Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

trugen. Im ganzen sind viel«,ehr rund 60 000 Marl zusammen, zciommen. Der Anteil der Marine an dem Krupp-Prozeß oe^chrankt sich aus Grund der Untersuchungen durch die Staats­anwaltschaft darauf, daß einige Kanzleidiener Trinkgelder be- kommen haben, aber keiner über 3 Mark (Hört! Hört? rechts), von einem Verat militärischer Geheimnisse öder einem Ungchor- smn gegen Befehle in Dienstsachen kann keine Rede sein. Seien mrr doch froh, daß wir ein so integeres Personal baben. (Sehr richtig! rechts.)

Wenn wirklich einmal ein schlecht besoldeter Beamter sich einen Nebenverdienst zu verschaffen versucht, so ist das in Wirklichkeit doch nur eine Bagatelle. Der Marineverständigungs- konzern diktiert durchaus nicht die Preise. Ein derartiger Ring rit noch nicht vorhanden, (Zuruse: Roch nicht?) Ist nicht vor- Kanden. Ich tann konstatieren, daß eine Beeinflussung des Reichs- nlarinecnnts seitci'S der großen Firmen durch deren Vertreter, so­weit sie ehemalige Offizn.'re sind, niemals stattgcfundcn hat. Das ist auch ganz ausgeschlossen. Solche Firmen werden deshalb nie­mals eine Bevorzugung im Marineamt genießen. Das ist bei uns Gott sei Dank selbstverständlich. Aber ich erkläre ganz offen, daß ich cS für meine Psiicht halte, verabschiedeten Offizieren zu helfen, wenn sie sich in kaufmännischer Richtung betätigen wollen. Zu den Presscäußerungen möchte ich doch bemerken, oatz im Ausland noch ganz andere Entgleisungen passieren als bei uns. Die Ent­scheidung über Krieg und Frieden hängt davon yewiß nicht ab.

E Eine unpatriobischc Tat kann ich darin nicht erblicken, daß unsere Industrie Lieferungen für die russische Flotte übernimmt. Wenn unsere Industrie cs ablehnen würde, an Rußland zu liefern, dann würde eben wo anders für Rußland gebaut werden. (Sehr richtig! rechts.) Wir bemühen uns gerade, unserer Privatindustrie Aufträge zu verschaffen, und es kann doch nicht zweckmäßig sein, daß ein anderes Land ich will es nicht nennen, das Monopol bekonnnl. (Erneute Zustimmung rechts und im Zentr.) Zu der Abrüstuiigsfcage habe ich bereits in der Kommission Stellung ge­nommen und dort erklärt, daß die Stimmung bezüglich der Ab- rüstuugsfrage überhaupt erst feit fünf Jahren akut geworden ist. Für diese Stimmung waren die von mir genannten Zahlen ein sehr zutreffendes Bild. Sie zeigten die kolosiale Größe der R'sitvngssreigerunqen in den anderen Staaten.

Es ist eine alte gute Gcwohnhest der Marineverwaltung, die Flotte, sotveit eS irgend möglich ist. unserem ganzen Volke zu­gänglich zu machen, und zu diesem Zwecke haben wir Vertreter oller bürgerlichen Parteien auf die Flotte eingeladen und si: ihnen gezeigt. Ich glaube, das Haus ist darüber genügend »rlent crk und wird mir zustimmen. (Lebhaftes Sehr richtig! rechts) Es ist narr, meincr Ansicht durchaus wünschenswert, das; urrser Volk die Flotte kennen lernt. Das Heer kann cs jeden Tag sehen, die Flotte aber nicht, und da wir die Millionen nicht aus sie Hern vernehmen können, so müssen wir uns mit Vertretern be­gnügen. Tausende von Söhnen unseres Volkes gehen zur Flotte, und wir werden alles tun, um das Gefühl der engeren Zusammen­gehörigkeit mit unserer Flotte in jeder Beziehung zu stärken. Dazu sind uns solche Besuche in hohem Maße nützlich gewesen, und ich werde auch daran festhalten. (Lebhafter Beifall.)

