Einzelbild herunterladen

Nr 44.

Erschein! tiqlich mi! Aufnahme de? Sonntags.

164. Jahrgang

Tie ..«ietzencr Z-mi!iendlätter" werden dem .Anzeiger- viermal wöchentlich beigelegt, da? Knttblait fSr Un Kttts fiiejen zweimal wöchentlich. Dielandivirlfchistllcheii Kett- sragei!" erscheinen monatlich zweimal.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

Samstag, Ä1 Jebrnar 1614

Rotationsdruck und Derlag der Drübl'ichen Unwersitäis - Buch- und Stcindruckerci. R. Lange, Gießen,

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Derlag: e^höl. Rcdaktion: ^»S I12.TeI.-!!IdrrlUnje>gerGieben.

Mb. Deutscher Reichstag.

210. Sitzung. 20. Februar 1914.

Olm Tische bei Bunde-rntS: Staatssekretär b. Tirpitz

Präsident Dr. Keemvf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr.

Kleine Anfragen.

Abg. Blunck (Bp.):

Dre Arbeitgeber derjenigen VersicherunyLpflichtigen, die Müglreder einer zugelassenen Ersatzkassc find. haben ihren Bei- rragsanteil weiter an die Krankenkasse zu zahlen. Der Bundes- rat darf aber anordnen, daß die Krankenkassen diese Beträge zu wer fünfte ln an die bctr. Ersatzkafsen abzuführen haben, und verschiedene Ersatzkasscn haben bereits den erforderlichen Antrag gestellt. Ist der Reichskanzler in der Lage, Auskunft zu er­retten, ob und welche Anordnungen der BundeSrat bereits be­schlossen Hai oder zu erlassen beabsichtigt?

Ministerialdirektor Caspar: Anträge sind zahlreich cingegangen. Sie wurden den zuständigen Stellen zur Aeußerung überwiesen. Diese Rückäußerungen sind erst zum Teil cingegangen. Der Bundesrat Hai noch keine Anordnungen getroffen.

Abg. Baffermann (Natl.) fragt unter Bezugnahme auf Mit­teilungen französischer Blätter über den angeblich schlechten Gesundheitszustand dcS deutschen .Heeres an, ob der Reichskanzler über den Krankenstand des Heeres Mitteilungen machen kann?

Gcneraloberarzt Hoffmann. Der Gesundheitszustand des deutschen Heeres, einschließlich der württembergischen und sächsischen Korps, war in den letzten Wochen erheblich besser als in dem gleichen Zeitraum der beiden zurückliegenden Jahre 1912 und 1913. Im Januar 1914 war der Krankcnbestand geringer als im Januar 1913 und 1912. Dasselbe gilt von dem letzten Vierteljahr 1913. Der Krankenbestand war am 31. Januar 1914 geringer als am 31. Januar 1913. Weiter ist die Zahl, der Todesfälle im Januar 1914 erheblich hinter den beiden Vorjahren zurückgeblieben. TyphuS, Ruhr sind in epidemischer Art weder im Januar noch im Februar dieses Jahres ausgetreten. Die Krankheit, die in Hanau ausgebrochcu ist, nimmt einen leichten Verlauf. Der größte Teil der Kranken ist bereits aus dem Krankenhause entlassen. In der bayrischen Armee liegen die Verhältnisse ähnlich hinsichtlich der Erkrankungen und der Sterblichkeit. Nur in München und Neu- Ulm sind einige Erkrankungen vorgekommen. Der gesamte Krankenbestand der Armee einschließlich Bayerns beträgt nach den bisherigen Feststellungen auf 731 109 Mann 18 610 Mann, die in Lazaretbbehandlung sind. Hierin sind Unglückssälle mit inbc- griffen. Hiernach muß der Gesundheitszustand des .jeutf^c« Heeres besonders im Hinblick auf d ie beiden Vorjahre als durchaus gut bezeichnet werden. (Beifall.)

Der Mrioe-Elal.

(Zweiter Tag.)

