Einzelbild herunterladen

Nr. oO

Der 6fe|*iwT L«zeiyer

erscheint täglich, nutzer Sonntags. Beilagen: uterina! ,wöchentlich §kfcener$amHieublätt<r, rwetmal wöchentl.Xreir- Uatl färben Kreis Gieren «Dienstag und Freilag): zweimal n'.onatl. Land- «irljchaflliche Seitfragen Fer»»sprech - Anschlüffe: *** die Redaktion 112, Verlag u. Exvedilion 51 Adresse iür Teveschen: A«-ei-er «ietzeu. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnummer bis vormittags Uhr.

Erstes viaü

104 . Jahrgang

Donnerstag. 12. Marz 19^

General-Anzeiger für Oderhessen

Notatisnrvnnl und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Slcindnickerci K. Lange. Nedaltion, Lrpcdilion und vruckerei: Schulstraße 7.

vezaqsorcttr

monatlich 75DIvienel- Mbrlich 2Jlf. 2.20; durch tbcrolf- ! Zweigstellen monatlich 05 P!.; durch die Poll ll-ik.L.viertel» jibtU auslchl. Bellellg. Zeckenoreis: lokal IöM ausioärtd 20 Pienniq, Etzel re dakteur: A. Goey. Lrraulworttlch lür den soll!. Teil: Ang. Goetz: iür .Feuilleton", ,Per- inijchlcS" und.Gerlchts- laal": Karl llienralb: für »Stadl und Land": Kurt Sendt; iür de» Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.

Tageskalendcr aus -cm Fahre 1814.

12, Mörz: Tie Prausten crstürincn Reim S. 2500 Aiann Fran­zosen werden gefangen, sämtliches Geschütz wird erbeutet. Tic sächiische» und anltaltischeu Reservetruppcn stoßen zur 3, deutschen Armee in den Niederlanden,

Die Besoldungsvorlage gesichert!

Endlich, nachtonatclangem, heißem Bemühen und einem fortgesetzten Hangen und Bangen in schwebender Pein ist es gestern in später Abendstunde glücklich gelungen, eine endgültige D c r st ä n d i g n n g über die Beamten- und Lehrerbe,oldungSvorlaqc zustande zu bringen. Gestern nach mittag hielten die Finanzausschüsse beider Kammern, zunächst jeder für sich, Beratungen über die Differenzen bezüglich der Besoldungs-Vorlage ab. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer, der um ! Uhr zu seiner Beratung zusaniincntrat, und der auch die beiden Kammerpräsidenten und der Abg. »Bach als Vertrauensmann der Lehrer beiwohnten, beschäf­tigte sich hauptsächlich init einer neuen GebaltSskala Best lDr. Osann iür die Volksschullehrcr, und es wurde dabei einstimmig beschlossen, die zuerst auf 1400 Mk, festgesetzte rit ii t c t ft e Ge haltsstufe auf 14 5 0 M ark z II e r - höhen

Tiefe neue Ge h alt s s kal a, die gegenüber der lRegierungsvorlage einen Mehraufwand von 130000 Mark erfordert, ist nunmehr folgende: Für das 1.3. Dienst!ahr USO Mk., 3.6. Tiensijahr 1.V>0 Mk., 7. 9. Dienstjahr 1750 Mk., 10.12. Dienstjahr 1900 Mk, 13. bis 15. Dienstjahr 2100 Mk. 10.18. Dienstjahr 2300 Mk., 19.21' Dienstjahr 5500 Mk, 22.24. Ticnstjabr 2800 Mk, 25.-27. Dienstjahr 3000 Mk , 28.-30. Dienstjahr 3300 Ml. unb von da ab 3600 Mk.

