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Der SIcheiter Suzeiger
erscheint tägttrfi, anher Sonntags. - Beringen: viermal wöchentlich SietzrnerZamil ienWntttr; zweimal wöchenitckireir- blattfär&en KretsÄitkcn rCicnStng I»,d Freitagl; sroetmcl monnH. 1#*». wirtschaftliche 3tilfro*tn Fernwrech - Anlchlülic: ®* die Redaktion 113 , Verlag ». Expedition SI Adresse !ür Depeschen: »«zclger «ietze». Annahme von Anzeigen kür die Tagesnummer bis vormfttags 9 Uhr.
Erstes Blatt
Jahrgang
Mittwoch. 25. März
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Rotatioitsörud »>- Verlag -rr Srühl-schen U»i».-V«chr p,h Strii-nukerri 8. Lang«. 8c»attio«. Lrpediflon attb Drutfcrfi: Lchulftrahe 7. A>^eigm!-ii:' H?Ae»
TZezitatzprei»:
monatlich 7öPs., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6L Pst; durch diePost Aik.2,—oiertel* jätul auLickl. Bestellg, Zeile» preis: lokallöPs^ auSwärtS 20 Plenniq. Chefredakteur: A, Goetz. Bcrantworllich für de» polil. Teil: Aug. Goetz; lür .Feuilleton", ,Ber- milchtcS" und.GcrichtS- fanl": Karl Neurath; lür .Stadl und Land":
Die heutige Nummer umfahl 14 Seiten.
Tagcskaicndcr aus dem Fahr« 1814.
25. März; Treffe» bei la Fecc Champcnoisc, in dem die Verbündeten die Franzosen schlagen. 10 000 Monn Franzosen, darunter 8 Generale, werden gesangc», 38 Kanone», 200 Pulverwagen erbeutet.
Aus dem Ruhttohlen Revier.
Unser wittschnftspolitiicher Mitarbeiter in Essen schreibt uns:
Die am 2V. Februar abgebrochenen Verhandlungen stur Erneueimng des Köhlenshndikats sittd ani letzten Samstag lniedcr ausgenommen morden. Geheimrat Tr. Eniil Kirdorf l>at sein Amt ans Wunsch der Zechenbcsitzer wieder über' nominell und die Beratungen geleitet. Uni dem über dem Sekbstverbranch und Zuküus der Lüttenzechen cntstandenc» Konflikt aus dein Wege zu gehen, lvar von den reinen Sechen der Antrag gestellt worden; Tie Herstellung von Koks seitens der Hüttenzechen für den eigenen Bedarf darf nur ans Hüttcnkokereien und nicht aus Zechcnkötcreien erfolgen.
Wenn dieser Antrag nun auch keineswegs die Zustimmung der Hllttenzcchcn gefunden hat, so wird man sich doch weiter mit ihm befassen und ihn evtl, als Grundlage neh- inen, Um zu einer Einigung über diesen Punkt zu gelangen. Ein großer Fortschritt aus dem Wege der Verständigung ist in den Zanistags-Verhandkungen nicht erzielt worden. Mer cs nehmen weutgstens wieder alte Zeche» einschließlich der Vertreter des preußischen Handelsministeriums und des fiskalischen Bergbaus daran teil. Ein Ergebnis lvird sür dieses Fahr kann, zu erlvartc» sein, da die Bewältigung der vielen gegensätzlichen 'Auflassungen unter den beide» Haupt-Zechen- Gruppcn viel Zeit erfordern lvird. Inzwischen gehen die Fusionen ihren Gang weiter. Neuerdings haben sich wieder drei bezw. vier große leistungsfähige Zechen mit Reedereien verbunden and zwar der „Essener Berglverks- vcrein König Wilhelm" mit der Kohle»- und Reederei- Firma Julius de Gruhtcr in Duisburg'Ruhrort und 'Kami» heim, die Zeche Ewald in verton mit der Mainzer Firma Adolf Thomllc und Gras Bismarck und Friedrich der Große in Hern« mit der Kvhlengrotzhaudlung Adolf Harloss, o>. b. H., in Kassel. Diese letztere Firma war eine der größten Kohlen-tzandelsgesellschastett überhaupt und sic brachte, ehe sie in eine G. ni. b.H. mit 1,6 Milk. Kapital nnrgewandelt ivnrdc, ihrem Besitzer fast '..Million jährliches Einkommen, ein Umstand, der bei den Zechen im Kohlen.Revier viel böses Bl it machte, Tie erweichenden Zechen haben jetzt etwa t Rill. Marl als Kaufpreis daiiir bezahlt. Tic Gcsellsätzijt hat Zweig tflederlassninzeii in Mannheim, Gustavsburg, Duisburg Ruhrort und Iserlohn. Tic Zeckgm rüsten sich ans diese Weise auch sür den Fall, der zwar nicht sehr wahrscheinlich ist, daß das Kohlensliudikat nicht zustande kommt.
