ia im Wege des Armcnrechts evenil. unisonst gewähr! würde, ihnen aus der anderen Seite aber sür ihre „Bagatcllsordc- rungen" gegen das Urteil der Gewerbegcrichte eine Berufung versagt, wenn die Forderung nicht mehr wie 100 Mk. beträgt? Im Jahre 1905 konnten von 122 302 Gcwcrbe- gerichtssachcn nur 704 in die Berufungsinstanz kommen, und nicht alle^jenc anderen 121398 Urteile waren richtig! eine grosse Anzahl unter ihnen ist wohl deshalb nicht angcsochten worden, weil sic die „Bagatcllsummc" von 100 Mk, nicht überschritten. Nehmen mir nur dieHälslc dieser Sachen, also rund 60800 Sachen als aussichtsreich sür die Berufung und einen Durchschnittswert von nur 40 Mk, für jene Sachen, io ergibt dies ein Betrag von 2 432 000 Mk, deutschen Ar» beiterlohncs, der obwohl eine Berufung aus rechtlichen Gründen nicht für aussichtslos gehalten werden kann, doch ihrer nicht sür würdig gilt, weil er Bagatelle ist in den Augen derer, die das Gesetz gaben. Ist das sozial? Bcini Kauf- mannegcricht dasselbe Bild, nur daß dort die Bagatcllsuinme 300 Mk, beträgt.
Was die Kosten unseres heutigen deutschen Prozesses an- langt, so ist es eine bekannte, nirgends abgelcllgnetc Tatsache, daß dieser der billigste in säst sämtlichen enroväischen und, erst recht gegenüber den außereuropäischen Ländern ist. Nach deni Wort eines berühmten Juristen ist jeder Prozeß eine vorübergehende soziale Krankheit, deren Heilung natürlich, wie jede Krankheit, einige Zeit und auch einige Kosten erfordert: die ar m c n Prozeßkranken werden sogar noch umsonst geheilt, die körperlich Kranken bekanntlich nicht.
In der Frage der Eideszuschiebung, bei der der Verfasser, der in Oesterreich schon heute gültigen eidlichen Vernehmung der Partei das Wort redet, gegenüber unserer mittelalterlich aninutcnden Eidesformel, wird er bei den modernen Geistern auch im Anwaltsstand auf volles Verständnis stoßen. Denn in der Tat ist her heutige Eid mit seiner geschraubten Fassung („Ich schwöre, cs ist nicht wahr, daß Ä. mir das Geld gezahlt hat, cs ist vielmehr wahr, daß er mir sagte, er wird mir es nicht geben", statt: „A, hat mir nichts bezahlt, sondern sagte, er gebe mir nichts") öfter eine Falle "des Rechts ist, die ihm das Unrecht stellt, als ein Mittel zur Wahrheitsfindung,
Die Tätigkeit der Hess. Landwirtschaftrkammer im Zahre Wö.
Wir erhalten folgende Zuschrift:
Aus Anlaß der Ablehnung weiterer Staatsbeihilsc iür die Landwirtschaftslammer bei den diesjährigen Voranschlagsberatun- qcn steht in weiten landwirtschaftlichen Kreisen das Institut der hessischen Landwirtschaftskammer wieder im Mittclvunlt der Interessen unserer Landwirtschaft treibenden Bevölkerung, Sollte es wirklich richtig sein, daß die Landwirtschaftskammer ungeheure Vcrwal- kungSkosten verbrauche, sachlich aber der hessischen Landwirtschaft wenig oder gar nichts nütze?
