Ausgabe 
15.4.1914
 
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Ar. 87

Ter Siehener Anzeiger

erscheint täglich, anher Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich Eichener,familiendlätter, zwenna l ivöchent l.Krtiss GaIltbrd<n>lrei;Eiehcn iTienstag und Freitag): zweimal monall. Land- wirtschastiich, Zeitkragen Fernsprech - Anschliisie: iür di« Redaktion 113, Verlag u. Ervedibo» 51 Adresse lür Tepeschen: Anzeiger Gießen. Annahme »an Anzeigen iür bic Tagesrnnnmer bis vormittags 3 Uhr.

Erstes Aalt

164. Jahrgang

Mittwoch, 15. April 1414

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Notatiourdruck und Verlag der vrühl'schen llniv.Guch und Steindruckerei 8. Lange. Redaktion, Lrpedilion und Vruckerei: Zchulftrahe 7. ae,,bl ' " l ""

VezuaSpreiO:

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hefredakteur: A. Goeq. Berautivortlich für dcu volit. Teil: Auq. Goerz; für .Feuilleton", .Ver­mischtes" »lnd^Gerichts« faal": 5^arl 9leurath; für .Stadt und Land"

Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.

Sin Vorspiel zu den neuen Handelsverträgen.

Im Januar dieses Jahres hatte Staatssekretär Tr. Del­brück bei der Beratung des Voranschlags des Innern die Er­klärung abgegeben, es liege für Deutschland keine Veran­lassung vor, durch Kündigung der Tarifverträge von 1906 zur Neuregelung der Hnndclsbcziehunge» dcu Anstoß zu geben. Diese Erklärung >var gewissermaßen nur eine pla­tonische und wurde auch so von den verschiedenen wirischast- lichcn Jntcrcsscnvcrbändcn Teutschlands gewertet. Ter Teutschc Landlvirtschastsrat, der Bund der Landwirte, der Deutsche Handelstag, der Zentralverband der deutschen Indu­striellen. der Hansabund haben bereits zur Frage der kam rncndcu Handelsverträge Stellung genommen und suchen in ihren Kreisen die Wünsche der einzelnen Jntercsscngrupven zu ermitteln. Wäre es nach den Wünschen unserer Reichs- regicrung, die sich aus keinen Fall die Gunst der Agrarier verscherzen will, gcgangeti, so tvürden wir aus den jetzigen Handelsverträgen ohne iveitcres in neue übcrgleitcn, ohne daß an bestehenden Zöllen etwas geändert worden wäre. Selbst die extremsten Agrarier, die jetzt nach dem Rahmzoll rufen und die Einsuhr sämtlicher Bodcncrzcugnisse, die die heimische Erde hervorbringt, durch Prohibitivzölle sernhalten möchten, hätten sich damit natürlich unter dem üblichen Geschrei zusricdcn gegeben.

Aber ivenn wir auch allen Ernstes wollten, unsere Nach­barn wollen nicht. Die österreichische Regierung hat bereits gan,z unzweideutig erklärt, dass verschiedene Zollpositionen einer Abänderung bedürfen, soll es wieder zu einem Handels­verträge zwischen Tcutschlniid und der habsburgischcn Mon­archie kommen .Auch aus Skandinavien vernimmt man allerlei Abändernngslvünsche. Aber cs kann noch viel Wasser die Spree hinabslicßen, bevor man sich in regelrechte Ver­handlungen darüber einläßt.

