Nr. 79 Zweites
Erichei»! täglich mit Ausnahme de? Sonntags.
Tie „Giehener jamilienblätter" werden dem
.Aiijeiger' viermal wöchentlich beigelcgt. das „lireirdlati für den Kreis Kietzen" zweimal
'wöchentlich. Ti- „Landwlrtichastlichen Seil- ieagen" erscheinen monatlich zwcnnal.
Blatt m. Jahrgang
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Vberheffen
Zreitag, 3. April
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts - Blich* und Steindrllckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul* srraße 7. Expedition und Verlag: «^A51. Redakti«l:eEN2. Tel.-Adr.iAnzeigerGießen.
hessische LanSwirtschaftskaminer.
rb. Dar »I Habt, 2 April
Die heutige zweite Litznng, d,c um 9". Ill,r begann ivar an erster Linie der B c r a I n II g des Ha >, vtvora n s ch l a g 2 gewidmet. Präsident W a l I h e r erstattete hierzu einen kurzen Bericht »nd verteidigte den Vorstand gegen de» Vorwurf, das; zu viel Geld iür die Bcrwaltnng »nd zn wenig für die eigentlichen land avirtschaitlichen Zwecke verwendet werde. Tic von der Regierung beanstandete Sunrme von 22000 Mark. die. von der La»dwi,i schastskanimer in de» PensionSsonds überwiesen wurde, stamme an» den Ucberschiissen des Jahres 1911. Es sei mich unzutrenend das; ha Erbauung der- Gebäudes siir die Landwirischaitskammcr der Voranschlag überschritten werde. Das Arbeitsscld sei viel uwsang- reicher geworden und die Leistungen sür die Landwirtschait größer Dajür seien auch die drei ProvjnzialauSschüsse und drei besondere Bureaus notwendig, durch ivelche den besonderen Verhältnissen der Provinzen Rechnung getragen werde. Sparsamer als letzt könne d,c Verwaltung nicht gerührt werden.
In der Hanptdebatte besprach zunächst Schädel Mommcn- heim Ilndenbcim die rhei»hessischen Verhältnisse und besonders den Weinbau Die Weinernte ivar weniger gualitaliv. als »nanntativ nucrlrenltch und die Hauptschuld an den schweren Fehlschtägen bildeten die Verheerungen durch den 5eu und Saucrwiirin. zii dessen Bekämpfung die Regierung in dankenswerter Weile die »öligen Mittel zur Bersngnng slclllc. ES »ins; aber »ich. nur der Be kämpsung der Rehschäden, sondern auch der Kultur der Rebe die grünte Aufmerksamkeit zngeivcndcl werden. Tic Koninrrcnz des Auslandes laste schwer ans dem ganzen deutschen Weinbau E» haben sich überall in Deutschland rtaliensschc und spanische Wein-. Stuben ansgeian, die dem Pubtilnm für billiges Geld ein gut mint denke». atloholreiche» Getränt liefern. Das Ausländ produziert seine Weine viel billiger und die Konknrrciiz Hat seit dem neuen Aeingesetz »och erheblich znacnommcn. Zudem werden die deutschen Weine vielfach als Berichnittweine mit ausländischen Weinen be- nntzt, womit sich also der dculschc Weinbauer selber Konkurrenz macht und dem Ausland Porspanndlenste leistet. Ein gecigneles Schutzmittcl dagegen bietet nur ein hoher Zoll; ein Jahrschein zoll ist zwecklos. Wie müssen ja natürlich in zollpolitischcn Dingen aus Lesterreich und Italien Rücksicht nehme», aber diese darf doch nicht so weit gehen, das; ein großer Erwerbszweig dadurch aufs schwerste geschädigt wird. Bei der Grenzkontrolle sollte nicht nur die Analnie des Chemikers, sondern auch das Urteil »nd die Ratschläge sachverständiger Fachmänner mit zu Hilfe genommen werden. Tie .Kontrollvorschriite» bedürfte» dringend der Verschal, iung. ES werden vielfach Weine cingesührt, die zwar einen ein- wandssreien Geschmack haben, aber mitunter eine geradezu elelhaste Zusammensetzung. Die jetzige gesetzliche ZnckcrungSgrenzc genügt kür unsere rheinhessische» Verhältnisse nicht, mW die Frage de» Aikodolgelialt» bedarf dringend einer anderen Regelung, worüber ich mir einen Antrag Vorhalte.
