Ausgabe 
25.2.1914
 
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Nr. 47

Ter Alt zeigte

erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich »iltzemr.samiliendläNcr; zweimal wöchentl.llreir! tzlall kür den Lreli Gieße» iTiensiag rmd Freitags; zweimal monatl. la»i> airtschastkich« Seitsrag«» Fernsprcch - Anichllhse: lür die Redaktion NL, Verlag ». Expedition öl Abreise lür Depeschen: «»teiger «leie», ktnnahme von Anzeige» lür die Togesnummer bis vormittags 9 Uhr.

Erster Blatt

Giehener

*64. Zahrgang

Mittwoch. 25. Zebniar *9*4

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General-Anzeiger für Oberhessen

Rotaticns&ni<f und Verlag -er vrühl'schea Unio.-vlKio und Steindnitterei «. Lange.

Be,»»»»reis:

>»onatIich7öPiv>crlel- jäbrlich R!k, 2.29; durch 'Abholc- u. Ziveigstellen inonatlich chj.; durch diePost M.2. viertel» jährl. ausschl. Bestillg, Zeilenpreis: lokal löPs, ausivärts 20 Pienniq. Cheiredakteur: A. Goetz. Verantwortlich sür de» polst, Teil: Aug. Eoey; sür .Feuilleton", .Ber­ti,ischlcs''und.Gcrichts- saal": Karl Neurath; lür .Stadt und Land":

. _ .... . _ . . ., . _ Kurt Bendt; für den

RedaMan, Lrpeditlon und Druckerei: Schulftrahe 7. Anzeigenteil: H. Beck,

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Tageskalcnder an» dem Jahre 1814.

25. Februar: Beratung der verbündeten Monarchen über die Fortsetzung der Bewegungen ihrer Heere. Blücher drängt zum Bormarsch auf Baris.

Die böhmische Krifis -

eine österreichische Krifis.

Aus Wien wird uns vom 23. d. M. geschrieben:

Der ö st e r r e i ch i s ch c B a r l a m e n t a r i s m n S und das K a b r n c t t S t ü r g k h sind wieder einmal ans den toten Strang geraten, woran in erster Reihe die Opposition der missvergnügten Tschechen schuld ist. Tic Rcgscrung aber hat in diesem Fall wieder zu senem Mittel gegriffen, welches seit einigen Jahrzehnten die lchte Zuflucht säst aller öster­reichischen Kabinette war, nämlich die sogenannte Versöhnung der Tschechen selbstverständlich aus Kosten der Deutschen, die inan in der Donaumonarchie durchaus zur Rolle des Ambos; iür den tschechischen Hammer verdammen will. Um die Parlamcntsmaschinc im österreichischen Abgeordneten hause flott zu machen, hatte Graf Stürgkh die seil vorigem Frühjahr zum Sttllstand gckomniencn dcutsch-böhmi schenBusglcift) sverhandlugi gen wieder ausgcnom men, was ja an udi durchaus erfreulich war. Rur das; sie den Rainen nicht verdienen, denn von einem Ausgleich kaun leine Rede sein, da Gras Stürgkh mit seinen Vorschlägen den Tschechen soweit cntgcgengckonimcn ist, das; ihm zu tun fast nichts mehr übrig bleibt.

Das Verhalten der Regierung ist um so unbegreiflicher, da die Tschechen durch den Zusammenbruch der böhmischen Landesautonomie und die Einführung der staatlichen Vor­mundschaft einigermaßen mürbe geworden zu sein schienen, während die Deutschen ihrerseits den Forderungen der Tsche chcu soweit cntgegcnzukommen bereit waren, als sic es mit den Grundsätzen der Erhaltung des Deutschtums überhaupt nur vereinen konnten. So glaubte man bereits, daß der Bo­den für eine Wiedcrausnahme der Ausgleichsverhandlungc», für einen wirklichen Ausgleich geebnet sei, als der Statthalter van Böhmen, Fürst Thun, unter Assistenz des Minister­präsidenten Grafen Stürgkh plötzlich mit den neuen Vor schlagen hcrvortrat, die eine vollständige Kapitulation der Regierung vor den Tschechen bedeuten.

