Ausgabe 
25.2.1914
 
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Nr. \1 Zweites

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Tiechietzener Zomiiienblätter" werden dem

»Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt. das .JtreiztzloN sie den tzreir «ietzen" zweimal

Ivöchenilieb. Dietandwttlschasltichen Zeit

fragen" erscheinen mouaüicO zweimal.

Blatt |64. Jahrgang

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oderhessen

Mittwoch. 25. gebruar M4

RotanonSdruck und Bering der Brühl'schen Universität? - Buch- und Stcinüriukerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» slraß« 7. Expedition »nd Vertag: Redattion:«EN2. Tcl.-Adr.: AnzeigerGießen.

Aur dem prentzijchen Abgeordnctenhau?.

Bauverivaltunst.

, :: Berlin. 24. Febr.

Nachdcur das Vaud sich dreizehn Tage lang am itffnamchtag des Innern getobt batte, nahm cs heute den der Ban Ver­waltung in Angriff, der natürlich auch nicht im Handumdrehen erledigt werden wird. Tasür sorgen schon die SB asicrstrnße n, au! deren tociieren 2lu-,ba» ein grosser Teil des Hauses sehr »iel 'JjkTi legt. Da es aber mit der Verzinsung des hicrsür bisher auigengknoren Kapitals sehe foul aussiehl, so Ivird iill, die Regie­rung LöchstwoKrscheinlich nackt wie vor Beickn-änkung auserlegen. obgleich die Industrie, wie der Abg. Hirsch-Essen 'Ratl.t'be- Nlerkte. alle Ursache hat, neben einen großzügigen EtienbaKnhvtitil auch eine großzügige W a ss c pst r a ß cn h o l i t ik zu wün­schen. Tie Aussprache drehte sich vornehnilich um bi: Tarisie rung auf den bereits bestehenden Kanälen und den Bau »euer Kanäle. Ter Abg. L i v PNI a n II - Stettin tBv wünschte eine Herabsetzung der Gebühren, während die Regierung erst einmal die »virtschailtiche Wirkung des aanze» Waiscrstraßcnsustcms abwarten Ivill. Ter konservative Abg. Frhr. v. Malhahn stellte sich zwar wieder einmal als einen innigen Freund der Industrie vor. aber vv» einer Herabsetzung der Tarife und dcni Bau neuer Kanalewolite er nichts wissen. Ter Zeitpunkt sür dl? M oscl und S a a r k an a l i s ic r u n g erscheint ihm noch nicht gelom inen. Solange die Schiffahrtsabgabcn nicht cingesühet lind, wird seine Partei siir neiic Wasserstraßen nichts mehr be- toillige». So wild sie auch sür den weiteren Ausbau des Rheins keine Mittel bereitstellcn, und zwar glauben die Herren damit einen Truck ans Holland zur Entsandung der Rbcinmündungen uiw. ausüben zu können. Eine cttvas eigenartige Verkehrsoistili!!

Aus eenen ähnlichen Standpunkt stellte sich der sreikonser- vativc Abg. von Wohna. Bor allem sind die Frcikonser- vatioen nicht sür einen Weiterbau des Mittellandkanals bis Magdeburg, tvvgegcn der Abg. L i p v IN a II II - Stettin (Bv den ganzen Mittellandkanal ierliggestcllt sehen luffl: er will auch die Weichsel mit der Weser verbunden wisse» und bcsür- wvrtet weiter die M o s e l - und S a a r k a n a l i s i c r n n g , ein Projekt, sür das sich nach ihm auch der Abg. Schreiner kZentr.i und vor allem der nationalliberalc Abg. £>r. 9? öchl i n g einsche». Lei: zehn Jahren, io sagte Herr Röchling n. a., känivsen mir um dies Projekt. Und Sie. Herr Minister, werden er st Rn he habe», ioenn Sie entweder de» Mosel -Saar-Kanal bauen oder uns in ein -: aussührlichen Tenkschrist den Nachweis erbringen, daß her MoselSaar-Kanal aus wirtschaftlichen Grün­den nicht gebaut werde» dort.

