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Nr. 50 Zweites

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Tie«ietzener Lamiliendlätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beiqelegt, dar Krelsblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchcnllich. TieLandwirtslhastUchen Zeit- sragen" erscheinen nlonatlich zwennal.

Blatt M. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Seneral-Anzeiger für Gberheffen

Samstag, 28. ßebruar

Rotanvk,-druck und Verlag der Brüht'schen UnioersiiätS - Buch- >tnd Sleindruckeret. R. Lange, G:cbeu.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Vertag: e=s^51. Redaktion: eEIl2. Tel.-Adr.:AnzelgerG;escn.

Lin Sachverständigen-Urteil über die städtische Ueberlandzentrale Gießen.

Die Stadtverordneten-Versainnilung hat der ihr nach­träglich vorgelegtcn Kreditiibcrschreitung bei der Uebcrland- zentrale keine weiteren Schwierigkeiten gemacht und vor- läusig von der Nachprüfung durch einen Sachverständigen abgesehen. Aber die nachträglichen Auseinandersetzungen in geheimer Sitzung und die Vorlage einigervertraulich" zu haltender Nachweise durch den Stadtvorstand haben, wie wir allgemein hören, durchaus noch keine Klarheit geschaffen. Unsere Kritik lief in erster Linie daraus hinaus, daß das cingeschlagenc Äeheimvcrfahren durchaus unzulässig war, und daß der Stadtverordneten-Bersammlung aus Grund un­zulänglicher Information nicht zugeinutct werden tonnte, den folgenschlveren Beschluß der Bewilligung einer so hohen Sunimc zu fassen, für den sie später doch mitverantwortlich gemacht werden soll. Es sind uns inzwischen mehrere Zu­schriften zugegangen, die das Verhalten des Sladtvorstandes in dieser Sache kritisierten, wir haben sic aber unbeachtet gelassen, weil von uns vorläufig genug gesagt lvorden war. Die Presse hat selbstverständlich Rücksicht darauf zu nehmen, daß die städtischen Unternehmungen bei zu offener Aus­sprache nicht geschädigt werden und wir lvollen denigcmäß verfahren. Das Recht und die Pflicht aber, auf folgenschwere Fehler und Unterlassungen der städtischen Verwaltung hin- zuweiscn, dürfen wir uns nicht nehmen lassen. Wir wollen daran festhalten, daß die Leitung öffentlicher und städtischer Angelegenheiten der Kritik bedarf: auch die Stadtverord­neten dürfen sich, dabei nicht beiseite schieben lassen, und sie loaren ja auch, wie wir vielfach hörten, mit uns der Mei­nung, daß die öffentliche Beratung dieser Sache ange­bracht gewesen wäre. Wir als Vertreter der öffentlichen Interessen würden unsere Ausgabe schlecht erfüllen, wenn wir ein System der geheimen Kommunalpolitik ohne Wider­spruch allzusehr ins Klaut schießen lassen würden.

Von diesem Standpunkt aus geben wir heute die folgenden Ausführungen eines erfahrenen Sachverstän­digen wieder. Sie fußen auf dem knappen Material, das den Stadtverordneten in geheimer Sitzung vor- gclegt worden und erklärlicherweise nicht so vertrau­lich gehalten worden ist, als anerkannte Geheim- fachen, die in die nichtöffentliche Sitzung gehören. Es ist in dem folgenden Urteil die Rede von einer durch den Stadtvorstand oder den Leiter des Elektrizitäts- .wertes aufgestellten tabellarischen Angabe dervoraussicht­lichen Stromabgabc", die nach der Gleichung A = 373 000 + JO 000 z 240 z 2 gefolgert wird. A bedeutet dabei die Stromabgabe und z das Kalenderjahr abzüglich 1914. Zum Beispiel wird die Atromabgabe für 1924, also die Zeit von zehn Jahren wie folgt errechnet: A --- 373 000 4- 20 000 IQ 240 100 549 000. Dabei muß man wissen, daß für 1913 die Zahl der abgegebenen Kilowattstunden aus 200 000, fiir 1914 aus 373 000 eingestellt sind. Auf Grund dieser Er­fahrungen hat mangesetzmäßig" gefolgert, was in den folgenden Ausführungen im einzelnen angefochten wird Außerdem bestand das Material für die geheime Sitzung noch aus einer tabellarischen Uebersicht des Stromver­brauches und der Einnahme im August, September und Ok­tober 1913 in 16 Orten des Ueberlandgebietes, die am 1. Mai 1913 angeschlossen waren. Aus diesen Erfahrungen wurden tviederum die Folgerungen gezogen, indem der Stadtvor­stand eine besondere Rentabilitätsberechnung für 44 Ort­schaften ansetzte. Beigefügt waren Angaben über die Berech­nung der Kosten für Stromherstellung, neue Versuche und dergleichen.

