
Es ist lein Wunder, daß die englischen Blätter sich beeilen, auf diesen „Festaiiilel" zu anOvortcn. Und es ist erfreulich für uns, daß sie in ziemlicher Uebereinstim- mnng es ablehnen, die Hetze gegen Deutschland — um etwas anderes handelt es sich nicht — initzumack«cn. England hat jedoch keine Revanchepolitik zu führen, und es weiß genau, daß seine Interessen zu vielseitig sind, um sich nur aus die eine Seite der Franzosen und Russen schlä gen zu können. Tic bloße Anspielung aus ein Bündnis mit Rußland ivürde in der englischen öfsentliclsen Meinung einen Sturm Hervorrufen, so erklärt ein Londoner Blatt. England muß sich die Herrschaft über Indien sichern, und Rußland wird ihm mit seinem Drang, gegen das südliche Asien vorzudriiige», früher oder später gefährlich. Auch in China war und ist auf eine volle Ilebereinstim- mung von England, Rußland und Frankreich nicht *u rechnen. In der Zeitschrift „Das größere Deutschland" erinnert gerade >etzt Dr. Fritz Werthcimcr daran, wie Frankreich und Rußland auch den englischen Interessen ins Gehege gekommen sind. Nach der chinesischen Revolution wollten die Bankgruppen Englands, Amerikas, Frankreichs und Deutschlands der neuen Republik zur Seite stehen. Durch Frankreichs Tätigkeit wurde die Zuziehung Rußlands und Japans hcrdcigcsührt, während Amerika aus dem Verband anstrat. Frankreich, Japan und Rußland haben den englischen Wiinschcn nicht immer
Die Anfänge einer Theaterhochschule?
Jena, 16. April.
A» der Stelle, wo einst Schiller seine erste Vorlesung „Was heißt und zu welchem Zwecke studiert man Universalgeschichte?" gehalten hat, sand sich am Dienstag abend eine stattliche Versammlung ein, die im ersten D o ch s ch ul k II r s u s i ür dramatische K n n st den Grundstein für eine fünitige Schausvielhochschule legen wollte. Die mit ganz eigener Grundnotc und sc,n- jinnigem (Yeschmack erbaute Aula der Jenaer Universitas — ihre nahe Beziehung zur Kunst verdeutlichen ein prächtiger Hodler und weihevoller Ludwig von Hossmann — sah gelehrte Künstler, Schriftsteller, angehende Schanspieler und Dramaturgen, sowie eine Reihe von kunstcmpiindendcn, teils auch-bctätigenden Damen, die von überall her gekommen waren, um an einer noch besches- dcne», aber vielleicht aroßc Bcdeutunq in sich bergenden Schöpsung müzuwirken. Alls den Kreisen der Bühnenkünstler ertönt immer lauter die Forderung »ach einer eigenen Hochschule, die es den Schauspielern ermöglicht, einer die vielseitigsten und ichwersten Forderungen stellenden Thcatcrkiinst in jedcri Hinsicht gerecht zu Iverden. Was nicht alles an künstlerischer und geistiger Produktion, an eigenstarreni, rnnstischem oder mikroskopisch zerlegtem Empfinden und cigenbrödlerischcr wie herber Gcdankenkultur ist gerade der Niederschlag der dramatischen Kunst! Es wird da bei ilüchtigem Ueberdenken schon klar, welch eminente Leistung der Schauspieler aufzubringcn hat, will er ei» dem Dichter und lewem Werk adäquater oder zumindest guter Vermittler, ein Nachlchasser sein Muß sich nicht der Darsteiler in den Geist eines Stückes, den Wejcnsgchalt einer Perion einlcbc», muß er nicht vihchow- gische Beobachtungen zu Hilse nehmen und immer wieder Töne in den auscinandcrliegendstcn Registern finden? Muß er nicht in einer Zeit der fast schmerzhaft tiefgehenden Scelenanalhse Verständnis für haarschari konturierie, vielsach sogar parador erscheinende Empfindungen und Gefühle zeigen >>»d für sie Imponderabilien eigenen Erlebens zu geben lcaben? — Ganz abgesehen mm der „Handfertigkeit" seiner Kunst: der Kultur des Sprechens, ocr Mimik, den Gesten, der Bewegung und Haltung, alles in allem dem Rollcnstudwm.
