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Drittes Blatt

t64. Jahrgang

Erichen,! täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSietzener Zamiliendlätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, da» ..Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtlchaktlichen Seil- fragen" erscheine» monatlich zweunat.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhejjen

Dienstag, 7. April

Rotationsdruck und Verlag der Brülil'jche» Universiläts - Bilch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag' Redaktion:112. Tel.-AdruAnzelgerGießerr.

Au» Stadt und Lau».

Gießen, 7. April 1914.

* Die 4. Hauptversammlung de? Hessischen LandeS-LehrerinnenvercinS findet Samstag, den 16. April, in der Turnhalle der Höhere» Alädchcn'chule zu Offenbach a. M. statt. In der öffentlichen 9iachi»lttaqS- Versauimlung spricht Frl. E. W i l h e > m y - Worms über .die Lehrerin in der rs or aetö t i q te i t".

** Zur Versteigerung des Immobiliarbesitzes der Troßschen Konkursmasse erfahren wir, daß OrtsgerichtSmann Leo die von ihm erstandenen Geländeslücke ebenfalls an Kalkverlbesitzer Haas abgetreten hat Tiefer hat als Beauftragter eines Teils der Gläubiger gehandelt, die eine Gelände Verwertungs-Geuoiienschast für die Troß­schen Immobilien zu bilden beabsichtigen. Man hofft durch eine zweckmäßige Verwertung des Hauses und der Grund­stücke eine Mehreinnahme zu erzielen, wodurch der erlittene Schaden hcrabgemindert werden soll.

** C e f t e n 11, cf) c Biicherhall». Int 931 ä r s wurden 2597 Bände a»sgellehen. Davon komme» auk: Erzählende Literatur 1385, ZcitschriUen 401, Jugendschrikien 233, Literatur­geschichte 5, Gedichte und Dramen 44. Länder- und Völter- tnnde 94, Kulturgeschichte 38, Geschichte und Biograplue» Ilä, Kunst­geschichte 14, Natntwissenschail und Technologie 117, Heer- und Seewesen 22, Hans-nd Laiidnnnichali 38, lNeiundbeitslehre 27, Religio» und Philosophie 35, Slaateivisientchakt 19, Sprachwissen- ichalt 9, FiemdsprachtichcS 21 Bände. Nach auswärts kamen 59 Bände.

** Briefumschläge für den Postscheckverkehr. Oiach dem neuen Postscheckgesey unterliegen vom 1. Juli ab die Briefe der Kontoinhaber an dir Postscheckämter allgemein der bil­ligen Lrlstaxe von 5 Pi., toeiut die Kontoinhaber dabei van der Postverwatlung vorgeschriebenc Brieiumschläge benutzen. Diese be­sonderen Umschläge können von de» Postscheckämtern bezogen, aber auch von der Privatindustrie hergestellt werden, wenn sie in der Große, Farbe und Stärke des Papiers sowie im Vordrucke mit den amtlichen genau übereinskrmmen. Für die Kontoinhaber, die nicht am Orte de» Postscheckamts wohnen uno die gegenwärtig Brief­umschläge mit der vorgedruckten Adresse des Postscheckamts bc- nutzcn, emviiehlt es sich deshalb, den Bedarf an diesen Umschlägen nur noch bis Ende Juni zu bemessen. Tic Postverwaltung wird demnächst das Muster sür den vom 1. Juli ab zu benutzenden Briefumschlag bekannt geben. Muiterbriciumichtäge können dann von den Postscheckämtern kostenfrei bezogen werden.

Kreis Büdingen.

Gettenau, 5. April. Heule wurde hier unter sehr großer Beteiligung unser Altbürgeruwister Georg Karl Mobs beerdigt. Nachdem er viele Jabre das 9lmt eines Beigeordnete» innferer emeinde bekleidet hatte, wurde der Verstorbene 1892 als Bürger­meister geivählt und trat 1910 'reiiviltig von diesem Posten wieder zurück. Bis zu leinen, Tode war er Mital ed des Kreisaiisschusses und Kreistags des Kreises Büdingen und des Aussichtsrats der BezwkSiparkaije Nidda. Der Orlsgeistlicho, Piarrcr H e i i, If e, so­wie Geh. Regierungsrat Boeckman» von Biidinie», BezirkSiparkasie- rechner Ringsbansen auS Nidda und Bürgsrineistcr Ltoll vo» hier schilderten die große,! Perdiensle des tn> 71. Lebensjahre unerwartet verschiedenen »nd widmeten ihm ehrenvolle Nachrufe.

