Nr. 83
Der «ietzener Nnzelget
erscheint täglich, außer Sonntags, — Beilagen: viermal wöchentlich ®i«&mrJomilieiiblStter;
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Feruivrech - Anschlüsse: i"r die Redaltioti 112, Verlag u. Expedition bl Adresse für Teveschen: Anzeiger Giesen. Annahme von Anzeigen liir die Tagesnnmmer bis vormittags 3 Uhr.
Jahrgang
Mittwoch, 8. April TO
General-Anzeiger für Oberhessen
Rotation;»r«ck mid Verlag -er SrShl'jchen Ulnv.-Such- un» §tei,»ru<kerei «. Lange. Be^aftien, Expedition und Druckerei: Schulstrah« 7-
Dezugsvrcl»: monatlich 7L Di., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- n. Zweigstellen monatlich K5 Pf.; durch diePost Mk. 2.—viertel» jährl. ausjchl. BeiteKg, ZeilenpreiS: lokallLPk, auswärts 20 Pfennig, Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich sür den volit. Teil: Aug. Goetz; iür .Feuilleton', ,Der- mischtes' uud.GerichtS- saal": Karl Neurath; lür .Stadt und Land": Kurt Bendt; für den Auzcigenletl: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaht 14 Seiten.
Die Mächte und Albanien.
Nur etwas über vier Wochen sind ins Land gegangen, seitdem Fürst Wilhelm von Albanien iit Tnrazzo seinen Einzug gehalten hat. Allzu leicht ivird sich der Prinz zu Wied die selbstgeivähkte Aufgabe nicht vorgestrllt haben; aber dag er, der den unter einander sich besehdeiiden ai dänischen Stämmen Einigkeit und Frieden bringen wollte, bald nahe dran sein sollte, sich selbst an die Spitze der Truppen zu stellen, um die aufsässigen Epiroten m-der- zuwcrfen, das hätte er sich wohl nicht träumen lassen. Freilich Essad Pascha, hinter den, Italien fleht, noch heul' trotz des Fürsten der einflußreichste Mann in Albanien, hat unmittelbar nach der Ankunft seines neuen Herrschers in einer Unterredung die Notwendigkeit eines starken, schlagfertigen Heeres betont, das die Grundbedingung der Existenz eines jeden Staates sei. „Sogar die neutrale Schwei;", betonte er, „sindet ein tüchtiges .Heer für notwendig, nmso- mehr brauchen wir ein solches, da wir von so vielen Feinden umgeben sind."
Nur zu bald haben die Befürchtungen des albanischen Richelieu ihre Bestätigung gefunden. Ganz § ü d albanicn steht in Aufruhr n»v die provisorische Regierung von Rordepirns, die ihre Unabhängigkeit erklärt hat, schielt sich an, die wenigen Orte von B-> dcutnng, in denen einige wenig: albanische /Gendarmen die Staatsgewalt des Fürsten darstellten, mit hilf: der Freischaren und „heiligen Bataillone" zu erobern-. Ist auch Koritza, der strategische Mittelpunkt des südatbanischen Gebietes, das die hellenischen Einwohner mit Griechenland vereinigt wissen ivvllen. trotz höchster, stampfe noch nicht im Besitz der Aufständische», wer weiß, we lang: das neue Staaiengebilde den Jnvasioncii von Griechenland her ivird standhaitcii können? Es unterliegt fei »cm Zweifel mehr, daß in den sogenamiten „heiligen Bataillonen" reguläre griechische Soldaten mstküinpsen, daß von Griechenland — znnl mindesten mit wihlwollendcr Neutralität der Regierung in Athen — hellenische Kämpfer über die Grenze. Südalbaniens gehen. Auch Serbien hat insofern seine Hand im Spiele, als cs die Alisstälidischeii mit Waffen • und Munition unterstützt. Wa- nützt es, daß Albaniens Stämme über diese osfensichtiige Einmischung Griechenlands empört find und dein Fürsten Zustimmung»- telegramme sei,den. daß man im ganzen lande alle che- inaltgen türkischen RedifS vom 29. bis 39. Lebensjahre zu Kontroilvcrsainmlnngen einberust. Wege in unserem Sinne gibt es in Albanien Inurn. Ehe genügend allinische Kämpfer an den eigentlichen Herd des Ausbruche gelangt find, kan» dort alles von den barbarisch wütende, Söhnen Hellas, die sich alles eher denn als Kulturträge erweisen, mit Feuer und Schwert verwüstet sein. Und mi diesen barbarischen Greueln auf beschränktem Gebiet, ht es meist sein Bewenden. Wenn cs sich um das vcrhälnismäßig tleine Südaibanien allein handelte, dann könntenran das ruhige Abwartes, der Patenmächte des neuen laales verstehen
und ihren billigen Trost: „Albanien wird das alles von selber machen." Aber aus den Brandsaikekn, die in die Straßen Koritzas geworfen werden, kann ein neuer Balkan- lrieg, kann ein gewaltiges europäisches Ringen erstehen.
