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Nr. 85

Erster Blatt

X 64 . Jahrgang

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

5amrtag. \\. April

Der Eichener Anzeiger

erscheml täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich Slesienerzomilienblölter; zweimal wöchentl-lkreir- dlafi für den Ureis Kietzen «DtenLlag und Freiing); zweimal inonatl. Land- wirtschasUich« Zeitsragen Ferusprech - Anschlüsse: kür die Redaktion 112, slerlag in Expedition 51 Adresse iür Deveschen:

Anzeiger Gießen.

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Die heutige Nummer umfaßt 20 Seiten.

Ostern!

Giehen, ll. April,

Schlveigsmn ist das sonst so lockende Ostersesk diesmal zu uns gekommen. Noch ist der sieghaste Lenz nicht in seiner vollen Pracht erschienen, der alles uni uns her verwandelt und unsern Sinn emporrichtet, daß wir wie in eine neue Welt hinauÄchauen. Und so rückt die Vergangenheit uns heute näher als die Verheißung der Zukunft. Es ist ja auch nicht des Ehrrsten Weisung, alle Opser nur dem unbekann­ten Reich ko in men der Herrlichkeit darzubringen. Auch lvas hinter uns liegt, redet mit gewaltigen Zungen zu uns, und unsere Seele wäre verarmt, wollte sie ihre Nahrung nur in Hoffnungen cinziehen, wüßte sie nicht die trauten Bilder zu erwecken, die unsere zurückliegenden Jahre gleich­sam umrahnit und in sich abgeschlossen haben. Wir könnten von einem Reiche Gottes nimmer reden, ivenn wir nur den Vorstellungen des Günstigen nacheilteu und die unbe­stimmten übersinnlichen Tinge Über die Wundergaben stellen wollten, mit denen uns das Leben bereichert Hot. Fromme und milde Menschen könucn nicht vergessen. Er­füllen sic aber damit nicht das christliche Gebot, indenr sie in solchem Geiste das Kreuz aus sich nehmen und selig damit werden?

Der Auserstehungsgedanke soll sich nicht allein richten auf eine förmliche Verwandlung, aus eine Umsormung. Täglich soll uns ein innerliches Anferstchcn beschicden sein; neu erquickt aus dem Borne der idealen Welt, die wir erblicken dürsen, nehmen wir dem Tageskampse seine Schärfen, geben wir dem Wirken des Tages einen Schimmer von wirklicheni Glück. Nicht nur schassende und kämpfende Augenblicksmerrschen sollen wir sein. Es muß uns gelingen, das allzu Nüchterne. Kleinliche und Ungeordnete, das der Hetze des Tages ost anhastet, zu überwinden, ohne Laß wir den Blick fürs Real«, das uns nolweirdig ist, verlieren. Wir dürsen manches idealisieren, ohne Gefahr zu lausen, uns in Schlingen zu verwickeln.

Politische Wirksamkeit verlangt freilich zuerst, daß man das Ziel niemals aus dem Auge verliere, aber unnützes Gestrüpp kann man bei gutem Willen auch auf dem Gebiete der Politik befestigen oder umgehen. Der deutsche Michel dars draußen nichts idealisieren; aber im Innern sollte er die Fenster ausreißcn, um die verbrauchte Lust unnützer Partcidebattcn lnnausWlassen.

Die Lsbcrfreudc in der Politik ist uns nicht glänzend ausgerauscht und ist so still und bescheiden, wie der Lenz, der noch hinter Wolken zurückgehalten war. Die neuen Vor- schristcn über den Wasfengcbrauch des Militärs hat sich der Reichskanzler wohl als eine» festliche Genugtuung für das Bolk gedacht. Tie berühmte alte Kabinettsordre, die der Oberst v. Reuter angcivendet hatte, ist erloschen, und ein Fall Zabern gehört hoffentlich fortan zu den Unmög-t lichkeiten.