Inzwischen geht der Kohlenabsatz immer lveiter zurück. Tic Beteiligt,ngSanteile sind für April aus 80 Prozent sür Kohlen und Briketts und aus 50 Prozent sür Koks festgesetzt worden. Im lctztverflossenen Monat Februar lvarcn noch 81,5 Prozent ans die Beteiligung abgesetzt worden, obwohl auch da der Absatz schon c,»c Million Tonnen geringer war. als in der gleichen Zeit des Vorjahres; er betrug nur 5,8 »Kill Tonnen gegen 6,8 Mill. Tonnen, 'Auch die Förde
rung weist einen erheblichen Rückgang auf; sie betrug 7,7 Milk. Tonnen und war um rund 620000 Tonnen kleiner als im Vormonat. Ungünftlgcr als für Kahlen sind die Absatzverhältnisse sür Koks, da hier nicht nur die Hochofenwerke schwächer abruscn, sondern auch der Absatz sür Haus- brandzwecke wieder crlreblich nachgelassen hat. ES sind gewaltige Berge, die die Zechen in Kots allmählich auf den Lagerplätzen anhäusen, deren Unterbringung ihnen ans die Dauer schwer fallen wird. Merkwürdig ist, daß die Zechen, die nullt i», Syndikat sind, von der Absatzstockung nicht betroffen werde». Sie steigern ihren Absatz in Kohlen und Koks, fördern uneingeschränkt und stellen fortgesetzt 'Arbeiter ein, während bei dem Stindikotszechen aflcrdingS nur in geringem Umsang« - Arbeiter entlassen und die Löhne herabgesetzt werden.
Die Reise des Raisers.
Venedig, 21. März. Ter Kaiser ist um 9.10 Uhr hier eingetrosfen und hat sich sogleich an Bord der „Hohen- zollcrn" begeben.
Gleich nach der Ankunft überreichte der K a i se r dem Bürgermeister Grasen Gr im ani in geschlosscneni Briefumschlag 3000 Mark zur Verteilung an die Fa mi licii der bei der Schifsskatastrophe in Lido U in g e t o m n. An Bord der „Hohcnzollern" ließ sich der Kaiser die Schiffsmannschast vorsührcn und labte.sie sür ihre bei dem Unglücksfall geleisteten Nettmigsarbeikeii. Mit tags fand an Bord der „Hohenzollern" eine Frühstückstafel statt. Uni 1 Uhr 15 Min. nachmittags begab sich der Kaiser im Ruderboot mit Gefolge zum Besuch des Palastes Wallis Moncenigo am Canale Grande. Um 5 Uhr »ahm der Kaiser de» Tee bei dem Grafen und der Gräfin Papadopoli.
Zur Abendtafel an Bord der „Hohenzollern" waren gc laden: der deutsche Botschafter, der deutsche Militäraltachee, der Marineattachcc sowie Graf Facini.
