Nr. 49
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erschein! täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich »leßtNtrzamilienblLNee; zweimal Ivöchenlt.ikreir- tlaNfürL«» Kreis Gieße» rjncnätafl und Freitag): zweimal monail. ka»d- «irtschostliche äeitsrage» Fernsprech - Anschlüffe: tür die Redaktion 112, Tierlag u, Expedition öl Adresse Mr Depeschen: Anzeiger «lebe». A«»ahi»e von Anzeige» für die Tagesnnmmer bis vormittags 9 Uhr.
Erster vlatt 164- Jahrgang Zreitag. 27 . 5ebruar 1914
Geheim Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rotationr-rutk »»L Verlag Ser vrähl'schrn Univ.-Voch- and Steinörueferei R. Lange. Redaktion, Srpcdition und vrnckerei: Schnlstratze 7.
Bezu qsvrctt:
monatlich 75Pf„ vieriel- sährlich Mk. 2.29; durch Abhoke- u. Zweigstellen inonatlich Sä Pi.: durch die Post Mk. 2.— viertel» jährl. ausschl Bestellq. Zeilenpreis: lokal IöPs„ auswäNS 20 Piennig. Eheiredakteur: 2t Goetz. Bermitwortlich für de» polit. Teil: Aug. Goetz; sür .Feuilleton', ,Vermischtes'und,GcrichtS» saal": Karl lllenrath; lür .Stadt und Land': Kurt Bendt; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umsatzt 12 Seiten.
Tagcskalcndcr aus dem Fahre 1X14.
27. Februar: Tas Haupthcer der Verbündeten unter Tchtoar- zcnberg schlagt den Marichall Oudinot bei B a r s u r A u b r. Ter l ejährigc Prinz Wilhelm dvn Preußen erhielt bic Feuert au,c und erwarb sich das eiserne Kreuz.
Eine kritische Lage in Hessen.
rb. Tarmstadt, 26. Fcbr.
Dte in unserm heutigen Kammerbeincht wiedergegebene Regierungserklärung ioinnit völlig Überraschend und war auch keinem Kanimermitglied vorher angedeutet worden. Nachdem zwischen den Finanzausschüssen beider Ständckammern schon bei den gemeinsamen Besprechungen zu einer allgemeinen Verständigung die Wege geebnet worden waren, könnte wohl mit Recht angenommen werde», daß sich auch die Regierung einer evcnt. Einigung der beiden Ständekainnicrn über die erhöhte Lehrerbcsol düng anschließcn toürde, und zwar nm so mehr, als sic bei den bisherigen Berhandsiingen und Beschlüssen des Finanzausschusses Zweiter Kammer ruhig zugchörl und keinerlei Veto dagegen eingelegt hatte, wie das z. B. bei der Frage der Anttsgcrichtsdirektorci, der Fall war, bei deren Streichung »ach der Erklärung der Regierung die ganze Vorlage scheitern würde. Tie kritische Lage und der ganze Ernst der Lage kam denn auch in den gleich nach Schluß der Kammersitzung bis 2 Uhr nachmittags abgehallenen Fraktionssitzungen zum Ausdruck, besonders nachdeni auch bekannt geworden war, daß die dre.i Minister im Falle des Beharrens der Zweiten Kammer auf den e r- höhten L c h r c r g eh alte n die äußersten Konse- guenzen zu ziehen gewillt seien. Tie bürgerlichen Parteien, von den Freisinnigen bis zum Zentrum, je die Hälfte ihrer Mitglieder, einigten sich denn auch nach langen Erörterungen dahin, der- Regierung ihre Stellung zu erleichtern und auch vo» der Zivcitcn Kammer Entgegenkommen zu beweisen, nachdem von Mitgliedern des Finanzausschusses der Ersten Kammer schon vorher erklärt worden lvar, daß diese den Wünschen der Zweiten Kammer bezüglich der erhöhten Lehrergehalte zustimmcn würde, ittmn auch okc Regierulrg sich damit einverstanden erkläre. Ter Finanzausschuß der Zweiten Kammer wurde, uni einen drohenden voniltft zu vermeiden, ermächtigt, der-Regierung eine E i u i g u n g dahingehend a n z u b i c t e n , daß der verlangte Höchstgehalt der Volkssckiullehrer anstatt ans 3800 M ark auf 3700 Mark oder das Wohn u n g sge l d von 300 Mark wieder auf 4 00 Mark b e s ch r ä n 11 wird- Zu der dann am Nachmittag abgehaltenen S itzung des Fina n z a u s s ch us s e s mit der Regierung, die durch Staatsminister Tr- von Ewald, Finanzminister Dr. Braun, Minister v. H o m - bergk, dw Siaatsrätc Dr. Becker, Best, Süsfert, Ministerialrat Tr. W e b e r u. a. vertreten war, wurde dann auch eingehend über diese Frage verhandelt; die Regierung l c h n t c a b e r d n s E n t g e g e n k o m m e n a l s u n- gcnügcnd ab, ebenso einen weiteren Borschlag, der dahin ging, unter Beschränkung der Summe des Höchstgehalts die Gehalte der Lehrer in den mittleren Dieiistjahrcn zu vcv> besser,,.
