Ai» Stadt und Land.
Gießen, 3. März 1914.
** Aus der S <6 u Ift a t i ft i f. lieber die fortschreitende rafdic Vermehrung der Volksschnlllapcn geben die neuesten statisti- schrn Mitteilungen intcrei'sauten Ausschluß. Im Jahre 1835 gab es im Großhcrzogtum 1378 Schulklassen, welche sich 1876 aus l888 erhöln hatte». Am Jahre 1910 aber gab cs bereits 3786 Klassen und 1913 waren es deren schon 3903 Klassen. Tie Zahl der Schulkinder aus die Einwohnerzahl bezogen blieb merkwürdigerweise peinlich dieselbe: denn im Jahre 1835 kamen aus 100 Einwohner 15.6 Schulkinder, in 1913 waren es deren 16,3 Kinder. Im Durchschnitt kamen 1835 auf eine Schulklasse 88 Kinder, 1880 75, 1890 68 und 1913 betrug die Kindcrzahl einer Klasse nur noch 53 .Ninder Im Jahre >835 gab es noch 16 Klassen von je über 200 Kinder. Seit 1876 gibt es solche Klassen nicht mehr. Doch gab cs damals »och 12 Klassen, die zwischen 150 und 200 Kinder zählten. Selbst 1910 gab cs noch 8 Klassen von je 101 und 150 Kinder.
**■ Das Verschieben von Briefen und Postkarten in Drucks achenscndungen bildet fortgesetzt die Ursache unliebsamer Briesverschleppungc» und Bricsverlustc. Ungeachtet wiederholter Ermahnungen durch die Presse und unmittelbarer Einwirkung der Postanstalten aus die Absender werden viele Truckjachensendungen leider immer noch in so mangelhafter Verpackung zur Post eingclincri, daß sie leicht zu Fallen für kleine Sendungen werden. Als besonders gefährlich in dieser Beziehung erweisen sich, wie neue Feststellungen bestätigen. die häutig zur Versendung von Drucksachen benutzten o s s c n e n Briefumschläge bei denen die Absender die am oberen Rand oder an »er Seite vorhandene Klavve nach innen eiwchlagen. 'In den dadurch entstehenden Spalt verschieben sich unbemerkt Briese. Postkarten uiw. die dann in der Drucksache oft weitere Irrfahrten machen. Im eigensten Interesse des Publikums muß eindringlich davor gewarnt werden, die Klappe solcher Umschläge nach innen einzuschlaqen: viel besser ist es, die Klavpe über die Rückseite lose Überhängen zu lassen. Als recht zweckmässig haben sich Umschläge bewährt, die an der Berschlußklavve einen »ungenartigrn Ansatz haben, der in einen äußeren Schlitz des Umschlags gesteckt wird. Sic sichern den Inhalt vor dem .heraussallen und verhindern das Einschieben anderer Sendungen, ihre möglichst ausgedehnte Ber- Ivendunq ist im allgemeinen Interesse zu wünschen. Verbältnis- inäßig häusig verschieben sich auch Briese usw. in Zeitungen, die unter Streifband verschickt iverden. Es ist dringend zu raten, die Streifbänder so fest wie möglich um die Zeitungen zu legen, nachdem kiese umschnürt worden sind.
** Studentische Arbeiter unterrichtskurse. Nachdem die Winterkurse in voriger Woche geschlossen wor- den sind, fanden sich am Sonntag abend idie Unterrichtsleiter und Kursusteilnehmer nebst Angehörigen im Saale der Hers berge zur Heimat zu einer kleinen Schlußfeier zusammen, die durch die Mitwirkung des Gernhardtschcn Zither-s und Mandolinenchors, sowie der Gesangsabteilung des Evang. Arbeitervereins wesentlich verschönt wurde. Daneben fanden die zum Bortrag gebrachten Deklamationen, ebenso wie die Ansprache des Begründers der studentischen Untcr- richtskurse, Professor Dr. Bogt, der den Zweck und die Bes dentung der Unterrichtskurse schilderte, allgemeinen Beifall. Zum Schluß dankte ein Kursusteilnehmer dem Kursuslciter und den einzelnen Lehrern für ihre Tätigkeit.
