Nr. 56 Zweites
Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Tie „«ietzener Zamilienblättcr" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich belgelegt, das ..Kieisblatt ffir den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „randwirlschastttchen Seit- sragen" erscheinen monatlich zweimal.
Blatt J64. Jahrgang
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Zamrtag, 7. März 19^
Rotationsdirick und Verlag der Brühl'jcheu UniversuälS - Buch- und Sieindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion. Ervedition »nd Druckerei: Schul- straße 7. Exveduion und Verlag: eSal- Redaklioms^IIL. Tel.-Adr» AnzeigerGießen.
Dar steiermärkische öesiedlunysgebiet des Vereines Süüma k in Graz.
Um das national wichtige Gebiet der „kindischen Büheln", das schon von dcuisch.-n Minderheiten stark durchsetzt ist, zu durchbrechen und die Marburger Sprachinsel mit dem zusammenhängenden deutschen Sprachgebiete Mittel- steterinarks in unmittelbare Verbindung zu bringen, hat der Verein Südmark seiner bisherigen nationalen Schularbeit im Jahre 1806 auch die Besiedlung airgegliedcrt, indem er Tn der nördlichsten Gemeinde des slowenischen Sprachgebietes, dem seit Jahren hei,; umstrittenen St. Eg» di i. D. B, eine Anzahl Licgenschaslen ankanfte, um sie mit deutschen Bauernsamilien zu besiedeln. Zn diesem Zwecke sand er in den tüchtigen, obst- und weinb intreibcndcn Schwa den in Württemberg die geeignetsten Landwirte und machte in der Tat mit diesem Volksstammc gute Erfahrungen Die Leute sind nicht nur sehr tüchtig und fleißig, sondern auch sparsam, ordnungsliebend und — was für das völkische Kampfgebiet besonders wichtig ist - sehr kinderreich. Schon aus letzterem Grund ist aus das fernere Erstarken des Deutsch lums in den Windischen Büheln durch die Ausbreitung bczw. die natürliche Bermehrungskrasl des schwäbischen Baucrn- stammes mit Zuversicht zu rechnen.
Nachdem der Anfang trotz der bei jedem großen Werke auftauchenden Ansangsschwierigkeilen wohl gelungen war, lvurdc die Besiedlungstätigkeit vom Verein Südmark rüstig fortgesetzt und geht gerade heute einer noch vielversprechenden j Zukunft entgegen, zumal die Werbearbeit lm Deutschen Reiche ! schon ziemlich ausgebaut ist, sich kauflustige Anwärter in wachsender Anzahl melden und auch die Gründung einer „Deutsch-österreichischen Bodenbank" '.ausgehend vom Verein Südmark) bevorsteht. Allerdings sind durch die Besicdlungs- arbeit auch die Grund st ückc wesentlich teurer geworden, weshalb der Verein Pente nur mehr in besonders dringlichen und günstigen Fällen, die jedoch bei seiner Umsichtigkeit öfters zu ermitteln sind, cingrcisr.
Tie Ausgabe des Vereins Südmark in den Windischen Büheln ist es, durch die Besiedlungsarbeit das Deutschtum in den einzelnen Gemeinden derart zu stärken, das; es den entscheidenden Einfluß erlangt, allmählicl, die einheimische, slowenische Bevölkerung, die jedoch — schon nach den sehr häufigen deutschen Familiennamen zu schließen — vielfach deutscher Abstammung und auch sonst mit deutschen Elemcn- i len stark durchsetzt ist, zu germanisieren und so schließlich ein zusammenhängendes deutsches Sprachgebiet bis an die Drau zu schassen. Das; diese Arbeit der Südmark nicht ergebnislos gewesen ist, bezeugt unter anderem das sehr günstige Ergebnis der letzten Volkszählung im Jahre 1910, wo in den Gemeinden S u l z t a l und Ranze nberg zum ersten Male deutsche Mehrheiten austauchten und auch in den übrigen Orten die deutschen Minderheiten bedeutend erstarkt sind.