Oekonomicrat Irrt sch; An die Beratung des Voranschlags können wir diesmal mit Bcsriedigung heraniretcn. da der Land nnrttcha't setz, foft alle ihre Wünsche mit Einbelligkctt erfüllt toordcn sind. tlnbegresslich bleibt nur, warum nicht auch die IltOO Mk für die Förderung der Jeldbercinigniig bewilligt nur- -den. Die Ernte des letzten Jahres war günstig, besonders iür Weizen, aber der Absatz Ivar sehr schwierig. Es wurden auch von unseren Produkte» nicht annähernd die Preise der Franktnrter -Börse erreicht. Die Pferdezucht ist in günstigen, Ausschwung. <s» müßten aber i» jeder Provinz 3 Hengste von mehr als 900 Kilogramm Geivicht eingestellt werden; ebenso sei eine Vei'ineb- rung der Gcstütsstationen driiigcnd erwünscht. Die BezirkSschaiien könnte mail „nterstützcn, wenn man die sür Prämiierungen er- sorderlichen Oleldmiktel bewilligte. Bei der mächtig emvorblühen -den Rindvieh,licht »liiß die Hauvtstärke in de» lokalen Zuckil- wercinen liegen. Der Wer, des Rindviehs ist in Starlenbnrg seil 1901 lim zirka 12 Millionen Mark gestiegen. Der Wert de» Schweinebcslandes stieg in den letzten 3 Jabre» von ll auf 9 Millionen Mark. Die iür Znchtzwecke bewilligten Gelder haben allo eine durchaus richtige Verwendung gefunden.
Oekonomieia, Dr. Dehlinger ist erircui über die Bewilligung der Mehrsorderung von 51000 Mk Eine Ablehnung dieser Summe wäre auch UNI io nnverständltcher gewesen, als nian doch über 3 Millionen Mark für die Beamten und Lehre,- gehälter bewilligt hat. Man hatte allen Grund, die Landwirt
schalt nach Möglichkeit z» uiiterslützen und ihr nicht noch immer neue Lasten anszucrlcgen; cinc Einschränkung der landwirtschail lichcn Produtlion würde geradezu eine Bolksgcsahr dedeulen. Wir hätte» bisher im Zeichen der Bcamle» lind Arbeitersül sorge gestanden. man» müsse setzt auch einmal der Landwirtschaft Gerechtigkeit Juibcifalrrcii laste».
Mitglied Mögt führt Klage darüber, daß man in Oben Hessen bau Weinbau Rheinhestens nicht das gleiche Verständnis enigegenbringc, ivie Rheinhciien der obcrhessisckien Viehzucht. In Rhrinhesscn habe mail auch von einer guten Ernte im vorigen Jahr im allgemeinen wenig geivürt.
Abg. » o r c 11 Angenrod kann mit Ir ende konstatieren, daß an der Gießencr LandeSunioersitä! das landwirticknillichc Institut in io vortreiilicher Weife iür inngen Rachwuchs sorgt. 'Auch die Nationalökonomie wird dort in einwandsreier und den Interessen, der Landwirtschaft gerecht iverdender Weise gepflegt, und bei so günstiger Weifcrenimicklung brauch; man die Konkzirrenz von Frankfurt nickü zu fürchte». Redner erörtert dann die Frage der Besteuerung »ach den, Ertragswert und emostehlt ickiließlich die Annahme einer Resolution über die Berstaatlichling de» Handels mit Düngemitteln.
