Ausgabe 
27.2.1914
 
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Nr. 49 Zweites

trjdjiinl täglich mtl Ausnahme beä Sonntags.

Die*ie&ener Zamilienblätter" werben bem ,2liil<tget' viermal wöchentlich beigelegt, bar ßreiidlatt fie den Krtis «letzen" zweimal

wöchentlich. Tictzandwttlschilstttch«» Scit- fragen" erscheine» monatlich zweimal.

Vlatt tb4. Jahrgang

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhejsen

Frettag. 27. Februar

Sotanonsbnict tmb Berlag ber Brühl'ichen Univerfitäts - Blich- >mb Steindruckerci. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition »nd Druckerei: Scknil» straße 7. Expedition und Verlag: e^ol. SJebaftiontene 112.2el.-Abr.: AnzelgerÄietzen.

hessische Zweite Nammer.

rb. T a r m st a d t, 26. Februar. Die aus beule vormittag 10 Ubr anberaumte Sitzung crsnbr durch den Umstand eine starke Verzögerung, da» vor Beginn der Sitzung bekannt wurde, der Staatsministcr werde vor EintrittI die Beratung über die Rückäußerungen der Ersten .stummer in be Iress der Besaldungsvarlage eine Erklärung namens der Graßh Regierung abgcbcn. dast iic unter keinen Umständen den Beschlüssen der Zweiten stummer über die Lcbrerbcsoldung mit dem .Höchstsatz von 6600 Mk. beitrcten könne, Iniolge dieser Nachricht traten sosort der Senivrcnkonvcnt und der Nnnnznusschuß zu einer Beratung zusammen

Um 11*/» ertönte sodann die Glocke des Präsidenten Kahler Jm Minisiertischc: Staatsministcr Tr. v. Ewald, Finanz- minister Dr. Braun, Minister des Innern v. Homberg k. Staatsrät.' Tr. Becker, Be ft. Süsiert, Ministerialrat hol - z i n a e r , Dr. Weber, Geh. Legationsrat Tr. Ncidhartu. a Tic öffentliche Tribüne i st sehr stark, bcso» dcrs von Lehrern, besetzt. Aus der reservierten Tribüne wahnen zahlreiche Mitglieder der Ersten Kammer der Sitzung bei.

Präsident stähl er begrünt zunächst die Abgeordneten zu Be ginn der mehrwöchigen stammcrberatungcn. Tie stummer habe sich setzt zunächst mit der Besoldungsvorlage zu beschästigen und er habe d,e .Hoffnung, daß es jetzt gelingen werde, über die nun schon seit Monaten, ja seit Jahren bearbeitete Vorlage endlich zu einem be iriedigendc» Ergebnis zu gelangen. Ter Präsident gibt dann weiter bekannt, das; voni Vorstände der Zentralkasse sür die landwirtschgsi Itcheu Genossenschaslcn ein Tankschrciben sür die Bewilligung des Tartohens »sw. eingegangen ist.

De, Eintriu in die Tagesordnung teilte der Präsident mit, dast vom Abg Tr. Winkler ein Schreiben eingegangen sei, worin dieser mitteüt. daß -«folge der inzwischen direkt eriolgtcn Pcrständi gung unter den Interessenten seine Anfrage bezüglich des Großobst- . Marktes zu Alsheim als erledigt zu erachten sei. Nachdem das Haus dann ohne Besprechung dent Antrag des Ausschusses entsprechend die Ersatzwahl des Abg. Tr. Wünzcr im 4. Wahlkreis der Provinz Starkcnburg für giltig erklärt hat, beginnt die Beratung über die Rückäußcrung 1. stummer, bktr. die

Dienstbezüge der Staatsbeamten und Volksschullehrer und deren Hinterbliebenen, sowie der Deckungsmittel und der An­träge hierzu.

