Anslan».
Z um f r a n j SIt i dt e it Einkommenftcuergeictz. Ter srauzösiiche Finanzminifter Caillauz teilte im LenatSausichgß für die Einkommensteuer den Terl des neuen Artikels über die französische Rente mit. Er besagt folgendes: Tic Inbober oder Träger von Rcmcntiteln, Obligationen oder anderen vom ' französischen Staate ausgcgkbcnen öffentlichen Effekten Hl rissen, wenn sie in Frankreich wohnen, auf die Einnahmen, me sic ans den Renten. Obligationen, oder Efscktcn ziehen, eine Steuer zah len. lieber diese Einnahmen mütfcn sie i» den ersten drei Monaten sedett Jahres eine Erklärung unterschreiben. Eine ge- nil c Anzahl Institute, die nationale Sparkasse, Pen sionskai cn, »iw. sind von dieser Steuer befreit Tie Inhaber oder Träger, nelche nachlveisen, daß ihr Rentencinkommen >>25 Francs und ihr gesamtes Einkommen 1260 Francs nicht übersteigt, werden gleichsa»- befreit. Beim Fehlen der Erklärung loird eine Er- gäntungsftener von wenigstens öl) Francs zu zahlen sein. Eine saliae Erklärung zieht eine Geldstrafe in dreifachem Betrage der nschtbczahlteu Summen im Mindeslbelragc von 500 Francs nack sich. Eine Verordnung der Verwaltung bestimmt die Art der Erhebung der Steuer, die nicht vom Kupon direkt erhoben iver- den kann.
Das rumänische Parlament wurde am Freitag vom König durch Berlesung der Thronrede feierlich eröffnet. Tie Rede besagt u a.t Tie sich ständig cntwstkclnde Organisation der Armee und die Konsolidierung der Staats- finanzen durch den Ausschwung der Arbeit und der Volkswirtschaft werden cs gestatten, die Stellung, auf die wir stolz sind, nicht nur ausrecht zu erhalten, sondern zu verbessern. Ich bin glücklich, die ausgezeichneten Beziehungen des Königreichs zu alleit Staaten neuerlich festzustellen. Rumänien würde nicht zögern, den Frieden, zu welchem es mächtig beigetragen habe, aufrechtzuerhalten und zu sichern. Tank diesem Vertrauen ist es in der Lage, in diesem Teile Europas eine wohltätige Beruhigung auszuüben. Die Armee erhöhte dank ihren Eigenschaften und dem glänzenden Aufschwung, von dem sie im vergangenen Jahre den Beweis geliefert habe, ihr Prestige und erwarb unsere volle Dankbarkeit. Ihre Bedürsnisse machen neue Vermeh- r n n g c n notwendig, die Sie, dessen bin ich gewiss, bewilligen, denn das Schicksal des Landes ist mit der Militärmacht innig verknüpft, Tie budgetären Gesetze werden trotz der notwendigen Vermehrungen der Kredite unser finanzielles Gleichgewicht nicht beeinträchtigen,
Tie Panamakanal-l^cbühren. Aus Washington wird gemeldet! Ter baiidelsausschuh des RepräserG tnnlcnhauses sprach sich mit 17 gegen 4 Stimmen für den Gesetzentwurf zur Aushebung der Klausel über die Befreiung der amerilanischen Küstenschisse von den Panamakanah- gebühren aus.
l erSlisgungr^sei», und a- tli^e Anerkennung gcw r!'8''' li^er preise.
Tie Bau-Woche veröiicutlicht in ihrer Nr. 7 einen Aussatz über in Vcrdingungsgelctz Muid die amtliche Anerkennung gewepbsübliliicr Preise, aus der wir im iolgcnden einen kurzen Auszug vcrösicntlichcn:
Ter Kamps um die wirischasilichcn Rechte des gewerblichen Bürgertums hat im Lause der Jahre unmiterbrochep an Hestig- keir zugenommen. Zahllose Vorschriften, die Kosten und Mühe verursachen, müssen befolgt werden, ohne dag sie jemand nützen.
