Ausgabe 
4.4.1914
 
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Nr. 80

Der «letzrnrr Sn.ietq«

erschemt täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich Oießener^amilienblatler; ,wem,al,vöchenll.r!reii- dlott für den klreizSietzen tevicnstag undFreitogl; zweimal n-onall. Land­wirt schafUich« »eitftageu l-er»iorech - Anschügje: >nr die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse Sr Depeschen: Anzeiger Mienen. Annahme von Anzeigen 'ür die Tagesnummer bis vormsttags S Uhr.

Erstes Blatt

m. Jahrgang

Samstag, 4. April W

«czugsoretl:

monatlich 75 A. viertel­jährlich Tllk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Ko Ps.; durch diePost Alk. 2.viertei- jährl. ausschl. Bestellz. Zcilcnoreis: lokallöPi^ auswärts 20 Pkenniq. Ehesredakteur: 21 Goetz. Verantwortlich iür den vvlit. Teil: 2lug. Goetz; iürFeuilleton', .Ver­mischtes' und.Gcrichts- saal": Sari Neurath; iür .Stadt und Land':

Rot<rtionsön,<f m>d Verlag -er vrühi'schen Univ.vuch- und Steindnidcrei R. Lange. Re-aktion, erpe-ition nutz Druckerei: Schulstrahe 7. Anzeigemeü:' H^BeL

General-Anzeiger sür Oberhessen

Die heutige Nummer umfaßt 24 Seiten.

DagcskalcnScr aus -cm Jahre 1814.

4. Avril: Navoleon entsagt zu Fontainebleau zu Gunsten seines Sohnes dein Thron.

politische Wochenschau

Gießen, 4. Apri!.

Nachdem die Parlamente in die Osterferien cingctreten sind, erschöpft sich die innere deutsche Politil wieder.einmal in Betrachtungen, die von Zeit zu Zeit im verzweigten deutschen Partcilebcn nun einmal an der Tagesordnung sind. Obgleich bei der Erledigung der letzten gesetzgeberischen Ar­beiten die Gegensätze im Liberalismus bei weitem nicht so stark hervorgetrcten sind als in früheren Zeiten innerer Kämpfe, so fühlt man doch, das; das deutsche politische Leben an vielfältiger innerer Zerrissenheit leidet. Innerhalb der nationallibcralen Partei, die de» innglibcralcn und den all liberalen Flügel als Anhängsel hal, sind durch Preßorganc nud Soiiderorganisationen künstliche Mcinungsverschiiitin leiten wie in einem Treibhaus gehegt und gepflegt worden: ein großer Wortstreir erfüllte die Tagcsarbcit, und meist han­delte es sich um Theorien und Prinzipien, weniger um die ivirkiichen Arbeiten des Tages. Wenn die große Slggls- Maschine eine kleine Panse machte da inerten die Rädchen der uneinigen Parteipolitiker, und tveil die alte Sehnsucht der Fortschrittspartei nach Zurückgewinnung des Natwiml- liberalismus für Ziele und Taklit des llrprogramms von 1861 noch immer unerfüllt geblieben ist, und die Preßorgane dieser Partei und der Demokratie nicht müde werden, ihre Warnungen und Ratschläge an dieBrudcrpartei" zu er­teilen, so lebten die Blätter und Parteisekretäre der Jung und Altlibcrnleii innerlmlb der Partei Baiiermanns vom Äampi mit schönen Worten. Bor zwei Fahren hat der na ttonalliberale Zcittralvorsland den jnngliberalen Reichsver- band außerhalb der Parteiorganisation gestellt, und in den letzten Meirztngcn dieses Jahres sind sich die obersten Hüter der nationallibcralen Tradition an ihrer Spitze Basser­mann selbst darüber einig geworden, daß inan versuchen solle, die beiden Sonderorganisationen ctufzulösen, damit die innere Einheil der Partei wieder erreicht werde und damit eben die sastlvken theoretischen Streitigkeiten endlich ein Ende nähmen. An der nnlionalliberalen Politik sollte, das stellt die parteiamtlicheNatiouallibcralc Korrespondenz" auch heute noch einmal ausdrücklich fest, nichts geändert lverden; die Einigung sollte lvedcr zu Gunsten eines Rutsches nach links noch nach rechts erfolgen. So handelte es sich also bei deni Beschlussc des nationalliberalen Zcntralvorüandes keineswegs um eine Parteiwcnduug von großen Folgen. Fm Innern des Parteikörpers loürdcn die Soiiderincinungrn nach wie vor bestehen und sich geltend machen: lediglich die überlaute Diskussion nach außen sollte gedämpit werden.