Daß Albanien auf die Tauer Herr des Aufstandes, der von Griechenland aus ständig geschürt.wird, werden könnte, ist nicht anzunchmen, selbst wenn der Fürst von Albanien, wie er zuerst die Absicht hatte, sich an die Spitze der Truppen stellte. Und loenn auch Essad Pascha, sei es aus patriotischen, sei cs aus anderen Gründen, dem Fürsten vorläufig ganz zu Tienstcn stehen sollte, so ist immer noch die Frage, ob selbst dieser mächtige Häuptling ein-beträchtliches militärisches Aufgebot zu Wege bringen taitn. Und gesetzt auch, er könnte und wollte cs-, gesetzt der eine Mann wäre imst stände, alle Mängel staatlicher Organisation in diesem Punkte wettzumachcn — wo werden sür die glücklich improvisierte albanische Armee die Mittel zur Kriegfiih- ruit g hcrgenommen werden? Proviant, Munition, Sanitätswesen, iver irird für das alles sorgen? Seit Monaten wußte alle Welt, daß. in den griechisch-albanischen Grenzgebieten zu einem großen Kanipf gerüstet wird, Tic Bildung der „heiligen Bataillone", ihre Ausrüstung mit modernen Waffen, ihre militärische Einschulung vollzog sich nnler den Augen der europäischen Öefsentlichkcit.
Was aber taten die sechs europäischen Großmächte, die Ende 1912 die Gründung des albanischen Staates beschlossen ? Tie machten aus dem bunten Gewirn- niel der albanischen Stämme eine Nation, aus den geographischen Wohnsitzen dieser Nation einen Staat. Einen Staat ohne Organisation, ohne Berwaktung, ohne Kultur, ohne Militär, ohne Geld. Freilich, alles das mußte nicht gleich vorhanden sein, tonnte erst allmählich herangebildct werden. Aber dann lvar cs doch unerläßlich, dcni Staat, der erst in Zukunft werden sollte, für die Gegenwart zum mindesten eine Existenzgarantie zu gewähren. Eine wenn auch nur zeitlich begrenzte internarchnalc Garantie, eine Art vertragsmäßiger Schonzeit war das mindeste, das die Großmächte für Albanien hätten tun müssen, wenn das aller militärischen und finanziellen Mittet entbehrende Land nicht von vornherein schutzlos alle» Zufällen und Abcn- teucrn preis-gegeben sein sollte.
Ist es auch schon reichlich spät, so doch nicht zu spät, wenn die Großmächte jetzt noch nachdrücklich ciiigrcifen und vor «Unit Griechenland und seinen heimlichen Verbündeten bei dieser Wühlerei Einhalt gebieten. Wenn das Zusammen treffen des- Grasen Berchthvld und des Marquis San Ginliano am schönen Gestade des Quarncro nach den Ostcrtagen diesen Erfolg haben sollte, so wäre nicht nur viel für Albanien, sondern auch für den europäischen Frieden geschehen.