Obgleich von der Regierung selber jetzt zugegeben worden war, daß die erforderlichen Mittel sür die Gehaltsere
böhung vorhanden seien, lehnte sie den Vorschlag, die 188 000 Mark Mehrkosten in diesem Sinne zu verwenden und unter die mittleren Lehrergchalle auszuteilen, ob und ivollle nur die Hälstc dieser Summe dafür bewilligen. Ter Finanz- ausschuß ging schließlich abeirds 7 Uhr ohlle jedes positive Ergebnis auseinander, nachdeni noch verschiedene Mitglieder erklärt hatten, daß sic angesichts der ablehnenden Haltung der Regierung die von ihren Fraktionen geinachtcn Kon zessione» nun auch nicht inehr ansreckit erhalten würden. Heute abend spät hielt auch noch der Finanzausschuß derErstcn Kammer eine -Beratung mit der Regierung ab. da sich die Erste Kammer in ihrer morgigen Plenarsitzung m,i den heutigen Beschlüssen der Zweiten Kammer zu beschäftigen hat. Es soll aber auch hier noch zu keiner Verständigung gekommen sein.
, Ans den angeführten Tatsachen geht jedenfalls hervor, daßsich die Aussichten s ür die endliche Ver ab- s chiedungdcr ganzen Bes oldung-svorlagewic- dcr außerordentlich verschlechtert haben und eine recht peinliche und im Interesse der Sache höchst beklagenswerte Verstimmung zwischen Regierung und Volksvertretung Platz gegriffen hat. Man kann nur dringend wünschen, daß es den maßgebenden Faktoren noch ini legten Moment gelingen möge, einen Ausgleich zu schassen und damit das drohende Gespenst eines abermaligen Scheiterns der Besoldungsreform glücklich zu verscheuchen.
vcutjcBe» NeicI».
Der sächsische Finanzminister über die R eich s sin anzpolitik. In der sächsischen Zweiten Kammer ergriff ain Donnerstag bei der fortgesetzten Beratung des Etatskapitels „Sachsen und seine Vertretung im Bundesrat" Finanzminister v. Seydewitz in später 2lbendstunde das Wort und erklärte u. a.: Die Regierung muß den Gedanken ablehneu, daß sie aus Rücksichtnahme aus die finanzielle Leistungsfähigkeit der Bundesstaaten der Wehrvorlage Schwierigkeiten gemacht hat. Tic Reichs-. E r b s ch a s t s st r u c r wurde von der Regierung nicht a l s ein so erhebliches Hebel angesehen, denn sic ist eine indirekte Steuer, mit ihr fanden sich die Einzelstaaten ab; aber die Verm ö g e ns z uw a ch s st eu er ist eine direkte Steuer, sic bedeutet einen schweren Eingriff des Reiches in die Finanzhohcit der Einzclstaate». Bei den indirekten Steuern sind wir noch kcinesivegs an der Grenze der Möglichkeiten angelangl, es gibt noch eine Anzahl entbehrliche lKennßmittel, die eine Mehrbelastung recht lvoht vertragen. In dem Maße, in dem die Einzel- staaten an direkten Steuern verlieren, verlieren auch die einzelstaatlichen Parlamenlc ihren Einsluß und ihre Be deutung. Um die günstige Ausgestaltung der Handelsverträge ist die Regierung ernsttick, besorgt Und sic wird Gelegenheit nehmen, vor Abschluß der Handelsverträge die Jnteressenteu im Lande zu höreu. An der bewährte» Schutzzollpolitik wird die Regierung nach wie vor unbedingt festhalle».