Rechtsanwalt Meiich macht nähere Mitteilnngen über die Bcrsicherungsvilicht bei einem speziellen landwirtschastlichen Nniall, die ?lbg. Bahr und B r c i d c n b a ch berichten über die Beratung der landwirlschaitlichen Fragen in der Zweiten Kammer, ivorans
Ministerialrat Schlievbake aussührte. die Regierung habe den von der LandwirtjchoitSkamnier angeiorderten um 53000 Mk. erhöhten Staat»,uichuß deshalb nicht losorl in den Voranschlag ein gestellt, weil sic de, Meinung ivar. daß die Lciiidwirtichattskmniner die erforderlichen Mittel selber zur Bcrsügnng stellen könne. Keines weg» habe sie ans mangelndem Interesse für die Landwirtschail gebandelt. Die von der Landwirischastskammer bcnöligtcn Mittel werde sie stets bewilligen.
Rach einer nnwescnllichen Telntttc über die Frage der Scheu- knngssteucr bei UebergangSverträgen schließt die Generaldebatte.
In der Einzelbcrotung wurden sodann nach zum Teil rech! nn- ivescntlichcn oder überilüssigen Debatten di: einzelnen Kapitel an- genomnien. Für loisscnschailliche Lchrzwccke uiw. lind in Einnahme 33400 Mk.. in Ausgabe 59 420 Mk. (i. P. 26 000 bezw. 48 430 Marl- für Landnietscha tliche HauSbaltiingsschulen Einnahme 2500 Mark, Ausgabe 8850 Ml., für Landwirlickraitliche Zeitichriit 6500 Mark '.'lusgabe. für Förderung der Tierzucht Einnabme 314 501 Mark, Ausgabe 341 679 Mk. (i P. 121 079 rciv. 151 434 Mk5, für Förderung des Lbn . Wein--. Gemüse- und Gartenbaus An Sa ' . 64 497 Mk. (i. B. 33 833 Dii.i, sür Förderung der allgemeinen Landeskultur, der Bodenkultur „nd sonniger Zweige der Landnürt- lchast 45189 Mk. (i. B. 30 154 Mk.), sür allgemeine Bcrivaltung 119 735 Mk. li.V. 135894 Mk.), sür Umlagen ivurdc eine Ein- nabme von 326000 Mk. und eine Ausgabe sür Ausschlag »nd Er liebnng von 15 820 Ms. eingestellt. Tie Gesamtrechnnng iür den Betrieb schloß 1913 mit einer Einnahme und Ausgabe von 661 038 Mark ab. Für 1914 beträgt der Abschluß in Einnahme und Ausgabe 743 123 Ml., die Permöqcnsrcchniing 2.59 860 Mk., die Geiamt- siiiiinie also 1002983 Mt. Weiterhin ivurde der erhöhte Staats- inickuß von 51 100 Mk. der Zciitralvcrwaltnnq lind den 2li,s- schüsscn der Landwirtschaitskammer wie folgt zur Beringung gestellt: Pferdezucht 800p Mk, Olindrielizn-tzi 18000 Rk. Sä.weine;»,bl 2200 Mk., Ziegenrielit 1800 Mk., Schaizncht 1600 Mk., Obst- »nd Weinbau 10 500 Mk. und Bvdenlnltur 9000 Mk.
Im Anschluß an den Voranschlag wurden dann die übrigen ge- schästlichen Angelegenheiten vorschriftsmäßig erledigt, so der Bericht der RechnuiigsvrüsnngSkonimislion. nachträgliche Kreditgcnehmi gungeii. der Voranschlag der landwirtschastlichen Hanshallnngsschn- len in Langen und Lindheim u.g m.
Borher ivar schon vom Mitglied Tr. Dehlinger ausführlich der folgende Antrag, bete, den Ä n k a n f v o n P r e ß st roh. durch die Proviantämter begründet worden; „Die Landwirtschaitssimmer wolle beim Kriegsministerruin die Abänderung der Proviantamts- ordnung vom 10. Rov. 191 l dahingehend beantragen, daß der An- kau, von mit Breitdreschmaichinen gewonnenem und mit Glallstrob Preisen gepreßtem Roggen und Weszenstrob von den Provian; änilern erfolgt und daß die Truppenteile angewiesen werden. diese» Sirob in den Greinen des StrenrationSteile» anznnelimen."