Zuerst nimmt Staatsminister Tr. v. Ewald das Work und gibt etwa

folgende Regierungserklärung

ab:

Nack dem Verlaus der seitherigen Verhandlungen darf ich wohl seststellen. ohne Widerspruch Ihrerseits erwarten zu müssen, daß wir im Lause der Verhandlungen einer Verständigung näher gekommen sind. Ich darf heute erklären, daß wir Ihren Bc- ichlülsen bczügl. des Wohnungsgeldes zustimmon, sofern auch im übrigen über die Geiamtvortagc eine Ucbereinstimmung sich erzielen läßt. Es tvird von Ihnen gewiß als ein Entgegenkommen gewürdigt werden, daß die Erste stummer Ihren diesbezüglichen Beschlüssen zugestimmt und nicht minder ist dies der Fall bezüglich einer Reihe Ihrer Beschlüsse zum Besoldungstaris. Im übrigen bestehen über das ganze Gesetz nur noch nach zwei Richtungen hin erhebliche Schwierigkeiten, einmal in den Einzelheiten des Tarifs und dann in der Lehrcrbcsoldungssragc. Es würde ztveck- los sein, wenn ich heute ln die Einzelheiten des Tarifs ein- gehen wollte, insofern nicht über die bedeutend schwieri­gere Frage der Lchrcrbesoldung eine Einigung er­ziel! wird. Ich braiiche Ihnen auch in dieser Frage nicht noch­mal» die Gründe darzulegen, die sür die Annahme der Re­gierungsvorlage sprechen. Der Standpunkt der Re­gierung ist nach iote nur der, daß sic Ihren Be­schlüssen zur Lchrerbcsoldung bcizuiretcn sich außer Stande sieht. Sall sanach die Vorlage nicht im ganzen scheitern, die durch das Man tcl gcietzgebundenisl.samußderWcgzu einer Bor­st ä ii d i g u it g hierüber gesunden werden. Tie Re­gierung wird dem ander» Hause empfehlen, sa weit es ihr angängig erscheint, den Wünschen dieses Hauses entgcgcnznkom men. Sic tut das in der zuversichtlichen Annahme, daß dieses Enlgegcnlomntcn van Ihnen gewürdigt werden wird und Er- nnderung findet und daß auch dieses Moment bei den jetzigen Verhandlungen berücksichtigt wird.

Ter AusichußbcrichtcrNatter. Abg. Tr. Osann, erstattet dar­aus einen kurzen Bericht über die Beschlüsse des Finanzausschusses. Ter Ausschuß stehe in seinen Beschlüssen auch bezüglich der Lcbrcr- gehalte vallkonrmeu einig da. Tust sich bei einer ja schwierigen Frage auch Tisierenzcit ergeben Ivürdcu. war ja vorauszusebcu. Aber der Standpunkt des Ausschusses zu diesen iiiianzietlcn Mci- nnngsverschirdeiiheiten sei derart, daß er jederzeit die Vcrantwor tung dafür übernehmen känne. Bezüglich der Teckungstraac und der evtl. Deraiizichnng des Restejands werde sich leicht eine Verständi­gung erzielen lassen und bezüglich der Tarisiragr »ich des Bciol dungsgeietzes sei bis ans einige unwcicntliche Punkte bereits eine Einigung erreicht. Ter Ausschuß habe darin Nachgaben gemacht, so­weit cs nur möglich war: nur in einigen Punkten, namentlich bezüglich der niederen Beamten, mußte er auf seinem bisherigen Standpunkt beharren. Ebenso >empsiehlt der Ausschuß, bezüglich der Lehrer ge­stalt e aus den früheren Beschlüssen zu beharren. Ter Redner ersucht zum Schluß, von einer Aussprache heute mög­lichst abzusehen und den Anirägcn und Beschlüssen des Finanzaus­schusses zuzustimmen.

Ta sich nicntand weiter zum Worte meldet, wird zur Abstim- mung geschritten und zunächst das M a n t e l g c I c tz e t n ft i m - iiiig angenommeit.

Beim Gesetzeniwuri, hctr. dic^Besoldungen, Ruhcgchaltcnd Brnterbliebenen-Vcriargnng der Staatsbeamten beantragt Abg. Tr. Schmitt, da ia alle Parteien über d i e Ernzet hcitcn genau unterrichtet seien, die en blac-Ait- nabINe dieses und der übrigen Gesctzentwürsc zur Besoldungsoorlagc,

Abg. W o l s - Stadecken gibt im Namen einiger Parteifreunde die Erklärung ab, die mir ihm aegen den Beiatdungstarit gestimmt haben, weil ihnen verschiedene Gehalts ätze in ihren Endiätzen als zu doch erschienen, daß sie auch durch die Beichlüsse der Ersten Kammer nicht befriedigt seien. Wenn aber die übrigen Gehalts sätze der mittleren Beamten angenommen würden, so müßteit auch den Volks schullehrer» die erhöhten Gehalte be­willigt werden . Varläusig würde er sich der Stimme enthalten.

