Nr. 81
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erscheint täglich, sicher Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich
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Erster Blatt
<64. Jahrgang
Montag, b. April M4
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
RotationsfcnKf nnö Verlag der Sröhl'schen Univ.-Buch- und Steindriickerei «. Lange, vedaftion, Lrpedition und Druckerei: Schulstratze 7. An^-ig-m-.t- H? B°L
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Dar ttaiserpaar im Achilleion.
Boi, einem gelegentlichen Mitarbeiter wird uns geschrieben .
Tie Anwesenheit dcS deutschen KaiserpaareS und der griechischen Königsfmnikic aus der Phäakcninscl bringt neues, buntbewegtes Leben und Trerbcn in das jahrüber recht still und verlassen daliegendc Achillcioit. Für den Kaiser ist im unteren Stockwerk des Schlosses wieder alles iia.cht seiner Bcauemlichkeit und Gewohnheit hergerichtet, nvährend die Gemächer der Kaiserin ini oberen Stockwerk blitzen und blinken, dast jede Hanssrau ihre Freude daran hätte. Tie politiscize Saison, die unruhige Weltlage, die Balkansorgen, die Stöße von Akten und Berge von Telegramme» lassen den Kaiser noch nicht zum rechten Lster- nrlaub komme». Stundenlang liest und diktiert der Monarch in seinen, Arbeitszimmer, das recht cinsach und nüchtern aussieht und nicht viel mehr enthält, als bei, Schreibtisch und ein Schreibpult mit einem Reitschc- niel; nur steht auf dem Tische als Schmuck ein antiker Silbcrleuchter, der von der Kaiserin Elisabeth stammt Durch eine Fliigeltüre gelangt man aus die sog. Zentauren tcrrassc und genießt den herrlichen Blick aus den Berg Kchriakc. Wen» morgens die Sonne scheint, läßt sich der 'Kaiser einen Teppich aus die Terrasse legen, um dort zu arbeiten. Von den Räumen des Kaisers gelangt man zu denen der Kaiserin direkt ans einer Treppe, die unter Durchbrechung der Teckc zwischen dem ersten und zweiten Stockwerk geschaffen ist, um den Umweg über die Haupttreppe zu ersparen. In den Gemächern der Kaiserin sind fast alle Möbel hell gehalten. Weiß und gold herrsch! vor. Der Empirestil fiigt sich angenehm der Pom pejanischen Ausstattung an, die man in pietätvoller Weise aus der Architektur der „clisabethanischen Zeit" übernom men hat. Auch der reiche Wand- und Deckenschmnck ist ja erhalten geblieben. Der Elou des zweiten Stockes ist immer noch das Badezimmer der Kaiserin Elisabeth, obwohl daran säst nichts geändert wurde. Die spiegelglatten Marmor- flächcn der Wände und des Fußbodens, die schönen Rym- phenfiguren, der gemeißelte Baldachin über der mnschcl artigen Wanne, dessen schtvere Falten mächtige Adler in Schnäbeln und Fängen halten, strahlen das toarinc, rosige Licht wider, das von versteckten Glühlampen über die weiße Pracht geworfen wird. Es ist schade, daß dieser Raum auch bei Abwesenheit der Schloßherrschaft keinem »Auge mehr gezeigt ivird. Zu den Räumen der Kaiserin zählt übrigens auch, obwohl nicht oben gelegen, die H a us ka pelle. Sie liegt rechts vom Eingänge des Schlosses und ist ebenfalls aus den Zeiten der Kaiserin Elisabeth unverändert erhalten. Turch ein hohes, buntes Glasfcnstcr fällt gedämpftes Licht in den Raum, wo über den, zierlichen Altar ein wundervolles Gemälde, die Ma doiiua Stelle dcl Märe, den Hintergrund der Nische aus- süllt. Drei einfache Betschemel stellen vor dem Altar. Täglich wurde seinerzeit hier für die Kaiserin von Oesterreich, ihre Hofdame und den diensttuenden Kavalier die Messe gelesen. Tie einige Lampe, deren Licht leise ausflackernd in de», roten Glase zuckt, verlöscht auch nicht unter der
jetzigen protestantischen Schloßherrschast, und die Pietätvolle Erhaltung dieses Lichtchens crsckzcint dem Besucher wie ein stiller, versöhnender Protest gegen die letzte Kaiser briefliche, die dem evangelischen Kaiser des Deutschen Reiches antikatholischc Empfindungen andichten wollte.