Das lvar nicht nach dem Willen der links von Basser- inann stehenden Parteigruppen. Die wollen solche Dis­kussionen. die seit den Januarloablen des Jahres 1877, >oo Fortschrittler und Rationallibcrale getrennt in den Wsthl-

kampi gingen, ziim Bestände des liberalen Wetteifers ge hören. Zu,,! min,ml hatte der Nationalliberalisnins im Jahre 1867 jenes Programm ausgestellt, das sich von den Prinzipien" der alten Fortschrittspartei trennte. In dem damaligen nationallibcralen Wahlausruf hieß es nämlich: Die Endziele des Liberalismus find beständige, aber seine Forderungen und Wege sind nicht abgeschlossen, und er schöpfen sich nicht in sesten Formen. Tein innerstes Wesen bcstchk darin, die Zeichen der Zeit zu beachten und ihre An spräche zu befriedigen..." Das würde auch beute Herr Bai sermanu »och unterschreiben, und daher darf einmal daran erinnert werden, daß die stürmische Befehdung seiner Partei von links her nicht etwa erst von'gestern ist, sondern daß dieselben Angrifse und Beschuldigungen schon seit länger als drei Jahrzehnten wiederkchrte». Freilich wirken die 'Argu­mente eines Engen Richter, die er in seiner Reichstagsrcde am 15 April >880 seinen nationalliberalcn Gegnern vor­hielt. heute im Munde einer etwas zügellosen demokratischen Presse bei weitem nicht mehr so nachhaltig und schlagkräftig, wie damals. Gar zu hänsig handelt es sich heule nur um demagogische Phrasen, um eine Ausartung der politischen Diskussion, die einer Einigung des Liberalismus sehr im Wege ist.

Ans dem jung liberalen Reichsverband find durch ver­schiedene Erklärungen dem nationalliberalen Zcntralvor- stand Absagen erteilt worden, und die fünf Vertreter im Borstande haben in der entscheidenden Sitzung auch gegen den erwähnten Beschluß gestimiul» Aber auch die Altnaiio- »alliberalen haben Bedenken gegen die Auflösung der beiden Soiiderorganisationen geäußert. Wir glauben denn auch nicht, daß die gegenwärtige Auseinandersetzung ein wesent­liches Ergebnis haben wird, Fmmerhin ist das Thema, so­lange ausdringliche Hetzereien nick» Oberhand gewinnen, zum Nutzen des Liberalismus crörterbar. Wir haben es auch be­grüßt, als die freisinnigen Gruppen sich zur Volkspartei znianimcnschlvüen, Fm Grunde haben die meisten Parteien einen linken und einen rechten Flügel, die Fortschrittliche Volkspartci nicht ausgeschlossen. Ta die Politik nun aber einmal aus Kompromissen besteht, so wäre es nützlich, lvenn das Ilebermaß uniruchtbarer Partcianscinandersctzung ein- gcdäniint und abgeleitet würde.

