Nr. 68
Der «kV»« anjtift*
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^6^. Jahrgang
Samstag« 21 März 19^
General-Anzeiger für Oberhefjen
8atati«ikr-nick tmft Verlag öer vrähl'jchrn Univ.-Vuch- und Steindrnckerei 8. Lange, Redaktto». Lrpedition und Druckerei: Schulftratzr 7.
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n-.onatI>ch7öBi., vierteljährlich Mk. 2.30; durch Abhole- n. Ziveigstellen monatlich Kb Pj.; durch die Post PL 2.—viertel» jährl. auSschl. Bestellq. ZeilenpreiS: lokal ILPt» auswärts 30 Pienniq. tiheiredakteur:A Goch. Verantwortlich iür den polst. Teil: Aug. Eoetz: iür .Feuilleto»", .Vermischtes' und »Gerichis- iaal": Karl stleurath; iür .Stadl und Land": Kurt Bendt; iür den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaht 22 Seiten.
Tageskaleuvcr aus dem Jahre 1814.
21. März: Lvon wird von den Oestcrreichcm genommen.
22 März: General r> Bütow erobert die Vorstädte vor Zois. sonS. — V > trp a. d Marne wird gegen Napoleon durch den preußischen Obersten v. Schwichow verteidigt.
Der neue Rochette-Zkandal.
Die nieintc doch schon Friedrich der Grosse: „Fch Dann Ihnen nicht sagen, wie ,ehr mich die Franzosen cr- stotze»; diese so sehr nach Neuigkeiten begierige Nation bietet mir unaushörlich neue Szenen dar: bald siiid cs die vertriebenen Jesuiten, bald Glaubensdekrctc, das ausgelöste Parlament, die zurückgerusenen Jesuiten, neue M i n i st e r alle drei Monate; lurz, sic allein liefern llnterhaltung-östoss siir ganz Europa." lkachdem Eaillaur mit zwei anderen Ministern der derzeitigen französischen Republik gestürzt ist, Hai nun auch Marinrminitter M o n iS seinen Rücktritt verlangt und'erhalten. Gewist ist es nur ein vorläufiger Rücktritt, der dem Marincminister Gelegenheit geben soll, vor Faurös neuenl Rochette Ans schub unbest»ugen auSzusagcn. Ei» solcher provisorischer Rücktritt ist in großen Krisen nichts Ungewöhnliches. In der Pananiaaffäre hat es Leon Bourgeois getan, damals Fustizminister im Kabinett Ribot. Auch ist es noch nicht lange her-, daß Herr Lcsevre, Untcrstaatssetretnr der Finin zen, Äriand, im Ministcrimn sich absetzen ließ, »in als Zeuge vor dein parlanienlariscken Ausschuß auszntrcten. Bei Herrn Monis ist die Sache aber ziemlich bedenllich, und seine näheren Freunde tun gnr, ihm setzt sest den Tau men zu halten.
Antoine Emmanuel Einest Monis ist jetzt OK Fahre au, ein etwas beleibter, lebenslustiger Südsranzoie mit irisch gerötetem Antlip. weißem Haupthaar- iiiid etwas dunklerent Schnnrrbärtchen. Er gehört seit 1 SO 1 dem Senat an und machte sich zum ersten Male politisch dadurch bcinerktich, daß er das erste radikale Kabinett Bourgeois warf. Von L-aldeck Rousseau wurde er zum Fustizminister gemachl und ging damals, wie inancher andere von den in der Trcnsuß Assäre komprpmiltiertcn „Ge mäßigten" nach links hinüber zur radikalen Partei. Er ist ein alter Routinier drs Parlamentarismus, „schlau ivie ei» BordelaiS", mit allen Psifsen und Knisscn wohlvertraut, und verfügt, wie alle Südiran- zoscn, über rine natürliche Beredsamkeit. Ta er in der Gegend vvnCognac große Weingüter besitzt und eine bekannte Kognak- niarke sabriziert, io belieben seine Gegner zu behaupten, cr bcnutzc das Briefpapier seines jeweiligen Ministeriums zu Rcklamemittcilungen au seinen Kundenkreis. Jedensatts ist er im väterlichen Kognakgeschäst, das ibm weit einträglicher zu sein schien als die anerzogene Furistcrei. Millionär ge< ivorden. Man nannle ihn stets den-lachenden Philosophen wegen seiner großen Bebaglichkeil und Gennßsrcudigkcii. Als er im Frühjahr 1911 Ministerpräsident wurde, bezeichnest: die Presse sein Kabinett als „Monistcrium", um auch einmal einen Witz über diesen Witzbold zu machen. Bei dcni Aero- plauunglück aus der Ebene pon Fisy-lcs-Moiiliiieaup am 21. Mal 1911, dem Kriegsmiinster Bcrtcaur znin Spier siel, brach Monis das Nasenbein und ztvcimal das rechte Bein. Das war sehr ernst, und ernst ist auch die jetzige Lage, da man Herrn Monis beschuldigt, aus den Gencralstaatsanwalt