Es ivar imn bisher ein Ding der Unmöglichkeit, die gewerblichen Preise aus eine den erhöhten Anfordernnaen entsprechende Hohe zu bringen, so dast sich der schärfste Kampf um di: allicitig erhöhten Lcbcnsansprüche grösstenteils im bürgerlichen Gewerbe ablpiclen muhte. Auch der ruhigste Bürger muh sich dessen bewusst werden, wenn er sieht, wieviel Zeit nicht allein z. B. aus die Festlegung der Grenze zwischen Fabrik und Handwerk verschwendet worden ist. Auch mit den tiefsinnigsten Betrachtungen über Fabrik und Handwerk oder dergleichen verbessert sich unsere Lage nicht-. Wir verlangen vor allen Dingen, das besondere Fachkommissionen unsere Produktians'elbstkoslen nach kauhnännischen Grundsätzen genau seststcllen unter vrozcntualer Berechnung sämtlist er Unkosten einschliestlich Verzinsung, Miete usw. aus die vroduk-iven Arbeitslöhne und man mute ersahrenen Handwerker» Nicht länger zu, bei Verdingungen falsche Berechnungen ausstellen zu müssen, nur um eine Arbeit zu erhalten. Sobald wir aber g c w e r b s ü d l i ch c Preise berechnen, d. h. solche mit einem reinen Gewinn von etwa tl) bis 15 Prozent aut die geiamlen Selbstkosten, gilt das als Uebervortellnng, und während es bei anderen Ständen, seien es z. B Arbeiter oder Angesiellte. als selbstverständlich gilt, dast das Einkommen sich nach den Lebensteiiernisien zu richten hat, so versperrt man dem Handwerker die natürlichsten Auswege, Wie aber gewisse andere S-ände, hie nicht wichtiger für den -ntnat sind als der gewerbliche M'itelstend, nnt festen Gebührenordnungen arbeiten, so wünschen auch ii ir die Grundlage unserer Eristenz in scste Bahnen gelenlt
Bestimmte Preise und gewerbliche Einigkeit stostcn au» die größten Hindernisse. Man verbietet dies soqar in einigen Fällen und zieht auswärtige Konkurrenz oder GesängniSarb'it heran, so dast das Bersahren mehr oder toenigcr einem cintachen Diktieren der Preise gleicht Keine Frage hat daher die Unzuirieden- he!> des gewerblichen Mittelstandes im Laufe der Jahre io sehr gesteigert wie die der össentlichen Verdingung, und wenn die Iktzige Belaiidlnng des Verdingnngswesens nicht gründlich beseitigt wird, so werden reelle und tüchtige Kräfte beiseite gedrängt und für UN fähige oder gewissenlose Elemente, die mit unsauberen Mitteln arbeiten, Raum geschassen, Tie Gesetzgebung, in der sich doch ein möglichst hoher Kuiturzustand widerspiegcln soll, hat aber daiür zu sorgen, dast derartige Elemente nicht hcranwachscn Und das- ein tüchtiger Mann mit ausrechtcr Gesinnung nicht ,n eine Lage kommt, die ihn in ein gewisses Abhängigkcitsverhältnis zu amtlichen Personen bring». Wir brauchen Gesetze, die Bewegungs- nirglichkeüen geben und nickt solche, die nur cinschränken lind beaufsichtigen. Bor allen Tinaen muß mit dem Grundsatz der Zuschlagserteilung an den Billigsten, vollkommen gebrochen werden, dos ist man unserer staatsbürgerlichen Stellung und der Bedeutung des gewerblichen Mittelstandes schuldig.
Wollte man alle Stände nach gleichem Maste messen, so mühten eigentlich auch die Bcaimenstellen an den Mindestior- dcrnden vergeben werden, und man hätte dann ungefähr ein Bild davon, welchen anarchistischen Zuständen wir unter den fetzigen Verhältnissen allmählich zutreiben.
Die Fahrschule.
Vom Vorstand des Ticrschutzvcreins Gießen wird uns geschrieben :
„Ja, was ist denn das für eine Bildungsanstalt/' so werden fast alle Leser sich verwundert fragen, „Wickler so etwas Neues, was leinen Sinn noch Zweck hat?"
Wenn dem io wäre, dann würde es der Vorstand des Tier- schutzveleins — er ist nämlich der Urheber — sicher nicht wagen, mit einem Plane in die Ocssenllichkeit zu treten, den er nicht zuvor in mehrere,i Sitzungen reiflich erwogen und beraten hat, um damit brr Allaememheit und der össentlichen Verkehrssicher heit »ach bestem Wissen zu dienen.
