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Erstes Blatt
\H- Jahrgang
Donnerstag, 26 . Zebruar
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General-Anzeiger sür Oberhessen
Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.
Die Vorbereitung der dritten Aiedenr- tonserenz.
In der holländischen Ersten Kankmer teilte am 'licn-j- tag der Minister de» Aeußern London mit, die Unterhand-, luiigen über die dritte Friedenskonferenz seien im Gange, an erster Stelle mit Rustland: er erwarte nur noch den Bericht des Komitees stir die Vorbereitung der Konferenz. Dieses Komitee ist, wie znm näheren Verständnis der An-, gelegenheil bcigefngt werden muß, kein holländisches, sonder» ein internationales. Tic zlvcitc .Haager Konferenz hatte bereits den Wunsch nach einem solchen vorbereitenden Komitee geäußert, das nngesähr zwei Jahre vor dein Zu-, sammentritt der dritten Konferenz von den Regierungen bcanstragt werde, erstens die verschiedenen der Konferenz zu unterbreitenden Vorschläge zu sammeln, zweitens d,e Fragen sestzustelken, die sür eine baldige internationale Regelung reis sind und drittens ein Prograinm vorzn-, chereitcn, das die Mächte io frühzeitig aufzustellen hätten, daß es in den verschiedene» Ländern gründlich geprüft werden kann. Da-die dritte Haager Konferenz im nächsten Jahre 1915 zusammen irrten soll, mußte das vorbereitende Komitee, an den, auch das Deutsche Reich beteiligt ist, schon 1919 seine Tätigkeit ausnehmen.
Das Ergebnis Vieser Tätigkeit wird diesnial um so be deutungsvoller sein, als das Komitee eine -Organisation und eine Geschäslsordnnng für die Konferenz selbst Vorschlägen ivird. Die d e u t s ch c R e i ch S r e g i e r u n g ist, lvic uns aus Berlin geschrieben wird, gern bereit, der Anregung be iüglich des Zusammentritts einer dritten Friedenskonferenz Folge zu geben, und es mag daraus hingcwiesen lverden, daß diese Geneigtheit schon in dem seinerzeit (Ende 1907) verös fentlichtcn Weißbuch über die zweite Konscrenz angedenter lvurde. Diese Geneigtheit besteht heute trotz der schwierigen internationalen Lage, ivcil vor allem die Verständigung niit England in kolonialen und anderen Fragen so überraschend gute Fortschritte geinacht hat. Was die auszuwählcnden Vcr ireier Deutschlands auf der dritten Konferenz betrifft, so er scheint jetzt der dahingeschiedcnc Frhr. Marschall v. B i c b c r st e i n fast unersetzlich. Die deutschen Vertreter ans der ersten Konferenz, Gras Münster und Baron Stengel waren noch Skeptiker. Bieberstein aber tvar von der Mission der Friedcnsbcweqniig trotz aller Kriegsrückfällc durchdrungen. Er Kat in den Konfcrenzocrhandlungen eine Offenheit, Zuversicht und diplomatische Kunst belviescn, die man den nach bismarckischen deutschen Staatsmännern immer noch nicht zugkstehl. Das unvergängliche Verdienst Marschalls ist cs nämlich, de» ständigen Tchiedshos gewollt und damit crmög licht zu haben, wobei sich nebenbei gesagt die für uns Deutsche schmcichclhasle Tatsache ergab, daß ohne Deutschlands Zustimmung und Mitwirkung im Internationalismus kein Schritt mebr vorwärts getan werden kann. Ter Bonner Volkerrechtslehrcr Geh. Justizrat Zo tu, der 1907 ebenfalls Vertreter Deutschlands in .Haag war, hat zu verschiedenen Fragen, u. a. zu der des obligatorischen Schiedsgerichts einen Ctapdpunkt eingenoinmen, den die deutsche Reichsregierung aus' politischen Gründen offiziell und bcschlußmäßig nicht vertreten will. Insbesondere kann die Regierung nicht die Initiative in dieser Sache aus einer dritten Konferenz ergreife». Ties würde aber eine neuerliche Berufung Professor Zorns als Mitglied einer etwa zehngliedrigcn Dele
gation so wenig hindern wie die Wiederwahl Tr. Kriege s. Und schon daraus geht wohl schon zur Genüge hervor, daß sowohl Herr v. Bcthmann-Hollweg als auch Staatssekretär v. Jagow bemüht sind, den Vorbereitungen der dritten Fric- dcnskonscrcnz vorurteilslos und positiv-praktisch mitwirkend näher zu treten.