Im Auslände erblicken >vir nicht überall das Bild -friedlicher und festlicher Ostern. Der neue Fürst von Al­banien. unser deutscher Landsmann, erfährt gleich bei seinem Regierungsantritt, daß in seiner neuen Heimat die Oster­glocke» anders schallen als bei uns. Ein Trost mag es ihn, sein, daß dev König von Rumänien, ebenfalls ein Fürst deutschen GebtütS, ihm in schwerer Stunde die Hand reichen will. Allein der Friede ist damit dennoch nickst verbürgt. Griechenland, das den Aufstand in Epirus heimlich schürt, hat cbcnsalls seine Freunde. Und ob unser Kaiser, der in .Korfu sein Osterfest verbringt, nicht vor einer schweren Ent­scheidung stehen wird, wenn er die griechischen und die

albanischen Forderungen mitrinmidcr in Einklang zu bringen helfen soll? Vorläufig sind es nur wieder die griechischen Banden, die dem neuesten Balkanstaot das Leben sauer machen, und das amtliche Griechcnlrrnd hält sich vor­sichtig zurück. Es wird kein ganz erquickliches Ostergespräch werden, ivenn der griechische Minister des Auswärtigen beim Kaiser vorspricht, und die griechischen Majestäten, die noch die Schrecken des Ballankriegcs in lebhafter Erinne­rung haben, werden dem deutschen Besucher manchen Schat­ten heraufbeschwören.

Auch Frankreich ist nicht das Land froher und heiterer Botschaften. In ivelchec Verzerrung boten sich seine innerpolitischen Zustände dar! Wenn heute Mokiere, sein liebenswürdigster Dichter, lebte, so würde er vielleicht einenMisanthropen" schassen, der noch nntvilliger als der des LonilS q-uatorze das Getriebe seiner Zeitgenossen bejammern würde. Bon diesem bochgelobtcn Lande der Kul­tur können wir augenblicklich wirklich nichts lernen; herab vom Gipfel des Glücks" stürzen seine besten Männer, und sie sind von üppig wucherndem Dorncngestrüpp umgeben, aus dem cs kaum ein Entrinnen gibt.

Auferstehen! In deutschen Landen soll das Wort seinen guten Klang behalten. Tic düsteren Schatten der Ver­gangenheit dürfen wir vergessen. Und wenige Tage werden verstreichen, dann wird das Osterwort seine volle Bedeutung erfüllen. Wenn die Welt in des Sommers Glanze neu ersteht, dürsen auch wir auserstehcn aus der Enge des Daseins. Neu rauscht uns ein Strom des Lebens entgegen, und was uns vergangene Tage nicht erfüllt haben, das führt uns mit srohcm Klange die Hoffnung für die künftigen entgegen. Wir dürfen von unserem Leide auferstchen. wenn uns die göttliche Hand berührt. Wie in jener schönen Märchendichtung, können nur, wenn wir die Düste der Blüten einsaugen, all unsern Kummer und unsere Sorgen vergessen. Erfrischung und Labung für neues Schassen! Das ist die Botschaft, die uns heute wieder eingeläutct wird; wir wollen sie dantbar vernehmen und nicht vergessen, daß die irdischen Pflichten die obersten Leitsterne sind, die das Christentum der Auferstehung in Ewigkeit uns ge­setzt hat!

Deutsche» Reich«

Das Kaiserpaar nahni am Donnerstag vormittag in der Schloßkapellc im Achilleion das heilige Abendmahl, das Militäroberpfarrcr Goens austeiltc. Tür griechische Minister des Aeußern, Streit, begibt sich, wie aus Athen gemeldet wird, Enjde der Woche nach Korfu, um dem deut­schen Kaiser seine Aufwartung zu machen. Am Karfreitag wohnten der Kaiser, die Kaiserin und die Königin der Helle­nen vormittags dem Gottesdienst in der Schloßkapelle bei, welchen Militäroberpsarrer Goens obhielt. Die Königin der Hellenen nahm an der Mittagstafel teil.