Abg. Erzberger (Zentr.):

Der Staatssekretär wird gesehen haben, wie gut sein Flottei,- gcsetz emgcführt wird. Eine Aenderung des FlottcngesetzeS wird von keiner Seite mehr verlangt. An eine Minderung des Soll- bestandes unserer Schiffe ist nicht zu denken. Auch wir wollen ein friedliches und freundliches Verhältnis zu England. Aber zroeifelhaft blecht es, ob man dafür die Frage der Abrüstung als entscheidend in den Vordergrund stellt, ob es wünschenswert ist, Deutschland als den Friedensstörer, die anderen als die Friedliebenden zu bezcichnn. Bezüglich der e n g l i s ch e n V e r - stand ignngs plane ist mein Mißtrauen zur Skepsis ge- worden. Eine Verständigung mit England um den Preis der deutschen Seewehr kann es nicht geben aus dcutschnationalen Gründen. (Beifall.) Ein Vasallenstaat Englands wollen wir nickst werden. Das wäre daS Ende der deutschen Weltmacht- polchk. Dos wäre e i n e B a n k e r o t te r k l ä r n n g u n se re r Flotte ii Politik. Wir wünschen eine Verständigung, aber "«Ist eine solche ans »ojien des durchaus notwendig«» MatzcS von Avwebrmittetn. die die deutsche Nation dringend brauch!. England Hai Deutschland erit zu gewaltigen Ausgaben getrieben. Deutschland ,oar ni« der Treiber. Dann der schone Vorschlag I« : 10. Ganz gut. aber England hat nicht 16, sondern Schisse

r ifonrt, wir aber nur zehn. Deutschland baut jedes Jahroei imenschiffe. Rill England das Berhältnis 16 I IO einhalten. l° soll cS drei Stück bauen. Dann brauchen wir keine besonderen (Sehr richtig!) Legt Rußland sein Schwergewicht in di« Oüsee. so üt das inindestens unerfreulich. Eine gut ge- "IW* auswärtige Politik muß da« verhindern.

Bei solchen Rüstungslieierungen koninien 5«, -ja sogar bis zu 60 Pwzent ans die Arbeitslöhne. Sollen wir dicjchi Verdienst den deuttcher Arbeitern entziehen? Nach alter Erfahrung wird der schwache die Beute des Stärkeren. Selbstverständlich hütet sich ,cdrr. m die Rolle des Schlvachcn zu ko-nmen. Gefährliche Ma. nktder muffen gemacht lncrdcn. Nur soll alles dabei wegbleiben, was nicht auch ,m Ernjlsall geschehen muß. Das gilt "für die Loipe daboote, aber auch« die Luftschiffe. Das Unglück des LI kann man mchl wobl aus das Prinzip des Luftschiffes zurückführeu. Auel» di: ldelgaländer Katastrophe wurde nicht durch Menschen ver­schulde!. Sammlungen für die Hinterbliebenen der Opser sind allerdings ganz unfiatthast. Für sie hat das Reich zu sorgen; wir erwarten die Bereitstellung entsprechender Mittel im Etat. Nicht das Material der Schiffe sondern der Geist der Besatzung be- stiunnt den Wert der Flotre.