Rußland hat nicht so lange gewartet, bis oiiiziell die eigentlichen Vorverhandlungen beginnen. In die friedlichen Klänge der Osterglocken kam diesmal ein wirtschaftlicher Mißton. Von Petersburg her brachte der Trabt die Mel­dung. daß die Reichsduma ntit sehr großer Mehrheit die .Einführung eines Einfuhrzolles von 30 Kopeken für ein Pud brutto aus Getreide, Erbsen und Bohnen angenommen hat. Gleichzeitig hat die Duina sich für die Dringlichkeit der Ge­setzesvorlage über die Besteuerung deutschen Getreides in Finnland erklärt. Mit diesen beiden Beschlüssen ist wie der Borsitzende des landwirtschaftlichen Ausschusses der Duma, Mussill Puschkin, sich ausdrückteder große wirt­schaftliche Zweikampf zwischen Deulschland und Rußland er- öfsnet worden". Reichlich früh, da bcr deutsch-russische Han­delsvertrag erst mit deni 31. Dezember 1916 abläusi. Aber überraschend komint diese Maßnahme der Besteuerung der deutschen Einfuhr nicht. Ist sie auch aus Schikanegründen geboren, so hat sie doch ihre innere Rechtfertigung durch das unselige System der deutschen Einfuhrscheine, mit dem sie auch namentlich von den Banernabgeordncten in der Duma begründet worden ist. Der Ausfuhrschciu ans Roggen wirkt jetzt wie eine Ausfuhrprämie. Auf dem russischen Markt kann der deutsche Exporteur erheblich billiger anbicten, denn er bekommt beim Verkauf des Einfuhrscheines den Zollbctrag zurückvergütet. Das bedeutet natürlich eine Schädigung des russischen Getreidcbaucrn. Unsere Agrarier ereifern sich vielfach durchaus mit Recht über die Praxis mancher Jndustrtekartclle, die das Ausland infolge der Exportprä­mien billiger als das Vaterland mit Eisen, sogar mit Pan­zerplatten und Kanonen versorgt. Mer ist das, was dcr

Kaiferln u«6 Dichterin.

Di« Kaiserin-Witwe von Japan, die Gattin des großen Mutsuhito, die nunmehr ihrem Gemahl ins Schattenreich ihrer erlauchten Ahnen nackzqcsolgt ist, war nicht nur eine mäcknige Kaiserin, die an der Seite des Mikado Großes gewirkt hat, ,an­dern auch eine Herrscherin im Reich des Schönen. Haruko, ein Mitglied des Dauses Fujiwara, dem seit Jahrhunderten^ alle lavanischcn Kaiserinnen entstammen, die Tochter des Fürsten Jcknio Tadaka, die eine Zcitlang als Regent das Szepter Japans führte, war das Ideal einer Schönen aus dcnt Lande der Chrysantheme,,.

Ter NameFrühling", den sie trug, paßte vorzüglich zu dcr zarten frischen Anmut ihrer Erscheinung. Ihr blasses Gesicht verriet Klugheit in jedem Zuge: ihre zierliche Gestalt atmete eine fast gebrechliche Grazie, und die Lebendigkeit, die aus ihrem Wesen strahlte, fesselte durch einen ganz eigentümlichen Zauber. Ihre Hand nwt von einer geradezu unwahrscheinlichen Ztleiu heit und galt sür die schönste und niedlichste in ganz Japan, was in diesem .Paradies der zarten Hände viel bciagcn will. Sie bewegte sich auch ungezwungen in europäischen Kleidern, in denen sonst die Japaners,men ost so hilflos und plump sind. Ein angeborener Schönheitssinn leitete sic in allem und eine an geborene Begabung. Sic war nämlich eine große Dichterin, und man erzählt, daß der Kaiser Haruko hauptsächlich unter allen hc,- ratssähigen Damen seines Hoics deshalb zur Gattin erhob, weck sic die schönsten Verse schreiben konnte. Mutsuhito war selbst ein Poet von nicht gewöhnlichem Talent und tonnte den Wert dieser Dichtungen wohl beurteilen. Manche Lieder der Kai, «NN haben unter ihrem Volke eine große Beliebtheit erlangt. so wild v B. eines ihrer Gedichte von allen Schtttkindcrn des Landes bei allen Festen gesungen. Sic verstand es. ihre edlen und temen Gefühle im klassischen Stil der Blütezeit savan,scher Lurtt aus- zudrückc» Dieser feine Kunstgeschmack hat auch sonst in ihrem Wirken schöne Früchte getragen. Haruko hat ja an der Seite ihres Gatten sine große Revolution ihrer Heimat durchlebt, in der die altjavanische Kultur einer modernen abeudländiichen Resorm weichen mutzte. Ta loar es ein großes Glück sür das Land daß die Herrscherin deit alten Kunststilcn eine treue Liebe bc- wahrte und verhinderte, daß die Herrlichkeiten bcr Vergangen­heit der Verachtung und Zerstörung anheim fielen, so sehr sie aber auch deit ästhetischen Wert der früheren Kititst schätzte, so loar sie doch eine ganz moderne Fräu, die westliche und östliche Art in einer vollendeten Harmonie vereinigte. Sic selbst war noch in strengster Abgeschiedenheit großgezvgcn worden, und