Zur Beratung lam noch der gestern zurückqestellte Punkt 7 der Tagesordnung; A e n h e rit n g des Feld st ra igele tz e s. Hierüber referierte Rechtsanwalt Bl eiiel. Das Justiz»ii»isterium
hatte im März d. I. der LandivirtschaitSkainmer seine Bereitmillig-- keit erklärt, de» Landständen eine kleine Novelle zum gegeninärlig geltenden hessiichen Feldstrasgcsctz rorzulegen. in welcher die dnn gcndsten Abänderungen des gegenwärtigen RcchtszustandeS eriolgcn könnte». Der Vorstand bat »NN diese Wünsche der Landivirlichast 'iisamnicngcstcllt. Der wichtiaste Punkt ist die Frage der Stellung des Straiantrags. Der Porstand beantragt; Großb. Piiniftcrium zu ersuchen;
t. sobald es der Stand der Resarm des Reichsstrasacsctz- bucks zuläßt. da:- gegenwärtige Feldstrasgesctz einer grundlegenden Rcsorm zu iiiiterzichen;
2. in der Zwischenzeit durch Vorlage einer Novelle zu dem Gesetz vom 13. Juli 1901 eine möglichst weitgehende Einschrän tiiiig der Ttrasvoranssetzung eines Antrags des Geschädigten i»S Auge zu fassen; insbesondere Hierbei den sin Arl. 24 II, 28, 39, 3, 4 und eventl 5 die Voraussetzung des Straiantrags lallen zu lassen;
3. bei der erwähnten Novelle oder ivcnigstenS bei der nllgc- »iciiien Rcionn des FcldftraigcsetzbuchS die Bcstiminung des Art. '47. 4 über das straflose Sammeln von llillra»! zu beseitigen oder wenigsten» die Periolgung des gegenwärtige» ürailoien Sammelns von der Stellung eines Strafantrags unabhängig zn machen lind die Vorschrift, wonach ortspolizeilichc 2lnord»un- gen über das Einschlteßcn der Tauben zur Saai- und Erntezeit krciSamtlicher GcncHniigung bedürscn, zu beseitigen.
Dieser 'Antrag wurde »ach eingehender Begründung cin- stiininig angenommen.
ES sollte »ml weiter noch Punkt 6 der Tagesordnung. R cni> iion d c s K örgcsctzes. beraien werden, doch mußte dieser Punkl bei vorgerückten Zeit wegen bis zur nächsten BcrsaniNiluiig zurückgestellt werden.
Rachdeni dann noch von der Wahlprüsungskominission über die beanslandeten Wahlen Bericht erstattet und Beschluß gefaßt ivordeu war. schloß Präsident W a l t h c r die 12. .Hauplversainmlnng nach- ininags ' .5 11 !jr.
Zlibcitchrbeivegung.
Petersburg, 2. Avril. Tic P u I i l o w w c > k c . die Baltische Werst, die Fabrik der russischen Gesell-- j'ch oft z u r Erzeugung von G c s ch o s s e u , die Fabrik von Siemen s u. Hals! c und eine Reihe aitdcrer Fabriken haben mit insgesamt 60 000 Arbeitern ihren Betrieb ans Niibe- stimmte Zeit eingestellt.
-^London, 2. April. In Borkshirc streike» jetzt 170000 Kvhlcnbergleutc. Die Leute sind jedoch durchaus nicht ernstlich für eine» AuSstand, man nimmt vielmehr a». daß sie nur da» schöne FrühlingSivetter genießen wollen und »ach Ostern die Arbeit wieder auinchmcn werde».
Ans Stadt und LanS.
Gießen. Z. April 1914.
Was dcr April üringt.
Ter £ ft c r in oitat ist da! Tas ticfititninftc fseft ber EhriNm- feit spendet dem geplagten modernen Menschen eine Ileine Atempause in der entnervenden Hast des Erwerbslebens, tm Tumulte des politischen ZtampseS. Tas Fest fällt diesmal aus einen ^ver- bältnismästig späten Termin der 25. April ist der lepte Tag, auf beit überhaupt das Osterfest fallet: kaitn - , und das bat den Vorteil, daß itnt diese Zeit die Natur doch schon reckt lveit fort geschritteit ist, und das; der althergebrachte Osterspaziergang oder der Osternusflug, den der moderne Mensch vorzieht, begründete Aussicht auf die Gunst holden Frühlingswetters hat.