Unzufriedene gibt cs natürlich iintcr 66 006 Mannschaften. kaS Gegenteil wäre nicht normal. (Heiterlcit.) Echo» in eine »rraktian von 110 Mann beklagt sich mancher über harte Behänd, «nng und wünfcht eine lulanterc. (Große Heiterlcit.) Der Marine, osfizicr bat cs nicht leicht. Das Landhecr geniest dagegen das reinste Behagen, ob auch mancher Leutnant den Kopf darüber schüttelt. (Sir. vcitcrtau Natwenbu, ist etne bester: Fürsorge für die Kapitulanten und Unteroffiziere. Unfcre Mariiic bat dem deutschen Namen stets Ehre gemacht. Ucberall machen nscte Mariiieleute einen vorzügliche» Eindruck. Ich bedauere, daß Herr NoSke nicht in der Rüsiu»g;Iommiss»on ist. Es bättc ihm Nichts geschadet. Hat er sich gesnrchiet, ohne seinen schwarzlockiaen Begleiter zu kommen? (Heiterlcit.) Der Staatssekretär bat iu der Kommission erklärt, er werde sich überlege», ob er noch weitcr, bm solche Firmen zulasten solle, die ihm regelmäßig umd '« n d > ° P ° ns, o. e r t e O s f i, i e r e als Vertreter Ju. Ich'ckcn (Hort! Hort!) Wenn die Jnduftrie weiß, daß die Marine- Verwaltung sich nicht l>ecinsluffcn läßt, so wird das eine Wohltat kur sie sein. (Sehr richiigt) Süddcutschland muß »oei, mehr beran. gezogen werden. Nur solche Firmen sollten berücksichtigt werden d,c ihren Arbeitern volle bürgerliche Freiheit gewahren.

Ich eriimcrc an die Firma Gcbr. Stumm in Neunkirchen. wo da» Wahlrecht dir Arbeiter geradezu illusorisch gemacht worden ist. Der Redner erinnert dann an Veröffentlichungen der ameri- tanischen Admirals Dcwci, über die Blockade von Manila, in denen sich Angriffe gegen deutsche Offiziere befinden sollen.

' ' Staatssekretär b. Tirpitz'

erklärt, daß. soviel er gcböri babe, in de» Beröfsentlichungen die deutsche,> Offiziere durchaus zu ihrem Rechte tommcn werden. Das Haus vertagt sich.

Freitag 1 Uhr pünktlich: Kurze Anfragen, WcileiberatMig. Schluß Uhr. _

Au» Heften.

lif Zweite Kammer brfwrvt auf ihrem Staiidpimkte in der Besoldungsfraffe.

rb D a r in st a d t. 19 Fcbr Der Finanzausschuß der 1 w c i t c n K a m m e r beschäftigte sich heute mit den abgeänderten Beschlüssen der Ersten Kammer über die Besoldungsvorlage der Be­amten und Lehrer. Zuerst wurden die im Besoldungstarii getrosse- nen Abänderungen berntcn. Der Ausschuß beschloß, bezüglich der Gestütsdicner (garantiertes Rebencinkaminen von 100 Ml., der Brückcnwärtcr <Bekl>->dungszul-gc von 100 MI. und Vergütung nnn '100 Ml sür Nachtdienst und Erhebung von Brückengeld) aui den Beschlüssen der Zwesten Kammer zu beharren, wahrend die Erste