Die Gemahlin des Reichskanzlers er­krankt. Wie das Wolfs Bureau hört hält die Besserung, die in der immerhin c r n st en Erk r an kun g der Ge­mahlin des Reichskanzlers eingetreten ist, erfreu­licherweise an. Feste Bestimmungen über die Abreise des Kanzlers nach Korfu, die lediglich tvegen der Erkrankung ausgeschoben wurde, konnten aber noch nicht getroffen werden.

Tic Zentral - Auskunft S stclle für Äuswan- de rer in Berlin W. 35, Am Karlsbad 10, hat im ersten Biertclsahr 19)4 (1. Januar bis 31. März) in 6919 Fällen Auskunft an Auswanderungslustige erteilt und zwar in 5677 Fällen schriftliche und in 1242 Fällen mündliche. Be­antwortet nkurdcn insgesamt 9649 Anfragen über die ver schiedcncn Auswanderungsgebietc. Davon bezogen sich 4349

aus die Deutschen Kolonien und zwar aus Deutsch-Südwcst- asrika 1471, Teutsch-Ostafrika 755, Kamerun 183, Togo 46, Samoa )24, Kiantschou 81, Dc»tscl>-Neugui»ea 100, auf die asrikanischen Kolonien im allgemeinen 310 nsw. Unter den fremden Auswanderungs-Gebieten steht Süd-Brasilien mit 647 Ansragen an der Spitze; dann folgen Argentinien mit 641, die Bereinigten Staaten von Amerika mit 609, Kanada mit 560, Mittel-Brasilien init 405, Brasilien int allgemeinen mit 135, Chile mit 127, die Türkei mit 109, sttiederländisch- Jndicn mit 91, Rußland mit 85, China mit 81, Paragnali mit 57, England mit 56, Britisch-Jndtcu mit 51, Queensland mit 47, Ncu-Südwales mit 46, der Südafrikanische Bund mit 40, Bulgarien mit 31, Sibirien und Frankreich nrit je 30, Uruguay und Rnhnänien nckt je 29, Bolivien mit 27, Guatemala, Japan, Italien und Oesterreich-Ungarn mit je 26, Albanien mit 25, Nord-Brasilien nrit 24, Egypten mit 23, Peru mit 22, Griechenland und Serbien mit sc 20. Mexiko mit 19, Viktoria und West-Australien mit je 18, Neu-See- land mit 17. Marokko mit 15. Von den Anfragen kamen 93 aus Hessen, 192 aus Hessen Nassau.

Auslanv.

Frankreich und die Meltaus stell» na in Sa» Francisco. Gleich verschiedenen anderen Körperschaften hat auch der Verband der französischen Kautleutc und Industriellen einen gegen die Teilnahme Frankreichs an der Weltausstellung von San Francisco gerichteten Beschlußantrag geiaht. Für diesen Beschlnßantrag tocrden u. a. solgende Gründe geltend gemacht: Die Bereinigten Staate» bedrohten die Jntermen des sranzösischen Aussuhrhandcls. Tie sranzösischen Luxusartikel seien hinreichend bekannt. Tie sranzösischen Baren würden allen Gesetzen zum Trotz mehr nachgeahmt als gekauft werden, und da Deutschland und England nicht ansstellten, hätte auch Frankreich lein höheres Interesse gehabt, die Ausstcttung zu beschicken. Unter Öinweis ans diesen Beschluhantrag erklärte der Kandels­in INI st er Pcrre.t einenr Berichterstatter: Tie sranzöiische Re­gierung habe gewichtige votitischc und wirtschastliche Gründe ge­habt. als sic 1912 die Einladung zur Beteiligung an der Wett- ausstcllung in San Francisco angenommen habe. Man würde es nicht verstehen, wenn Frankreich heute seine Zusage zurückzöge. Gewiß, manche der von sranzösischen Handels- und Jndüstrickrcisen erhobenen Beschlverden seien gerechtsertigt. aber dank dem cin- dringlickien Ersuchen des sranzösischen Boisckmficrs habe die ameri­kanische Regierung von ihrem Parlament die Annahme eines Ge­setzes erreicht, durch welche die ernstesten Bürgschaften iür den Schutz der Ausstellungsgegenstände geboten würden. Dieses Gesetz sei allerdings ein tyclegenheilsgesetz und trete in vier Jahren außer Kraft, man könne aber hosscn. daß ein anderes Gesetz, das gegenwärtig beraten werde, dem industriellen Eigentum in Nord­amerika entsprechend den Grundsätzen des europäischen Rechtes endgültigen Schutz gewährleisten werde.

