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Der Oietzener Anzeiger

erscheint täqlick, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich OieyenerFamilievblätteri zweimal wöchenti.Xreis- dlatt für den Xreir Kietzen iDienstag und Freitag); zweimal n'.onail. Land» wirtschaftliche Zeitfragen Feriljprech - Anschlüsse: die Redaktion 112 , Serlaq n. Expedition 51 Adresse inr Depeschen: «nzeiarr (Sießcu. Annahme von Anzeigen iür die Taqesmnnmer bis vormittags 9 Uhr.

Erstes Slatt f64. Jahrgang Zreitag, 20. Zebruar !9l4

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Uuiv.-Vuch- vnd Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Schnlftrahe 7.

St)it asorci»:

>nonatlich7öPivierIel- iährlich illlk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost ALL.viertel» jährl, auslchl. Bestellq. Zeiienvreis: lokallbPst misivärts 20 Pienniq. Chcsredakteur: A Goetz. Verantwortlich iür den volit. Teil: Slug. Goetz; iürFeuilleton', .Ver­mischtes'uno.Ecrichls- saal": Karl Sleurath; iürStadt und Land': Kurt Bendt; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten.

Zum 5chutze der Jugend!

Der vom Bundesrat angenommene Gcsctzciitwurs über dcn Schutz der Jugend gegen sittliche Ge sährdung durch Wort und Bild will, um d-ic Kunstsammlungen und die öfsentlichen Standbilder nicht zu treffen, das Bcr- bot dersittlich gefährdenden Zurschaustellung von Sckxristen, Bildern und Darstellungen" in die (Gewerbeordnung ein­stellen. Man erinnere sich des vielumstrittenen Schaufenster- Paragraphen der Lex Heinze, wie er seinerzeit vom Rcichs- lage bereits angenonimcn war:

Mit Gefängnis usw, wird bestraft, wer Schriften, Abbil­dungen oder Tarstclluiigen, die, obuc unzüchtig zu sein, das Scham- qefühl gröblich verletzen, zu gcfchäftlichen Zwecken an öffentlichen Straßen, Platzen oder an anderen Orten, die dem öffentlichen! Perlebr dienen, in Aergcrnis erregender Weife ausstellt oder an- schlägt."

Das lvar von Hause aus keine Schubvorschrift für die Jugend, sondern ausgesprochenermaßen eine Vorschrift zur .Vvahrung des öffentlichen Schamgefühls und des öffent­lichen AnslandcS", damit konnte man sich nicht bcsrcundcn, lund es ist gut, daß jene Bestimmung nicht Gesetz geworden ist. Der juristisch-tcchni che Fortschritt ist i» der jetzigen neuen Gesetzesvorlage unverkennbar, sie operiert nicht mehr mit dem Begriffe der gröblichen Verletzung des Schamgefühls, der in unserem § 184a StGB, immer noch soviel Kopfzer­brechen niacht, sondern sic zielt gegen die sittliche Gefähr­dung der Jugend, und dainit wird in der Rcchtsprechumg und in der Bcrwaltnngstätigkeit der Polizei schon eher etwas anzusangen sein.

Die sittliche Gefahr, die durch das neue Gesetz zu be- lämpfen wäre, liegt in der öffentlichen Zurschaustellung von Abbildungen und Büchern, die durch vorsorgliche Vermei­dung des absolut Obszönen das Gesetz zix umgehen suchen, aber trotzdem durchaus Schmutz sind, und deren Vertrieb lediglich aus das Erwecken der erotischen Neugier berechnet ist. Welche Berechtigung haben dieKleinen Witzblätter", Sekt",Satyr",Flirt" usw,, die Intimen Geschichten. Chaiselongue-Geschichten, Geheimnisvolle Bibliothek, Feine Havanna, Was man nicht laut erzählt, Feigenblatt, Liebes­abenteuer, Aus dem Suvchfr der Großstadt usw, mit ihren unreife Gemüter aufreizenden Titeln und Titelbildern? Wenn irgend etwa die Jugend vergiftet, so sind es diese Bändchen, die 10 Pfennige, antiquarisch am Bücherwagen gar nur 3 bis 5 Pfennige kosten und die von den Kindern, Kna­ben und Mädchen, gelesen, verschlungen werden. Es besteht kein Zweifel, daß das neue Gesetz diesen Machwerken, die absolut nicht die geringste Daseinsberechtigung haben, den lüaraus bereitet. Wer sollte sich für ihr Weiterbestehen ein» setzen und waS vermöchte man für ihr jämm-rliches Dasein für Gründe anzuführen? Tragen diese Literaturerzeugniss: auch nur das geringste zur Hebung des Geschmackes, der Bil­dung, der Erkenntnis bei?