Bekannllicki lpcrrcu die Mehrkosten der früheren, von der Zweiten Kammer beschlossenen Gehaltsaufbesserung fiir die Volksjchnllehrer auf 188000 Ml. über die Koste» der Regierungsvorlage hinaus berechnet worden, welche Summe sich jedoch infolge einiger von der Ersten Kammer mit Zu­stimmung der Regierung veranlaßtcn Abänderungen, denen ancki die Zweite Kammer zustimmtc, ans 155 000 Mk. er­mäßigte Bei der späteren Beratung in der Zweiten .Kam- :iuer hatte dann der H>err Staatsministcr erklärt, daß die Regierung unter keinen Umständen restlos der ganzen Mehr- sordernng der Zweiten Kammer zustimmen könne, schon deshalb nicht, ivcil sie, um den Betrag von jährlich 81000 Mark zu ersparen, den mittleren und unteren Beamten die Erfüllung verschiedener berechtigter Wünsche habe verjagen müssen. Die Hälfte des Mehrbetrags iür die Lehrerdesot- dung hatte aber dann in jener vertraulichen Tonnerstags- verhandlung der Zweiten Kammer die Regierung zu he- imMijtt'n sich bereit erklärt, und zwar unter Festsetzung eines Höchstgehalts von 3000 Mt., während die Zweite Kammer ein solches von 38^, Mk. beschlossen hatte. Tie Erste Kain- mer hatte sich bekanntlich ebenfalls aus den Höchstsatz von 3600 Mk. festgelegt und im Einverständnis mit der Regie­rung eine Skala gevehuiigt, die einen Mehraufwand von 87 000 Mk. erforderte. Es handelte sich also zuletzt in dem ganzen gefahrdrohenden Konslilt nur noch um die Differenz zwischen etwa 90000 und 155 000 Mk.

Nach Annahinc der neuen Gehaltsskala im Ausschuß der Zweiten Kammer wurde gegen Abend gemeinsam mit dem Ausschuß der Ersten Kammer verhandelt, und dieser stimmte dem neuen Vorschlag zu, so daß also jetzt e i n c i n -

st i in m i g c s Votum der Finanzausschüsse bei der .Kammern vorlicgt. Daraus erklärte gzuck, die Rc- gicrung, die durch die drei Minister, die Staalsräte Dr. Becker, Süffcrk und andere vertreten war, daß sic das neue Abkommen annehmc. Es wurde alsdann nach längerer gc- meinschastlicher Verhaudluug noch einmütig eine Enlschlicß- ung angenommen, nach welcher, sobald die Aufbesserung der Staatsdicnstanlvärter erfolgt ist, was in nahe Aussicht gestellt ivurde auch ein weiterer Betrag von 9000 Mk. für die Gehaltsaufbesserung der Zchnlverwaller und schul- verwalterinncn verlvcndct werden soll.

Mit diesen Beschlüssen ist nun wirklich eine endgültige Berständigung über die gesamte Beamten- und Lehrerbcsol- dung erfolgt, zu der die Zweite Kammer am nächsten Frei­tag, die Erste Kammer am Dienstag nächster Woche zweifellos ihre einmütige Zustimmung erteilen werden. Man wird im ganzen Lande mit einem aufrichtigenGott sei Tank" und einem wahren Gefühl der Erleichterung ausatmen, daß nun in letzter Stunde doch noch eine wohl alle Teile befriedigende Berständigung erfolgt ist, und damit unser Hessenland vor einer ernsten Krisis glücklich bewahrt bleiben wird!

vie ftanzösische Heer'svsrmehrmig.

Paris, II. März. Ter Bericht des Abgeordneten Bcna- z e t über das KricgSbudgct wurde heute in der Kammer ver­teilt.- Es wird darin dargclcgt, wie die militärische Anstrengung Teutichlands, durch welche die deutsche Armee um 153000 Mann vermehrt worden sei, Frankreich zur Annahme des Treijabrcsgcsetzes bestimmt habe. Das Gesetz dlinge die Zahl der Bemal»,icke» im Mutterlaude auf 700000, dazu kämen 48000 iranzöfiichcr Truv ven aus Algerien und Tunis. Tics ergebe die Gesamtzahl von 718 000 Mann, die Hilfsdienste nicht einbcgrissen. Benazci setzt weiter auseiuauder, bafibaä Treijahrcsgcsetz eine bessere Verteilung der Truppen und die Schäftung eines 21. Armeekorps zur Folge hatte, die es gestatte, über fünf Armeekorps zu verfügen, die im­stande seien, unverzüglich an den Operationen zur Deckung der Grenze teilzunehmen. Der Berichterstatter stellt jedoch seit, das: das Gesetz vom 7. August 1913 genau gesprochen nicht eine Erwiderung aus die mehr und mehr entwickelten Rüstungen sei, es sei eine ein- fack e Vorsichtsmaßnahme gegen Gefahren, die lim so drohender seien, als das an den Toren Frankreichs geschmiedete Kricgswerkzciig wir­kungsvoller mit »nbestreitbarcr Ossenjivkras, ausgcstattct sei.