Was erwartet sich nun die deutsche Reichsregierung von einer dritten Friedenskonferenz? Das von der zweiten Konferenz Geschaffene hat in seiner nunmehr sechsjährigen Geltung, insbesondere tvährcnd der Balkankricge, nicht alle Erwartungen erfüllt. Mehr wie je heischt die Frage eine Beantwortung, was man sich von den Friedenskonferenzen überhaupt noch erhoffen darf. Mancher sicht in ihnen nur Kricgskonserenzen, d. h. er erlvartet von ihnen die Lösung solcher Fragen, wie sie besonders durch die Berner Konventionen angeschnitten und nur zum Teil erledigt worden sind. In diesen kricgsrechtlichen Doktrinarismen plätscherte man auf der zweiten Konferenz ja ebenso eifrig herum >»ie auf dem ersten Kongreß im Sommer 1899. Ein greifbares Ergebnis ist aber gerade in solchen Punkten nicht erzielt worden und wird auch auf der dritten Konferenz nicht gezeitigt werden. Dazu gehören Jahrzehnte einer ständigen internationalen Rechtsprechung. Tie extreme Gegenpartei zu den „Kricgskonserenzlern" bilden die Frie- dcnsfanatiker mit ihren Abrüstungssordernnge», denen sich das Deutsche Reich nie und niemals anschließen kann. Tie dritte Gruppe der Interessenten einer Friedenskonferenz hält sich fern von der ängstlichen Beschränk,,nq auf kriegsrechtliche Fragen einerseits und vom pazifizisti- schcn Schwarm andererseits, sondern will arbeiten und brauchbare Grundlagen schasse». Zu dieser dritten Gruppe der ernsten Arbeietr möchte wieder die deutsche Regie-
Ans Ocffen.
Ein Antrag zum Gkmciudeumlagengcsctz.
rb. Darmstadt, 25. Febr. Zur Frage der Einführung des Ertragswcrts i„t Gemeindcumlagcngcsetz haben die Aba. Brauer und Tr. Weber mit Unterstützung der Fraktion des Bauernbundes solgcndcn dringlichen Antrag einqebracht: Tie Kammer wolle beschließen, Größt». Regierung zu ersuchen, mit Rücksicht daraus, daß der Mittelwert bis jetzt aus dem Grund besitz Vorteile gebracht bat, mit dem demnächst vor,„liegende» Ergebnis der ersten Veranlagungen »ach dem iteucn Gesetz auch das jenige Material vorzulegen, das eriordcrlich ist, um bei der demnächst vorzunebmcnden stzesetzesänderung an Stelle des gemeinen Wertes und Mittelwertes den ErtragSwcrt setzen zu tönnen.
Z „ m ,H a i> v t v o r a n s ch l a g s ü r I 9 1 4 bat Abg. W o I f - Stadecken den Antrag ringcbracht, die Kanimer wolle beschließen, daß die Kosten der K c l l c r k o n t r o l l e in Hessen aus die Staatskasse übernommen und unter Kap. 75, Fördcritng cinzeluei Zweige der Landwirtschaft, verrechnet werden.