Der Au f st a n d in Epr ru s. Amtlich wird aus Kor i tza gemeldet: Die Ausständischen haben die Waisen gestreckt, die albo- nesische Gendarmerie ist Herrin der Lage. Man betrachte den Aus­stand als völlig niedcrgeivorsen. Man wird diesen LvtimismuS nicht überall teilen. In einer anderen Meldung heißt es nämlich: Der Präfekt von Koritza, der die albanischen Truppen besehligt. bat die Regierung um Verstärkung insolge der Nachricht, daß die nufständischcn Epirotcn in der Nähe sich zu einem neuen Angriff auf Koritza sammeln.

Der kurdische A u s st a n d. Nachrichten zufolge, die ans der Pforte eingelausen sind, sind die Kurden, die Bit is angcgrs en haben, aus die Ortschaft Timek, östlich von Bitlis und westlich vom Wansee abgezogen. Türkische Truppen aus Wan unter dem Oberst Ibrahim und Truppen, die aus Musch unter General Jhsan Pascha gekommen waren, begannen am Donnerstag vormittag gcmeinsonr unter dem Oberbefehl des Generals Jhsan Pascha die Operationen gegcn die Rebellen, um die Räpelssührer gefangen zu nehmen. Ta das Gelände für die militärischen Operationen günstig ist, er­wartet man d:e baldige Niederlage und Untcrwcriung der Rebellen.

ll c b e r die Krankheit des Königs G u st a v von Schweden wurde am Dienstag folgender Bericht ausgestellt: Ter König wurde heule vormittag einer Operation unter-

.,»reb;-Häuser".

Zn der vielerörterten Frage, ob Krebslciden durch das Wohnen in einem .Hause, in dem früher Krebskranke gelebt haben, erworben werden kann, liefert der bekannte englische Gelehrte und Prosessor der Medizin an der Durham-Unwersität Sir Thomas Oliver durch einen Aussatz im Lancet einen bedeutungsvollen neuen Beitrag. Die sog.Krebs Häuser" spieten in der medizinischen Literatur seit langem eine große Rotte, ohne daß die Forschung dabei zu einem einwandfrei seststehenden endgültige» Resultate gekommen wäre. Tic Jnsektionsthcorre hat viele Verteidiger, die sich ans eine Füllst von z. T. verblüffenden Beisvielen sttltzen können; andere Krebs- sorscher dayegc» verhalten sich ablehnend und wollen das Zu- sammentreisen von Krebserkranknngcn in bestimmten Häusern und Stadtteile» mehr als zusälliq ansehcn und jedcnsalls nicht als Be­weis für die Fnsekiionstheorie anerkennen. Immerhin geben die. Fälle, die Sir Thomas Oliver zusammcngctragen hat, dringende Veranlassung zu dem Wunsche, daß die Studien und Beobachtungen über diese iür die Menschheit so wicfttige Frage mit allem Nach­druck ergänzt und sortgesctzt werden. In einem sranzösischen Dorsc von 400 Einwohnern vcrzcichncle Tr. Armande in sieben Jahren II Todesfälle durch Krebs: und alle diese Fälle ereigneten sich im gleichen-nerblock. Drei Jahre später besanden sich unter den Bewohnern desselben Häuserblockes nicht weniger als 17 Krebs­kranke in ärztlicher Behandlung. In einer anderen Gemeinde wur­den in dersclbar Häuserreihe im Lause von 15 Jahren 19 tödlich verlausende Kreibserkrankungcn scstgestcllt.