Ein Blick aus daS Budget der Landwirtschaftskammer vom Fahre 1913 genügt, um diese Behauvtungen zu widerlegen. Unter Zisfcr I de» Budgets finden wir die Ausgaben sür wisscnschastliche, Lehrzweckc und dergleichen. Ist diese Tätigkeit nicht nutzbringend kür die Landwirtschaft? Oder kann nicht vielmehr aus diesem Gebiete gar nicht genug geschehen? Tic überaus wichtige Prüfung landwirtschaftlicher Maschinen, die Unterhaltung der landwirtschait- lichen HauShaltungSschulen zu Langen und Lindheim, in welchen alljährlich ra. 100 Schülerinnen zu tüchtigen Landwirtssrauen Ausbildung finden, die ganze, allgemein dankbar empfundene Einrichtung des BaubcratungSdiensteS zur Förderung deS landwirtschait- lichen Bauwesens, die Einführung eines BuchführnngSdienstcS sür landwirtschaftliche Betriebe, dessen Inanspruchnahme allen Landwirten freisteht, die Einrichtung eines kostenlosen RechtSauSkunstS- dienftcs, die Beratung der Landwirte in Steucrsragen, der Ar- befternachweiSdienst, eine bei der herrschenden Leutenot gewiß notwendige Einrichtung, die Herausgabe der landwirtschaftlichen Zeitschrift mit ihren Beiblättern fallen neben anderen weniger bedeutenden Ausgaben in dieses Kavitel,
Für die Förderung unserer Tierzucht gab die Landwirtschaftskammer im Jahre 1913 150 937 Mark aus. Die Einrichtung der Landes - Herd- und Stammbücher, die Veranstaltung von Schauen, Zcntralviehmärkten, von Pserdeauktionen, die Prämiierungen, die Einrichtung einer Fohlen,uchtstation in Groß-Brciten- bach, die Einrichtung von Fohlenweiden und Tummelplätzen, die Körung, die Unterstützung der Zuchtvereine, die Einrichtung von Zuchtviehhösen sür Rindvieh, von Butlenftatronen, von Bullenaus- zuchtstationen. der Import von Zuchttieren, die Milchuntcrsuchun- qen, die Einrichtung von sieben Zuchtviehweidc», die Förderung der Schweinezucht, der Ziege»-, der Geflügel- und der Schafzucht sollen hierzu beitragen. Ist eine von diesen Einrichtungen nicht von Vorteil sür die Landwirtschast?
Die Förderung des Wein-, Obst- und Genlülcbaucs ließ sich die Kammer angelegen sein durch Versuchs und Musterpflanznugen, Versuche im Wein Obst und Gartenbau, ersterc in Verbindung mit der Wein unk Obstbauichnle Oppenheim, durch Einrichtung -von Gcmüseireiblmukeru, die Mitarbeit an der Neuorganisation der Zentralstelle sür Obstverwertnng in Frankftirt am Main, die Anlage von Rcbschulen, Prämiierung von Weinbergen, die Schidlings- bekämpsuug, durch Versuche zur Ersorsckmng der Gelbsucht der Reben, durch Unterstützung der Ausbildung von Baumwärtern u, a, m Aus dem Gebiet der Förderung der allgemeinen Landeskultur, der Bodenkultur usw, veranstaltete die Kammer Tortcn- anbaupersuche mit Wintcrivcizcn, Winterroggen, Sommerweizen, Sommergerste, Hafer, Mais und Kartoffeln. sic begann mit Anbau- Versuchen wichtiger Fultcrvslanzcn und mit Versuche» über den Saatwechscl^ sie iraf die Einrichtung der SaatgutvermittetungS- stelle, der Saatgutmärkte, sic förderte den Brangerstenbau, veranstaltete bezw, unterstützte Braugerste-Ausstellungen, sie versuchte die Förderung des Privatwaldbaues, wenn auch nur mit einem geringen, ihr zur Bcrsügung stehenden Betrag und führte de» gesatnten ihr von Großh, Ministerium des Innern übertragenen Pflanzenschutz durch. Auch die veranstalteten TemonstrationS- düngungSversuchc gehören in dieses Kapitel Ist eine dieser Einrichtungen wertlos oder auch nur entbehrlich? Tie satzuugSgcmäßen Beiträge zum deutschen Landwirtschaftsrat, zur Deutschen Landwirt- schastSqcsellsckmit. zur Bereinigung deutscher Schweinezüchter, zum Pomologenvcrein Butzbach, zur Gesetlichait sür ZüchtungSkunde, zur Vereinigung zur Hebung des Zuckervcrbrauchs itnd viele» ähnlichen Vereinigungen kommen sicherlich doch auch der hessischen Landwirtschast zugute, stein weitsichtiger Landwirt wird sic sür überslüssig halten, ebenso wenig wie die intensive Förderung und Unterstützung der Ausstellungen der Teutichen Landwirischasts- gesellschait ebenso wenig auch, wie die Kosten der alljährlichen Hauptversammlung, der Provinz-Ausschußvcriammlungen „sw,, bei denen den Landwirten Gelegenheit geboten ist. auszusprcchen, wo sic der Schuh drückt.