Kammer nur 70 Mk. sür Bekleiduugszulagc bewilligt und die jene Vergütung gestrichen batte. Zn Gehaltsklasse 6, Diener, Gesängen Wärter, Aufseher usw., blieb der Ausschuß ebensallS bei den trüberen Beschlüssen, wonach die Gehaltssätze von 1760 bis 2300 Mk. (die Erste Kammer batte 1760 bis 2150 Mk. beschlossen! ieftgeießt wer­den. Bei den Vergütungen sstr die Dammwärter bält der Ausschuß die BeNeidungszulagc von 100 Mk. ausrecht, ebenso bei bcn tfOTti- warte», bei welchen auch die pensionssählge Zulage von 200 MI. nach 21 Dicnstiahien icftgehaltcn wird (die Erste Kammer batte aiich hier 70 Mk. Beklcsdungszulage und Strich,der Zulage von 200Mk. beschlossen). Auch bezüglich der Tieuerausseher hält der Auslchutz an der pensionsiähigeu Zulage von 200 Mk. nach 1.6 Dienftiahren fest und lehnte die Beschränkung, daß diese Zulage nur dea Sleucr- aussehern bei den Hauptsteuerämkern und im Bezirksaufftchtsbienst zuteil werden sosste ,ab. Bei GchaltSklassc 16, Probatoren der Obcr- rechnungstammcr, Bureaugehilien und Bureauassistcitten, stimmt der Ausschuß dem Beschluß der Ersten,Kammer, daß diesen die Ver­wendungszeit alS BesoldungSvordienstzeit mit angercchnct werden soll, zu. Bei den Psandmeistern beschloß der Ausschuß, aus Ein­reibung derselben in Klasse 22 zu beharren, während sic von der Ersten Kammer in Klasse 16 versetzt und ihnen ei« vcnswiistadiger Gebühre,lonichlaq von 1100 Mark am Gehalt angcrcchnct werden sollte. Bei Klasse II, Reallchrcr, wurde der Beschluß der Zweiten Kaniiner, daß diese 2400 bis 4700 Mk. Gehalt^beziehcn sollten, während die Erste Kammer die beiden legten Stufen aus 4300 und 4500 Mark sestsetzen wollte, aufrecht, erhalten. Bezüglich der Gehaltsklassc 32, mittlere Beamle, beschloß der Ausschuß, aus den Beschlüssen der Zweiten Kämmer zu beharren. Nach diesen Beschlüssen erhalten die Gcrichtsschrcibcr iämtlich die Garaniic eines Ncbeucinkommcns von 300 Mark: der Vor­schlag der Ersten Kammer, nur den Gerichtsschrcibern an größeren Gerichten eine vensionSsähige Zulage von 300 Mark zu gewähren, fand leine Zustimmung. Be, den BezirkSkassiercrn bestand der Ausschuß oui her nichtpeniionsiähigcn Stellenzulage »VN 200 Mk., während die Erste Kammer ein: solche von 300 Mart veniions- iähig gewähren wollie. Die von der Enten Kammer beichlösiene Berseßung der Reviiions- und Tteucckontrollcure nach Klasse 28s wurde nicht gebilligt, sondern beschlossen, sic in Klasse 32 zu belassen. Bes den gehobenen Siellcn der mittleren Beamten -GchaltSNasle 3V! Hieb der Ausschuß aus den früheren Be­schlüsse» bestehen, ebenso bei den Zeichenlehrern, sür wttchc be- sondeic Gchalisklasscn bei einer entsprechenden Vorvrüiung an- genonimcn worben waren. Tie außcrordcnilichen Prosessorcu waren von der Elften Kammer mit Gehalten von 3400 bis 6300 Mack tcfcndi! worden, während die Zweite Kammer die Eehalisiäge von 3600 bis 6160 Mark bewilligt hatte. Ter Ausschuß beschloß, de» Gehaltosäßeu der Ersten Kammer beizu- tretcn. Beim Gehall des Landeswohnuugsinsreftors imirde sür den jepsgen Slelleninhabcr sein Verbleiben in Klasse 36 beschlossen, dagegen soll ein ciwaigec Nachfolger in Klasse 36 versetzt werden. BciressS der Gehaltsklassc 39. Amtsrichter und Landrichter, blieb der Ausschuß b.ss seinem früheren Beschluß, daß die zur Zeit des JnkrasttretcuS des Gesetzes voebandenen 20 dienstältesten Richter eine besondere peniionSiähige Zulage von 500 Mark über den Endgcbalt hinaus erhalten sollen. Bei den Obgrsteuerinspek- torcn und Vorständen der Finanzämter bitte die Zweite Kammer beschlossen, daß die Finanzvorftände der Aemter in Dnrmstadt I, Mainz I und Lssenbach 1 eine Zulage von 500 Mart und die Oberstenemnsvekloren in Mainz, Tarmitadt, Lssenbach und Gießen und die Finanzamisoorstäudc in Gießen und Worms 1 je 300 Mark erhalten sollten. Dagegen beschloß die Erste Kammer, sc 700 Mark den Ob'rsteucrinivekeoren in Mainz, Darmstadt. Ottenbach und Gießen und de». Finanz- amisvorständcn der Aemter Darmstaüt I, Mainz I. und Otten­bach I, ferner je 500 Mark den Finanzamtsvorständen in Fried­berg, Gießen und Worms I und ic 300 Mark dem Lbersteurr- inspeltor in Worms, sowie den FiuauzamtSvorftändew in Darni- stad! II, Groß-Gerau, Mainz III, Ottenbach II und Bingen z» gewähren. Ter Ausschuß beschloß aber, aus den Beschlüssen der Zweiten Kammer zu beharren. Tie Beratung über einige weitere Positionen wurde ausgesetzt, UNI diese morgen noch mit der Regie­rung zn erörtern.

