llr. 68 Diertcs
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „iltfttncr Samilienblattct" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich deigelegt. da» „«reirdlatt fflr den Kreis «letzen" zwemial wöchentlich. Die „Landwirlichaftlichrn Seil, Iragen" erscheinen tnonailtch zweimal.
Blatt l64- Jahrgang
General-Anzeiger für Sverhessen
Saiustag, 2t Marz 19 ;4
RolanonSdruck und Verlag der Brübl'schen Universnäls - Buch- und Sleindrnckerei.
R. Lange, Gieüen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» strave 7. Expedition und Verlag: e^M. Redaknon:er^ 112. Tel.-Adr.:AnzslgerGleveru
Lrbedun'ien der Reichs über den stauchen 3tnmeb Iiaifreölt.
Bon Rechtsanwalt Raab, Gießen.
Von den Rcichsbehörden ist ein Fragebogen an die einzelnen Regierungen gesandt worden, der von diesen wieder an die beteiligten »reise weitcrgcleitct worden ist, damit sür die in einiger Zeit in Berlin zusammentretcnde Kommission das nötige Material beschafft mirb. Die £r« Hebungen beziehen sich auf den städtischen Immobiliarkredit, und es sind in dmi Fragebogen eine ganze Reihe von Fragen aufgeworscn worden. ' die all« gement volkswirlschastliches Interesse beanspruchen dürfen und von prinzipiellcr Bedeutung sind: so schon z. B. die F-rage: Welche Umstände das Bauland in den Städten und das Bauen auf diesem verteuern und welche Wirkung dieses aus die Mietpreise hat. .
Durch Abgabe» alle- A»t ist der Unisatz §eS Ge- landes in den Städten erschiveri worden. Nicht nur ist die staatliche Besitzt»-cysetabga de im Laufe der Zeit llstntz wesentlich in die Höhe gesetzt worden, sondern die «tadte haben auch zit dein staatlichen Stempel einen nam hasten Zuschlag eingeiührt (in Gießen 50 Pro»,), Dazu hat die W er t z u loa ch s si c u c r erschwerend und damit preissteigernd gewirkt.
Die Städte sind selbst bewußt oder unbewußt unier die Grundstücksspekulanten gegangen und treiben durch ihr eigenes Interesse die Entwicklung oft in einer von dem natürlichen Berkehrsbedürfnis abgekehrten Richtung, Wenn so das baureife Land überhaupt schon in festen Händen ist oder nur schwer hergeg.ben wird, dann muß dies notgedrungen verteuernd wirten. Es mögen wohl auch, namentlich in früheren Zeiten der Hochkonjunktur, durch unvernünstigc Spetulantcn große Preistreibereien stattgefunden haben.
Das Banen wird teurer durch die Straßcnkosten« beitrage, die Entwertung des Geldes, die zug'eich zum Aus« druck kommt in der Erhöhung der Material-Preise und einer gang beträchtlichen Steigerung der Löhne. Ferner wirken mit erhöhte Verzinsung des zum Grunderwcrb nötigen Kapitals, die teuere Be schuf jung von Hypolheten und die damit in Berbindung stehenden Opfer.
Wenn unter solchen Umständen kein Ueberangeboi von Wohnungen staitfindet, dann wirkt dies auch verteuernd auf die Mietpreise. In Zeiten wirtschaftlicher Depression ist das Geld für Bauzwecke schwierig zu erlangen und in Zeiten der Hochkonjunktur mutz auch das Baukapital infolge der höheren Verzinsung der industriellen Werte und der dadurch geschaffenen Zinslonknrrenz sich der erhöhten Zinsforderung anschließen.
Als Abhilfe wäre die Beseitigung der städt. Bcsitz- wechselabgabe, eine Herabsetzung des staatlichen Stempels sür GrundstückSbesitzwcchsel und Hypothekencrrichtung zu nennen l ferner wäre zu verlangen, daß die Stadt mehr baureifes Land zur Verfügung stellt.
Das Bauen selbst würde billiger werden, tvenn die hohen Straßen- und Trottoirkostenbciträge nicht auf die paar Anlieger, sondern auf die Allgemeinheit ausgeschlagen würden. Dagegen wckrdcn wohl Material-Preise und Löhne eine int allgemeinen immer weiter ansteigende Kurve auf- weiseu.