** Konkurrenzneid. Ein Leser schreibt uns: ,,Bor
einigen Tagen las man in dem Lokalblatt einer in der Nähe Gießens gelegenen „kleinen Garnison" folgende Ankündigung eines dortigen Porzellangeschästcs: „Mk 1,35 kostet, solange Borrat reicht, eine Waschgarnitur". Einige Tage darauf konnte inan von einer dortigen Konkurrenzsirma an derselben Stelle lesen: „Nicht nur solange Bor rat reicht, sondern das ganze Jahr hindurch verkaufe Waschscrvice zu Mk. 1,20 und Mk. 1,80". Es wäre wünschenswert, wenn der Vorrat in den Waschgarnimrcn nur soweit erschöpft würde, daß auf jeder Seite noch eine Schüssel übrig bliebe, um sich daraus von dem angesammelten Gcschästsneid reinzuwaschcn".
Der Gipfel der Bcrgeßlichkeit. Am Freitag mittag kehrte in einem Frankfurter Case ein in Höchst wohnender Mann in Begleitung seiner sechsjährigen Nichte ein. Nachdem ec seinen Kaifce getrunken hatte, verließ der biedere Mann „aus einen Augenblick" das Lokal, um etwas zu besorgen. Er kam aber sobald nicht wieder und ließ das geängstete Kind stundenlang sitzen, sodaß man schließlich aus den Gedanken kam, cs handle sich hier um so eine Art „Kindesaussetzung", und im Bcgriss ivar, die hiesige und die Höchster Polizei anzu- rnsen. Am Abend fand sich der Onkel jedoch fidel und munter wieder ein und bemerkte, er habe das Kind ganz vergessen. Tann nahm er, als fei nichts geschehen, das Mädchen mtt den Worten: „Na, da bist Tu ja!" wieder in Empfang.
** Grund st ücksverkehr. Ein Grundstück zu D a r m - stadt, das aus den Namen des Feld mann, Philipp, Maurer zu Tarmstadt, eingetragen war. soll Donnerstag, den 16. April 1914, nachmittags 3 Uhr, im Amtsgericht Tarmstadt im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden. — Ein Grundstück zuNc u- Jsenburg, das aus den Namen der 1. Paula Margareta Stroh, 2. Carl Stroh, 3. Georg Karl Stroh, 4. Max Arno Stroh, 5. Heinrich Andreas Stroh, 6. Alma Frieda Stroh, 7. Friedrich Robert Stroh, 8. Erna Sttoh, 9. Armin Stroh eingetragen war, soll Freitag, den 17. April 1914, nachmittags 3 Uhr, aus dem Rathaus zu Neu-Isenburg im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden. — Grundstücke zu Heppenheim, die auf den Namen des Philipp Kaiser I. in Heppenheim und dessen Ehe- srau Maria geh. Unger eingetragen waren, sollen Montag, den 20. April 1914, nachmittags 2' 3 Uhr, aus dem Rathause zu Hep- hcim im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden. — Ein Grundstück zu Bürstadt, das auf den Namen des Jakob Schweikcrt I und Ehefrau Apollonia geh. Hartmann in Bürstadt eingetragen war, soll Montag, den 23. April 1914, nachmittags 2 Uhr im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden.
Landkreis Kietzen.