Wien, 7. April. Tie „Neue freie Presse" meldet aus Tnrazzo: Tic Aufständischen in Koritza sind entwaffnet und teilweise ins Gefängnis geworfen worden. Der Metropolit rou Koritza, der nach dem Ergebnis der vorgcnommcneu Untersuchung für den Urheber des Aufstandes gehalten ivird, iouröc verhaftet.
Vcutfetirs Heid?.
Ter Landes« nSschuß der Nationallibc raten Partei des Herzogtums Braunschweig hat folgende Entschließung angenommen: „Ter Landes- ausschuß b illig t den Beschluß des Zentralausschusses, Der Handlungen zwecks Auflösung des RcichSvcrbairdes der natio- nallcheralen Jugend wie des altnationalliberalcn Verbandes und damit der Presse dieser Verbände oin- zulciten, durchaus und ersucht die braunschweigi scheu Mitglieder des Zentralausschusses, alle Schritte zur Erreichung dieses Zieles nach Kräften zu unterstützen. Der Landesansschuß spricht zugleich die Ncberzcugung auS, daß jener Beschluß deS Zcntralansschusses wie von den übrigen nationalkiberaken Vereinen des- Herzogtums, so auch von dem hiesigen Verein der nationalliberalen Jugend, der sich um die Förderung der Partcibestrcbnngcn große Verdienste erworben hat, mtb dessen mit dem Beschlüsse des Zcnkral- ausschüsses wohl ocrcinbarcs Fortbestehen daher dringend envünscht ist, als sür die gedeihliche Entwicklung der Partei unbedingt notwendig anerkannt werden wird."
AuskanS.
T a s Prinzen paar Heinrich von Preußen ist von Chile kommend am Montag in Alb er di eingc- trosfen und hat die Farin Germania besucht. Der deutsche Gesandte hat sich nach Alberdi begeben, um sich den Fürst- lichlcitcn anznschließen. Tie prinzlichen Herrschaften werden am Mittwoch in Buenos Aires zurückcrwartct.
E i n e Z c n t r u m s p a r t c i i n I t a l i c n. Gegenüber dem Gerücht von der Lildnng einer neuen Parlanientarischen Partei der Christlich-Soziale» in Jlabien hebt der „Osser- vatore Romano" hervor, daß diese Gründung sich offen gegen die Ansichten der höchsten Autorität richten würde, die niemals in Italien die Gründung einer parlamentarischen latholischen Partei wünsche, welcher Richtung sie auch sei.
Frankreich und die Frauen rechte. Ter französische Kassationshof sprach in einem Urteil aus, daß Frauen die Ausübung politischer Rechte und Eintragung in die Wählerlisten mangels einer geschlickten Bestimmung nicht zu kominc.
Tic zweite Lesung des- h o in c r u le - Ge s ctz e s im engliscbcn Unterhanie wurde mit 356 gegen 276 Stimmen angenommen. — Bonar Law erklärte, die Opposition ivürde jedes vernunftgemäße Opfer bringen, um das Unheil eines Bürgerkrieges zu vermeiden, doch könne dieser nur auf zweierlei Weise abge-, ircndct werden, entweder durch Ausschließung Ulsters oder durch allgemeine Wahlen. Zwischen der Regierung und de» Nationalisten sei ein Geschäft gemacht ivorden und die» versperre den Weg und hindere die Regierung in ihrer Bewegungsfreiheit. Er erklärte sich bereit, auf die Anregung, neue Verhandlungen zu eröffnen, einzngehen, doch sei cs fraglich, ob diese Verhandlungen einen Zweck hätten, loenn Redmond gegen jeden Vorschlag sein Veto einlegcu könne. Wenn die Regierung wirklich beabsichtige, den Ausschluß Ulsters aufrichtig in Erwägung zu ziehen, und falls das Volk von Ulster nicht unter djc Honierule-Dilk solle, so
Die „Ur-Lucinöe".