Bei säst »Oe» Patienten." bemerkt Sir Thomas Oliver,war von einer Erblichkeit des Leidens nicht die Rede, und die große Zahl der Todesfälle legt die Annahme nahe, daß cs sich hier um mehr als run ein zufälliges Zusammcntrcssen handelte." Das­selbe gilt snr eine Beobachtung, die T'Arcy Power ichon vor Jahren ocröffcnttirtitc. Es handelte sich um ein Doppelhaus mit gemeinsamem Garten. In dem einen Hause charb ein Mann an Krebs Das Hans wurde nun von einem Ehepaar bezogen. Zwei Jahre später starb der Ehemann an Krebs und zehn Jahre später die Frau Nun: mieteten drei unverheiratete Damen das Haus: und bald starben zwei von ihnen ebensalls an Krebs. Eni anderer Fall betrisst ei, bestiinmtcS Schlaszimmer. in dem hintereinander drei Frauen an- Krebs starben. Das Bemerkenswerte dabei ist, daß bas zweite Opchr 20 Jfthrc in dem Hause gelebt hatte che es üi das betreuende Schlaszimmer zog: und datz auch d,c dritte Frau erst nach achtjährigem Ausenthalt IN dem haute das sraglichc Zim­mer bezog und nun erkrankte. Seitdem der Raum «rundüch des­infiziert worden ist. blieben wettere Erkrankungen auS. Tics und

nur einige Beispiele für Viele ähnlicher Art. Welche Rolle Häuser in der Verbreitung krebsartiger Leiden spielen können, bewiesen indirekt auch Versuche, die vor einiger Zeit mit einem infizierten Mauskäsig gemacht wurden. Es war den Acrzten ansgesallen, daß die zu Laboratoriumszwecken aus einem gewissen Laden gekausten Mäuse sehr ost Krebsgeschwürc zeigten. Man erwarb nun den be­tressenden Käsig und stellte ihn im Laboratorium aus, ohne ihn zu desinfizieren. Nun setzte man gesunde Mäuse hinein: und ein sehr erheblicher Prozentsatz erkrankte alsbald an KrebS, während die in anderen Käfigen zum Zwecke des Koutrollversuchcs unter­gebrachten Mäuse gesund blieben. Auch nach einer gründlichen Waschung des Käfigs blieb die Anstecknngskrast: erst wiederholte durchgrciscnde Tesinsektionen brachten eine Aendcrung hervor.

Ein Wildenbruchdcnkmal. In der Stadt Weimar ist bekanntlich die Errichtung eines Wildenbruchdenkmals geplant. In der letzten Gemcinderatssitzung machte nun, lt.Weimarischer Landes,citnng", der Vorsitzende Justizrat Tr. Flintzer über den ö'ntnnin des Denkmals solgende Mitteilungen: Zur Verkörverung von Wildcnbruchs Arbeiten, Wirken und Schassen hat der Künstler, Prosessor Engelmann eine schreitende, nackte Jünglingsgestalt gewählt Der Jüngling zieht ein Schwert aus der Scheide. Die Stellung der Figur und die Handlung des Jünglings entsprechen einem charakteristischen Ausspruch Wildenbruchs:Ich kämpsc

nicht, um anzugreiscn, sondern zu verteidigen." Di^ Figur steht aus einem nahezu quadratischen Sockel. Figur und Sockel werden ans Bronze mit blaugrünec Feuerpatina ausgcsübrt. Das Denkmal ist in ein kreisrundes Wasserbecken von sieben Meter Durchmesser gestellt. Tic Randemsaüuug des Beckens ist aus farbigem Granit gedacht. Das Becken enthält einen Wasserstand von zirka 20 Zenti­metern und wirb durch eine Leitung unterhalb des Wassersvicgels tagsüber erneuert. Der Platz muß auf der einen Seite noch etwas gehoben werden, damit die Denkmalsanlagc aui eine hori­zontale Fläche zu stehen kommt. Fiir die dadurch entstehenden Aen- dcrnngsarbeiten entstehen sür die Stadt 3000 Mk. Aufwand, firner etiva 100 Mk. jährlich sür den Wasserverbrauch und 25 Mk. jährlich zu Zwecken der Unterhaltung. Man hatte zuerst an einen etwas anderen Platz innerhalb des Stabtparks gedacht, hat sich aber dann dem Urteil des Künstlers unterworfen. Der Gemeindcrat genehmigte hieraus einstimmig die ersorderlichen Mittel.