Einfuhrsckzcln ermöglicht, in der Wirkung auch nur ini ge­ringsten anders? Derselbe Roggen, der z. B. in Gumbinnen sür den Inländer 150 Mark kostet, kommt dem Müller in Rjiißland an der deutsch-russischen (Kreuze imr 100 Mark zu stehen. Wird der Roggen zermahlen, so ergeben sich etwa 12 bis 10 Zentner Mehl und etwa 6V. Zentner Kleie. Diese Kleie, die ja ini lvescntlichen für die Landwirtschaft als Futtermittel dient, geht dann wßeder zollfrei in Deutsch­land ein Infolge dieser Verhältnisse hat sich in Rußland an der deutschen Grenze eine sehr umfangreiche MUHlcnindu- strie gebildet, die init großen Erfolgen arbeitet.

Ter etwas plötzliche Beschluß der Duma, einen Ein­fuhrzoll von 30 Kopeken aus Getreide, Erbsen und Bohnen cinzusühren, läßt sich also begründen und erklären. Wenn er gar bei »ns zu einer Reform des Einsuhrsckp.'imvesens sichren sollte, so wäre das vom Standpunkte der deutschen Gctreidcverbraucher aus sogar freudig zu begrüßen. Gegen den Beschluß, die deutsche Getreiöe-Änsnhr nach Finnland zu bestciiern, ivird liia» aber nachdrücklich Einspruch er­beben müssen, denn sie ist eine Berletznug des bestehenden Vertrages. Man darf erwarten, daß die dcutsckzc Regie­rung die ihr nach dem Handelsverträge zustchendcn Rechte mit aller Eiitschiedcnheit ivahrcn ivird.

Line österreichisch-italienische vesprechung.

Abbazia, 14. April. Der Minister des Aeußcrn di San Giuliano tcas heute nachmittag Val Uhr auf dem Bahnhof ein, wo er vom Grasen Berchiold, dem Herzog von Avarna, dem Botschafter Mereß und dem Sektionsches Grasen Forgach empfangen wurde. Die Begrüßung war sehr herzlich. Nach der Vorstellung des beiderseitigen Gefolges fuhren die Minister im Automobil, von der Bevölkerung sympathisch begrüßt, nach dem.Hotel Stephanie. Dort fand mittags einnilimes" Frühstück zu zwölf Gedecken statt, nach welchem die Minister einen Automobilausslug nach Draga di Lovrana unternahmen. Abends vereinigen sich die Teilnehmer an der Znsanimenkunsi zu einemintimen" Essen.

Die Begegnung in Abbazia wird von mehreren Pa­ri s e r B l ä t t e r n eingehend erörtert. DerTemps" schreibt unter anderem:

Italien verfolgt eine eigene Mittel,,, ecr-Politik außerhalb des Rahmens der mit Frankreich und England abge­schlossenen Abkonlnic», die zwar noch immer bestehen, aber osten- sichtlich zuni grüßten Teil ihren Zweck erfüllt haben. Für die neuen Bestrebungen, welche Italien im östlichen Mittelmeer hegt, will es seine Vereinbarungen ausschließlich mit den Dreibund,nächten Irrsten und sich aut diese allgemein stützen. Es ist deshalb natürlich, daß cs das Bedürfnis empfindet, die Bande, durch die es mit seinen beiden Verbündeten verknüpft ist, noch enger zu gestalten. Dies ist logisch, ebenso logisch ist es aber auch, wenn die Mächte der Triple- Entente angesichts der sich ausbehnenden Aktion des Dreibundes die Notwendigkeit einer engeren Vereinigung empsinden. An gewissen Stellen, namentlich in Petersburg, tritt man sogar dafür ein, die bestehende Entente durch bestimmte Ver­pflichtungen zu ersetzen und diese Hypothese wird vielleicht auch in Abbazia erörtert werben. Aber ivenn auch die Reise Giulia- nos Beachtung verdient, so hat sie nichts ungewöhnliches an sich. Tie Triple-Entente ist durchaus nicht gelockert und ohnmäch­tig. Diese gleichen Bedingungen der beiden bestehende» diplo- niatischen Kombinationen sind die beste Bürgschaft dafür, daß der Friede nicht gestört werden lvird.