Fab re cingcwirkt zu haben, um den großen Schwindler Röchelte zu retten. Am 23. März Ulli iverden cs sechs Jahre her sein, daß der damalige Polizeipräsekt Lepinc den Bankier Rochette ans seiner llingcbung von sechs Bureau- direktoren und 100 Angestellten hcrausholcn niib dahin ab lühren ließ, mo sich jetzt Frau Callaup befindet, in die llitter suchungShait. Rochette war einmal Pikkolo im Bahnhois- rcstaurant seiner Hcimatstadt'Mclun, der Sohn braver, aber armcr Bauersleute. Der Juiall wars ihm eine kleine Erbschaft in den Schoß, mit der er schleunigst nach Paris fuhr, sic dort an geriebene Schtvindler rasch los wurde, um last cbeniv rasch ein ebenso geriebener Schwindler zu wert den. Er gründete mit einer Schnelligkeit, die sich im Rahmen dieser kurzen Eriniiernng gar nicht schildern läßt. Hella - Glühstrumpt - Fabriken und Banken. die in kurzer Zeit einen Wert von löO Millionen Franls bei saßen, d. h. in den Augen der Bauern, Handwerker untt Kleinbürger, denen Rochette mit seiner Flnaiizzestung den Kops verdrehte. Kurz ehe Lepine im Banlpalast von Rochette Ercdil Minier crsibleii, tras ein Rohrpostbrief ein, der den Grvßschwindler warnen und in die Flucht treiben sollte. Aber cs war doch schon zu spät, lind nun kamen allerhand böse Tinge heraus. Handelsmiiiistcr Eruppt und Abgeordneter Rabicr, Vizepräsident der Depulierteulämmer. hatten kurz vor der Verhaftung RachelleS dessen glänzend dotierte anwaltschastliche Vertretung niedcrgel g. Eine ganze Reihe von Stützen der Gesellschaft und der Politik entpuppten sich als Aussichtsratsmitglieder oder anderweitige Interessenten an Rochettcs Gründungen. Gegen den armen alten Lspinc wurde eine peinliche Hetze losgelassen. Er habe, so hieß es, bei der Verhasiung llnregelinäßigieiten im Polizei» verfahren begangen, er habe mir einem höchst zweifelhaften Börsenjobber und einem i.i der Sache persönlich interessier- len Zeitnligsmagnatcii zusammen einen Scheintläger gegen stiochetle ausfindig gemacht. Lepine hielt den häßlichen Feld zng und die langtvciligen Ilittersuchungen gegen sich aus und trat hostgcehrt erst im Februar 1913 vom Amte ab. Rvcliette aber ist nach sünsjähriger Verschleppung am 19. Te- zembcr 1912 zu drei Fahren Gefängnis verurteilt ivorden. In Abwesenheit! Er har 200 000 Franks Kaution zurück- gelassen und gründet zurzeit in Mexiko ivciker. Vielleicht hat er die Gnade, gegen „freies Geleit" zur neuen Rochettc- Untersnchniig nach Paris zu kommen.
Paris, M. März. Ter trübere Marine»,inistcr Monis wurde beute vom Rochetteausichuß vernommen. E- erklärte, daß er im März 1911 de» Besuch des damaligen Finanzministers Cailtaui crballc» habe, der ihm sagte, daß ei» Advokat, welchem er zu Dank verpilichlct sei, einen Aufschub im Rvchetteprvzeß verlangt habe, und daß er ihm bei dieser Gelegenheit seine Tanlbar- leii beweisen Mächte. Er habe daraus den Oberstaatsanwalt gekragt, welchen Eilisluß der Aufschub aus das Prozeßverfahren haben- tonutr. und bimugcsügt, das: die Regierung in tcinem Falle sein Vorgehen behindern ivoilte. Ter Oberstaatsanwalt habe crtvidcrt, daß der Aufschub in keiner Weise eine Verführung zur Folge haben tünnte, »doch von der öiientlichcn Meinung schlecht aus gelegt iverden würde. Taraus babe er vcmerkl, das; der Ausschub von dsm Gerichtsvräsidenlcn abdänge. Ter Obcrstaaisanwalr-möge dieser Ansicht folgen: irgend eine Presston sei nicht vorgekommen.