Abg. Bassermano

Dn dem Bauvertrag, auf dem sich unsere Marine austnrut, wollen wir fcsthalten urrd keine Störung hrnettttragen. Wir er- keimen gern an, daß unsere Beziehungen zu England besser ge-- worden sind, daß man sich nicht mehr mit geballter Faust gegen» rkberstsht. In England sieht man immer mehr ein, daß unsere Flotte keinen aggressiven Charakter hat. Wir sini:- friedfertige Leute. In Frankreich macht sich freilich ein wachsen­der Landhunger geltend. Rußland hat allerlei neue RüstungS- rnaßnalmien ergriffen. Rußland ist schuld, wenn unsere Politik in der Frage der M i l i t ä r m i s s i o n einen Rückzug an- treteu mußte. Die englische Politik wird überall getragen von kühlen, nüchternen Erwägungen, von einem gesunden Egoismus. Sie ist nirgends von Sentimentalität getragen. Die Reden deutscher D i t1 o m a t e n, die mit dankbarem Augenausschlag jede angebliche Besserung unserer Beziehungen zu England be­grüßen, sollten besser unterbleiben. Wir sollten frei sein von Illu­sionen miß von U wer schwang. Wir brauchen eine zielbewußtc deutsche Politik. Es wäre frevelhaft, lvollten wir auf unsere See- machtsrcllung verzichten. Das wäre eine unwürdige Schwäche. Hat nicht erst bei der Dehrvorlage der ßi cI geschmähte Reichstag in glanzender Kundgebung das Nötige für die Weltmachtsicllung Deutschlands bewilligt. Dir müssen in frem­den Erdteilen unsere Flagge zeigen. Wünschens­wert ist es. daß auch im Atlantischen Ozean ein deutsches Ge­schwader erscheint. Erfreulich ist die Bewilligung des Attaches iür Südamerika. Die Hellen Augen unserer frischen Seeoffiziere werden dort manches sehen, was für die Konstruktion unserer Schisse von Bedeutung ist. Wir begrüßen die Entwicklung des llnterseeüootswesens. Es ist dankbar zu begrüßen, daß der Staats­sekretär dabei mik der nötigen Vorsicht vorgegangcu ist.

Bei den Torpcdobootsunfällen ist sestgestellt. daß kein Ver­schulden vorliegt. Wir sind der Meinung, daß Torpedoboots- manöver incht unterbleiben dürfen. Die Untersuchung über die Unglücksfälle der beiden Luftschiffe, die wir aufs tiefste beklagen, baben hinsichtlich des Sl I ergeben, daß kein Verschulden vorliegt. Ob. bei ,.L. II" Konstruktionsfehler Vorlagen, wollen wir nicht weiter untersuchen. Wir wünschen aber, daß aus die Konstruk­teure kein Druck ausgcübt wird. Wir sind überzeugt, daß unser Marine -Offiziarkorps seine,: Ausgaben voll gewachsen ist.

>Bravo rechts und bei den Natl.) Dir begrüßen es, daß die Marine aus dem Kruppr-Prozeß vollkommen intakt hervor- gegangcn ist und freuen uns, daß die Verwaltung bemüht ist, die Lage der Deck o fr i ziere zu verbessern. Das Lob aus dem Munde des Leiters der englischen Marincverwaltung Churchill, tzas er jüngst den Leistungen des Staatssekretärs v. Tirvitz gespendet hat, ist ein deutlicher Beweis für die Vor­zug l i ch k e i t u n s e r e r Marine. (Lebhafte Zustimmung.) Die Marine ist ein wichtiges Instrument der Auslandspolitik. Wir stellen mit Befriedigung die zielbewußte Leitung uiid stetige Entwicklung unserer deutschen Marine fest. (Beifall.)