Gegenwärtig find in den Windischen Büheln aus über 1900 Joch schon 52 Familien mit zusammen 309 Köpfen vom Verein angesiedelt worden. Die hierfür aufgewendetcn Kosten stellen sich ans bisher rund 900 000 Kronen, die allerdings meist auf sichergestcllte Darlehen entfallen. Neben Schwaben aus Württemberg sind in letzter Zeit auch B a - dcner, Sachsen, Deutsche aus W e st u n g a r n , Deut s ch b ü h men, Steirer und K ä r n t n e r angesiedelt worden. Tie wirtschaftliche Lage hat sich überall bedeutend gebessert, schmucke deutsche Bauernhöfe grüßen freundlich aus dem üppig blühenden und grünenden Gelände, während
früher elende windische Keuschen auf ebenso verwahrlostem Wirtschaftsgrunde einen traurigen Anblick darbotcn.
Ausgehend von der Gemeinde Egpdi-Tunnel hat sich allmählich die Bcsiedlungstätigkeit auch aus die Nachbar- orte ausgedehnt und greift heule immer weiter um sich — einerseits südwärts über Ranzenbcrg »nd Poßniy- hofen bis vor die Tore von Marburg, andererseits immer tiefer hinein in das obst- und weingesegnete Gebiet der Windischen Büheln. Es gilt nicht allein einen schmalen Streifen an der Südbahn und der Triester Rcichsstraße zu besiedeln, sondern auch einen möglichst breiten deutschen Gürtel zwischen der Mittelsteiermark und der Marburger Sprachinsel zu schaffen.
Tie von der Südmark bisher besiedelten Gemeinden sind folgende: Egpdi-Tunnel, Zirknitz, Spielfeld, Podigraz, Ratsch, Witschein, Sulzlal, Pcßnitzbcrg, Lbcr-St. Kunigund, Dobrcng, Ranzenbcrg, Pößintzposcn, Kanischa, Zicrbcrg und Lciicrsbcrg. Es ist dies jedenfalls ein stattliches Gebiet, das durch steten Zuzug von neuen Ansiedlern sowie die allmähliche Eindeutschung der allansässigen Bevölkerung ein immer mehr deutsches Gepräge erhält. Da die Gegend reich an landschaftlichen Reizen und gesundheitlichen Vorzügen ist und überdies eine beoueme Verbindung um den Städten Graz »nd M a r - bürg besitzt, hat sich dort in den letzten Jahren auch eine größere Anzahl von deutschen Ruheständlern und Rcnt n crfa milien dauernd niedergelassen und ebenfalls zur Stärkung deS Deutschtums viel beigetragcn. Deutsche Vollsgenosscn, die dem Ruse „Zurück aufs Land" folgen ! wollen, sollen sich daher in größerer Anzahl in dem anmutigen und wirtschaftlich günstigen Gebiete der Windischen Büheln (vor allem in Egpdi-Tunnel) ansiedcln, an statt in den teuren und ungesunden Großstädten ein sorgenvolles. nervenzerrüttendes Leben zu führen!
D ß die Bcs edlungstä igkeit von andauerndem Erfolge gekrönt ist, bewieleu auch die Ende 1913 abgehaltenen Ge- meindcratswahlen in Zirknitz, der wichtigsten Nachbargemeinde von Egpdi-Tunnel. Es gelang nämlich den Deutschen. den ersten Wahlkörper nicht nur glänzend zu behaupten, sondern auch den zweiten (die Gemeinde hat nur zwei Wahl- körper) völlig zu erobern, während er früher noch zur Hälfte von Slowenen besetzt war. Dieser schöne Sieg ist auch dem sehr verdienstvoll wirkenden Spar-undVorschußver- ein in Egpdi-Tunnel zu verdanken, da dieser, was in mehreren Fällen auch bei Zirknitz zutrifft, schon eine Anzahl von deutschgciinnten Besitzern von der Schuldknechtschaft der slowenischen Vorschubkassen losgelöst hat und in dieser Arbeit ziclbewußt fortfährt. Er verdient deshalb ebenfalls Dank und rege Förderung.
Möchten recht viele deutsche Volksgenossen das herrliche und für unser Volk so außerordentlich wichtige, zukunftsreiche Gebiet der Windischen Büheln aussuchen, sei es, um sich dort dauernd nicderzulassen, sei cs, um nur Land und Leute kennen zu lernen. Gerne wird jeder Deutsche, der einmal diese Perle der grünen Steiermark und der deutschen Südmarken überhaupt kennen lernen durste, wieder dahin zurückkehrcn und neue Freunde für das schöne Land und die dort von der Sudmark geleistete Sicdlungsarbeit werben.