Wir begrüßen es mit Beifall, daß dieser Tage in der Gieß euer Organisation der Fort- ichriltlia-n Bollspartei von einem maßgebenden Vor standsmitglied die Nottve-.digkeit betont worden ist, man müsse aus -eine Verminderung, >vcn» nicht Beseitigung der Spannung zwisckien den leiden großen liberalen Par­teien Hinwirten. Was die Vorbedingungen in Hessen anlangt, so haben die letzten Arbeiten des Landtags im Grunde keine trennenden Momente ergeben; in entscheide» den Abstimmungen ivaren Nationatliberalc und Fortschritt ler geeint. Nun hat freilich der Abgeordnete Tr. Osann kürzlich in einer Programmrede den .zunehmenden Radi lalismus in der Fortschrittlichen Bollspartei bellagi, allein wenn inan die Motive dieses nationalliberalcn Führers genauer prüft, ,vird man feine Kainpfansage nicht so tragisch nehmen können. Gar häufig haben sich die Zpeerc der Linken aus ihn gerichtet und da ihm manche Tendenzen der Fortschrittler einer liberalin Einigung wenig förder­

lich erschienen, so hat er, vor den schweren 'Ausgaben der lammenden Landtagswatzleii, icincin Herzen einmal Lus. gemacht. Gewiß, auch der Liberalismus in Hessen hat uocki manche Klärung herbeizuführen. Taß dies nickit mit widrigen Zänkereien erstrebt wird, wollen wir hoffen. Es gilt, iich nicht in allgemeinen Redensarten ju_ verlieren, sondern gemeinsame Richtlinien aufzustcllen und die Ziele der nächsten 'Arbeiten zu bestinimen! Gemcinsami Arbeit das ist ein gutes Rezept gegen des Gedankens Blässe, und die angeborene Farbe der Entschließung wird durch friedlichen Wetteifer erweckt und entwickelt.

Nurdische Aufstände.

Konstantinopcl, 3. April. Eine amtliche Dar­stellung über Kämpfe bei Bitlis besagt: Einem Teil der 2lus rührer, die Bitlis zu besetze» versuchten, gelang es gestern abend in ein äußerstes Stadtviertel cinzudringcn und sich dvrt zu verschanzen, wurde aber von einer kleinen Truppen- abtciliing wieder hinausgeworsen, Tic Kirche, in welcher sich die 'Ausrührer verschanzt hatten, wurde durch das Ge- ichühscucr der Truppen zerstört. Heute früh begannen die Truppen den 'Angriff auf die Ausständischen, die sich auf dem Tcherishügel zusammcngezogen hatten, der schließlich von den Truppen besetzt wurde. Tie 'Aufrührer wurden gänzlich ans der Stadt vertrieben. Malta Sclini ist mit drei Begleitern in das russische Konsulat geflüchtet. Fm Inneren der Stadt sind leine Plünderungen vorge- kommen; bereits gestern sind alle Geschäfte wieder crösinel worden. Tie Mohawedaner und Christen vertrauen einander und gehen ihrer Beschäftigung nach. Bon Van sind Trup­pen eingetrossen, die die Verfolgung der 2lufstäudischen auf- genommen haben. 'Andere Verstärkungen treffen von nlleir Seite» ein, um alle, welche versuchen, die Ruhe zu stören, zu bestrafen,

K o n st a n t i n o p c l, 4, April, Die Kurdenunrnhcn haben einen sehr ernsten Charakter angenommen. Etwa 4000 Kurden belagern Bitlis, Eine Bckäinpfnng der Anistän bischen durch Militär hat ivcnig Aussicht auf Ersolg, da sich in den ostanatolischen Regimentern viele Kurden als Ossizicrc und Soldaten befinden, Tie Erregung unter den Kurden, welche die den Armeniern zngcsvrochcnen Gebiete zurückiordcrn, soll durch russische Emissäre geschürt >voo den sein,

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Deutsche» Resch.

T a s P r ä i i d i u m de s H a n f a b u n d e S besrhloß, am 10. Mai in To r t m n n d eine M i t t c l st a n d s t a g u n g abzuhaltcn.

Ausland.

T a s P r i n z c n p a a r H r i n r i ch v o n P r c u st e n besuchte am Tonnerstag in Santiago de Chile die deutschen Anstalten. Hierauf gab der deutsche Gesandte ein Frühstück, dann statteten die Fürstlichkeiten mit militärischem Gefolge dem Präsidenten einen Besuch ab. den der Präsident mit seiner Gemahlin erwiderte, Abends fand im Palais des Präsidenten ein Festbantctt statt, an dem die Minister mit

töietzener Ktadtcheater^

Liebelei.