Aber der also avostropdicrie Herr v. B r e I t c II b a ch ist heute weniger als je für die Mosel- und Saarkanalisierung zu sprechen. Tie Verhältnisse, sagte er, Naben sich gegen früher völlig ge­ändert, sowohl vom techiviichcil, lote vom finanziellen Stand­punkte aus, und auch der Clnff des Geueralstabcs verhalte sich ab lehnend. Dagegen Ivill der Herr Minister allen »lagen der rheinisch locstiälischen Industrie abhelscn durch eine neue z w c i - qlersige Bahn nach dem Westen und eine umfassende Tariiermäßiguug aus der Eisenbalm. Aber alt die Gründe, mit denen er seine Ablehmmg motivierte, vermochten die Freunde des Proickts nicht zu überzeugen, wie sich alsbald ans den Aus­führungen der Abgg. Dr. Glaltscl! cr (Zcntr.', Freiherr v o n S tein ae ck er - Trier 'Zeutr und I>r. Herwig Nalt.i eraab. -Es ist auch siinvahr höchst bedauerlich, daß die Mozet für den Ber kehr immer noch brackt liegt, obgleich das Mösclgebiet, woraut sie. Hcrivig hintoies, nun schon seit 1<X> Jahren zu Preußen gehört.

Tic nächste Sihuug findet am Tonnerstag statt.

Der Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses beriet heute de» Vorauichlag des Ministeriums der geistlichen und Unt-rrichtsaugelegenheiten. Die Verhandlungen begannen beim »'»« pitcl 109 Titel I. Ministergehalt. Der Minister erllärtc, man habe zurzeit d a v o n A b st a n d g c II o IN IN c n , a n d e r n e» e n II n i . v e r s i t ä t F r a n k s u r t a. M: eine theologische F- a l u l - t ät z u e r ri ch t c n, sic sei aber nicht grundsätzlich aus geschlossen.

Rieche und Scfmle.

llnivrrsitätsftudium der Volksschullehrer.

Tie n a t i o n n l l i b c r g t c Fraktion des preuß. Ab­geordnetenhauses hat heute folgenden Antrag Tr. p. Eainpe- Schcksser eingebracht:

Tas Haus der Abgeordneten wolle beschließen: die Königliche Staatsicgierung wird ersucht, ini Interesse des Volksschullvcscns

1. Einrichtimgen zu treffen, durch welche Volksschullehrern die Erlangung einer vollwertigen akademischen Aus­bildung ermöglicht loird.

2. auch unter diesem Gesichtspunkte die schon aus allgemeinen Gründen gebotene Ausgestaltung der Seminare »ach der Art höherer Lehranstalten schleunigst in die Wege zu leiten,

3. aus dem Kreise der so vorgebildcten Bolksschullchrer die Stellen der Schulaiisnchlsbcamten und der Lehrer an Sem,, uavr.t (Oberlehrer, Prorektoren. Direktoren: demnächst zu be­leben und so auch dem anerkannten Bcdürffiis nach einer Lchrcrlausbahn Rechnung .zu trage».

, 4. aut dieser Grundlage eine organische Verbindung zunschen der Volksschule und den ansseren Schularten zur Erreichung eines einheitliche» nationalen Bildungswescns anznstrcben. Der Antrag will

zu 1. die jetzigen akademischen Kurse beseitigt sehen. An ihre Stelle soll ein vollwertiges akademisches Studium treten, d. h. ein Studtuin, das jedem anderen Uni- versitätsstndium an ivissenschastlicher Tiefe gleichwertig ist ähnlich, wie dies im Königreich Sachsen schon eingerich­tet ist. Erst wenn dies erreicht ist, ist der Lehrerschaft etwas Ganzes geboten.