Für den Deamatilrgcn und Regisseur häuicli sich die künstlerischen Probleme noch: da ist aus die dichterische Gesamtidee, die Bühnenwirksamkeit, die historische Wirklichkeit (Kostümkunde), Unharmonischen Zusammcnklang im Ensemble, den Wirkungen der Jnizcne in Farbe und Lichl zu achten — gar nicht zu iprechen von den hinderlichen Zusälligleiten des Augenblicks. Die geplante Hochschule kann nun nicht alles dies lehren, das ineiste von dem Ängesührten ist ja überhaupt nicht lehrbar — sondern nur dem geborenen Schauspieler, der das künstlerische Rüstzeug unbedwgt in sich und aus sich heraus ivirken lasten muß, den Ausbau des Technischen, d. h. der Darstellungsnnttel, vollenden Helsen, An- regungcn gcbcn und Liieken, die sich vor allem aut wissenschaftlichem Gelände seiner Berufsbildung linden, aus,Müllen suchet Hier kann die Wissenschaki der ausübenden Kunst förderlich^ lein. umsomehr. da heute der rücksichtslose Existenzkampi der Schauspiclcr
flüchtige Ausbildung vorhandener Talente geradezu begünstigt und zuläßt, daß Gedankenlosigkeit, Anmaßung, Dilettantismus über ernst-künstlerisches Ringen mit hartgrissigcr Faust siegreich triumphieren. Die Schaui'oiel Hochschule könnte da ein Geschlecht heranzichcn, das schnodderige Aucb-Künsllertum von da verdrängt, wo cs durchaus nülsts zu suckum hat: von der Bühne. Mit Unterstützung der Vereinigung künstlerischer Bühncnoorständ« und der Genossenschast deutscher Bühncnangchöriger, sowie umcr dem Protektorat berufener Gelehrter und führender Persönlichkeiten des Theaters lvurde also dieser dramatische Hochschul- Kursus eröffnet, per als ein Vorläufer der hosscntlich bald kommenden Akademie gedacht ist. Geh. Hofrat Pros. Dr. Eartellieri begrüßte im Namen der Jenaer Univcrlität die Erschienenen, dann sprachen Pros. Dr. Dinger, trüber Dramaturg am Hoitheater in Meiningen, über „Bühnenkunst und Wistcnschast" und Paul Paschen, bisheriges Mitglied des Lcssingtheaters in Berlin, über das Tbrnia: „Wie weit ist die Schanspielkunst lehrbar". Zuletzt wünschte der Regisseur an der Neuen Freien Volksbühne- Berlin. E. Rameau, namens der Deutschen Bühncnvcreinigungen dem Versuch dieses Kursus, nach dem die Theatcrivelt ausmerk- sain blicke, einen vollen Erfolg. Gleich der erste Arbeitstag, der Mittwoch, eröstnete aussichtsvvlle Perspektiven: nach ewigen glänzenden Borträgen entwickelte sich am Nachmittag eine in ihrer leidenschaftlichen Sachlichkeit und ihren zielsicheren Anschauungen interessante Debatte unter den Teilnehmern über die Art des Rollenstiidrum-s, wobei überaus wichliqe Fragen, wie das Verhältnis der Darstellung zu den dichterstchen Ahstchien, die Förderungen und Hemmungen der Stimmung und Durch, sührung beim Studium der Rolle daheim gleichwie bei den Proben durch Gegenspieler und andersdenkende Regisseure, das leidige, zweifellos zu verwertende Ucbermittcln von herausgcschriebcnen Rollen eines neuen Werkes, aus denen sich der Schauspieler ohne Kenntnis des Gesamtkunsiwerkes seine Darstellung aufbaueil soll. Lese- und Arrangierproben, Daseinsberechtigung und Zweckcrsül- lung des Dramaturgen neben dem Regisseur, die unkünstlerischcn meist durch die wirtschastliche Lage geschaisenen Verhältnisse an Provinzbühnen, Wertungen des Publikums und der Kritik, eingebend behandelt wurden. Die Vorlesungen und Ucbungen erstrecken sich vornehmlich auf Aesthclik und Kunstthevrie. enalische, französische und deutsche Tbeatergeichickte, Regiekunst. Tetorations-, Maschinen- und Belenchtungswescn, kunstgeschichtliche Stile,
Rollenstudwni, Ibsen. Pari'isal und historisches Fechten: „Schütz, linge" sind Sckiausvieler, Dramawrgen und Schriftsteller der kommenden Tage. „Helfer" anerkannte Vertreter der Wissenichaft und Kunst. ^ Georg Marguih.