Wer heute unsre Stadt in ihrem Derkehrsleben mit dem vor 10—15 Jahren vergleicht, wird nicht umhin können, sich einerseits über den gewaltigen Aufschwung zu erfreuen, den Gießen als eine emporblühenoc Industriestadt genommen hat, andererseits aber die Gcsahren nicht verkennen, die durch den steigenden Verkehr mit icdem Tage mehr sich cinstellen. Besonders am Morgen, wcn.i drc Züge einen gewaltigen Zustrom von Menschen bringen oder andere zur Bahn eilen, sowie mitlags, wenn Tanseifdc zur Mahlzeit ihren Wohnstätten zugehen oder abends nach Feierabend wieder die Stadt verlassen, wächst der Straßenverkehr, vor
nchmlich in der Innenstadt mit ihren engen Straßen, zu einer solchen Stärke an, daß er dem einer Großstadt nicht nachfteht. Derselbe wird noch erheblich durch die elektrischen Bahne», Autos, Gespanne und Fuhrwerke alicr Art und Radfahrer gesteigert, daß die Passanten für eigene Sicherheit alle Sorgfalt anwcnden müssen llnbekümmert darum sieht man aber, wie rücksichlslos in den meisten Fällen sich die Fuhrleute und Fahrburschen her Gewerbetreibenden benehmen und durch ihr oft geradezu wüstes und tolles Fahren die an sich schon bestehenden Gcsahren aus den Straßen »och erheblich vermehren. Dazu gesellen sich teils Roheit, teils mangelnde Fachkenntnis der Fahrer, die dann so gerne in grausamen Tierquälereien sich Lust machen. Pichl leiten beobachtet mau, wie gerade die jungen Fahrburschen der Metzger und Bäcker allgemeines Acrgernis erregen und ihre Freude daritt siiiden, durch übermäßig rasches Fahren, sinnloses Peitschen der Pscrdc oder Zerren am Zügel sich hcrvorzutun. Sic kennen und wissen zum größten Teil nicht einmal, welches Vermögen und welcher Wert ihnen in eine»! edlen Pferd anvertraut ist. lind woher sollen es die meisten auch wissen? Sie sind eben ungeschult und unerfahrene Fuhrkncchtc, kennen in den meisten Füllen von Hanse ans kein Fuhrwerk und haben nicht gelernt, von Jugend aus mit den Pferden unizugehcn. Gerade die Bäckcr- und Metzgermeister, die zur Ausübung ihres Gewerbes ein Fuhrwerk nötig haben, sind ganz besonders in die schlimme und mißliche Lage versetzt, sich jüngeren Fahrpcrsonals bedienen zu müssen, da ältere und erfahrene Fuhrkncchte für ihre Zwecke nicht zu haben sind, well diesen das Allstragen der Waren in die Wohnungen und das Treppaui- und -absteigen nicht zusagt oder zu beschwerlich ist. Man sragc nur einmal die Meister; die wissen ei» Lied davon zu singen.
So erkannte es darum der Vorstand des Tierschntzvereins dankbar an, daß eines seiner verdienstvollen Mitglieder, der selbst 3 Wagen täglich gehen hat, den Gcsamtoorstand in einem wohldurchdachten und lehrreichen Bortraae über die Errichtung einer Fahrschule so zu interessieren wußte, daß der Ticr- schutzverein cs für eine seiner nächsten Ausgaben betrachten muß, vier für die Aligemeinheit, wie auch für alle Fuhrwerksbesitzer im besonderen, zu einem Unternehmen die Hand zu bieten, das allen von Nutzen ist. nämlich: di» sachgemäße Ausbildung von Fahrpersonal. In mehreren Sitzungen hat sich der Vorstand des genannte» Vereins einaehend und unter Zuarundclegung von Material, das ihm von Städten (Frankfurt a. M.. Zwickau u. o.) bereitwilligst zur Verfügung gestellt wurde und wo sich die „F a h r - schule" glänzend bewährt hat, besaßt und ist dabei zu dem Entschluß gekommen, auch für Gießen eine gleiche Schule ins Leben zu rufen, in der Hoffnung, daß ihm dabei die Unterstützung aller Interessenten zu teil wird,
Ter Zweck zur Errichtung einer Fahrschule ist also folgender;
„K u t s ch e r n , F a h r b u r s ch c n und allen, die mit Pferden umzngehen haben, eine gründliche praktische und theoretische Ausbildung Zu gewähren und dadurch die Freude an ihrem schweren und nefahrvollen Berufe, sowie die Liebe zu den ihnen anvertrauten Pferden nach Mönlichkeitzu k ö r b e r n , zum Nutzen und Vorteil der Allgemeinheit und der öffentlichen Sicherhei t,"
Zur Ausführung des Planes dürsten in erster Linie die Pferd ebcsitzer, Lohnkutscher, Oekonomen, die Bäcker - und Metzgers IIIIII n g , der'Ticrschutzvcrein und die Stadt selbst als die maßgebendsten und interessiertesten Faktoren in Anspruch genommen werden.