Wer die Windischen Büheln und die dortigen Siedlungen besuchen will, wende sich an die L e i t u n g der d e u t ° scheu Schule in Egpdi-Tunnel, die für eine entsprechende Begleitung gerne Sorge tragen wird. Wer jedock für die dortige Bcsicdlungsarbeit Anteilnahme hegt, wende sich an den Verein Südmark in Graz. _
veutscdep Reick».
Ter Kaiser ist am Freitag an Bord des Linienschiffes „Teutschland" um 6 Uhr abends auf der Reede von Bremen cinaetrofscn. Tie „Teutschland", ein kleiner Kreuzer und zwei Torpedoboote gingen vor Anker. Tas Wetter ist regnerisch und stürmisch. Ter Kaiser sprach den Wunsch aus, am Freitag vormittag 10 Uhr die Kriegervereine des Unterwcscrgebietes in der LlopdhaUe in Parade zu begrüßen.
Tic Kaiserin ist am Freitag nachmittag 4.03 Uhr in Braunschweig cingetrosfen. Auf dem Bahnhof hatte sich das Herzogspaar mit Gefolge zuin Empfange eingcsundcn. Nach kurzer Begrüßung fuhren die Herrschaften unter den freudigen Zurufen eines zahlreiche» Publilums begrüßt, im Automobil langsam nach dein Schlosse. In Begleitung der Kaiserin befinden sich die Hofdame Gräfin v. Rantzau und Kammerherr Frhr. v. Spitzcnberg.
Vom preußischen Eisenbahn Voranschlag. Im B u dg e t a u s s ch u ß des preußischen Abgeordnetenhauses erklärte der Minister für össcnlliche Arbeiten iväh- rend der Einzelbcratung des Eisenbahnvoranschlags, daß die Einnahme für den Zugkilömeter infolge der Zunahme der Verkehrsdichtigkeit »»genommen habe. Ter Verkehr von Schnell- und Eilzügcn sei mehr gestiegen als der von Pcr- sonenzügcn. Ter Triebwagcnverkehr habe sich gut eingebürgert. Tic Fahrlartensteuer müsse in der jetzigen Art bestehen bleiben. Etwa 40 Prozent der Fahrpreise erster Klasse würden von Ausländern ausgebracht. Am stärksten sei der Verkehr in der dritten Klasse gestiegen, nämlich um 36 Prozent seit 1906. Wenn Schlasivagcnzngq cingesührt würden, würden auch Schlafwagen dritter Klasse eingestellt, sonst sei dies nicht möglich.
Einen Gesetzentwurf, bctr. Förderung der i n nc re n K o l o n is a l i o n im K ö n i g r e i ch P r c u ß c n beantragt die fortschrittliche Volkspartei des preuH. Abgeordnetenhauses. Durch den Entwurf werden der Slaatsrc- gierung 300 Millionen Mark' zur Verfügung gestellt, uw Staatsdarlchen für ländliche Betriebe zu gewähren, die vor Korporationen des öffentlichen Rechts, von gemeinnützigen Ansiedlungsgesellschaften, Privatgesellschaften oder Privatpersonen zum Zwecke der inneren Kolonisation errichtet werden. lieber die Zulassung det^itzesellschaslen und Privatpersonen entscheidet der Landwirlschastaministcr. Tas Darlehen wird bis 9 /io, bei einem Stellenwert von mehr als 10000 Mk. bis zu ' , des Stellenwertes (Wert des Grundstückes und der Gebäude! gewährt. Als Ziele der inncrc- Kvlonisation sind anzusehcn: 1. Schaffung neuer leistungsfähiger Landgemeinden in gemischter Kolonisation durch Ansetzung von kleineren, mittleren und größeren Bauern sowie von Landarbeitern und Handwerkern. 2 . Scßhastmachung von Landarbeitern in solchen Gemeinden, in geeigneten Fällen auch in solchen Gutsbezirken, in denen ausreichende Arbeitsgelegenheit bei mehreren Arbeitgebern vorhanden ist. 3. Verpachtung von Wohnungen und kleinen Landstücken an solche Arbeiter, denen die Mittel zur Erwerbung von Land- arbciterstellen fehlen. Soweit den Gemeinden das dazu erforderliche Land fehlt, können ihnen auf Antrag Mittel zu dessen Erwerbe zur Verfügung gestellt werden. Nach Möglichkeit sind zu diesem Zwecke Domänen und forstsiskaliichc Grundstücke bereit zu stellen. Besiedlung der Moore und Oedländcreien. lieber die Gewährung von Grundsätzen und iie Tilgung des Darlehns werden ähnliche Bestimmungen oorgeschlagen, wie kürzlich in dem nationalliberalen Antrag! zur Förderung der inneren Kolonisation.