Während die Deutschen verlangten, daß zunächst die nationale Abgrenzung in Böhmen durchgesührt werde, lehnte die Rechnung diese Forderung rundweg ab, obwohl doch Fürst Thun in seiner Hcrrcnhausredc vom Juni Ittltt aus drücklich zugcstanden hatte, daß ein geschlossenes deutsches Sprackigebiet in Böhmen bestehe. Dagegen wurden die For dcrungen der Tschechen in Bezug aus die Bestimmungen über die Amtssprache der laudcsfürstlichen Behörde» und bei den Postämter» restlos erfüllt und ihnen zugleich die Landes­hauptstadt Prag, in der die Deutschen zwar nur eine Mindcr licil, aber dorb das bei wcitein wichtigste, das ganz über­wiegende Kulturelcment darstellen, bedingungslos ausgelic- iert wurde. Während in allen bisherigen Ausgleichscntwür- ien der Regierung an der Zweisprachigkeit Prags festgehalten wurde, erklärt der Entwurf des Grafen Stürgkh dasgol­dene Prag" als eine tschechische Stadt mit ausschließlich tschechischer Amtssprache. Das heißt, der Gemeinderat soll 'bas Recht haben, die tschechische Sprache nicht nur im innern Dienst, sondern auch im äußeren Verkehr ausschließlich zu gebrauchen, mit der einen Einschränkung, daß den Eingaben von deutscher Seite, die ebenfalls in tschechischer Sprache er ledigt werden sollen, eine deutsche Uebersetzung beigesügt wird. Das heißt also, daß die deutsche Sprache in Zukunst als aus­ländisches Idiom behandelt werden soll.

Eichener Stadttbeater.

Wie einst im Mai.

Gießen, 25. Febr.

Anders als bei uns daheim am Rhein gur.ln hier in den Adern das Blut, und mir wie ein sanftes Plätschern veredln hier in Obcrhcssen die Flut der karnevalistischen Fessellosigkeit, die am schönsten dcitzschen Strom drei volle Tage lang, ja vo» Neujahr ab in hochgedenden Wogen dahin rauscht. Man versteht hier kauni die unbändige Lebenslust, die til dem Rheinländer lebt, und doch war gestern abend eine Stimmung im Theater, die einen, wenn auch nur leise, an die srühlichcn Faschingstage daheim erinnerte. Beim Vorspiel zum dritten Akt suinmtc da­raus sogar die Melodie mit, und immer stärker iourüe der Bei lall, der ebenso dem Stück als auch der in jeder .Hinsicht ladcl- loicn Auttübrung gegolten hat.

Herr Goll hatte sich zu seinem Ehrcnabcnd die wirklich nied­liche und liebreizende Posse WiccinstimMai ausgewählt, die augenblicklich ihren SiegcSzng über die dcutickicn Bühnen macht und überall bombcnvollc Häuser erzielt. Tic Direktion batte dazu noch alles getan, in» die großen Ansprüche an die A»s- siattuna »nd die Kostümierungen z» befriedigen, so daß schon das äußere Bild der einzelnen Auszüge ungemein '.eizvoll und auch geichmockooll ivar. Und wie lieb sahen die Mädchen aus in ihren Bicderincicrkleidcrn, im Reisrock, mit dcni cul de Paris und der Tonrnürc Und Leben war in der Darstellung, Tempo, Lust...