Rach dem glücklichen Fund des „UrRcistcrs" und denc eben erfolgten stlendruck der alten Fassung vu Goftirced Kellers „Grünem Heinrich" ist cs nun auch gcluncn, in oas Dunkel, das bisbet die Vorgeschichte von Friedrich Säegels „Ln ein de" umgab, Licht zu schassen.
Bec seinem Tode im Jahre 1821 hinterbß Friedrich Schlegel neben anderen Mannskrivten 25 inhaltsrcife hefte, enthaltend Aufzeichnungen aus den Jahren 1775—182.'
Ans diesen bisher unveröffentlichten hiten teilt nun Josef Körner im 2. Aprilhcst des „Literarif'chcu chos" den höckfst interessanten Plan der „Ur-Lucindc" mit.
Rudolf hanm hat in seiner Geschicke der Romantifckieil Schule Friedrick. Schlegel den barten Velours gemacht, da» „bis gegen End: des Jahres 1797, auch tcht die leiseste Spur weder in den öffentlichen noch in den pvaten Aeußernngeii" Friedrich Schlegels dafür zu finden wäre,,daß er sich iür einen Dichter gehalten, oder irgend mit Pläui künftiger oocliicher
Werke nmgegangen." . _ t
Friedrich Schlegels Briefe an seiner Bruder August Wilhelm strafen dies Urteil Lügen. Schon in Mai 1793 glaubt sich der junge Mann int Besitz „einiger hcnlicher Winke zu der heiligen Kunst"; und ein Jahr später chon jetziger iich bin, „an einem Roman zu erfinden und z arbeiten". Bo» Art und Inhalt dieses Romans hatte man bi-er keine weitere Kunde.
Eines der heile, betitelt, „Ideen zuökdichtcn", erweist nun, daß der bislang unbekannte mit der.Lucinde" identisch ist. Tic betreffende Einiragung lautet:
„I der zu einem R o m a it >o n 1 79 4".
Ter Stoii des Romans zwei Charlcrc — als ein Ganzes
— die an sich schön — das höchste Ebne sind — alles übrig« aus diesen zu folgern, und aus der .'gebenen Form des Romans. Ter Charakter d:s Helden —ein Man», durchgängig gebildet, unbestiimnt durch den Enthiasmiis des Guten aus reiner Natur. Tic äußere Lage die ünstige für die Entwick ln,lg dieses Cb-raktcrs. Er könnte teil Schein der Einfalt und der Raserei bab.-:,. Zuversicht — lnbewuftlsei» — Reinheit Unbefangenheit. Und durch dieses als Vollendung ohne Unnatur Diese Idee könnte sichtbar -'macht werden in einem juacnülichen Charakter, oder im Uergang von Jugend zur Männlichkeit durch Liebe, Frcundschc und Weltkenntnis: und dieses wäre dann zugleich das June der Handlung des Romans. Dieser Uebcrgang wäre so —zochwAgerischcr Genu ft der Tugend, eine zarte Beimischung u,3p- — Fall, Unglück, Leiden
— eigene Erhebung, Festigkeit, (eichheit, Männlichkeit. In seinem Charalter eine Reizbarkeit,,. Zorn und Indignation, aber nur auS moralisch-'r Veranlasstg. —
Trr Charakicr der heltin Enihrasmus, hohe Bildung ohne Zerstörung der Weiblichkeit. — Ct andrer weiblichen Cha- alter: feine, reiche Bildnna und zftorte Weiblichken. —
Ter Ton — hobeit, Einfalt, ßcendc; blühend, leicht Und fröhlich. — Ohne Ucbcrspannung.—"