Der städt. Immobiliarkredit ist schon seit geraumer Zeit ein sehr ernstes und schwieriges Kapital. ES ist eine ausfallende Erscheinung, daß die privaten Geld
geber und auch dir Kreditinstitute sich immer mehr von dem Hypotheken-Tarlehcnsgeschäst zurückziehen. Tie Judnstric zieht das Geld, das sich nicht gerne lange binden und daS von erhöhten Zinssätzen profilieren will, viel leichter an sich. Das Hypothekcnwescu aber ist sür viele Leute eine schwersällige und umständliche Sache, bei der Stempel und Aufwendungen nicht anfhöven. Auch haben die vielen Zwangsversteigerungen, die nicht einmal imntcr nur gegen schwache Hände gerichtet waren, die Ausfälle selbst an ersten Hypotheken, sowie das übertriebene Banen, das dem wirklichen Bedürfnis weit vorauSgceilt ist, die Geldgeber kopfscheu gemacht. Beliebt sind bei den Hypotheken nur die ganz großen Hypoiheiännchmcr der Industrie oder der sonstigen gcschästlichen Riesennnternchmungen, tvcil diese Art der Geldunterbringung sür die Kreditinstitute eine Vereinfachung der GeschästSsührung bedeutet.
Besonders schwierig ist die Lage der zweiten Hypotheken, und gerade hier wird als ein großer Ucbelstand allgemein die Tatsache empfunden, daß durch srcitv l.ige oder zwangsweise Abtretung der Mieteinnahmen diese sür die Hypothekenzinsen verloren gehen, ES sind bekanntlich Bestrebungen im Gang, die hier ansetzen und eine gesetzliche Sperrung der Mieteinnahmett zugunsten der Hypothcken- zinsen verlangen.
In Zeiten teuren Geldstandes zeigt es sich so recht, daß die Finanzierung eines Baues mit großen Schwierigkeiten zu rechnen hat. Gewöhnlich werden aus Grund der ersten Hypothek von einer Bank ratenweise und zwar so wie der Bau for.schreitet, die erforderlichen Ban- gelder vorgelegt. Meist ist noch eine zweite Hypothek, die bereits bis zu 80 Proz. des Wertes geht, nötig, um den Bau herzustellen. Hierbei ist als M.udestsorderung eines soliden GcschästsgcbahrcnS der Satz aufzustellen, daß der, der den Bau auf eigene Rechnung herstellt, in dem W. ri des fertiggestcllten Baues mindestens 25 Proz. des cig len Kapitals stehen hat. Ist der Grund und Boden vorher e» s worben, dann tritt gewöhnlich der Grundstückseigentümer mit seiner Kansgelchordcrunz ganz oder teilweise hinter die erste Hypo.hctt zurück. Die Baugclder werden hiernach getvöhmickt von einer Bant im lausenden Kontokorrent- Verkehr beschafst, während das Bau kapital selbst der betr. Hypothckengläubigcr ausöringt, also Hypothekenbanken, Sparkasse oder Privatleute. Für zweistellige Hypotheken kommen nur Privatleute oder auch ländliche Kassen in Betracht, die sich durch entsprechende Provision und höhere Zinssätze zur Darlchenshingabe bewegen lassen.
Erststelligc Hypotheken werden zurzeit gewöhnlich mit
Proz. verzinst. Zweitstellige .Hypotheken mit 5 bis 5 1 /* Proz. Tie LandeS-Hypoihekenbank in Darmstadt verlangt außerdem eine Amortisation von mindestens 1/2 Proz. .Hypothekenbanken binden den Schuldner bezüglich einer Kündigung meistens aus 10 Jahre. Bei Darlehenshingabe wie auch bei Erneuerung infolge Ablaufs oder Kündigung erwachsen dem Schuldner mitunter bis zu 3 Proz. sog. Geldbeschafsungskosten.
Bei den erwähnten ländlichen Kassen hat mitunter das höhere Zinsversprechen auch ein Jndiehühegchcn bei der Beleihung bewirkt, wie dies bisweilen auch da vorkommt, wo infolge Fehlens von amtlichen SchätzungS- stellcn eine zu Hohe Taxation erfolgt.