Vom Jnbalt >ci nur verrate», daß cs ftck, um e,u junges Liebespaar handelt, das nicht zueinanderkommen kann: aber »ach 75 Jahre» werden beider Enkel ein glückliches Paar. Dazwischen lausen allerhand Handlungen und Geschehnisse, die die beiden Verfasser Bcrnaucr und Scha nzc r , meist gut crsnnden und glücklich gesägt haben, und Walter Kollo und Willy Bred schneider haben dazu eine Musik geschrieben, die zwar Nicht immer durchaus originell, aber flüssig, zierlich und anmutig ist . Dazu kommen dann noch einige Tanzeinlagcn und ein bißchen Sentimentalität, so daß auch bei einer ivernger sorg­fältigen Darstellung, als wir sic gestern sahen, der Erfolg ge­macht ist. Herr Goll, der zugleich sein 25jährigcs Bühnen - jnbiläum feierte als Regisseur, und Herr Adam als Dirigent, lauten sich des Werkes mit großer Hingabe angenommen »no eine Ausführung zuwege gebracht, die auch cincin weit größeren

Diese geradezu skandalöse Begünstigung der Tschechen hat die d e u t s ch - s o r t s ch r i t t l i ch e P a r t e i B ö h in e ns zu dein Entschluß veranlasst, sich an den AuSgleichsvexhand- lungcn nicht mehr zu beteiligen, und auch bic anderen in der Ausglcichskonferenz vertretenen deutschen Parteien, die Radikalen und die Agrarier, haben die Vorschläge der Regie­rung sür ganz unannehmbar erklärst. Run hat freilich der Deutsche Ralionalverband eine .Hilfsaktion ins Werk gesetzt, indem erdas Zustandekommen der Verstän­digung für absolut notwendig erklärt, allerdings wenn nötig auf anderer als der von der Regierung vorgeschlagcnen Grundlage". In den deutschen Kreisen ist inan einigermaßen erstaunt über die zahme Sprache der Erklärung, und inan meint, das; diese Rettungsaktion sür das Kabinett Stürgkh auf die Haltung der deutsch-böhmischen Abgeordneten, die ja auch die Aktion nicht milgcmackil haben, kaum vou Einiluß sei» wird. An die vielfach verbreiteten Gerüchte, daß Gras Stürgkh den böhmischen Ausgleich und eine Landlagswahl- rcform oktroyiere» wolle, glaubt man aber in den unter- richlelen politischen Kreisen nicht, und inan meint vielmehr, das; die Regierung mit neuen Vorschlägen kommen wird, nachdeni sic die Tculschen durch ihren jetzigen Entwurf niürbc gemacht zu habe,; glaubt.

Welches aber ist der Grund sür die tschcchensreuudlichc Schwenkung des Kabinetts Stürgkh? Allgemein heißt es, er liege darin, daß man auf diesem Wege nach dein Wieder- zusainmeutritt des Reichsrats im März die tschechische Obstruktion gegen das Wehr ge setz und die Anleihe zur Ruhe bringen will. Aber in Wahrheit spielen hier Motive der auswärtigen Politik mit. Die unter dem Kabinett Goremhkin esugeschlageiie osfensiverc Po- litit im Zarenreiche bat die leitende» Kreise mit Besorgnis erfüllt, und es ist aus die^in Anlaß, wie wir verraten können, das Schlngwort gcnilleu:Wir müssen uns zusriedene Slave» schassen!" Also um die na tional unzuverlässigen Tschechen zu versöhnen, was bei deren Begehrlichkeit doch nicht gelingen wirft, stößt man die zu­verlässigsten Elemente der Monarchie vor de» Kops, schasst inan nuzusriedene Tentsche! Wenn dieser staatsgesähr lickicn Politik nicht noch in zivölster Stunde Einhalt getan tvird, dann würde das nickii nur das Ende des Kabinetts Stürgk, sondern cs könnte auch leicht de» Ansang vom Ende sür die Donaumonarchie bedeute», die mit dem Deutschtum steht und fällt!

ScMtfdK» Reich.