Abg. Nehbcl (Kons.):

Bei etwaigen AbrüftungSoeraandlungen wird nicht viel heraus- kömmen. Es handelt sich ia auch nicht um Deutschland und Eng­land allein. Ein Bündnis mir England ist unter den augenblick­lichen Verhältnissen kaum möglich. Die ruhige Entschlossenheit, unser Flottengcsetz durch?,usühren, wird am besten darin zutage treten, daß wir darauf verzichten, beim Marineetat die auswärtige Politik aufzurollen. (Seh, richtig! rechtst) Die Unfälle der Marineluftschifte sind nicht durch Menschen verschuldet. Die Ver­waltung ist mit aller gebotenen Vorsicht vorgegangen. Der Opfer der Katastrophe werden wir als Helden gedenken. (Beifall rechts.) Bedauerlicherweise hat Abg Er-zberger eine Differenzierung zwi­schen der kaiserlich deutschen Marine und der kömglich preußischen Ylrmee gemacht. Wr ,ind in diesem Hause gewohnt, von einer

deutschen Armee zu sprechen, allerdings mit verschiedenen Kon­tingenten. Jedenfalls aber sind Geist und Disziplin in Heer und Marine dieselben. (Beifall rechts.) Wir sind ganz damit einver­standen, daß pensionierte Marineoffiziere irr den Dienst kaufmänni- scher Werke treten, die für die Marine liefern. Die Versuche mit der Oelfeuerung müssen fortgesetzt werden und werden hoffentlich auch zu einem guten Ende führen. In der entschlossenen und ziel­sicheren Amtsführung des Staatssekretärs sehen wir eine der besten Garantier. für den Weltfrieden. (Lebhafter Beifall rechts.)

Staatssekretär v. Tirpitz:

Ich begrüße die Ausführungen der Vorredner über den AuS- landsdrenst unserer Marine. Es ist gar kein Zweifel, daß der politische und wirtschaftliche Nutzen, den das Erscheinen unserer Schisse im Ausland hat, vielfach nicht voll cingeschätzt wird. Wir brauchen darüber nur die Auslanddeutschen um Auskunft zu bitten. Diese werden das voll bestätigen. Es ist nicht nur eine wirtschaftliche und politische Notwendigkeit, daß wir uns im Aus­landdienst betätigen, sondern auch eine militärische Not­wendigkeit. Eine große Marine muß in steter Fühlung sein mit dem Ozean und ozeanischen Verhältnissen und auch mit den Auslandvcrhältnissen. Wenn wir in den letzten Jahren das nicht tn dem Matze getan haben, wie wir wohl gewünscht hätten, so hat das an den Verhältnissen gelegen, die ich nicht näher ausein­anderzusetzen brauche. Wir brauchten eine entsprechende Kon­zentration in den heimischen Gewässern. Wir müssen uns aber mit unserer Flotte stärker im AuSlande betätigen. Und da liegt die Sache so, dass die Zahl der Auölandschifse, die nach dem Flottengesetz vorgesehen sind, noch nicht erreicht i st. Das hat sich in letzter Zeit sehr unangenehm bemerk­bar gemacht. Wir wollten im vorigen Jahre unser ostasiati­sches Geschwader nach der Südsee schicken. Wir machten auch den Versuch, mußten es aber zurückholen, weil es in China gebraucht wurde.

Es war auch nicht richtig, Schiffe von der ostcrsiatischen Station nach dem Westen Amerikas zu schicken. Der Bedarf in Qstasien und der Südsee ist nur gerade eben annähernd erfüllt. Im Osten Amerikas hat der KreuzernBremen" mit großer Unter st ützung der Hapag, was ich hier besonders an­erkennen möchte, sehr viel getan und sich in vollem Maße den Dank aller Deutschen dort verdient. Aber er konnte schließlich nicht an allen Punkten sein, wo cs nötig war. Wir haben ferner auf Haiti Kadetten und Schiffsjungen mit Gewehren bewaffnen und zum Schutze der dortigen Deutschen bei der dortigen Revo­lution an Land schicken müssen. Es ist nicht richtig, darauf an­gewiesen zu sein, wenn auch die Schiffsjungen voll chre Schuldig­keit getan haben. Aus allem geht hervor, daß wir eine stärkere Auslandvertretung haben müssen. DaS Ziel der nächsten Jahre muß sein, innerhalb deS Rahmens des Flotten- gesetzes für den Auslanddienst baldigst da» zu erreichen, wa§ das Flottengesetz on sich vorsieht. Alle bürgerlichen Parteien haben anerkannt, daß die Durchführung unseres Fkottcngesehes not­wendig ist. Wie der Abg. ZkoSke im Innern seines Herzens darüber denkt, darüber bin ich mir gar nicht zweifelhaft. (Heiter­keit.) Ich bin aber fest davon überzeugt, daß das ganze deutsche Volk durchdrungen ist von der politischen Not­wendigkeit der Durchführung des besteheuben F l o t t e n g e s e tz e S. (Wiederholter lebhafter Beifall.)