Kreis Friedbcrg.

lFn einem Teil der Auflage ioiedcrholt.)

O Fricdberg, 5. Avril Am Grotzh. Lehrerseminar lvirktcn nach dein Jahresbericht IUI abgclausenen Schuljahre außer dem Direktor 13 ordentliche Lehrkrälte, 3 außerordentliche und ein Hilfslehrer. Tie Schülerzahl betrag am Anfang des Schul­jahres 181 und am Ende 175. Unter der Gesamtzahl waren nach der Konfession 164 evang., 17 kath., nach der Heimat aus Obcrhcssen 139, aus Starkeuburq 27,. aus Rheinhessen 8 und ans anderen deutschen Staaten 7. Lchrecssökme waren dar­unter 10. Ihre Vorbereitung halten erhalten in Vvrjeminaren 128, von Voltstchicklehrern 4. in Gymnasien 10, in Realschulen 38 und in anderen Lchranstallen t. Von einem schweren Verluste luurde das Seminar betroffen durch den Tod seines Direktors Tr. Hermann Schäfer, dessen Leitung >eit Ostern 1903 die Anstalt eine ersreuliche und fortschreitende Entwicklung zu danken hat. Als Nachfolger ist bereits Direktor Tr. Karg vom Alzener Lehrerseminar ernannt worden. Im neuen Sckuliahr, das am 28. April beginnt, wird niit dem Seminar eine besondere Uebungsschule rerbunden. wie ioiche in Preußen schon lauge bestehen und in Hessen am Bcnshermer Ernst-Ludwig-Seminar eine solche vor zwei Jahren zueist eingerichtet worden ist Das Seminar in Alzey ioar in 1913 l t von 162 Schülern besucht.

8 Bad-Nauheim. 4. April. Tie Stadtschule ivurde inr abgelausencn Schuljahr von etwa 730 Schülern besucht, denen

üamals den Schuß selber beigebracht habe und daß seine Er­zählung erfunden gewesen sei. Aus welchem Grunde sich der Soldat die Verletzung bcibrachle, konnte noch nicht fcstgcstellt werden.

19 ordentliche Lehrkräfte ,15 Lehrer und 4 Lehrerinnen Unter licht erteilten. Tie Durchschiff: tsUassenstärke beträgt demnach rund 38, eine Ziffer, die im Vergleich zu den meisten anderen hessi­schen Orten reckt aülistig ist. Entlaisen wurden aus der Stadtschule heule nahezu 80 Knaben und Mädchen. Mit der Konfirman­den e ii t l a s s u n g war eine größere öffentliche Schulfeier verbunden.

L. B a d - N a u h e i in , 5. April. In hiesigen maßgebenden Kreisen wie auch bei Landtagsabgcordnelen ist man der Ansicht, daß sür ein internationales Weltbad wie Bad-Nauheim die hie­sigen Theaterverh alt nisse nicht mehr rassend sind. Tas gut geleitete Gr. Kurtheater bcdari eines eigenen Theater - gebäudes und nickt eines Saales, !vie er schon vor 10 Jahren benutzt worden. Auch müßte tue Terrasse erweitert werden.

