Nr. 72
Der »ftfitftet Snzeizer
erscheint täglich, außer SonutagS. — Beilagen: viermal wöchentlich Siehener,s««ilie!ib>ätler; »toeimalwöchenU.Kreis- blaNsüidenirreiiSiehen ,Dienstag >md Freitag); xioetmal inanall. Landwirtschaftliche Seitfragen Fernsprech - Anschlüße: tür die Redakti»n 113, Verlag u. Expedition 51 Adresse lür Depeschen: Auzefger «icßen. Annahine von Anzeige» iür die Tagesnnmmer bis vormittags S Uhr.
Lrstes Blatt
\W- Jahrgang
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rototicnsbrad und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steiudruckerei R. Lange.
Donnerstag, 26. März TO
Vcz» qdvect»:
monatlich 7öPi., vierteljährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen luonatlich Kö Pi.: durch diePost AL 2.— viertel» jährl. ausschl. Bestellg. Zeile,ipreiS: lokal ILPs., auswärts 20 Piennig. Ehesredakteur: A. Goetz. Verantwortlich iür den volit. Teil: Aug. Goetz-, sür .Feuilleton", ,Ver- mijchlcL" und.GerichkS- saal": Karl Neurath; lür .Stadt und Land":
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Redaktion. Lrpedition und vruckcrel: Schulstratze 7. Nnzetg-Nieil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.
Tagcskalcndcr aus dem Fahre I8l4.
26. März: Gefecht bei St. Tiz icrs, in dein die russische Reiterei unter Tettenborn trotz verzweifelter Gcgcnivcbr von der llebcriuacht der Franzosen geworfen wird. — Tic tran- »ösischc Besatzung von Landa „ i. d. Pfalz ivird bei einem Ausfall voin Rückzug obgeschnitten.
Die drei Verschwörer.
Die „Verschwörer"' sind die drei Minister Großbritanniens See ly, Churchill und Llo>,d George. Sie werden von den Tories, die sich 'bereits als die Herren von morgen fühlen, beschuldigt, int britischen Kabinett eine Kamarilla gebildet und ein Komplott gestistct zu haben, um mit Landheer und Kriegsschiffen über das friedliche Ulster herzufallen, erst die Ulsterfuhrer in Belfast und London zu verhaften und dann in cinein einzigen blutigen Znsainincnprall die ganze Illstcrarnice z,i vernichten. So die Anklage. Sic dient natürlich nur dazu, den Ungehorsam der Tory-Söhne von Curragh in besserem Lichte erscheinen zu lassen. Aber Iva rum richten die Konservativen ihre Sturmböckc gerade gegen diese drei „Verschwörer"? ES bat eben so-seine persönlichen Gründe. Die Gründe liegen ini „Vorleben" und im politischen Sündenregister (von englisch-konservativer Seite ans gesehen der drei an- den Pranger gestellten Minister.
Oberst Seel» ivurde im Juni 1912 als Nachfolger HaldancS zum KriegSministcr ernannt und war frühcr Unterstaatssekretlir dieser Behörde. Im Fahre 1801 hatte ihm die französische Regierung die goldene RettungSiuedaiUe verliehen. ES war ihm nämlich gelungen, einen iiiitergchcn- den Dampfer schwimmend zu erreichen, de» die Manul schäften der Rettungsstation aufgegeben hatten. Sccly soll damals nenn Leben gerettet haben. Den Bnrcnkrieg machte er als Offizier der Hconianry mit, wurde verschiedentlich lobend erwähnt und erhielt eine Medaille mit fünf Spangen. Im Jahre 190t wurde er von den Bewohnern der Jsle vs Wight zum erstenmal als Mitglied des Parlaments erwählt. Damals war er Unionist und bekannte sich mit großer Bercdtsanikcit als Anhänger des allgemeinen Kriegsdienstes. Als er bei den vorjährigen Parlaments- bcsprechuligcn über die Wciterciitwickclung der englischen Wehrorganisation die Grabrede sür die allgemeine Wehrpflicht hielt, liest er seine alte nnionistische Uebcrzeugnng durchblickcn, daß die allgemeine Wehrpflicht zur vebking der Disziplin im britischen Heere dach eigentlich höchst notwendig wäre. Und dieser Renegat, dieser verkappte Unionist, so sagen jetzt die Konservativen, sitzt in einem liberalen Kabinett und schmiedet BerschwörnngSpläne gegen »niv- nistcn! Man versteht.