S)cuf$d>?» Reich.

Der Kaiser in Venedig. Aus Turin wird Ae- meldct: König Viktor Emanucl wird bereits am 22. März nach Venedig reifen, um mit Kaiser Wilhelm zu- sammenzutreffcn, der Hort am 24. d. M. erwartet wird.

Tie Reise des K r o n p r i it z e u lt a d) Afrika. Dem Reichstag wird in den nächsten Tagen ein-neuer Nach­tragsetat zugehcn, der nach einer Meldung Berliner Blätter einen Z nschu ß für die Reise des Kronprinzen nach Afrika enthalten soll. Daneben werden noch einige weitere Forderungen dem Reichstag unterbreitet werden.

Das Pr in zen paar Heinrich bat an Bord des DampfersKap Trafalgar" der.Hamburg-südanierikaiiischen Dampfschiffahrtsgesellschaft den Hamburger Hafen verlassen.

Gras W e st a r p s W a h l n n g ü l t i g. Ter Wahl- Prüfungsausschuß erklärte die Wahl des Führers der Konservativen, des Abgeordneten Grafen v. Wc starp, für ungültig. Graf von Westarp vertritt den Wahlkreis Posen 3 iMescritz-Bomst. Er wurde mit 11540 Stimmen gegenüber den 8809 sür den polnischen Kandidaten und einzelnen zersplittert abgegebenen Stimmen gewählt.

Giehener Theateroerein.

3. Lpernvorstellung: Figaros .Hochzeit.

Gießen, 12. März.

Mozart komponierte die Over vom Tezcmbcr 4785 bis April I486 Am I Mai 1786 erlebte sic in Wien ihre Urauttührung und siel, dank her absichtlich jll'lccht singenden .Italiener, beiunhf durch, dock» fand >ie bald daraus in Prag eine vorzügliche Wiedergabe und demeniiprechenden Erfolg. Figaros Hochzeit ilt ,'cher die «ollendctste koniische Oper, die überhaupt bis setzt geschrieben ivurde. Bon der Ouvertüre, die bekanntlich ein Meisterwerk it,bezug au, Geichloiienhett »ttd Kuavobeit der Form ist. bis zum letzten großen grandiosen Finale ist jede einzelne Nummer von einer solchen Genialität, daß man nur staunen und bewundern kann. Hier ist eben nicht nitr das Neinfte musikalische Motiv ein göttlicher Einfall, sondern auch die Fnstrumentallon ist sür jedes Wort und jeoe» Satz >o ungemein charakteristisch, ist so genial ersaßt und behandelt, daß man diesem so selbstverständlichen, aber doch eine Iledcrraichung mich der anderen bietenden Musizieren nicht geling lauschen kann. Aber einen ttiiangciiehmcn Punkt hat die Mozartschc Musik dock: daß man sich de» ungemein lcichtslüssigcn Konocr- salionslon mit all seinen entzückende», innigen und komischen Einiätlen oolttouimeu zu eigen machen »ntß, und das ist sowohl für den singenden wie ocktamierenden und darstellenden Sänger io ziemlich wenn nicht überhaupt das schwerste, was er als Opernsänger erlernen tan». ...