Ter Vorsitzende der Rochrrtr-Komniissioil Faurös hob gegenüber der Auslage Monis die Energie hervor, mit welcher der Ad vokat Rochettcs den ?lufschub verlangt habe. Taraus wurde East laux vernommen. Er erzählte, daß TumcSnil bei ihm geweien sei, mu idu zu tragen, ob die Regierung eincu Äuischub in dcr Angelegenheit Röchelte ablchnen werde. Er habe ihn an den Miniftcrprüiidentcn oder den Fustizminister gewiesen. Barthou
habe zu stiller Ilcberraichung nachträglich von einem Truck Monis aus Fabre gesprochen. Er sci überrascht gewesen. Eaillaux gab weiter au, daß Oberstaatsanwalt Fahre ihm aui sein Drängen unter dent Siegel dcr Verschwiegrnheit erklärt habe, Brtand hatte ihm besohlen, vor der ersten Rochcile-Koiumission nicht die ganze Wahrheit zu cntbiilleii. -
Tie Aussagen, die Oberstaatsanwalt Fahre vor dem Rochette- Ausschui; machst, stehe» in grellem Widerspruch zu den Er Itärungcn des ebeinatigcn Ministerpräsidenten Monis. F-abre tagte, dal; las von ihm dem ehemaligen Fustizminister Briand ge gcbeue Sck.risistück nicht einen Satz emhalte, der nicht der Ausdruck der Wahrheit wäre. Fabre erklärte weiter, daß der Ge. rickstspräiidcnt Bi dault de l'Fsle ihm zu Liebe in de» Aniichub eingcwilligt habe. Ausickmß-Lbmann Faurös be» Nstrktc hieraus, daß Bidault vor zwel Fahren bat Gegenteil aus- gesagt habe. Fabre cntgcgnetc, daß Bidault eine unrichtige Erklärung abgegeben habe.
vcutscde» Reich.
Eine B c g c g n II n g d c s Kaisers mit dem König von F t a l i c n. Aus Rom wird gemeldet: Ter König wird sich nach Venedig begeben, um mit Kaiser Wilhelm eine Begegnung zu haben. Es wird von San di Giuliana unb sci nem Genüge begleitet werden. Am 2ö. März wird im königlichen Palais ei» Frühstück stattsinden und abcnds um 8 Uhr cur Tincr an Bord der „Hohcnzollcrn".
Tie Abgeordnete» Mumm und W c r n c r - G r e swirtsch. Pg.) haben im Reichstage solgcnde A n i r a g c cingebracht: Welche Maßnahmen sind vom R c i ch s v c r si ch c r ll » g s a IN t getrosten, um die Anslellungsbedingungen und Rechtsverhältnisse iowie die Besoldung dcr Angestellten der Beruisgcnosscnschastcn nach den Vorschriften der 8^ HO, 70. r > der Reichsoersichcruugsordnung zu gestalten ‘ Inwieweit haben die Berulsgcnossenichasten diese Maßnahmen durchgcsührl? Was soll geschehen, um alle BerusS- gcnpstenichattcn zu .einer angemessenen Besoldung ihrer Angcstell-- len an zuhalten? Welches sind die leitenden tücdankcn des Rcickisver- sichcrungsgmts für die weitere Gestaltung dieser Rechtsverhältnisse?