Seine Gäste empfängt das .Kaiserpaar meist im .«Atrium", das man als die Diele des Kaiserschlosses bezeichnen könnte. Ter Fußboden dieses Raumes ist bedeckt von einem riesigen Velourteppich in grauenr pompejani-- schein Flicßmuster. Auf dein großen runden Tisch in der Mitte steht ein massiver Armleuchter, eine Kopie des vom König Jerome herrührenden Originals auf Schloß Wil- helmshöhc. Man sitzt und plaudert in weißen, mit gelber Seide bezogenen Korbsesseln, die von den Blinden der Anstalt zu Königswusterhausen geflochten sind. Jäl Hintergründe des Atriums ragt das marmorne Treppenhaus auf, mit Rischen zu beiden Seiten, die durch Vorhänge abgeschlossen ivcrden können und als Spielräume eingerichtet sind. Rach rechts gelaugt man dann zu der genannten Schloßtapclle, links geht der Weg durch einen kleinen Vor- raum in den Speisesaal, dessen eigenartige Beleuchtung in modernster Weise durch Röhrenlampcu erfolgt, die unsichtbar oberhalb des Gesimses angebracht sind, lvährcnd an die Zeit Elisabeths noch die Bronze Amoretten mit ihren lichtspcndcndeu Glaskugeln erinnern.
Trotz der mancherlei Pflichten und Arbeiten hat der Kaiser seine Frühlingsspaziergänge bereits ausgenommen. In hellgrauem Jackettanzug und glerchsarbigem weichen Hut durchwandelt er den Schloßpark und seine Anlagen. Gelegentlich führt ihn sei» Fuß hinüber nach Gasturi, dem Vorhof des Kaiserschlosses, dem malerischsten Torf der Insel. Oliven und Platanen, Zypressen und Steineichen stehen mitten im Dorf an der Straße und üppiges Gesträuch von Rosen, Myrthcn, Orangen, Oleandern und Granaten ragt über Mauern und Hecken. Bei solchem Spaziergang zeigt sich der Kaiser besonders freundlich und leutselig gegen die Landbevölkerung, läßt kleine Schmucksachau an die Frauen und Kinder verteilen, und freut sich außerordentlich, wenn seine griechischen Anreden au die Männer verstanden tverden. Wie bürgerliche Urlauber im Ausland, ungezwungen und unbclästigt verbringt das deutsche Kaiserpaar diesmal wieder herrliche Osterferien auf Ko rin.
Achilleion, 5. April. Das K a i s c r p a a r nahm heute vormittag an dem Gottesdienst in der Schloßkapelle teil, den der Militäroberpsarrcr G o e u s abhielt, und empfing später den Besuch des griechischen Kronprinzen. Rachmiltags unternahm das Kaiserpaar eine Automobilfahrt nach Peleka.
Der Aufstand in Lpirus.
Aus A t h e n vom 4. April lvird gemeldet: Wie heute mittag amtlich mitgeteilt wird, ist Koritza von den aufständischen Epirotcn eingenommen worden.
Turazzo, 4. April. Rach den ernsten Nachrichten aus Koritza berief der Fürst gestern abend einen M- nisterrat ein, in dein er seine Absicht äußerte, an der Spitze der Truppen abzureiscn. Nach einer sehr langen Beratung entschied sich der Ministerrat für die allgemein e M o b i l m a ch u n g. Ter holländische Befehlshaber meldet Schandtaten griechischer Offiziere. Der holländische Befehlshaber in Koritza hat Beweise in der
»and, daß die Bewegung in Epirus von dein griechischen Metropoliten und griechischen Offizieren unterstützt wird.
Balona ^»4. April. Laut hier eingetroffenen amtlichen Meldungen haben sich ain l. April nachts griechische Banden in Koritza cinacschlichen und versuchten, am 2. April srüh die albanischen Behörden zu überrumpeln. Ter Anschlag mißlang. Die albanischen Gendarmen bc hanptetc» sich in der Stadt. Bei den Straßenkämpsen wurde ein holländischer Major verwundet. General T e - v c c r zog Verstärkungen heran, worauf die Aufständischen außerhalb der Stadt die weiße Fahne hißten. Tic Bevölkerung der Stadt wurde entwajsnct.