DasI o u r n a l d e s T e b a t s" hebt insbesondere die N e - benbuhlerschast hervor, die sich zwischen Oesterreich und Italien angeblich in Albanien ostenbart and meint, daß diese Riva­lität nun auch unerwarteter Weise aus einem anderen Gebiete, nämlich in K l e i n a s i c n zu Tage trete. Gras Berchtold und San Giuliano werden jedenfalls keinen Mangel an Gefprächsstost haben.

Das WienerFremd enblatt" schreibt:

Es ist eine vicljäbrige Tradition, daß die leitenden Staats­männer der Trcibundmächtc von Zeit zu Zeit eine persönliche Aus-

hatle wenig gelernt. Sic holte dieLiicken ihrer Bildung in eifriger Arbeit »ach und wirkte iür die bessere Erziehung der Mäd­chen, indem sic Hochl'chulen iür Frauen und Volksschulen grün­dete. Es loar ihr nicht vergönnt, dem Kaiser selbst Kinder zw schenken: aber die Sprößiingc, die die Ncbenirauen Mutsuhito schenkte». auch der heutige Kaiser ist ein iolcker erzog

sic mit hingehender Liebe, sandte fünf von den Kaiserlindcr» nach Europa und ist dem jungen Mikado eine geistige Mutter geworden. Unermüdlich war sic im Wohltun: während des russischen Krie­ges trat He selbst an die Spitze des Roten Kreuzes und ltztt die ganze Wohltätigkeitsbewegung in Japan ln unstasicndcr Weise organisiert.

Ter deutsche Don Juan. Aus Stuttgart, l t. Avril, lvird gemeldet: Am 11.. 12. und 13. April sandcn hier die Sitzungen des Preisrichterkollcgiums statt, das über den va», Deutschen Bühnenverein sür die besteDon Juan" ilebersetzung ausgeschriebenen Wettbewerb zu entscheiden hatte. Sin den Sitzungen, die Generalintendant Baron zu Putlitz leitete, nahmen teil die Herren: Professor Fuchs-München, Hoirat Ger Häuser -Stutt­gart, Direktor Illing Stettin, Professor Krebs Berlin. Dr. Otto Reitzel-Köln, Generalmusikdirektor Tr. ».Schillings- Stuttgart, Dr. Leopold Schmitt- Berlin, Gchcimrat Lauten- burg-Berlin und Rechtsanwalt Arthur W v l s s - Berlin. Es lagen insgesamt 67 Bewerbungen vor. Ter Preis, der 10000 Mark beträgt, wurde dem Werk mil dem Motto:Ora canliamo" zuge- svrochen. Die Ociinunq der verschlossene» Kuverts ergab, daß der Kammersänger Karl Schcidcmantcl der Preisträger ist. Scheidemantel, der srüber der Stolz der Dresdener Hosover war, lebt jetzt in Weimar in Pension. Im Anschluß an die Sitzungen batte der König von Württemberg die Herren am Monlag zu einer Frühstückstasel im Wilhclmspakast geladen.