Diese starke Belastung mit .Hypotheken erleichtert aber ganz wesentlich die Verkäuflichkeit, weil heutzutage die Käufer nicht in der Lage s.ud, eine nennenswerte Anzahlung zu leisten; entweder sind sic nicht kapitalkräftig genug oder Staat und Gemeinden nehmen einen ansehn
lichen Teil der Anzahlung infolge verschiedenartiger Stempel und Steuern vortvcg sür sich. Die hohe Verschuldung zieht aber auch eine meistens mit der Höhe in: Zinssatz steigende Verzinsung nach sich. Dadurch wird der Verkaufspreis gedrückt, tvic andarieits ein geringer Zinsfuß der Hypothekcnsckmld, namentlich wenn er aus längere Zeit unabänderlich scststcht, tote überhaupt die Unlündbarkeit der Hypotheken oder auch die Amortisation, eine günstigere Bewertung des Grundstücks verursachen kann. Dies alles hat wohl auch unmilielbarett Einfluß aus die Mietpreise, denn je größer die Tchuldenverzinsung ist, um so mehr tvird der Schuldner bestrebt sein, cinigermaßeit einen Ausgleich ztni- schen den lausenden Lasten und den zu erzielenden Einnahmen herzustellcn. Nur wenn der Schulduer in einer großen Zwangslage /st. wird er uni jeden Preis zu vermieten suchen, auch wenn er dadurch keine angemessene Verzinsung des Objekts erreicht.
Diese Frage der Gcldbeschassung und der lausenden Verzinsung ist auch der wunde Punkt in den Bestrebungen, die sich in den Ueberschriften „Eig eu- h c i m", „G a r t e n st ä d t c", „K l c i n w 0 h n n n g s b a u - tert" usw. kennzeichnen. Diese Bestrebungen lassen sich nur dann verwirklichen, wenn nach allen Seiten unter Verzicht aus landläufige Verzinsung unter unentgeltlicher Zurver- sügungstellung von persönlicher Tätigkeit, von Vorarbeiten und Unterlagen eine Fördcntng cintritt. Schon durch die weitläufige Anlegung von Straßen und durch Schaffung von Verkchrseinrichtungen, von Wasser-, Kanal- oder Gasleitungen oder sonstige Lichtanlagen würde die Allgemeinheit mit schweren Ausgaben belastet. Der Grund und Boden müßte zu einem außergewöhnlich billigen Preis zur Verfügung gestellt werden, der Kauspreis selbst müßte sehr niedrig verzinst werden, Hypothekcngelder und Baugelder müßten aus Kosten der allgemeinen Steuerzahler oder aus Kosten der Angestelltenversickterung oder sonstiger- Institute sehr billig angeboien werden; vagegen wäre die Untere nchmcrtüiigkcit nicht in Rechnung zu stellen und jedes Risiko tvürde wegsa.len, und tvenn so alles zusammen Hilst, dann kann eine Mietitz bei solch gemeinnützigen Bangesell- schaften herauskommen, die sich bis zu öl) Proz. billiger stellt als bei Etagenhäusern, die eben nicht unter so günstigen Bedingungen hergesteklt werden iönnen. Bauunternehmer und .Hausbesitzer empfinden dieses als ungleiche Konlürrenz und als einen unberechtigten Vorsprung, namentlich da der großen Masse nicht zuni Bewußtsein kommt, aus Grund welcher besonderen Umstande diese gemeinnützigen Unternehmungen lebensfähig gemacht werden. Diese sind eben doch zum großen Teil ein Ausfluß der Wohltätigkeit und können bei einer Beurteilung der allgemeinen wirischastiichen Verhältnisse als Ausnahmecrscheinungen nicht mitsprechcn.
Die allgemeinen volkswirtschaftlichen Verhältnisse üben aber zweifellos gerade aus dem Gebiet des städt, Grundtredits ihren Einfluß aus; denn auch hier unterliegt das Verhalten des Kapitals den Ellgenicinen Erscheinungen des Geldstandcs, Geht der Uleichsbankdiskont in die Höhe und wird das Geld teurer, dann wird dadurch auch naturgemäß der Grundkredit erschwert oder unmöglich gemacht. Mit dem Einsetzen einer wirtschasttichen Depressiv» läßt sofort die allgemeine Ban- tätigkeit nach, und wenn kein reiches Angebot von Wohnungen vorliegt, dann werden die Mietpreise anzichen.