lieber die Ankunft des Kaisers wird noch lveiicr gemeldet: Nach dem gestrsipm düsteren Traueetage herrschte heute prachtvolles Frühliiigswetter. Die öffentlichen Gebäude und Privatpaläste sind reich beflaggt. Der Eanalc Grande ist besonders prachtrwlt geschmückt. Zahllose Gon- deln und Motorboote führen die Behörden zum Bahnhöfe. Hcrrlickie Teppiche und reicher Pslanzenschmnck vom 'Anlegeplatz bis zmit Ende des Bahnsteiges, der mit reichsdeutschen und italienischen Wappen behängt ist, verleihen der Station ein festliches Gepräge. Das Ufer des Canale Grande ist schwarz voll Menschen. Eine große Menschenmenge hält die Stlflen einer gegcnütwrliegendeii Kirche dicht besetzt. Um 8.20 Uhr waren bereits afle Behörden: der deutsche Bot-, schaftcr, Admiral Tonchon und die Kommandanten der deutschen Kriegsschisse anwesend. 20 Minuten später fuhr der Hofzng aus der Station ein, während die Stadtiäpelle die deutsche Nationalhhmne intonierte. Ter Kaiser begrüßte, am Wagenfenster stelzend, militärisch die Erschienene», sprang schnell heraus und schüttelte zuerst dem Vizeadmiral Garelli herzlichst die Hand und unterhielt sich sodann angelegentlich mit deni Bürgermeister. Nach der Begrüßung des deutschen Botschafters und der Herren der Botschaft durchschritt der Kaiser den Wartesanl. Tas spalierbtldcudc Militär schulterte beim Erscheinen des Monarchen das Gewehr und die Menge brach in kaute Hochrufe aus.
Der K a i s e r begab sich mit einem seine Standarte führenden Boot durch den Canale Grande, überall vom Publi
kum herzlich begrüßt. Sodann bestieg der Kaiser, begleitet van dem Generaladintantcil v. Plessen und seinem Flügel adjutanten das Ruderboot der „Hohenzollern". Den Fahr zeugen des venezianischen Ruderklubs folgend, durchichnitl das kaiserliche Boot blitzschnell die Fluten des Canale Grande. Das sich an den Fenstern und den Ballonen be flndcndc Publikum begrüßte das Boot überall aus das leb basteste. In Motorbooten folgte das übrige Gefolge dein kaiserlichen Boot in geringer Entfernung. 'Als das kaiserliche Boot in Sicht kam, feuerte der Kreuzer „Breslau" Geschützsalut, und die ans dem Oberdeck ausgestellt« Mannschaft be grüßte den Kaiser mit eine», dreimaligen Hurra, Gleichzeitig führte d a s L u s t s ch i s s „P a r s c v a l" glänzend gelungene Manöver laus, denen der Kaiser die größte Aufmerksamkeit schenkte. Uni 10 Uhr stieg der Kaiser an Bord der „Hohem zollcrn", nochmals durch Salven begrüß!.
Die italienische Presse.
R o in , 21. März. Von den römischen Zeitungen bringen heute abend gts erste „Giornale d'Italia" und „Vita" Be- grüßungsartikcl zur Zusammenkunft in Venedig. Das „Giornale d'Italia" feiert den Dreibund, der «ns der europäischen Krise stärker denn je hervorgegangen sei. Tie Kaiserrcisc sei der beste Kommentar und die beste Antwort der Wilhelmstraßc aus alle romanhaften potitischcn AuSstrcunngen in der letzten Zeit. Dos Blatt iäbrt fort: Wir stellen mit Genugtuung fest, daß die öfter rcichisch-dentschen Beziehungen stetig und herzlich sind und durch unwesentliche Zwischenfälle während des Ballankricges nicht getrübt wurden. Tic besten und intimsten Bcziehnngcn, wie sie. kaum je vorher waren, bestehen auch heute zwischen Teuischland und Italien Es besteht kein Zweifel, daß in diesem Augenblick von allen Nationen Europas es Deutschland ist, mit dem wir in den intimsten Beziehungen stehen.
Ein französisches Urteil über die Kaiierreise.