Aber auch Winston Churchill ist bclanntlich ein Renegat. Auch er begann als Unionist. Cr gehört einem der stolzesten Häuser des englischen Hochadels an, dessen Chef neben vielen anderen klangvollen Titeln obendrein auch den eines deutschen Rcichssürsten trägt: Mr. Winston Churchills berühmtester Vorjahr, der Sieger von Höch- stedt und Malplaqnct, wurde einst vom Kaiser Joseph I. erst zum Fürsten von Mindclheim, dann zum Fürsten von Rclleuburg ernannt. Wären englische Adelstitel nach deutschem Schema vererblich, so hieße Mr. Winston Churchill Prinz Winston von Marlborongh. Glanz und Reichtum lag in der Wiege dieses Tort,. Erzogen in den nobelsten Schulen des Landes, glänzender Hnjarcnlcutnant, groß
artiger Soldat im Sudanicldznge und in Südafrika, will erhellte seine ehemaligen Kameraden durch Kriegsbefehle gegen Landsleute marschieren lassen? Diesem geborene» Aristokraten und gewordenen Demokraten ist nichts mehr- heilig von den Heiligtümern feiner Geburt! Einst schrieb er Artikel für die hochkonservativc „Morning Post" und heute wütet er gegen alles, was er einst verherrlichte. Man kann cs verstehen, daß die alten Sivpcn ans der Gegenseite immer wieder aiiffchäitnicn, wenn dieser „verlorene Sohn" sich auch »nr zu einem kurzen Wort im Parlament erhebt. Sein Vater, Lord Randotpy, war das glänzendste voll tische Meteor, das Englands neuere Geschichte kennt: es zerging ivic eine Sternschnuppe. Tic Gegner prophezeien dem Sohne das Schicksal seines Vaters, wenn er nicht bald reuig zu den Sitten und 'Anschauungen seiner Hcr- Innst zurückkehrt.
Lloyd George, der einstige arme Schusterssohn, ist kein Renegat der Opposition. Aber die Konservativen haben einen riesigen Scheiterhaufen errichtet, aus dem sic ihn politisch hinrichlcn zu können glaube». Er ist der Vater der neuen englischen Klebemarken, über die die britische Haussran noch viel tiefer ergrimmt ist, wie die deutsche über die neue Kran kenvcrsicherung. Lloud George ist schuld an dem Kreuzzug gegen die Grundbesitzer, von denen er behauptete, daß sie zu den Ausgaben des Staates nicht 10 Prozent von dem bei trüge», was sie sollten, und denen er höchst nnbcgncme Abgaben auf die Schultern legen will, um die Erträge dann für Zwecke der sozialen Reform und sür die .Hebung der Massen zu verwenden. Das Bekaiiiitwerden an sich harmloser Börsenspekulationen hat dem Waliser in den Augen und in der Agilation der Konservativen lange nicht soviel geschadet als sein angebliches Wüten gegen das Eigentum, gegen die Sicherheit des Kapitals und gegen die Staatskirche. Lloyd George war seinerzeit in den Kämpfen gegen die konservative Schnlgcsetzgcbnng bis an die äußerste Grenze der Gesetzlichkeit gegangen. Heute wird er von seinen Gegnern, mit den „Verschwörern gegen Ulster", Sccly und Churchill aus die Proskriptionsliste gesetzt. Wie er diesen letzten schweren Ansturm aushalten wird, darüber kann schon die nächste Stunde die Entscheidung bringen.
Rücktritt des KriegsministerS.
London, 25. März. lRcntcr.) Kriegsminister Secly ist znrückgetreten. — Im Unterhanse erklärte Premier- minister ÄSqnith, daß er den Rücktritt des KricgsministcrS Secly nicht a » g e u o m »t c n habe.
Die Gkyorsamsvcrwcigeiiliig der irischen Offiziere.
London, 25. März. Die „Times" melden aus Tu blin: Tie Verhandlungen zwischen den Offizieren und dem KriegSministcr verliefen sehr stürmisch. Sir John French kritisierte die Handlungsweise der Offiziere, welche die schärfste Strafe verdiene. Erst das Tazwischcntretcn von R ober! s schuf eine bessere Stimmung. Zum Scklnß unterschrieb Sir French ein Schriftstück, das die Offiziere aufgesetzt halten, in dem er bestätigt, daß die Offiziere keinen Befehl erhalten würden, gegen Ulster zu kämpfen oder die Homcrulc-Bill mit Gewalt dnrchzusetzcn, und daß sic dieses den anderen Ofsizicrcn mittcilen dursten.
Kaffee Wilhelm und König Viktor Lmanuel.