Weiß man denn nichts im Lande von der Tätigkeit der Kammer zur Wahrung der landwirtschaitlichen, Interessen bei den rimsang- reichen Gesetzentwürfen der allgemeinen Bauordnung, des Feld bereinigungsgcicycs, de« Gesetzes über die Entschädigung der an Maul- und Klauenseuche gcsallenen Tiere, des Körgesetzes, der Nn- iallverhütungsvorschriiten der land- und forstwirtschaftlichen Bc- russgenossenschast u, v, a,?
Doch damit genug. Jeder, der tS nicht schon'vorher wußte, sieht: die Ausgaben einer energischen, arbeitSsrcudigen Jntcr- rssenvertretung der Landwirtschast sind zahlreich. Noch gar manches könnte getan iverden und müßte getan werden. Am guten Willen und an ArbeitSsreudigkeit fehlt eS der Interessenvertretung der hessischen Landwirte nicht, Liber Geld ist nötig zur Turchsührung aller dieser Ausgaben, daran ist nichts zu ändern. Gibt man es nicht, so spart man allerdings für den Staatshaushalt, aber man spart auf Kosten der hessischen Landwirtschaft.
Rechtsanwalt Meiscl-Darnistadt,
Rtichstogsersatzwahl in Uöln-LanS.
Köln, 17, Febr, Bei der heutigen Reichstagsersatzivahl im Kreise Köln-Land wurde K u ck h o f s (Ztr.) mit 35 648 Stimmen gewählt. Der sozialdemokratische Kandidat Redakt, Sollmann erhielt 24 630, der nationallibcrala Schlosser Scaruppe 6563 Stimmen, 148 Stimmen waren zersplittert,
Berlin, 18, Febr, Ter Berliner „L o k a l a n z c i g e r" schreibt: Tic Wahl in Köln-Land brachte insofern keine Ucbcrraschung, als der Zentrumskandrdat wie schon regelmäßig seit dem Jahre 1871 wiederum sein Mandat behauptete, Tie „Vossische Zeitung" urteilt: „Tem
Zentrum haben die Vorgänge in den letzten Wochen genutzt. Seine Wähler empfanden es als eine Pflicht, gerade jetzt in der Stunde der Not der Partei eine glänzende Ver- traucnskundgebung darzubringen und so ihrerseits gegen die Quertreiber und die hinter ihr stehenden Kirchensürsten zu demonstrieren," Die „Deutsche Tageszeitung" meint: „Tic Wahl des Abg, Knckhoss war bekanntlich im Januar 1912 nur mit einer Mehrheit von einigen hundert Stimmen erfolgt: wenn er nun mit einer Mehrheit von über 4000 Stimmen gewählt worden ist, so wird cr sich das und seiner Partei als Erfolg buchen-tönncn," Der „Vorwärts" schreibt: „Noch einmal ist diese Hochburg den Schwarzen erhalten geblieben: nicht zum wenigsten ist dieser Erfolg der skrupellosen Agitations-Methode seiner Redner zu danken,"
ver neue Statchalter und die elsah-lothr. ttammer.
S t r a ß b u r g i. CE., 17. Febr, Tic Zweite Kämmer beschäftigte sich in ihrer Nachmittagssitzung mit dein Voranschlag des Statthalters, wobei Abg, Ernmel (Soz,) an die Regierung die Frage stellle, was der Statthalter getan habe, um den Irrtum des Reichskanzlers im preußischen Herrenhause richtig zu stellen, daß der Kaiser die elsaßlothringischen Bundcsratsstimmen instruiere. Dies würde mit den tatsächlichen verfassungsmäßigen Bestimmungen in 'Widerspruch stehen. Der Redner vertrat die Ansicht, daß dem Landtage aus Grund seines Kontrollrechts eine lieber- sich! über die Stellungnahme der Bevollmächtigten zum Bnn- desrat vorzulcgen sei. Die Regierung solle sich ferner darüber äußern, ob sie zu den Ausnahmegesetzen (Beschränkung der Preß- und Vcreinsfreiheit) ebenso Slcliung nehmen wolle, wie die alte, Regierung,