Ter 2luSschuß bcschästigle sich alsdann mit den Beschlüssen der Ersten Kanmier über die Gehalte der B o l k S s ch u l - l c h r e r. Es wurde cinstinimig beschlösse», durchweg aus den früheren Beschlüssen der Zweiten K a m m e r be­stehen zu bleiben.

lieber die Deckung der Ko st e,, sür die Beioloungsoorlage beschloß der Ausschuß, aus der von der Zweiten Kammer ge­regelten Teilung zu beharren und dieselbe zunächst aus den Mitteln des Resteionds I erfolgen zu.lassen. Tie Erste Kammer bestimmte, oaß zunächst ei» Deck des Resteionds II dafür heran- gezogen weiden sollte. In betreff des Gesetzentwurfs über di- Beivloungeu, Rubegehalte und Hiiiterbliebeuveriorgung der Staats­beamten trat der Ausschuß im wesentlichen den .Beschlüssen der Ersten Kammer bei.

»

rb. T armftadt, 19. Febr. Ter dritte und der vierte Ausschuß der Zweite» Kaniiner bieltc» heute vormittag ebenfalls Beratungen ab, um sür die kommende Plenartogung svruchreises Beratungsmaterial zu schaffen. Der dritte Ausschuß beschäftigte sich zunächst gnit der Vorstellung des Rechtsanwalts Lindt zu Darnistadt. betreffend Mißftände im Rechtsanwaltsftande. Der ?lusichuß beschloß, über diese Vorstellung zur Tagesordnung über- zugehcn, die darin berührten Fraqen nicht zur ?>ustäudig!eit des Landtags gehörten. Betreffs der Vorstellung des Fachlehrers i. P. Pfeiffer in Opvenheim sprach sich der 2lusschiiß dahin aus, daß der Bittsteller Ansvruch aus Wikderanstellung bade, wenn er nachlveise, daß er setzt gesund sei und oaß er ferner Anspiuch ans Ersatz der Kosten bade, die ihm durch die Beobachtung in der Klinik ent­standen sind, lieber die Vorstellung des Verbandes beiiischer Prioat- architeklen zu Tarmstadt, betreffend dos Verbot aller Nebenarbeiten durcki die angestcllte» ilaatliche» Baubeamlen, berichtete Abg. Urftabt. Es lvuroe ilt Erwägung gezogen, ob eine Verickeärsung der bezüglichen Bestimmungen vom Zabre 1890 möglich und wünschenswert sei. Ein gänzliches Verbot dieser Nebenarbeiten zu beschließen, halt der Ausschuß nicht sür angängig. Dagegen soll erwogen werden, inwieweit eine Einichränkunig durch Abänderung der erwähnten Bestimmungen erfolge» kann. Endgültige Be­schlüsse wurden jedoch hierüber noch nicht gefaßt.