Im allgemeinen hat man die Beobachtung gemacht, daß meist durch übereilte Herstellung neuer Wohnhäuser die Wohnungen im reichen Maße angeboien waren, so daß
Frar» n.Nttttdscka»».
Die Frnu im Handel,
Ucber 300 000 Fraucn sinden sicherer Schätzung nach im Handel Lobn und Brot, ibre Gliederung dürste mit 18.) 000 Veil-mscrinncn und 120 000 Kontorangestellten richtig angegeben sei». Mehr als der zehnte Teil von ihnen — über 34 000 — sind dem Kaufmännischen Verband für weibliche Anqcttellte (Sitz Berlin. Aus ehninit über das ganze T-'u'sche R i'fO angeschlossen. Tie'e grüble deutsche ^rauenbernfsorganl a wn blrttt aut ?5 arbcits- mW erfolgreiche Jahre zuruck. Als kleiner Berliner Verein wurde der Verband im Tsihrc 18S0 ins Leben gerufen, von Ial-.r zu 7ahr w chs sin Bedeutung für br‘treib* lickxm kaufmännischen Ana stell e" : R c b' ln t' u:d Rechtsrat. Stellenv rmit lung in> Ztc e ioten nie |tu m g Vo trage und Lehrgänge und viele andere Einri.-lungcn mebr machten ihn feinen Mitgliedern zum Rückhalt im Becuisleben. Bei der gesetzgeberischen Behandlnn' b.v lm^igsten St^nd«1 a cn: Hcart- bildimgsschul wann, Ackckul:rladenschl. j», Sonntag-oriche. .10 k r- renzklausel, Angestelltenversickteconi u tv. bar der »a tmunnycl-e Verband durch sein zielbcwub'.cs Verfechten der ihm anoertrautcN Interessen der Gesamtheit der weiblichen Handlungsgehilfen uner- metzlichc Dienste geleistet. , , , .
Unablässig gilt auch heute noch feine vornehmste -^orge der Hebung der wirtschaftlichen und gesellschai llchen Stellung der weiblichen kaninränniscttcn Angestellten. War vor fü",fum zwanzig fahren eine Buchhalterin, eine Verkäuferin noch >o tüchtig. |te stand doch im Berufsleben allein, heute hat sie das nicht mehr nötig, Tausende stehen mit ihr gemeinsam in Reih und Glied und arbeiten mit ilw daran, ungeeignete Kräfte dem Berufe sernzuhaltcn, den Leistungen der geeigneten, aber das Man von Achtung und Anerkennung zu gewinnen, da« ne an ihrem Platze im Wirtschaftsleben unseres Volke-? mit Recht wrdern dunen.