Eine Zählung der Sterne. Tr. Chapinan, ein Astronom der Skeruwarle in Greenwich, hat eine Zählung der Sterne versucht. Die Vorarbeit dazu hatte der verstorbene Astro­nom Franllin-Adams geleistet. Er hatte den ganzen Sternenhimmel photographiert. Er selbst arbeitete in Kapstadt: die Ausnahmen des nördlichen Himmels ließ er an seiner Privatster,«warte in Eng­land ausiührcn. Tie Platten vererbte er der Äreenwich-Tternwarle, die sie nun verösientsicht hat. Es ivurden, da es nicht möglich war, alle Sterne der Photographien zu zählen, aut jeder Platte gewisse Flächen »ach Auswahl gezählt. Aus den Ergebnissen ist der Schluß gezogen worden, daß die Zahl der Sterne aui etwa 52 Millionen

spräche halten Tic Dauer der diesmaligen Zusammenkunst weist daraus hin, wie intim sich das Berhättnis zwischen de» Verbün­deten gestattet lntt. Ter Beqcgnuim sind als neuerliche Beweise der immer mehr sich entwickelnden herzliche» Beziehungen die Besuche des Deutschen Kallers in Tchönbrunn, Venedig und Mlromar vor ausgegangen. Die günstigen Resultate, welche die beiden Verbün­deten aus der abgelaulencn Krise und aus dem vertrauensvollen Zusammenarbeiten gewönne» haben, bilden die natürliche Erklärung dafür, daß jede neue Kundgebung ihrer Freundlchait alle poliliichen Kreise hier und dort mit Befriedigung und mit der Emvsindung erfüllt, daß dadurch auch den künftigen Besticbungcii zur Wahrung des Friedens cbcnio der Weg gebahnt, wie dadurch der Beiestigung schon erreichter Eriolgc gedient wird. Oesterreich-Ungar» und Ita­lien haben der Geltendmachung ihrer Auiiasiungen innerhalb des europäischen Konzertes gewiß auch die Tatsache zu danlcn, daß der d e u l s ch c Berbündele ihnen unverbrüchlich zur Teile stand. Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Italien verkörpern eine Summe von Kraft, über die niemand binweggehen kann. Diese Kraft und die Fricdcnsvcrsicherungen der außerhalb des Dreibundes stehenden Regierungen gestatten die zuversichtliche Hoffnung, daß Europa auch fernerhin die Segnungen des Friedens genießen wird, dessen Sicherung der hauptsächlichste Zweck der Errichtung des Drei­bundes war.

Deutscher riekch.

DcrEntwurfüberdicgesetzlicheRcgelung der Verhältnisse der Altpensionäre und das Rennwettgesetz werden vom Bundesrat noch vor dem Zusainmentritt des Reichstags verabschiedet werde» und dein Reichstage am 28. April bereits vorliegen. Nach den Tis Positionen des Reichstags sollen in der letzten Aprilwoche die ersten Lesungen aller »och nicht beratenen Gesetzentwürfe aus die Tagesordnung gesetzt lverden, darunter die Novellen über die Neuregelung des Gastlvirtsgctvcrbes, der Kinos, die Bekämpfung der Schundliteratur und das Allpensionärgesctz. An> 4. Mai soll die Voranschlagsberatuug fortgesetzt locrdcn und zwar zunächst mit den Voranschlägen für den Reichs­kanzler und das Auswärtige Amt, hierauf folgt der Militär Voranschlag. Die dritte Lesung solgt nnmittelbar. Heber die Erledigung der übrigen Arbeiten wird Ende April eine Ver­ständigung zwischen der Regierung und dem Aeltestenrat des Reichstages stattsindcn.

Dem Reichstage ist, deinTageblatt" zniolge, ein Gesetzentwurf zugegangen, nach dem der Bnndesrat jtati» stischc Ansnab,nen der Vorräte von Weizen, Roggen, Mcngggctreide, Mischfrucht, Hafer, Gerste, Mais, sowie von den Erzeugnissen der Äetreidemüllcm sür die menschliche und lierijc&f Ernährung anordnen kann Tie Ausnabnic kann sich erstrecken auf die landwirtschaftlichen Unteriieh- mnngcn, aus Handels- und Gewerbebetriebe, sowie auf die Vorräte tm Gewahrsam von Kommunen und öffentlicktz-recht- lichen Körperschaften und Verbänden. Mlgemeinc Aufnah­men sind erstmalig in zwei anfeinandersolgcnden Jahren vorzunehnien, später frühestens alle vier Jahre. Dalxi dürfen nur Fragen gestellt werden, die sich aus die Vorräte beziehen oder die genaue Bezeichnung des Betriebes und seine Größe betressen. Jedes Eindringen in Berniögens- und Einkommcnsverhältnisse soll ausgeschlossen sein.