Doch noch» steht der Beweis auS, daß der Roman von 1794 wirklich in der „Lucinde" aufgegangen ist; io sei denn zullächfl diese näher betrachte!. Vom Roman fordert Friedrich Lchlc- geis Theorie Bekenntnisse als Inhalt, „Arabeske" als Form. Die Selbstbekenntnisse bilden das siebente und längste Kapitel de» Romans, die „Lehrjahre der Männlichkeit". Tic „Lehrjahre" nun, dieser „eigentliche Roman", sind nichts andres als die Ausführung des Schemas von 1794. JäUiiiS, die Baupfgestalt der „Lucinde", ist eben dieser „durchgängig gebildete" Jüngling, den ein günstiges Schicksal mit äußeren Gütern io reich ausgcstattet Hot. daß sich sein Charakter, ungehemmt durch die schweren Kämpfe des täglichen Lebens, voll entwickeln kann: auch er ist „im Uebcrgang von Jugend zur Männlichkeit" be- grifsen: Liebe und Freundswait blühen und verblühen auch ihm am Wege und wandeln sich ihm zur reisen Frucht der Weltkenntnis. Auch Julius sclfivclgt in allen Genüssen der Jugend und erhebt sich nach schwerem Leid durch eigene Krait zu tüchtiger Männlichkeit.ZI»d die Öeldin? Ein Charakter, der an sich schön, das höckfste Schöne" — — ein Weib, erfüllt von Enthusiasmus, von tiefer Bildung und doch zugleich von reinster Weiblichkeit? Sic ist jene „einzige" Frau, die Julius „zum erste» Male ganz und in der Mitte tras": die Frau, in deren Wesen „jede Hoheit und jede Zierlichkeit lag. die der weiblichen Ratuc eigen sein kann, jede Gottähnlichkeit und >edc Unart, aber alles sein, gebildet und weiblich". Es ist Caroline.
Es ist ein Gemeinvlatz in der Geschichtschreibung über die romantische Schule geworden, daß die Romanprodukte der ihr zugehörigen Poeten allesamt in Form und Gehalt Nachkommen und Erben des „Wilhelm Meister" feien. Tic Goctifcsche Dichtung ist in den ersten Tagen des Jahres 1795 erschienen; ein halbes Jahr zuvor schon entwirft Friedrich Schlegels ohne fede Kenntnis des nachmals vielgerühmtcn Werts das Schema seiner eigenen „Lehrjahre". Tic unbedingte 'Abhängigkeit des romantischen Romans von Goethe wird in der alten Tchörsc nicht länger behauptet werden dürfen. O. K.
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— Altertumskunde i ii Schlüchtern. Es wird uiis geschrieben: Im früheren Bcncdiktincrllostcr zu Schlüchtern wurden durch Tr. Weise (Frciburg i. Br.i zahlreiche kostbare Grabdenkmäler, die man längst verschollen wähnte, frcigclegt. Es handelt sich in erster Linie um das Epitaphium des Schlüchtcrner Reiorma- lorS und Abtes L i t o ch i u s vom Jahre 1571, ferner um das prachtvolle Grabdenkmal des Ritters Rabe von Lutten aus dem Jahre 1529 und endlich um zwei sehr alte Steine aus dem 14. Jahrhundert: sic sind Margarete von Edersberg, 1356, und Frowin von Hutten. 1377, gewidmet. Tic Ausgrabungen werden fortgesetzt, da man die Grundrisse und Fundamente der ältesten Klosterkirche aus der karolingischen Zeit freizulegen hofft.