Ein Kehrkur ins würde sich etwa aus die Dauer von 2 Monaten, mit wöchentlich 1—1> - Stunden Unterrichtszeit erstrecken. Zur Erteiluna des Unterrichts sind für den theoretischen Teil lAnatomie, .Äuibelchiag, Verhalten bei vorkommenden Krankheiten und Unglücksfällen, Behandlung und Pflege, Polizeivor- schristen usw. ein angesehenes, wissenschaftlich gebildetes Vorstandsmitglied. für den praktischen Teil I Unterweisung im Putzen. An- und Abschirre», Erklärung verschiedener Geschirre, deren Vorteile und Nachteile, Fahren mit einem und zwei Vierden usw.i eine gleschsolls pailende und sachkundige Persönlichkeit aewonnen. Die evtl. Kosten berechnen sich mäßig, für deren Deckung die vorgenannten Körnerschaiten auszukommcn hätten, eine Ausgabe, die reichlich ihre Zinsen tränt.
Der Vorstand des Tierschntzvereins bittet nun alle Pferdebesitzer. die mit dem Zwecke einer Fahrschule durch diesen Artikel einiaermaßen unterrichtet sein sollen, ihm entweder mündlich oder schriftlich ihre Aniickiten kund zu tu» In der demnack-st stottsindenden Generglversommlunq, zu der alle Interessenten für die Errichtt-na einer Fahrschule durch eine Bekanntgabe im An- -sigenttii dieses Blattes treundlichst einoeladen werden, kann dann eine weitere Ausstirgche darüber ersolaen,
Gichencr Strafkammer.
Gießen, 6, März, Wegen Zweikampfs wurde der Assistent Tr. M. in Gießen >u Fcstunasbast von drei Monaten, der Student R. T, in Gießen zu Festungshasi von vier Monaten verurteilt, AiiianaS Teiember 1013 iaßcn di? beiden Anoeklagteii, ieder mit seinen Bekannten an einem 1 besonderen Tisch, im Enie Ernst Ludwig. Ter Angeklagte T. wies einen an seinem Tische sitzeilden total betrunkenen Studenten, der sich ungebührlich benahm, energisch kurecht, was den Beifall des anderen Angeklagten erregte, und ihm den Ausruf „Bravo" entlockte, Ter Angeklagte T. verbat sich diese Beifallsknndgebuna mit schrosscn Warten. Es kam zu einer Auseinandersetzung, bei welcher der Streit sich in der Hauptsache darum drehte, daß M. seinen Namen nicht nannte, und welche ichließiich mit beiderseitigen Ohrfeigen endete, Tie von T. übersandte Forderung aus schwere Säbel wurde von M. aus Pistolen mit drcimaligein Kiigelweckiscl überstürzt, TaS Ehrenaerickit genebmigle einen Zwei- kamvi mit einmaligem Kngeiwechsel, Am 7. Tezember fand das Tueil im Gießener Stadtwald statt. T. schoß vorbei, M. drückte insolge eines Mißverständnisses beim Kon, Wando des Unvartei- iscken überhaupt nicht ab. Daß ein ernstlicher, wenn auch nickst auf Tötung, so dock auf Verletzung des Gegners gerichteter Kamps beabsichtigt war, gestanden beide Angeklagten zu,
M i t einem Freispruch endete die Straiiachc gegen den Direktor des Rosbachcr Mincrai- auellcn H, M, Ihm war zur Last gelegt, Himbeerlimonade aus einer Essenz hergcstellt und unter einem Namen in den Handel gebracht zu haben, der daraus schließen ließ, daß die Limonade aus reinem Fruchtsail bereitet worden sei. In erster Instanz war der Angckiagte sreigesprocken worden, weil er in gutem Glauben gehandelt habe. Zu gleicher Ueberzcugung gelangte die Straskammer.