Dem Antrag Tr. Schmitt entsprechend beschließt daraus das Saus, sämtliche Gesetzentwürfe zur Besal- ! dnngsvorlagc nach den Anträgen des Finanz- - ausschusscs in blae anzunchmen.

Aus Antrag des Abg. Molthan wird sadann beschlossen, die Verhandlungen obzubrechen, damit die Fraltionen nach Ge­legenheit buben, sich imrter »i beraten. Tie Sitzung wird dar­nach gegen 12 Uhr geschlossen.

Nächste Sitzung Freitag früh 9 Uhr mit dem Rest der > heutigen Tagesordnung

Aus den Reichrtagsansschüffen.

:: Berlin, 26. Fcbr. Der Reichstagsausschuß für dir Anträge belr. die Adgrcnzung der Militär- und Zivilgewalt.

hielt am Toimerstag seine zweite Sitzung ab. Ter }>tt tretet der Regierung teilte mit, daß das vom Aus­schuß verlangte Material über die in den Etnzelstaatcn bestcben- den Gesetze und Vorschriften noch nicht,hat bcidMtft werden kön­nen und daß die Beratungen über die Vereinheitlichung der Dienst vorjchriitcn zwischen den einzelnen Regierungen noch schweben Es liege dem Reichskanzler vollkommen fern, dem Ausschuß da Material varzucuthalien oder die Beratungen zu peischlepvc» Ter .stanzlcr habe angearduct, daß das Material ahne Verzöge mng hcrbeizuschassen sei. Ob das aber in einigen Tagen gelingen werde, oder erst in einigen Wochen, könne er nicht sagen.

Zentrum und Naironallibcrale wünichen daraus Vertagung, bis der Standpunkt der Regierung betreiiend die Bcrcinhcitlichuno aus Grund eines gemeinsamen Landrcchis bekannt werde. Fort­schrittliche und Sozialdemokraten erklärten sich gegen icde Vcr ügung: auch die Konservativen, die jede wittere Erörterung der Frage ausschließen wallen. Ter V itagungian reg wurde abgc lehnt. Der erste Satz des vanden Forts chrittlerneingc- reichtcn Gesetzentwurfes lautet:Tic beioaiinete Macht kann zur Unterdrückung innerer Unruhen nur ans Ersuchen der zuständigen Zivzibchördc» verwendet werden." Vertreter des Zcn- trmns, der Nattonalltbcralcn mrd Äoniervattvcn erklärten, daß sie eine sachliche Erörterung hierüber nblchntcn. Der Satz ivurdc mit ll gegen 19 Stimmen gestrichen, woraus dtc Fort­schrittlichen den Gesetzcntwurt zurückzogcn. Ebenso wurde die v o n d e n E l s ä s s c r n u n d P o l c n e i ii g c b r a ch t c Entschlicßungabgclchnt, die den Reichskanzler um einen beschlcunigten Gesetzeniwuri ersucht, der die Besugnis der bewass- neten Macht zur Ausübung der staatlichen Zwangsgewalt eicheit- lich regeln und der Rech saussassung Gerung vershascn soll, daß das Militär nur aus Rcguisi ion der Zrvilbe Hörden zu volizcüichen Zwecken verwendet werden dürfe. Auch die übrigen An­träge, die ans eine Beseitigung oder Einschrän­kung der Militärgerichtsbarkeit hinauslauscn, wurden ab gelehnt. Eine weitere Sitzung des Aus­schusses wird nicht st a 1 1 f t n b c n.

Der Kolonialvoranschlag im Budgelausschuß.

Im Budgclausschuß wurde heule die Beratung des Kalanial- voranschlags fortgesetzt. Zunächst erörterte man die O c l v 0 r I a IN - men in Neuguinea. Nach den Untersuä)ungen ist es wabr- scheinlich. daß man es mit Ocl zu tun hat ähnlich dem niederlän­disch-indischen. Nachdem der Oelsund scstgcstellt toar, bewarben sich vier größere Konzerne um das Manavol. Tie Verwaltung wallte die Vergebung in mehreren Teilen vornehmen, aber jede Gesell­schaft wallte die Fundstelle in ihrcnt Gebiete haben. Die Verwal­tung muß also zunächst von sich aus Vorgehen. Es handelt sich um die Feststellung des Schichtenbaues in teuer Gegend. Tic Boh­rungen sollen nicht den Zweck haben, das Ocl zu erschließen, son­dern lediglich die Gestcinbildung zu erforschen.