Wir sind in der Angelegenheit nicht sachverständig, aber die nachstehenden sachkundigen Erörterungen, die auf unsere Anregung hin entstanden sind, tragen sicherlich zur Auf­klärung bei. Wir meinen, der Stadtvorstand habe vor allem andern die Bedürfnisse her Stadt und demgemäß das städtische Interesse wahrzunehmen. Unternehmungen, die

- ja

nicht durch das Bedürfnis der Stadt geboten erscheinen, sollten beiseite gelassen werden, (namentlich wen» sie aui un­sichere Voraussetzungen gegründet sind) da sie die städtische Verwaltung erschweren.

Das Sachverständigen-Gutachten lautet:

1. Die Tabelle, die die Entwicklung der Zahl der abgege­benen Kilowattstunden, der Rohgewinne usw. für die Jahre 191341 angibl, ist eine arithmetische Spielerei, deren praktischer Wert sehr gering ist, da der Konsum nicht in der angenommenen gesetzmäßigen Weise wächst. Außerdem enthält die Tabelle einen wesentlichen Fehler, insofern, als bei einer Steigerung. des Slromahsatzes von 200 000 aus 757 000 Kilowattstunden das Anlagekapital infolge einer ent sprechenden Erweiterung der Anlage gesteigert werden muß, denn Ausdehnung des Stromabsatzes ist gleichbedeutend mit Ausdehnung und Verstärkung des Leitungsnetzes; dies aber erfordert Erhöhung des Anlagekapitals.

2. Die von dem .Herrn Oberbürgermeister ausgestellte Rentabilitätsberechnung vom 17. Dezember v. Js. basiert hinsichtlich der Einnahmen auf den Betriebsresultaten von 16 Ortschaften während dreier Monate des Jahres 1913. Indem die Berechnung die Resultate dieser 16 Ortschaften verallgemeinert, kvinmt sic zu einer Einnahme von 421,34 Mark für 1000 abgegebene Kilowattstunden; diese Ziffer erscheint viel zu hoch. Abgesehen davon, daß cs nicht an­gängig ist, 16 besonders gute Ortschaften herauszugreifen und als Grundlage für 44 Ortschaften zu setzen, ist die Ein­nahme von 421,34 Mark auf folgendem Wege errechnet:

Es sind in den 16 Ortschaften während der drei Mo­nate in 1913 abgegeben lvorden:

Privatbclcuchtung 26 702 Kilowattstunden zu durch­schnittlich 45 Pfg /Kilowatt,/unde.

Kraft 14 281 Kilowattstunden zu durchschnittlich 16,4 Pfg./Kilowattstunde.

Straßenbeleuchtung 7176 Kilowattstunden zu durch­schnittlich 37,2 Pfg./Kilowattstunde.