Schauspiel von 2l r t h u r Schnitzle r.

Gießen, 4. April.

In einer wundervoll abgestimmtcn Ausführung ging gestern abend als Abschiedsvorstellung für Herrn Karl P olck Schnitzlers dreiaktigcS Sämusviet über liniere Bühne und entzückte wie bei feinem ersten Erscheinen auch diesmal die Zuschauer wieder auis innigste. Die Vorzüge und die Wirkungen des Stückes liegen nicht in einem ungewöhnlichen Vorgang, auch »ich! in einer iechnischen Meisterschaft, vielmehr in der schlichten, gesühlSstarken Schilderung der Charaktere, in der scheinbar kunstlosen Fortiührnng der Hand­lung, der ungemein iidifrcti Zustandsschilderung und dem miss glücklichste qetrosienen, bald sentimentalen, halb irivolen .Hauch des Wiener Lebens. Hier fühlt und sieht i»a» in jedem Wort den begeistert schaffenden Dichter, der mit heißem Herzen inmitten in­ner Zeit steht, ein Freund und Eckhard dei Armen, lliiglücklichen, über di- das Rad des Lebens geht, zugleich aber auch der zürnende Priester, der den Walursiun unserer hohlen pleseliichastsordnung ichari und schneidend brandmarkt.

Diese große und starke Leidenschaftlichkeit wurde durch die von Herrn Tworkowski geleitete Aufführung sehr glücklich wieder- gegebcn. Er hatte den sviit des Werkes sicher getroisen und es ausgezeichnet verstanden, die chnzelnc» Darsteller zu einer schönen, nohltuenden Einheitlichkeit zu verbinden Auch die einzelnen Lei­stungen waren durchaus erfreulich, Ten alle» Musiker midie Herr -Sold, der unserer Bühne sechs Fahre lang als gewisse,ihastes und unbedingt zuverlässiges Mitglied angehört hat und dabei der Kritik kamn jemals Veranlassung gab, mit der Anstauung und der Durchführung seiner Rolle nicht einverstanden ici» z» können. Sein von einer hohen Fntelligenz geleitetes und von einem vor­nehmen Herzen unterstütztes Talent gab in jeder Rolle einen stetigen Charakter, der immer etwas Neues, immer etwas durchaus Ursprüngliches an iich batte. Mit Freuden gedenle» wir beute da her der großen Anzahl seiner Schövinngen und honen, daß ihm ui seinem neuen Wirkungskreis in Basel ein gleich dankbares Publi­kum beickiert sein möge. Eine sehr schöne Leistung, neben dem Rautendelein vielleicht sogar die beste, die wir von ihr gesehen hoben, bot Fräulein T a g n » als Christine. Das wehe Glück und der tiefe Schmerz gelang ihr gleicherweise,Find^wcnn man etwas auszusetzcn hätte, daun wäre es mir. daß Fr!. Dagny nicht schon ilüher mit dieser Rolle hcrausgetreten ist, die ihr starkes Könne» im allerbesten Licht erscheinen ließ, 2lnch sie hat gestern Abschied von Gießen genommen, und die ungewöhnlich zahlreichen Spenden, die ihr unter starkem Boisall zuteil wurden, haben aufs beste bewiesen, wie hoch mau hier ihre Kunst eingeschätzt hat und daß man sie nur ungern nach Bremen ziehen läßt. Frl. M ar- tini. die uns ersrenlickerweisc treu bleibt, gab die Mizzi, und sie gab das liebesersahrcuc Mädel mit so viel Humor und Lchalkhairig- leir. daß mau wiederum eine rechte Freude an ihr hob-m konnte, (fine achte und rechte Klatschbase, ganz im To» und Gehaben der kleinbürgerlichen Kreise, spielte Frl, N a t h u s i u s, Herr Stein - ho »er schuf als Fritz eine Figur voll verhaltener, bedrückter