Ter Bundesrat scheint sich dieser Wirkung bereits bc- toußt zu sein. Denn in den offiziösen Vorankündigungen wird als natürliche Folge des Verbots der Zurschaustellung von anstößigen Druckschristen, Abbildungen und Darstel­lungen vorausgesagt: eine Verminderung der Kauf- und Schaulust der Jugend und damit ein Rückgang in der Her­stellung, im Vertrieb und in der sonstigen Darbietung, so

Grüne Zeugen aus grauer Vorzeit.

Die alte Linde am Haictorbalmhos in Osnabrück soll, w i c soeben berichtet wird, aus Vcrkchrsrücksichtcn beseitigt wer­den, Napoleon I,, der gewiß nie Bedenken getragen hat, Hindernisse entfernen, hot in eincr ähnlichen Lage anders gehandelt: er ließ beim Bau der Simplonstraße diese einen Umweg machen, um die ehrwürdige Zypresse bei Somna (Lombardei) zu erhalte». Freilich schätzt man «uw dos Alter dieses Baumes aus 3000 (!) Jahre ,so daß »eben dieser alten Dame die vierhundertjährige Linde Osnabrücks gewiß nur den Eindruck einer gerade sich er­schließenden Mädchenknospe niacht. Auch die übrigen, ohne Zweifel sehr alten Bäume i» Deutschland, zu denen vor allem die Eichen in, Parke zu Jvenack (Mecklenburg!, FontanesKönigsciche" bei Finlcnkrug in der Mark und die Linde gehören, der das württem- hergischc Städtchen Ncucnsiadt seinen Beinamenan der Linde" verdankt, müssen gegen die von Napoleon so achtungsvoll behandelte Zvvreiie zurückstchcn, obgleich die jüngsten dieser Bäume immerhin mindestens 1000 Jahre alt sein dürsten. Etwas näher kommt jener Zvvreiie die Eickw bei Samtes in Frankreich: sie lebt bc- reüs 2000 Jabre, In ihrem hohlen Stamm, der in Monneshöhe noch einen Umfang von 20 Metern zeigt, hat inan eine Kammer mit einer in das. Holz hineingcschnittenen Bank, einem Fenster und einer Tür hcrgestellt. Auf ein besonders hohes Alter kann man ohne weiteres schließen, wenn man sich Eiben von beträcht­lichem Uniianqc gegenüber befindet, da die Eibe nur l2 Milli­meter jährlich aii Dicke zunimmt. So müsse» denn die Eibe bei Fotheringhall in Schottland auf fast und die aus dem Friedhöfe zu Braburn in Kent, deren Umsang 18 Meter mißt, aus mindeyenS drei Jahrtausende zurückblicke», Ebeniails 3000 Jahre ait ist die Platane im Tale Bujukdcrc bei Konstantinopcl, die bereits Zeugin der Gründung dieser Stadt gewesen ist (658 v. Ehr, ,

Verlassen wir jedoch Eurova, so tresfcn wir Bäunic, deren Kindheit gar in die Zeit der Pharaonen und der alten babvloni- scheil Könige, >a noch früher fällt, Hierher gehört der Baobab /Adansonia digitata) im trovrschcn Afrika, Seine Krone hat nickt selten einen Durchmesser von 50 'Metern, Einige Ercnivlarc dieser Gattung müsscn nach sorgfältigen Berechnungen mindestens 5200 Jahre alt sein. Aber auch dieses Alter wurde bis zum Jahre 1867 noch übertrossen von dem Trackenbaum bei Orotava auf Teneriffa Denn er soll nach der Berechnung angesehener Natur­forscher bei seinem Tode, den ein Orkan im Herbit des genannten Jahres hcrbcisührte, ein Greis von 6000 Jahren gewesen sein, was ,bei dem langsamen Wachstum der Trachenbäume angesichts seines Ulmsanges von 14 Metern in Manncshöhc wohl glaublich ist.