Unter die,cm Genchtspunkte mochte ui, tragen, ob e' be­sonders vorteilhaft war, Figaros Hochzeit als Gastipieloper zu wählen Eigentlich sollte eine Abstechervorstcllung imiiter clmas AußergewöhntickcS an limftlerischen Qualitäten bieten. Tai; lei - bet fallt überall das Gegenteil der Fall ist. ist man gewohnt. Und auch die Tarmftädtcr Gäste haben uns gestern eine solche ''lbstechervmstellung im zweiten Sinne gegeben. Es ran nicht bet Mozart mit all seinem göttlickwn Humor, seiner teilten >pru- bflnben Lebhaftigkeit, seiner zart parsümiertc» Rokoiooerücke, sondern ein biederer, in der Sprechweise etwas ichwcrsäNiger und int Gesang aus den dramatische» Akzentton gestimmter Ver- wandier de- Salzburger Meisters. Aber au versauedenen stellen konnte mau doch die Blutsverwandtschaft spüren und u* der- >efbrn um so mehr freuen, aber cs waren ebeu doch nur stellen. .Herr Otto Nowack hatte als svlclleiter diesmal einen lehr schwe­ren ivenn nicht gar immöglichen Stand. Sänger, die von Haus aus an und für sich schon wenig aus Zeinen wohlvcntändlicheu schöuspicllunittnäbigcn Dialog achten, in ein paar Proben zu

einem ftilechten, Auge und Ohr crsrcucnden Zusamiitenspiel ZU tühren, ist eine barte schtvere Arbeit, und so sei wenigstens zu Herrn Nowacks Gunsten gesagt, daß die szenische Turchsührung der einzelnen Bilder und Personengruvven als gclungcti bezcich »et werden muß. Einen ebenso schweren Stand hatte Herr Hoskapcllmeifter Richard Sert, der geacn die schwere ?lrt ;» singen, den Sänger» gegenüber umsonst sür leichteren Vortrag einzutrclcii versuchte. Herr Georg Weber als GrasstUmaviva boi entschieden eine alle -en hohen Ansprüchen am nächsten kommende Leistung, er stand als einziger im ganzen Ensemble in jeder Beziehung an richtiger Stelle. Herr Weber bcherrsckck den bei eanto sicker und tonschön. Franzisla Eallwev als Gräitn ver­mochte nicht vollkommen alsGräfin" zu übcrzeugetl und ihrer schwereren Stimme liegt diese Partie nicht besonders. Dennoch zeigte iie bei deoi Vortrag d>m großen Arie int dritten Akie, über welch große mohlourckibildete Stimme sie gebietet. Eilt allerliebster, unilerblick; verliebter Page, der auch wirklich gut aussah, war Frau B c l i n g - S ch ä s c r , aber ihrem silberhellen Sopran ist die von einem dunkleren Unterion getragene Partie nicht gerade emgcgeit - komniend, obwohl sic die beiden Arien, besondersIhr, die ihr Triebe um».", sehr teilt nuanciert vortrug und dafür Bmsall bei o» scner Szene erntete. Olga Kallcnsec überraschte durch die zu schwere Behandlung ihrer Geiangsvartie, doch war sie ein munkcres Kammeriuädchen, das jeder Situation gewachsen tvar. Fn gelang littet Hinsicht ist das gleiche auch von Herrn S t e p h a n l als Iress- lirfvtt Figaro sagen. Tein schweres Organ eignet sich taum iür eine soverlendc" Baritonvartie wie derFigaro" ist. Abgesehen aavon aber war er. tvie immer, in der Turchsührung seiner Partie mit größtem Eriolg bemüht, einen ganzen Eharalter zu schas­sen. F» den kleineren Rollen tvaren mit gutem Gelingen beschäftigt: z'lttna Facobs als heiratslustige Marzelline, Leo Schützendort als rachsüchtiger Bartolo: Karl Bernhardt als Basilio und Fritz Hil­ders als Ton viußmann schuscn gute Tupen. ebenso August Kröger als Antonio. 5?cde Schaub war ein liebes Bärbchen und die zwei Bäuerinnen ianden in Eva Ungar und Lndia »Rielhos tüchtige Ver­treterinnen. Tic Eböre hatte Herr Robert Prcuß gut diszipliniert. Von dem Faiidangotanzc sah man leider nicht viel. Das Orchester spielte mit großer Hingabe unb Anpassungsvermögen, doch störte» verschiedene Ttimmungsunterschiedc. Tas gusvcrkaustc Hans spen­dete nach allen Aktschlüssen viel Bcisall.