Ter A e l t c ü c n r a t des preußischen A b g e o r d n e ' re n ha IIS einigte sich NM Freitag dahin, vom 28. Mär; bis zum 21 Avril Osterferien zu machen. Von dem Beginn dcr zweiten Lesung des KultuSctats vor Ostern wurde Abstand ge iiommen und beschlossen, die zweite Lesung des Kultusetars erst am 23. Avril zu beginnen. Am, LI. uzzd 22 April tollen Bitt- schristen und die erste Lesung des Ezstnbabnanlkihcgesckcs beraten werden. Bis zum Eintritt dcr Ofterscricn werden nur die noch äusstehcndcn kleineren Voranschläge zur Beratung gestellt iverden
F m vre u ß i s ch c n A b g e. o r d c t c n h a n s vollzog sich am Freitag die Weiterberaiung des G r n n d t eil UN g s g esetze s ruhig und sachlich. Bei den 'Bonden mattest, von den Sozial- demotraleu »aiürlich abgeichcn, sichtlich das Bestreben ob, Partei vclirifche Gesichispuokte uiöalichst auszuschalten Tas war auch bri dem Fentrumsrebner, Freiherr» v. R e i tz e n ft e i n»P > l » gramsdorf dcr Fall, dcr zuerst zu Worte kam. Er ist mit den Jielcn des (Gesetzes einverstanden, hat aber ernste Bedenken gegen das Rncktrittsrecht und kann ndt auch mit btT Bestimmung, durch die der gewerbsmäßige Gnierhandel getrostca iverden soll, nicht beireunden. 'Auch das Vortanisrecht ocrnnrst er als ein ir-zialistiickes Prinzip Er tan» es sich ichließtich nicht versagen, die Ansicdlmoisvolitik der Regierung als vrrschlt zu kennzeichnen. Eingehend äußert sich darauf der Abg. Ecker-Winsen • itatl.) besonders über das Vorkaufsrecht, in dem dcr Schwerpunkt drs Ge setzes lieg!. Auch er hat Bedenken, ist aber mit dem Grundgedanken einverstanden, und zwar vor allen, aus nationalen Gründen, da cs ei» audercs Mittel, dem llcbergnng von Gütern in polnische Hände zu steuern, nicht gebe. Ter Abg. Frhr. v. Zedlitz lFreik.) wünscht, das; Eingrisie in das vrtvaic Elgcnmmsrecht niöglickzst rcimiedcu werden, billigt das Vorgehen gegen die gewerbsmäßige Olütcrichtächterei, empsichlt jedoch Vorsicht bei dcr Handhabung der Bestimmungen über das Vorkgussrechi und die Gcuchmigungs-- v'licht. Stlir wenig Freude bereitet der Entwurf d>-r Volksvarlei 'Deren Redner, der Abg. Baerwald, bctämvst die Schädigung
Gietzener StaSttheater.
Die Frau des Kommandeurs.
Trania von Max Treuer:
Gießen, 21. März.
Unsere Zeit ist nicht eben rcicl, an wertvollen Schauspiele,, und io nimmt man mich das weniger Bedeutende gerne dankbaren Sinnes an. soscni es nur bühnemvirksain und gesund ist. Mit se>- zrem Trama Die Frau des K o m m a n d e II r^s hat nun Max Treyer nach langer Zeit wieder einmal ein Stück geschrieben, das dicicii billigen Anforderungen vollmit genügt, wenn es auch keine Tichtung ist. die Elvigkeiiswertc autzmodsen Hai. Mit sauberen Blitstln ist es gut und tüchtig gearbdtct, und neben dcr geschickt geführten Handlung sind auch die einzelnen Eharaktcrc lebendig und dramatisch wirksam dnrchgesührt, so daß man einen recht interessanten '>lbe,id zu verzeichnen hat.
Tic Frau des Kommandeurs eines tllanenregiments, ein zartbesaitetes, kunstbegeistertes Frauchen, iühll sich in ihrer Ehe recht dniam. denn ihr Gatte kennt nur seinen Ticnst und seine Kaserne: was darüber hinansgeht, interessiert ihn wenig oder gar nicht. Es ist deslchlb kein Wunder, daß sic lcbhaitcn Anteil an dem Karnickel des Regiments nimmt, an dem edelniütigcn aber -leichtsinnigen Leutnant Thormann, dessen Geschick schließlich davon abhängt, ob er im Pserdercnncn einen Preis gcnnnnl. Bein, Sprung über den Graben stürzt aber sein Pferd, ^imd ohne Bedenken eilt die Frmi des Kommandeurs zu dem Schwerverionn deirn in die Wohnung. Dieser Schritt inird ihr falsch ausgelegt. und ihr Monn muß fick mit dem Verdächtiger ihrer Ehre, mit einem griesgrämigen Vichor schießen. Um dem Geschwätz die Spitze abznbrechen, ninimt er den verletzten Lcutngnt in sein Hans, und als der Brigade,iciicral von ihm den sosortiacn Auszug des Leutnante verlangt, wahrt er mannhast sein Recht als Herr des Hauses Ta kommt der Leumant selbst aus den Gedanlen. daß es besser sei. wenn er ai»ae, und mit dcr Aussicht aus eine glückliche Beilegung des Konfliktes, dcr dem Obcnileulnant seine Stelle kosten sollte, sinkt ihm seine Frau in den Arm.