kl. Lollar 1. März. Ter Veteranen- und Kriegervercin „Ludwig zur Treue" hatte für heute nachmittag in sein Bereins- lokal zum Schwanen zu einem Vortrag des Kameraden Moritz Töller eingcladen über: „Die französische Fremdcn- l e g i o n". Nachdem der Vorsitzende, Herr Schieinangk, die Anwesenden begrüßt und ihnen sür ihr Erscheinen gedankt hatte, begann der Redner mit seinen "Ausführungen. In sehr klaren Worten wußte er den ausmerksamen Zuhörern verständlich zu machen, inwiefern die sranzösischc Fremdenlegion sür Deutschland schädlich ist. Ter Bruder des Vortragenden kam im Jahre 1896 aus der Wanderschaft nach Frankreich und hatte sich dort auch sür die Fremdenlegion anwerben lassen. Mit dem nächsten Truvpentrans- Port kam er nach Algier i» das 2. Regiment. Der Redner hatte damals den Entschluß gefaßt, seinen Bruder zu befreien. Mit den . nötigen Papieren und dem Kleingeld ausgerüstet, schiffte er sich nach Algier ein. Unter "Anwendung größter Vorsicht gelang es ihm auch, lvobci günstige Umstände mitwirkten, seinen Bruder nach Deutschland zurückzubringen. — Dann sprach Kamerad Hauvt- lehrer Sehrt über: „Der dänische Krieg". Der Redner legte in klaren Ausführungen die Gründe, den Gong der Schlacht und den stiutzen sür Preußen dar. Beiden Rednern wurde großer Beifall zutril. Einige Stunden gemütlichen Zusammenseins beschlossen die Veranstaltung.
cu Beuern, 2. März. Tie Industrie in unserem Orte hat ganz bedeutend abgenommen Als letzte von allen hat sich die Stein Industrie, das Brechen und Bearbeiten von sogenannten ' Lungsteinen, erhalten. Vor einigen Wochen haben nun die beiden Besitzer von solchen Steinbrüchen die Arbciterzahl bis zur Halste und locniger vermindern müssen. Zum größten Teil ist dies eine Folge des in so hohem Maße verwandten Eisenbetons. wodurch behauene Steine ganz überflüssig werden Bor 20, :)0 Jahren herrschte hier eine rege Industrie. Es waren hier Bergwerke aus Eisenerz, Braunkohle und Kieselgur in Bktricb. Nur durch die Ürny/fr bet B c r k e hr s v e r h ä l t n issc
und durch Mangel an fachmännischem Betriebe, kani cs zur Stilllegung der Werke. Das Wiederausblüben der Industrie in unserem Orte hängt ab von einer Bessergestaltung der Verkehrswege, die vielleicht durch Ausbau des Weges im Tal nach Großcn- Buseck zu einer Straße qeschasfen werdsii könnte. Am besten wäre es, man suchte das Interesse maßgebender Persönlichkeiten zu dem Plan zu gewinnen, eine elektrische Bahnverbindung, besonders sür L a st c n v e r k e h r, zur Station Großen-Buscck zu bauen.
Kreis Lauterbach.
& AngerSbach, 1. März. Durch Ausgrabungen aus der Wartbach wurde eine Mauer mit Strebepfeilern ireigelegt. Ferner fand man Knochen, Wehrqehängc und Schnallen. ES wurde beschlossen, die alte Ruine freizuleqen.
X Schlitz, 2. März. Großes Aufsehen erregt hier die Tatsache, daß die seit Jahrhunderten im Besitz der Gräfl. Görtzschen Standesherrschast Befindliche Brauerei nunmehr in die Hände einer sich bildenden (Aktiengesellschaft übergehen sosi. — Der hiesige Zweigverein des D H.--C. feierte am Samstag abend im Deutschen Haus unter starker Beteiligung sein Stistungs- und Dekorierungssest. An 3 Mitglieder konnten Auszeichnungen verliehen werden. Es wechselten dann gemeinsame Gesänge, Klaviervorträge und Decklama-> tionen in bunter Folge miteinander ab. Auch ein flott ge-> sVieltes Theaterstück: „Funggcsellenfreuden", sowie ein Reigen von 4 jungen Damen getanzt, sorgten sür abwechselungsreiche Unterhaltung. Daß im übrigen der Tanz zu seinem Recht kam, versteht sich von selber.
Kreis Schotten.