Nr. 2 sorderl eine Vertiefung der Ausbildung an den Seminaren derart, daß düs zu i. gesteckte Ziel in vollem llmsange erreicht toerden kann. Die Vertiefung der Seininar- plänc ivird ja auch sonst im Interesse der Hebung unseres Bolksschulwescns verlangt.

Nr. 3 will, daß aus den so vorgcbildetcn Lehrern die höheren Stellen des Elementarunterrichtsmesens, also die der Seminarlchrer und der Schulaufsichtsbeamte,i, besetzt werden. Nur zu diesem Ztvecke soll das Studium gewährt iverden. Di« jo ausgebildeten Lehrer strömen also in andere Berufe nicht ab; so wird dent Etementarlehrer zugleich eine wirkliche Laufbahn tut Rahmen seines Standes^ und seines Berufes eröffnet; so wird endlich erreicht, daß das Elcmentaruntcrrichtswescn demnächst im wesentlichen von Persönlichkeiten geleitet und ausschlaggebend beeinsliißt wird, die aus dem Elcinciltaruntcrrichtswescn hervor- gegangcn sind.

Nr. 4 endlich arbeitet auf eine Verbindung unserer verschiedenen Schule» hin. Es tvill den so nolweiidigen Kontakt zwischen Universität und höherem Schulwesen einerseits und dem Volksschulwesen andererseits Herstellen mit dem Ziele, zu ciucni einheitlichen nationalen Bildungs- Wesen zu gelangen.

Dcutiche Kolonien.

Eine Den kschrist deS Gouverneurs von D e u t s ch - O st a s r i k a ü b c r H a u s s k l a v e r,e i in D e n t s ch- O st n f r i! a ist vom Reick,skoloniolanit dem Reichstage z»e Kennt­nisnahme vorgclegt worden. Bckaiintticki hatte der Reichstag iin Vorjahre beschlossen, die Haussklaverei in Tcutsch-Ostasrika zum 1. Iuuuar 1920 auszuhcbcn Das Rcichskolonialamt hatte dos Gou­vernement beauftragt, Erhebungen darüber anzuftellcn, ob eine solche Maßnahme möglich und zweckdienlich wäre. Das Ergebnis dieses Auftrages lieg» nunmehr in der Tenkschrist vor. Diese gibt zunächst eine historische Darlegung der Sklaverei von ihren robe» Anfängen bis zu der jetzigen milden Fori» der Hörigkeit. Es wird hier sestgcstcllt, daß die Sklaverei auch in srühere» Feiten in Ost- asrika sich in milden Formen bewegte und daß die jetzigen Haus- jkiaven »aih Aushebung d-r Sklaverei in einem losen Hörigkeits- Verhältnis zu ihrem Herrn stehen, das jederzeit unter gewissen Bc- dingunaen gelöst werden tan». Auch die Kriegsgefangenen aus früheren Zeiten, die jetzt noch als Haussklaven Verwendung sindeu, leben unter recht günstigen Verbältnissen. Verlangt wird von de» Haussklaven nur eine geringe Arbeitsleistung, und sür die Summe von 515 Rupien ist der Haussklave in der Loge, sich loszukousen. Mißbandlungen sind ausgeschlossen, da in diesem Falle die Behörde de» .hörigen jotort sreisprechen würde. Tie Verhältnisse liegen zurzeit so, oaß viele Hörige eine Aenderung ihrer Lebcns- bcdiiigungen gar nicht wünschen. Da alle nach dem 3t. Tez. 1905 Geborene» in keinem Hörigkcitsverhällniisc mehr stehe,, dürscn, so toird die Zahl der Hörigen in absehbarer Zeit vollständig aus- qcstorben sein. Neuer Zuzug aus Nackibarkolonien jiudct nur in ganz geringe» Mengen statt. Alljährlich wird eine immer größere 'ach von Hörigen srciwillig sreigclassen. Ter Neger empfindet die versönliche 'Unfreiheit keineswegs lästig. Trotzdem ist eine berech­tigte Forderung der Hnmanität, daß diese Hörigkeit gänzlich be sestiql werde Die Frage ist nur, in welcher Weise dies durch,uiühren