Die Agencc d' Athenes meldet aus privater Quelle: Koritza ist in die Hände der Epirotcn gcfcil- l c n. Der Kampf gegen die Stadt begann ani Mittwoch uni Mitternacht. TonnerSiag mittag ivnrdc Koritza nach hef- tigcm Kampfe von den Aufständischen eiligenonrnien. Wie verlautet, sind die Verluste auf beiden Seiten beträchtlich. Ein holländischer Offizier wurde verwundet. Auch die albanesischcn Ortschaften Verliani und Tschipana haben sich ergeben. Der albanische Major Einin Reschid versuchte mit Gendarmen und anderen Irregulären Hot- chista anzugreifcn, wurde aber geschlagen und mit den Gendarmen gefangen.
Die ,,Albanische Korrespondenz" meldet aus T u • razzo: Die Nachrichten aus Epirus baden hier große Erregung hervorgerusen, da die griechischen Banden einen regelrechten Vernichtungskrieg gegen das albanische Element in Epirus führen sollen. Der Ministerrat war ani Freitag den ganzen Tag versammelt. Ter Kommandant der Gendarmerie, General de Beer, ist hier eingetroffen. Oberst Thomson ist gegenwärtig bettlägerig krank.
Eine serbische Erklärung.
Belgrad, 4. April. Ini Laufe der heutigen Budget- bcratung der Sknpschtina erklärte der Kriegsminister, daß die s c r b i s ch e A r m e e v o l l k o m ni e n g e r ü st c t sei, um etwaigen 'Angriffen auf serbisches Gebiet im Frühjahre entgegcntretcn zu können. Der Stand der serbischen Armee bczisjcre sich gegenwärtig auf 4L 000 Mann.
Dnrazzv, 5. April. Aus dem nördlichen Epirus sind von albanischen Regicrungsbeamten Telegramme eingelou fcn, die besagen, daß die albanische Gendarmerie nicht mehr nur Komitatschis, sondern auch aus regulärengriechi- sch en Truppen zusammengesetzten Banden gegenüber st ehe. Bon seiten der Aufständischen würden Geschütze und Mitraillcuscn, verwendet, die griechische Artilleristen bedienten. Da die Aufständischen von griechischer Seite fortwährend Verstärkungen erhielten, wag ten sie sich, immer mutiger werdend, nunmehr an größere Plätze, welche die Gendarmerie nur noch mit größter Mühe halten könnte.
Die Vorbereitungen für die Mobilmachung sind bereits im Gange. Fürst Wilhelm erhielt zahlreiche Depeichcn, in denen die Bevölkerung ihre Entrüstung über die Vorgänge in Epirus ausspricht und sich ihm zur Per fügung stellt.
Kictzencr Stadttheatcr.
Ter Hüttciibesitzcr.
Schauspiel von Georges O h n c t.
Gießen, 6. April.
Mit einer guten Aussührung von Georg Ohnets Hütten- be sitzer schloß unser Stadttheater gestern abend die dicswintcr lichc Sviclzeit, die 7. im neuen Haufe, und wenn mau nun rückschauend das viele Schöne noch einmal überdenkt, das geboten -wurde, dann wird man gern zuqcstchcu, daß redlich und ileißig gearbeitet und Ersprießliches geleistet worden ist. Das Pcrional hat sich tadellos eingespielt und einzelne Mitglieder baden überraschende Fortschritte gemacht, ein Beweis dasiir, daß ein guter Geist herrschte, und wohl auch eine Bürgschait dasür, daß es weiterhin in auisteigender Linie vorwärts gehen lvird. Das ließ schon allein der Ernst erkenne», mit dem auch an der letzte» Ausführung gearbeitet Ivorden lvar, die Herr Dworkowski leitete. Herr .Hocke r als Hüttenbesitzer erschien ansangs etivas derb, cniwickcltc sich aber im Lause des Abends sehr schön und iand namentlich ini 2. Auszug viel Anklang. Frl. Stettncr gab als Elairc wiederum eine schöne Probe ihres Talentes und schuf eine reizende erschütternde Fraugcstalt. Frl. F r c n z c l war eine Ivarmherzigc Marauisc, Herr T t c i nh o s cr als Octavc ein lieber, netter Junge. Herr B o l ck svielle wie schon vor Jahren den Baron Preiont mit einem prächtigen Stich ins Komische. Frl. Martini war seine herzige, kleine, kluge Frau. Frl. T a g n n gab ein Ivunderliebcs Susannchen. Als .Herzog von Bligny ließ .Herr Rotteck wieder all seine Künste aufs glücklichste spielen. Einen Emporkömntling vom reinsten Wasser spielte Herr Goll als Moulinet. Frau Sonntag-Blume war eine Icbensiprühcnde ÄthenaiEinen würdigen Notar gab .Herr Schubert, einen tüchtigen Gobcrt Herr G r o sscr-Brau n.