Lebenslust: stark und gut. Herr Rotteck gab dem Theodor blühende, schon etwas angcwelktc Tascinsfreude, Leicht herzigteil und lleppigkeit, aber aucki Herz und Gemüt Herr S ch u be r t midi.' die kleine Rolle des Herrn, Auf Liebelei folgte da- alte Genre­bild St urmärkcr u n d P i f n r b e , das Herr Bold und Frl, M a r t i n i unter Herrn Conradis Regie sehr hübich auiiührten. Zum Schlüsse wurde Herr B o l ck , der schon nach dem ersten Stück lebhaft gerufen worden war, von seinen zahlreiche» Verehrern leb hast gestiert und ebenso wie Frt, Martini reich mit Blumen und anderen Aiisinerksanckeiten bedacht. X.

Zu»! Tode htpsev.

Aus München, 3. April, wird gemeldet: He nies Leiche wurde um jl Uhr mittags zum Woidiricdhase übergesührt. Vor­mittags hatte Professor Kur .', die Totenmaske abgcnommen, Pro­fessor K II n ; M e » e r den Verstorbenen gezeichnet. Tic stadtiichen Kollegien holten om Sonntag nachmittag eine Tranersitzung ab, bei der der Oberbiirgernicisicr die Trauerrede holt. Ter König sandte der Witwe.Hchscs iolgendes Telegramm: Tie 'Aachttchl von dem Hinscheiden Fbrcs Gatten hat mich mit auirickstiger Teilnahme er­füllt. Vor GO Fahren von König Maximilian II. nach München bcrusen, hat der große Dickster und Meister der Novelle hier ein Lebenswert geschassen, durch das er iich in dem deutschen Geistes- leben einen hervorragenden Platz errungen hat. Cr hat iicki durch seine Werke ein unvergängliches Tenlmal geieht, das die Eristne rung an den Namen Paul Henses für alle Zeile» erhallen wird. Von Herzen nehme ich Llnteil an der allgemeinen Trauer um beit Tahingeichiedcnen und ivrcche Ihnen, gnädige Frau, mein herz­liches, inniges Beileid aus.'.Ter König hat im Trauer-««,e einen Kran; nicderlegen lassen.

Tie italienische Presse widmet Paul Hense herzliche Nachrufe und feiert ihn als Tichter und Verherrlichör der iialie- nischcn Schönheit.

In seinem lcnteu Willen drückt Paul Hcyse den Wunsch aus, daß kein Geistlicher seine Leiche zu Grab, begleite. Wenn feine Kameraden und Mitbürger ihn begleiten wollten, so wolle er sic nicht daran hindern. Gram um! seinen Tod dürsc man unterlassen.

Dei K a m v i d e r d r a m a ti s ck, e n T ich t e r n m das Theater ist eine Erscheinung, die sich im Laust des vergange­nen Jahrhunderts immer UNS immer wiederholt hat. Oit waren es Schauspieler, die den Tickitern e^rit die Augen iür das wahre Leben der Bühne geöiinct haben. So hat Eduard Tevrient einen Otto Ludwig mit Erfolg gelehrt, daß das. was dem Theater wahr­haft nützen soll, aus dem sscrzcn der Schaiiiviclknnft geschrieben sein müsse. Fn einem AussatzHebbel und die Bühne" in den Geistesmissenschasten" svricht Oskar Walzet von der um hnvockwn drischen Angst, mit der die meisten deutschen Tichter _feit Schiller leichte und bcgueme Bühnencrsvlgc mieden. Zwei -rchauivieler, Schröder und Fiiland, und ein geivaudlci Vielschreiber, ser die kleinen Mittel der Buhne noch beiier kannte als die beiden Theaier- vraktiker, Koxebue, Itatlen alle Theatral.il, die iich ausschließlich nur an die sicher wirksamen 'Nittel der Bühne hielt, gründlich vcr