Das Uebergcwicht der Privat- und Straßenbeleuchtung über die Kraftahgabe bewirkt die sehr hohe durchschnittliche Einnahme pro 1000 Kilowattstunden. Dieses llcbergeioicht verschwindet aber später, da die Stromabgabc für Kraftzivccke fast überall die für Lichtztvecke stark übertrisft. Mit dem lleber- gewicht der Kraftabgabe sinkt aber der durchschnittliche Strompreis erheblich. Das Uebergewicht des Lichtstromcs ist nur im Anfang vorhanden, weil sich die Lichtkonsumenten überall sofort zum Anschluß melden, während die Kraftkon­sumenten erst später Nachkommen. Wie die tatsächlichen Stromeinnahmen in der Praxis sich gestalten, lehrt die Sta­tistik derBereinigung der Elektrizitätswerke" für das Jahr 1911 bezw. 1911/12. Von ca. 300 Werken, die über ihre durchschnittliche Einnahme pro Kilowattstunde Angaben ge­macht haben, weisen nur 6 Werke Zahlen auf, die gleich sind oder über der in der Gießener Rentabilitätsberechnung an­genommenen durchschnittlichen Einnahme liegen. Die meisten Werke zeigen Einnahmen von 200300 Mark für 1000 Kilo Wattstunden, also weit niedrigere Einnahmen. Die der Renta bilitätsbcrcchnung zugrunde liegende Einnahme von 421,34 Mark pro 1000 Kilowattstunden ist demnach viel zu op­timistisch.

3. Ebenso ist die Berechnung der Ausgaben für die Stromerzeugung zu o p t i m i st i f ch. Der Kohlenverbrauch pro erzeugte Kilowattstunde wird auf Grund eines Bcr- dampfungsversuchs vom 18. Oktober 1913 von l,47kg/Sfilo Wattstunde au, 1,22 kg/S'd!o»attftunbe herabgesetzt. Ties Verfahren erscheint unzulässig. Vcrdampfungsvcrsuche wer­den im allgemeinen für die günstigsten Belriebsvcrhältnisse angestelll, nämlich gleichmäßige Beanspruchung der Anlage bei voller Belastung. Der praktische Betrieb vollzieht sich indessen unter wesentlich ungünstigeren Verhältnissen, wie stark schwankende Belastung, Anhcizverluste und dergleichen. Deshalb erscheint der Kohlenverbrauch von 1,47 kx/Kilo- wattstundc viel richtiger als der übertricben günstige Bcr

brauch von 1,22 kg'Kilowattstundc. Ebenso beträgt der jährliche Encrgievcrlust eher 30 Prozent als 20 Prozent, er liegt bei einer Anzahl landwirlschaftlichcr Ueberlandzen tralen sogar zwischen 30 und 40 Prozent. Die Erzeugung« kosten pro nutzbar abgegebene Kilowattstunde berechnen sich demnach aus

T6938 _ , g Pfg./Kilowattstunde,

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nicht aber auf 3,9 Pfg./Kilowattstunde.

4. Die Rentabilitätsberechnung nimmt eine jährliche Stromabgabe von 373 000 Kilowattstunden mit einem Nutzen von 33,4 Pfc; /.Kilowattstunde an. Tie Stromabsatzmcngen dürften annähernd richtig, der Nutzen dagegen, wie die Ausführungen ad 2 zeigen, viel zu hoch geschätzt sein. Im übrigen zeigen schon diese Ziffern, daß die Anlage ver­fehlt ist. 373 000 Kilowattstunden st 33,4 Pfg. ergeben einen Nutzen von 124 500 Ml., das sind 6,3 Prozent des er­forderlichen Kapitals von l 980000 Mk. Der Nutzen würde also gerade ausrcichen, die erforderlichen Anleihen zu verzin scn und zu tilgen; dagegen bleibt nichts übrig für dw unum­gänglich notwendigen Abschreibungen, sowie für die Dotie­rung von Erneueruugs- und Reservefonds. Für diese letzteren Zwecke sind etwa 35 Prozent tc» Anlagekapitals zu rechnen. Das Unternehmen würde also schon nach dieser Rechnung mit 3 bis 5 Prozent Unterbilauz, das sind cttva 6010000Ö Mark jährlichen Fehlbetrages, arbeiten. In Wirklich eit wird der jährliche Fehlbetrag, da die angcnommcueti Ein­nahmen nicht erreicht werden, bei ordnungsgemäßer Bilanz- ausstcllung jährlich über 1000 00 Mark betragen.