ist »nd ob Erschütterungen des Schutzgebiets und Schädigungen seiner Bewohner dadurch vermieden werden können. Man muß sich gegenwärtig halten, daß der kleine eingeborene Plontagenbcsitzcr ohne arte gewisse Anzahl von Hörigen nicht bestehen kann. Nach einer im Schutzgebiet augestellten Erhebung beträgt die Gesamtzahl der Hörigen schätzungsweise 185000. Von Zählungen mußte ab­gesehen werden, um eine Beunruhigung der Bevölkerung zu ver- vieiden. Nach Ansicht des Gouvernements wird sich eine gänz I i dt c Beseitigung der Hörigkeit im Schutzgebiet bis zum I. Januar l920 nicht er in ü g l i ch c lassen. Es muß damit ge­rechnet werde», daß die gewaltsame Beseitigung der Hörigkeit zu A » i st ä » d c II sichren kann, die mit Opfern verknüpslZverdrir, die in keinem Verhältnis zur Dichtigkeit der Frage stehe». Tic Verwal­tung wird cs sich angelegen sein lassen, nach Möglichkeit ein s cd » e l l e r c s Tempo in der Hörigenbesrcinng bcrbeizuiührcw und wlistige geeignete Mastrcgeln zwecks schleunigerer Beseitigung der Hörigkeit ergreifen, sofern dies ohne Beunruhigung der Bevöl­kerung möglich sein wird. Wollte man die Haussklaverci jetzt aus- hcben, so müßte man reichliche Entschädigungen gewähren und würde trotzdem noch die Existenz vieler kleiner farbiger Pslanzungs- bciitzer gesübrde» Eine plötzliche Freilassung sämtlicher Hörigen würde dem Gouvernement die Vcrvslichtung auserlegen, diese Frei­gelassenen unterzubringen oder zu versorgen. Die Frcilassungs- aktion wütde zurzeit eine Summe von über 8 Millionen Mark cr- sordern und im Jahre 1920 noch mehr als 5'/-Millionen Mark. Es würden dem Reiche also bedeutende Kosten auserlcgt toerden, die ge- wissermaßen zwecklos sind, da die Haussklaven nach ihrer Frei­lassung als Plantagenarbciter unter de.: gleichen Verhältnissen leben würden wie jetzt. Tie bisher dargclegten Folgen, die mit der gänz­lichen Beseitigung der Hau-ssklaverei verbunden iiild, betreffen ledig - lich wirtschaftliche Nachteile und sinanziellc Aufwendungen, die die Tnrchiührung der auf ethischem Gesichtspunkte beuchenden Maß­nahmen trotzdem nicht ausschlicßcn würden. Nach Ansicht der Kenner würde solche einschneidende Maßnahme eine sehr starke Unznsricden- heit bei den Betroffenen Hervorrufen. Durch die Aushebung der Haussklaverci würde eine große Reihe von wohlhabenden Existenzen wirlschaitlich vernichtet »nd in da- Lager der Unzutriedenen ge­trieben. die bis jetzt injotgc ihres Besitzes an dem ruhigen Fort- bcstgnd der deutschen Herrschaft interessiert waren. In den Bezirleu. ltl denen die Arbeit der Hörigen nocki sür weitere Bevölkeruugskreisc die Ivirtschastliche Grundlage darstcllt, ist mit einer derartigen Er­regung und Mißstimmung der Hörigenbesitzer lind ihrer Familien uzid Stammesgenossen zu rechnen, daß die ernstesten volitischen Ge­fahren daraus zu besorgen sind. Es erscheint keineswegs ausge- schlosscn, daß bei einer solaum gleichzeitigen tiesgehenden Beunruhi­gung weiter Gebiete der Kolonie unmittelbar aus dieser Veraiüas- sung oder aus sonstiger Ilesache entstehende Unruhen von zunächst lolatcr Bedeutung aus dem Boden dieser Mißstimmung sich zu cincni großen Ausstand auswachsen könnten.