Zum Svjäbrigen ?1 stimgsseft des vauerschen Gesangvereins.
Gießen, 7. März.
In den ersten Märztagcn des Jahres 1861 war cs. als acht Gießener Bürger zu einem „Singkränzchen" IN der Brauerei König am Walllore ' jetzt Tenninghosf! zulammentralen. Unbekümmert um die wirtschaftlichen Sorgen und die polimchen Wirren, die durch die schleLwiq-holstcinsche Frage hervorgcrmen wurden landen sie sich, um nach des Tages Last die edle Sangeskunst z» pflegen Fu»i- ziq lange Jahre sind seitdem vorübergegangcn. Reue Langer traten in die Fußlapse» der Gründer, »itb gan-, allmählich wuchs das zarte Reislcin „Singkränzchen" zu dem gewaltigen Baume, der letzt die meisten Gesangvereine, die vor ihm und nach ihm aus der Lok schossen, um .Haupteslänge überragt und be,chattet. Freilich ging cs bei dem edlen Wettstreit nicht ohne Wunden und Narben ab, wunderlich zauste und zerrte das Schickml gar oit an dem wachlenden Verein und suchte sein Fortkommen zu hemmen. Umw hoher der Ruhm, da die „Bauern" morgen an ihrem Jubeltagc stolz bekennen dürfen, setzt einer der größten und. was noch nnhr lagt, cmer der besten Gesangvereine Gießens zu sein. .
Toch von den Geschicken, die der ,ungc Verein überwand, las-
f ^Bald^nachdem sich das Sinqkränzchen gebildet hatte, wurde larau» ein „Singverein", die Zahl der Mitglieder erhöhte sich ,ui 14 und inan gewann zum Lehrer der regelmäßigen Ucbungs- tunden Philipp Bauer, den Türmer und «tadtmusikanten ^er S-adt Gießen. Nach chm erhielt der Verein alsbald den Name» Baucrscher Gesangverein", der chm bis aus den heu- i'iqcn Tag geblieben ist. Ter erste Vorstand war L. Jost, 1865 wurde es E. 61a il. der bis zum Jahre 187o diesem Amte^reu blieb Philipp Bauer war mit einer Unterbrechung von sunt Iah rcn während der er Leiter der Bad-Rauheinrer Kurkavelle lvar
( ig71__7f>i bi-' 1886 Dirigent des Vereins. Tw eilte Bciahlung.
die ihm für sein mühevolles Amt wurde, war ei» Geinirts- taasaeschenk das man ihm Ende August 1965 überreichte: „Von 33 Mitgliedern wurden bezahlt: 11 Gulden 30 Kr., wovon em Porte monnaie für 27 Kreuzer gekauft wurde, IN das 10 Gulden ctNgelcgt wurden So heißt es im Protokoll nicht ohne Humor. .
-ver Beitritt zum Lahntalsangerbund ertolgte am 7 'Februar 1866. Tonnt war eine Verbindung mit anderen Vereinen gesunden, die sich UI der Folgczeil als äußerst fördernd er- - -n Dr j( 1867 beickücktc man zum ersten Male einen ?önaertaa der in Wetzlar abgehalten wurde. Als Beitrag zum Tem ckicn Sängerbund zahlte icdcs Mitglied einen Silbcrgroichen.