Paris, 21. März. Mehrere Blätter beschäftigen sich nük der Reise Kaiser Wllhcl m s nach Wien und Venedig. Ter „Tcmvs" meint, daß den Begegnungen de; deutschen Kaisers mit dem Kaiser Franz Joses und dl' IN König Viktor Emn- nucl infolge der gegenwärtigen Verhältnisse eine besondere Bedeutung bcizinncsscn sei. Der Friede aus dem Balkan sei zwar Iicr- gestcllt, aber es sei dies ein mit verschiedenen Schwierigkeiten und Problemen belasteter Friede. Tie öflentlühc Mcimmg Oesterreichs erblicke in der Zusammenkunft der beiden Kaiser einen Beweis für ihre Freundschaft und sür die Festigkeit des österreichisch deutschen Bündnisses. Ebenso werde die Begegnung öl Venedig das enge Zujaimncnwirlen der Kräfte des Dreibundes in allen Fragen des europäischen Fes!lande - wie i» d-men des Mittel» inrcrrs »nd Kleinasiens bekräftigen. Diesen vereinten Kräften gegenüber hält die Trivleenpirlc, deren Intimität van neuem durch die Besuche des Königs Georg in Paris imd des Präsidenten Poineare in Petersburg bekundet wird, das Gleichgewicht ansrecht. Tieses Gleichgewicht und die Fürsorge, welche dic'Trivle- eutcnte auiwenoe, um ihre militärische Macht aut der Hölle ihrer diplomatischen 'Ausgabe zu erhallen, bieten das beste llntcrpland dafür, daß die noch schwebenden Fragen in sricdlickiec und billi gce Weise und nick» zum Schaden der Triplemtentenrächtc gelöst werden. Deshalb sehen wir diesen 'Austausch va» Besuchen und diese Unterredungen ohne Beunruhigung. Ist doch schon die Reise Kaiser Wilhelms nach Karsli ein Anzeichen der Ent spannung.
Deutsche» Aeieh.
Das K ö n i g s p a a r von Württemberg i n Nc ü n - ä>e n. Ans München vom 24. März wird bcflchtct: Heute mittag 12 llhr besuchte der König von Württemberg mit dem Ehrendienst das Rathaus. Er wurde vom Obrrbürgermcistcr Tr. Borscht und dem Bürgermeister Brunuer am Eingang des Rathauses cmpsangeit und durch die Rcpräsentationsräume geführt, wobei ihm der Ober
Der Leipziger parsisa?.
Aus Leipzig 22 März, wird uns geschrieben: Nun Hot auch die GeburtsstaLtt Wagners das letzte Mysterium des Bay- rcutfcet Meisters erlebt. T.c Intendanz, tu vollem Bewußt,cm ber aroßen Beipflichtungen, die eine Anfführung gcra^ an dm er Waqncrftattc mit ,'ich brachte, Uat sich nicht an der Jagd der grald dürstenden deutschen und anslündnchen -Buhnen beteiligt. „Dre Würde dem Werlo zn rvahrcn. ailt uns mehr, al> der ^chnell»a- keilsrekoro/' 3o lautete ihre Anl.nort aus die H.-Ugen Angriffe, die ihr ob ihrer scheinbaren Scülmigkeit gemacht inurden. "rach dem heutigen Tage unrd man ihr Dank nnncn: Me BarUsal aussührnng ist das stolzeste Ereignis der leipziger Theater-
geschickte. . .
Jns.enieruug. deren Plane m gemcmiamer Beratung von Mar l i n g e r, Gchcimrat M art er steig und Ober, rcgm'eur Dr. Lert entstammen, wurde von dem Münchener Professor Robert Engels 'dem Schöpfer der Bilder zum Noman von Tristan und Isolde, ausgemhrl. r^re entfernt ,«a, bewußt von der Bayreuther Tradition, nicht aus .Keue