Ein Zentrumsmitglied fordert nicht bloß die Beibehaltung der Sperre, sondern auch ihre Ausdehnung aus ganz Neuguinea, da auch anderswo Ocl Vorkommen soll. Ein Natianatlibcralcr gab set- uem Erstaunen darüber Ausdruck, daß die Pertoaltnng der Neu- guincalomvagnie, die sehr günstige Angebote gemacht hatte, die Kon­zession nicht übertragen hat, obichon die Verhandlungen nahezu vor dein Wschlnsse standen. Ter Berichterstatter betonte, das Kolanial- amt habe bei den Verhandlungen zurzeit noch keine besonders starke Stellung: wenn aber durch eine eingehendere Erkundung etwas Positwcres seslgestcllt werde, so werde es den Gesellschaiten gegen über die Interessen des Reiches besser wabren können. Ein anderes Zentrumsmitglicd unterstützte diese Aussassung und hielt das Risiko, da sür die Untersuchungen zunächst nur 190 009 Mark ausgesetzt sind, sür klein, im Vergleich zu den ctlvaigen Gewinnen, e.« Staatssekretär tagte die Prüfung der Frage zu. ob das ganze Ge bict von Neuguinea gesperrt werden soll. Ein ,rartichritller ttchrtc aus, daß eine Wirkung gegenüber den Gesellschaften ,m Sinne des Berichterstatters nur dann zu erwarten sei, wenn man die summe wesentlich erhöhe. Eist Koniervativer äußerte ebenfalls Bedenken da­gegen, ob die ansgesetzte Summe zureschcn werde ~ Es wurde daraus vom Berichterstatter uird den Vertretern der Volksvartci der Antrag gestellt, die Summe aus 500 000 zu erhöhen. Dieser Antrag wurde beinahe einstimmig angenommen.

Ein Antrag, Rcichsunlerstützungen nicht blaß sur die Pcrorci- tung der deutschen Sprache, sondern auch sür die Privotschu^ len in den Kolonien überhaupt zu bewilligen, wurde ebenfalls mit großer Mehrbeil angenommen. Tann wurde die .trage des Schutzes her Paradiesvögel erörtert. Ter Staats,ekreiar will ari dem bisher beobachteten mittleren e-tandvimkie icsthalten. Atterdmgs würden ungeheure Mengen Paradiesvögclbälge vcrkanit: es letnt aber auch noch vicle Millionen von Paradiesvögeln oorhandm. Er behielt iich weitere Maßnabmcn nach dem ?lblapi der ,etz,aen schütz.- srist vor Eine «ittiArm des ornithalogochen Vereins au, bcßercn Schutz des Paradiesvogels wurde als Material übcrwieie». Ter Voranschlag sür Neuguinea wurdc dann genchmrgt. cbcnia dcr,cntgc sür Togo.

Der Ausschuß für die Neuregelung der Sonntagsruhe

bandelte heute über die Pcichastigungsdauer an Sonntagen -töbten unter 75 000 Einwakmcrn. ,\n Ucbcremfhmmung t der Rcgierimgsvorlage schlugen die bürgerlichen Parteien , Grund einer Einigung 3 Stunden vor. wahrend die «ozkal- nokratcn nur eine zweistündige Arberts^rt gestatten wollen. ck> der Einigung soll die Regierung ubcrdtes das Recht haben, Städten, di- vorwiegend von der Bevölkerung der Umgegend Einkäufen an Sonntage» auigeii.cht werden, die Arbeitszeit I 1 bis 2 Stunden zu verlängern. Em N a 1 1 o n a ! l, b c r a- r sprach sich sür die zweistündige Arbeitszeit aus, dtc durch höhere Berwalmngsbehorde bis au, höchstens , stunden ver- igert werden könnet Ein K a n t erb a 1 1 » e r trat für iuns- inbtgc Arbeitszeit ein. Tie Abstimmung wurdc bis zum «im der nächsten Sitzung ausgesetzt.

Deutsche 2!olonien.