*

Ter vierte Ausschuß der Zweiten Kammer be- schäiligte sich zuerst mit dein Antrag Seußselder, i» Groß-Gerau keinen Notar wieder zu bestellen. Ta aber inzwischen die Anstellung eines neuen Notars bereits eriolgt ist. beschloß der Ausschuß, de» Antrag Senßsclder sür erledigt zu erklären. Ter Ausschuß spricht aber iein Bettelnden darüber aus, daß die Wiederanstelliing eines Notars in Groß-Gerau durch die Regierung so rasch erfolgt ist: sic hätte in Rücksicht auf den Antrag die Sache noch etwas hinaus- schieben können. Tie beiden PocfteÜungen der Hansbesipervcreine, bctr die LandesbrandvkriichernngSanstalt und die Brandversiche- ruiigsbeiträge wurden aus Antrag der Berichterstatters, Abg. K o - reit Fngelbcim, vorläuiig zurückgeftellt. weil di« Regierung die Erklärung abgad, daß bezüglich der belreffende» Fragen eine gesetz­liche Aenderung in Vorbereitung sei. Hinsichtlich der Vorstellung der Hausbeiitzervereinc in betreff der Werizuwachssteucr ist den Ausschuß der Ansickr. daß die Großh. Regierung es in der Hand habe, vom Jahre 1917 ab die Werlzuivachssteuer wieder als Lan- desstkuer Wecker zu führen oder sie ouszuheben. Ter Ausschuß wünicht die Weiler ni brung der Wertzuwachsstener »ach dem Ge­setz von 190- lieber die Vorsteilung der Tfischerzunit in Seligen- stadl wurde der Austchußbericht verlesen und genehmigt, lieber bi: Vorstclluiig des Jakob Bundschuh tvegeu Dcrkous seines Sternbrnchs ioll noch mit der Regierung vcrhanbclk u»erdcn. Ter Antrag Henrich, bctr das Wahlrecht der Eiienbahnbcamten, erledigt sich nach Ansicht des Ausschusses von selber, da reichs- gcictzlich an dem Wahlrecht uichtS zu ändern ist, Tic Vorstellung des Stallichweizerbundes, betr. den Besähigungsnachwcis der Stallschweizer, wurde in Uebcrcinstinrnuing mit der Regierung für erledigt erklärt.

Aus öen Rtttl)stagsausichü>sen.

:: Berlin, 19. Febr

Ter Eingeborenenichutz in den Kolonien srand i» der heutigen Sitzung des B u d g c t a u s s ch u s s e s wieder im Mittelpunkte der Erörterung. Tic Sozialdemokraten brachten einen ocrschäritcn Adänderungsantrag zn dem Anträge der Wirtschattliche» Ver­einigung ein, wonach Plantagen in den tropischen Kolonien über­haupt nicht mehr zuznlasscn seien. Ein Nationalliberalcr lordiäte ruhige und obseknvc föctrachtung. Mau dürse die gclciftctcle Kultur­arbeit nicht durch rigoroses Vorgehen acsährdcn. Gegen die Aus­schreitungen wende auch er sich aus das ichäristc: teilweise sei auch der Gouverneur dassjr verantwortlich: aber ein gewisser Truck aus die Arbeiter sei nicht zu vermeide». Tie Plantagen- arbeil sei nicht zu verdammen, dagegen habe dcr^Kaulichukträger- handel viel Unheil angerichtet. Man sollte das System der Plan­tagenarbeit ändern. Tic Anwerbung ans neun Monate sei ein Fehler. Schlösse man längere Arbeilsvcrträgc ab, io könnten die Eingeborenen die Faniilien mitnckmen, und ihre Lage würde sich bessern. Der Rückgang der Bevölkerung hänge vielfach mit den Scuckkn zusammen. Man sollte mehr Mittel für die ärzl- lickw Versorgung auiwcndcn. Ter Staatssekretär »erlas einen Brief des Gouverneurs .von Ostasrika, aus dem heroorgchj, daß ein Arbeitszwang »ich: clugcsührt ist und daß den humansiärcn Ansordcrungcn ciitivrocheu >vird. Lffis der Plantagcnttilttir lernten die Eingeborenen sehr viel. Ter Ttaats- sckreiär verwies aui die glänzenden Tabaklulturcn IN Hmutii n. Er sei geradezu erstaunt gewesen über die vorzüg liehen humaniiären Einrichtungen aut diesen Plantagen. Der Ausschuß sollte die Anträge nicht annchmcn, aber die Bittschrsst des Vereins sür Eingeborenenichutz dein Reichskanzler zur Be rückiichngung überweisen. Ein Könservativer hielt die beklagens­werten Erscheinungen sür Ausnabmciälle. Inzwischen waren wei­tere Anträge der Nationalliberalen und Fortschrittler eingegan- gen, die teils eine Abänderung der Anträge über de» Eingeborene» ichuv, teils eine vermehrte ärzlliche Versorgung, inisseiiichasilsche Weiterbildung der Acrztc wünschen, ferner ein Antrag aus Ein­schränkung der Anbauverpslichtuiig bei der Vergebung von Kron- land und auf Zuweisung von Land an die Eingeborenen. Der letztere Anttag will die Arbeiteruot mildern.