rung.- llcht. sondern aus der richtigen Aunammq. ein öit’ Banreuther Gestaltung itt vor mehr als dreißig wahren sengtleo,'' neu zu erwerben. Im Gegen,atz zur Pracht und Uev vigleit des Bayreuthcr Gewands ist der leitende Gedanke der Hiesigen Inszenierung die strenge, verhaltene ,'vrni ans aer «vv'h reit der religiösen Glaubenskämttte gcme,cn. >>n der altchntt-- lichen Architektur Ravennas bat Marterstcig, dank K,Nigers Wlt«, diese Form gkinnden. Tns Innere der Gralsburg >n -me getreue, völlig rlasttschc Nachbildung der Kirche -an 'k-nlalc in Ravenna, die lim 510 von Theuderich errichtet wische. Und dge „Igiiitiien sür die Kostüme Hai Engels nach den du'Italien der atichiinliiti bgzan,iniichcn Mosaiken in der Kathedrale s. Avollinare Auavv „nd in der Grabkapclle der G.alla Plaetdta emivorlcn. 0 » dteiem monumental keuschen Geivand ivielt srck das Erlo »ngsdra na ab. Es ist akitfncilig die Form, die das -Illlc und Abendliche IN per IMniik am reinsten körperlich dar,teilt., -tarn Wagners ioiif hoben hier nicht mehr die Glut dcs Tristan oder dal oubcl des -irgirics Sic iind R- reise .rruckst eines Alternden, der am Abend mit unendtickicr Milde auf Erlebtes zurückschaut. In dieser Abgeklärtheit svielte auch das herrliche Gewandhaus- archcfter unter der Fühnmg van Otto Loh sc, der mit unvergleichlicher Innigkeit das letzte Vermächtnis nnnes ern|tr- gen Meisters nachschui Wütig scharte sich unter ihm die Quadriga' ll rin« (Parjifall. Käse Amsarias , Karl Braun Gurncmanz'' und Eäcilie Rüsche-Endors iKundry). lind tie zarten Stimmen der Thouioucr schwebten aus der Kuv- pel der ragenden Burg wie aus bödafteu Höhen herab. Tic Wnkung >cs Werkes war eine tiefgehende. BcsMdcrs der erdenscrne Schluß
löste starte Ergrisfcnhcit aus. Tie Ausnahme durch das Publikum geschah >u der einzig möglichen Form: In Schweigen und Ehrfurcht. ^ P. Ci.
Die bayrischen Königsmarfcii.
Aus München wird uns geschrieben: Vom 86. März gb lvcrden gus Verlangen die neuen Königs-Marken ausgegeben werden, die ein interessantes postalisches Novum darstellen. Sind es doch überhaupt die c rstcn ba n er i sche n Kö It t gs NI a r l en, denn jene von Sammlern heiß begehrten Raritäten mit dem Bildniiie ttönig Ludwig II. in Prägcdruck gelangten nie ui den allgemeinen Bert ehr. Tic neuen Marken rereiniacn stark dekorative Wirksamkeit mit subtiler Tctaükunst in der Wiedergabe des Porträts. Tie erinnern im Gegensatz zu den! unscharf ausgesührten und wenig reizvollen Germania-Bildnis der niedrigen prcußisckien Berte an die besten Marken einiger deutsckn'r Staaten in der ersten .tzälftc dcs rvrigcn Jahrhunderts, vor allem an die kunstvollen Marken- bftdcr der alten Niederländer. Ter Entwurf, oder genauer gesagt, die Entwürfe zu den Äönigsmarken stammen van dem Münchener hlnnstinalcr Professor Walter Firle, der König Ludwig III. wiederholt porträtiert hat. Tie Pscnnigwertc zeigen den König bald en iace, während sür die Markwcrtc ein ganz neues Profil- Porträt znm Vorwurf diente. Bei den Pscniiigwertcil tritt das Bild des Königs aus dunklem, rundem Rahmen aus ichraiiier- tem Gründe, der in de» oberen Ecken die Wertangabe», unten die ganze Breite der Marke überguerenft die Anischriit „Payern" in kräitigi'r Antiqua enthält. Bei den Marken im Werte van l bis 5 Marl ist der PorträtHintergriint» oval, bei den Werten von H) bis 2Ö Mark wieder r n n d, aber von einem Lorbcerkranz nmgcbcii. Tic Fnrbengcbuilg loflcht in mehrere» Werten von der der preußischen Briefmarken ab. Tie 3-Psg. Marke ist kasseebra»», die 5 Pfg. grün, die l0 Psg. rot, die 20 Psg. blau, 25 Psg. grau, 30 Psg. orange, 10 Psg. olivgrün, 50 Psg. rotbraun, 60 Psg. blaugrün. 80 Pfg. violett, I Mark braun, 2 Mark violett, ,'l Mark rot, 5 Mark dunkelblau, 10 Mark dunlclgrün, und 20 Mark dniikclbrann.