Eine neue Ba nmivol l d eii ks chr ist des R c i ch s k o l o n i a l a m t s. Unter dem Titel:Ter Bau m - wollban in den Tcutschen Schutzgebieten, seine Entwick­lung seit dem Jahre 1910", Hai das Rcichskolonialaml so­eben eine umfangreiche Denkschrift veröffentlicht, deren Inhalt auch iür iveitcrc Kweisc von Interesse sein dürfte, Tas nahezu 300 Druckseiten starke, reich mit Plänen und Abbildungen ausgestattete Buch unterscheidet sich tusosern von der im Jahre kON erschienenen ersten DenkschriftTie BaumwoNsragc", als es sich auf die Berichterstattung über die Entwicklung des^BaumivoUbaucs in den drei Schutz- gebieten D e n t s ch - O st a f r i k a, Kamerun und Togo während der letzten vier Jahre und über die zu seiner För­derung ergriffenen Äiaßnahmen beschrankt. Einen breiten Raum nimmt dabei die Berichterstattung über die staatliche landnnrffchaftlichc Bersuchsarbeit ein, die der jetzigen

seriodc der Entwicklung der Baumwollkultur in den Schutz­gebieten ihre Signatur verliehen hat. In den drei gcnann- ett Schutzgebieten zusammen sind seit 1910 von der Bcr- ivaltting nicht weniger als sechs Baumivollversuchsstationeti tud drei ebenfalls der Baumwollkultur dienende allgemeine andwirtschast ichc Versuchsstationen neu bcoründel ivordcn ind in Tätigkeit getreten. Dazu tommt aljs 10. Anlage ne Ansgestalluiig einer ehemaligen Baumwollschulc des iolonialwirtschastlickien Komitees in Ostafrika zu einer Spo- zialversuchSstation sür Baumwollbau und -Züchtung. Ta> :ebcn erfolgte -- soweit nicht schon vorhanden die Ein- ichtung eines eigenen landwirtschaftlichen Dienstes in den acteiligten Schutzgebieten.

Aus den lrilischcn Erörterungen über die Entwicklung irr Plantagen- und Eingeboreucnkultur entnehmen wir. velche Schwierigkeiten im einzelnen sich der Einführung >es Baumwollbaues anfänglich entgegengcstellt haben. Tic rühere Entwicklung fithrte zwingend zu der Aufnahme xakter, planmäßiger Versuchsarbeit, um zunächst die tcch- ttscheu Grundlagen sür erfolgreichen Betrieb der Kultur :n europäischen Pflanzungen wie auch bei den Eingeborenen zu gewinnen und um die Produkte selbst zu verbessern, ie qualitativ zu veretnheitlichcn und ihnen damit dauernd einen glatten Absatz zu sichern.

Sollen somit noch festere Grundlagen sür den spä­teren Ausbau geschaffen werden, so lann man nicht gleich- zeitig ans M a s s e n p r o d n t t i o n hinarbeiten, sondern muß in dieser Periode der Entwicklung und noch für einige Jahre auf ein schnelles Ansteigen der Produktions-- und Ausfuhrzisfern verzichten. Immerhin liegen nach allen Rich­tungen gute und vielversprechende Anfänge vor. Im Jahre l9I2 also erst etwa zehn Jahre nach Beginn der Baum» woUunternehmungen wurde aus Teutsch-Ostasrika uud Togo zusammen Baumwolle im Werte von rund 2,6 Mil- .tonen Mark ausgesührt. In Teutsch-Ostasrika ist der Auf­stieg unverkennbar, in Kamerun und Togo wird es im wesentlichen von der zukünstigen Gestaltung der Trans­portverhältnisse abhängen, um die bisherigen Leistungen zu steigern In allen drei Kolonien sind die natürlichen und wirtschaftlichen Grundlagen für einen ausgedehnteren Baumivollcnbau gegeben, Sbinbcrniffc grundsätzlicher Art stehen der Ausdehnung dieses Prodnlttoiiszwetges nicht mehr it» Wege.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 27. Februar 1914.

Sturm und Schnee im Vozelsberg.