AnsvieluiigenausdenGewerkschastsstreit enthält, wie zu erwarten war, der F a st e n h i r t c n b r i c f, den Kardinal Äovv soeben an seine Diözesanen erlassen Ijnt. Es hcißl in dem Brief wörtlich folgendermaßen:
Ehrwürdig ist dem katholischen Christen das Wort des P a p'st e s. Der Papst hat das besondere Charisma der U n i e h > - b o r f c i t, wenn er als Lehrer der Äirckie in Glaubens- und Sillen lehren spricht: wer sich diesem seinen, 2lusspruchc nicht fügt, sagt sich von selbst von der Gemeinschaft mit der Kirche los. Aber auch
wenn cs sich nicht um einen feierlichen Ausspruch bandelt, ist das Wort des Papstes den, katholischeu Christen heilig. Er . . . s r a g t nicht nach dem Sic unb Warum, sondern ivlgt den Wei jungen des Papstes mit rückhaltsloscm Vertrauen. Er setzt seine Weisungen nicht in Zweistl mit dem Einwand, cs seien nur seine Ratgeber, von denen der Beicbl ausgehc: er behauptet nicht iml vorschnellem Urteil, daß der Papst nicht gut unterrichtet sei, wenn seine eigene mangelhaste Einsicht nicht bald die Bedeutung und Ab liebt einer päpstliche» Anordnung zu erkennen vermag: denn er weiß, das; mit derartigen Ausreden mehr als einmal der Ungehor !am und die 2luilchnung begonnen haben. Daher uiurmr er die Worte des Papstes auf, lute dieser sie ausgesprochen bat und verstanden wissen will: er deutet nicht an ihnen, noch zwängt er sie in seine Äniichlcn, sondern nimmt sie in aufrichtigem, kindlichem Glauben hin. Er fragt nichl. ab die Weisungen des Papstes auch für ihn Geltung haben; er weiß, daß der Papst für alle spricht."
IIcbc r das Befinden des Kardinals K opp wird der „Köln. Bolksztg." im (Gegensatz zu allen bisherigen Meldungen ans Ratibor gedrahtet: Die Krankheit des Kar dinals Kopp ist zwar nicht mit unmittelbarer Lebensgefahr verbunden, doch gibt der Zustand des Kirchcnfürstcn nach wie vor zu c r n st c n Bedenken Anlaß.
Eine Liga zur „Verteidigung Elsaß-LotI> rin ge ns". Der Vorsitzende der Zentrnmssraktion der elsaß-loihr. Zweiten Kammer, der Reichs- und Landtags abgeordncte Haust, hat die Mitglieder der beiden Kain inern durch ein Rundschreiben zur Bildung einer Liga zur Verteidigung Elsaß-Lothringens eingcladen. Wir entnehmen dein Schreiben folgende Satze:
Tie Eingriffe aus Eliaß-Lothringen mehren sich. Tic altdcutsche Hetzprejsc verösicntlichl beinahe Tag sür Tag die albernsten Erzäh lungcn. Ossijierc, Soldaten, Schriststellcr, GeschästLreiiendc u!w. werden von ihnen als Gcwährsnmnn angegeben. Ob die Genannten in Wirklichkeit einmal in Elsaß-Lothringen sich ausgehallen haben, die Verhältnisse aus Grund eigener Wahrnehmung kennen, lann ohne weiteres nicht »ackikvntrolsiert werden. Mit Bestimmt heit läßt sich aber sagen, daß ihre Berichte tendenziöse Entstellungen, in einzelnen Fällen sogar direkte Lügen sind, lediglich zu den: Zwecke ersuuden, sich intcrcssaut zu mackicn ulid das Awchen unseres Landes und seiner Bewohner in den 2lugcn der altdeutschen Mitbürger herabzuwürdigen. Allzulange schon wird dieses sreoclhaste Spiel mit der Ehre eines ganzes Volksteils getrieben. Wohl bat siü, ein Teil der elsaß-lothringischen Presse mannhast zur Weht gesetzt, die Verleumder ignorieren aber nahezu durchweg ihre Richtigstellungen und lügen flott lvestcr. Mil einem verächtlichen Achsejzuclen haben lvir bisher dicienr mit den ocrwcrilichstcn Mitteln gegen unser Land geführten Feldzug zugcschen. Zu Unrecht! Er bat verheerender gewirkt, als lvir zu abneu vermögen. 'Sei unfern besten Freunden in Altdeutschland bcgimicu Zweifel iich zu regen, lesen und hören sic doch Tag sür Tag die erfundenen Räuber gcschichtcli, ersahrcn aber von einer Richtigstellung nichts. Stetes Tropfen hat auch hier den Stein gehöhlt.