— Ulfa, 28 Febr. Das seit vorigen Sommer hier im Ba» befindliche Stallgebäude sür die Landesbeschäler der neu errichteten Landesgcstütsstation wurde Ende vorigen Jahres vollcn- det. Der Stall ist der Neuzeit entsprechend eingerichtet und enthält 2 Boxen, einen Stand und die Wohnung sür de» Gcstüts- diener. Zur Besichtigung des Gebäudes war vor kurzem i. B. des Oberlandstallmeistcrs v Willich Hos-.Kammerrat Engel hin. der seine Anerkennung oussprach. Am Samstag trafen unter Aujsicht des Gestütsdicners Schönberger I zwei vrochtvoUc Hengst», Dunkel-Fuchs (Diktator) und Hellbrauner (Erbprinz) hier ein, die sich schon lange bei guter Bcrcrbung mit hohem Prozentsatz bewährt haben.
Kreis Friedberg.
r. Bad-Nauheim, l. März. Tie gestern abgehaltenc Hauptversammlung des Spar- und Borschußver- cins genehmigte sämtliche Vorschläge des Vorstandes und Aufsichtsrats. 61', Proz. Dividende aus 330 202 Mk. berechtigte Anteile und Zuschrift aus Reserven in Höhe von 10170 Mk. Dem bestclienben Garantieionds werden 4309 Mk. zugeschricben. Einem Anträge des "Äussichtsrats entsprechend bleibt dieser Fonds in Zukuntt als Garantie- und Jubiläumsfonds bestehen, dessen Zinsen dazu dienen sollen, den Vorstandsmitgliedern eine besondere Bei- hilse sür die Zeit ihres Urlaubes zu gewähren. Das dem Fonds überwiesene Kapital beträgt zurzeit 10 009 Mk. Die Nctto-Bilanz des Vereins pro 31. Tczcmber 1913 schließt ab mit 3172 543.26 Mark.
Hessen-Nassau.
— Wiesbaden, 1. März. Eine von Winzern aus dem Kreise St. Goarshausen in Branbach abgehaltenc stark besuchte Versammlung unter dem Vorsitz des Landrats Berg beschloß, eine gemeinsame Organisation im Kreise in den einzelnen Gemeinden anzustreben, Um die Bekämpfung der Rebschädlingc mitmechanischenMitteln, nicht mit chemischen, wie Niko- ttn Und dergleichen, energisch vorzunehmen. Dem Chef der Rheinstrombauverwaltung, Obcrvräsidcnten Frciherrn von Rheinbaben- Koblenz, hat die Versammlung ein Telegramm gesandt, in dem sie ihm sür die Schritte dankte, die er, um eine Vermeidung der Rauchplage aus dem Rheinstrome herbeizuführcn, cinge- leilct hat.
verfinrnachrichten.
A Wieseck, I. März. Der Delegiertentag zum Gesangswettstreit des Gesangvereins „Eintracht" wurde heute abgehalten. Acht Gesangvereine haben sich zur Teilnahme am Wettstreit gemeldet. Es singen in der Landklasse 2 (2 Vereine): Leihgestern und Homberg a. d. Ohm: Londklasse 3 (4 Vereine) : Mlcndors a. d. Lda., Liederblütc-Garbenteich, Hansen bei Gießen und Marbach: Landklasse 4 (2 Vereine): Kappel bei Marburg und Ruttershausen.