Freilich, auf den April ist in dieser Hinsicht bekanntlich kein Verlast. Seine Wetterwendischke.it ist ja geradezu sprichwörtlich geworden. Hinter dem volkstümlichctt Begriffe des ^lvribvetters steckt aber eine wissenschaftlich streng um'chricbene Erscheinung: der April mag plöklich Regen. Hagel. Schnee, za kurze Geivitter schicken, immer sind diese Erscheinungen dnrck die Lustdruckver- tcilung und ihre Verschiebung bedingt: während im' Westen uitd Südwesten der Luftdruck hoch ist, zieht ein kleines, scharf ausgeprägtes Tier in östlicher oder südöstlicher Richtung, und anr der Rückseite bilden sich unter denr. Einslust der starken Lustbewegnng Wirbel, die in Form von Böen die Niederschläge oder das Ge- lcitter mitbringe^. Nackt ein.paar Minuten wird die Frühlings- luit wieder lau, und die Sonne steht dann am klaren Himmel.
Aur kZuberl von hertomerr Leben.
„Der Junge soll ein Künstler werden und mein bester Freund!" Diese provlietisiücn Worte sprach vor jetzt bald 65 Jahren IN dcr tlcincii Kirche von Waal, dem baherisckien Dörick-en bei Lgndsberg, der ehriame Kunsttischler Lorenz Herkomer nach der Tanie seines Sohnes, des nun dahingegangenen berühmten Malers Hilbert von Herkomer. Was der Baler damals im stillen ersehnle, das ist in ünerwartet großartiger Weise in Erfüllung gegangen; der Knabe wuchs z» einem Künstler heran, dessen Weg nicht nur aus die Höben des Weltenrulmies, sondern auch zu stolzen äußeren Ehren iiiid Würden führte und zugleich ist, Hubert zu dein vom Schicksal arg iniigenoinmenen. aber doch großaeorteten ..königlichen Mann", wie der Maler bewundernd seinen Vater nennt, in das innigste Ber dältnis gelrele», verdanlt ihm die Grundlage seiner vrachivollen Persönlichkeit »nd ieiner ganzen Künsrlerschast. In ieineni dichterisch wie menschlich ergreiienden Buch „Tie Herkomers". dem ersten der deutschen Heimat gewidineten Teil seiner nicht vollendeten Selbülnogravbie, gedenkt Sir Hubert, der auch als eiiglischer KÜHN ler stets der baneriiche Banernsvroß gebliebe» ist, in lieier Be,- ehrung seiner Ahnen, jener wackeren Handwerker, denen er seinen Ehavakter und sein Talent verdankt. Vom Großvater erzählt er, der als Gipsiorincr bereits zu feinem Bergnügen kiinnvolle Figuren niodcllicrte und „die Liebe Schönen in da» Gemüt feine«
Sohne» rifanstc".
Und der Vater fetzte fort, >vas der Großvater begonnen vlnch er prägte seinem Knaben die Liebe zur Kunst tiei in die Seele „nd gab ibm mehr als Geld und Gut, mit dem er so spärlich gesegnet ivar, aut de» Lebcnsiveg; den tt'ten Ernst im Eriasscir der Natur, die Ehrlichkeit de» Gestalten» und die hohe Achtung vor dem Hand werk. Eigenschaitcn, die das Beste in der kräftigen und gesunden Kunst Herkomers umschließcn. Mit dem Hobel in Ser Hand, an Ser .hobelbanl bat .Hubert den Vater in einem meisterlichen Portrar dargeslcllt, und wie der tüchtigen 2lrbcit seine» Geschlechtes, so, in er anck, der laancriichen Heimat stets treu geblieben. „Die deutsch: Seite meiner Natur ltzit iich in mir stark bebanplet," bclannic er.