Die Anträge betreffend die ärztliche Versorgung und die wissenichastlichc Weiterbiiduni der Acrztc wurden ein stimmig a n g c » ö m NI c II. Mit großer Mehrheit iand auch der Zentrumsantrag. der ei»c laiserliche Verordnung sür den Schutz von Leben, Freiheit und Eigentum der Eingeborenen for­dert, Annahme, ebenso der Antrag über die Kronlandsvergebungen. Ter iozialdcmolratische Antrag ans Einschränkung der Ncugrün- dungcn vmi Plantagen wurde gegen die Sozialdemoktaten ab gelehnt, der Antrag der W > r t s ch a s t l i ch e n P e r c i » i g u n g angenommen, die Bittschrift zur Berüchssckitigung überwiesen. Ettl Zentrumsmitglied bedauerte, daß die Regierung ,mmer^i»ock> nicht die Abicktaffuni - der Hausillaverei vorbereiie. Ter Staats­sekretär erklärte, linnen kurzem werde dem Hauic eine Dcnk- schrist darüber zUgcheu. Ein Nationalliberaler bedauerte, daß der Gouverneur von Ostasrika sich gegen den dreijährigen Arbeits- Vertrag ausgesprochen habe, der tnclc Schwierigkeiten beseitigen würde. Dann vertagte man sich.

Der Ausschuß sür die Zeugen- und Sachucrstä»- digen gebüb reu beschloß heute, daß der Sachverständige in normalen Fällen eine Entschädigung bis zu 3 Mark für jede an gciaugene Stunde erhalten soll. Ter RegicrungScntwurs hatte nur 2 Mark vorgesehen. Wen» die Leistung besonders schwierig ist, io darf der Betrag bis zu 6 Mark iür jede augejangcnc Stunde erhöht werden.

In dem Ausschuß für die S o N-Il t a g s r u h cZiegründete eilt Sozialdemolrat einen Antrag, das Verbot der Sonntagsarbeft bis aus Städte mit 10 000 Einwohnern hernnter einziiiühren. Ei» anderer Sozialdemofrat wies aus Untertürkheim hin, das bei 32000 Einivohncrn aus eigenem Antriebe vollkommene Sonn tagsruhe eingejührt habe. Ein keiner Fraktio» angehölendes Mstglied ist ebenfalls sür die Grenze von 10000 Eininohnern. Fortschrittler und ZcMrumsmilglicdcr ividerivracheu dem sozial deniokrarischen Anträge Ein Nationalliberalcr betonte, daß seine Freunde sich sür die Grenze von 75000 Einwohnern entschieden hätten, nm endlich einmal weiter zu kominen. Sie seien sich aber der Schwierigkeiten jeder Disfeienziernng wohl bewußt. Bor der zweiten Lesung solle man daher noch die Interessenten zu World kommen lasscii.