Die gewaltigsten Exemplare des kalifornischen Mammutbaumes iWellingtonia gigantea) sollen nach Ansicht einiger Gelehrter freilich auch 6000 Jahre alt sein. Aber bei ihrer imvosanten shöhe von manchmal 130 Metern und ihrem stattlichen Umfange /bei einem maß man 60 Meter muß man ihr rasches Wachstum

daß die Erwartung gerechtfertigt erscheine, daß die Vor­tage auch in der vorgesehenen Beschränkung jedoch im Verein mit strenger Ueberwachung des Häusler Handels, der Ortskolportage und des Straßenhandels, wofür ein ent­sprechendes Verbot nach § 56 Nr, 2 und § 42a der Rcichs- gcWerbeordnung besteht zu dem gewollten Ziele, dem Schuhe der Fugend vor literarischem und bildnerischem Schund, fiihrt, Ter Kampf, der mit dem neuen Gesetz gegen den Schmutz in Wort und Bild geführt werden soll, wird sickxerlich Bundesgenossen in allen Lagern der Welt- anschauung, der Kunst und der Politik finden, wenn cs dem Reichstag gelingt, de» Gesetzestext so abzufasscn, daß der Protest und das Mißtrauen der Künstlerwelt fern- blcibt. Worauf es aiikommt, hat einer unserer größten Künstler, der greise Karlsruher Maler Hans Thoma ein­mal in einem Briese an den Münchener Staatsanwalt Dr, Ludwig .stemmer sehr sein dargelegt:

Möge einer die Nntnrkrast, welcher der Mensch willenlos unterworfen ist, heilig oder lüstern oder gemein bctrachleir oder nennen,, er hat die Verpflichtung, dies allerpersönlichste oder viel­leicht richtiger dies allergemeinschaftlichste als sein Geheimnis zu bewahren: jeder anständige Mensch tut dies auch. Deshalb ist zynische Veröffentlichung erotischer Vorkonimnisse in Wort und Bild nicht existenzbercchtigt und wo sic in unserer Zeit so leicht durch Photographie hcrzustellcn und zu verbreiten ist und dadurch ohne jeden lünstlcrischen Wert in die .Hönde unserer Jugend ge­langt, als volksvcrdcrbcnd zu bekämpfen,"

Die anonymen Urheber und Verbreiter der Schuud- lfiider und Schundliteratur mit erotischer Färbung zu Schundpreisen sind weder Künstler noch Schriftsteller, son­dern Spekulanten auf die niedrigsten Instinkte der Men­schen, Wenn der Gesetzgeber diesem Schmutze endlich einmal das Handwerk legt, ohne die Kunst zu stören, hat er eines der wichtigsten sittlichen Probleme unserer Zeit gelöst.

Di- Steuerkeform in Frankreich.

Der Einkommcnsteuercnlwurf der französischen Regierung hatte in dcn Scnatskreisen Widerspruch gcfiinden, und besonders war cs der Senator R i b v t, der dieser Tage eine Rede gegen die Ab- sichten der Regierung gehalten hatte. Diese ioolle die Entscheidung bis nach dcn Abgeordnetenwahlen verschleppen, um das Kabinett zu halten. Am gestrigen Donnerstag kam es nun im Senat zu einer bemerkenswerten Aussprache, wobei eine halbe Versöhnung der Geister zustande kam. Wir erhalten folgenden Bericht:

Paris, 10, Febr. In der allgemeinen Besprechung der Einkomme »st euer erklärte der Finanzministcr Eail- I an x, wenn man sich ans die Erhöhung der bestehenden Steuern beschränke, könne man den kleinen Steuerträger nicht entlasten. Man könne das Kapital zu stärkeren Leistungen heranzichen, denn das Äavitalvcrmögcn Frankreichs sei keines­wegs mit Stenern überlastet. Der Minister verteidigte sodann die Besteuerung des Einkommens aus der Landwirtschast, Ten Dcklarationszwang erklärte er für nöfig, damit der Ge­winn in icnHandelsge chäfien dcrPc' encrnng nicht entzoscn n er c. Die Regierung gehe von der Annavmc der beiden ersten Abschnitte de^ Ausschußcntwurses aus, obgleich auch da noch wesentliche Ver­besserungen nötig seien. Er halte die Annahme des 'Antrages, der die G r u n d » ü g c d c r R c s o r m enthalte, iür nötig und werde die Fortsetzung' der Steuerreform nach der Annahme der beiden ersten Abschnitte fordern. In der Pause besprachen die Senatoren lcbkast die Tatsache, daß der Finanzministcr sich ausdrücklich den Gesichtspunkten des Ausschusses und denen Ribots angeschlosscn habe. _ Nach der Wiederaufnahme der Sitzung verlangte der Minister di e Einführung einer K u p o n st c u c r und einer E r -

berücksichtigen. Und so wird inan wohl über 2000 Jahre nicht wesentlich bei der Einschätzung ihres 'Alters hinausgchen dürfen, dagegen wird man wohl den Ricsengnmmibäumen Austra- licns"w,edcr ein wesentlich höheres Alter zugcstehen müsse», Ihre 'Aeste bilden sie vielfach in einer Höhe von 100 Metern, aber darüber hinaus erheben sie sich noch um etwa 50 Meter, so daß manche Exemplare die Höhe von etwa 150 Metern, d, h, saß die Höhe ocr Türme des Kölner Domes, erreichen,

_ Eine epochemachende Operation, Das In­teresse das sich seit kurzem dcn Radium- und Mciothoriumkuren zngcwandl kat, dürste in allernächster Zeit ln dcn Hintergrund gedrängt werden, wenn sich die Nachricht von einer crstaunlickien Operafivn bewahrheitet, die in dem bekannteil Guns Hoivital in London vorgenommeii worden ist. Sie dürste eine Revolution in der gesalbten Praxis der operativen Heilkunde bedeuten. Die Operation ist i» gewissen Fällen von Tuberkulose in 4lWendung gebracht worden und hat sich so bewährt, daß sie in Guys Hospital als die maßgebende Bebandlungsweisc sür diese Krankheit cin- aefüblt worden ist. Das Prinzip der Behandlung ist, wie ein bedeutender Ebirurg der Presse erklärt bat, die Entscrnnng der Ursache des Leidens, Es war längst bekannt, daß die über­mässige Vermehrung schädlicher Bakterien im Dickdarm und die Unfähigkeit des Körpers, sie zu entfernen, die grundlegende Ur­sache vieler Krankheiten war. Ewige Chirurgen haben schon seit geraumer Zeit den Gedanken gehabt, daß mit der Entfernung des Dickbarms bessere Gesundheit und längeres Leben sür das Individuum erzielt werden könnte. Was sie aber von der Opc- ration abhielt, war die Rücksicht aus die Funktionen, die dieses Or gon im Körper zu besorgen Hai, Die tzauvtiunktion des Tick darms ist die Absorption von Wasser, und im Guys Hoivital kam man zuerst ant die Idee, dos; man einen kleinen Teil des Dickdarms stehe» lasten könne, der die »öligen Funktionen be­sorgte, bis fick Mögen unh Dünndarm dcn veränderten Verhält- nissen angepaßt hätten. Schließlich übettrug man die Theorie in die Praxis an einem Kind, das in den letzten Stadien einer unheilbaren tuberkulösen Gclenkasicktion litt: man operierte als letztes .Hilfsmittel, Ter Darm wurde bis mis ein nenn Zoll langes Stink entfernt und das übrigblerbendc Stück mit dem Dünndarm verbunden. Das Resultat war überraschend. In einer Woche hatten die inneren Organe sämtliche Funktionen wieder ausgenommen, und eine erstaunliche Besserung in der tuberkulösen Afseknon zeigte sich. In einigen Wochen war der Patient in augenscheinlich bester Gesundheit, Die Operafivn ist mit gleichem Eriolg in mehreren Fällen wiederholt worden, und man be­absichtigt, , sic nun auch aus andere Krankheiten anzuwenden, die erwiesenermaßen aus Dormvcrgistung beruhen Tie Ent­deckung wird von denen, die den Vorzug hatten, sic studieren zu können, als eine der epvchemachcndswn in den Annalen der Ehmrrgic angese!hrn.