*

Eines der interessantesten Kapitel der neueren hessischen K i r ch e n g c s ch i ch t c, der streit um deui Mainzer Bischosssitz vom Zechrc 1849, erscheint durch die

Tic Vertreter der A e r z t e - und Kassen- vcr bände trafen in ihren Verhandlungen im Reichsamt des Innern als Aussührililgsbestiminungen zu Nr. 11 des Berliner Ablommens nähere Vereinbarungen über die Berechnung und Llbftthrung der Kassen n»d Llrztbci- träge zur Deckung der AbfindungSkosten. Als Stelle, «in die die Beträge von b-on Kassen «rbgesührt tverden sollen, ivurde die königlich-preußische Tcehandlung bestimmt. Dann fand eine ausgedehnte Besprechung über die kassenärztlichen Verhältnisse in einigen Orten statt, in denen zurzeit noch auswärtige Aerztc tätig sind Es ivurde beschlossen, um gehend erneut daraus hinznivirken, daß auch in diesen. Orten das Berliner 'Abkommen zur Geltung kommt. Die Vertreter der Kasscnverbände erklärten, in diesen, Sinne nachdrücklich llvciter tätig sein zu wollen.

Eine Denkschrift der preußisch-hessischen Lokomotivführer. Der Vorstand des Verbandes der preußisch-hessischen Lokomotivführer hat eine Broschüre unter dem TitelDer wirlschastlichc Niedergang des Loko- motivführcrstandes, eine Gefahr für Staat und Volk" vcr- öffenjlicht, in der dargelegt wird, daß durch die Verschlechte­rung der Lokomotivsiihrerlausbahn die Sicherung des ge­eigneten Nachwuchses in Frage gestellt lvird. Tie Loköniotiv- iüyrer verlangen I. daß sie im Gehalte wieder mit den Beamten gleichgestellt tverden, mit denen sic früher gleick,- standen, unter gleichzeitiger Absckiasiuiig des jetzigen Nebcn- geldjvstcms und Einführung der Gewährung von Tage­geldern, 2. daß die Etatsstellen ftir Lokomotivführer und Lokomotivheizer in einem solchen Umfange vermehrt wer­den, daß die Anstellulmsverhättnisse wieder normal wer­den, 3. daß die Reservclokomvlivsührcr und geprüften Lolo- molivheizer als gehobene Unterbcamte klassifiziert werden und ihnen ein entsprechend erhöhter Wohnungsgeldzuschuß bewilligt wird.

Tcni braunschweigischen Landtage ist «ine Vorlage betreffend die Wiedererrichtung einer braun- s ch w c i g i s ch c ii Gesandtschaft am preußischen .Hofe zugegnngcn.

Tie Zweite e lsä s s i s ch e Kammer setzte die dritte HaushaltSberatung fort. Dabei wurde an die Regierung daS einstimmige Ersuchen gerichtet, eine Denkschrift vor- zulegcn zur Klarstellung des in Elsaß-Lothringen gel­tenden Rechtszustandcs über das Eingreiieil militä- rycher Befehlshaber in die Polizcigcwalt ohne vorherige -Requisition der Zivilbehörden. Eine Entschließung der So­zialdemokraten betreffend die völlige Sonntagsruhe im HaiidclSgcwerbe lvnrde im Hinblick an, die dcni Reichstag vorliegende Materie abgclchnt. Beim Universitätshaushall vertrat der Abgeordnete Tr. Pfleger (Zentr.) die Ansicht, daß die jüdische» Lehrer nicht zurückgesetzt würde». An persönlichen Lluseinandersetzungen mit dem Abgeordneten P e ir o t c s (Soz.) rechnete es sich Tr. Pfleger zur Ehre an, zu der Gruppe zu gehören, die man Nationalisten nennt. Als solcher trete er für bei Würde und Freiheit des Landes ein.