Ter Antrag der Tozialdeniokiateu wurde mit 11 gegen 17 Stimmen abgelehnt, ebenso zwei Eoeuiualanträgc dieser Partei. Ter Antrag, die ssirenze au> 75 000 Einwohner scstzusetzcn, wurde mit 16 gegen I I Stimmen angenoimucu. Weiter wurde besprochen ein Antrag des Zentrums und der Konservative», der sür Städte über 75 000 Einioohner unter gewisse» Bedingungen eine Pcrkauis- zeit von zwei Stunden zulasse» will. Ter Antrag tourde mit Rück sichten aus die kleinen Gewerbetreibenden begründet. ?lls Kaulel sch vorgesehen, daß den betreffenden Handlungsgehilieii a» einem Wochentage ein freier Nachmittag zu gewähren sei. Außerdem müsse der Antrag aus Zulassung der .Üveistüiidigcn SouulagSarbeit von einem Drittel der beteiligte» GeickiSiisinhaber gestellt werden. Ein Zentrumsmitglied tordcrt die Zustinimung von zwei Trittclu der Geschäftsinhaber. Sozialdemokraten. Forlschrittlcr und National- liberale erklärte» sich gegen diese Anträge. Sie wurden daun ab- gelehnr. Tann erstreckte sich die Erörterung oui die von den höheren Verwaltungsbehörden zu erstattenden Ausnahmen.

vermischte».

E i » A h i c r st n li b c n c r. Eine lustige Evssodc aus den Leben des berühmten ameriiansscheu Dichters und Romanciers William Dean Hvwclls erzählt eine englische Zeitschrift. Et war in den Tagen, da H»owcUs als junger Mann als Redakteur eine amerilanischc Zeitschrift leitete. Einer Tages empfängt er in der Redakiinn den Besuch eines jungen Mannes, der ihm ein Gedicht überreicht. Howclts liest deck Gedicht, muß zugebcn, dap es ausgezeichnet ist, nur scheint es ihm ein wenig vertraut.Sckwie. bcn Sic da- ganz allein?" fragt er.Jawohl," erwiderte stolz der jugendliche Tichicr,jede Zeile ist von mir." Ta erhob sich Hvwclls und verneigte sich:Ich bin glücklich, Sic zu scheu. Lord Byron." erklärte er,bisher stand ich durchaus unter dem Eindruck, Sic seien bereits vor etliche» Jahren gestorben."

* Ties und das. 2895 Mk. iür eine Eiche. Einen Höchst­preis erziette kürzlich bei der Versteigerung in, Lpefiartwald eine Eiche, d. h. ein Eichcnstamm von 5 > Kuüilmctcr Inhalt. Wie derHolzmarkt" mitteilt, wurde für diesen Stamm die stattliche Summe von 2895 Mk. bezahlt. Tie Svessarl Eichen gelte» be­kanntlich als die besten Eichen TeutschiandS: die beste» Arten iindcn sich im Teorstbczirk Rotheubruch bei Rohrbrunn und in dem sog.Wctzgcrschlaq", wo noch heule Eichbäume stehen, deren Alter tziviickien 700000 Jahren schwankt. Wahrscheinlich ivcrdcn diese altchrwükdigen Baumriesen binnen kurzen! der Axt des Holz­fällers zum Ovftr lallen. Die Gesuche des Spessart-Beienis au die Bebörden, diese alten Stämme als Naturdenkmäler zu n- ballen, wurden abschlägig beschicden, da die bayerische Focstver- waltting nicht zugunsten der Naturfreunde und der Touristen ein so wcnvolles Kapital in den Wäldern brach liegen lassen will.

* Sr »ansErrettung". Ter amerikanische Staats­

sekretär des dkeußeren Herr Brvan ist bekanntlich Abstinenzler und hat kürzlich bei einem non ihml gegebenen dioloinatffckien Effeik sogar den Boiichastcru der Mächte lediglich Fruchtsost vorgcsetzt. Eines Abends ereignete sich cttoas Furchtbares. Herr Bryaü war von der Gesellschaft amerikanischer Auloreil eingeladen wor­den, und gegen Schluß des von ihm ausgcbrachtcu Toastes ergriff er verfehenilich ein Glas Sekt und »ährte es zum Munde. Im letzten Augenblick bemerkte seine Frau, die eine ebenso saue: tische Anhängers» der Abstinenz ist, das schreckliäic Versehen, und Bryau setzte erschreckt das Glos wieder aus den Tisch. Tie amerikanffcheu Zeitungen bringen diesen Mißgriff unter riesengroßen Uebchschris. ten, von öcnen eine beispielsweise lautet:Herr BriMn oo» seiner Frau errettet." f