Nach längerer Gcschästsordnungsaussprachc ergriff der Staatssekretär Gras von Rocdern das Wort, Er verwies auf den 8 2 der elsaß-lothringischen Verfassung, wonach der Statthalter die Bundesratsbcvollinächtigtcn ernennt und instruiert. Es sei ihm erinnerlich, daß der Reichskanzler nur meinte, in der Praxis würde sich eine Divergenz nicht ergeben können. Wer die Fälle, die den Bundesrat bcschäs- tigcn, kenne, der werde zugebcn, daß eine Uebcrsicht der Jw- struksionen der Bundcsratsbcvollmächtigtcn^prakkisch nicht möglich ist. Bei großen wirtschaftlichen und allgeinein politischen Fragen werde die Negierung stets über die Nichtlinien ihrer Politik Auskunft geben. Die Frage der Acnderung reichsgesetzlicher Bestimmungen aus dem Gebiete des Prcß- und Vcreinsrcchles sei an die Regierung nicht hcrnngctretcn. An den Grundzügen unserer Wirtschaftspolitik solle nichts geändert werden. Der Wassernftrtschast unseres Landes und den Reichseisenbahnen wird Me Regierung volle Aufmerksamkeit znwcnden,
Abgl ,h a u ß (Ztr,) findet es erfreulich, daß sich auch die neue Regierung aus den P«rragraphen 2 der elsaß-lothringischen Verfassung beruft. Es wird aber, so meinte er, im Olegensatz zu der Meinung des Reichskanzlers sehr häufig der Fall sein, daß eine Divergenz zwischen den preußischen und den elsaß-lothringischen Stimmen eintrctcn muß; denn unsere Landesinteressen haben doch den preußischen voran» zugehen,
Abg, Wolf (lilO betonte, daß die wichtigste Errungenschaft unserer Versasjsnng eben die sei, daß der Statthalter einem Souverain gleichgestellt wurde, hinsichtlich des Rechtes, Bundesratsbevollmächtigte zu ernennen und zu instruieren.
Daraus wurden die Rcpräscntationstostcn des Statthalters bewilligt unter Ausrechterhaltung des früheren Beschlusses, daß bei dem künftigen Statthalter 100 000 Mark tvcgsallcn sollen. Die betreffende Etatsposition beträgt bisher 200 000 Mark, Den Titel „Dispositionsfonds des Statthalters 100 000 Mark" beantragen-die Sozialdemokraten gleichfalls zu streichen. Auf Antrag des Abg, Haus; (Ztr,) wurde die Abstimmung über diese Position ausgcsctzt, bis der Bericht des RcchnungSprüfuiigsausschusscs vorliegt.
vü«t?«hs» AeiZh-
Dcr Kaiser gedenkt sich am heutigen Mittwoch abend nach Karlsruhe zu begeben, um an den Beisctzungs- fcicrlichkeiten der Prinzessin Withelm von Baden tcilzu- nchmcn.
Der erkrankte Kronprinz. Im Zustand des Kronprinzen ist eine tvcitcre Besserung eingctreten. Eine „kurze Anfrage" tvegen der Gesundheit s v e r h ä l l n i s s e i in d e u t s ch c n H e e r e ist von den Abgeordneten B a s s c r m a n n und Schiffer im Reichstage eingebrachl worden,
Ter Prinz zu Wied reifte am Dienstag mittag 1 Uhr von Berlin nach L o n d o n ab. Er wird den Rückweg über Paris nehmen.
Vor dem Zabcrncr Landgerichte stand am Dienstag Zivilklage gegen den L e u t n a n l v o n F o r st n e r zum Termin, Tie Klageschrift behaupict, daß van Forstner im Somnicr 1913 ein damals kaum 14 Jahre alles »och »nbeschollenes Mädchen ocrsührl habe Als Streit- bezw, Entschädigungssumme werden vom Vater des Mädchens 2000 Mark gefordert. Die Verhandlung wurde dem Anträge des Vertreters des Beklagten entsprechend aus den 28, April vertagt. Die lange Vertagung ist mit Rücksicht daraus erfolgt, daß von Forsiner zurzeit noch ni inder- jährig ist, aber zu Ostern das Alter von 21 Jahren cr- rcicht, so daß er dann seine Sache persönlich vcilrctcii kann.
ünflanS.
Ter Erzbischof von Reims und die Kamin erwählen Ter Erzbischof von Reims, Kardinal Lu- c o „, erließ im Hinblick auf die nächsten Kämmerwahlen einen Hirtenbrief, in dem cr die Katholiken aussordert, alle Bewerber abznlchnen, welche durch ihre unmoralischen und umstürzlerischen Lehren die Lcbensintercssen der Armee, der Finanzen, des .Handels, sowie das Ansehen und den französischen Einfluß im Ausland gefährden, welche der Religion feindlich gesinnt seien und die Freiheit der Kirche immer mehr cinschränken ivollen. Die Katholiken dursten nur solche Männer wählen, welche de» wesentlichen Jnicrcssen des Landes ergeben seien, der Kirche ihre Freiheit sichcrlcn und durch die Wiederherstellung der Beziehungen zum Papst dauernd verbürgen wollten.