Ehrungen des Grafen Wedel. In geheimer Sitzung beschloß gestern der Gemeinderat von straß- burg i. E. zu Ehren des laijcrlichen Stattbalters die mittlere Allee der OrangerieGraf von Wedel-Allee" zu nennen. Außerdem wird zuni dlbjchied des Statthalters Grasen v. Wedel eine große Kundgebung vorbereitet. Es wird ein Fackelzug geplant, zu dem 2900 Vereine mit über 300000 Mitgliedern ihre Teilnahme zusagte», darunter 200 Vereine ans Straßburg und Umgegend mit über 12 000 Mitgliedern.

D ' 1 1

Nkbciicinandcrstclluiig der von Gustav Krüger ueriaßte» Lebens­bilder der damaligen beiden Kandidaten, Leopold Schmkd »nd Wilbelm Einamicl Freiherr von Kettelet in den Hessischen Bio­graphien, herausgeAeben von der Historischen Kommission sür das lKroßheriogtuin .Hesse» Darnistadl, Großh. Ttaatsvcrlagl in neuer Bcleuchtting. schar, hebeu fick, die beiden so vcrlchicdencn Pcr- sönlichteiten, der charalterscsie Geledrie und der Mann drr Ta,, der unentwegt iür seine Kirche kämpft, voneinander ab. und schon die Lektüre der beiden Biographien zeiat, daß damals die Entscheidung so fallen mußte, wie sic gefallen ist.

- Goethes Grab und da s Ausland. Anknüvscnd an eine Bespicchung im 2. Nooembcrhcst des Kunst,varts über das peinlich wirkende Zurichaustcllcn der Grabstätten Goethes und Schillers schreibt ein Russe im I. Märzhcfi des Kunstwarls lBer- lag Georg T. W. Eallwc» i» München folgendes:Ter Iraurigc Rubin jener Zustände bat. in der russischen Literatur bereits ein dauerndes Tenkmal erballen: der belannte und vielgclesene neu zeitliche Satiriker Sascha Tickornn hat in einem seiner Ge­dichte seine Walltahn zur Grabstätte dioethes und Schillers be­schrieben und die Enttäuschung, die ihn dort erwartete. Tas erste, was er am Ziel seiner Fahrt erblickt, ist eine TasclEintritt 50 Psg.", dann muß er die Erllärmigen des Führers über sich ergehen lassen : Hier ruht Goethe, der große Dichter, geboren im Fahre 1749 in Franksurt a. M.: hier rubt Schiller, der große Dichter, geboren im Fahre 1759 in Marbach a. N.: der Reiicndc wartet das Ende nicht ab, drückt dem Führer sein Trinkgeld in die Hand und verläßt «e veinlichcm und beschämtem Getübl biesc Tiäkle, die er einen Kramerladen nennt, wo der Ruhm eines Volkes ,'eilgebvtcii wird. Fck> hatte mich dieses Gedichles vielleicht »ich: erinnert, wäre es mir nicht gerade vor eimgen Wochen, als ich in stlußland über deutsche Kultur ibrach, gewissermaßen als Smnbol der Kleinlicilkcit und svießbürgerlichen Beschränktheit entgcgengeballen worden, die in Rußland als bezeichnend lür deutsches Wesen gilt. Fth meinerseits-halte solche Verallgemeine­rungen ganz selbstverständlicki sür falschnd möchte auchufti etwa behaupte», das: man sich in Deutschland »ach dem Urteil der Aus landet rrchten solle in der Nackiabniung ausländischer Gebräuche wird ja dort ohnehin wohl eher zu viel als zu N enig getan. Dock, möchte ich als aufrichliger Freund der deutschen Kmltur den Kunst- wart in dem Bemühen um Ahhilse -dadnrck» unterstützen, daß ich ihm diesen unmißverständlichen Beleg tstr den Eindruck des l!u- würdigen unterbreite, de» auch der Ausliuidar voll solchen Erichei- nungeil empfängt. E. R.

I