Abg. Dr. Heckscher (Dp.):

Der Geist, der in unserer Flott" lebt, macht sie zu den größ­ten Aufgaben würdig. Alle Ansätze, die diese Kameradschaftlichkeit stören könnten, müssen im Kc'we.erstickt werden. Unser aus­gezeichnetes Jngenieurkorps muß auch die richtige soziale und wirtschaftliche Stellung haben. (Sehr richtig!) Ein freierer, staatsbürgerlicherer Geist lebt in den Marineoffizieren. Das ist wohl der erfrischenden Wirkung des Meeres und des Windes zuzuschreiben. (Heiterkeit.) Ein rein kaufmännischer Be­trieb ist in den Werften nicht möglich. Für den Marineattache in BuenoS-Äires sind wir durchaus. Da das Zentrum jetzt nach der richtigen Seite umgefallen ist, wird diese Stelle wohl bewilligt werden. Dringend notwendig ist ein tüchtiger Unter­offizier st and. Wir erwarten eine Novelle zur Gehaltsauf­besserung. Die Unglücksfälle beklagen wir schmerzlich.

Abg. Warmuth (Rp.):

Wir begrüßen jedes nähere Zusammen rücken der beiden Nationen. Unsere Erwartungen wollen wir freilick nicht zu hock schrauben. Selbst der Abg. l'wske hat sich ja jetzt hinsichtlich des Feicrjahrcs eine gcwisie Reserve auserlegt. Der Seemannsbcrüs ist sehr schwer, infolgedessen müssen wir besonders für die Ange­hörigen unserer Marine sorgen. Das deutsche Volk will und muß Weltpolitik treiben. Die Marine unter der Leitung dcS Staats­sekretärs gibt ihm die Gewähr dafür.

Abg. Bogtherr (Soz.):

Im Jahre 1909 handelte es sich um das Gesetz gegen den un­lauteren Wettbewerb. Wir wollten damals lediglich, datz man nicht die Meinen bängt und die Großen lausen läßt. Herr Heckscher hat das freie Wesen der Marineoffiziere auf die Wirkung des Meeres und der Winde zurückgesührt. Vielleicht könnte man daran denken, die preußischen Landräte auf das Meer zu schicken als See- räte dort wo es am Twssten ist. (Heiterkeit.) Auf die Frage NoSkes ob der Kruvpagent Brandt mit der Marrnevcrwaltung zu tun gehabt habe, hat der Staatssekretär ausweichend geant­wortet Ich wiederhole deshalb bie Frage. Es sind doch Korn­walzer gesunden worden, die daraus hrndeuten. In der .Kommission hat der Staatssekretär eine Beschwerde von mir mit verächtlicher Handbewegung abgewiesen, eine solche Strafe gäbe cs nicht Ein Heizer vom kleinen KreuzerStralsund" war im strengen Arrest 'mit bochgcbuiidenen Händen täglich zwei Stunden angebunden oder eigentlich mehr ausgehängt worden. Diese Be­hauptung wurde mir aber am nächsten Tage im wesentlichen durch das ReichSmarineamt bestätigt. Nur habe der Mißhandelte aus- gesagt von Aushängen könne wohl nicht die Rede sein. Derartiges nt aber kein Einzelsall. Es gibt eine solche Strafe, die den strengen Arrest ersehen fami. und manche ziehen sie sogar diesem vor. Was muß der strenge Arrest für eine Strafe sein, daß man ihm eine solche mittelalterliche Tortur vorzieht! Die Rüstungsireiüercien haben in Deutschland begonnen, und noch heute betreibt der Flottenverein sie mit derselben Skrupellosigkeit weiter. ,