Venedig, 25. März. König Viktor Cmanucl besuchte heute um 10 Uhr vormittags den K aiser auf der „Hohcnzollcrn" und wurde unter Salut, einem dreifachen Hurra der Mannschaften und Präsentieren der Ehrenwache vom Kaiser am Fallreep empfangen. Tic Begrüßung war überaus herzlich. Tic Monarchen küßten sich einander wie
derholt und schritten die Front der Ehrenwache unter den Klängen des italienischen „Marcia Reale" ab. Die Monarchen n u t c r h i c l t e n sich d a r a u s k ä n g c r c Zeit allein in der sogenannten Laube ans dem Achterdeck.
Tic. Unterredung der Majestäten dauerte weit über eine Stunde. Nach 11.1.3 Uhr verließ der König die „Hohcn-s zollcrii" und lehrte ins Palais zurück.
Ter Kaiser verlieh eine Reihe Ordensauszeichnungeii.
Kaiser Wilhelm, der einem Wunsche des Königs von Italien folgend, von einer besonderen Erwiderung des Besuches bei dein schlechten Wetter 'Abstand nahm, begab sich mit Gefolge gegen l Uhr von der „Hohcnzollcrn" nach den, Königspalast, um dort an der Frnhstückstasct teilzunehmen. Das Publikum brachte dem Kaiser lebhafte Kundgebung gen dar.
Bei dem Frühstück im Palazzo Reale saßen der Kaiser und der König nebeneinander in der Mitte der Tafel, rechts vom Kaiser di San Giuliano, links vom Körrig der Bot-z schaftcr v. Flotow. Nach Bcendigimg der Tafel erschienen die Majestäten auf dem Balkon nach dem Marknsplatz zu, wo eine große Menschenmenge die Monarchen mit begeisterten Hurrarufen und Hüteschlvcnkcn begrüßte. Um 21-Uhr bcgabcn sich der Kaiser und der König ans daS Kriegsschiff „Gliben", um es zu besichtigen. Der Kaiser führte den, König den Panzerkreuzer „Gäben" im Gefcchtszustandc vor. Ter König besichtigte die einzelnen GefechtSstationcn mit großem und verständnisvollem Interesse und lobte die ans- geführten Ucbungen. 'Auf dem Flaggschiffe der deutschen Mtitelmeerdivision waren während des Aufenthaltes der Majestäten am Großmaste die beiden Standarten Seite an Seite gehißt, am Vorniastc die Großadmiralsslaggc des Kaisers. In der AdmiralSkajüte war der Tee gerichtet. Als die Majestäten das Schiss verließen, feuerten die Kriegsschiffe Salut. Tic Monarchen lehrten im Schnellboote des Königs nach Venedig zurück, während das Wetter sicki aus klärte. In der Stadt besichtigten beide Herrscher die Rcnoi vicrniigen im Togenpalast sowie die Spitzenschule von Jesurnm. _
Deutsche» Reich.
Sic Reise des Kronprinzen a n s g c s ch o b c n. Wie das Wolsf-Burcan iiiittcilt, gelangt die Reise der kronprinzlicheic Herrschaften in die deutschen afrikanischen Schutzgebiete in diesem Frühjahr nach nickit zur Ausführung. da cs sich als unmöglich hcrauSgestellt hat, die Reise in der zur Verfügung stehenden Zeit ia vorzubcreitcn, wie cS nach der kolanialnolitischen Bedeutung und dein informatorischen Zweck erwünscht erscheint.
De nr preußischen Abgeordnete »ha use ging der Entwurf eines Eisen b ah nanlcihcgesetzcs (ge« fuitbeit6 ahnt>orlage) zu. Ter Entwurf fordert insgesamt 506 211000 Mk. Im einzelnen sind zum Bau von Haupt und Nebenbahnen sowie zur Beschaffung von Fahr- zcugen infolge des Baues dieser Eisenbahnen 117-17.! 000 Mark vorgesehen. Zur Herstellung zweiter und dritter Gleise werden 171823 000 Mk., zu weiteren Bauausführungen 33 565 000 Mk. gefordert. Zur Beschaffung von Fahrzeugen für die bereits bestehenden Staalsbghnen sollen 173 200 00t» Mark, zur weiteren Förderung des Baues von Kleinbahnen 6500000 Mk. verwendet werden. Schließlich forderi der Ent wnrf zum Erwerb des Cronbcrgcr EisenbahnniUernch mens 650000 Mk. V .