He 'Ausführung, die von Herrn TworkowSk, ,chr sorg- sältiq vorbereitet war, verhalt dem Stücke zu einem lebhaften Er- sola'und auch die einzelnen Mitwirkcndei, taten vollkommen ihre Schuldiqkdr. Herr Hocker gab den, Obcrillcutnani Krail und Mark und führte den cbrensdten, rciiersrohen Eharakier des alten Soldaten m,l bestem Getingen durch. Seme Frau imeltc Fräulein Dagnn mit bezauberndem Liebreiz und ,chlichttnn,gcr^e,eelung eines munteren, arglosen Gemüts, ^em -^eutnant thormann gab Herr Ltein Hofer eiwac- sinnend Dciches, Berrraumtes, einen warmherzigen -}n<j ionnipr Lebensfreude und blinden Vertrauens. Doll zärtlicher, schwefterlicher -^iebc war F^au Sonntag-Blume als -chmchcr des Oberstleutnants. Ginen präch
tigen Schwerenöter gab .Herr N o t t c d als Graf zu Belten. Ein ßchan'er Major war Herr B o l d , dem Art. athusi n ‘5 als seine Gattin sicher zur Seite stand. Herr Schubert spielte den Divisionskommandeur mit gereister Lebensanschauung, streng und gemessen. Sehr hübsch war Frl. Hainbuch, eine blutjunge Anfängerin als Nönnchen. Bon den übrigen Darstellern sind noch zu erwähnen Herr Divorkowski alc- kommandierender General, Herr Galt als Violinvirtuose und Herr Grosscr-Braun als Bursche. N.
Ausstellung Münchner Kür£ r im Aunftverein am vran>A.tz.
i.
Gießen, 21. März.
Wenn ich meine Vorbcsprechung dcr Münchner Ausstellung im Oberbessischen Kunstvercin mit dcm srählichen Ruf cinleitctc: Tcr Frühling hat sich über Nacht cingcnistel!, so sollte das »och nicht heißen, daß die Besucher in ungczivungcnstcr Heiterkeit und laittc- slcui 0!,-danlcnausla»sch inmitten hicser Bilder umhcrwnudcr» möch trn, umsoweniger, da dem Ausstellungsraum der Lurus schritlc- dämpscndcr Tcvvichc bisher noch versagt blieb. Ta kommcu viclc, tote haben in ihrem ganzen Gebaren schon die arausamc Forderung an die Werke stehen, sich nach der icelüchcn Ausprägung und der augenblicklichen Stimmung des Beschauers zu richten. Welch eine Verkennung dcr Kunst! Es ist ta ricktt-ig, dast jeder für ein Gemälde oder eine Tlulvtur andere Getühtsmöglichleilen mitbrinat. die im wesentlichen durch den Vorwurf bestimmt werden. Tcn Wert des Werkes macht aber nicht die naluraetreue, iarbcnprächtiae oder sormslckerc Wiedergabe des gegenständlichen Vorwurfes, sondern dessen seelische Turchdringung und Umwertung durch den K-ünst- ler, so daß ,n dem Beschauer rin der jeweiligen künstlerischen Psyche sich annäherndes Geiühl erzeugt wird. Nicht dcm Inhalt eines Bildes, sondern seinem viychlschcn Gehalt, den dcr Künstler aus dem lvegenständlichrn in Farbe und Forni übersetzt hat, ist die eigentliche Kunsmnrtüng Vorbehalten. So stehen bclivielswcisc Stil leben von Manet und Eezanne sicher über einigen „literarisch" zu ncnneuden Maisrnacmälden A. v. Werners oder Menzels. Diese Beseelung kommt natürlich auch im Material und in der Wahl der Ausdrucksmittcl zur Geltung. Acan stelle sich dne in Sandstein komvonicrt gedachte Ltatue in Bronze oder Marmor ausge- iübrl vor! Beim Bild sind die Fardcnsymbole von Bedeutung: das aegenseitigc Berhälmis der Farben, die Art ihrer Disicrenzierung, ihres Anslrags und ihres Zuiaminenklangs mit dcm Targestcllten. Tiefer kurze Hinweis genügt wohl, uoi anzudeutcn, welch ernstes Sichverienken für den Beschauer notwendig ist, um zwischen sich und dem Kunstwerk das innere, hochzeitliche Band zu knüpfen. Und dazu bedarf cs i» allererster Linie der Stille eines Gollesbauics. Nun