Stuttgarter Ausstellung 1014 öes Verbandes der ttunftfreunde in den Ländern am Rhein.
Eine große Kunstausstellung in Stuttgart 1914 wird von dem Verband der Kunstfreunde in den Ländern anr Rhein in der Zeit vom 31 Mai bis zum 15. Oktober veranstaltet werden, wie wird t Gruvven umiassen, nämlich eine Württembergriche wonderaus- üelluna unter eigener Jury der Stuttgarter Kunstkommission Und eine Ansstcllnnq der übrigen Verbanbsgcbietc nach Lands,nann- lwaiten geordnet. Mir der Ausstellung wird ein Preiswett- b-werb verbünde,, sein, für den 4 Preise von 2500, 2000, 1500 und 1000 Mark ausgcsctzt sind.
An den, Wcttbciocrb können alle Bildhauer und Maler teil- nehtncn, die in, Verbandsgcbict wohnen, sonne die rm Verbands-
gcbiet gebürtigen Bildhauer und Maler, sofern sic sich nur studienhalber außerhalb des Verbandsgebietes aushaltcu.
Es steht jebcm Künstler srei, sich um mehrere Preise zu bc- ivcrben. Tie Einlieserung der Werke hat a»t Gefahr »nd Kosten der Einsender bis zum 20. Mai d. Js. in Stuttgart (Königl. Kunstgebäude» zu erfolgen.
Das mit den, Ernst-Ludwig-Preis (2500 Mk.) gekrüiitc Wert lvird einer rhrinlänbischen Galerie gestiftet: das »nt dem zweiten Preis ausgezeichnete Werk wird Eigentum der Stadt Stuttgart.
Die nicht vreisgekränten Werke, solocit sic nicht in die Ans- stellung des Verbandes eingcrciht werden, geben an die Bewerber aus deren Kosten und Gefahr zurück.
Für Künstler aus dc,n Großherzogtum Hessen und der Rhein- psatz, die sich a» dem Wettbewerb beteiligen wollen, sind die erforderlichen Anmeldesornmlare bei Herrn Bürgermeister Mncllcr- Tarmstadt, Stadthaus, gegen Einsendung des ersordcrlichcn Postgeldcs erhältlick,.
— Zu», Tode Paul Heys cs. Ter Kaiser hat an, die Witwe Paul Heyses folgendes Telegramm gesandt: 2lchUleion, 3 April Mit der ganzen gebildeten Welt »eh,ne ich an dcor Ö,n- schciden Ihres Gatten, des Nestors der deutschen Schriststellcr und Dichter, lebhasten Anteil und spreche Ihnen zu dem schweren Verlust meine wärursic Teilnahme aus. Das reiche Lebenswerk des Verewigten sichert ihm im Herzen des deutschen Volkes cm Denkmal ehrenvollen Gedenkens. Wilhelm I. ir. — Ter Reichskanzler hat nachstehendes Telegramm gesandt: Empsangen wre. gnädige «rrau, den Ausdruck meiner aufrichtigen Tcilnahinc an dem schweren Verlust den Tie erlitten haben. Paul Heyse >mrd als Kampfer iür das Ideale und Schöne, als Meister deutscher Berskunst und als iornwollcndcter Interpret romanischer Dichtung unvergessen bleiben.
IC K Theaterstücke in Fortsetzungen. Aus London wird berichtet: Ein originelles neues Experiment wird vom 20 April an das Coliseum-Theater unternehmen. Die Direktion hat Arthur Pourchicr und Miß Violett Vanbrugh vermlichtet, um mit ihnen ein Theaterstück in Fortsetzunacn zu geben. Ter er,te Versuch wird mit dem vicraktigen Stück „F-mde me , 5 rau" unternommen. In der ersten Woche wird.allabendlicki der erste Akt qcacben, in der zweiten der zweite usw. Bemcyer der Unteren Akte, die die vorhergehenden vielleicht nicht geiehen habeu, werden durch eine Schilderung der Handlung im Programmouche in die dramatischen Voranssettungen des Stückes eingeführt, io das; sie „im Bilde" sind.