:— Eine Hohlmünze aus dem 13. Jahrhundert. Eine Münze von außerordentlich hohem Altertumswerte hat das Eschweqer h c im at sm u seu m erworben. Es handelt sich um eine fast 700 Jahre alte, sehr seltene hohlniünze, üuLir loa. Brakteaten, der um 1200 im Eichwcgcr
C h r i a k u s k l o st c r hergestcllt worden ist. Sic wurde von den Nouncil des Klosters, das bis zum Jahre 1335 Eschwcgcr Münz- gercchtsame besaß, geprägt und zeigt das Bildnis der Aebtissm Gertrudis, die eine Bibel und einen Palmwedel in der Land hält. Tas ichr gut erhaltene wertvolle Stück wurde in F r a n k su r t a. M a i It entdeckt. Als Reppmünzen oder Brakteaten bezeichnet man eine mittelalterliche Bdünzsarte, zu deren Verfertigung tticbt massives Metall, sondern eine dünne Silbervlattc verwendet wurde. Zu Beginn des 12. Jahrbnnderts kamen Lohlmünzcn zuerst in ?Aitlcideut!chland (Larz und Thüringen) aus, und verbreiteten sich dann bald über alle Landesteile. Tic Prägung massiver Münzen war bei der primi- liven Technik lener Evacbe äußern zeitraubend und man griff daher uni so lieber zu der cinsacheu Herstcllungswciic der Hvhlmünzen, die nur auf der einen Seite mit einem pelschaitartigen Land- stcmvel geprägt wurden, so daß das Bild aut der einen Seite erhoben, aut der anderen verliest erschien. Jnr 15. Jahrhundert wurden die tzolflmünzen imnier mehr durch die massiven Münzen verdrängt, doch haben sie sich in einzelne» Teilen Teutschlands sür kleine Werte bis in das 18. Jahrhundert hiuciu behauptet.
— Tic Ebcrnburg. Im Bonner Zwcigverein des Evangelischen Bundes hat Pfarrer Kremcrs, der Vorsitzende des Rheinischen Hauptvcreins, Mitteilungen über die Ebcrnburg'Angelegenheit gemacht. Tic „Herberge der Olcrechtigkeit" Franz von Sictin- genS und Ulrich von Huttens ist für den Preis von 300 000 Mk. zunächst in den Besitz des Kreuznacher Landrats v. Nasse üüer» gcgangcn, sie soll aber von der Ebernburgstiftung übernommen werden, sobald diese die landesherrliche Eienchmigung erhalten hat. ^ Um die Burg der Ocsfentlichkcit zu erhalten, hatte zunächst der Kreuznackfer Lanbrat im Interesse seines Kreises zusammen mit andern amtlichen Stellen 75- bis 80 000 Mk. zu- sammcngcbracht. Eine Sammlung des Evangelischen Bundes hat in der Rheinprvvinz 50 000 Mk., mit den aus dem übrigen Deutschland cingelaufenen Beiträgen zusammen 80 000 Mk. ergeben, so daß mit größern mivatcn Stiftungen zusammen jetzt 200 000 Mk. zur Bcrjüguna stehen. Tic am Kauspreis »och fchlcn- dcn 100000 Mk. sowie die gleiche Summe für Auzbesserunas- arbcitcn sollen durch weitere Spenden gulgcbracht ioerden. Da die Ebcrnburg gute Kellereien und vorzügliche Weinberge sowie eine 'gutgehende Wirtschaft besitzt, besteht die Aussicht, daß die Bcrwaltungskostcn künstig aus den Erträgnissen gedeckt werden können.
— Kurze Nachrichten aus ffuust uud Wissenschaft. Ter Direktor des vom Staat unterstützten Odeontheaters, A n t o i n c in P aris , der sich um die moderne französische Schau spielkunst sehr große Verdienste erworben hat, bet seine Entlassung gegeben, da er trotz der ihm jüngst vom Parlament bewil- jigten außerordentlichen Subvention von 125 000 Franks außerstande war. den während seiner 7jährigcn Dheatcrlcitung an- gcwachsencn Fehlbetrag zu decken. — Die 28. Versammln n g der Anatomischen Gesellschaft wird vom 13. bis 16. 'April in Innsbruck stattfinden.