C i» preußisches Gr u n d t c i l u n gs g e sctz. Tie ,,'Rordd. Allg. Zstst." veröfieutlicht einen Auszug aus dem Entwurf des preußischen GrnndteilungSgesetzes, daS dazu be stimmt ist, der planlosen Zerschlagung länd und forstwirt schaftlicher Besitzungen cntgegenzutreten und andererseits eine der Allgemeinheit nützliche Zerteilung solcher Be­sitzungen, die zur B e r m e h r u n g d e r b ä u e r I i ch e n und Kleinbetriebe aus dein Wege der inucren Kolonisa-» tiou sührt, zu fördern. Ter bereits von der Thronrede angc- knndigte Entwurf geht dem Landtage in allernächster Zeit zu. Die Hauptbcstimmung des ersten AbsckmittcS besteht darin. !daß die Zerschlagungen, die von gewerbsmäßigen Grundstückshändlern und Vermittlern vorgenommcn wer­den. künftiqhiii der Geuehintguug des Regierungspräsi­denten unterliegen sollen. Slußcrdem wird unter gewissen Bedingungen dem Käufer das Recht ciiigeräumt, vom! Vertrage zurückzutrcte.n. Ter zweite Abschnitt schlägt zur nninittelbaren F ö r d c r u g d c r K o l o n i s a - tion verschiedene, Maßnahmen vor, besonders ein gesetz­liches Vorkaufsrecht sür den Staat, um die Be- sckiassimg von Land für «nsiedlcrstellen zu erleichtern: ferner cntlsält er Vorschriften, die die Regelung der bypotbckarischen

Theater als unscrcm alle Ehre geniacht hätte. Herr Goll, dem bei seinem Erscheinen außcroiftentlich zugejubclt »mrdc. spielte den stets heiratsbereiten StanislanS von Metbuialeni, der ihm io recht Gelegenheit aibt, alle seine Vorzüge in das beste Lickit zu rücke» mit unnachahmlichem Schliit u»ft feimtcr Ausarbeitung.

war eine Leistung, an der man seine helle Freude haben konnte, und die Zuschauer wurden denn auch nicht müft, ihm immer auiS neue Beifall z» klatschen. Eine für Gießen ungeheure Zahl von Kränzen Blumen und sonstigen Angeblichen wurde am Ende des zweiten Auszuges aus der Bühne au,gestapelt. Am Vormittag war scholl eine kleine Feier im Theater v>-ra»stallet ioordcn, bei der Herr Tircltor Tlcingocttcr dem Jubilar eine wert­volle Gabe mackste, dem sich Herr Geheimrat Fromme für die Theaterkommission und den Dheateroerein. sowie Herr Eon- radl'sür das Personal mit Ehrengaben anschlosicn.

Auch die übrigen Leistungen standen aus einer lehr achtbaren Ttuse Frl Martini jchns in allen,Altersklassen" eine liebe, >üße Ottilie. Ihre Lieber waren von cinenl so glockenklaren Klang beseelt und waren so sein und sauber gesungen, wie man es sich nur wünschen kann. Ein klein wenig lauter hätte das Liedchen des Groß- inüilcichenS sein dürfen. Wir boisen. daß die Künstlerin auch im nächsten Winter hier recht oft Gelegenheit haben, ihr? Fähig­keiten zu entfalten. Ein prächtiger Kerl war natürlich auch Herr Gro s s e r als Jütcrbog,Z>er sich zusammen mit Frl. Martini manchen Sondereriolg holte. Schade, daß uns der vielseitige und gewissenhafte Künstler verläßt, dem wir io nianchc heitere Stunde zu verdanlcn haben. Eine blendende Angostura schuf Frl. Else Jüngling, unsere beliebte, ehemalige Soubrette, die nun im kommenden Winter hier alskomst'chc Alte" weiter wirken wird. Vorderhand war sie alskomische Junge" noch sehr.lieb, nno man konnte cs durchaus verstehen, daß Stanislaus von Methusalem sie zum Anbeißen nett sanft. Das Lied von Haiti, das sie zusammen Niit Herrn Grosser sang, iand lebhaften Bcisall und wurde wie man­ches andere z. T. wiederholt.