Was die gewaltigen Schneemassen und die heftigen Stürme, die vor einigen Wochen im Pogclsberge und seiner Umgebung tobten, aiigcrichtct haben, wie hoch der Schaden ist, den sie verursachten, das laßt sich erst setzt wahrend der Schneeschmel.ze seststellen. Einer unserer dortigen Mit­arbeiter gibt uns folgende Schilderung:

R. Bermuthshain 26. Febr. Nachdem in den letzten anhaltend gelinde» Tagen der Schnee im Oberwalde und der Öerchenhainer vöbe stark geschmolzen ist, kann man bet einem Besuche der Waldungen den Schaden, der durch den gewaltigen Schiicefall zu Wcibnachteu entstanden ist, genauer ermessen. Schon aui der Straße von G r c b e n h a i n nach Station Obe r- Iva l d beobachtet man an den östlichen Abhängen T a u j e n d e o o n Baumstümpfen, die ihrer Krone beraubt sind, und deren wei.bin iichtbarc zcriplüterte Bruchstellen crkcnntliä, machen, daß hier Schnee und Sturm ganz gewaltig gehaust haben. Es ist nicht eine einzige Schneise vorhanden, die nicht kreuz und auer mit abgebrachcnen und nmgewarsencn Bäumen gelverrt wäre. Ebenso ist die Verwüstung mitten in ben Wald beständen. Stämme van 2030 cm Durchmesser lind in der halben Döhc glatt durch gebrochen oder bis aut die Wurzel gespalten, wie wenn ein Blitz­strahl das Unheil verursacht hätte. Jüngere Fichtciibestände liegen wie abgcmäht ans dem Baden. Ten m-ilen Schaden erleidet der Fiskus, dem der größte Teil des Oücrwaldes gehört, aber auch zahlreichen Privatbejitzern ist der mit vielen Kasten ange­legte Waldbestand, van dem Ii: noch wenig Ertrag erzielten, zunr größrcn Teil vernichtet.

Ehe dieso Schäden wieder völlig geheilt sind, sind selbst­verständlich jahrzehntelange Mühen nötig. Auch die Kosten, die erforderlich sind, alles wieder in den rechten Stand zu bringen, werden recht erheblich sein.

Tie Bäderzüge BerlinWiesbaden. Bad- ff o m bürg und Bad-Nauheim v 28 und kl 27 werden vom l. Marz ab wieder wie solgt in Verkehr gesetzt: O28 ab Berlin (Potsdamer Bahtchos) 8.17 Uhr vorm., ab Magdeburg 10.10 Uhr, über Börßum, Kreiensen, Kassel an 2.28 Uhr, Wabern (Anschluß nach Bad Wildungeu au 3.52), Marburg an 4.5 Uhr, Gießen an 4.33 Uhr. au Bad« N a u h e im 5.22 Uhr, au Bad Eomburg 5.48 Uhr, an Wies­baden 6.52 Uhr abends, kl 27 ab Wiestiadcit 9.9 Ubr vorm , ab Bad-.ffomburg 10.8 Uhr, ab Bad-Nauheim 10.50, ab Gießen 1 i.27 Uhr, ab Marburg 11.54 Uhr, über Wabern (Anschluß von Bad Wildungcn 10.3 Uhr), ab Kassel 1.43 Uhr, tut Magdeburg 5.36 Uhr (Anschluß an Leipzig, .ffauptbahnhos, 8.6 Uhr), an Berlin (Potsdamer Bahnhos) 7.31 Min. abends. Tie Züge führen die I. bis 3. Wagenklasse und Svxisewagcn zwischen Berlin und Wiesbaden.

**TiehcssischeLandcskircheausderdeul- schen Werkbund-Ausste l lnng Köln 101 4. Aus der vom 1:5. Mai bis Oktober ds. I. in Köln stattsiudeudeu Deutschen Werkbund-Ausstellung" wird in der Abteilung Evangelisch-Kirchliche Kunst" auch unsere hessische Landes- tirdjc vertreten sein. 11. a. werden die nach Entlvürfen des früheren Tarmstadter Professors Ernst Riegel angescritg len kirchlichen Gerate von den bclrcssenden Gemeinden zur Ausstellung gebracht werden.

B e s s e r e A u s s i ch t e n s ü r.L e h r e r i n n e n. Wie man uns schreibt, sollen gcgenmärlig die Unterklassen aller Seminarien schwächer besucht sein, -s« ist zu erwarten, daß das Mehrangebol von Lehrkräften, durch das in den letzten Jahren die sofortige Verwendung der Lehrerinnen zum Teil nicht möglich war, allinähltch tvieder zurückgehen wird und die Aussichten sür die Lehrerinnen wieder so gut wer den, wtck sie bisher gewesen sind.

** G r ii nd st ü cks o cr k e h r. Grundstücke zu W i e s e ck, die aus den tzkamcn des Johannes S ch o m b e r und teincr Ebesrau Sc rolinc gcb. Schäfer zu Wieseck eingetragen tvaren, satten Freilag,