Hessen Nassiiu. ss Marburg, 5. April. In dem dis aus den letzte» Platz besetzten großen Stadtsaalc sand am Freitag ein von den Handlungsgehilfen-Vcrbänden, dem Fortbildungsver- ein, dem Evangelischen Bund, dem Deutsch-Evangelischen Frauenbund, dem Verein Frauenbildnng Franenstudium, dem Verein Frauenstimmrecht, dem Vaterländischen Frauen­verein, dem In»gdentschlandbii»; , dem Wandervogel- und deutschen Techniker-Verband einberufene Versammlung we­gen der Frage der Sonntagsruhe ini Handels- ge werbe statt. Die Redner der Handlungsgehilfen, die Herren Geßncr und Schelltn, kritisierten den diesbezüg­lichen Gesetzentwurf, wie er jetzt dem Reichstage vorlicgt und das Verhalten der Abgeordneten. Auch die anderen Redner, die Herren Buchhändler Sonnenschein, Prof. Troni mershansen, Hauptman» o. 2. Schimpfs, Pros Rade, Lehrer a. T. Jreudenstein und Kaufmann Eukcr, träten warm für entschiedene Sonntagsruhe im Handelsgewerüe ein. Eine diesbezügliche Entschließung, in der auch das Publikum ge­beten wurde, Sonntags die Geschäfte, die jetzt noch in Marburg fünf Stunden geöffnet sein dürfen, zu meiden, sand einstimmige Annahme. Die Versammlung war aus allen Kreisen unserer Einwohnerschaft stark besucht.

,h. Hettershcrm, 6. April. Auf dem Wege nach Franfurt geriet in der Sonntagnacht ein Hanauer Automo­bil in der Rühe unseres Ortes in Brand. Der sehr wertvolle Kraftwagen wurde bis auf das Eisengerippc vernichtet.

h. H ö ch st a. M., 6. April. In den Farbwerken trugen sich am Samstag schwere V e r g i s t n n g s f ä l l e zu. Trotz der sorgfältigsten Sichcrheitsmaßrcgeln strömten in der Ab­teilung sür Hydrosulfit giftige Gase aus, durch welche die tu dem Raum befindlichen Chemiker Dr. Mombergcr, Tr. Zahn und Tr. Stock, sowie die Aufseher Bläß er und Gramm bewußtlos wurden. Alle fünf Personen muß­ten sofort dem .Krankenhause zugeführt werden, wo es ge­lang, sie dem Leben zurückzurusen.

h. Ob erursel, 6. April. Zwischen der Hohenmark und der Stadt fuhr- heute vormittag ein Wagen der elek­trischen Straßenbahn in ein Lastfuhrwerk. Hierbei nmrden zwei Pferde auf der Stelle getötet. Der Straßenbahnwagen erlitt schwere Beschädigungen. Die Schuld soll den Wagen­führer treffen.

Vereinsnachrichten.

k. Butzbach, 5. April. (Gestern abend hielt der Krieger- vcrein im Hessischen Hof seine Monatsversammlung ab. Nach Schluß des geschäftlichen Teiles hielt Kamerad Postschaffner Mohr von Gießen einen sehr interessanten Borlrag über seine eigenen Erlebnisse bei den Kämpfen der Südabteilung im Hottenlotten- icldzug 19041907. Ter Vortragende erntete reichen Beifall. Ta er vcrsvrochcn, im hiesigen Verein noch einen zweiten Bortrag über seine weiteren Erlebnisse in Afrika zu halte», so dürfte cs sich empfehlen, daß die Mitglieder diese Versammlung recht zahl­reich besuchen.

vermischte».

* Vorgeblicher Uebersall. Aus Kolmar i. Elf., 4. April, wird gemeldet: Am 2. Februar d. I. war ein Re­krut des hiesigen Tragonerregimenls ins Lazarett gebracht worden, weil ihm, wie er erzählte, in einer ziemlich unbeleb- len Straße, von einem Unbekannten, der Dialekt gesprochen habe, mit einem Revolver in die linke Hand geschossen worden war. Der Vorfall, der damals nicht aufgeklärt werden konnte, ist in auswärtigen Blättern vielfach kommentiert worden. Jetzt hat der Soldat, ein Rheinländer, gestanden, daß er sich

* Eisenbahnunglück. Aus Bremen, 6 April, wird amtlich gemeldet: Gestern abend gegen 11 llhr fuhr der von Cuxhaven kommende Perjoncnzug 915 bei der Aus­fahrt aus dem Bahnhof Lehe infolge unrichtiger Weichen- ftcllung in ein sasiches Gleis und überrannte den am Ende stehenden Prellbock Die Lokomotive stürzte mit mehreren Wagen die Dammböschung hinab. Ter Lokomotivführer und der .Heizer wurden getötet. Reisende sind nicht verletzt worden.