A Nidda, 1. Mörz. Zu dem am 14. Juni stattsindeuden Gesangswett st reit des Gesangvereins ,,Liederkranz" tagte heute nachmittag im „Gambrinns" die Vertrcterversamm- luug der wettstieitenden Vereine. Den Vorsitz führte der Ehrenvorsitzende Oberst a. D. Weimer. Dieser teilte mit, daß neben ansehnlichen Geldpreisen auch wettvolle Kunstgegenständc zur Verteilung kommen, und daß der Großherzog einen Ehrenpreis gestiftet habe. Die Zahl der znm Wettstteit angemcldctcn Gesangvereine bettägt 27 mit säst 1000 Sängern, dazu kommt noch eine Anzahl Gastvcreine ans der Umgegend. Das Wett- singcn erhält folgende Einteilung: 1. Stadtklasse (2 Vereine) : Sängerlust-Eckenheim und Männerguartctt Neu-Isenburg: 2. Stadtklasse <3 Vereine): Heiterkeit-Gießen, Sängerchor des Turnvereins Fechenheim und Liederkranz-Hungen; 3. Stadtklasse (6 Per eine): Tonblüte-Frankfurt. Doppclguartett-Fried- berg, Daabsches Männer-Qnartett-Osscnbach, Eintracht-Butzbach, Liederblütc-Wicsbaden und Liederkranz-Bornheim; 1. Land
klasse (2 Vereine): Eintrocht-Klein-Linden und Gcrmania- Großen-Linden; 2. L a n d k l a s s e (7 Vereine): Frohsinn-Nicder- Wöllstadt, Konkordia-Holzhansen, Germania-Lollar, Germania- Frcien-Dietz und Germania-Watzenborn, Sängerkranz-Grüüberg und Einheit-AUendors-Lahn; Abteilung der nichtpreis- gekrönten Vereine: 1. Klasse (3 Vereine): Gesangverein Köddingen, Gesangverein Eichelsdorf und Oiermania-Stein- bach bei Gießen: 2. Klasse (4 Vereine): Frohsinn-Stein dein, bei Hungen. Gesangsriege des Turnvereins Wölsersheim, Okarben und Ober-Schmitten. — Mit dem Wettstreit verbindet der Go- sangvcrcin „Liederkranz" sein 75jähriges Jubiläum.
Schwurgericht.
th. Gießen, 3. März.
T o t s chl a g s v c r s u ch und S it tl i chke i t sv erb re che n.
Gestern vorniittag cröisncte Landgerichtsrat Schnitzspan als Vorsitzender die erste diesjährige Tagung des Schwurgerichts sür die Provinz Oberhessen. Anqcklagt war der 24jährige Tagelöhner Karl Gottsried F e y aus Lich, der am 17. November 1913 an Jakob Ledermaiin von Lich einen Totschlagsversuch begangen hat und ihn mit einer Waste körperlich misthandelt und an der Gesundheit geschädigt hat. Ferner soU er sich an der Dienstmaqd Louise Katharine Stein in Lich eines Nolzuchtsversuchs schuldig gemacht hoben.
Die Anklage vertrat Staatsanwalt Trimpert: die Verteidigung sührte Rechtsanwalt Freiherr Schenk zu Schweins- berg. Es waren in der Verhandlung 7 Zeugen zu hören. Als medizinische Sachverständige waren Geheimrat Dr. Haberkorn und Assistenzarzt Dr. Gundermann erschienen.
Die Verhandlung, die unter Ausschluß der Oftsientlichkeit statttond, ergab solgcnden Tatbestand: Der schon vorbestrafte Angeklagte hot am Abend des 16. November aus einem Vergnügen der Feuerwehr mit dem Diensttnädchen Stein getanzt und sich dabei erboten, sie noch Hause zu bringen. "Als sic gegen Morgen aber mit Ledermvnn das BaNokal verließ, schlich Frp dem Paare na» bis IN den -chloßgarten Hier bemerkte das Mädchen den Beriolger, der den Rock über den Kops gezogen hatte, und machte ihren Liebhaber daraus aufmerksam. Als dieser sich daraushin erhob, erhielt er aus einer Entsernung von 2—3 Metern drei Schüsse in den Unterleib, so daß er schwer verletzt wurde. Er schleppte sich noch c,n Stuck Wegs sort. brach dann aber auf einee entsernter stehenden Bank zusammen Währenddem versuchte F das Mädchen, dem er den Rock über den Kops gizogcn hatte um cs
am Schreien zu verhindern, zu vergeipaltigen. Am andern Morgen hat sich der Täter dann der Behörde gestellt: IN der gestrigen Verhandlung war' er der Straftaten völlig geständig.