Wegen schweren Diebstahls im Rückfall in sechs Fällen wurde der Kaufmann K. F. G., geboren in Wiedikon in der Schweiz, zu einer Gesaintzuchthausstrasc von vier Jahren verurteilt. Er hatte mit zwei anderen Komplizen, deren man bisher nickt habhaft werden konnte, in Franksurt a M verabredet, gemeinsam Bandendiebstähle zu begehen. Die drei volisührten die Talen in der Weise, daß sic zu zweit, manchmal auch zu drttt einen Laden betraten und sich dort Sachen vorlegen ließe»! während nun der eine den Verkäufer in seiner Auimerkiamkeit abznlenkcn verstand, stahl der andere So haben sie in Tarmstadt einen Steinmardcrpclz im Werte von 320 Mark und vier bcrrenhüte im Werte von 67 Mark, in Gießen dem Graveur s-ch. ein Zrgarctten-Etuiz und dem Juwelier S> eine goldene Uhr rm Werte von 200 Mark, in Bad-Nauheim und in Oiienbach goldene Uhren gestohlen.
W-Zcn Beleidigung eines Postens wurde der studierende der Gewerbeakademic in Fnedbcrg N R. zu einer Geldstrafe von 20 Marl verurteilt. Als er nach einer Feier zu Ehren von Großh. Geburtstag nsit seinem Kommilitonen rii die Nähe des Fahneirpostcns kam. riet er „Ach- tung, präsentiert das Gewehr" oder ähnliches. Zunächst wurde B., der nach Ansicht des Postens jene Aeußerung getan hatte, vom Posten zur Rede gestellt, R. mischte sich dabei in das Gespräch ein und beleidigte dabei den Posten, indem ec ihm Größenwahn ri, dcrgk, vorwars. Er wurde scstgcnonrmen Und
gat nun versucht, den Posten durch Anbicten ^von Geld z» seiner Freilassung zu bewegen. Da R. jcboci- in Südafrika groß geworden ist — nicht Engländer — und infolge seines kurzen Ausenthaltes in Deuts?',fand mit den deutschen Verhältnissen noch nicht so vertraut ist, kam das Gericht zu der Ueberzcugung, daß er sich bei dem Angebot von Geld nichts Böses gedacht habe, daß ihm insbesondere unbekannt war, daß sich der Posten durch die Annahme von Gekd einer schweren Psiichtverkehung schuldig mache. Wegen mangelnden Vorsatzes musste daher von dem Vergehen der Bestechung Freisprechung erfolgen. Auch B., der wegen Beleidigung ongeksagt war, mußte mangels Bewcises- freigesprochen werden.
Wegen einfachen Bankerottes wurde der Kaufmann I. H. K. aus Büdingen zu einer Geld- straie von 20 Mark verurteilt. ,Er hatte unterlassen, seine Sa», delsl-ücker so zu sühren, daß er eine Uebersicht über den Vermögensstand halte! auch hatte er in den letzten Jahren keine Bilanzen gezogen und war im Oktober in Konkurs geraten: er war dura; Krankheit und Arbeitsüberlastung an einer ordnungsgemäßen Geschäsissührungl gehindert worden.
Wegen Untreue und Urkundenfälschung wurde der Photograph G. T. aus Frankfurt a. M. zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Er war z. Zt. der Tat in
Stellung bei dem Photogravhcn H. in Lick. Sonntags hatte er in Büdingen Aufnahmen zu Machen umd die eingeheiche-n Gelder cinzukassieren Er lieferte icdoch häufig die eingeheichen Geidcr nicht ab: er hatte auch Anstrag, von diesen vereinnahmten Geldern einige Gläubiger de-s H. zu besriedigen! dies tat er jedoch nicht uich fälschte drei Quittungen von diesen Gläubigern.
fftericbtsfaaL
w. Marburg, 6. Mär; Das Schwurgericht verurteilte heute nach langer Verhandlung den Zigeuner E r n st Ebender, der in Marienschloß bei Butzbach eine >0 iährige Zuchthausstrafe verbüßt und kürzlich in .Hanau weacn Beteiligung an der Schießerei bei Kämmerzell zu 4' , Jabren Zuchthaus verurteilt worden war, wegen versuchten Totschlags, begangen dadurch, daß er in der Nackt zum 21. August 1010 in Gemeinschaft mit seinem Bender Wilhelm Ebender und zwei nnbekanntcii Genosse» aus die Zigeuner Karl Weiß und Peter Reinhardt bei Bißhausen geschossen hot, zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust.