Fch iübllc immer, die Heimat gehörte zn mir und ich zn BaNcrn." i-o ist denn auch 1888 der Engländer wieder deutscher Bürger geworden »nd bat in den, beimatlichen Land»berg der verehrten Mutter, die sich iür ihn ausgeopiert, jenen vrunkhailcn Turm er ■ richtet der zusammen mit den der Stadt geschenkten prächligcis Bilden, in Landsberg da» 'Andenlcn an den großen Sobn noch lange waü' erhalten wird. Auch in feiner Kunst hat er Bonernlum und Vaterland nie vergessen und seine Povularität in London mit schaisg-iebenen, au» deutscher Seele ersaßlen Szenen und Tnven de» baherischen Tarileben» begründet. Herkomer» Jugend führte ihn au, den horten Ladensiueg der größten Armut hin; bitter ha, er zusammen mit den geliebten Eltern um da» tägliche Brot gerungen. Ten Vater trieb am Freih:itS0r..ng in die Ferne nach New Bork, u»b dann nach England, aber das Glück lächelte ihm nicht, und toährend der Vater in Sontltzimvton durch gelegentliche 'Arbeiten als Tischler und Bildschnitzer elwas verdiente, mußte die Mutter
durch anstrengende Klarierstnndcn niitverdienen. In dieseni Elend K r der einzige Sonnenstrahl der Hosiiiung das Künstlertum de» Sohnes. Früh regte iich in ihm die eingeborene Begabung, und der Pater leitete ihu in der liebevollsten Form zum Zeichnen an. 'Al» der Dreizehnjährige ans die Zeichenschule in Southampton kam, drängte es ihn mit Macht zum Zeichne» nach dein Leben, aber man ließ ihn nicht in den 'Alifaal. Ta sta.nd ihm der Vater Modell. „Um sechs Uhr morgens standen wir aus." erzählt Her- tomer. „dann wuschen wir uns, und während ich mich anzog. machte mein Vater Feuer und stellte das TLaiier aus den Herd. Dabei blieb er mibctleibcr und stand mir in den Zwiichenpausen Modell. Wenn da» Waiser lock'te, ivar die Alinunde vorbei;" Später freilich erzwang iich Hubert durch eine Kraitvrobe den Zugang zuin „Leben", indem er eine» Tage» ohne Erlaubnis in den Attjaal ging nüd hier eine so treuliche Studie entmart, daß ihn der Lehrer nunmehr darin lieft.
Früh suchte der Knabe durch Zeichiinn/cn für illuslriertc Blätter zu verdiene». 'Aber da» glückte zunächst nur schlecht, und es blieb ihm nichts andere» übrig, al» mit Zitberivielen und Schablonieren zu erwerbe». Erst als er an dem ncugegründetcn Gravbic 1869 Beschästigung iaud, ging es auswärts. Er hat »ns erzählt, nie er aus das Motiv seines ersten großen Bilde» kam. Der Redalteur gab ihm keine Aniirägc. „Sic müssen sich Ihre Stosie selbst suchen." sagte er So toanderte denn Hltbcrt drei Tage ziellos durch London an, der Suche »ach einem siois. Zu sättig trat er in die Kapelle de» königlichen Jnvalidenlianse» ein und sah hier die alten Krieger in ihren roten Röcken im Gebet. Daran» entstand die Zeichnung „Tie letzte Musterung", die er dann in einem winzigen Atelier zum große» Oelgcmäldc aus gestaltete. Für 21000 'Alif. verkaufte er dies durch feilte Fülle glanzender Eharalterlövic ausgezeichnete Bild, das ihn mit einem Schlage berühmt machte. Das war 1873, und nun führte sein Weg rasch empor. E» folgte da» berühmte Bild „Das Hurrah der Garden" und dann feite' Reihe von Meistcrporträts, unter denen die „Weiße Dame", das Bild der schönen Miß Grant, da» größte Aussehen erregte. In einem säst 40 söhrigcn reichen Schasicn bat sich der Meister voll ausgclebl. Nicht nur der bildenden Kunst war seine Arbeit gewidmet. In seinem schöizen Haus „Luliilound". das bald wie ein mittelalterliches Schlotz und halb wie ein Nürnberger PatrizicrhauS auSsah, hielt er feine vielgenannte Kunstschule, in der Schüler aus der ganzen Belt Unterricht empfingen, veranstaltete er Theater und zuletzt Kino- auitübrungen. bet denen er lick zugleich als glänzender Dekorateur und trefflicher Schauspieler betätigte, trieb er Sport, für den er enthusiastisch eingenommen war. Vom Krokettsoiel ging er zmn Radeln -iiber. und dann wurde er ein Förderer und Freund des 'Alutomobilivori», iür den er den Herkomer Pokal gestistet da,, ^lel» ivar er auch mit technischen und geschäftlichen Dingen beschäftigt; er erperimenrierte in Emailnialcrci, und dachte »och in lenter Zeit on ein großes Kinolhrater, das er nach ganz origincllcn Idee» leiten wollte Immer wieder aber zog es ihn
nach der deittichen Heimat, und zwei Monate im Jahr verbiachtc er im Bäurischen Wald als ein echter Jünger des Waldheiligen Hubert, nach dem tt>» der Pater genannt u»d den er ini „ewigen Dom der Natur" in Bild und Schrift verehrt hat.