Ks. Tie letzten Nachkommen Napoleons I. Sind noch Nachkommen des ersten Navoleon am Leben? Wahrscheinlich ja, denn wenn der König von Rom auch in jungen Jahren gc- | starben ist, ein anderer Sohn Napoleons, der unter dem Namen

Grat Leon bekannte Sohn Eleonore Rcvels (einer Mitschülerin Karoline Bonaxartes) hat sich verheiratet, und aus dieser Ehe stammt eine ganze Anzahl von Kindern. Es ist soeben eine eng­lische Biographie dieses natürlichen Sohnes Napoleons erschienen, die auch über düse Enkelkinder Napoleons I. Auskunft gibt. Wie dieTimes" danach erzählt, geriet Grat Läon in schlimme Bedrängnis: Napoleon III. suchte ihn zu unterstützen, aber er verspielte alles Geld, das er in die 5xände bekam. Seine Gattin, die Tochter eines Gärtners, schenkte ihm vier Kinder. Eins da­von, wahrscheinlich/ das älteste, Karl mit Namen, wurde In­genieur, und kam im Jahre 1894 in Venezuela um, esu zweiter Sohn, Gaston, wurde im Jahre 1890 in Rochelles als Varta- mentskanhidat ausgestellt, wurde aber nicht gewählt. Ein dritter Sohn, Ferdinand mit Namen, hat längere Zeit in dem Unter­nehmen des bekannten Bnsallo Bill gearbeitet, und Charlotte, das letzte Kind, wurde Lehrerin. Bon diesen letzten drei Kindern könnten immerhin noch einige oder gar alle am Leben sei».

P a p i e r sta u b ex v l o s i o n e n. Es ist eine bekannte Erscheinung, daß an sich nicht exvloiiblc brennbare Stossc Er- ploiione» Hervorrufen können, wen» sic ganz sein verteilt in größerer Menge der Lust beigemcugt sind. Am bekanntesten sind die Kohlenstaubexplosionen, die sowohl in Bergwerken wie auch in Brikettsabrikeil und bei den Kohlenstaubsenerungsanlagcn mancher Zemcntsabrilcn beobachtet werden. Ferner ereignen sich häufig Mchlstauberrlosionen, die cbcnsaUs sehr hesttg wirken und schon ganze Mühlen vernichtet haben. Auch über Explosionen von Baum­wollstaub ist bereits berichtet worden. Weniger bekannt ist merk­würdigerweise die Exvlosibilität von Pavimtaub. Eine kürzlich in Tourcoing in Frankreich vorgekommene Papierstaub- explosion hat den Anlaß zu eingehenden Untersuchungen über die Gesährlichkeit des Pavierstaubes gegeben, die IN der Versuchsstation zu Lieviu vorgenommcn wurden. Hierbei ergab sich, daß trockener Paxierstaub bei genügender Mischung mit Lust kräs- tigc Explosivnsivirklingen Hervorrust, wenn er in einem geschlossenen Raume mit ossencr Flamme entzündet nneb. Die Empfindlichkeit des Papicrstaubcs gegen Zündung steht nach den Bcrinchen in Lievi» der des Kohleststaubes nicht nach. Für die Praxis ergibt sich hieraus die Nottvcndigkcit, bei ollen Arbeiten in Räumen, die Papicrstaub enthalten, gut geschlossene elektrische Leuchtkörpcr zu verwenden und auch die Kontakte, bei denen eine FuukenbUdung nicht ausgeschlossen ist, nach Alöglichkeit austerhalb dieser Räume anzubringen oder wenigstens schlagwettersichere Kontakte nach dem Muster der in Kohlenbergwerken üblichen zu verwenden.