An der voin Abgeordneten Hauß einberufenen Gründungsvcrsanimluiig beteiligten sich zahlreiche Mitglieder der Ersten und Zweiten Kammer des Landtags. Die Versammlung stand einmülig aus dem Standpunkt, daß die Liga gegründet werden soll. Es wurde ein -Ausschuß von sü»s Mitgliedern der Ersten Kammer, acht Mitgliedern der Zweiten Kammer und vier Mitgliedern der Presse gewählt. Den Vorschuß in dem Ausschuß überniniint Tr. Ricklin.
A u s Z a b c r n. Dem Krcisdirektor Mahl ist nach Zci - tungsmcldungcn von der reichsländischcn Regierung eröffnet worden, daß das auf feilten Antrag eingeleitcte Disziplinarverfahren keinerlei Beweise sür eine fahrlässige odei wissentliche Unterlassung vslichlmäßigcr Amtshandlungen er gebcn habe. — Zur Zaberncr Garnisonsrage hat das halbamtliche Wolfs-Bureau bekanntlich gemeldet, daß Bürger-
Münschen-Zchwabingr vohöme.
leg. M ü n ch e n, im Februar.
München ist »eben Paris wahrschemlick die einzige Stadt der Welk, die noch etwas wie cüic Boheme besitzt: Berlin ist längst ju amerikanisch, Wien — trotz seiner Größe - zu vrovinzlcrisch. vielleicht auch ichou zu wenig mternalional, um eine derarlige Er- scheinung gedeih,'» zu lasse». Denn die richtige Boheme kann nicht nbciall eristicren: Grundbedingung iür iic ist ein gewisser leichter künstlerischer Sinn der übrigen Bevölkerung, und voraus er Närt iich auch, weshalb in Städten wie London over Rcw Bork kein Boyömie» zu finden ist. Er würde dort cntun'der als soziale Erichcinung aui Schritt und Tritt verböhnt oder von einem Im prciario zur Schau gestellt und kapitalisiert.
Dagegen wird in München-Schwabing ebenso wenig wie am dem Boulevard Taiiil-Michck zu Paris der Boheme-Mensch als etwas "Intiioziales oder Frcmdailigcs angesehen: der ganze Stadt teil nördlich von der Felbhorrnbastc rechnet ja mit ihm und lebt mit ihm. Allerdings, seit 1909 oder 1910 rtira sind die ganz anl- fallendcu Erscheünuugcn allmählich verichwuiiden, und die Leutchen, tue beule »och mit langen Haaren, flatternden Blusen und Sandalen durch die Ludwigstraße tvandcln, sind zu zählen. 2Iuch jener gravitätiich cinherschreitende Naturavostcl fehlt im Straßen bild München-Schwabings, der von einer härene» Toga umhüllt inar, Blumen im laiigwallende» Haar, in der Hand ieine Gcmüie trug und Propaganda iür ieine Verse machte, die da? Schönste n>aicn, was die Welt je heroorgebracht habe. 2sto mag er letzt fein? Führt er seine naturgemäße Lebensweise aui dem Laude durch oder verachtet er, in eine Höhle zurückgezogen, die übrige Mcnichheil?