rb. Der Fiiiaiizausschilß der Zweiten Kam,»er bat jetzt seinen Bericht in betreff der Rückäußerungen der Erste» Kanim er zur B c s o j d u n g s v o r l a g e INI Truck erscheinen las - sen. Ter Ausschußbcrichtcrslattcr, Abg. Tr. Osann, hebt darin hervor, daß bei der Kürze der ZÄt seit den gemeinsamen Bera ratungen der Finanzausschüsse beider Ständckammeru am 19. und oi> Februar nur noch rin knapver Ausschußbcrichl möglich war. Bezüglich der imanziellen Verhältnisse Hessens weist der Berichterstatter aus seine aussübrlichen früheren Darlegungen hin und erinnert daran, daß nach dem Vorwort des Herrn Finanz Ministers zum Budget für 1914 der gesamte Aufwand sür die Gehaltsauf- besserung der Beamten, Lehrer usw. sür 1912 mit 2 425000 Mark biz auf rund 50 000 Mk. aus den Erträgnissen der neu erschlos
senen Einnahmeguellen und den Mchrcrträgiiissen der schon vor haiidcnenEinnahiiicgucllen gedeckt werden konnte: desgleichen wurden 1918 der Gcsamtbedars Volt 2 540 000 Mk. restlos aus den laufen den Einnahmen gedeckt. Auch lür 1914 ,vird die ganze Anforderung von 8025 990 Mk. aus den lausenden Einnahmen gedeckt werden, mit Ausnahme eines Betrags von 39 492 Mk., dem atzer eine ucu erschlossene Einnahmeauclle von mindestens 201 000 Mk. aus dcni Gesetz über die Koste» der höheren Schulen gcgcuübcrstcht. Ter Aus schuß hat deshalb auch k ci n e r l er Z u s ch n ß a n s d e m R e st c sonds zur Teckung der Ausgaben sür die Bcsolduugsresorm vorgesehen. Diese günstige Entwickelung der sinanzicllen Bcrhältnissc seil dem Etat für 1912 geben den Finanzausschuß die begründete Hoffnung, daß die Ergebnisse auch der solgendcn Jahre zur Deckung der Ausgaben sür die Bcsoldungsresorm ans laufeichen Mitteln ausrcichen werde», ohne daß ein Rückgriff auf einen der beiden Restcsonds zu erhölicli braucht. Es wird da-s um so weniger nötig werden, als die aus einer aicheren Gruiidlagc crsolgcndc Besteuerung im Gcmeindeumlagengesctz auch für den Staat erhebliche Mehreinnahmen hriugcn wird und weiter der Wchrbcitrag und dessen Veranlagung sür den Staat nicht allein in der Vermögenssteuer. sondern noch mehr in der Einkommensteuer höhere Ein nabnren erwarten läßt. Auch die Zinserträge der kauf rund 20Mill. geschätzten , Kapitalien in den beiden Resteionds und dem Ausgleichs und Tilgungsfonds kommen hierbei in Betracht. Der Resteionds I erhält, wie der Referent betont, fortwährend Zuschüsse besonders aus der Steuercrhöhuug vom Jahre 1910 und ist deshalb als eine dauernde Einnahmequelle anzuschen. Der Ausschuß verwirft den Vorschlag der Ersten Kammer nicht, den Resteionds I unangetastet zu lassen und erneute Zuschüsse aus dem Restesonds II zu leisten, be- harrt aber doch aus seinem früheren Beschluß, etwaige Entnahmen, wcilit sic überhaupt erforderlich sind, aus dem Restcsonds I ertolgcn zu lassen. — lieber die Stellung des Finanzausschusses 2. Kammer zu den Abändcrungsbcschlüsscn der I. Kammer habcu wir schon lürzlich näheres berichtet. Während der Ausschuß hinsichtlich des B r s o I d u n g s t a r i s e s eine Reihe von Abänderungen der Erstcn Kammer.zuzustimmen beantragt, bat der Ausschuß bezüglich der Gehalte der B o l k s s ch u l l c h r c r — roie schon kurz berichtet, in allen Punkten ein Beharren aut den Beschlüssen der Zweiten Kammer beschlossen. Diesen Beschluß begründet der Berichterstatter wie folgt: „Tic Gel»altssätze der Lolksichnllcbrcr
und Lehrerinnen, luic auch die Vergüt»ngsftitze stir Echulvcrwaltcr und Schulverwalierimien, schließlich auch die Anrechnung ber Tienstwohnung bei der Pensionierung sind in langen Verstand lungcn des Finanzausichusses der Zweiten Kammer zustande ge kontmen Itttd bilden einen ititcgrieicnden Bestandteil aes Koni proniisscs, welcher sich über die gesamte Bcsoldnngsordnnng er streckt und welchen das Plenum der Zweiten Kammer gebilligt hat. Hiera» eine Aendrrvng vorznnehmcn, würde das gesamte, nach langer Mühe und nact» wochenlangcr Arbeit zusammengesetzte Gcstlgc in seinen Grundfesten erschüttern, .zudem ist zu solchem Vorgehen kein Grund »>nd kein Anlaß vorbanden." — Wir haben schon aus Grund besonderer Jnsormatiouen mittcilcn kön- ncn, das: sich her dem in anderen Punkten bewiesenen Entgegenkommen der Zweiten Kammer auch die Erste Kammer im Zittcr- cssc des endgültigen Zustaiidekonimens der ganzen Bcloldmigs- rcform voraussichtlich entschließe» dürste, vielleicht mit einige» Abänderungen, der erhöh.rn Lehrcrbesoldung zuzustimmen.