Tic Welfen haben in Hannover einen neuen Ver­ein gegründet, den sic nach der Herzogin von Brannschwcig Viktoria Luise benannten. Kürzlich hat Herzog Ernst August eine Abordnung dieses Vereins empfangen, die aus dem Vorsitzenden und drei Damen bestand. Der Herzogin überreichte die Abordnung ein prachtvolles Blumenbnkctt.

Das deutsche Geschwader vor Valparaiso hat in der Richtung nach Punta Arcnas die Heim- retsc »ach Europa anqetreten. Vor der Abfahrt dankte der Ehef des tN-schwaders den Vertretern der Regierung für die herzliche Aufnahme, die das Geschwader in Santiago und Valparaiso gesunden hat.

zu veranschloyen ist. Die Platten enthalten aber nur Sterne bis zur 17. Größe, und Tr. Chapman mrint, daß die Gesamtzisscr sich atfi etwa eine Milliarde erhöben würde, wenn auch die noch schlen- dm Sterne bis zur 23, Größe berücksichtigt werden würden.

Woran starb Rassael? Tie alte Strcitiragc »rrf die Ursache des Todes Rasiacls bcschästigte am Donnerstag die sranzösischc Akademie sür Medizin: Tr. Eabanes erstattete Be­richt über die neuen Forschungen, die er gemeinsam mit Andrtz Dezarrois unlernommeii hat, um das vielumsttittenc KrankheitS- büd Rasiacls zu ergründen Man weiß, daß der große Maler am Charsrcitag deS Jahres 1520 an seine,» Geburtstage, den 6 . April kaum 37jäbrig, starb. Basar, behauptet, der >unge Meister habe sich de» Vergnügungen des Lebens io schranken­los hingegebe», daß seine Kräfte sich vorzeitig verbrauchte» und sein Körper nicht mehr die Widerstandskratt Patte, einem Ficber- ansall z» trotzen. Diese etwas summarische Behauptung ist schon oft und mit guten Gründen angetochten tvorden: Dr. Eabanös und Dezarrois haben cingebende archivarischc Studien unter-, nommcn, die zahlreichen Legenden und anekdotenhaste,> Gerüchte der Nachtvelt beiseite aelaisen »nd versucht, aut Grund der we­nigen vorbandenen dokumentarischen Hinweisen die Todesursackic auszuklären. Aul Grund eines interessanten Materials kommen sie zu der Hnpothese, daß Rassael infolge eines chronischen Leidens, das alle Anzeichen einer durch Sumpsiieber komplizierten Tuberkulose zeigte, in seiuerLebenskrait gifchwächt war. Geistige wir lörpcrlichc Ucberanstrengungen käme» daztt und trugen dos ihre dazu bei, die Kontttttttion Weiler zu schwächen. Als dann ein hct- tiger akuter Anfall des Leidens einsetzte, hätten Aderlässe viel­leicht Linderung verschasit: aber die Aderlässe wurden wie tre übrigens auch schon Basari andeutete zu oft wiederholt und mußten so zu einem tödlichen Ausgang des Ansalles führen,

Kurze Nachrichten aus Kunst und W i s l e n -

f cf, a f t. Ter Begründer und Direllor des Neuen Ostasiatischen Museums i» Köln, Professor Fischer, ist nach kurzem Kran­kenlager ln Meran gestorben. Bei einem Bergauistieg vor zehn Tagen hatte ihn eine Herzschwäche befallen, von der er sich nicht wieder erholte, Hugo Thimig erhielt am Ostersonntag die amtliche Verständigung seiner endgültigen Ernennung zum Direktordes BurgtbcaterS, Hugo Thimig, ein geborener Dresdener, steht im 59. Lebensjahr. 2cir 1874 gehört er de« Burgthealer an, seit 1879 als Regisseur.