Zu der Ausstellung selbst, deren Mannigialtigkdt und Oualität ja schon bervorgchoben wurde. Da ist ein Akt von R. M auch „Tas gelbe Strumpfband". Man spürt Habcrmanus Eintluß, dcr den Fraueukörpcr mit all sdnen natürlichen Unebenheiten und in modischer Ungezogenheit auigczwängtcn 'Verschandelungen malerisch >in,werten will: io hier die Furche der Korsettctnschnüruiig, die das Becken übermäßig verbreiterte, die Ungleichheit dcr Brüste, die dünnen Oberarme, die etwas hängenden Schultern, das längliche pikant,- Gesicht. Sehr realistisch tn der Fldschsarbe wächst der inngc Leib aus dem tücherbehängten Sockel und bebt sich plastisch vor dem lila, sehr apart in der Farbe gehaltenen Vorbang ab. Tas Virtuose in dcr sarbliche» Koinpoiilioii nnd den malerischen Ausdrücksmtttelu übcrwicgt wohl bedeutend die Fähigkeit seelischer Ansslrahtung. In Paul E b r e n b r r g s „Kameraden" nnd „Am Sammelplatz" ist die iarbltche Sprache etwas zu matt, dasnr entzückt aber das Eindringen in die Natur, Fm ersten Bild dürste das Gesicht des Mannes in, Vergleich zum Pserdekops, der scinc Vorzüge hat, plastischci hcrausgcarbeitet sein. „Winterabendidpll" Tempera- von Frieor. Ferd Koch löst die schivierige Lichlansgabc in leichter virtuoser Technik sehr gut. Man beachte die im Feuerschein des Kamins sln'ßenden Farben der Kleider und das sarbtickie Tiiiisnuendo nach links hinten. Sehr sein sind die verlorenen Likbtrcilere aui einzelnen Gegenständen studiert. Auch der seelische Olehatt per Traumdäm mcrstimmung bat sich nctwn dem Technischen voll bebauvtet. Etwas geheimnisvoll Webendes, bis Träumendes liegt über dem Zimmer und verdichtet sich in der Seele und dem Seelchen, die es aui den Gesichtern wiüersviegctn: dort int Niederschlag des- reich Erlebten und Emviundeucn ernst sinnend, hier im tindlichen Gemüt beiter spielerisch. Eine Klinger'sche „Blaue Stunde", vom Heroisch-Symbolischen ins Fntini Fndividuellc übersetzt. Tr. Rudolf Sön - ner ist mit zwei Blldern vertreten. „Tic Brücke" gibt die Stimmung im dislret gehaltene», wie abgeblendet wirkenden farblichen. ZusammenNang aut wieder. Für die Höhe dcr imvressipnistischcn Technik spricht die Turckiarbeitung des unruhig glitzernden, die Brückenvieiter reilerierenden Stiomspicgcls. Ter Vordergrund ist mit zdchncrifchcr Krait start herausgeorbeltet. Vielt,-ich: iibcrwiegt überhaupt das Zeichnerische etwas das reut Malerische wie mehr noch im „Stillen Winkel", ans dem die Valeurs kräftiger, die Gegenstände scharier in Licht und Schatten gestellt fiiüi und immerhin mehr Stimmung erzeugt ist. als man in diesem Häuserblock erwar tet. In großer Geste malt Earl Hans Schräder -Velgen „Spielende Kinder am Wasser": die in der Bcweguna sestgclialte- ncn Knabcnakte sind in das Blau des verebbenden Walsers gestellt- die frische, leuchte 'Atmosphäre ist gut gctroiien: der Vordergruni mü den spiegelnden Waiscrtümpcln zeigt bei aller genauen Tetall- malerei viel Schwung und Zug ins Große. „Im Schatten": der vom grünen Widerschein des Laubwerkes übergossene Frauenakt ist mehr, malerisch aenommcit als die Knabenkörpcr: die Aktbebandluno >