5. Zwischen dem Anlagekapital von 1980000 Mk. und der jährlichen Stromabgabc von 373 000 Kilowattstunden be­steht ein auf den ersten Blick erkennbares Mißverhält­nis. Selbst wenn man mit einer Stroinabgabe von 500 000 Kilowattstunden pro Jahr rechnet, ist das Mißverhältnis noch immer sehr stark. Es bedeutet das nämlich ein allein in dem Leitungsnetz investiertes Anlagekapital von 4Mk. pro nutz­bar abgegebene Kilvtvattstunde. Bei den meisten llebcrland- zentralen beträgt das in dem Leitungsnetz investierte An­lagekapital 0,5 his 1 Mk. pro nutzbar abgegebene Kilowatt­stunde. Ein Leitungsnetz, das pro abgegebene Kilowattstunde einen Kapitalaufwand von 1,5 Mk. crsordcrt, gilt schon als eine sehr schwierig zur auSrcichendcit Rentabilität zu brin­gende Anlage. Ein Satz von 4 Mk. Kilowattstunde erscheint deshalb die Rentabilitätsgrenzen weit überschreitend. Rechnet man für das Leitungsnetz den höchst zulässigen Satz von 1,5 Mk., so ergibt dies bei 500 000 Kilowattstunden Strom- ahsatz ein zulässiges Anlagekapital von 750 000 Mk.; dem­nach wäre die Gießener Ueberlandzentrale u m c a. 1,2 M i l« lionen Mark überkapitalisiert. Auch das ur­sprünglich vorgesehene Anlagekapital von 1,2 Millionen Mk, wäre danach noch wesentlich zu hoch.

6. Bei der Aufstellung der Mehrkosten bedürfen folgende Posten einer besonderen Aufklärung:

100 Kilometer Fernleitung 70 000 Mk.

41 TraySformatorhäuser 10250 Mk.

Ortsnetze 34 000 Einwohner 340000 Mk.

Es scheint, daß die Kosteuvoranschläge wahrscheinlich nicht nur hinsichtlich der Quantität der Lieferungen überschritten wurden, sondern daß sie auch unvollständige oder falsche An­gaben über die zu erwartenden Kosten enthielten.

7. Es ist für den Außenstehenden unbegreiflich, aus welchen Gründen die Ueberlandzentrale eigentlich gebaut wor­den ist. Denn abgesehen davon, daß die ungenügende Ren- tahilität des Unternehmens aus den ersten Blick zu erkennen ist, liegen auch keinerlei kommunale oder wirtschaftliche Jn- tcresse» vor, die eine kleine Stadt, wie (stießen. veranlassen könnten, 44 benachbarte Orte ans Kosten der Steuerzahler der Stadt mit elektrischer Energie zu versorgen. Das ganze Unternehmen scheint von Laien ohiic liefere Sachkenntnis ausgegangen zuZcin. Es bedeutet jedenfalls aus viele Jahre hinaus für die Stadt Gießen eine schwere finanzielle Be lastung.

Ntz"-s vaiien "

Aus Mannheim wird »ns geschrieben: Unter diesem Titel erössnete die von Tr. Fritz Wirbelt geleitete Mannheimer Kunst­dalle aus breiter Grundlage eine allgemein interessante Bau- ausstcllung voll neuer und eigenartiger Ideen, die in strengster Geschlossenheit (und nicht zuin letzten Ende deshalb bedeutiantt den Stil neuzeitlicher Zivcckbauarchitektur, so wie er etwa seit Peter Behrens' Bauten sür die A. E. G. geübt wird, hcrauszu- schälen sucht. Eine gedrängte Tarstellung der leitenden Gedanken dieser Ausstellung, die itn großen und ganzen nur die Probleme des Warenhausbaucs, des Bahnhoisbaucs und des Fabrikbanes resv. des Bureauhausbaucs umirannt, wird wohl etwas Neues zu vermitteln haben . . .