Aus allen diesen Gründen schlägt das Gouvernement vor, eine Beseitigung des Hörigkeitsverhältnisses zu einem bestimmten Ter­mine nickt vorzunchnien. _

Ar»» Hessen.

AusdieBorstellungdesLandesverbandes der Bürgermeister der Landgemeinden betref- scnd die Protokollierung der Jmmobiliarver- äußerilngsvcrträgcdurchdieOrtsgerichtehat Großh. Ministerium der Justiz dem Ausschuß der Zweiten Kammer milgetcilt,

daß die Angelegenheit, die mit der Einrichtung des stiotarials in engem Zusammenhänge steht, mit zum Gegenstände der in der Sitzung der 2. Kämmer vom 2l.Mai v. I, lProt. 71 S. 2007) seitens der Regierung in Aussicht gestellten Tenkschrist über die EiitwickelungdesNotariatsinHessenunddic Ein - lommens- und Gcbührenvcrhältnisse der Notare gemacht werden soll und cs sich daher empiehlen dürste, vorerst von einer Be­ratung der Angelegenheit im Ausschüsse abzusehen. Die Denk- schrist wird voraussichtlich in der ersten .Halste dieses Jahres denr Ausschuß zur Berciniachung der Staatsverwaltung vorgclegt wer­den". Der Ausschuß beantragt daher, die Vorstellung vorerst sür erledigt zu erklären.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 25. Februar 1914.

** T ie Fleischpreise in Gießen. Tie Preise, die im Januar 1914 in Gießen sür Fleisch bezahlt wurden, stehen im Hinblick zu den Fleischpreisen der übrigen Städte Hessens ini großen und ganzen ans einer mittleren: Basis. Es wurden be,zahlt für Ochsenslcisch 92 bis 100 Psg. sür das Pfund ,bic übrigen angegebenen Preise betragen

Kunft, Wissenschaft nnd Leben.

Eine denkwürdige G e u c r a ls w o h n u n g. Aus Kassel schreibt mau uns: Ter vor Kurzem zum komm:» dicrcnden General des ll. Klrmcckorps in Kassel ernannte Gc- ncralleutnaiit Otto von Plüskow bat nunmehr seine Dienstwoh­nung, ein altes, schloßartigcs (öcbändc an derSchönen Aus sicht" bezogen, an das sich manck^ historische Erinnerung knüvst. Ter langgestreckte Bau wurde im Jahre 1709 als Palais sür den Prinzen Georg von Hessen errichtet und erscheint äußerlich durchaus ja, säst nüchtern. Seine Lage ist icdoch

überaus reizvoll. Von den Fenstern des Schlosses blickt man aus die alten rauschenden Baumkronen des schöllen Kärlsaue- Parkes hinab, der sich immiitclbar am Fuße des hochliegcnden Gebäudes ausbreitet. Weiter sckuveist das Auge meilenweit über daS herrliche Fuldatal hinivcg bis zu den im .Hintergründe aui ragenden malerischen Konturen des hessischen Berglandcs mit dem KaufflNger Wald und deni Mcißnergebirge. Seine bedeut­samste Rolle 'vielte das ehemalige Prinzenvalais zur Zeit der sranzöilschen Frenidherrichait in Kassel. Im Jahre 1811, wäll rcnd derlustikc" Westsalcnkönig Mröme in der kurhesslschcn Hauptstadt das Szepter führte, brach in dem alten ehrwürdigen, unmittelbar an der Fulda gelegenen Schlosse des Landgrasen Philipps des Großmütigen, das dem König Jöröme als Hosiitz diente, eine gewaltige Feucrsbrnnst aus, die den schöllen Bau satt voltftändig in Asche legte. Da Mrämc aut Anraten seiner abergläubischen und furchtsamen Gemahlin einen Wiederaufbau des landgrätlicheu Schlosses nick.t vornchinen wollie, war er ge­zwungen. sich einen anderen Aufenthaltsort zu suche». Seine Wahl siel auf lenes schlichte Gebäude an derSchönen Aus­sicht", dessen prächtige Lage cS ihm angetan hoben mochte. Hier verbrachte der König Westfalens die beiden letzten Jahre seiner kurzen Herrlichkeit, bis ihn 1813 die anrnckendcn russischen Truvven sür immer aus Kassels Maueni vertrieben. Tie Welt­geschichte ist eine lauucnhaste Dame: dieselben Gemächer, in