Berlin, 5. März. Vor dem Kriegsgericht der 2 Garde- Division wurde gestern und heute gegen dui Ilnterotsizicr Ernst A u st von det 6 Kompagnie des Königin August« Gardc-Grena- dicr-RcgkmcntS verhandelt, der im dringenden Verdachte steht, im Oktober vorige,' Jahres feine Geliebte Hcrti IoneleIt im Grünancr Forst durch einen Renokners-buß gl-'ö'et zu haben. Als man die Leiche an dem Tatorte fand, kam ssiort der Gedanke auf, daß ein Selbstmord nicht vorlicgen könne. Belastend für den An- gcklaa'cn, der seit mehr als Jahresfrist mit der Toten ein Liebcs- verh'4t"is hatte, wir der Umstand, daü tz?r todbringende Schuß die sinke Schläfe neros'en hatte. Entsr'b'nd dem Anträge des Vcttre'crs der Anklage-h wurde uft wegen Tötung auf
ausdrü-tsiches und c'it v i r Verlangen und wegen unerlaubter Entfernung ans dem Dienst zu drei Jahren sechs Monaten und einem Tag Gefängnis verur'ci! Ferner bat daß Gericht auf Te- grada'ion erkannt. In der Urteilsdeirün'-ung wird bervorgehaben, daß das Gericht davon überzeugt sei, daß der Angeklagte und das Mädchen den Enls^luk- gesoßt bitten, ge»,-jiiiaiii aus dem Leben zu scheiden. Das Geruckt gelangte aber auch zu der Ueberzeugung, daß das Mädchen fick nicht selbst erschossen habe, sondern der Angeklagte der Täter sei.
D o r t in u n d , 6. März. (Privattelcgramm.) Vor dem hiesigen Schwurgericht hatte sich die Witwe des Landwirts Weliic aus Marwick bei Werl wegen Totschlages zu verantworten. Sie wurde beschuldigt, am 13. Juni 1013 ihren Ehemann mit einem Jagdgewehr, erschossen zu haben. Tie Verhandlung ergab, daß der Getötete seit Jahren seine Frau brutal mißhandelte. In der srag- lichen Nacht kam es gleichsallS zu furchtbaren Szenen, wobei die Frau schwere Verletzungen erlitt. Sic bestritt die Tat und bchanps tetc, ibr Mann habe sich aus Versehen selbst erschossen. Ter Staats anwalt erachtete die Angeklagte für überführt, beantragte aber ihre Frcisprcchuna, weil Notwehr vorlicge. Tie Geschworenen verneinten sämtliche Schuldfragen, woraus das Gericht die Frau koslcnlo- srcisprach.
Par Durchschrit'swetter rm März.