Alle zwei ^ahre hält der Verband seine Hanvtverlammlung ab. ^ie let-te die sich vornclnnlich mir der Gehal.sirage beschäftigte, tagte R sin asten 1912 in Köln. Tie diesjährige, mit der zügle,cb die Inbelfcier des süniundmon.jg,Shn«en Bestens bez-nge:.,rer- den wird findet Himmelfahrt — 21 bis Mai m Berlin im Weü,'h°us M-i'-sold statt, zu der nur Mitglieder Zutritt Koben Tec- äabrcsbcriilu. Euttastung des Voruand,-.-. Ernennung eine" Ebckn^üg.eckh Ncuw.thi des Vorstandes usw. bilden b.c ,, ‘.»t..»* 21. Mal gibt die Ortsgruvvc
den Äl gtckten aus Ä* "» Fern und am Morgen des 22. Ma. beginnt der öiseutli^ Tett der ^bandlungm zu dem die Bcdörbc» und befreundete Vereine sowi. Einzklverwnen ge-
nek-Berlin statt,'i^r die särderungm der wnblichen AngesteNten zur Ausgestaltung des Dien,treck,tcs b, handeln wird,
- „Was soll unsere T o ck t c r w c rd e n?--. so lautet das Titelblatt einer neueren Beilage zum ^abresb^icht ^r^rger. schule für Mädchen zu Krefeld, 40 Berutc, die den Echülermnen
der Bürgerschule für Mädchen zugänglich sind, hat der dortige Rcltor darin sorgsältig zu'ammengestcckt und dabci mit Vorliebe nur die in Rdeintand und Wesifatcn bcsindlichcn Bildungsanüalten ausgcjührt, TcS weiteren gibt diese Ueüersichl sür iede Beruss- gattung (I. Haus- und landwirtschasttichc Berufe: 2. Krankcnpslcgc, a) Schwcstcrnschastcn in Mutterhäusern, b Schwesternschaften in Bcrussgenosscnschastcn, o) freiere Organisationen t 3. Soziale Arbeit; 4. Erziehung und Unterricht! 5. Verwaltung t 6. Handel und Gewerbe) genaue Auskunft über die einzelnen Arten von B e III f c n, über die B i t d u n g s a n st a l t c n Ihicr Rheinland und Westfalen), über die besonderen Bedingungen sür die A u s - nahm e, über die Dauer und Kosten der Ausbildung lind schließlich über die A u s s i ch i e n, die die einzelnen Bcruic bieten, so daß man in der Lage ist, an Hand dieser Uebcrsicht und unter Einblick in die Anstalts-Prospekte sich sür einen geeigneten und aussichtsreichen Beruf entschließe» zu löunen. Die ?lnordni»ig der Kapitcj gibt aus'.erdcm einen Anhaltsvunkt dafür, in welcher Reiheiisolge die einzelnen Bcrufsarten als dem weiblichen Wesen entsprechend anzuschen sind. Allerdings ist bie'e Zuiammcnüellung als Schulschrist nicht im Buchhandel erschienen, wohl aber aus Universitäts- und ösicntlichen Bibliathekeu leihweise eryiltlich. Um so danibarer würde man cs begrüßen können, wenn deranuie Zusammenstellungen auch sür weitere Sck-ilkrei-e den Verhält"ilsen von Sachv r «ändigen -esc tigi den E iern und ihren Töchtern bei der so üb.ra. s wich igen ce.uss oahl ug .ngiich gemacht werden lönnten. Den Interessenten würocn derartige Uc.icritchtcn zweiiellos einen guten Dienst erweisen, wodurch sich die Bearbeiter sür manche Mühe und Arbeit reichlich belohnt fühlen könnten. Von den gedruckten Ratgebern sind noch icrnerhin zu cmpichtcnt Frauen- bcrusc, Vorbildung, Ansbildung, Anstcttung von E, Lcmp: Auf eignen Füßen. Praktischer Wegweiser durch alle Bcrussarten sür erwerbende Fraucn von Maria H, von Helldors und Frauenkalender, K, B,
— W i e die bunten Perücken erfunden wurde». Lad» Tnss-Gordon, die unter dem Namen „Lucilc" als Toilctten- künftlcrin eine gewisse Berühmtheit erlangt hat, erzählt im American Magazine, wie sie daraus lam, die vielbesprochene Mode der bunten Coissurcn in Paris einzuiühren. Sie ist die erste qewcscn, die zu den von ihr entworienen Aeider» auch gleich die nötige Haarsarbe lomponicrte, und ibre roten, blauen, vurvurncn und grünen Perücken haben übereli Aussehen gemacht und auch hie und da Nachahmung gesunden, „Zu meiner Entdeckung," so schreibt sie, „kam ich durch einen Zusatt. Ich hatte sür eine sehr schöne dunkle Pariserin ein Kleid zu machen. Es siel sehr schön aus. Die Dame war entzückt davon. Ick, aber nicht. Das Kleid verlor, wenn sie es an harte, und das dar! nicht sein. Woher kam das? Die Farben waren harmonisch, leuchtend, krästig, aber sobald sie die Toilette anzog. lam etwas Dumpfes und Unsicheres in diese Harmonie. Plötzlich hatte ich es heraus. Es war ihr Haar, dessen tiefes Schwarz die Farben stumpf und tot machte. Ich brachte eine Schicht blauen Puders darauf und gab so dem Haare einen leuchtenden Glanz. Nun erst kam die Toilette zu ihrer rechten Airlung. Tann probierte ich an meinen Modelten den Zusammenllang der verschiedenen ToüeUen und der einzelnen Haarsarben aus und crkannle.