Unsere Zeit, die dicht davor steht, den Traum einer neuen, wirklich großen Architektur zu verwirklichen, hat wieder ein Emp- finden dafür, daß man nicht luftig, ilattcrig, mit kurzweiligen Türmchen, Erkerchen und dtttzenderlci Vorsprüngen bauen tann, sondern das; es sich um niassigc, wuchtige Blöcke handeln muß, und daß iich unsere Gebäude, vornehmlich aber die Zweckbauten, inmitten der chaotiichen Hast Itild Nervosität unserer Straßen, Idealen nicht unähnlich, voller Klarheit, Reinheit, Kraft' und Gesundheit erheben müssen. So wird niau auf dieser Ausstel­lung fast so etwas wie eine kubistische oder zum miudesten eine ausgewrochen stcreomctriiche Architektur entdecke», die auch den bochstrebigen Mcsiclstil längst überwunden und ihre elgeutlicheu Vertreter etwa i» Peter Behrens, dem Stuttgarter Bonatz und dem Breslauer Poelzig gesunden hak. Ter Stil ihrer Fabrilbauten und Balmhosc verrät ettvas wuchtig Mittelalterliches, bespotischc Ruhe, kraftvoll gesammelte Klarheit und trotzige Gradliuigkeit, Pfeiler statt Säulen, Pilaster, Lisciicii, und eine allscitige, große, durchaeiührte Geschlossenheit, Ter moderne Stadtbaukünstlcr, der die Vielheit der Gebäude zu einer Einheit im Gesamtstadtvlan zusammenzusühren bat, veriolgt ähnliche Ideale, den» auch Hel ihr gilt es Geschlossenheit, Ruhe, Klarheit und lleberficfit't f>Fcit: er liebt die geraden Linien, die eckigen massigen Häuserblocks, die Mittelpunkte, von denen aus die Straßen sich verteilen und abebben.

Neue Bauausgabcn. neue Bauuiaterialien (Eisen, Glas, Eisen­beton) und neue Stilschönheitcn, die iich auS demZuiammen- »strken der neuen Bauaufgabcn und der neuen Baustosic im Ver­ein mit dem veränderten Lebensgeiühl der Zeit" ergeben, mit diesen drei Schlagivorten hat inan die Grenzen der Mann­heimer Ausstellung umschrieben, linier den Balkautaabeu werden Am Telail weiter anfgeiührl die Fabriken, die Bahuhö-e, die Vaiscrtürme, di- Festhalten, die Luftschisshallen, die Bureau-

uier die Speicher, die Schulgebäude; und cs wird nun er­stlich nie iür alle diese Gebäude im Unterschied etwa m Mic shau« oder zum Theater unsere Zeit längst die scste, m Gefühl und vor der Praxis bestimmte Farm gesunden hat, hem Ärchi eiten geradezu verbietet, allzu selbstsichere Wege zu den-u schranlenlos keine Phantaiiekräfte zu enifalten. Tie lqemcinhcit es ist zu betonen: der Gedanke von der Ge. ndenbcit des Individuums bricht sich m der neuzeitlichen Ar 'ektur immer mehr Pah»! verlangt beispielsweise, datz das ärcnbaus nicht unähnlich einem ungeheuren Regal, tu dem ircit übereinander gestapelt liegen, diese und bieie ,rönnen hat: - Bauherr ordnet sich den schon durch die Erfahrung gerecht- tigtcn Gesetzen unter uno beslcißigt iich beim Errichten seines bäudes jener Klarheit, Knavvheit und Ruhe, nach der die von lstloicn Tricblräfm, beunruhigte hmkige Allgememherl onensicht- ,, verlangt So iührt die Mannheimer Ausstellung eine Reihe Musterbeikpicle,: aui: das Warenbaus, das neben der Soch- ebiäkeit cNvaS heiter Einladendes, Elegantes. Repräsentatives in , Fassade haben soll: Arbeiten von Olbrich, Messel und vor allem n A i l h c l m Kreis, in dein mau schließlich den geichmacks- iere» llnikormer zu iindcii glaiibt, dessen elegante weiche Tone i neuerdings einen Warenhaus»» geschaffen haben, der in seiner Nattenbuna zur Zeit zwciiellos einen Abschluß be­

deutet.

Va- was sich kür das Warenhaus schickt, wird aber nicht mehr dem modernen Bahnhof frommen. Ein Bahnhof muß mit seinen rechteckigen Würfeln etwas von der Ricsenbaftigkeit unseres Ver­kehrs, envaS von dem Donnern eiserner Züge, etwas Trntziges, streng Monumentales, wuchtig Ausgetürmres haben: und es war Bonatz. der einer solchen Idee in keinem Plan sür den Stuttgarter Hauvtbahubos machtvolle Wirklichkeit gab. Was diese ungeheuren miltclalterlickieu Portalwände und dieser kolossale Turm dem Be­schauer zu sagen haben, das hat der bedemende Stadtbaulheore- liker A. E, Brinkmann schon zusammen gefaßt, als er jenes Wort prägte vomheroischen Stadtstil".