Reben den Sängern konnten iich auch die anderen Darsteller wacker behauvten. Herr B o l ck zeichnete den Juftizrat Pergamcnter, sowohl den alten wie den sungen, mit liebevollen, bedächtigen Strichen. Herr Schubert svieltc den Obersten mit bärbeißiger Entschiedenheit., Als Ernst Cicero eriüllic Herr S t e i ,1 h o s e I völlig seine Ausgabe. Frl. Nathusins war eine wirkungsvolle, drollige Erzieherin. Frl. S t c t t n e r ichus eine allerliebste Wcancrrn, Frl, T a g n h eine liebe Lera. Zu erwähnen ioärcn noch

Verhältnisse bei Verkäufen von GruiidstückSteilen erleichtern- solle», endlich zur Förderung der Bildung von Rentengütern die Erhöhung der staLllichcii Reiitenbanklredite nuf Rcun- zehntel des Taxwertes und die Bereitstellung von 75 Mil­lionen zur Gewährung von Zwischenkrediten.

KutldllO.

Ein entscheidender Tag in der franzö­sischen Kan, nt er. Tic Sozialisten und Radikalen in Frankreich, die voll dem Kabinett Touuierguc noch keine be- stiuimtc Erklärung darüber haben, ob au der dreijährigen Dienstzeit unter alle» Umftäudcn festgehaltcn ivcrdeu soll, hatte» sür die Sitzung der Kammer am Montag beantragt, einen parlamentarischen Ausschuß cinzusetze», der damit bc- traul ivcrden sollte, die gesundheitliche» Zustände im Heere, die Ursachen des hohen KraiikcnbcstaiidcS und der vielen Todesfälle, aufzullärcu. Da daS Kabinett auch die rechte Seite des Hauses mit einigem Mißtrauen erfüllt hat, so war inan gespannt darauf, ob es zu einem Sturz des Ministe­riums kommen werde. ES ist aber alles ganz anders ge- loiniiicn als lua» erwartet hat. Ministerpräsident D o u - in e r g u e crllärte, er habe nichts gegen die Annahme des Antrages Augagneur-Jaures zur Einsetzung eines Untcr- süchungsausschnsses über die Gesundheitsverhältnissc dcs Hccrcs, da dieser Antrag nach der ausdrücklichen Versiche­rung eines der Eindringer, des Herrn 'Augagncnr, kein Miß­trauen gegen die gegenwärtige Regierung in sich schließe. Als dann der geinäßigtc Republikaner Herr 2lbcl Ferro den Gegen an trag cinbrachte, mit der llntcrsnchung der Gesundheitsverhältnissc nicht einen eignen Ausschuß, son­dern den ständigen Kammcrausschuß für das öffentliche Gesßndhcitstvescn zu betrauen, crttärtc .Herr Doumerguc, cs sei ihm ganz gleichgültig, ivelcher der beiden t'lnträge ange- noinnien werde, er seinerseits fe;i auch mit dem Anträge Ferr» einverstanden. Run schickte sich aber Herr Mille- rand an, das Ministerium in die Enge zu treiben und den Beweis zu führen, daß der Antrag Äugaaneur-Jaures, wenn auch nicht gegen das Ministerium, so doch in Wirklichkeit gegen be» dreijährigen Dienst gerichtet sei. Herr Augagncur erlannle scharfsickitig die Absicht des Herrn Millcrand, die Erörterung, die sich bis dahin ausschließlich aus dem Ge- Riet der Gesundheitspflege gelialten hatte, auf das politische Gebiet hinübcrzusptelen und er entzog Herrn M.illerand ge­schickt den Boden, tiidcin er nach seinen ersten Sätzen ans seine,ii Platze aufstand und ries:Ich ziehe unseren An­trag zurück und schließe mich vorbehaltlos dem Slntrage unseres Kollegen Herrn Abel Fern; au!" Herr Millerand starrte den Rufer verdutzt an, sagte kein Wort und verließ hastig die Rednertribüne. Die Abstimmung über den nun­mehr allein übriggebliebenen Antrag Jerru trmr unter sol­chen Uniiständen eine bloße Förmlichkeit. Von 410 au der Abstimmung teilnehmenden tzlbgeordnete» stimmten 385 sür seine Annahme und nur 25 geiwn sie. Das Gewitter hat sich verteilt und daS Ministerium kann einstweilen seine Reise ins Ungekannte ruhig fortsetzen.