Ein bedeutungsvoller Tag für den tungcn Verein war der Tao der Fahnenweihe, der 14. Juli 1867, wozu Abord- von sämtlichen zum Lahntalsängerbund gehörenden Vereinen gekommen waren. Aus diesem Anlaß wurde das erste »on.ert im Zinßcrichen Laalc gegeben pie Kotten mr die IT ' 1Mulben, waren von den Tomen des Vereins geiammclt.
Wabrend der Kriegssahre 1870/71 setzte man die Uebnngsstundcn aus. Tie Mitglieder Tb Stobr und 2. Kl.n- “ ’. ’-iKr nahmen am rreldzugc terl und kehrten gelund zu Sangesbrüdern zurück. Am 20. November veranstallcten ißc Gießener vereinigten Gcsangvcreln« ein Konzert zum Besten
Gießener hilssbedürstiger Familien der zur Fahne einbcrusenen Solda.cn, das von Musikdirektor Micklcr geleitet wurde. Dem siegreichen Kaiser Wilhelm wurde im August 1871 eine Huldigung in Bad Ems dargebracht. An der Sängersahrt beteiligten sich alle im Lahntal bis nach Lahnstein bestehenden Gesangvereine.
Herr I. Keilmann, der für Philipp Bauer die Leitung übernommen hatte, wurde 1875 wieder von diesem abgelöst. Auch im Vorstand vollzog sich in diesem Jahre ein Wechsel, E.ZNail legte sein Amt nieder und W. L ö b e r wurde an seiner Stelle erster Vorsitzender und blieb es bis 1891.
Tas erste große Sängersest, das der B. G.-V. besuchte, war am 22. und 23. Juli 18/6 zu Weilburg: der Verein war mit 36 Mann anwesend. Im nächsten Jahre wurden sämtliche Mitglieder der „Liedertafel" in den Vauerschen Verein ausgenommen. Ein Sängersest wurde 1878 in Gießen aus Rechnung des B. G.-V. und der „Harmonie" abgehalten, das einen guten lleberschuß ergab. 1885 bezog der Verein das vom Mitglied W i s: n c r erworbene Haus „Zum Burggraf", nachdem vorher schon des öfteren das Vcreinsloial gewcchfelt 'lvorden war.
Tas Jahr 1888 brachte dem Verein recht trübe Zeiten. Nachdem der beliebte V.>rei,isdicner Balthasar Dick in hohem Alter gestorben lvar, verschied am 12. September der verdienstvolle Dirigent Philipp Bauer an einem Schlagansall im Alter von 68 Jahren. Ter Tod ereilte ihn mitten in seiner Berusstättgkcit während eines Festessens zu Großherzogs Geburtstag. Sein Nachfolger wurde Franz Bauer, der Sohn des Verstorbenen, der ebenfalls erfolgreich den Verein bis 1890 weitersührte.
Neues Leben brachte das 25jährige Stistungssest in den Verein, das am 24. März 1889 gefeiert wurde. Bei der Vorfeier am 4. März überreichten die Tamen eine Fahncnschleise. Schneidermeister F. h e n s c r. der Gründer des Vereins, und Spenglcrmeifter B. L ö b e r, das älteste aktive Mitglied, wurden zu Ebrenmitglicdern ernannt. —
Ein großes Sängersest wurde am 28., 29. und 30. Juni 1890 von dem B. G.-V und der „harnionic" in Oswalds Gatten, wo eine Festballe errichtet worden war, mit großem Pomp obgehalten. Während des Festes erkrankte Herr Bauer, Kapellmeister Krauße solang für ihn ein. Am 26. Juli wurden Massenchöre zur Enthüllung des Liebigsdenkmals gcsunqen. Im Herbst legte Fr. Bauer sein Tirigentcnamt nieder, für ihn nahm L. Huntern a n n bis 1891 den Stob, und als dieser erkrankte, wurde L. Kaufmann Leiter, der aber auch nur ein Jahr lang in dem Amte blieb.
Eine weit bedeutendere Zeit stand dem Banerschcn Gesangverein bevor, als Otto G ö r l a ch am 25. März 1892 zum Dirigenten des Vereins gewählt wurde. Schon drei Monate sväter zeigte sich der Erfolg aus dem Sängersest in Weilburg . Nachdem unter Görlachs Leitung der Verein rasche Fortschritte genommen hatte, sah er sich 1894 gezwungen, sein Amt niedcrzulcgen. Er wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Tnn Nachfolger wurde der Lehrer L. Lvitz, dem ein Jahr später Kapellmeister Paul P o l st e r folgte.