D i c konservative Fraktion des Reichstags hat den 'Antrag cingcbracht, den Reichskanzler zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß die Vcrsichcrnngsbehör- den und Kasscnvorstände dem Gesetz entsprechend nur solche Familienangehörige dcS Arbeitgebers als versichcriingspflich- tig zur K ranken Versicherung hcranziehcn, die zu dem
vieAindergärtnerin und dieZröbelschettinderpfleoeri».
Gießen, den 2fi. März.
9(uf Veranlassuiig des .stiubcrflai'tcnüciciivj uiti) bc-S Gie- Vielter Fröbel-Seminars sprach gestern abend Fräulein Hedwig H ü b n c r int unteren Softie be? Hotels «stftüfo vor einer ftattltdvcit Zuhörersckwjt über die Kindergärtnerin und die «vrobelscheKui- dcrpslegcrin. Sie ging davon aus, daß der Beruf der indergart nerinnen und Kindcrpslegcrinnen trotz seiner außerotdentltchen Bedeutung und trotz der starken Nachfrage, noch lange nicht w viel ausgeübt werde, wie iljm zukomme, und daß er aller Boran'.'- sicht nach so bald noch nicht überfüllt sein werde. Ger jt i g e Mütterlichkeit zu üben sei der eigentliche Berns oer.Kindergärtnerin, und jedes Mädchen, das heiraten wollte und', cuitcr zu werden hoffte, sollte ihn eigentlich erlernt haben, denn eine harmonische Entwicklung des Kindes sei nur dann mog- lich, wenn es eine harmonische Ausbildung und Erziehung in seiner frühesten Fugend genösse. Liebe zum Kinde allein genüge nicht: eine tüchtige Erzieherin müsse ebenso über das Seelenleben des Kindes unterrichtet sein und über den Körperbau als auch über die praktischen Bedingnisse der Erziehung. Wie viele Eltern aber könnten nicht einmal den Tätigkeitslrieb des Kindes leiten und führten ihn dadurch auf falsche Bahnen. Eomenius. Pestalozzi und Fröbel haben hieraus energisch bin- gewiesen und auch ausführliche Anleitungen gegeben, aber leider sei der Erfolg nicht besonders .erfreulich gewesen. Tun eine Hausfrau kochen, nähen und flicken könne, sei heutzutage selbstverständlich. daß es aber viel wichtiger sei. Kinder richtig zu erziehen. daran dächten die wenigsten. Viele Familien seien in der Wahl ihrer Köchinnen vorsichtiger, als in der Wahl der Erzieherinnen ihrer Kinder. In diese unhaltbare,t Zustände hät- ten die Kindergärten mit ihrer planmäßigen Erziehung segensreich eingcgriffeu und auch hier in Giessen seien zwei solcher Justi- tnte, der Privatkiiidergarten des Frl. Möser und der des Kindergartenvereins. Ein Volkskindergarten, der dringettd notwendig wäre, weil die für die erwerbstätigen Familien eingerichteten Kindergärten dauernd überfüllt seien, sei in Gießen grmaend zu wünschen. Vorbildlich in dieser Beziehung sei die ^tadt Frankfurt a M., die kaum eine Volksschule besitze, der ^icht ein Kindergarten angeschloffen sei. und dem ^ehrerinnen- 'nmimn- fei dam noch ein aroner Volk.?kniderqarten angegliedert.
VTfönber »olOwiiinac Verpflegung eryokten. Longe Zeit seien ES «..«ländiitben Kindcrpficgcrrnnc» »>r ui,3 vorbildlich geive tm, meil Preußen zur Zeit der R-uktwn die Kmdergärte,, snr stootSgesöhrlich angesehen imd deshalb verboten Hobe, ober in
unserer Zeit sei ei» crsreulicher Alliichlvung zu verzeichnen, dcr
genommen ______ . ,
tüchtige und ersprießliche Arbeit geleistet werde.
Frl. Hübner ging dann näher auf die '»lusbildung der Kiu- bergärtnerimien und Kiudcrvstegerinueu ein, erläuterte den Bil- duugsgaug. der iür beide ungefähr derselbe ist. und beleuchtete daun die Anstellungsverhältnisse, die reck» günstig sind. »Für Kiudcrgärtucriuiicn. die auch älteren Kindern zur Seite stehen solle, 1 , ist all Vorbildung der erfolgreiche Besuch einer zehn- stuiigcu höliceeu Mädchenschule erforderlich, dem sich der jährige
inr Kindergärtncriniicn an, 370 Mark. Tic Kindergarlncrmnen sind seit 1912 zu einem Verband znsamnicngeschloiicn, der den, chentichen Lehrerinncnnerein ungegliedert ist. — In dem Gietzener Fröbclscminar sind neben Kursen sür Hoivitantinneii auch Lchr- aängc für Mütter eingerichtet, die zwölf Tonvelstnnden nm- fatfen und eine vraktiiche. technische und theoretische 'Ausbildung umiassen. deren Besuch icder ums geistige und leibliche 'K'.olil ihrer Kinder besorgten Mutter dringend zu empfehlen sei.