Die Förderung des ttleinwohnungsbaucs.
Ein Entwurf zur Förderung deS Baues von Kleinwoü- nungcn für Staatsarbcitcr und gering besoldete^ Beamte ist dem Reichstage ztigegangen. Der Entwurf ermächtigt den Fiskus, Htivothckendarlehen bis zur .Höhe von 25 Millionen Mark zur Unterstützung des staatlichen Klcinwohnungsbaiics zu übetnehmen. Diese Hypotheken sollen 10 Jahre unkündbar beliehen lverden. Für das vom Reich verbürgte Darlehen sowie sür etwaige Prioritätsdarlehcn ist eine Tilgung von mindestens V? Proz. pro Jahr vorgesehen. Zur Deckung der voin Fiskus übernommenen Verpflichtuilgen ift vom Rechnungsjahr 1915 ab eine angemessene Sicherheit bcreitzustel-
vieFeuertauft des Prinzen Wilhelm.
lBac kur Aube, 27. Februar 1814.)
„O Gott! Könnt' ich Dir folgen: ich weiß nicht, ivaS ich drum geben würde. Dauert cs noch künftig Jabr iort, so soll »nick auch kein Mensch davon abhaltcn, Carrier nachznkoinmcn!" So ichvicb der junge Prinz Wilhelm, der spätere erste deutsche Kaiser, in den erst vor kurzem bckannigcivordenen Briesen an seincit Freund, den Prinzen Friedrich von Lranicn. Eine feurige Ungeduld nach dem Krieg zittert durch diese ungestümen Bekennt Nisse, eine Scknsiicht nach Taten und Ruhm, der sich m dem so heiß begehrten Eisernen Kreuz verkörvert. Kein Jahr sollte vergehen, und dcni Hassen des 10jährigen Kölligssohnes sollte Erfüllung werden, reiche Erfüllmig. Tic „himmlische Musik dcr vseiicndeu Kugeln", die er so gerne hören wollte, der „erste Tanz nach Kanonendonner", der ihm schöner dünkte als alle Dosbälle, sie winkten ihm aus dem blutigen Felde von Bar für Aube und auch den in kühnen Träumen erschaute Lohn, „das Eiserne", blieb mcht aus.