* Tic Telephonpo st karte. Tic amerikanische Post- verwaltung hat kürzlich eine interessante neue Form der Postkarte cingesühri. Hierbei wird nämlich in der Ausschrift nicht nur der Name des ?lmvsängers, sondern auch seine Telcvbonnllinmer ange­geben Sobald diese Karte am Bestimmungsorte eingegangen ist, wird sic alsbald auf telephonischem Wege den, Empfänger zur Vor­lesung gcbrackft, um ihm dam, aus dem gewöhnlichen Wege im Ori­ginale .ugeftellt zu werden. Tiefe neuen Telcphonpostkartcn sind mit einer eigenen Marke im Werte von ungefähr 20 Ps. versehen.

* Gin Stieselmuse u m. In der alten schweizerischen Stad: Arbo II am Bodensee verstarb kürzlich ein Notar immens Santer, der eine Sammlung hinierließ, zu der es ein oeitenftück wot)l_ noch niemals gegeben hat. Ter Mann sammelte nämlich Stiesel, und hatte mit der Zeit ein ganzes Sriefelmuseum zu- sammengcbracht, welches nicht weniger als 7000 Paare Stiesel und Schuhe von allen Formen, von den verschiedensten Völkern und aus den verschiedensten Zeiten umfaßte. Dieses Museum aber ließ der wunderliche Mann, wie berichtet wird, niemanden, nicht ein mal seine eigene Frau sehen, und erst »ach seinem Tode wurde die Sammlung zugänglich. Sie soll angeblich aus einen Wert von etwa 25000 Mk. geschätzt worden sein.

"VondemUnglückderRobbensäger. Aus 5 t John, 5. April, wird gemeldet: Ter RobbensängerErik" ist heilte mitlug hier eingetroffcn und berichtet, daß er von dem DumpferSouthern Croß", der früherTerranooa" hieß und der Ernest Shackletous Expeditionsschiff war, nichts gesehen und nichts gehört habe. Ter Kapitän desErik" erzählte, daß die DampferErik"" undSouthern Croß" um Donnerstag vor acht Tagen auf der Reise waren und daß an diesem Tage dieSouthern Croß" die .Heimreise antrat. Sie hotte 17 000 Robben an Bord und so tief ge­laden, daß sie einen Teil der Vorräte und ihre Kohlen auf Teck bringen mußte. Ein zweiter Robbenfänger, der heute nachmittag hier eintraf, hatSouthern Croß" am Freitag vor acht Tagen auf der Heimreise gesichtet. Mau hat jetzt dieSouthern Croß" mit ihrer Besatzung von 175 Mann als verloren aufgegeben. Ein alter Kapitän äußerte sich über den vermißten DampferSouthern Croß", eine Fracht von Robbensctt und Robbenpelzen würde in einem Sturme wie lose Melasse sich verhalten. Nichts könnte schlimmer sein, denn bei jedem Ruck würde die Fracht verschoben ivcrden und es sei fast sicher, daß dadurch die Seiten des Schiffes aufgerissen würden, wodurch cs wie ein Stück Blei sinken müsse.

* Wer zur See fahren will und keine Kenntnis über Anstellung auf Schiffen, Dienstverhältnisse usw. hat, sollte sich unter keinen Umständen durch unverantwortliche Ratgeber verleiten lassen, Geld zu senden oder sich mit Stcl- lcnvermittlern einlassen. Für die Austeilung auf Seeschiffen gibt es für alle Kategorien der Besatzung nur eine Möglich­keit, und das ist die Annahme bei persönlicher Vorstellung durch die Heuerbureaus der Reedereien: nur Schiffsjungen werden vom Schulschiff-Verein Bremen, vom Verein See­fahrt in Hamburg oder von den großen Segclschiffrcedereicn direkt eingestellt. Jede andere 'Art von Stellenvermittlung sollten Unerfahrene meiden upd sich im Zweifelsfaltc ver­trauensvoll an die Deutsche Schiffs-Austunftstetle in Ham­burg wenden, die zwar keine Stellen vermittelt, aber unent­geltlich alle bezüglichen Anfragen beantwortet.