Vor drei, vier Jahren besaß die Münchener Bobemc noch ein Hauvtouardier: das Eaie Stefanie in der Therefiensttaße TaS ivar das Zentrum ihrer Kraft. Hier konnte man Dichter bei ihrer Arbeit sehen, lner iourdcn, in ozonreicher Zigarettenrauch- attnoiphäre, Tramcn gchäminert, Epen auigcbaut und Ivriiche Otcdichle hiugehaucht. Ein Glas Tee, eine Taisc Mokka unter brach die Arbeit und spornte aufs neue zu ihr an. Hier ivarcn die Redaktionssitzc all jener ästhetischen und Weltanschauungszett- fchriitcn, die zwei oder drei Monate nach ihrer Gründung spurlos verfchioanden. Rächt au? Mangel au Material, iondern an Leiern.
Aber inzwischen hat das Cafe Stefanie Konkurrenz erhalten. Es ist nicht mehr der Sitz des Generalstabs. Gegenüber hat sich das Cafe Glast auigetan und einen Teil der Bohemelcute aufgcnom men. Sic haben sich überhaupt verteilt und zersplittert, und da cS ist wie bei einer Arincc — zwar viele Teile ein Ganzes aus- machcn, aber kein Ganzes find, tritt die Boheme von ßRünchen- i Schwabing nicht mehr io kompakt auf.
Sic unterscheidet sich äußerlich nicht mehr so außerordent- i von den airdern Pcivohncr» dieses berühmten Stadtteils. Vicl- tzt haben soziale Momente dos zuwege gebracht, vielleicht auch qt die Liebe zum Sport Schuld daran. Oder sollte der Haupt- ind der sein daß sieb die Boheme nach und nach — man muß r schon einen amcrikanitchcn -Ausdruck wählen — „verwässert" Tan» hätte sic soviel andere Elemente in sich anigcnvmmcn, j ihr Wesen selbst verändert worden wäre. .
Xa? ist kaum zu glauben. Allerdings, das tzicbcneinander- n'en von Studentenschaft, Nünstlerfchan und der eigentlichen, orthodoxen Bohömc hat mit der Zeit die Grenze» dieser -eitert oder auch vcr«ischt: aber daß sic noch in eben dcm- )cn Sinne crifticrt, das zeiat sich am deutlichsten immer Ivicdcr Münchener Karneval. Wie steif und eigentümlich sind die ne denen ^chioabing" st-rnbleibt. wie iröhllch-ungezwungen, - ärariös geht cs aui jenen her, bei denen es eine Rolle spielt, i- Großen von der Bourgeoisie unlcrilommencn Veranstaltungen i den Kauimannsbällcn bis zum Prcsieball konnten ebeniogut -Berlin oder .immburg stattsinven: aber die KünstlericUc >m en Schwabing sind gewiß nur in München möglich. Titel und ld spielen aus ihnen keine Rolle. Aber Geschmack und Gei,t.
— Gicßencr Stadtthcater: Marbel Salzer. Seil einer ganzen Reibe von Jahren üt tMarzcl Salzer bei uns ein lieber Freudig willkommener 0)aft, und icdcsmal, loenn er wieder einkebrt iür ein paar Stunden, veriammell iich ieinc treue Ge meinde um ihn, den -Märze!. Es ist schön von dem dRarzcl Salzer, daß er uns nicht vergißt, daß er immer wieder uns komm«. Es imiß ihm halt gefallen bei ans, wie cs uns bei ihm gefällt, wenn er uns anlachl mit seinen luftigen, blanken Augen, die über die Schnurrbartsvitzen hinweg so mordshciler in die Welt sehen. 2ll> >a. lustig ist er schon, und ein warmes Herzerl bat er auch, so ein recht gutes, Ireuzsidelcs Hcrzcrl: und darauf kommt es an. Er erringt ieine Erfolge nicht nur mit seiner staunenswerten, eigenartigen Technik; er liebt seine Dichter und liebt ihre Werke, er durchdringt sic ganz, und wenn er sic dann auserstchen läßt vor uns, dann lebt und lacht er mit ihnen, dann rückt er uns alles vor die Klugen, daß wir es lcib- baftiq zu schauen vermöge» und cs lachend miterlcbcn. Zn dieser Art ist er durchaus originell, durchaus sich selbst, und io sehr hat er seine Kunst ausgebildrt, daß sic annmtet wie etwas völlig ungezwungenes. urivrünglichcs und naives. Und dos ist ja ein Zeichen echter Kunst, daß man ihr nicht aniiehl, ivie sehr sie zugleich^ auch Arbeit ist und Ringe». Wie last stets, begann Prot. Salzer seinen gestrigen Abend mu Liliencron, dem der köstliche -Röckcrgreis unseres einzigen Busch folgte und dann in bunter Reihe Hegelcr, Rosegger, Restrvn, Salten, .Hartlcben und
viele andere. Ganz zum Schluß des 2lbcnds brachte er als Zugabe scincu berühmten böhmischen Frenidciisührcr »nt der hei - tcrcn Geschichte von 1866, die ebenso wie alle anderen Vorträge natürlich die lcbhaitcste Heiterkeit und den herzlichsten Beiiall des sehr gut besetzten Hauses hcrvorrief. 27.