Die Ausländer in Mexiko. Ein Telegrainm aus El Paso meldet: Der Engländer Lawrence, der nach den bisherigen Berichten aus Mexiko vermißt würbe, ist in Imperial Valley anfgesundcn tvorden: das läßt glauben, daß ,'ciu Begleiter E u r ti s wohlbehalten sich in den Bereinigten Staaten befindet. Von Harry Comp ton, der »o den amerikanischen Behörden gesucht wird, hat man leine Spur. DieTimes" teilt ein Interview mit, wonach Villa in Ehihuahua erklärte, er habe den Deutsch - Amerikaner Busch am Donnerstag freigclasscn. Rach einer halbamt­lichen Rachrickit aus 'Washington haben Java» und Frankreich beschlossen, Secsoldaten in Mexiko zu landen, die als Wache für die Gesandtschaften dienen sollen.

die Herren .Höcker als Heinrich und Grosser-Braun als Obcrinqcnicur, sowie Frau 2 o n n l a g - B l n ni c, Frl. L i n d c ck »nd Frl. Rabe.

Tie von Herrn Kavellmeister Adam ausS sorgiältigstc acleitetc Miliiärkavellc solyic den Absichten ihres Leiters mit peinlicher Gc- nauigleit und zeizte auiS neue, daß sic sehr sein zu musizieren ver­steht und auch größere Aufgaben sehr wohl zu lösen vermag.

*

Rack dem Theater setzte sich der Abend in den überfüllten Cafes fort. Lustschlangen, Konfetti, iungc Schönen »nd andere, fröhliche Worte und ftarllberhin die Töne eines Walzers durch das nn bestimmbare Rauschen der Stimmen. Konfetti, bunte Blättchen, die wie irohe, lichte Gedanken sind, rieselt und rieselt .... Das war in Schöneberg im Monat Mai . . . die ganze Rächt durch klingts. Und dazwischen immer wieder Konsclti »nd Lustschlangen und Kon­fetti ...

Heute liegen die bunten Pavicrsch;iitzelchcn achtlos aus dem Boden, in den Bäumen ivchen noch einige iarbige Fetzen . . . von gestern. Alles schon wieder vorbei, und achtlose Füße schreite» über die bunten Flittcrchcn. die warme, loeiche Hände fröhlich gestrudelt haben. Gestern . . . Das war in Tchöncbcrg, im Monat Mai.

X.

Die (Erfolge der Methoden Abderhaldens

AuS Halle a. S. wird uns geschrieben: Bekanntlich hat der Prosessor für Physiologie an der Universität Halle, Emil Abder­halden, eine Methode bekannt gegeben, durch Untersuchung des Blutes die Schwangerschast scstzustellen. Aus Grund entsprechender Erwägungen kam er weiterhin zu einem Bcrsahren, ans dem Blut das Bestehen einer Krcbscrkranlnng zu diagnostizieren, sowie ge­wisse Ansichlüsic über Geisteskrankbciien z» erhalten. Tic Grund­lagen dieser mit großem EmbusiasmuS begrüßten Entdeckung bil den die Umersuchungen über die Schwangcrschastsdiagnoien. In der letzten Nummer derDeutschen Medizinischen Wochenschrsst" be- richtelc nun Prosessor Dr. L. Michaelis in Berlin über Versuche, die die Methode Abderhaldens nichtocinmal in ihren grundlegende» Prinzivien bestätigen. Michaelis behauvtetc, daß auch mit iedler- ireiem Untcrsuchungsmatcrial falsche Ergebnisse erzielt würden. Unter den Proscssoren der medizinischen Fakultät der Unioersilät Halle bat dieser Aussatz qroße Entrümtng hcivorgcruscn. - 2 >e er­klären, das; Abderhaldens Methode in sämtlichen NnioersitätSNiNlien