Es war in jenen traurigen Fcbruartagcn des Feldzuges von 18H, als Ravoleo» durch die Schlaffheit und Uniähigkeit der oberste» Hccrcssührung der Verbündeten neue Siege erfocht. Ter bcdcnllichen Znrückliallung dcc österreichischen Kaisers gegenüber Ivar cs damals nur die Bundestrcue des preußischen Königs, die dem zuni cnergiickicn Wcilcrkämvien drängende,, Zaren das Uebcrgcwicht verschaffte. Tic letzten Tage des Februar bringe» endlicki in diesem lässigen Schwanken und Zaudern einen Um schwung, und Bar sur Aube deutet de» Wciidcvnnkt an. der dann im März zu ruhmreichen Eriolacn führte. König Friedrich Wil beim gebührt das Verdienst, den unichlünigen Obcrbeiehlsbabcr Schwarzenberg zur Wiederauinalune des Kampfes am 27. über redet zu haben. Das Korps des General Wittgenstein und die Bayern unter Drcdc »oltten das von den Franzosen besetzte Bar tur Aube »viedcreroberu. Ter vreußische König nahm mit seinen beiden ältesten Söbn.m an diesem Gefecht au» das tatkräitigsic teil und grill in wichtigen Augenblicken des Tages entscheidend ein. Ter Tag der Fcucrraufe war sür den Prinzen Wilhelm gekommen. Alle Berichte sind sich darüber -einig, daß der König und die Pl-inzcn „über ihre Stellung iveit hinaus sich einigermaßen in Gesahr bcaeben haben," wie General Hake a» Hardenberg schrieb. In seinen erst kürzlich im Jnscl-Bcrlag veröstenl- lichrcii Erinnerungen sagt der Prinz von Thurn und Taxis, der auf banriicbcr Seile an dem Kamps bcrvorragcnd beteillgt >oa> - „Man bemerkte auch, »sie sehr sich der König von Preuße» und seine beibfit Söhne, der Klonviinz und der Prinz Wilhelm tobichon sich hier gar keine vreußische» Tntvvc» besanvcn, dem Kleingcwebneuer ausqcietzt hatten." Die beste Schilderung aber hat uns Prinz Wilhelm selbst in seinen Tagebuch-
aufz eich nun gen gegeben. „Um 7 Uhr vormittags," erzählt er ließ der König Fritz und mich mit Luck zu sich kommen. Er '^aqtc uns, nur sollten voranreitcn, um dem Gefechte bei ■ zuwohncn nur sollten uns aber nicht unnütz exponiere», und befahl Luck, Darauf zu scheu. Wir ritten mit den übrigen Herren des bauvtauartiers also ab. Kaum batten nur den halben Weg zurückgclcgt so kam uns der König schon nach." Gleich zu An fang imißtcn die russischen Truppcn der überlegenen Macht der Franzosen weichen. Ter König, der mit seinen Sühnen und Schwarzenberg den Aiiarrss geleitet hatte, sprengt den sl,ehenden Jägern entgegen, um sie znm Stehen zu bringen. Plötzlich sind sic im dichtesten Kugelregen. Schwarzenberg bittet den Herrscher, »ein und seiner Söhne Leben lticfit der Geiahr ans,„setzen: aber er erhält die Antwort: „Mein lieber Fürst, wo Ihr Platz ist, da ist auch der weinige." Bald daraus wird Schwarzenberg vertmiudet Ter Oberst von Thilc, der den König >m bcstlgstcn Gewebrieucr sicht, wirft sich mit seinem Pserde vor ihn und bittet ihn iiistondigst. zurück,»gehen. Friedrich Wilhelm aber will nähere Auskunft über den Gang der Schlacht haben: er sieht ein russisches Regiment in Verwirrung und bestehlt dem Prinzen Wilhelm, gleich als nähme er ihn zu seinem Adjutanten an- Reite mal dahin, erkunoige Dich, was sür ein Regiment ist und von welchen die Blessierten sind!" Ter Prinz sprengte loltblüng im dichtesten Kugelregen über die blutige Walstatt, er- sählt den Ramen des Kaluga Regiments und reitet »ogar noch weiter vor, NNI den Stand des Gciechtcs zu erkenne». Tann reitet er stracks zurück und ravvorlicrt mit kurzeti soldatischen Worten, w-e cs der König bei seinen Adjutanten gern bat. Auch an der daraui solgcndcn entscheidenden Attacke, die mit über den Sieg entschied und die Franzosen zum Rückgang zwang, nahmen die beiden Köntgssöhne teil. „Das Kürassier Regiment attackierte zu- erst mit einem enormen .Hurra," schreibt Prinz Wilhelm, „und wari den Feind hinter die Weinbcrgsmauern -übercinandcrgelegte Steine. Diese Attacke machten wir aus dem rechten Flügel des Regiments bis auf 00 Schritt ,m stärksten Kleingewehrteller mir, da ritt aber Tbile dem König vor und dal ihn, zurückznreiten. Wrr jagten ein Eckchen zurüch aber nicht außer dem Schuß, denn nun flogen die kleinen Kugeln und immer zwischen und unter die Pserde. Tics war ein unbeschreiblich seliger Moment, die ersten kleinen Kugeln gehört zu haben und so recht warnt aus den. Lause." In einer anderen Aufzeichnung erzählt er von seinen Eindrücken: „Bei dieser Kavallerie-Attacke ritt der König mit unS säst dicht heran, wo wir eine ungeheure Ladung Gewehrkugeln aus uns bekamen, noch rcchr warm aus dem Lause. Eine Munk, als wen» Bremsen und Mücken durcheinander vseisen. ES war das erstemal, daß ich die Bekanntschaft machte, und Fritz versicherte, so toll noch nie darin gewesen zu sein. Als wir zu- rückriftcn, schlugen die Kugeln immer neben unS. ein. Es ist
ein wahres Wunder, daß wir alle gesund geblieben sind, besonders da auch in der Suite nichts trat. Als diese Attacke glücklich abgeschlagen war, ritten wir ins Zentrum."