denen zu Zeiten der tiefsten Erniedrigung Deutschlands der tlalter hasic Sinn des tremdcn Herrschers ein galantes .Hoslcbcn von verschwenderischer Pracht entfaltete, sie hallen I>cme von den derben Tvitten biederer Zicbleute wieder, die keuchend die Möbel eines Armeebcsehlshabers des geeinigten deutschen Kaiserreiches an die Wände rücken ! Be, dieser Gelegenheit mag übrigens MN iranzöiiichcs Scherzwort über den neuen Bewohner des Jerome- Palais angebracht sein., Als Herr Plüskow vor Jahren il^Paris an der Beerdigung eines Präsidenten der französischen Re»u btik lcilnahni, erregte der Offizier durch seine gewaltige Körper­

größe str mißt 2,18 Mir. nicht geringes Anffchen. Irgend rm geistreicher Panier vräqtc damals in auirichtiger Bewun­derung dieser Hünengestalt das hübsche Worlipiet: Ma soi! Monjicur Plüskow est vlus gu'haut!

_ Krebsbckäinvsung in Oesterreich. Aus Wien

rd der Münch. Med. Dochenschr." geschrieben: Die Witwe und be» des Hcrrn Karl Wittgenstein haben der österreichischen sellschast sür Erforschung und Bekam vsnng der eebsirankheit die Summe von ti0t>000Kr. gespendet m,l - besonderen Widmung fflr die Pslege und Behandlung unbemit- Krebskranker. Die Oesterreichiichc Krebsgescllschait verfügt

-i,s Fiber ein Vermögen von nahezu

_ gii»e Handschr>kt des Königs Renä ent­deck, In der Petersburger laiscrlickwn Bibliothek, in der aus Grund einer besonderen Erlaubnis deS Zaren das Mitglied des sianzöiischen Institutes Gra, Pmil Durric» gegenwärtig archi- valiiche ^ludien unter den sonst nicht zugänglichen Handschniten vornimmt ist von dem sranzösischen Forscher cm interessantes Dokument cMdcckt worden: nne ausgezeichnet erhaltene Handschrift des in der Sage und in, Volkslied io berühmtenguten König Rcnö" der Provence. Tie Handschrist, die mit historffch inler- cssanten Jktuminalionen vcriehcn ist, gcht eine ungewöhnlich ein gebende Mw an iciietndcn Einzelheiten reiche Schildcrmig eines 14-10 vom König Ren« veranstalteten großen Festtourniers.