Kpröde Häuf wird rammet welch

zart, rosig bei täglicher Waschung mit der unvergleichlichen

II V r r K lt ! i nK i l'u die sich durch ihren Gehalt r ntHinseilt! all e0 [ em Mvrrholin mit

feinen antisevt., beitenden, neubildenden Eiaenschasien ieit sait

20 Fahre» als einzigartige Toilette-Gesundheffsieife bewahrte. ,b

Ibsens w twe f.

Es war in Ibsens Bergcnser Zeit und der Ruhm des inngen Dichters begann sich auszubreilc» Als im Jahre 1855 die Erst aussithruitg vonFrau Inger ans Oestro!" statffand, befand sich unter den Zuschauern auch eine begeisterte Bewunberin des Dich­ters. Es war Fräulein Susanne Thoresen. die Tochter des hoch- angesehene» Probstcs Thoresen an der Kreuzkirche zu Bergen. .Schon lange bewunderte Fräulein Susanne Thoresen insgeheim Ibsen und sein dichterisches Schasicu. Er kani oit in das Haus ibrcr Elter», wo die Stiestnutler, Magdalene Thoresen, die fes­selnde Wirtin spielte. Als Frau Ibsen, das damalige Fräulein Thoresen, ihm »ach dem Tee ihre KonivliMiNttc zu dem Stück machte, »nd ihm auoerlraute, wie hinqeriuen sie war, erwiderte der junge verliebte Dichter galant: ,Jn Ihnen, Fräulein^Tho- rescn, ist Stoff sowohl zu einer Frau Inger störe zu einer Jline" iden beiden weiblichen Hauptnguren des Tlückese In dieser Periode übersandte Ibsen dem Fräulein Thoresen, wie Paulien meint, scincii vcrsinziertcn Freiersbrics, der s» ichlicßt:

Du fungeS, träumendes Rächcl,

Acki, würd' ich mit Dir vertrant:

Ach, dürft' ich kühn Tick: erwählen Zu meiner Gedanken Brant."^

Die Ehe zwiichen Ibsen und Sm'anne Thoresen gestattete sich merkwürdig und glücklich zugleich. Tas Zniammenleben mit sei­ner Frau eröffnet«: ihm neue Gesichtspunkte der Franenfragc gegen­über. Seine Gattin Ivar so ganz anders, als die Finnen seiner eigenen Familie: sie glich mehr hcn starken Heldinnen seiner Tich- terphantasic. sie schloß sich dem HsörSis-Tyvns an und konnte mit ihrer WillenSkrast und ihrem starken Gefühlsleben wie eine Figur der Sage wirken, lieber seine Ehe mit ihr hat sich Ibsen selbst einmal geäußert:Erst nachdem ich mich verheiratet hatte, bekam mein Leben einen gewichtigeren Indalt Die erste Frucht war ein längeres Gedicht:Au, den Höhen". Ter Freiheitsdrang, der dieses Gedicht durchzieht, kam jedoch erst in derKomödie der »iebe" zimi vollen Ausbruch. Dieses Buch veranlaßte in 9!or< wegen viel Gerede: nran zog meine verl'önlichen Verhältnisse in die Diskussion, und ich verlor sehr in der öffentlichen Meinung. Die einzige, die pimals das Buch billigte, war meine Frau. Sic ist ein Charakter, wie ich ihn just brauche, unlogisch, aber

von starkem poetischen Instinkt, hoher Tciiknngsart, säst gewalt­tätig in ihrem Hatz aus alle kleinlichen Rücksichten." Fernstehende konnten freilich, wenn sie das Jbsenschc Ehepaar in seiner Häus­lichkeit kennen lernten, nicht immer sehen, daß Ibsen wirklich die Frau gefunden hatte, die er brauchte. So war eines Abends eine Dänin bei Ibsen zu Gast, und den ganzen Abend über stritt Ibsen tatit seiner Frau über den Wert eines ncuerschieneiicn Buches. Ibsen behauptete, es sei gut, seine Frau fand es schlecht, und als Ibsen im Eifer der Tiskussion aus^daS größere Wissen pochte, das er als aiädcmisch gebildeter Mann besitze, crwidette Frau Ibsen ruhig, mit ihrem Fächer spielend, datz der Instinkt einer Frau ihr mehr sage, als dem Manne alles Wissen.Herr Gott, die Beiden können doch unmöglich glücklich miteinander sein" in diese Worte faßte die Dänin Paulien gegenüber ihr Urteil über das Ehepaar Ibsen zusammen. Paulseil aber erwiderte lachend: Verstehen Lie denn nicht, daß Ibsen und seine Frau wie zwei gute, geistvolle Kameraden miteinander stteiten und datz eine solche Szene, wie wir sic heut abend erlebt haben, in. keiner Weite ihr tieferes, seelisches Verhättms zueinander berührt? . . . Wür­den Sie lieber an der Stelle dieser selbständigen Frau Ibsen, die ihrem Manne die Wahrheit sagt und deren Charoktergrötze wir doch bewundern, eine gewöhnliche Nachbeterin sehen?"