Tie neuen Postkarten enthalten als Wcrtstcmpel das baycröche Wappen in neuen Zeichnung von Lorbeer,Iveigen um rank,. Eine Neuerung gegen früher bedeutet ferner die stilisierte Ilmrabmung der Karte nach 'Art der österreichischen und ungarischen Pastkartcil. Im Gegensatz zu den Marken zeigen die Postkarten und Anweisungen eene gotische Künstlcrschnst. Tie Entioürse zu diesen Postwertzeichen schuf der Münchener Heraldiker Professor Otto Hnpo. Neu ist auch dos Verfahren der Herstellung dieser Marken. Zum ersten 'Mole wurde hier und. wie die Ausführung der erstell ausgestellten Erenlplare zeigt, mit beltevr tvelingen — der Rotationsdruck ftir Postwertzeichen in Anwendung gebracht.
Tic Vorzüge dieses gegenüber dem irüherrn billigeren Photolitho» druck bestehen in der b,deutend schnelleren Hefltcllungsmöglich keit., Tie beiden zum Markcndruck benutzten Maschinen licieru setzt täglich etwa fünf Millionen Stück, einen Vorrat, der bei deni tag liäicn Verbrauch von I J .> Millionen a» bayerischen Briefmarken etwa drei Tage reicht. Ter Jahresverbrauch beläust sich aus 100 bis 500 Millionen Stück. Die jetzigen Regenlenmarkcn, von denen noch große Vorräte vorhanden sind, n>crdcit noch längere Zeit im Kurs bleiben. F. E.
französische Nusgrabungen in Griechenland.
Delphi, T h a s o s , Delos, O r äi o m c n o s, N o t i o n.
Unser Athener Korrespondent schreibt unS vom 11. März: In der heutigen Sitzung des französischen archäologüchcu Instituts gab Professor G. Fougercs einen Bericht über die 'Ausgrabungen des Instituts ft» Jahre 1313. Sie waren dank der Freigebigkeit des sranzösischen Staates und dem Entgcgcnkammen der griechischen und oitamanischcn Regierung äußerst nmsangrcich, und erstreckten sich aus Delphi, Orchomenos, Thafos, Delos, Notion.
Eourbi gelang es, in Delphi den viclnmstiittencn 'Apollu- temvel auszugraben. Er ist in zwei Stockwerken crhattcn. Unten ist der wahrscheinliche Platz der Pythia sestgcstellt und auch die Höhle, in der vielleicht die Dämpfe des Orakels erzeugt wurden. In der Nähe bciindct sich ein neues Säiatzhaus. Ebenso wurden der Ost' und der West-Partikus ircigelegt. Bluni und Plassard haben in Orchame nas den qaitzc» antiken Stadtplan iestgelegt. Tas van ihnen nnsgc- grabenc Buleutherioil stellt sich aus Grund gefundener Inschriften als Stiftung reicher Einwohner des Peloponnes dar. Sie legten außerdem frei ein Heiligtum der Artemis und ein großes Hotel in der Nähe des Tempels. In einen, dorischen Tenivel iand man it. a. eine wundervolle Grabstelc, die zwei eng aneinander ge- schmiegte Freunde darstcllt.
In Delos legte Paris die Palästra, einen Weg zum Gipfel des Heiligen Berges und zwei nntike Häuser mit schönen Mosaiken frei. Ter Weg übcrraicht durch die gemaltigen Steinstuien, die zu icinen Stufen verwandt wurden, und durä, die koloisalen Blöcke der Eftiiassung zu beiden Seiten. Picard arbeftcte in Thaios. Leine graßurtigen Ausgrabungen wurden während des Balkanlrieges vom König Äanstantin besucht. Nach ibnt Hai Tbnsas früher eine viel größere Ansdclmnng gehabt als jetzt. Sic bildet in dieser Gegend dos einzige Beispiel so vvl ligen Verfalls. JEc* bedeutendste Bauwerk ist ein Hekatompedon von 23 mal 27 Mir. An-dehnnnr Es wurde im Lause der Iohrbundertc mehrfach umgcbaut. Tie zahlreich geiundencn Ar- chilekturreste deuten aus cs» Verwaltungsgebäude bin. Besonders merkwürdig ist ein Basrelief mit kämpfenden Greiicn Darüber befindet sich ein schöner Fries, der die zwöll Göttrr darstcllt.