Einer neuenentsprechenden Marmeborlage will der Flotten- vcrein die Wege ebnen, damit «wir nicht ins Hintertreffen ge­raten". Auch in der glatten Ablehnung des Churchillschen Feier- jahr-Vorschlages ging der Flottenvercin mit schlechtem Beispiel voran. Die Rücksichten aus die Arbeiter, die man ja sonst nicht berücksichtigt. find nur eine faule Ausrede der Rüstungs- i n t c r c f | c n t e n. Die Arbeiter verlangen diese Rücksichten ^ar nicht. Das Pausierjahr könnte auch ein Feierjahr im Divi- dendenbczug zur Folge haben. Davor allein fürchtet man sich. Deutschland müßte die Anregung geben, angesichts der jetzt bestehenden Neigung Englands zur Aufhebung dcS See- bcuterechts diese Frage erneut einer internationalen Lösung

Zuzusühren. Mit der Möglichkeit neuer Rüstungen darf nicht über die Köpfe des Volkes hinweg Fangball gespielt werden, weil das Volk sich das aus die Dauer nicht wird gefallen lassen. Die neuen Rüstungen liegen nur im Interesse der RüstungSintcrcsscnten. Wenn die Herren das nicht zugeben, so ist das ein politischer Schwindel.

Vizepräsident Tovc erteilt dem Redner einen OrdnungS- ruf wegen dieses letzten Ausdrucks.

Staatssekretär v. Tirpitz Ich kann versichern, daß bei ccinem Schritt, den die Marine-« Verwaltung in den langen Jahren meiner Amtstätigkeit unter­nommen ijat, irgendein Rüstungsintere ssent auch nur den leisesten Einfluß auf meine Ent­schließungen gehabt hat. (Hört! hört! rechts.) Uebcr die von uns veranlaßtc Untersuchung aus Anlaß des Krupp- PrctzcffeS habe ich m:ch deuüich genug ausgesprochen. Es ist eben dabei nichts herauSgekommcn und kein Verdacht auf irgend einen Herrn gefallen. Der Fall der Anbinduitg eines Heizers, den der Vorredner verallgeme nert hat, ist insofern richtig, als in gewissen Fällen besttmmungSgemäß für strengen Arrest zwei Stunden an­binden zulässig is. Dabei wird jede Quälerei vermieden. Die Verhältnisse zur See bedingen zuweilen andere Srafen als die Absitzung des sttengen Arrests, wenn z. B. in der Arrestkammcr eine unerträgliche Hitze herrscht. Natürlich muß die Ersatzstrase empfindlich sein, weil sie sonst keinen Zweck bätte. Wenn statt der strengen Arreststrafe eine andere gewählt wird, so muß es doch ripe Strafe sein, die der Mann auch fühlt, sonst ist cs keine Sttafe. In dem besonders erwähnten Falle handelt es sich um einen Mann, der vor dem Eintritt n die Marine schon 17 Mal wegen BettelnZ bestraft war, ferner wegen Diebstahl, wegen Unsitttich- feit, wegen Krcditbetrugs usw. Auch in der Marine Lat er eine ganze Reihe von schweren Strafen bekommen. Bei seiner letzten Bestrafung wurde über die Vorschriften nicht hinausgegangen.

Herr Vogtherr hat dann den Flotten verein in hohem Maße ungerecht angegriffen. Der Flottenverein ist vollständig unabhängig. Ich habe aus den Flottenverein gar keinen Einfluß. Das liegt schon an der hoherc Persönlichkeit, die jetzt an der Spitze des FlottcnvcrcinS steht. Wie sich der Flotten­verein in den letzten Jahren gezeigt hat, treffen die Vorwürfe deS Herrn Vogtherr in keiner Weise zu, sondern der Flottenverein muß durchaus in Schuh genomnren werden. (Beifall.) Daß er für die Flotte agitiert, das ist ja sein Zweck. Das ist seine Ueber- zeugung. Und er hat natürlich dasselbe Recht eiirer Ueberzeugung wie Herr Vogtherr. (Verfall.) Ich glaube nicht, daß die Aus- führurrgen des Herrn Vogtherr für fteundschaftliche Beziehungen mit anderen Nationen wirken werden. Aus der Haager Konferenz sind wir für dre Mschasfung des Kaperrechts eingetrcien. Nach den Darlegungen aller bürgerlicher Parteien steht Herr Vogtherr mit seiner Ansicht allein da. (Beifall.)