An Reibungen l«it es also in dieser Dichterehe nicht gcsehlr. Besonders empfindlich war Ibsen, auch seiner Frau gegenüber, in allem, Ivos lein dichterisches Schassen anging. Von seinen wer­benden Werken verriet cr kein Sterbenswörtckfen. Einmal machte sich nun Frau Ibsen mit ihm einen Svatz: er hatte ein Stück Papier verloren, aus dem die drei Worte standen: ,,. . . der Doktor sagt:". Dies Blättchen fiel ihr in die Hände, und sic fragte ihren Gatten mm. was denn dieser Doktor sür eine Figur in seinem neuen Stücke sei. Ibsen war zuerst sprachlos, dann aber über­schüttete er seine Frau mit Vorwürfen, weil er in seinem eigenen .vauie nicht mehr iicker sei, locil cr mit Spionen umgeben werde! Alle seine Emwürse seien nun zerstört, seine Pläne ver­wirrt! Sie bringe ihn um seine Stille, die er zum Schaffen brauche, um das ruhige Wachsen und Gedeihen seiner Werke. Erst als Frau Ibsen cingestand, daß sic nur die drei Worte ans dem Blatte Papier gelesen habe, beruhigte sich der Dichter. Frau Snianne verstand es aber im ganzen trefflich, ihren Mann zu inehmen und auch seine Schrullen schonend zu behandeln. Zu die-

>en gehörte auch seine tiefwurzcliide Ansicht, keine Frau könne einen .Knopf so annähen, daß er wirklich halte Ihien zog aus dieser Meinung seine Folgerungen, und wenn ihm e», Knom ab­gerissen war, schloß er sich nach umständlichen Vorbereitungen in seilt Zimmer ein und nähte ihn wieder au. Ein solcher, von ihm selbst angcnabler Knovs mußte dann, io glaubte er, iür alle Ewig feit halten. Tatsächlich hielten die Knöpfe auch gut, allein das lag daran, daß Frau Ibsen heimlich das Nadelwerk ihres Gatten, das nie ganz zu Ende geführt war, nachbesserte!

Tie Quintessenz des tiefen Glückes, das Ibsen in der Ehe mit Susanne Thoresen gefunden hat, findet sich Ivohi in emem seiner Gedichte niedergelegt, das aus Ibsens 9lachlaß oeröffcnt- licht Ivvrdeii ist. Fremden gegenüber, auch seinen Freunden gegen­über, sprach Ibsen fast nie von den Verdiensten seiner Frau: in diesem Gedichl aber bat er in Worte gefaßt, was sie ihm be­deutete. Es lautet in der deutschen, 'S. Fislherschen Ausgabe:

Ich träumt', ich läg' in der Truhe Tie man im Grabe barg:

Zur letzten irdischen Ruhe Warf Erde man auf den Sarg.

Ter Segen des Priesters weihte Ten Toten, ein Psalm klang laut;'

Dann schieb das Trauergeleite,

Und alles war fest verstmit.

Doch ich lag, einsam verschlossen,

Lebendig begraben hier:

Ich betete: strömend entflossen Die heißen Tränen mir.

Da warf ich mein Lluge beklommen Auf Dich, Du Einzige Du.

Du hattest alles vernommen Und lächeltest kindlich mir zu.

Da iüblt ich das Tunkel iveichcn.

Da strömte sonnendurchglüht Ein Tonguell aus Teinem reichen.

Blühenden Kindergemüt.