Ausgabe 
14.3.1914
 
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Der frühere SBertuter Polizeip i aftiteat von Hr»teLüey rft aus V« Wege des Duells von den Junkern absichtlich aus dem Wege geräumt worden. Das ist ein politischer Meuchelmord. Er hat cS gewagt, gegen die »Kreuz-Zeitung" aufzutreten. Das ,h eine verschollene Legende in den Tagen Jagows. Der Kriegs minister Hat dem Leutnant von Brandenslern mangelnde Entschluß­fähigkeit vorgehalten. Er läßt aber selber diese Entschlußfähigkeit Hier vermissen. Ueber diese angeblich mangelnde Entschlußfähigkeit lacht ja der jüngste Kadett. Wer denkt da nicht an den Leutnant, der mit iiberspcu-elnder Entschlußkraft gegen einen lahmen Schuster vorging. Das Burgertum läßt sich alles bieten. Sein Ideal ift der schneidige Herr von mit dem aufgedrehten Schnurr­bart. Ern junger Kaufmann will nicht ausschcn wie ein .Kauf­mann. londcrn wie ein Leutnant irr Zivil. Die Juden jrnd sicher­lich sehr unfeudal. Aber da taten sich jüdische Studenten zu­sammen. und statt den zerhackten Corpsburschen mit der Wissen­schaft zu imponieren, sagten sie sich: Nein, wir wollen noch mittel, alterlicher sein, und säbelten nun selber auseinander los. (Heiter- ken.> Das sind die KE-Veibindungen. Tie Antiduelliga hat wohl beschlossen. da- Duell zu bekämpfen, aber als beantragt wurde, kein Mitglied dürfe sich duellieren, da wurde das abgelehnt. (Heiter­keit.) Ich weiß nicht, ob Nationalliberale dabei beteiligt waren. (Heiterkeit.)

Herr van Calker hat sich mit froher Unbefangenheit zur Paukerei und zum Paukrccht bekannt. Er ist wegen seiner Stel­lung in der Zabernsräge bcr hysterischen Schreipatrioten in Ver­ruf geraten. Es liegt daher der Verdacht nahe, daß er sich jetzt durch seiä Bekenntnis zum Duellzwang ge­wissermaßen wieder herauspauken wollte. (Gr. Hei­terkeit!) Noch zwei Momente kommen als besonders auffällig in Betracht. Erstens spricht sich Herr van Calker als Strafrecht.Ehrcr einer deutschen Universität gegen die bestehenden Gesetze aus. Und dann ist noch seltener der Fall, daß ein Nationalliberaler sagt: Ich lasse mir nichts gefallen. (Gr. Heiterkeit!) Der Träger der obersten Regierung s ge w alt hol selbst einmal unmittelbar zum Verstoß gegen die Strafbestimmun­gen ausgeforderl.

Prcurüent Dr. Statmpfz

Ich verlange, daß man hier vom .Kaiser mir derselben Hoch.

achtung spricht, die ihm jeder Deutsche cntgegenbringen muß. (Lebh. Beifall recht-.)

Abg. Wendel (Soz.):

Ich habe diese Aeußcrung getan in bezug auf eine Ansprache des Kaisers bei der AntrittSknerpe des Bonner Bo. russenkorpS, worin er sagte: .Ich hoffe, solange eS ein

deutsches Studentenkorps gibt, daß der Schläger freudig geführt werden wird." Demgegenüber stellte ich eine reichsgerichtliche Entscheidung, worin die Schlägermensurcn als Kämpfe ustt töd- lichcn Waffen bezeichnet werden. Diese bunten Bänder und Mützen der Korpsstudcilten sind die Brutstätte eines gesctzeS - verachtenden und verbrecherischen Sinnes. (Präs. Dr. K a e m p f ruft den Redner zur Ordnung. Widerspruch bei den Soz.) In Berlin haben jüngst die Korps, nach den Diffe­renzen zwischen ihnen und den Burschenschaften entstanden waren, nicht weniger als 36 Pistolenforderungen ergehen lasten, die aller­dings durch die Entscheidung des Ehrengerichts verhindert wur­den. (Zuruf der Rechten: Na also!) Aber das ist doch bezeich­nend für den Geist, der rn diesen Korps herrscht. Vom agitato- rischen Standpunkt kann eS uns ja nur erwünscht sein, wenn die Duellanten nicht nur ihre Gegner, sondern auch die Autorität deS Gesetzes durchlöchern. Dadurch beraten sie die herrschende Ge- sellschast der Achtung, die der moralische Grundpfeiler jeder Herr­schaft ist, und Sie dürfen, wenn Sie die Gesetzlichkeit predigen, nichts anderes als Antwort erwarten, als 7 Laßt Euch nicht aus­lachen. (Beifall bei den Soz.)

Abg. Dr. Blunck (Vp.):

Das Vertrauen, das ich in die Offenheit deS KriegSministerS gesetzt habe, hat mich leider getäuscht. Ter Kriegsminister hat zum Fall Brandenstein erklärt, der Oberst habe eine Reihe von Fingen an den Leutnant gerichtet und aus dessen Antworten, die natürlich unvorbereitet waren, sei cs klar geworden, daß er die nötigen militärischen Eigenschaften nicht besitze. Daraus farm

doch eine Äedjfcferrigunq für b%e Snrlaprrng deS Scnnwjeti vo»

Branden stein nicht abgeleitet werde«. (Sehr richtig! link-.'» Ich

bitte den Krieg-minister nochmals um eine Anttvort auf fol­gende Frage: Wie stellt er sich zu der Frage des Ver­bleibens eine- Offiziers als Angehörige« unseres Offizier korpS, der sich, wie der Leutnant wm Brandenstein, als Christ auf den Boden stellt. grundsätzlich kein Anhänger des Ducllzwangs zu sei n?,, **."

Kricasminister v. Falkeuhayu: ^

Diese Frage ist bereits beantwortet durch viele Erklärungen vom Regierungstiich. insbesondere durch die Erklärung meine- Amtsvorgängers in der Budgetkommission im April 1913. (Abg. Ledebour sSoz.ft DaS ist Drückebergerei! Präsident Dr. Kocmpf ruft den Abg. Ledebour zur Ordnung.) ES wird mir schwer, danach weiter zu sprechen, aber nach dem. was der Herr Präsident gesagt hat, bleibt mir nichts übrig, als schweigende Nicht- beachtung. (Lebhafter Beifall rechtst Ich entlasse keine Offiziere und stelle keine Osstziere an Tie Offiziere stellt der Allerhöchste Kriegsherr an und zwar auf Grund von Vorschlägen der Vor­gesetzten. DaS pflichtmäßige Urteil der Vorgesetzten ist dafür maß. gebend, und was die Vorgesetzten im Falle Brandenstein berichtet haben, habe ich miigeteilt. Daran läßt sich durch weitere Er« klärungen nichts ändern.

Damit schließt die Au-sprache. Die Interpellation ist er- ledigt.

Abg. Held (Natl.) persönlich: Als ich den Saal betrat, verlos Dr. Blunck eine Erklärung, die religiös klang, so patz ich unwill­kürlich Amen sagte. Ich wußte nicht, daß eS sich um eine Er­klärung des Herrn von Brandenstein handelte. Ich habe in keiner Weise beabsichtigt, hiermit einen Hohn auSzusprecheu.

Donnerstag 2 Uhr: Kolonialetat. "

Schluß 3K Uhr.

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