Mit dem Eintritt einer mittleren' Tageswärmc von 5° C. beginnt im März mit Macht das Erwachen der Pslanzenwelt. Im ganzen steigt die Wärme vom 1. bis 31. des Monats um den großen Betrag von 4° im Durchschnitt, von 3,5' bis 7,5" am 31. Ter Wärmcanstieg ist ziemlich gleichmäßig, stärkere Kälterückiällc schien. Der März Teulsckilands hat folgende M r t t c l te m pc- raturen: Süddeutsche Hochebene 2—3", mittleres Rheintal 5 bis 6".mitteldeutsches Flachland 4—5°, Nord!vcstdeutichlan.d 4—5°, Norddeulschland 2—3°, Nordostdeutschland 0—1". Am unfreundlichsten ist der März im Nordosten des Reiches, wo oft noch winterliche Temperaturen herrschen und an den Küsten und ihren Inseln, sehr mild an vielen geschützten Lagen des mittleren und unteren Rheingrabens. Auch die Gebirgslagen besitzen einen sehr rauhen März, der oft durch seinen Schnccrcichtmn den Winter überlrisst. Bei rund 300 Metern liegt die durchschnittliche Frostgrenze, so daß der Fcldberg im Taunus —0,6“, Brocken 1145 Meter —3,2°, Schncelöppe 1610 Meter — 6,4", Zug vip- 3000 Meter — 10,6" Kälte auswciscn. Im Großhcrzogluiii Hessen ist die Verteilung dcr Wärme folgende! Tarmstadi 5,2°, Gießen 4,3", Bad-Nauheim 4,1°, Mainz 5,6°, Liscnbach 4,0“, Michelstadt i. O. 3,0", Schotten 3,6°, WormS 5,3“, Alzen 4,5". Zwilchen der Rheincbene bei Mainz lind Gießen beträgt die Temperatnrdisserenz rund I V,<°. Durchschnittlich muß mit 10 Frosttagci! gerechnet werden: doch sind schon Jabre vorgekommcn, so 1883, in denen jeder Tag im März noch Frost brachte: dagegen werden Eistage, an denen auch nachmittags das Thermometer unter dem Gesrierpunkt bleibt, schon sehr selten, Tie starke Sonnenstrahlung an heiteren Tagen kann die Wärme gelegentlich bis 20" und mehr steigern. Tie mittlere Zahl der Schncctagc ist mit 5 Tagen nur wenig kleiner als im Februar. Wegen der großen Kälte, die noch in der Höhe !>crrscht. fällt sehr gerne Schnee, der aber iin Flachland nur selten als geschlossene Decke einige Stunden Überdauert. Anders im Gebirge, wo in den meisten Fällen in 700 Meter Höhe noch große Schiicemassen lagern, die erst gegen Monatsende restlos verschwinden.
Tie niettergesihichtlichc Vergangenheit des März mährend dn letzten 200 Jahre ist eine sehr wechsclvvlle. Abnorm warme Märzmonaie mit Über 6" Wännc traten in folgenden Jahren ein: 1728, 1750 mir 8,2», 1751, 1756, 1757, 1750, 1761 mit 8,0", 1765, 1766, 1774, 1779, 1780, 1794. 1822, 1836, 1846, 1859, 1871, 1882, 1903. Fm allgemeinen sind danach im letzten Jahrhundert warme Märzmonate viel seltener geworden, als im 18. Jahrhundert, auch sind die ertrem hohen Turchschnittswärmen von 8° nicht mehr erreicht worden. Der März 1750 mit 8,2" wai eutschiedcu in dein ganzen Zeitraum der wärmste Monat. Winterliche Ternperaturverhältiiisse unter 0" herrschten dagegen in folgenden Jahren: 1720. 1740, 1771, 1785 mil —3.5“. 1780 mit —- 2,7°, 1800 mit — 2,3», 1804, 1808, 1814, 1845 mit — 4,3", 1853, 1883. Ten kältesten März halten mir demnach 1845: seit 1883 ist aber kein März mehr mit einer Durchschnittstemperatnr von unter 0“ vorgekommen. -- Der vergangene Februar mar in ganz Deutschland zu warm, in Nord- und Mitteldentschland um 3—4 . _Unter dem Einfluß einer ausgcvehnte» Schneedecke über ganz Lüdostcnropa bilde:: sich als Folge der durch Wärmeausstrahlung erkalteten Lnslmasscn ein sehr beständiges Hocki- druckgcbiei. daß ganz Mittel- und Ostdeutschland klare» und ruhiges Frostwetter brachte Westdeutichland dagegen log bereiis im Wirkungsbereich westlicher Zhkloncn und halte mildes Wetter. Tie Tcmveraturcn nahmen vom Westen des Reiches ostwärts ständig ab. <ro war am 8. Februar morgens solgendc Wärmeverleilung vorhanden: Aachen 8", Franksurt 3°, Breslau —2", Prag —7°. Meist verlies die Frostgrenze östlich des Rheins vorher. Vom 14. ab drangen die westlichen Zyklonen tiefer in den Kontincnl ein Und mit ihnen Tauwettcr und Regcnsälie bis nach Ostdeutschland. Im Mitlcigcbirge aber siel erneut Schnee, der sich »he»«