gän zungssteuer mit D e I l a r a t i o n s z tv a n g . solange, bis man andere Mittel gesunden habe, um das wahre Einkommen scstzustcllcn, R i b o l erklärte sich im allgemeinen mit dcn 'AuS- sührungcn des Ministers einverstanden, sei aber gegen jede Ucber- stürzung. Man müsse zunächst die Grundsteuer und die Steuer aus bewegliche Werte resormicrcn. Er werde die Regierung ebenso unterstützen wie die anderen Republrkancr,

veutschrr Kcicf>.

Ter K a,iscr nahm am Tonncrsiag mittag in Karl §- ruhe Meldungen entgegen. Den Tee nahm der Kaiser beim Großherzogspaar im Palais ein. Er machte dann dem preußischen (Yesandtcn v, Elsendecher und im tzlnschluß hieran dem Kommandierenden General v, Hoeningen gen, Hucne einen Besuch, Abends speiste der Kaiser im Rcsidenz- schloß. In der Kapelle im Palais der llcrstorbenen Prin» zessin Wilhelm von Baden fand ain Donnerstag vormittag ll Uhr ein Tranergottcsdicnst statt, dem der Deutsche Kaiser mit dcn hier erschienenen Fürstlichkeiten beitvohnte.

Das preußische tzlb^cordnctenhaus lvandtc sich am Donnerstag -der vorgestern abgebrochenen Beratung über die Bekämpfung der Unsittlichkeit und das Berliner Nachtleben wieder zu. Der Antrag bctr, die Bekämpfung der Unsitilichkeit ivurde schließlich angenommen mit den Stimmen der Rechten, des Zentrums und der Natronallibe- ralen, der 'Antrag Aronsohn gegen das Verbot der Ver­einigung der Berliner Schutzleute gegen die Stimmen der Freisinnigen, Polen und Sozialdemokraten abgelehnt.

D a s P r e u ß i s ch c H e r r e n h a u s trat am Donners­tag zu einer kurzen Tagung zusammen. Die Verordnungen zur Bekämpfung der akuten spinalen Kinderlähmung in den Regierungsbezirken .Hannover und Wiesbaden werden durch Kenntnisnahme erledigt. Darauf erstattet Kammcrgerichls- präsident Dr, Heinroth den Bericht über das Gesetz, betr. die Zuständigkeit der Gerichtsschrcibcr der ?lmtsgcrichte für die ösientlichc Beglaubigung einer Unterschrift, das vom Ab- geordnetenhause bereits angenommen ist. Das Gesetz wird auch vom Hcrrcnhause angenommen. Es folgt das Gesetz, betr, die Dienstvergehen der Krankcnkassenbeamten, das die ständigen Krankenkasfenbeamlen dem Disziplinargcsctz sür nichtrichterliche Beamte unterstellt. Auch dieses Gesetz wird angenommen.

Die Saar- und tzNoselkanalisation, Die Zweite Kammer von Elsaß-Lothringen be schästigtc sich am Donnerstag mit der Saar- und Äkoselkana- lisation. Die Lothringer wünschten in einer Entschließung die Kanalisierung der Mosel, von Metz bis Tiedenhofen, das Zentrum die Saar- und Mvsclkanälisation von Eonz bis Saargcmünd; bczw. von Metz bis Koblenz. Alle Redner bekämpften dcn ablehnenden Stand­punkt des preußischen Ministers der öffent­lichen 'Arbeiten v, Breitenbach, Staatsselrctär Graf v, Rocdern erwiderte, indem er die Bedcntimg der Mosclkanalisation sür Elsaß-Lothringen anerkannte, er ver­trete die Forderung der früheren Regierung, deren Arbeiten fortgesetzt würden Von der Tarifermäßigung aus Koks und Erz cntsiclcn auf Lothringen und Luxemburg insgesamt 20 Prozent, Bei crsolgler Kanalisation würde die Ermäßi­gung 60 Proz. sür Koks und 80 Proz, für Erz betragen.