daß es Toiletten gibt, deren Schönheit nur dam, zur vollen Geltung gelangen kann, wenn das Haar eine bestimmte koloristische Note besitzt, ein sanftes Rot, oder ein tiefes Blau, oder sogar ein zart- krästigeS Grü», Nur wenn diese Färbung da ist, schmelzen Frau und Kleidung zu einem Meisterstück zusammen. Darum muß das Haar manchmal farbig sein. Natürlick: ist das nicht bei alten Toiletten nötig, und cs würde auch kcnten guten Geschmack verraten, wenn eine Dame immerfort und überall hin mit solcher bunten Haarsärbnng ginge. Takt und Zurückhaltung sind dasür ebenso notwendig wie sür jede Mode überhaupt." Die stolze „Entdeckerin" dieser Modeneuheit wendet sich dann gegen den Vorwurf, daß bunte Verrücken „unmoralisch" wären. Sie meint, dann müßte man logischcrweise jede Abweichung von der Natur als eine Sünde wider die guten Sitten bezeichnen und Schminken sowie Pudern der Haut seien mindestens ebenso schtimni. „DaS Haar ist nur ein Schmuck, Es ist so gut ein Teil der Kleidung wie der Hut, oder wie die Spitzen am Rock; cs muß sich ebenso dem einheitlichen Modestil fügen wie alles andere. Was wir mit unserem Haar machen, das hat mit Moral oder Unmoral nichts zu tun,"
— Aus der Frauenwelt, Ein neues Erholungsheim ist neben dem Kindererholungsheim in Ahtbeck erbaut worden. Das Haus ist für 30—60 erhrlungsbedürstige Arbeiterinnen, Mäd- cken und Frauen besttmmt. — An dem Thcatre sor Womcn (Coronct-Thcatcr in London, das am 8, Dezember v. Is. seinen Spiel, lan mit der Ausiührung von Brieur „La scmmc feule" eröffnetr, wird nun eine hock,interessante Neuheit .zur A»s- tübrung gelangen. Es ist dies die Ti ' lung „Prphnutius" der gelehrten B e » e d i k t i n e r -N o n n c R o s io 11 h a v o n G a n - dershcim, die Ende des 10. Iah,Hunderts gelebt hat Ter Name der Nonne ist bekannt, weniger dagegen ihre Werke, die in mittelalterlichem Latein geschrieben sind. Das stück ist von Miß Christovher Si, Johns übersetzt und von der Leitung des Women-Theaters zur Äussührung angenommen. Die Ausführung wird zweisellos großes Interesse hervorrusc», nicht nur als ein Betspict trüber dramatischer Kunst, sondern auch durch die Kunde des Bildungsgrades einzelner Klofteriraucn icncr vergangenen Zeiten. — Frl. Maria Lühr, die bekannte Leiterin der Bnchbinderwerkstatt und Lehrannatj des Lettehauscs, hat ihre Lchrtätiglcit an dieser Anstatt ausgageben und eine eigene stickt' binderwerkstatt und Fachschule begründet. Auch in dieser Schule wird ebenso wie am Lcttehause den vcricknedensten Wüttscticii Rechnung getragen. Es sind neben der berufliche» Ausbildung, die nach-den gesetzlichen Bestimmungen drei Jahre dauert und mit der Gesellenprüfung vor der Haniuvcrkskammer abschließt, auch noch verschiedene Liebhabcr-Knrsc eingerichtet tür Anfänger und Vorgeschrittene, auch besondere Kurse für Bibtwthekarinnen. d,e mit Rücksicht aut die Ert'orderniise dieses Berufes geleitet werden. Maria Lühr, die erste behördlich geprüfte Buchbindermcisterin, hat ihre Werkstatt und Fachschule, Berlin, Kuriürstcudamm 225. — Ter Erzieherin Elisabeth Horn im Kreise Wartenberg bei Königsberg i. Pr. wurde die Rettungsmedaille am Bande ver liehen.