Tie Geschworenen bejahten die Schuldsragcn nach Totschlaas- vcrsuch. damit in einheitlicher Degangenschast nach schwerer Körperverletzung sowie Notzuchtsvrrsuch. billigten drm "Angeklagten aber, dem Antrag des Staatsanwaltes solgend, für beide Ber brechen mildernde Umstände zu. Der Gerichtshof erkannte aus eine Gefängnisstrase von 2 Jahren und 6 Monaten, worauf drei Monate der erlittenen Untersuchungsboft i» Abrechnung kommen. Strasmildernd kam in Betracht die Reue, das offene Oirständnis und der angetrunkene Zustand, in dem sich der Angeklagte am Abend der Tat bcftmdcn Hot. Staatsanwalt Trimpert hatte drei Jahre Gcsängnis beantragt. Der Verteidiger, Freiherr Schenk zu Schweinsberg. hatte daraus hingewiesc», daß die ganze Art des Waffenhandels und der Umstand, daß bei uns in Hesien 'edermann eine Waise bei sich tragen kann, bielsach die Schuld babe, wenn angetrunkene Menschen zu Verbrechern iverden. Sein Klient, ein immerhin noch sunqcr Mann, hätte sich bei seinen bescheidenen Mitteln nie eine Browningpistolc anschasscn können, wenn sie ihm nicht auf Abzahlung geliescrt worden sei. Es sei einfach ein Unsiiq, wenn jemand mit einer monatlichen Teilzahlung von 3 Mark eine Waise erwerben könne, sür die eigentlich die Mehrheit der Kän'er aar keine vernünstige Verwendung habe. Man sollte dem Unwesen dadurch steuern, daß, wie in Preußen, niemand ohne Wassenvaß eine Waise mit sich führen dürfe. Dadurch würde schon aUein manchem Unsug gesteuert und manchem Unglück vorgebeugt.
LanHwiftsclicift.
A Der Provinzialverband oberhessischer Kaninchenzüchter hielt gestern in Gießen seine Hauptversammlung ab. Neu ausgenommen wurden die Vereine Kirch-Göns und Bad-Nauheim. Tie Provinzial- Ausstellung für 1914 erhielt der Verein Lollar mit 35 Stimmen. Die Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: l. Vorsitzender M. S ch m a l s-Gießen, 2. Vorsitzender Schüßler-Büdingen, l. Schriftführer Bock-Gießen, 2. Schriftführer Stoll-Bad Nauheim. Vcrbandsrechner Weinandt- Klein-Linden, Stellvertreter Langsdors-Bad-Na»heim, Beisitzer Wörner-Lollar, Marx-Butzbach, Hebeis-AIsseld und Koch-Gießen.
— Vom Arbeitspferde markt. Zu dem am Mittwoch auf den Plätzen bei der Landwirtschaftlichen Halle zu Frankfurt abzuhaltenden Pferde markt wurden 589 Pferde teils von Pferdc-Züchtern teils von -Händlern zum Verkauf angemcldet. Da diese Märkte monatlich stattfindcn. haben auch die Handels- und Tausch-Geschäfte der Landwirte unter sich in letzter Zeit an Umfang zugenommen: sedoch der Bedarf an Arbeitspferden ist iewcils im Frühjahr derart groß, daß die von den Import-Firmen gebrachten Transporte erforderlich sind und stets flotten Absatz finden. Die Preise scheinen sich weiter auf glc her Höhe zu halten, aber trotzdem verspricht die reichliche Auswahl einen lebhaften Handel hcrvorzurufen. — Mit dem Vertrieb der Lose zum Frühsahrs-Pscrdcmarkt wurde im Laufe dieser Woche begonnen.
Nniversitäts-Nacbrkckiten.
— Dem Privatdozcnten sür englische Philologie Dr. Rudolf I m e l m a n n an der Bonner Universttät ist der Professortitel verliehen worden.
—> Zum Nachfolger von Geh. Rat Prof. R. Mrnstein auf dem Lehrstuhl der Physik an der B e r l i n e r Landwirtschaftlichen Hochschule wurde der Privatdozent an der Berliner Universität Professor Dr. Erich Regener unter Ernennung zum etatsmäßigen Professor berufen.
t'uitjdiiftabrt.