Der König der Belgier, der am Dienstag vor. mitlag einen Spazierritt in der unmittelbaren Umgebung von Brüssel unternahm, stürzte mit seinem Pferd« und trug einen Bruch des linken Armes davon,
Tic russische Reich s d u m a verhandelte am Dienstag über den Gesetzentwurf betr, die Erweiterung derPcrsönlschkeits-undEigcntuinsrechteder verheirateten Frauen, Durch den Gcsctzeutwurf sollen verheiratete Frauen ermächtigt werden, getrennte Pässe ohne Erlaubnis des Ehegatten sich ausstcllen zu lassen, und von ihren Ehegatten getrennt lebende Frauen sollen das Recht erhalten, Angcstclllenverträge und Dicnstverträge össcntlichcn und privaten Charakters abzuschlicßen, sowie sich als Schülerinnen in verschiedenen Schulen aufnehmen zu lassen, und endlich ohne Ermächtigung durch ihre Ehegalten Verträge abzuschließen. Als Gründe, die eine häusliche Trennung von Ehegatten zulassen, werden anerkannt: Ansteckende oder Geisteskrankheit des Ehegatten, Unfähigkeit der Frau zur ehelichen Gemeinschaft, das Verhalten des Ehegatten, das mit den Ehcpflichlcn unverträglich ist, Jmmoralilät und schwere Belcidigiingen, Der Gesetzentwurf regelt die Rechte der in häuslicher Trennung lebenden Ehegatten gegenüber ihren Kindern, Ter Oliobrist G o d n c w brachte einen Antrag ein, anstesichts der Mangelhaftigkeit der bestehenden Gesetze über die Ehescheidung einen entsprechenden Gesetzentwurf der Duma vorzulegen. Der Gesetzentwurf wurde angenommen, ebenso der Antrag Godnews,
Die E Nt l a s s u » g des schwedischen M i n i st c - r i u m s S t a a s f ist bewilligt und das neue M i n i st c - rill in ernannt worden. Dieses setzt sich folgendermaßen zu sammcn: Ministerpräsident und Krieg: von Hammar- skjoeld: Aeußeres: Knut W alle n b e r g, Mitglied der Ersten Kammer: Justiz: Hasselrot, Präsident des süd schwedischen Hofgerichts; Marine: Brvstroem, Schisss- reeder in ltzotßcnbnrg und ehemaliger Abgeordneter: Inneres: Landeshauptmann von Shdow; Finanzen
Venncreten, Fabrikbesitzer und Abgeordneter: Unter richt: West mann, Universitätsprofessor: Ackerbau: Baron JohanvouBeck-Friis, Mitglied der Ersten Kam mer; drei Ministerien ohne Portefeuille erhalten: Oberst Mcrcke und die Expcditionschess Stcnverg und Linner, Der neue Ministerpräsident ist im Auslande als Mitglied des Haager Schiedsgerichts und als Präsident des Schiedsgerichts in der Easablanca-Angelegenhcit bekannt. Ter neue Finanzminister Venncreten ist einer der schwedischen Unterhändler für den neuesten Handclsverlrag zwischen Schweden und Deutschland gewesen. Das hauptsächlichste Ziel des Ministeriums wird offenbar die Lösung der Landesverteidi- gungssiage sein.
Au» Sttidt und CanO.
Gießen, 18. Februar 1914.
** Tageskalender sür Mittwoch, den 18. Febr,: Staüt-
t b c a t e r: .Eginoni/ Aniang 7 Uhr,
(M e | e 11 i d) a f t für Natur- u » d Heilkunde: Vortrag 8’/, Ul>r ft» großen Hörsaate der Universität.
T r i n k e r - I ü r s o r g e st e l l e für Stadt und Landkreis Gießen Gießen Astcrweg 9. Sprechstunde jeden TouucrStag abcud 6 bis
7‘/> Uhr. .
•* Der Großherzog hat dem ordentlichen UniverfttätS» vrofessor Or. med. et phil. R. O. Reumann zu Gießen die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen deS ihm von dem König von Rumänien verliehenen KommarideurkrcuzcS des Ordens der Rumänischen Krone erteilt.