dächtig und verächtlich gemacht, Schiller stand mich mit der leben­digen Bühne in ^engei Fünlimg und schrieb seine Tramen aus dem Herzen der Schausvielkunst, Ihm glückte, was seinen Nach­folgern iast unmöglich wurde. Knnsthöhe einhaften und zugleich die Bühuenwirkung zu wahren Ohne innere Äämvse und ohne schwere Bedenken ging es auch bei ihm nicht ab Ein Bekenntnis aus feiner Spätzeit, ein Brief au W. v. Humboldt vom 2 . Avril 180.5, wirst die Frage aus, ob er in seinem valiliiipen Streben nicht einen Rückichrill oder ntindestens einen Seitenschritt g»tan habe. Bei der vielseitigen Berührniiq, die zwischen dem üranialischen Tichter und der großen Masse stattsinde. bleibe man nicht immer rein. Atifaiigs gefalle' es, den Herrtater zu »tachett über die Ge­mittet', aber welchem Herrscher begegne es nicht, daß er der Tic- ner seiner Ticnett werde, um feilte Herrschst kt zu behaupten,Und so kann es leicht geschehen sein, daß^ich, indem ich die deutschen Bühnen mit dem Geräusch meiner Stücke erfüllt habe, auch von den deutschen Bühnen etwas angenommk» habe." tlnd Goethe be merkte einmal in Bezug ans Kleist, aus den der Vorwurf allerdings zu Unrecht gemünzt war, man warte auf ein Theater, das da tommen toll, weil die Romantiker, um ia nickst in den Verdacht Kotzcbuescher Theatralik zu geraten, überhaupt nicht nichr mit den Ausdrucksmöglichkeiten der Bühne rechneten.

Ter Kater von Walhall. Ein Theateridtstl. Vom Rhein wird uns geschrieben: Es war in der Seidenstadt Kreteld. Richard WagnersGötterdämmerung" ging in S>ene. Hagen brach ans der Nacht seiner schwarzen Gedanken und schleu­derte gegen den Helden des Lichts den tückischen Speer Tie Mannen stehen in scheuer Ergriisenheit da^Hagen, Ivos rniesi du?!" .Hagen blickt 'Nacht und Grauen. Siegiried rätst sich zu seinem Schtvatiengesangc. Tie 'Welt ist ins Herz getrosten. Wo­tans stiabcn kündeten schon das Ende. Tie l'iötter Und zum letzten K'ampsc gerüstet. Ta vlötzliih sendet Wotan noch ein neues Zeichen. Götterdämmerung: ein großer schwarzer .Kater wandelt um Siegfried herum, gebt langsam, als zähle er mit feinen schivar- zen Füßen Stabreime ab, über die Bühne und erscheint daun, starr in die Welt derer dort unten blickend, an der Ramve. Ein neuer Götterbote? Es ist nicht Frickas Katze Fit cs der Haus- katcr der Mer zechenden Helden von Walhall? Niemand weiß es. nur der schwarze Kater kennt seine Sendung, Er wandelt über dem Lrckzester hin, als suche er einen sreundlichen, verwandten Ton in all den wirbelnden Geräuschen und springt dann hoiiniings los in die Pivszeninmlogc, 2lui dir Brüstung dreht er iich noch einmal um und .sendet sein Leitmotiv, ein klägliches Miau, in die ruitergehendc Welt der Götter und Hcldcii, Tonn wendet er ihr verächtlich den Rücken. Hinter ihm her aber braust nicht der Jaminerton der Vernichtung -- das Lachen der Welt, die lustig sein will, das Lachen der erlösten Welt, der Götter und (Helden Hekuba tinb, lind noch in den Trauermarich hinein klingt der letzte Ngchltzill des Lachens, ein imterdrücktes siichcrn. Göt­terdämmerung !

Kurze Nachrichten au 4 Kunst und Wissen- t ch a i t. In Kristiania ist die i t w e .Henrik Ibsen« im Alter von 77 Jahren g e st o rb e n.