Mannheim, 1. März. Das Mrlitärluftschiff „Schütte-Lanz II", ist heute früh 10.15 zu einer zweiten Probefahrt ausgestiogen An Bord befanden sich 25 Personen, darunter die militärische Abnahmekommission. Nach Isirstündiger Fahrt in der Umgebung von Mannhein, wobei die Orte Schwetzingen, Heidelberg und Speyer überflogen wurden, ist das Luftschiff um 11.45 Uhr wieder glatt vor der Halle gelandet.
Johannisthal, 1. März. Heute morgen um' 7 Uhr 57 Min. startete der Flieger Kämmerer aus einem Luftfahrzeug Pscil-Tovvcldeckcr »m den Städtepreis der Nationalslugspende. Er hat die Richtung nach Breslau eingefchlagen und will von dort über Tresden nach Johannisthal zurückkehren. Er gedenkt ungefähr zehn Stunden in der Lust zu bleiben.
Lyon, l. März. Tie beiden Brüder S e l v c z. die mit einem gevanzerten Eindecker eigenen Svstcms aus dem Flugplätze Am- bcieu Versuche machten, stürzten in einen 30 Meter tiefen Stein» bruch. Gabriel Selbe; war sofort tot, sein Bruder erlag im Hosvital den erlittenen Verletzungen. Tic beiden Flieger stammen aus Rußland und heißen mit ihren richtigen Namrn Gabriel und Peter Wromblcski.
Vermischte».
* Ein neuer Musterdampfer. Aus Hamburg,
1. März, wird gemeldet: Der von der Vulkanwerst fiir die Hamburg-Südamerikanischc Tampsichiffahrtsgeselsichaft erbaute, 19 000 Tonnen fassende Dampfer „Kap Trafalgar" mack>te gestern und heute seine erste Seereise als Probefahrt, die glänzend verlausen ist. Das 180 Meter lange Schiss ist mtt drei Schrauben ausgerüstet, die von einer Turbine und zwei Niederdruckkvlbenmaschinen getrieben werden. Die Geschwindigkeit des Schisses übersteigt 18 Seemeilen. Der Dampfer, der zur vollsten Zufriedenheit der Gesellschaft ausgefallen ist, wurde während der Fahrt von ihr übernommen. ?luf der ersten Ueberfeereise, die er in den nächsten Tagen antritt, bat er das Prinzenpaar Heinrich als Passagiere an Bord.
* Schadenfeuer. Aus Brünn, 1. März, meldet ein Priv.-Telegr.: Heute vormittag brach in der Filz- und Wollfabrik, Aklien-söesellschast, von Moritz Berans u. Söhne ein Brand aus, dem Wollvorräte im Werte von 300 000 Kronen zum Opfer sielen.
* Der Po st dieb stahl i n Paris. Aus Paris, l. März, meldet ein Priv.-Telegr.: Zwei leere Postsäcke, darunter der gestern gestohlene, wurden auf einem unbebauten Gelände bei Romainoille in der Nähe von Paris gefunden. Die beiden Postsäcke wurden auf einem Grundstücke des Vorortes Pantin van einem Bäckerlehrling gefunden. Die Untersuchung ergab, daß einer der Säcke aus dem Postraube in der Rue Chauchat herrührt. Die Polizei vermutet, daß der Urheber dieses Raubes schon vor längerer Zeit einen Diebstahl verübt hat und sich gleichzeitig der beiden Säcke entledigt habe.
* Ihr Trost. Mann: „Au! Da habe ich mir eben die brennende Zigarre verkehrt in den Mund gesteckt!" — Frau (ü, ihre Lektüre vertieft): „Wie gut, daß du cs wenigstens gleich geweift Haft!"
* Boshaft. Cpnthül: „Wie findest du meinen neuen Hut?"
— Margie: „Entzückend! Ich habe gerade so einen — voriges Jahr gehabt!"
Kleine Tagerchronik. .
Eine 6. Konferenz sür Dr in kerfü rs o rg s wird, vom Deutschen Der. g. d. Mißbr. seift Getr. Derart-