— Neber 600000 Bückcr an Volksbibliotheken verteilte die Deutsche 2 ichter-Äedächtnis-Stistung, ime. aus ihrem l Jahresbericht 1913 hervorgcht. Und zwar handelt es sich um lauter sorgsam ausgewählte, tadellos neue Werke: ne werden den > bedürftigen Büchereien ani dem Lande gegen eine geringe Ent-
schädiguna iür Postgelb und Einbandkostcn überlassen, damit auch der ärmste Sohn des Volkes zu den Meistcrtocrken der älteren und neueren Literatur Zutritt erhält. Jede Gemeinde unter 10000 Einwohnern kann sich um eine Bücheriammlung bewerbe». Diese riesige Kulturarbeit im Lause weniger Jahre war nur dadurch möglich, daß sich mehr als 9000 Mitglieder der Stiftung angc- schlossen haben, um durch ihr Schcrslcin a» der große,! Llrbcit mitzuwirten. Scholl mit 2 Mk. iäbrltch kann man Mitglied werden und zur Erhaltung „nd Verbreit,ing des Kulturschatzcs dcutschcr Tichtung beitragen. Tic Kanzlei der Stistung in Hamburg-Groß- borstel gibt über die Rechte der Mitglieder (in jedem Jahre Auswahl eines Buches) gern nähere Auskunft.
Tas Ende des Balzac-Museums. Trr 1. April ,oar sür das Balzac-Museum in der Rne Rahnouard 47, wo Balzac seine Tage beschlossen Hot, ein Unglückstag: die Besitzerin des Hauses, die achtzigiährigc Frau Barbier, selbst eine große Balzac-Schwärmerin, lßit sich genötigt gesehen, Herrn Ronanniont, der die letzte Wohnung Balzacs gemietet hat. mit Exmission J: drohe», weil er setzt zum zweitenmal die Miete schuldig geblieben ist. Nach den vorliegenden Pariser Meldungen ist es l>öck,st wahr ichcinlich, daß das Balzac-Museum nickt erholten werden kan», weil das nötige Geld nicht anszubringcn ist. Royanniont hat vor ein paar Jahren einen „Bund der Balzacbcwundcrer" gebildet, und seil 1903 bezahlt dieser Bund die Miete von 3000 Frantcn jährlich für das Balzac-Museum. Tos lzeißt, cigeutlich bezahlt er üe häusig nicht, denn cs ist nicht das erstemal, daß die Exmissionsklage hat erngcrcicht iverdcn müssen. Dieses,nal stehen die Dinge aber noch schlimmer als sonst. Tie Mitglieder de- Bundes bezablen nänilich je 12 Franken, und von diesen Beiträgen soll die Miete bezahlt werden. Ta aber Herr Rvyauinont nur 150 opicrireudige Balzacbcwundcrer Iyat auitrcilU, können, kommt die nötige Summe nicht zusammen, auch der genüge StaatSzuschu» hilft nicht vict i,„d daher l>at Herr Royaumonl seit einiger Zeit für den Besuch des Balzacmuscums ein Eintrittsgeld von einem Franken erhoben. Im vergangenen Jahre haben sich nun Iinr 80 Besucher in diesen, Balzoe-Museum eingcfunden, darunter übrigens 79 Engländer, und so weis, Herr Royaumont nicht, wie er das Museum erhalte,, soll. Tic Schaustücke, die dort zu sehen sind, sind ein alter Holz- kosser, ein Nuhbaumtisch, ein Armstuhl im Stile Ludwigs XIII., ein vaar Gipsstatuen, ein vaar Graoürcn, die Balzac d.rritcllen, ein unocrässenllichtes Balzacmanuikript, eine Korrektur Balzacs und schließlich noch einige Bücher, die Balzac behandeln. Ein Gerichtsvollzieher hat die ganze Sammlung auf 200 bis 2000 Franken geschätzt.
—■ Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Wie die „Köln. Ztg." meldet, hat die kürzlich verstorbene Frau Luise von Fastcnratb zum Besten der Kölner Blumcn- svielc eine Stistung von 100000 Mark .hintcrtassen.