Wie viel von der Erde ist noch u» entdeckt? Heutzutage, ioo kühne Forscher das Geheimnis der Pole entschleiert haben, ioo wir im Kincmatoqravhcn 'Ausnahmen au» den unwirtlichsten Gegenden sehen, ist inan geaelgt, onzunehinen, die Erde, die wir bewohnen, bcsäß: keine Rätlcl mehr sür unS lind doch bieten sich Männern, die de» Forscherdrang in sich fühlen, der Ausgaben noch genug. 'Nicht weniger als ein '.Uditel der Erde ist uns noch völlig unbekannt. Ein anierikanischer Gelehrter glaubt die nncriorschtcn Gebiete ant 7 Miltionen Ouadrat- meilen engl, beziiiern z» könne». 200 000 O.uadraim,eilen lom- ii,en von dieser Summe aus Nord- und Südvolländer, während der Rest iich hauptsächlich aut Asien, 'Amerika und Ozeanien verteilt. Airila steht nicht mehr im Vordergründe der Erdersor- schiliig. Viel größere Sehwicrigkeilen bietet die Ersorschnng der Wüste Tbana in Arabien, wo man ant einem Gebiet von 200 000 Geviertmeilen ld. i. das Füniiachc der Fläche von England keinen grünen Fleck und keinen Tropien Wasser vermutet Ncngninea ist auch noch zum Teil lerra ineognita. Hier sind es nicht Einöden, die die Reisenden abschreckcn, sondern kriegerische Völkcrschaiten, denen die Menschensreiscrci eine alte, ge- l.ciligte Einrichtung ist. Ferner ist noch ein volle» Viertel de» australischen Festlandes uneriorscht, Strecken mit einer Bevölkerung von einem Kops ant die Ouadratmeile. In Südamerika schließen Kolumbia und Peru in ihren Grenzen Riesengebiete ein. die noch nie der Fuß eines Weißen betreten bat. Man hat wähl ein dutzendmal vcriucht, in dieie colevven und Ilriväldi» cinzudringen, aber stet» haben Gefahren wie Fieber, Gittichlangen und -lmeiicnplage die Ervedittonen zurückgetrieben. Es wird »och die Arbeit vieler tstenerationen kosten, ehe wir uns rühmen können. Ivirklich eine umsaiscnde geogravhiichc Kenntnis von nnie- rem Planeten zn lmbcn.
— Poesie und Prosa. Ans Halle n. S. wird uns geschrieben; In einer hiesigen Zeitung Ivar dieser Tage eine Anzeige zu lesen, die im Interesse der guten Sache nicht unbeachtet bleiben soll. DaS ergötzliche Inserat lautete;
„Wer schreibt sünsaktigeS Traucrivicl lManuikript) gegen
kräftigen M i t t o a S t i s ch init Schieibinaschine ab?" Um einen „hungernden Dichter" scheint e» sich hier also nicht zu handeln!
— Kurze N g ch r i ch t c n an S ' K u n st und Wissen- ichgst. Der Direktor des Salzburger Mozarteums, '.Rnslkschrist- stcller Robert Hirschseld, ist gcswrben.