_ Elektrisches Lickt und Augen krau kheit. Die

beiiviclfosc Entwicklung der Belcuchtungsindustrie ini 19. Jahr­hundert hat derartige Uinwalzunqen geschaffen, daß die Wirkung dieser Erscheinungen aut die Augen immer eingehender beob- ackuct wird. Wie Dr. Lochmüllcr in eikß:m Aussatz der neuen bei Eugen Ticdcrichs erscheinenden Zeih'christWodllaHrt und Wirtschaft" berichtet, hat 'ich kürzlich Sanitätsrat Schanz aut Grund eingehender Studien über die Schädigungen des Auges durch die neuesten Beleuchlungsiormen ausgcsvrochen. Nach seinen Beobachtungen üben Lichtstrahlen, welche durch Bestandteile des Auges abiorbicrl oder verändert toerden, aut das Auge vhhsio. logische Wirkungen -US, die sich in ihrer stärksten Form alz Schädigungen erweisen. Als solche Lichtstrahlen kommen vor allem die kurzwellsgen, also die ultravioletten Strahlen in Betracht. Tic Netzhaut wird zwar von diesen Strahlen nickt crrerckit, aber es entsteht in der Augcnkammcr eine diffuse Beleuchtung, die eine Bcrrfngcruug der Schlchärfe und eine Ermüdung des ganzen Auges im Gefolge hat. Ter graue Star i» höherem Lebens­alter dürste m vielen Fällen eure unmsttclbare Folge jenes.

kuizwelligcn Lichtes fein. Es handelt sich dabei zumeist um Fälle, wo der Erkrankte beim Licht einer starken Bogenlampe oder einer Metalliadenlamvc zu arbeiten genötigt war. Es ent­stand zmiächst ei» Lichtkatarrh, dessen Heilung durch Entsernung der schädigenden Lichtcinslüffe und Schutz der Augen durch Eu- vhosglas erzielt wurde. Jedcnsalls ist die alte Petroleumlampe, die überhaupt keine Strahlen unter 360 Millimeter Wellenlänge ausiendet, vom hhgienischcn Standpunkte aus den neueren Licht­quellen weit überlegen. Bon anderer Seite wurde ausgciührt, daß die schädliche» Wirkungen des clcltrncheu Lichts dadurch aujgchoben werden können, daß die Lichtauclle dem Auge verbor­ge, l wird. Es muß also die halb- oder ganzindlrektc Belcuchtang »acki Möglichkeit bevorzugt werden. In Krankenhäusern läßt man heute vielsach das Licht durch dünne Marniorschcibcn in den zu beteuchtendcu Raum sollen, wodurch eine sehr milde und gesunde Helligkeit erzielt wird. B,

DictcucrsteBrfefmarkcdcrWelt. Ae teuerste Bticsmarke der Welt ist keineswegs wie viele Freunde der Philatelie vielleicht annchinen die berühmte 2 PennyPast offne" von Mauritius, von der das schönste Ereuivlar, das 1904 in London mit 29 000 Mk. bezahlt Ivnrde, sich in der Samm­lung König Georgs von England besindet. Die kostbarste Marke ist eine 1 Cent-Marke von British Gnjana, eine provisorsschc Marke aus dem Jahre 1856, von der anscheinend nur ein ein­ziges Excmvlar erhalten ist. Der Markenvorrat der Kolonie war eiichövst. die aus England bestellte Markcnscndung verzögerte sich, und so sah sich die Poswcrwaltnng von Glljana vlötzlich »or die Notwendigkeit gesetzt, provisorische Marken auszugebcn. Man druckte sie in der Zeitungsdruckerei: das erhaltene Exemplar zeigt den Zeiiungsdruck: als Zeichnung liebt man in der Mitte eine tleinc Vignette, die ein Segelschiff darstcllt: es war das Klischee, das das Lokalblatt vor die Inserate von Reedereien zu setzen pflegte. Tas einzige bekannte Ercmhlar dieser seltenen Marke wurde vor Jahren von einem jungen Sammler aus Gujana unter alten Familieiipapicren entdeckt. Es befindet sich heute in der Samm­lung la Renoliere in Paris, der grüßten Markensammlung der Welt. Der Preis, den Philipve de la Rcnotierc sür dieses Uni­kum anlegtc, ist nie bekannt geworden. Bei der heutigen Lage aus deni Bvieimarkenniarkt würde diese 1 Cent-British Gujana von 1856 mühelos 40 000 Mk., höchstwahrscheinlich aber noch mehr erzielen. Dabei handelt es sich um ein sehr mäßiges Exem- vlar mit etwas verwischtem Druck, aber trotzdem: es ist die: seltenste Btarkc der Welt.