-per Vortrag wurde mit Ikblfaitcm Beifall auigenonnNen, und'da sich niemand zu der Aussptache meldete, schlotz Frau M SicvcrS die-Vorsitzende des Kindcrgartenvcrcine-, die den Vorlraa mit einer kurzen 'Ansprachc cingelcitet hatte, mit herzlichem Dank an die Bortragend^dic Versammlung.
F-rederic Mistral r.
An - Paris März, wird gemeldet: Ter provcnzaliichc chichü-r 'ir r c d cr i'c M i st r a l ist in Maitlanc gestorben.
bottN mid ehn der Umstand, daß er »I einer Sprache dichtete die heute säst nur noch das kleine »srttn°ch^,cme^He,mat^crstcht.
fronen ^>ie^auvtttadi Frankreichs nur noch eine lächerliche war er 'nr die »dauptstadr,^.»tncntc. Cr lebte
sehr^ zurückgezogen aus seinem Landntz und kiinrmerle sich wenig
um die große Mit-
Ten Sitz in der'Akademie hat der Dichter hartnäckig abgclehnt: er begnügte sich n«rt der Bewunderung, die ihm seine Provence und lilit ihr der ganze Süden Frankreichs cntgcgcnbrachte. lieber ihn hat 'Alplwnse Daudet, sein Jugendfreund, einmal geiagl: „Wenn-ich diese schöne provenzaltiche, mehr als drcivieclel lateinische Sprache höre, die die Königinnen früher gesprochen hohen und die setzt nur noch die .Hirten verstehen, so beivnndcre ich diesen Mann."
T i e K ö l» c r B l n m c n s v i c l c. Tic Königin von Spanien hat nach Mitteilung ihres HofmarichallamteS an den Vor- iitzcndcn der Literarischen Gesellschaft III Köln, Beigeordneten De. Lauf, den Ehrcnvorsitz der diesjährigen Blninenspicle angenom- mcn, die ainl 3. Mai ini Gürzenich statliindcu. Tic Spiele solle»! zu einer GcdächtniLseicr sür ihren Begründer, Hoirat Fastcnrath. ausgestaltet werden, der an diesem Tage scirrcn 75. Geburtstag gefriert hätte.
- - Römisch-germanisches Z c n l r a l - M u s c 11111 . tzlin 20. und 21. ö. M. fand in Gegenwart des Vertreters des Rcichsamts des Innern, des ProvinztaldircktorS sür Rheinheise» und des Oberbürgermeisters der Stadt M a i n z die Jahrcsvei- iammlniig des GcinmworstandcS deSR ö ni i s ch -g e r m a ni s che 11 Zentral-Muse n NI S statt, in der der Tätigkeitsbericht snr daS vergangene Jahr erstattet und Fragen der MuicninSorgani» salion beliandelt wurden. ?l»schlietzend an einen Rnndgang durch die Sammlungen wurde im Erdgeschoß ein schöner großer Saal neu eröffnet, acr die 'Altertümer der H a l l st a t t z c i t ausgenommen hat, nachdem diese ganze, ebenso wertvolle wie ansge- dehntc 'Abteilung jahrelang magaziniert werden wußte. ?Ivch sonst ist ein starker ZuloachS zu verzeichnen, vor allcni an Originalen aus Griechenland und Italien, aber auch ans Tcntschland, wo der 2lnStanichverkchr mit den Museen sich erfreulich werter entwickelt Hut. Am Vorabend der Sitzung hielt Gchcimrat Pros. L 0 c s ch ck e ans Berlin einen durch zahlreiche Lichtbilder illustrierten Vortrag über „Kretisch, Mykenisch, Nordisch", in welchem auf die großen Unterschiede zwisckfen der halb asiatiichcii kretischen und der festländischen inykcnischcii Kultur der griechischen Bronzezeit hingcwicsen wurde.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Wie die Intendanz der Königlichen Schauspiele in W i c s - baden mittcilt, ist der dtufenthall des Kaisers in Wiesbaden ent- gültig aui die Zeit vom 13. bis 18. Mai festgesetzt worden. Während dieser Zeit iindcn die alljährlichen Maifestspiclc im Hof- Theater statt.