Eine tierärztliche .Hochschule in Leipzig, Tie Finanzdeputation der sächsischen Zweiten Kammer hat mit II gegen 4 Stimmen beschlossen, den für eine tier­ärztliche Hochschule zu errichtenden Neubau nicht in

ks. Erinnerungen an WaltcrScott, Neue Erinne­rungen an Walter Scott finden wir in 'Auszeichnungen, die aus dem Nachlasse der Frau Agnes Cnnninghaiil in England jüngst in Buchsorm vcrösscntlicht worden sind, Frau Agnes Cunningham hat dcn großen Romancier persönlich gelaunt. Unter anderem erzählt sic, daß Sir Walter von Jugend aus sich danach gesehnt hatte, cme eigene Scholle zu besitzen. Er war glücklich, als er im Jahre 1811 100 'Acres Land am Flusse Tweed, 3 Meilen von lNclrolc, erwerben konnte. Es nwr nur ein kleines Cottage, aber die Lage war wunder­schön, Bald war dos Cottage in ein bequemes Haus verwandelt, und Walter Scott verlebte dort die schönste Zeit seines Lebens mit seiner Fron und seinen Kindern, crauickl durch die einfachen häuslichen Freuden, bevor ihn der Ruhm dazu zwtiuq, in der großen Welt zu leben. Dort lvar es, wo Walter Scott seine besten Romane schrieb, zum Beispiel Waberly, Dieser Roman hatte einen serh großen Erfolg, und in Melrose und Umgegend riß man sich bald um Exemplare, Mit dem Erfolg kam auch der Reichtum ,u Walter Scott und bald konnte er seinen Landbesitz vergrößern. Er vilcgtc auch viel geselligen Verkehr mit der llkachbarschast, u, a, mit dem Vater der Frau Cunningham, Mtt diesem, der ein lcidenschaitlicher Jäger war, ritt er viel aus Fuck/sjagd, und an diese Jagden schlossen sich lin Hause Cunningham frohe Feste, bei denen auch etwas Whisky floß, Walter Scott lam sehr gern in däs Haus der Cunninghams und srcundete sich besonders mit den Kindern a». Er lvar sehr kinderlieb lind crsrcutc sich an dem ausgcwccktcn Geplalider der Kleinen, Besonders bcschäsfigte er sich mit einem Bruder der Frau Cunningham, dem er seine Gedichke vorlas, die der Kleide dann mit Vergnügen auswendig lernte und vortrug. Mit diesem Jungen von 5 Jahren verlebte Walter Scott viele glückliche Stunden,

D i c Germaniaschule in Buenos Aires. Ter Jahresbericht der Germaniaichule in Buenos Aires von l0I3 bietet manches, was allgemeine Beachtung verdient, Ter Direktor der Schule Tr, Rüge steht jetzt 10 Jahre an der Spitze der ?lnüalt. Nach den Mitteilungen des Vereins sür das Deutschtum im ?lus- lande ist es ihm in wenigen Jahren gelungen, den Bestand der Schüler von 260 auf über 400 zu erhöhen. Seit 1097 zeigen sich nur unbedeutende Schlvanlungen, Das ist um so höher anzuschlaqen, weil die einheimischen Schulen kein Schulgeld erheben, dos der Gcr- maniaschule aber recht hoch ist, Tic dem Bericht beigciügtc Abbil­dung des Schulgebäudes und die vielen sreiwilligen Beiträge der Deutschen in Buenos-Aires beweisen, daß diese reichliche Opscr sür die Erhaltung des Teufi'chtums bringen, ein erneuter lllnsvorn für die Deutschen in der Heimat, auch ihrerseits nicht znrückzustchcn. Sehr scssclnd ist in dem Bericht eine Schilderung der von der Ger ttraniaschule unternommenen Schülersahrt nach Paraguay, aus de, hcrvorgcht, daß auch die Deutschen in Paraguay ihre Volksart qc- wissenhast hüten. Es wäre sehr zu begrüße», wenn alle Auslands- schulen ihre regelmäßigen Schülersahrtcn machten und damit Be­suche bei anderen Deutschen verbänden. Es ist ein neues schönes Mittel, um die Deutschen in der Welt draußen ziisammcnznhallcn.