— Zur Verdrängung der ichcußlicheu -Abkürzung s w ö r t c r, die sich seit einigen Zähren bei uns breit machen, hatte zu Ende des vorigen Zahrc-s die Leipziger -Abend» zcinmg eine» Preis von 100 Mark für ein Ersatzwort aus gesetzt, das die -Abkürzung „B u g r a" verdrängen iolltc, unter der in Leipzig die große Jiiternatwnalc -Ausstellung für Buch gcwcrbc und Graphik Leipzig 1911 bekannt ist. Das Prcisaus- fchrcibcil hat nicht nur in ganz Deutschland Beachtung gesunden: aus den meisten europäischen und auch aus einige» überseeischen Ländern lraieu Lösungen ein, über die »UN das Preisgericht zu bcsinden hatte. Preisgekrönt wurde dabei die Bezeichnung: „Buch und Bild". Es ergab sich alsdann, daß diese Lösung von mehreren Einsendern »nterbreitet worden war. Das Los entschied für Herr» Königstein in Leipzig-Stünz. Die übrigen Schöpfer dieser Bezeichnung erhielten Trostmeisc. Ferner wurden Trostpreise den Einsendern der folgenden Lösungen zugesprochen: „Tic sckiwarzc Kunst", „Zn Gutcnbcrgs Garten", „Eule und ttzreis", „Papier und Kultur", „Letter und Griffel".
Eine S t II d i c n s a h r t nach der Schweiz Kttiter nimmt vom l. bis 13. -März d. Z. die Vereinig ung sür >1 a a t s w i s s c n s ch a s t l i ch e Fortbildung in Berlin. Tic Fahrt bezweck!, den Teilnehmer» einen Einblick in den vo lilischen, wirrschafttickien, sozialen und kulturellen -Anibau der Schweiz zu vermitteln. Tic Reise beginnt in Basel, verläuft durch de» Zura am Rcueuburggr- und Genscrscc vorbei, das Rhonetol auswärts bis Brig, von loo es mit der Lötschbergbalpl nach Bern geht.
— Dr. Mawsons Südpol-Expedition ist heute an Bord des Dampfers „2lurora" nach 2ldelcidc zurückgekchrt. Tr. bAawsons crllärtc, die Expedition fei sehr erjolgreich gewesen. Das Absuchen des Meeresgrundes ltzibe eine außergewöhnliche biologische Sammlung von Fischen und Seetieren ergeben, von denen einige aus großer Tiesc erlangt worden seien. Viele dieser Funde seien sür die Wissenschaft noch neu. Auch eine großartige Vogcliammlung sei angelegt worden. Ferner seien reiche Lager von Kohlen und andere Mineralien entdeckt worden.
— Kurze Nachrichten auÄ Kunst und Wissen- schost. Dem Zlmvcnitätsmusildirektor a. o. Professor Tr. Fritz Dolbacki in Tübingen, srüher in ßRaiiiz, wurde vom König van Württemberg die große goldene Medaille iür Kunst und Wisscnschasi am Bonde des. Fricdrichsordens verliehen.