Haup!v.'rsaminlung des Aeplerbondes.
Frankfurt, a. M., 17. April. Unter dem Vorsitz des Prosessors Rimbach (Bonn) begann heute unter reger Teünahme auS allen Teilen Deutschlands die ackite Hauptversammlung des Keplcrbundes. Sic wurde durch einen Vortrag von Professor Dr,
D c n n c r t (Godesberg) über „Die Bedeutung der Ng - turcrkcnntnis für das Geistesleben unserer Z e i t" eingelcitct. Nach einer einleitenden Schilderung des Ein- slustes der Technik und des Maschinenwesens aus das moderne Leben mit ihrer Charakterverslachnng beschäftigte sich der Redner mit den Merkmalen der sogenannten Moderne": dem modernen Denken, dem Wirklichkeitssinn nnüdder Bewertung des Individuums. Aus dem aus Kant fußenden modernen Denken entwickelte sich der Wirklichkeiisiin», die Weliossenheit, daS Wahr- hcitsstreben der Moderne, wobei nicht zu verkennen ist, daß der gute Einfluß der Naturwissenschast aus das Geistesleben auch Auswüchse wie Empirismus, Rcalativismus und Monismus zeitigte. Die Wertung des Individuums will dem Einzelnen Selbstbestimmung und Freiheit sichern, wird aber auch wieder zum Hcrauswachscn über jed- Autorität übertrieben und führt dann zu bedenklichen Gegensätzen Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird von der modernen vitalistsschcn Biologie bald Wandel ge- schassen Iverden, indem man neben alleni mechanischen Geschehen in den Lebewesen ein leitendes Prinzip seelischer Art erkennt. Bon hier aus crhosst man im Geistesleben neue schöpscrischc Potenzen zu finden und die Schäden der Zeit überwinden zu lernen.
An den Vortrag schloß sich die Erstattung einzelner Berichte. Dem Jahresbericht znsolge haben die Grundsätze dcS Bundes im Volke immer mehr Boden gewonnen: anerkannt wird das gemeinsame Arbeiten aller politischen und konsestionellen Richtlinien im Sinne des Keplcrbundes. Die Milglicderzahl stieg seit 1013 um 970 aus 8210. Tie Zeitschristen des Bundes erscheinen in einer Auslage von je 12 000 und 9500 Ercmvlaren. Für den Kapiialionds des „Jnstiwts für volkstümliche Naturkiindc" wurden bisher 161 677 Mark gesammeli. — In der Nachmittagssitzung sprach Dr. Teichmüllcr (Karlsruhe! über „Die Entwickelung der elektrotechnischen Wissknschait seit 25 Jahren". Abends sprach Dr. Hansel (Berlin) in össsntlicher Vcrsanimlung über „Tie cnt- wicklunasgeschichtlichen Gründe für und wider die Assenabstam- mung des Menschen". (Bei dieser Gelegenheit muß daraus hin- gewicsen werden, daß Darwin niemals behauptet bat, der Mensch stamme vom ?lsscn ab, er nimmt vielmehr a», daß Mensch lind Asse von einem gemeinsamen Urahnen herzuleitcn seien. Tic Red.)
— Der Palazzo Bcndramin-Calcrgi in Venedig, in dem Richard Wagner geswrbcn ist, soll jetzt, wie UNS von dort geschrieben wird, wieder ganz zum Wohnhaus nmgewandeli werden. In einem Teil des dem Prinzen von Bourbon gehörigen Palastes war das orientalische Museum unter- gebracht worden. Diese außerordentlich wertvolle Sommlung gelangt jetzt zur Versteigerung. Die kostbaren alten chinesischen und japanischen PorzTlanstnckc sind schon^glcich in den ersten Tagen verlaust worden. Sic wurden in der Hauptsache von Amerikanern erstanden. ,
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