Und dann die Fabrik Peter Behrens, dem man als dem Gedankenträger einer ganzen Generation einen besonderen Saal gewidmet hat. sckkuk in Reintyv diese aiaantischen Würfel, dicke gro­ßen klaren, schlichte» Momente der Arbeit, deren scharsgeschnittene hohe Fenster Strömen von Licht den Weg geöffnet haben, er schul in den Eisenhalleil eine neue Melodie gotischer Tome, und die lichte Kraft seines Gestalte»- erreichte in den Gebäuden sür die A. E G. vollkommene Wahrzeichen unseres gepanzerte» Säculums. Er ist derjenige gewesen, her die Forni des modernen Fabrikbaues geradezu scstgelegt hat jenes Baues, in dem alles bisher Gesagte seine krönende Wirklichkeit gesunden zu haben scheint, wie man denn

überhaupt die Fabrik den charaktcrischen Bau unserer Zeit nennen darf, von dem aus man die Gesetze für die inoderne Zkvcckbauarchi- tektur ohne weiteres ableitet Und schließlich versolge man eine Kurve von den Behrenschcn Gebäuden, die einer gewissen Lcichtig- leit nie entbehren, zu Poelzig, dem zweiten großen Fabrilbau- meister unserer Tage, der die Manen schon wieder kinstcrer zusam- menzuballeu weih, bis herab zu jenen wahrhast ücspottschen Ge- ireidespcichern in Argentinien. Aut diesem Wege liegt eigentlich alles, was uns die zahllosen Einzclbegviele der Mannheimer Aus­stellung zu sagen haben, G, W, P.

Eine Stadttheaterkrise in Leipzig? Aus Leivzig wird gemeldet: In einer Stadtverordnetenversammlung wurde icstgestcllt, daß das Leivziger Stadttheater in diesem Jahre einen Zuschuß von über 900 000 Mark erfordere, eine Summe, die bisher von keinem anderen Stadttheater erreicht sei, Ter Stadt­verordnete Tobias griff in ungewöhnlich scharfer Weise die künst­lerische und sinanzielle Mißwirtichast des Intendanten Geheimrats Martcrneig an. Er sprach davon, daß ein vollkommener wirtschatt- licher Zusammenbruch bevorstclie. Während die Stadtverordneten korderten, daß der Fehlbetrag künftighin eine halbe Million nicht übcnchreiien dürfe, hatte Martersteig betont, daß es ihm unmög­lich sei, mit weniger als 700 000 Mk, Zuschuß auszukommen. Man nimmt allgemein an, daß die Stellung des Intendanten erschüt­tert sei.

Eine wissenschaftliche Radium zentrale für Groß-Berlin. Tie Satzungen der Radiumgemeinschait Groß- Berlin zur gemeinsamen Beschaifnng von Radium sind setzt end­gültig ausgestellt worden, nachdem die beteiligen Gemeinden Ein­wendungen nicht erhoben hatten. Aus den Satzungen ist hervor- zuhebeu, daß sür Groß-Berlin ein wissenschaftliches Z e n - t r a l i n st i t u t zur Eriorschung der Radiumwirkung errichtet werden soll, dem die in der Radiumgemeinschait Groß-Berlin zu- sammengeschloiienen Kommunaloerbände ein Viertel ihres Radiums unentgeltlich zu Forschungszwecken überlassen. Das Eigentumsrecht hieran verbleibt de» Gemeinden. In der Radiumzentralc werden die von den beteiligten Gemeinden überwiesenen ambulanten Pa­tienten unentgeltlich behandelt. Ferner übernimmt das wissenschaft­liche Jnstitktt, dessen Leiter Gedeimrat Tr. His, der Tireftor des Radinminstituts der Charite, werden dürste, die unentgeltliche Un tcrweisnng der Aerzte der angeschlossencn Gemeinden und Kreise in der Radiumbehandlung.