*' AuS dem Schuldienste. Erledigt ist eine mit einem kaihol. Lehrer zu besetzende Lchrerstclle zu Horch» heini, mit der Orgoniftendienst verbunden ist.
** Kaisermanover, In einer vertraulichen Sitzung der Stadtverordneten in Marburg nmrdc erwogen, zum diesjährigen Kaisermanöver in Hessen den Kaiser nach Marburg einzuläden,
** Staats- und wirtschaftswissenschaftlicher FortbildungSknrsus zu Frankfurt am Main, In der Zeit vom ll, Mai bis 30, Juni 1914 findet in Frankfurt a, Main wiederum ein FortblldnngsknrsuS für höhere Bcr- waltungsbcamte und Juristen statt. Das Programm ist diesmal hauptsächlich kommunalwirtschaftlichen Frage» gewid mel, Nainhastc Praktiker der staatlichen und iommunalen Verwaltung sind als Vortragende gewonnen worden, Tic einzelnen Vorträge werden durch eine Reihe von Besichtigungen ergänzt werden, ' -
** Stadttheatcr, ES sei darauf aufmerksam gemacht, baß die heutige Eamont-Vorstellung Mt um IO','. Uhr endet und nicht, wie irrtümlich auf Theaterzettel und Wochenspielplan an gegeben, um 10 Uhr, — ES wird alle Theaterfreunde interessieren und freuen, daß Fräulein Else Jüngling mit der nächsten Spielzeit wieder in den Verband unserer Bühne zurückkehrt und damit den Ilebergana in ein älteres Fach vollzieht. In den Bor stellungen von „Schneider Wibbcl" und „Wie einst im Mai" wird die Künstlerin schon jetzt alz Gast Mitwirken,
** Wohltätigkeits-Konzert des Krvnbaucr- schen Ouartcttvereins am 22 Februar im Stabt r li c a t c r. Man schreibt uns, daß dem schönen llntcrnehnien von allen Seiten regstes Interesse entgegengcbracht wird, und daß neben dem edlen Ztveck vor ollen Dingen das musikalisch Gebotene dabei freudig begrüßt wird, Herr Ernst EvertS, wie Herr Kammermusiker Heinrich Kr» sc sind in Gießen keine Unbclanntc mehr Der erste bat sich als Oratorium- und Liedersänacr hier sehr erfolg reich eingeführt und ist als Loewe- und Tchubertsängcr in den musikalischen Kreisen deS Rheinlandes besonders geschätzt. Namentlich der Vortrog der mächtigen Ballade „Archibald TouglaS" wird von nachhaltigster Wirkung sein, Heinrich Kruse ist unbestrillen schon seit Jahren zu einem unserer reifsten Eellovirtuosen empor gestiegen, dessen glänzende Technik ebenso bewundernswert ist, wie sein künstlerisch geschmackvoller Bortrag,
** Fahrpreisermäßipn n q Dom l, April ab tvird nackt einer amtlichen Bekanntmachung im Bereich der deutschen Staatseisenbahnvcrwaktungen die Fahrpreisermäßigung für Mitglieder von Krankenkassen (halber Fahrpreis 3, Klasse für die Hin- und Rückfahrt) bci- Rcisen zur Aufnahme in Heilstätten und Kliniken, bei Be° suchsbehandsimg in öffentlichen Krankenhäusern und bei dem Besuch von Kur- und Erholungsorten gewährt. Dasselbe gilt fiir Reisen zur Besuchsbehandlung durch Speziakärzie oder zum Gebrauch medizinischer Bäder,
** Feuer Ein Wächter entdeckte heute nacht gegen 5 Uhr einen Brand in dem Grundstück einer hiesigen Gummifabrik, das leicht größeren ilmsang hätte annchmen können. Er weckte sofort den Meister des Werkes, mit dessen Hilfe das Feuer gelöscht werden kopme. ohne daß man die Hilfe der Fjeuerwchr rn Anspruch zu nehmen brauchte,
** Turchgegnngeues Gespann Gestern abend gingen auf der West-Anlage zwei Pferde durch, Sic rannten durch die Anlage und kamen durch den Viadukt an der Rodhcimer Straße, ohne de» Wagen zu beschädigen. Da der Wagen die Böschung nach der Lahn Innnntcrznsallen drahte, hielt ein beherzter Mann die rasenden Pserde mit erhobenem Stock ans,
** Kleine Mitteilungen, Als eine Turnerin tn B a d- Nauheim nach der Turnstunde noch cmc sieiwilligc Uebung