Zum Lohne sür »eine Tavierkcit erhielt dann der Prinz am 10. März, am Geburtstage seiner Mutter, an dem ja auch im Jahre vorher der Orden getriftet worden war, als erstes au, denr Tchlachtsclde verdientes Ehrenzeichen das Eiserne Kreuz: der Zar sügtc de» russischen St. GeorgS-Ordcn hinzu. Rock in der Ordensschnalle des ruhingckrönten Kaisers bchauvtetc dies schlichte Kreuz von Eisen die erste Ehrenstclle in der langen, lange» Reihe seiner Orden als Andcnkeil an dreseu glücklichen Tag seiner Jeuertauie. *
— Gilt ausgesprochenes Erzählertalent aus der Schule der Frevlag und Spielhagcn ift mit Gertrud Franckc- S ch i e v c l b e i u dahiiigegangc». Sic ist nur 63 Jahre alt geworden, und schwere Leiden ließen >ic in ihren letzte» Lebensjahren verstummen. Sie war ein echtes Berliner Kind und als Tocklcr des bekannten Ranchschülcrs, des Bildl»aucrs Hermann Schievelbein, geboren. Ihr Vater, der nicht nur den Berlinern eine der schönsten Gruppen aut der Schloßbrückc und das allerdings nicht von ihm selbst vollendete Denkmal des Freiherr» vom Stein gcichcnkt hat, sonderil auch in Petersburg, Hcliingsors und Königsberg mit bedeutenden Bildwerken vertreten ist, lien ihr eine sorgfältige Erziehung zutell werden. Tic künstlerische Atmosphäre ihres Elternhauses spiegelt »ich besonders in ihren ersten Werken deutlich wieder. Tic sind säst alle Künstlerronianc. Das Problem des Künstlers in »einer Beziehung zun, Auftraggeber kommt besonders schar» in dem schönen Roman „K ll II st und Gun st" zum Ausdruck. Hier ist sic ganz Spiclhagcns Schülerin, Turch ihre VerheiraMng mit dem damaligen llnivcrsitätsbiblio- thekar JohaimcS Francke in Böttingen, wurde ihr, der bisher künst lerische Atmosphäre Lebenslust gewesen »oar, das UniversitätsmUieu eine neue Heimat und eine neue Quelle der Anregung sür ihr dichterisches Schassen. Ter Frcytag der „Berlorcucu Handschrift" steht hinter ihren Ronmnen „U n k e n t e i ch", „Hunger st e i „ c" und ,,G o t t ü b c r wr n d c r". Tie llcbersredclung nach Berlin, wo ihr Gatte jetzt als Tircktor der^ Univerlitätsbibliothek lebt, brachte sie in Bezicl»ungen zu den Bci'trebungen der Froueneman- zipation, und dem Studium dieser Kreise verdanken ihre letzten Romane, wie „Die Sehnsüchtigen" ihre Entstehung. Der Entschlafenen bleibt ein dauernder Ehrenplatz in der deutschen Fraucnliteratur unserer Epoche gesichert.
äb Reue deutsche Ausgrabungen in Tirftns. Unser Athener Korrespondent schreibt unS: In der jüngsten Sitzung des Kaiscrtichen Deupche» Archäologischen Jmtttuts berichtete Prosessor Karo über die letzten Ausgrabungen des Jnitt- tuts in Tirvns bei stlauplia. UMcr dem Palast aus der zweiten Kälstc des 2. Jahrhunderts v. Ehr., den Var fast dreißig Jahren