Daß auch dessen Tätigkeit für den Verein von Vorteil war, bewies das Ergebnis des ersten Gesangswettstreites.an dem
der Verein tcilnahm, zu Bocke »heim (1897). Unter 11 Vereinen der III b - Klasse errang der B. G. -V. den ersten Preis, zugleich als erster preisgekrönter Verein der nähere» und weiteren Umgebung Gießens. Ein zweiter Sieg war dem Verein 1898 beim Wettstreit in Kreuznach beschieden. Erfolgreich wurde auch der Wettstreit in Weisenau bei Mainz 1900 bestritten.
Während dieser Zeit des energische» Ausstieges waren h. h o l l- mann 0891—92), K. Walther 0892—93) und L. Friedrich (1893—1901) Präsidenten des Vereins.
Toch auch trübere Zeiten sollten dem Verein nicht erwart bleiben Aut dem Gesangswettstreit in Koblenz am 30. Juni und l. Juli 1901 blieb der erhoffte Erfolg zum ersten Male aus. Aber Herr Präsident Polster wußte seinen Sängern neucn Mut zu ina- chen, und es gelang ihm, trotz dieser Niederlage den Verein zu einem der besten ganz Oberhessens heranzubilden. Ter Lohn blieb nicht aus. Am 31. Mai 1903 erhielten die Bauern in Homburg den ersten Preis von 300 Mark.
Bald daraus trat ein Nervenleiden an dem hochgeschätzten Tiri- gcnten zutage, dem ein zweiter Mißerfolg in Grünberg im Juli 1904 zuzuschreibcn ist. Tie Erkrankung des Herrn Polster nahm derart zu, daß er um einen Erholungsurlaub cinkommcn mußte, von dem er nicht wieder zurückkehrte. Er siedelte nach Tcssau über und starb dott 1909.
Für ihn gewann der B. G.-V. sein Ehrenmitglied O. Gör- l a ch , der mit kräftiger Hand die Zügel crgriss und den Verein von Erfolg zu Erfolg bis aus den heutigen Tag leitete. Ter erste glänzende Sieg wurde 1905 in Vilbel erfochten, weitere Siege 1907 in Marburg und 1910 in Cro nberg. Ter schönste Erfolg lvurdc beim Wettstreit in Worms 1909 erfochten, loo dem B. G -V. neben anderen Preisen der Stundcnchorvrcis zusiel. Ter Großherzog sprach sich damals sehr lobend über die Leistungen des Vereins aus.
Tas erste öffentliche Konzert fand am 15. März 1908 ,n der Aniveriitätsaula statt. In dem Bericht des Gießener Anzeigers darüber heißt es:
„Ter Dirigent des Vereins verfügt über eine musikalisch sichere, gut geschulte und sanqessrohc Sängcrichor, die anscheinend mit großer Lust und Liebe bei der Lache ist..... Es
war vor allem eine hoch erfreuliche Einheitlichkeit in allen Torbietungen der Singer zu bemerken und eine erstaunlnbe Sicherheit."
Seit diesen ersten großen Siegen hat der Verein an manchem Sängersestc teilgenommen und hat eine ganze Reihe von ötientlichen Konzetten veranstaltet — der Erfolg ist ihm treu geblieben hatte der Präsident G. Atzbach schon mit Umsicht seines Amtes gewaltet, so gebührt dies Verdienst seinem Nachfolger Herrn G. To dt. der seit 1906 VoZitzender ist, noch weit mehr. In stetem Psllchtelscr und umsichtigem handinhandgeben mit dem Tirigenten, Herrn Görlach, war Herr Todt bemüht, den Verein zu einer engen Gemeinschaft ,usammenzuschließe» Welch sicher- Grundlage er damit Herrn Görlach in die Hand gegeben hat. wie dieser es verstand, daraus zu snßcn und die Leistungen der Bauern immer mehr zu erweitern — das soll das Jubiläumskonzcrt am Sonntag nachmrttag zeigen. K B
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