Damit schließt die allgemeine Aussprache. Es folgt die Einzelberatung.

Seewarte und Obscrvatorie«.

Wg. Dr. Psltger (Zeatr.) fragt cm. ob die Marineverwaltung sich die wertvollen Savrm lungen. und Observatorien der Jesuiten in Weihaiwei nutzbar ge­macht habe, und wie sich der Verkehr der Osftziere zu den Paters gestaltet habe.

DtoaLssekrekär v. Tirpitz:

Es entspricht lediglich der Gerechtigkeit, wenn ich feftstelle, daß die kaiserliche Marine zu den Jesuiten in WcrLaiwci und Manila stets die besten Beziehungen gehabt hat, uiü) daß. wir den gelehrten Herren den tiefsten Dank für die große Untcrstutzurig schulden, die sie uns seit vielen Jahren durch Uebermittelung ihrer Nachrichterr gewährt haben. Das ist auch dadurch zum Ausdruck gekommen, daß der Kaiser zwei der Herren Auszeichnungen verliehen hat, dcni einen die goldene, einem ziveiten die Chiim-Medaillc.

Bekleidung.

Abg. AlbrcchL (Soz.):

Die Arbetter, die an die Bekleidungsämter liefern, werden so gering bezahlt, daß sie ihre Frauen und Kinder mit zur Arbeii heranziehen müssen. Leute, die jahrelang für sie gearbeitet haben, enttätzt man, wenn neue, umsonst arbeitende Ockononne- Handwerker eingestellt werden. Von eincnr neunstündigen Arbeitstag kann keine Rede sein. Die gesundheitlichen Verhält- nisse sind infolgedessen recht schlecht.

Abg. Dr. Pflcger tZentr.):

Die Marineverwaltung würde sich ein großes Verdienst e«. werben, wenn sic die Arbeiten, die sie in ihren eigenen Werkstätten nicht Herstellen kann, den Innungen und der Organisation der Heimarbeiterinnen übergeben würde. Die Vergebungen sollten auf kurze Zeit erfolgen.

Admiral v. Gapeüa:

Die Marmeverwaltung hat grundsätzlick keine BedentLn, einen Teil der Uniformen in Privatbetrieben verstellen zu lassen. Trotz gewisser Schwierigkeiten werden wir Versuche machen. Wenn man in Bayern damit gute Erfahrungen gmnacht hat, so sind wir gern bereit, aus diesem Gebiete Mittelstandspolitik zu treiben. (Beifall.) Die Marine verteilt im Gegensatz zu der Armee ibre Lieferungen gern über das ganze Reich. Auf Submissionen haben wir Offerten aus fünf und ein Jahr cingesorderi. Alle Beteiligten wünschten Vergebungen aus fünf Jahre. Nur diejenigen, die isichts bekommen hatten, wünschten solche aus ein Jahr. Wir hoben auch bei' langjährigen Vergebungen recht erhebliche Ersparnisse machen können. Die Löhne sind bemessen nach den Ortslöhnen von Kiel und Wilhelmsbcwen und werden dauernd kontrolliert. Sie silid auch fortgesetzt, fast -alle zwei Jahre, erhöht worden. Die Gesundheitsverhättnisse sind durchaus nicht schleckit. Wir sorgen nach Möglichkeit, auch für die Nähsrauen, und halten jede Kritik aus.

Abg. Er^ücrgkr (Zcntr.):

Nicht bloß in Bayern, sondern and) in Preußen, im 8. Armee» torps hat man geradezu vorzügliche Erfahrungen mit Lieferungen durch Handwerker gemacht. Man gebe den Handwerkern zu tun und sie werden immer. Besseres liefern. Mit der Vergebung aus fünf Jahre ist die Marineverwaltung nicht aus dem richtigen Wege.

Justmrdhaltung der Flotte und der Werften.

Abg. Dr. Pfleger (Zentr.) ümpfiedlt alt Bericht erstatt er die Ausschaltung des knnstufics der Werkmeister auf dtc Oualttätsprüfmig der Ware.

Das Haus vertagt sich.

Sonnabend 10 Uhr: Mttitörstrasgesetznovetle. Weitrrbecatung, RctchSctfcnbahuamt.